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  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  RoteBeete
schrieb am 23.07.2018 18:22
Ich hatte vor Kurzem eine ähnlich unschöne Situation mit meiner schwangeren Schwägerin, die auch von unserer Situation weiß.

Und hier ist für mich der Knackpunkt: Wenn man schon einer Person das Vertrauen entgegengebracht hat, sie in die Situation einzuweihen und womöglich sie sogar gebeten hat die Schwangerschaft unter 4 oder 6 Augen mitzuteilen, dann geht sowas gar nicht. Natürlich, sie freuen sich und das können und dürfen sie auch! Aber: der unerfüllte Kinderwunsch trifft nicht nur das Paar, sondern auch die Familie des Paares. Und als Familie geht man im Idealfall rücksichtsvoll miteinander um.

Es ist zwar schade für das Paar, welches ein Kind erwartet, dass dieses glückliche Ereignis für ein Paar in ihrer Nähe erstmal den Boden unter den Füßen wegzieht. Aber das ist das Leben! Genauso wie wir versuchen nicht komplett in unserem Schmerz zu versinken und alle anderen nur anzuschreien oder ihre Alltagsprobleme abzuwerten, genauso muss man probieren damit umzugehen, dass Menschen, die einem nahe stehen aufgrund ihrer äußeren Umstände nicht in der Lage sind, sich zu freuen. Stattdessen wird das "ich bin schwanger und darf alles und du musst dich mit allem arrangieren" ausgefahren. Eine Schwangere ist ein Mensch wie jeder andere auch, und nicht in allen Bereichen soll es für sie eine Sonderbehandlung wegen der Schwangerschaft geben. Das ist meine Meinung.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Chorus
Status:
schrieb am 23.07.2018 19:17
Das kann ich nur so unterschreiben, Rote Beete!

Schwangere sind Menschen wie alle andere, also können sie auch auf die Gefühle anderer achten!

Und die Art der "Präsentation" der Schwangerschaft war in diesem großen Kreis schon unfair ihr gegenüber, weil sie ja wusste, dass sie unbedingt schwanger werden wollte. Das hätte sie sich so in dieser Form echt verkneifen können. Vergleichbar wäre, wenn ich jemandem, der frisch geschieden wäre, mein Liebesglück auf die Nase binden würde.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  pmami
schrieb am 23.07.2018 19:41
Zitat

Eine Schwangere ist ein Mensch wie jeder andere auch, und nicht in allen Bereichen soll es für sie eine Sonderbehandlung wegen der Schwangerschaft geben. Das ist meine Meinung.

Auf der eigenen Geburtstagsfeier den zukünftigen Großeltern Babysöckchen als Form der Bekanntmachung der Schwangerschaft zu überreichen ist keine "Sonderbehandlung" sondern sehr weit verbreitet und üblich.

Darauf muss eine Schwangere nicht verzichten. Auch dann nicht, wenn Ihre Schwägerin mitten in einer Kinderwunschbehandlung ist. Das ist meine Meinung.

Dennoch würde mich interessieren: Wie kann denn eine schwangere Schwägerin die Nachricht von ihrer Schwangerschaft angemessen kundtun und ohne, dass es derjenigen, die sich noch mitten im Kinderwunsch bzw. der Kinderwunschbehandlung befindet, weh zu tun? Ich kann mir, offen gesagt, keine Variante vorstellen, die dazu geführt hätte, dass die TE sich von Herzen mit der Schwägerin gefreut hätte und glücklich gewesen wäre.

Und dass muss die TE auch nicht. Die TE kann und darf wütend, traurig, verzweifelt und verletzt sein. Denn das Leben/das Schicksal/die Götter sind (zur Zeit) tatsächlich ungerecht zu ihr.

Aber die Schwägerin hat trotzdem das Recht glücklich sein, sich zu freuen und diese Freude mit der Familie teilen zu wollen.

Viele Grüße pmami


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Lilalaus
schrieb am 23.07.2018 21:00
Zitat
Chrischtl


Ich bringe jetzt mal ein sehr radikales Beispiel: Nur weil ich irgendwo einen Rollstuhlfahrer sehe, schmeiße ich mich ja auch nicht auf den Boden und höre auf zu laufen aus Angst ich könnte damit seine Gefühle verletzen. Man geht halt irgendwie davon aus, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und eben irgendwie mit klarkommen muss..

