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  Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 31.07.2018 14:49
Ihr Lieben, ich muss mich mal ausheulen. Ich fürchte es wird lang.....
Eigentlich ging es mir bzw. uns hier gerade ziemlich gut. Wir hatten uns alle gut mit der Autismus Diagnose von Sohn arrangiert.
Der erste Kratzer kam als wir in Urlaub fuhren. Schon lange fahren wir regelmäßig mehrmals im Jahr nach Südfrankreich. Es war immer tooootal anstrengend diese Reise mit Sohn im Auto zu machen. Da wir aber sehr viel auch größeres Gepäck dabei haben und da wir einen Hund haben der mit soll und da ich obendrein Flugangst habe sind wir halt immer mit dem Auto gefahren. Vor 2 Jahren jetzt schon haben wir uns entschlossen uns für die Reise aufzuteilen. Mann fliegt mit Sohn und ich fahre mit Tochter Hund und dem vielen Gepäck im Auto. Weil es alleine zu anstrengend ist teilen wir die Fahrt aber auf 2 Tage auf. Meine Tochter findet das auch ganz klasse. Sohn sagt selber dass er das so viel besser findet. Zwar ist das fliegen für ihn auch anstrengend aber nicht so anstrengend wie 15 Stunden Autofahrt.
Das nur als Vorgeschichte.
Wir sind also aufgeteilt abgereist.
Und die Fahrt und die Übernachtung mit meiner 5 Jährigen Tochter war einfach so schön und völlig entspannt, das hat mich echt umgehauen. Wenn ich dran denke wie Sohn mit 5 drauf war wird mir heute noch ganz schlecht traurig das war wirklich eine schlimme Zeit.
Jetzt ist es viel besser als es damals war, trotzdem aber nicht so wie mit Tochter.
Im Urlaub war es soweit ok. Ich finde es zwar schade dass Sohn beim gemeinsamen Essen nur kurz dabei sitzt, wortlos schnell isst und dann aufsteht, das ist aber immer noch besser als die Nummer die er früher gebracht hat. Wir konntenn phasenweise überhaupt nicht gemeinsam essen. Mit Tochter ist das einfach ganz anders. Sie isst, unterhält sich mit uns, bleibt auch noch sitzen und quatscht wenn das Essen schon rum ist. Das ist halt richtig schön. Aber gut, man kann nicht alles haben, es gibt auch wesentlich schlimmeres, ich möchte mich da gar nicht so beklagen.
Jetzt war aber nach unserem Urlaub eine ich schreib jetzt mal in " "Freundin" mit ihren 2 Kindern zu Besuch bei uns. Für 2 Tage. Sie hat früher mal hier gelebt und wohnt jetzt in Bremen. Sie kannte meine Tochter noch gar nicht, meinen Sohn kannte sie bis er knapp 2 Jahre alt war. Früher mit ihr waren wir 4 gut befreundete Mütter, jetzt treffen wir uns hier immer noch sporadisch zu dritt und zu ihr gibt es Facebook/Telefon/WA Kontakt. Dass sie bei mir gewohnt hat liegt jetzt daran dass wir einfach den meisten Platz haben. Von Sohns Autismus Diagnose hatte ich nichts erzählt. Vielleicht war das ein Fehler. Dass Sohn "schon immer" schwierig und "anders" war wusste sie sehr wohl, das hatte sie mitbekommen und ich hatte auch oft genug in dieser Gruppe nach Rat und Erklärungsversuchen gesucht. Allerdings sind diese Mütter jetzt alle in dieser Hinsicht keine guten Hilfen. Da hab ich andere Freundinnen mit denen ich Probleme besprechen kann. Bei diesen Frauen ist im Prinzip immer alles normal und bei Ihnen auch so wenn nicht sogar noch schlimmer als bei uns. Da brauchte ich mit Problemen nie wirklich ankommen. Ich fand die 2 Tage eigentlich soweit ok. Kurz vorm Abschied sagte sie zu mir sie wolle mit mir mal etwas besprechen. Sie findet dass ich den Alltag viel zu sehr nach Sohn ausrichte. Sie findet es nicht gut dass alle nach 1,5 Stunden aus dem Schwimmbad müssen nur weil er nicht mehr bleiben mag. Und sie findet es nicht gut dass er vom Tisch einfach aufsteht wenn er fertig ist. Und warum er nicht mit in MC Donalds gehen würde, warum ich ihn immer eine Extrawurst machen lassen würde. Ich würde ihm damit keinen Gefallen tun. Ich war etwas sprachlos und versuchte ihr zu erklären was es mit dem Autismus auf sich hat. Sie meinte dazu nur: so machst du ihn zu einem behinderten Menschen wenn du ihm für alles Extra Würste anbietest.
So und jetzt stehe ich da und bin total betroffen.
Nach meinem Gefühl hat sich hier bei uns seit2-3 Jahren alles zum viel besseren gewandelt. Ja, es ist anders als mit Tochter, aber trotzdem viel besser als vor 3 Jahren. Und ja, Sohn hat seine Extra Würste, das stimmt. Für mich hat sich das mit dem Autismus erklärt. Auch als ich noch nicht offiziell wusste dass er Autist ist hatte er schon Extra Würste weil es anders einfach gar nicht ging. Weil er sonst absolut unerträglich wird wenn er alles so mitmachen muss wie die Schwester. Er kann das einfach nicht. Und jetzt kommt sie her und sagt mir wieder dass ich im Prinzip dran schuld bin weil ich sowas überhaupt zulasse. Obwohl ich eigentlich weiß dass ich gar keine andere Wahl habe trifft mich das trotzdem total traurig hinzu kommt dass ich auch gerade noch meine Tage habe, das macht es nicht besser
Ich musste das einfach mal von der Seele schreiben. Ich weiß grad gar nicht ob ich darauf nochmal eingehen soll, ob ich mit dieser Mutter nochmal sprechen soll oder mit den 3 anderen Müttern. Mir ist gerade einfach nach Kontaktabbruch zumute. Was würdet ihr damachen?
Danke an alle die es geschafft haben den Roman zu Ende zu lesen..... vielleicht habt ihr ja Tips. Auch dazu wie ich aus dem Loch wieder raus komme. Wobei das hoffentlich besser wird wenn die Happy Days rum sind......