Aber ich gehe auch nicht hin, stelle mich vor ihn und sage freudestrahlend: Ich kann gehen!


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  Re: Warum haben es andere so einfach?
avatar  Chrischtl
Status:
schrieb am 23.07.2018 21:13
Zitat
Chorus
Schwangere sind Menschen wie alle andere, also können sie auch auf die Gefühle anderer achten!

Naja, aber Paare in KiWu Behandlung sind genauso Menschen wie jeder andere und dann könnte man ja genauso verlangen, dass sie sich gefälligst „angemessen“ in der Situation verhalten. Sprich die Zähne zusammenbeißen und Freude vortäuschen. Weil in Tränen ausbrechen und damit wütend die Party crashen ist ja auch kein Beispiel für „auf die Gefühle anderer achten“.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
avatar  Chrischtl
Status:
schrieb am 23.07.2018 21:15
Zitat
Lilalaus
Zitat
Chrischtl


Ich bringe jetzt mal ein sehr radikales Beispiel: Nur weil ich irgendwo einen Rollstuhlfahrer sehe, schmeiße ich mich ja auch nicht auf den Boden und höre auf zu laufen aus Angst ich könnte damit seine Gefühle verletzen. Man geht halt irgendwie davon aus, dass jeder sein Päckchen zu tragen hat und eben irgendwie mit klarkommen muss..

Aber ich gehe auch nicht hin, stelle mich vor ihn und sage freudestrahlend: Ich kann gehen!

Ist hier aber auch nicht geschehen. Die Schwägerin ist ja nicht explizit zur TE gegangen sondern die TE hat der Verkündung beigewohnt.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  isolde35
Status:
schrieb am 23.07.2018 21:17
Liebe TE, stell dir vor, du würdest jetzt schwanger und müsstest deine unbändige Freude unterdrücken, weil in deinem Umfeld jemand ist, bei dem es nicht klappt. Das kann man nicht verlangen. Ein neues Kind kommt in eure Familie. Dieses Kind hat verdient, dass sich seine Verwandten auf seine Ankunft freuen und nicht, dass die Bekanntgabe seiner Existenz als „Schlag in den Magen“ empfunden wird.

Es geht dir nicht gut, das ist schlimm und auch nachvollziehbar, ich weiß selbst, wie schwer deine Situation ist. Lass deine Schwägerin nicht so arg spüren, dass du ihr die Schwangerschaft nicht gönnst, das kann zu immensen Spannungen führen, wenn das Kind erstmal auf der Welt ist. Sammle deine Kraft und konzentriere dich auf deinen weiteren Weg. Ich wünsche dir, dass es bei dir auch bald klappt und dass sich dein Umfeld dann mit dir freuen kann

Isolde .


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  RoteBeete
schrieb am 23.07.2018 22:40
Zitat
Chrischtl
Zitat
Chorus
Schwangere sind Menschen wie alle andere, also können sie auch auf die Gefühle anderer achten!

Naja, aber Paare in KiWu Behandlung sind genauso Menschen wie jeder andere und dann könnte man ja genauso verlangen, dass sie sich gefälligst „angemessen“ in der Situation verhalten. Sprich die Zähne zusammenbeißen und Freude vortäuschen. Weil in Tränen ausbrechen und damit wütend die Party crashen ist ja auch kein Beispiel für „auf die Gefühle anderer achten“.

Das ist nicht das, was ich gemeint habe! Ich finde keiner sollte die Zähne zusammenbeißen und aus Rücksicht auf andere „angemessen“ reagieren. Ich meinte, dass man den anderen gegenüber mit Empathie ehrlich ist. Und wenn die Schwägerin der werdenden Großmutter auf ihrer Geburtstagsfeier Söckchen schenken will ist es ok, wenn das Paar mit unerfülltem Kinderwunsch vorher eingeweiht ist. Nur weil etwas so üblich ist, ist es noch lange nicht automatisch in Ordnung.

Zur Frage ob es denn möglich sei, eine Schwangerschaft zu verkünden ohne das es weh tut: nein. Aber die Intensität des Schmerzes hängt zumindest bei mir davon ab ob man mir mit Respekt begegnet oder nicht. Wenn die schwangere mein Leid anerkennt, kann ich auch ihre Freude leichter anerkennen.