  Re: Alles doof gerade
avatar  Chrischtl
Status:
schrieb am 31.07.2018 16:15
Vorweg: Ich habe keine echte Ahnung von Autismus, noch eine Vorstellung wie man sich da verhalten muss.

Was ich mich frage: Warum trifft es dich so sehr?

Ich kann von mir selbst sagen, dass mich gute Ratschläge dann besonders treffen, wenn sie zu meinen eigenen Sorgen, Ängsten etc. passen. Ist das bei dir der Fall? Hast du vielleicht die Sorge, dass ihr euren Alltag zu stark nach dem Sohn ausrichtet?

Wenn ja, gibt es da Stellschrauben an denen ihr drehen könnt? Hast du vielleicht Kontakt zu anderen Betroffenen mit denen du das mal besprechen kannst?

Alles Gute dir und wirf die Freundschaft deshalb nicht weg. Letztlich wollte sie Anteil nehmen und hat es wahrscheinlich gut gemeint.


  Re: Alles doof gerade
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  Paula Mondschein
Status:
schrieb am 31.07.2018 17:28
Liebe Little Dancer,
Du weißt ja im Grunde, dass es Quatsch ist, was sie gesagt hat. Dein Sohn hat eine autistische Störung (ich habe von Berufswegen damit zu tun), ihr geht mit ihm bedürfnisorientiert um, weil für ihn alles viel stressiger ist und trotzdem lebt er ja relativ normal mit, wird also vor viele Anforderungen gestellt. Ihr habt damit so viel geschafft und euren Weg gefunden. Es ist wahnsinnig anmaßend von der Frau, dass sie die Mutter eines Kindes mit Autismus belehren will, obwohl sie selbst keine Ahnung davon hat. In diese Richtung würde ich mich eher reflektieren: Warum hast du ihr nicht Contra gegeben, sondern dich noch verteidigt? Warum fühlst du dich jetzt schlecht und nicht wütend? Vielleicht würde es dir helfen, (mehr?) mit Eltern von Kindern mit Autismus zu kommunizieren, um dich bestätigt zu fühlen, dass man sich natürlich darauf einstellen muss?
Ihr wuppt das super!
Liebe Grüße von Paula


  Re: Alles doof gerade
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  henriette
schrieb am 31.07.2018 17:36
dazu fällt mir nur eins ein: who the fXck cares??? Von aussen lässt sich ja sooo viel sagen, vor allem, wenn man die Entwicklung nicht kennt.
Würdest Du mein altes Pony jetzt zum ersten Mal laufen sehen, würdest Du sagen, mhhh, läuft aber nicht wirklich gut. Hättest Du sie schon vor einem Jahr gesehen, würdest Du sagen: Boah, die läuft ja fantastisch.

Allerdings schliesse ich mich der grundsätzlichen Betrachtung, dass gerade alles doof ist, zumindest bei mir, ziemlich an..... zwinker


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  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 31.07.2018 18:34
Vielen Dank für eure Antworten!
Warum macht mich das so betroffen, das ist eine gute Frage.
Mein Sohn ist wirklich von Kleinstkindalter so komisch. Hat sich ja auch nicht auf Gras oder Sand absetzen lassen, hat ganz vieles nicht angefasst, hat nicht alleine gegessen, hat Schreianfälle bekommen wenn er dreckig wurde, hat sich nicht kämmen lassen, hat sich nicht eincremen lassen. Lauter so Sachen. Und bei allem kam: warum fütterst du ihn denn noch? Ich: er isst nicht alleine. Das wird er auch nicht wenn du ihn weiterhin fütterst. Oder warum setzt du ihn nicht einfach ab? Ich: er mag nicht auf Gras sitzen, da fängt er an zu weinen. Das ist doch Quatsch, ist vielleicht fünf Minuten komisch dann krabbelt der doch los. Nein, tut er nicht. Er ist verzweifelt. Und mittlerweile weiß ich auch dass Haare kämmen ihm zB einfach weh tut. Eincremen zB ist total unangenehm. Gras anfassen ist schlimm für ihn.
Ich werde nie ein "normales" Kind haben mit dem es so easy ist wie mit der Schwester und obendrein werde ich mich vermutlich ein Leben lang dafür rechtfertigen müssen warum ich etwas so mache wie ich es mache. Und dass er einfach so ist und nicht weil ich ihn so behandel sondern weil er Autist ist.
Und dann ist für mich da aber auch immer noch die Frage: WARUM ist das eigentlich so? Mache ich vielleicht doch einfach was falsch?
Wahrscheinlich ist es durch meine Seite der Familie vererbt denn seine Cousine ist auch Autistin allerdings noch mit geistiger Behinderung. Beide Kinder haben sog. White Spots auf der Haut. Da ist irgendein Zusammenhang. Ich bin sehr froh und dankbar dass mein Sohn nicht geistig behindert ist. Daher möchte ich auch nicht zu viel klagen. Dafür muss meine Schwester sich allerdings nicht rechtfertigen, da ist die Behinderung dermaßen offensichtlich..... aber tausendmal lieber rechtfertige ich mich für den Rest meines Lebens.
Ich hab zu der Mutter im Prinzip gar nicht viel gesagt. Sie war total obenauf, sprach so als hätte sie alles durchschaut. Es fehlte nur noch dass sowas kommt wie: ich benachrichtige am besten das Jugendamt, das Kindswohl ist hier gefährdet. Am besten überträgt man die Erziehungsgewalt auf mich, dann kannst du mal sehen wie man das macht
Das war wirklich ganz unglaublich und sie ist felsenfest davon überzeugt was sie sagt, ich hab da gar keine Chance.
Wenigstens ist die Lehrerin total auf unserer Seite, sie hat viel Erfahrung mit autistischen Kindern. Mein Sohn kann sehr gut kompensieren. Aber trotzdem braucht er Schutz, das kann er nämlich nur dann wenn es nicht zu viel wird.
Ich würde so gerne mal das Gesicht dieser Frau sehen wenn mein Sohn mal zeigt was er so an Wut und Provokation drauf hat wenn er überfordert ist. Wobei nein, ich möchte ihn nicht vorführen. Dann soll sie doch denken was sie will.
Ich bin trotzdem irgendwie betroffen. Wie kann man so überheblich sein?
Henriette, tut mir leid dass es bei dir nicht viel besser aussieht. Scheinen Bad Vibrations im Universum unterwegs zu sein.
Ich werde hier auf jeden Fall so schnell keine Gäste mehr beherbergen zwinker
Danke nochmal für eure Antworten und Anregungen!


  Re: Alles doof gerade
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  pmami
schrieb am 31.07.2018 19:45
Liebe Little Dancer,

Zitat

Sie findet dass ich den Alltag viel zu sehr nach Sohn ausrichte. Sie findet es nicht gut dass alle nach 1,5 Stunden aus dem Schwimmbad müssen nur weil er nicht mehr bleiben mag. Und sie findet es nicht gut dass er vom Tisch einfach aufsteht wenn er fertig ist. Und warum er nicht mit in MC Donalds gehen würde, warum ich ihn immer eine Extrawurst machen lassen würde


sie läuft nicht in Deinen Schuhen. Punkt. Wenn sie nicht selbst ein Kind mit Autismus großgezogen hat, weiß sie nicht, warum er nach 1,5 Stunden aus dem Schwimmbad will und warum er nicht zu McDonalds will und warum Du beides nicht gegen seine Bedürfnisse einfach durchziehst.

Selbst wenn sie ein Kind mit Autismus hätte, wäre ihr Kind vermutlich immer noch anders als Deines. Aber dann hätte sie womöglich den Hauch eines Anfluges einer Ahnung davon, wie Dein Alltag aussieht und warum es so toll läuft mit Deinem Sohn.

Mein Sohn hat ja auch die ein oder andere Baustelle. Auch bei ihm läuft es inzwischen übrigens viel besser als noch vor drei oder zwei Jahren. Tatsächlich habe ich mir so viel Entspannung im Alltag noch vor zwei Jahren nicht einmal vorstellen können. Ich denke also, dass ich nicht alles falsch gemacht habe. Vielleicht sogar ein wenig richtig gemacht habe. Und mich haben auch manchmal andere Mütter komisch angesehen. So what?

Du brauchst den Kontakt mit der anderen Mutter nicht abbrechen. Wenn Ihr keine gemeinsame Basis mehr habt, wird der Kontakt eh langsam einschlafen. Und darüber brauchst Du dann nicht traurig sein.

Viele Grüße pmami


  Re: Alles doof gerade
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  gelöschter User
schrieb am 31.07.2018 19:59
Liebe little dancer,

ich habe einen Neffen (5), bei dem vor einem halben Jahr nach langer Diagnosephase Asperger Autismus festgestellt wurde. Ich vermute, dass meine Schwägerin gerne schon an dem Punkt wäre, an dem ihr seid. Sie kämpft im Alltag immer noch sehr!

Du hast doch völlig richtig gehandelt, die Möglichkeiten ausprobiert, die Rahmenbedingungen immer neu abgesteckt, hilfst deinem Sohn bei der Regulation, berücksichtigst seine Bedürfnisse etc. Hut ab, dass euer Alltag so gut verläuft!

Was mir noch durch den Kopf ging, als du im ersten Teil des Threads über die im Vergleich einfache Tochter schreibst. Da kam wohl in der Situation Traurigkeit hoch, oder? Dein Sohn ist anders als du dir erträumt hattest, euer ganzes Familienleben ist anders als erhofft. Da darfst du traurig sein, wehmütig, wütend..... Das ist ein langer Prozess bis man sagen kann "es ist so, wie es ist"

Welche Bedürfnisse von dir (abgesehen vom Hormonchaos) sind denn gerade unerfüllt, dass du so am Limit bist? Was könntest du dir Gutes tun? Was würde dir helfen, deine Leistung stolz und als richtig betrachten zu können?