P.S. ich finde zudem eine extreme traurige und physisch wie psychisch belastende Situation ist dann doch etwas anderes als eine extreme freudige Situation, auch wenn die doch von Zweifeln begleitet wird. Daher sind wir nicht ganz „normale“ Menschen...


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 23.07.18 22:42 von RoteBeete.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Ella Propella
schrieb am 24.07.2018 07:59
Ich bin selbst lange den Kiwumühlenweg gegangen - übrigens erfolglos, was leibliche Kinder betrifft. Aber ich wäre niemals, wirklich nie, auf die Idee gekommen, dass ich kein "normaler" Mensch bin und daher meine Bedürfnisse über die anderer stellen darf, egal wie groß mein Leid in dieser Zeit auch war. Wie schon erzählt hab ich auch mal eine Familienfeier verlassen. Aber ich hab mich bemüht und erst im Auto geheult. Es war immerhin Muttertag und ich wollte keiner Mutter den Tag verderben (Oma und Mutter meiner Mannes waren da und eben die "neue" Mama, außerdem war meine eigene Mama noch nicht so lange Tod - also alles andere als eine schöne Situation) , das hätte meinen ja auch nicht besser gemacht und es wäre letztlich nur noch mehr Menschen schlecht gegangen.
Außerdem weiß man nie so wirklich, welche Hürden andere in ihrem Leben schon bewältigen mußten.
Mir fällt dazu nur immer der Spruch ein: "Urteile nie über jemanden, in dessen Stiefel du nie gegangen bist". Diesen Spruch bemühen ja Kiwuler gerne, er gilt aber auch umgekehrt.


2 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.07.18 08:16 von Ella Propella.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  RoteBeete
schrieb am 24.07.2018 09:37
Zitat
Ella Propella
Ich bin selbst lange den Kiwumühlenweg gegangen - übrigens erfolglos, was leibliche Kinder betrifft. Aber ich wäre niemals, wirklich nie, auf die Idee gekommen, dass ich kein "normaler" Mensch bin und daher meine Bedürfnisse über die anderer stellen darf, egal wie groß mein Leid in dieser Zeit auch war.

Ich weiß nicht ob du das "normal" hier auf meinen Post beziehst, aber ich möchte noch was anfügen. Mit "nicht ganz normal" in der unerfüllten Kinderwunschzeit meine ich, dass wir chronisch an einem Gefühl des Verlustes leiden und, falls wir in Behandlung sind, laufend akute Trauer erleben. Ich habe zu Beginn dieser Zeit tatsächlich Leute z.B. im Laden angeschnauzt, wenn mir was nicht gepasst hat (und normalerweise sage ich eher zu wenig als zuviel), weil ich dachte, so schwer wie ich hat es eh keiner. Das denke ich zum Teil immer noch manchmal LOL, aber ich reagiere nicht mehr mit Wut wenn mich jemand Fremdes so anschnauzt, weil ich denke, dass es der Person gerade echt mies gehen muss und empfinde eher Mitgefühl...


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Chorus
Status:
schrieb am 24.07.2018 15:47
Naja ich sehe schon einen großen Unterschied zwischen der TE und der Schwägerin:

- die Schwägerin WUSSTE vom Kinderwunsch, hat die Ankündigung geplant (mit den Schühchen etc, es war also lange vorgeplant und trotzdem wurde die TE nicht eingeweiht!)

- die TE hat eher reagiert, ja, vielleicht auch nicht angebracht, aber halt eher im Affekt, und ungeplant. Kommt mir jetzt nicht nach Party-Crash vor. Das ist ja was, was man eher mit Absicht macht....

Ich will die TE jetzt aber nicht in Schutz nehmen. Ich bin auch so jemand, der dann immer versteckt (bei mir war's einmal im WC) oder im Nachhinein geheult hat. Es ist vielleicht Typ- oder Erziehungssache, wie man da reagiert.

Meine Mutter fand es z.B. sogar unhöflich, dass ich meiner Schwester zur Schwangerschaft nicht gratuliert habe, dabei war es für mich schon eine unglaubliche Überwindung, nicht heulend davonzurennen.. Ach ja, meine Mutter und meine Schwester wissen von meinem Kiwu und von meinen Behandlungen....