LG Nozilla


  Re: Alles doof gerade
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  blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 31.07.2018 20:42
ich kenne mich auch nicht mit Autismus aus. noch kenne ich deinen Umgang mit deinem Kind, noch den deiner Freundin mit ihrem Kind.

was mir aber immer wieder auffällt, ist, dass Eltern, die einen Lebensabschnitt erfolgreich gemeistert haben, nun der Meinung sind, darüber alles zu wissen. als Beispiel: Haare kämmen war hier auch nicht leicht, es tut meinen Kindern auch weh und ich bin auch nciht gut darin, anderen außer mir die Haare zu kämmen. nun kämmen sich die Kinder selber und wir haben damit zwischenzeitlich einen Modus, dass die Haare gekämmt werden. wir sind also durch. nun würde ich also auf der erfolgreichen Seite stehen und du hast es noch immer nicht geschafft. ich habe immer wieder das Gefühl, dass man (ich bestimmt auch) dazu neigt, den eigenen Erfolg, der aber nur aufgrund der eigenen individuellen Situation möglich war, zu verallgemeinern (und sich selber aufzuwerten).

ich denke, du hast mit deinem Sohn ganz andere Situationen, die du meistern musst, die mehr Priorität haben als das Haare kämmen. und wie es den Anschein hat, hast du bereits viele solcher Situationen gemeistert. mir hilft es, mir solche Situationen bewusst zu machen, denn es gibt mir Kraft.

wenn du es dann noch schaffst, dass auch deine Tochter ihre Möglichkeiten der individuellen Entfaltung hat und nicht nur zurückstecken muss (denn das hat die Freundin ja suggeriert), dann machst du doch viel richtig. halte dich daran fest!


  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 31.07.2018 20:54
Danke Pmami und Nozilla auch für eure Antworten! Das tut gut.
Nozilla ja, genauso war es. Ich hab die Zeit mit meiner Tochter sehr genossen. Es war so unkompliziert. Ganz einfaches Zusammensein. Kein Eiertanz, normale Unterhaltungen. So war es nie mit meinem Sohn und so wird es wohl auch nie sein. Im Umgang mit ihm gibt es einfach einiges was man beachten muss. Wenn man das nicht tut hat man einen ganz besch. Tag. Zum Teil leidet meine Tochter auch unter ihrem Bruder. Sie muss in manchen Bereichen ganz schön zurückstecken und ihm Verständnis entgegenbringen. Und das macht sie total super. Sie ist echt total vernünftig für Ihre 5 Jahre und sehr emphatisch.Hätte ich zwei so Kinder, wie einfach wär mein Leben da!
Aber natürlich bin ich schon auch stolz auf meinen Sohn. In der KJP wurde er auch wirklich sehr gelobt und auch unser Umgang miteinander. Die Ärztin sagte: sie sind ein gut eingespieltes Team, machen Sie weiter so! Die Lehrerin ist auch immer voll des Lobes. Daher: ich habe wohl auch einiges richtig gemacht. Trotzdem fühlt es sich manchmal eben gar nicht so an, schon gar nicht wenn man von Außenstehenden ungefragt kritisiert wird.
Ich finde es immer total schön wenn mein Sohn dann abends in seinem Bett eingekuschelt liegt. Ich frag ihn dann immer: wie war dein Tag heute? Meistens sagt er gut. Ich frag dann noch und, fühlst du dich wohl oder fehlt dir noch was? Da sagt er in der Regel dass er sich wohl fühlt. Dann mache ich sein Hörspiel an ubdhöre wie er an der Wand kratzt (das macht er immer, findet er total angenehm) und dann bin ich total happy dass es ihm so gut geht und er sich wohl fühlt. Und wenn es ihm mal nicht gut geht dann kann man da auch ganz gut drüber sprechen und Vereinbarungen oder Absprachen treffen damit es am nächsten Tag besser ist. Wenn man das gemacht hat ist er wieder ganz zufrieden in seinem Bett. Das ist immer ein sehr schöner Moment wo ich dann auch ganz glücklich und zufrieden bin.
Es ist halt so wie es ist, etwas hinterherzutrauern was manicht haben kann macht im Prinzip keinen Sinn. Eigentlich kann und sollte ich zufrieden sein.
Ja, ich denke der Kontakt zu der "Freundin" wird wohl mehr oder weniger einschlafen. Sie waren auf der Rückreisevon Österreich zurück nach Bremen und haben halt bei uns eine Nacht Zwischenstopp eingelegt. Das würde ich nach dieser Erfahrung halt nicht mehr machen. So haben wir eh nur wenig Kontakt.
Danke für eure Antworten, es geht mir schon besser smile


  Re: Alles doof gerade
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  berlink
Status:
schrieb am 31.07.2018 23:33
Hallo Little Dancer,

ich möchte, völlig unabhängig von den Aussagen der Freundin, die mgl.weise auch aus Betroffenheit und Sorge um Dich (und nicht aus einer Schuldfrage heraus) Dir Dein Verhalten gespiegelt hat, eine etwas andere Perspektive einwerfen.

Wenn ich die letzten Threads richtig verstanden habe, dann hat Dein Sohn ein Autismus-Spektrum-Störung, am ehesten einen Asperger-Autismus, richtig? Wenn dem so ist, würde ich ganz unbedingt sowohl mir als auch Anderen gegenüber diese Bezeichnung der Störung so verwenden. Ein Autist (also wirklich der frühkindliche Autismus nach Kanner) ist landläufig, in der Bevölkerung, ein wirkliche "andere Hausnummer". In unserem bisherigen Diagnosesystem unterscheidet man ja noch, im neuen tut man das nicht mehr, da die Abgrenzung schwierig erscheint. Aber das Bild in den Köpfen wird noch lange bleiben.
Der Asperger-Autismus (manchmal auch high functional autismus) ist ein ganze Ecke milder, Du siehts ja selbst, was Dein Sohn alles kann und bewältigt. Es ist sicher eine Behinderung, eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, aber keine in dem Sinne so schwere Behinderung wie eben der frühkindliche Autismus nach K..
Warum ich das differenziere? Nicht, um Dir/Deinem Sohn etwas "weg zunehmen" (ich finde es sehr gut für Euch, dass Du den Weg der Diagnostik gegangen bist), sondern um für Dich evtl. Deine Rücksicht gut auszubalancieren bzw. zu schauen, inwieweit Du den Jungen fördern und fordern kannst.
Wurdest/wirst Du gut beraten im Umgang mit ihm? Ist er in einer Art Psycho/Gruppentherapie/Verhaltenstherapie, um ihn in der Entwicklung eines "normalen" Verhaltens zu unterstützen?

Ich bin kein Experte bei diesem Störungsspektrum. Ich habe seit einigen Wochen eine Mitte 40jährige in Behandlung, die überhaupt das erste Mal in einer psychiatr. Behandlung ist und bei der ich/wir einen Asperger-Autismus diagnostiziere. Wir stellen sie zwar in einer Hochschulambulanz vor, aber bei einer Wartezeit von 1 Jahr....braucht es jetzt Rat und Tat.
Diese Patientin, aus der ehemaligen Sowjetunion, hat dort x Schulwechsel, Militär, Studium, Promotion, dann hier allein 2 Kinder großgezogen (Sohn studiert), 2 Ehen gescheitert, ganz klar und nicht anders zu erwarten, Arbeit im Schichtsystem (unter ihrer Qualifikation) an einem Einzelarbeitsplatz bewältigt, ohne große Unterstützung. Sie fährt Auto und managet grad riesige Probleme. Sie ist in ihrer Kommunikation total auffällig, sie kommt seit 8 Wochen jeden Tag in exakt der gleichen Kleidung, exakt gleich. Sie muss sie tgl. waschen, da sie immer sauber ist und nicht riecht. Die Mitpatienten haben sie sehr gut akzeptiert. Die Gespräche mit ihr sind tw. sehr anstrengend, aber auch erfrischend, wir lachen viel und wir mögen uns, ich gebe ihr Fachliteratur über ihr Störungsbild zu lesen, aber im sozialen Kompetenztraining fühlt sie sich tw. wie von einem anderen Stern. Sie bietet Symptome wie aus dem Lehrbuch, unglaublich. Und trotz ihres schweren Päckchens fordern wir sie. Sie versteht zwar nicht, wieso man xy machen sollte, wir erklären es und fordern es ein. Sie muss mit den anderen Apteinten essen, sie muss auch in der Morgenrunde ihr Tagesziel benennen, es klappt auch. denn: was ist das Ziel? Will sie wieder/besser zurecht kommen in unserem System, in ihrer Arbeit (die sie ganz dringend braucht, weil sie sich über Leistung definiert, Emotionen sind ihr fremd, darüber spricht man nicht), muss sie sich ein Stück weit anpassen.
Anderenfalls fährt man die Schiene: 2. Arbeitsmarkt. Wir beantragen zwar den Grad der Behinderung und stellen sie beim Integrationsfachdienst vor, aber auf dem 1. Arbeitsmarkt will, soll und muss sie bleiben.

Was ich sagen will: Schau, lass Dich beraten, was Du von Deinem Jungen fordern kannst. Wenn es das ist, was Du gerade machst, dann belass es dabei. Wenn Du mehr versuchen kannst, dann probier es und geh ggf wieder einen Schritt zurück.
Eltern kranker Kinder laufen oft Gefahr, diese zu sehr in Watte zu packen und sich (oder auch andere) zu vergessen. Fördern und Fordern sollte das Leitmotiv sein.

Kannst Du mit dem Jungen besprechen, wieso er so rasch vom Tisch aufsteht? Dass ihr gern länger mit ihm sitzen wollt? Was ihm dabei helfen würde, dies zu tun? Dass er xy Minuten sitzen soll?
Wie könnte er länger im Schwimmbad bleiben? Welche Bedingungen sollten da herrschen? Abseits liegen?
Ich weiß nicht, ob und wie weit Ihr den Alltag nach dem Jungen ausrichtet. Natürlich müsst Ihr klar kommen und Kompromisse finden.
Letztlich hast Du für 2 Kinder Verantwortung, auch die Tochter sollte später nicht sagen müssen: die Schwimmbadbesuche wurden nach dem Bruder ausgerichtet usw.
Bist du in einer Gruppe oder evtl. Selbsthilfegruppe für Eltern mit Autismus-Spektrum-Störungs-Kindern? Zum Austausch?


Ich finde als Literatur, so Du nicht schon überfrachtet bist, diese ganz gut:

Der T.v. Elst: "Autismus und ADHS" ist in Freiburg, dort hat es auch eine Hochschulambulanz für Erwachsene.

[www.amazon.de]örungen-Erwachsenen-Basiswissen-Andreas-Riedel/dp/3884146297/ref=sr_1_19?ie=UTF8&qid=1533071044&sr=8-19&keywords=asperger

[www.schulpsychologie-sg.ch]

hier geht es um die VT bei frühkindlichem Autismus

[www.zeit.de]

Viele Grüße!