Ich persönlich hätte bei einer Schwangerschaft keine große Sache daraus gemacht. Kenne eigentlich niemanden in meinem Freundes- und Verwandtenkreis, der so ein großes Ding daraus gemacht hat. Meistens wurde das einfach nur in kleiner Runde mal eingeworfen. Als meine Schwägerin schwanger wurde (1. Kind auf beiden Seiten der Verwandtschaft) hab ich z.B. nur ein SMS bekommen mit dem Text "Hallo Tante" LOL


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  pmami
schrieb am 24.07.2018 17:22
Das scheint sehr unterschiedlich zu sein mit der Art der Ankündigung. ich habe selbst auch schon mal Babyschühchen erhalten, als Ankündigung einer Schwangerschaft verbunden mit der Frage, ob ich Patentante werden will. Und ich habe auf einer Familienfeier auch schon mal ein selbst geschriebenen Sketch gesehen - aufgeführt von sechs Leuten, die sich als Zwerge verkleidet haben und den siebten Zwerg suchten. Am Ende kam dann die Überraschung - der siebte Zwerg war im Bauch....

Und wer selbst so begeistert und beglückt ist, rechnet vielleicht auch nicht unbedingt damit, dass jemand anderes traurig sein könnte. Selbst wenn man weiß, dass der andere in einer Kinderwunschbehandlung ist. Dazu muss man vielleicht auch verstehen, dass jemand, der nicht tief drin hängt in der Kinderwunschmühle, gar nicht versteht, dass man auch trotz Kinderwunschbehandlung am Ende ohne Kind dastehen könnte. Für die Schwägerin stellt sich die Situation vielleicht einfach nur so dar, dass sie früher schwanger geworden ist, als die TE.

Ich war übrigens nie in Kinderwunschbehandlung, weil diese (in Deutschland) bei mir von Anfang an aussichtslos war. Trotzdem habe ich nicht erwartet, dass andere nicht über ihre eigenen Kinderwunschbehandlung sprechen, nur um mich nicht zu verletzen. Ich habe es damals durchaus als ungerecht empfunden, dass andere in der KiWU-Klinik behandelt werden konnten und ich nicht. Aber ungerecht waren nicht die anderen sondern das Leben.

Natürlich darf die TE traurig sein, die Feier verlassen und sich zurück ziehen. Keine Frage. Das ist völlig verständlich, nachvollziehbar und viele von uns haben in ähnlichen Situationen ähnlich reagiert. Ich will nur sagen, dass weder die Schwägerin noch deren Schwangerschaft SCHULD ist an der Situation.