  Re: Alles doof gerade
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  coco1968
schrieb am 01.08.2018 00:11
Hallo Little Dancer,
auch ich bin Mutter eines diagnostizierten Asperger-Kindes. Die Diagnose wurde vor rund 4 Jahren gestellt. Neben seinen frühkindlichen Auffälligkeiten hat sich bei uns ganz viel verwachsen. Was geblieben ist, das ihn vollends das Gespür für 'Stimmungen" fehlt. Ein einfaches Beispiel aus unseren derzeitigen Somnerurlaub. Als mein Mann und ich komplett schweißgebadet den Bus ausgeräumt haben, war die ständige Frage von meinem Sohn -> wann gehen wir endlich zum Strand? Ich habe meinen Sohn irgendwann sowas von angeraunzt, dass er hier nicht nicht der Nabel der Welt ist, um das sich alles dreht. Diese Penetranz oder Ignoranz von meinem Sohn treibt mich manchmal in den Wahnsinn. Und dann fordere ich von meinem Sohn ein, das er jetzt sofort die Klappe halten soll und sener Umwelt gegenüber mehr Aufmerksamkeit entgegenbringt. Zurück bleibt ein vollends zerknittertes Kind und mir tut es schrecklich leid. Unzählige Male habe ich mich bereits bei meinem Sohn entschuldigt, weil ich leider oftmals vergesse, das er vielleicht nicht anders kann.
Ich habe einmal einen sehr interessanten Bericht über einen Familie gesehen, deren Pflegekind Trisomie 21 hat. Auf die Frage des Reporters, wie der Alltag gelebt wird, war die Antwort der Pflegemutter -> ich fordere mein Kind tagtäglich, denn wenn ich es nicht machen würde, wüsste ich nicht, wozu sie in der Lage wäre.
Du kennst Dein Kind am Besten, und weißt welche Situationen ihn überfordern würden, weil sie seiner Behinderung geschuldet sind. Und wie es Pmami bereits schrieb, lässt es sich für Außenstehende schwer nachempfinden (besonders wenn der gewisse Blick auf das Kind fehlt - ja als Mutter eines vermeintlichen Asperger-Kindes entwickelt man ein besonderes Gespür), weil sie nicht in Deinen Schuhen gehen. Und nochmals - ja - es ist schön, wenn man das Gefühl hat, dass das Kind gerade absolut mit sich im Reinen ist, wenn es mit den Fingern an der Wand kratzt,


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.08.18 00:17 von coco1968.


  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 01.08.2018 00:44
Danke auch blaues Teufelchen und Berlink für eure Antworten!
Blaues Teufelchen, unsere Antworten haben sich scheinbar überschnitten, obwohl dein Text vor meiner letzten Antwort steht hatte ich den noch gar nicht gelesen.
Ich schrieb ja vorhin es geht mir schon wieder besser.
Leider ist es aber doch nicht so.
Ich kann nicht schlafen und könnte spontan losheulen.
Berlink: ich fordere sehr sehr viel von meinem Sohn. Wahrscheinlich sogar zu viel. Er hat Züge sozialer Ängstlichkeit zusätzlich zum Autismus und das kommt daher dass ich ihm ganz klar sage was von ihm erwartet wird. Und wie man sich normalerweise verhält. Und er macht das super. Wenn er aber spontan angesprochen oder befragt wird ist es für ihn unglaublich schwierig denn er weiß nicht was von ihm erwartet wird. Dann setzt er alles ein was ihm einfällt was ich mal gesagt hab wie man sich "gut benimmt".
Daher ist er ja auch äußerlich so unauffällig.
Warum möchte er nach 1,5 Stunden aus dem Schwimmbad heim? Ich kann es dir sagen: er schwimmt ca 20 Minuten, dann ist ihm saukalt, er zittert und ist blau, egal wie heiss es ist. Er wiegt bei einer Körpergröße von knapp 140 cm 23 Kg. Das wird wohl der Grund sein. Und das Thema essen ist sehr schwierig wegen Konsistenzen und Ekel vor Fett und Angst vor ungesundem essen.
Nach diesem schwimmen würde er gerne schon heim gehen. Er weiß aber dass da auch noch andere sind. Also kuschelt er sich in sein Handtuch und liest. Damit die anderen noch Zeit haben. Irgendwann ist das aber auch vorbei und er mag dann heim weil er auch einfach Ruhe und gewohnte Umgebung braucht. Niemand der das nicht erlebt hat wie gelöst er hier zu Hause ist im Gegensatz dazu wie er "außerhalb" ist kann das verstehen. Er ist wenn er nicht zu Hause ist permanent unter Anspannung weil er richtig sein möchte.
Ich hab ja noch nicht mal gesagt dass wir alle jetzt heim müssen. In unserer Familie ist es total normal dass wir uns aufteilen wenn möglich. Meistens geht mein Mann dann mit Sohn heim und ich bleibe mit Tochter. Wenn wir allerdings nur zu dritt unterwegs sind dann muss sie leider mit. Es sei denn wie letztens auf dem Schulfest eine Freundin von ihr ist auch da und sie kann mit dieser Familie heim gehen.
Ich denke dass ich genug bis zu viel von Sohn fordere.
Meine Traurigkeit kommt einerseits von den Happy Days und andererseits von einer totalen Erschöpfung von mir die jetzt durch diese Kritik von außen erst so richtig rausgekitzelt wurde.
Ich leiste hier gefühlt unmenschliches. Dass Asperger Syndrom wesentlich milder ist als frühkindlicher Autismus ist mir mehr als bewusst, wie ich schrieb ist seine Cousine frühkindlich Autistisch und ich möchte echt nicht täuschen. Daher wollte ich auch nie jammern.
Ich hab die Kleine geboren da war Sohn 3,5 Jahre alt. Auffällig war er ja wie schon erwähnt von Geburt an. Ich hatte einen Kiga P,ATZ für ihn bis 12.00. Der P,an war dass meine Schwiegereltern Sohn Mo-Fr aus dem Kiga abholen und er mit Ihnen zum Spili geht oder sonstwohin und dann ca 15.00 hier zu Hause ist. Freitags sollte er ganz zu Hause bleiben.
Während ich schwanger war wurde bei meinem Schwiegervater ein Bronchialkarzinom diagnostiziert. Er ist verstorben als meine Tochter knapp ein Jahr alt war. Von Unterstützung ihrerseits war natürlich Nichtsehen möglich. Also hatte ich Sohn um 12.00 wieder zu Hause. Hin bringen musste ich ihn auch selber denn mein Mann verlässt das Haus um 6.00 Uhr. 2Wochen lang "durfte" ich Sohn bis 14.30 im Kiga lassen, danach war das Vollprogramm von mir alleine gefordert. Und das mit diesem schwierigen Kind. Und dem Baby. Ich bin in dem Jahr um gefühlt hundert Jahre gealtert. Ich habe aus der Not heraus eine unglaubliche Gedult entwickelt. Eigentlich bin ich eher ungeduldig, das durfte und darf ich mir aber nicht erlauben, darauf reagiert Sohn sehr stark. Es muss ruhig zugehen.
Dass es Asperger Autisten gibt die noch viel viel mehr geleistet haben als mein Sohn das tut ist mir bewusst. Das hilft mir hier aber nicht weiter. Ich Zweifel eher daran ob ich ihm zu viel zumute weil ich so oft von ihm verlange mitzukommen und mitzumachen obwohl er gar nicht will.
Das Essen am Tisch, das sitzen bleiben, das ist für mich so unwichtig wie nur was geworden während Sohn den Essenstisvh einfach komplett boykottiert hat mit 4/5 Jahren und aufs Äußerste provoziert hat. Ich bin froh, sehr froh, dass er das nicht mehr tut. Dass er nicht xy Minuten sitzen bleibt zusätzlich, ganz ehrlich, das wär für mich jetzt die Kür nach der Kür. Er nimmt nicht an unserem Gespräch Teil, er langweilt sich. Und wenn er nicht die Möglichkeit hat irgendwas zu tun wird er unleidlich. Mit Comic oder so würde er bleiben. Aber wem bringt das denn was?
Diese "Kritik" hat eine alte tiefe Wunde aufgerissen.
Ich habe von einigen Stellen gesagt bekommen dass es sehr gut läuft bei uns trotz Asperger Autismus. Da aber schon immer andere Stimmen da waren und da diese auch nie verstummen werden und ich einfach immer weiter als unter der Woche allein erziehende mit 2 gegensätzlichen Kindern leben werde muss ich mich irgendwie darauf einstellen aber ich kann das sehr schlecht. Ich bin selber jemand der es tendenziell immer allen Recht machen mag. Das geht mit meinem Kind aber nicht, auch wenn es "nur" Asperger Autismus ist.
Ich glaube ich muss für mich eine Psychologische bewältigungstherapie suchen. Leider weiß ich nicht wirklich wie ich das realisieren soll weil Sohn ja keinen Hört besucht und mittags um 12.00 zu Hause ist. Ich bin einfach komplett im Mühlrad drinnen, immer versuchend das beste rauszuholen, aber immer scheiternd weil Sohn das nicht kann.
Ich bin einfach fertig.
Vielleicht versuche ich es mit einer Mutter Kind Kur.
Ich könnte grad echt nur noch heulen traurig
Eigentlich bin ich nicht so ein Jammerlappen.
Ich hoffe das gibt sich bald wieder