Viele Grüße pmami


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  coco1968
schrieb am 25.07.2018 10:23
Hallo Pikachu,
auch wenn meine eigene Kiwu-Zeit schon lange zurück liegt, habe ich meine „dunkle Zeit“ noch
nicht vergessen.
Ein Negativ verarbeitete ich - je nach Tagesform- ganz unterschiedlich. Unglücklich, traurig, wütend,
ruhig, gelassen und ein hoffen, auf den nächsten Versuch.
Was für mich jedoch unerträglich war, am Abend mit dem Gedanken in das Bett zu gehen, wie man
den nächsten Versuch finanzieren wird und am Morgen mit dem gleichen Gedanken aufzuwachen.
Der sehr belastende Gedanke, dass mir die Entscheidung genommen wird, ob man weitermachen möchte,
oder aufhören wird, weil einem der Geldbeutel sagt: Hier ist Schluss!
Bedingt durch mein Alter blieben bei mir die Verkündigung von Schwangerschaften aus, denn die
Kinder meiner Freundinnen waren schon alle längst da.
Ich weiß jedoch noch gut, als mir mein jüngerer Bruder – in seiner ganzen Freude – auf den
Anrufbeantworter gesprochen hat, dass es in der Familie Nachwuchs geben wird.
Ich weiß es deswegen so gut, weil ich mich selbst so gefreut habe. Denn sollte ich selbst keine
Mutter werden, erhalte ich dafür die Chance, eine supertolle Tante zu sein.
Mein Neffe (er wird im Oktober 12, und hat noch 2 weitere Geschwister bekommen) steht
mir ganz besonders nah, und selbst heute würde ich mich am liebsten immer schützend vor
ihn stellen *lächel*.
2 Jahre nach seiner Geburt, wurde ich selbst Mutter.
Während meiner aktiven Kiwu-Zeit war ich im „Klein-Putz“ Forum beheimatet und habe in dieser
Zeit viele Emotionen durchlebt. Wir saßen ja im Grunde alle in dem gleichen Boot, und dennoch
kam für mich – auch in diesem Raum, des gemeinsamen hoffens, bangens, freuens aber auch trauerns - die Frage nach der „Gerechtigkeit“ auf. Warum klappt es hier bereits beim ersten Versuch, während man sich selbst mit der Frage quälen muss, wie man den nächsten Versuch finanziert. Warum bekommt die Eine Zwillinge, währenddessen man selbst nicht wusste, ob man selbst jemals ein Kind haben wird (ich habe mir in dieser schweren Zeit wirklich eine Glaskugel gewünscht…).
Natürlich hat man sich über jede verkündete Schwangerschaft – stets in Abhängigkeit zur eigenen Gemütsverfassung – gefreut; zurück blieb aber ganz viel Traurigkeit, da einem die eigenen Anstrengungen an vielen Tagen als aussichtslos erschien.
Je mehr Versuche vergingen, desto schweigsamer wurde ich gegenüber meinen Freundinnen,
da auch verständlicherweise eine Hilflosigkeit zu spüren war, welche Worte mir Trost gaben
und mit welchen Worten man mich am Ende (ungewollt) sehr verletzt hätte wie z.B. „vielleicht soll es
einfach nicht sein“.
Um nicht vollständig aus dem Gleichgewicht zu geraten, haben mein Mann und ich uns vermehrt
mit unserem ganz persönlichen Plan B beschäftigt (der auch zum träumen einlud…..*lächel*) und haben uns - trotz der angespannten finanziellen Situation- auch unsere kleinen Auszeiten gegönnt.
Letztlich wurde unser Herzenswunsch erfüllt und die Freude war auf allen Seiten riesig.
Dennoch denke ich, niemand hätte – trotz aller Empathie - im vollem Ausmaß nachempfinden können, wie schwer eine Kinderlosigkeit für mich gewogen hätte, da man meine Stiefel nicht getragen hätte (Danke Ella!).
Dich persönlich sehe ich noch nicht am Ende des Weges. Ihr seid noch sehr jung, und dass ist Euer ganz persönlicher Joker – ich selbst hatte diese Karte nie auf der Hand.
Ich weiß, es spricht sich so unendlich leicht, wenn man den - durchaus auch sehr leidvollen
Kiwu-Weg - erfolgreich beschritten hat.
Sehe die Schwangerschaft Deiner Schwägerin auch nicht als schlechtes Omen für Euren eigenen Versuch (ich meine Chrischtl hat hierzu sehr passend dazu geschrieben), sondern sehe diesen Versuch, als Eure Chance auf eine Schwangerschaft.
Kopf hoch, Pikachu! und alles, alles Glück dieser Welt.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Pikachu
Status:
schrieb am 25.07.2018 21:46
Hallo, danke für Eure vielen Antworten...gut wenn man einfach mal alles loswerden kann, ohne sich bis auf die Knochen dafür rechtfertigen zu müssen.

Nun auf die Frage ob sie es hätte verkünden können, ohne dass es weh tut. Nein!
Es wäre immer schmerzhaft ABER sie hatte die Wahl wie sie es macht...und es traf uns völlig unvorbereitet aus der Kalten raus...keine Möglichkeit irgendetwas zu verdauen, oder es zu schlucken, um dann wenigstens so zu tun als wäre man für den Moment okay.
Nein...stattdessen hat sie mit mir noch die letzten Vorbereitungen für den Geburtstag gemacht, das war noch lange bevor die Gäste von ihrem Freund kamen...es gab selbst an diesem Tag noch sehr viel Gelegenheit uns damit nicht so vor versammelter Mannschaft komplett auflaufen zu lassen.

Ich habe mich bis jetzt immer irgendwie zusammen gerissen...und versucht mir nichts anmerken zu lassen...auch wenn ich tatsächlich zwischendurch mal 10min. ins Bad verschwunden bin.
Meine Halbschwester wurde mit 15. Schwanger, das Kind kam genau in den Tagen zur Welt als wir unsere erste negative ICSI wegstecken mussten.
Als sie schwanger war saß ich mit ihr auf einer Familienfeier...und da musste ich die ganze Zeit so tun als wäre alles okay...Wir müssen immer so tun als wäre alles okay.

Warum müssen wir unseren Schmerz, unsere Trauer, und unser Leid eigentlich immer nur verstecken? Was läuft da schief?
Die anderen dürfen ihre Freude und ihr Glück ganz offen ausleben, es jedem unter die Nase reiben, warum also soll uns nicht zustehen zu zeigen dass es einem beschissen geht? Warum darf man dies niemals zeigen, warum muss man sich damit immer absolut unter Kontrolle haben?
Aus welchem Grund sollte man alles schön in sich hinein fressen? Wieso anderen immer vorspielen dass alles okay ist, und bloß niemals die Maske fallen lassen, welche man ohnehin schon jeden Tag auf´s neue aufsetzt, sogar selbst in der Hoffnung dass sie hoffentlich nicht hinab fällt?
Keiner darf je erfahren wie es in einem drin wirklich aussieht, will auch kaum einer sehen, weil man ja damit andere nur belästigt.
Hier wurde mir sogar unterstellt ich habe die Party gecrasht. Wow. Nun ich gratuliere wenn man sich immer komplett unter Kontrolle hat.

Ich hatte an diesem Tag Rufbereitschaft auf Arbeit, und ich bin mehr als froh dass diese nicht abgefordert wurde, nach dieser Verkündung...ich wäre nämlich nicht mehr in der Lage gewesen auf Arbeit zu gehen.

Arbeit ist ein gutes Stichwort...ich habe in der Woche vor dieser großartigen Verkündung noch erfahren dass mein AG meinen Vertrag auslaufen lässt.
Hat ein paar neue eingestellt, die sind weniger qualifiziert als ich, können und dürfen weniger, sind aber billiger und natürlich konnte er da wieder befristen, was bei mir nicht mehr möglich gewesen wäre.

Das hat unsere Pläne mit der Kryo auch ziemlich zerschmettert....denn entweder es wird jetzt noch gemacht, vorrausgesetzt ich hab schon einen neuen Vertrag oder es wird nichts mehr, nicht in diesem Jahr und wenn es wieder nur befristet wird dann auch im nächsten Jahr nichts.
Das geht mir auch absolut gegen die eigene Überzeugung, Arbeit steht für mich grundsätzlich hinter dem Kinderwunsch, der ist Wichtiger.
Allerdings bin ich beim durchrechnen "was wäre wenn" dazu gekommen dass es einfach finanziell das Genick brechen würde...ich bin Hauptverdiener bei uns, mit Arbeitslosengeld würde man ja noch hinkommen...aber beim Elterngeld wäre schluss.
Was da dann raus kommen würde lässt einen ja brechen...da ging´s und in Zeiten der Ausbildung und mit Hartz4 ja besser. (und da will ich hoffentlich NIE WIEDER landen)

Meine Ärztin ist eigentlich dagegen jetzt zu starten, weil ich von der letzten ICSI immer noch Ödeme in den Beinen habe.
Es soll vorher wieder soviel abgeklärt werden, und die Zeit ist schlicht weg nicht da...wir wollen verdammt endlich weiter machen...der letzte TF ist jetzt schon über zwei Jahre her.
Die ICSI letztes Jahr lief ja ohne TF weil ich eine Überstimu hatte...war da insgesamt 8 Wochen krank.
Das war ein Warnschuss von meinem Körper, davon ab dass nach der Kryo definitiv schluss ist, weil wir uns den weiteren Weg in keinster Weise leisten können, wäre wohl auch mit genügend Geld nicht mehr so viele Versuche drin.
Ich hab mein Leben jetzt schon mehrfach auf´s Spiel gesetzt in den letzten fünf Jahren...