  Re: Alles doof gerade
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  LittleDancer
schrieb am 01.08.2018 01:08
Hallo Coco!
Deine Antwort hab ich gerade erst gelesen.
Ja, ich raunze Sohn sehr sehr oft an u d sage ihm dass er Ei Teil einer Familie ist und dass er nicht alleine auf der Welt ist. Daher ist er im Urlaub auch einmal mit uns zum Strand gefahren. Wir haben im Gebirge gewohnt in einem Haus mit eigenem Pool. Zur Küste musste man 1Stunde fahren. Der Strandbesuch war für Sohn Horror pur. Der Sand war viel zu heiss, er hat geschwitzt, der Sand ist am Schweiß kleben geblieben. Er musste Sonnencreme ausschmieren, das hasst er wie die Pest. Aber er mag keinen Sonnenbrand bekommen. Er ist dann einmal zum Wasser gegangen. Beim Füße abtrocknen hat er den Sand nicht abbekommen. Das alles war Stress pur für ihn.
Klar, ich hab ihm gesagt: ganz ehrlich, du stellst dich jetzt aber auch echt an. Guck dich hier mal um. Siehst du irgendjemand der versucht sich sauber zu bekommen? Sand am Körper ist am Strand völlig normal.
Er hat dann ausgeharrt bis wir gemeinsam gegangen sind. Als wir am Auto waren war er sichtlich glücklich. Er hat die Autotür aufgemacht und da kam ihm die Hitz e entgegen. "Oh Gott, was für ein Albtraum" war sein Kommentar. Er hat die Zähne zusammengebissen und ist sandig ins heiße Auto gestiegen. Und er hat sich sehr sehr sehr unwohl gefühlt.
Ich glaube kaum dass von ihm jemals die Frage kommt wann wir endlich zum Strand gehen zwinker
Daher: es stimmt, kennst du einen Autisten dann kennst du einen Autisten. Alle haben unterschiedliche Hauptsymptome.


  Re: Alles doof gerade
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  berlink
Status:
schrieb am 01.08.2018 01:20
Hallo liebe Little Dancer,

Ich kann mir vorstellen, Wie schwierig Der Alltag ist, bzw. Denke ich, dass ich es mir vorstellen kann. Jammern darf man und kann auch gut tun und auch sich selbst bemitleiden darf man, wenn grad alles doof ist. Du hast das hier m.e. recht wenig getan,und auch nicht so viel ueber den mühsamen Alltag berichtet bzw. Wenig ueber die Unterschiede Deines Jungen zu anderen Jungen (sonst haette ich ganz sicher darauf mal eher reagiert).