Einen echten Plan B gibt es nicht...der wäre Adoption gewesen...da haben wir jedoch keine Chancen, da muss man realistisch bleiben. Ich weiß auch ehrlich gesagt nicht ob es so viel besser ist, wenn man vielleicht Jahrelang auf ein Kind hofft welches man adoptieren darf. Ich glaube das ist psychisch nicht viel weniger belastend.
Embryonenspende ist der Schritt den ich nicht machen würde, weil da für mich die Grenze ist. Ich will dem Kind später erklären wie es entstanden ist, und es soll seine genetischen Wurzeln wissen, sofern es dies will...und das dürfte hiermit fast unmöglich werden.


Ich war letztes Jahr für ein paar Termine bei einem Psychologen, der hat´s mir auf ewig verdorben. So schnell bekommt mich keiner mehr zu irgendeinem Psychologen.
Der hat mich null verstanden, und der hat auch kein Problem darin gesehen, warum man denn angeblich darunter leidet ungewollt kinderlos zu sein.
Hat ja schließlich soooooo viele Vorteile keine Kinder zu haben, und man hat ja dadurch weniger Sorgen und Probleme.
Hat mir Dinge entgegnet...danke hinterher ging es mir schlechter als vorher.

Das Beispiel mit dem Rollstuhlfahrer finde ich übrigens extrem daneben, denn wie bereits geschrieben, ich stelle mich nicht vor den und halte ihm unter die Nase dass ich gehen kann.

Zitat
Julliane
Du bist gesund nehme ich mal an und du hast die
Chance schwanger zu werden, auch wenn sie noch
so klein ist.
Julliane

Das ist leider eine falsche Annahme. Ich habe Lupus (Rheuma) und der macht es auch nicht einfacher schwanger zu werden.
Mein Immunsystem bekämpft evtl. den Embryo, es kann zu FG und Todgeburt kommen, und es besteht dass Risiko dass das Kind ein schweren Herzfehler haben wird.
Dies wenn der Lupus nicht im Auge behalten wird, und keine Behandlung erfolgt...eine Behandlung erfolgt z.Z. nicht, weil ich sie nicht vertrage, die Nebenwirkungen sind zu heftig.
Derzeit sind die Werte trotzdem gut, kann sich jederzeit ändern...und Kiwubehandlung ist nur tragbar wenn die Werte auch hier passen...wenn die Kippen kann es da auch jederzeit für länger vorbei sein, weil Risiko zu hoch.


Unser Alter frustriert mich eher...ich sehe mich nicht als jung an...ehrlich gesagt wollte ich in diesem Alter mit der Familienplanung fast abgeschlossen haben. Mein Mann und ich wollten immer so jung wie möglich Eltern werden...wir haben damals nur aus "Vernunft" nicht so schnell gestartet...denn Ausbildung und Arbeit war uns eben doch wichtig...
Und jetzt? Jetzt geht´s langsam auf die 30 zu (ja ich weiß, ist nicht alt, und stört heutzutage eh keinen mehr) dennoch eben einfach nicht unsere Vorstellung und Wunsch gewesen.
In unserem Kreis bekam keiner "so spät" sein erstes Kind. Wir sind inzwischen fast die einzigen in unserem Umfeld die kinderlos sind, allerdings die einzigen ungewollt.

Ich habe außerdem furchtbare Angst...meine Mutter hatte mit mitte 30 Gebärmutterkrebs, im Anfangsstadium, ihr wurden damals alles entfernt.
Meine große Schwester hatte mit Anfang 30 einen schlechten Befund auch ihr wurde nach dem dritten Kind (sie war damals gerade schwanger geworden als der Befund raus kam) die Gebärmutter entfernt...das macht nicht wirklich Mut, wenn dieser Fall zwei mal bei den engsten Verwanden vorkam.


  Re: Warum haben es andere so einfach?
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  Anonymer Benutzer
schrieb am 30.07.2018 16:14
Es tut mir sehr Leid, dass sowas geschehen ist. Aber bitte sei nicht traurig und nie aufgeben! ICh würde auf jeden Fall solche "Theatherstücke" nie ernst nehmen, denn solche Menschen, die es extra machen, tun mir wirklich Leid!! Die haben keinen normalen Menschenverstand und möchten den Mitmenschen immer schaden... WEnn du Schwäche zeigst, dann erreichen sie genau dies, was sie auch wollen.

Darum KOPF HOCH und bleibe stark!

Wünsche dir viel Kraft!

Gruss Valeria




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