Gibt es denn eine Anlaufstelle in Eurer Naehe fuer ihn und Dich? Beratungsmoeglichkriten, Tips, Erfahrungen?Geht er in eine Verhaltenstherapue/Gruppentherapie? Nicht Ergo usw., sondern wirklich eine Art soziales Kompetenztraining.
Psychotherapie fuer Dich geht im übrigen auch Vormittags, grad dann duerfte eher, So man einen Therapeuten gefunden hat, etwas terminlich möglich sein.
Eine Mutter Kind Kur wuerde ich zugunsten einer teilstationaeren psychotherapeutischen Behandlung hinten anstellen. In der Kur ist es mal 3 Wochen schoen, wobei grad der Junge ja bestimmt etwas braucht, um sich zu adaptieren..., Aber geaendert hat sich nix, weil man in den gleichen Alltag zurueckkehrt. Das ist zumindest meine langjährige Erfahrung.
Mit meinem Beispiel hatte ich nicht beabsichtigt, Dir mitzuteilen, dass andere Betroffene viel mehr leisten. Wenn das so angekommen ist, tut das mir Leid.
Vielleicht kannst Du diese schwierige Situation als eine Art Standortbestimmung nutzen? Wo stehe ich? Wo will ich hin? Was kann ich auch abgeben an Externe? Wo bekomme ich Hilfe her? Wo wollen wir mit dem Jungen Hin? Was brauche ich dafuer?
Dir viel Kraft!
Viele Grüße!


  Re: Alles doof gerade
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  Joaninha
schrieb am 01.08.2018 08:37
Hallo,

ich kann sehr gut verstehen, dass Du in Bezug auf Deinen Sohn dünnhäutig bist. Der Freundin würde ich nicht zuviel Bedeutung beimessen. Spontan habe ich mich beim Lesen gefragt, ob sie in den zwei Tagen gemerkt hat, dass ihre Freundschaft für Dich keinen großen Stellenwert mehr hat, und sich deshalb einmal als Erziehungsberaterin empfehlen wollte? Jedenfalls kommt sie nach Deiner Schilderung schon etwas wichtigtuerisch und nicht wirklich an der Sachebene interessiert rüber.

Etwas anderes sind die Inhalte, die sie ansprach. Letztlich läuft es auf zwei Fragen hinaus. Zum einen: Kannst Du Deinen Sohn animieren/motivieren/zwingen, sich anders zu verhalten, als er das jetzt tut? Ich finde die Frage schon bei einem gesunden Kind sehr zentral und sehr schwer beantwortbar, jedenfalls wenn man die konkrete Situation nicht kennt. Es gibt sehr gute Gründe sowohl für die eine als auch für die andere Option. Klar soll er ein "normales" Leben trainieren, aber ebenso klar ist es, dass man sein Selbstwertgefühl untergräbt, wenn man ihm immer und immer wieder sagt, dass er so, wie er ist, nicht in Ordnung ist. Das kann gravierende Folgen haben, so dass man unter dem Strich die erfolgreiche soziale Anpassung zu teuer erkauft hat.
Ich würde diese Frage einmal bei den Rehakids stellen - klar, auch da kennt niemand die konkrete Situation, aber man bekommt ein breiteres Spektrum an Handlungsoptionen und kann dann für sich das passende aussuchen. Und falls es einen Psychologen gibt, der Deinen Sohn betreut, wäre das doch auch eine Frage, die Du dort einmal ansprechen könntest. Sicher stehst Du damit nicht alleine da und insofern gibt es auch bestimmt gute Tipps, Leitlinien, Strategien etc.

Zum zweiten: Wie funktioniert Eure Familie insgesamt, welchen Einfluss hat der Autismus Deines Sohns vor allem auf seine Schwester? Du schreibst, sie sei in allem sein Gegenteil, würde so gerne sitzen bleiben und plaudern - das finde ich offen gestanden schon etwas ungewöhnlich für ein Kind in diesem Alter. Ist das wirklich sie selbst, oder gibt sie das gute Kind, weil sie ihren Bruder als enfant terrible wahrnimmt und sich von ihm abgrenzen möchte? Ich denke, bei Geschwistern ist die Persönlichkeitsbildung letztlich immer auch eine Mischung aus Nachahmung des anderen und Konstrastierung gegen ihn. Doch gerade in "spezielleren" Konstellationen wie Euren ist es vielleicht gut, zu fragen, ob da nicht doch eine zu starke Polarisierung entsteht. In dem Sinn, dass Deine Tochter irgendwann das Gefühl hat, in ihrer Kindheit nicht sie selbst gewesen zu sein.

Ich denke, Du kannst die Anmerkungen Deiner Freundin schon als Denkanstoß nehmen. Doch lass Dich davon nicht in ein Loch ziehen - Du tust doch schon, was Du kannst, und mehr kann man nicht verlangen! Ich lese jetzt schon lange Deine Posts hier im Forum und finde nicht, dass sie irgendwie auf Nachlässigkeit oder fehlende Reflexion schließen lassen, ganz im Gegenteil.

Alles Liebe Euch!

P.S.: Ich hatte die letzte vier Posts eben erst nachträglich gelesen, da wurde jetzt eigentlich auch schon gesagt, was ich hier schrieb, sorry... ich lass den Text trotzdem einmal stehen. Und lass noch eine virtuelle Umarmung hier, Du hörst Dich in den letzten beiden Posts wirklich sehr ausgelaugt an streichel


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.08.18 08:47 von Joaninha.




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