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  Ratlos
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  RoteBeete
schrieb am 10.07.2018 18:51
Hallo Mädels,

Wie einige es vielleicht mitbekommen haben, habe ich im Juni mein 6. Negativ kassiert. Ende September steht die 2. ICSI an...
Die Ärzte sehen noch Hoffnung und ich soll durchhalten. So.

Ich bin nervlich ziemlich angeschlagen. Das 6. Negativ war echt, echt schlimm. Und der Gedanke, dass es jetzt vielleicht schon ganz vorbei ist, noch viel schlimmer. Die Akutphase ist zwar vorbei, aber - wie soll ich es sagen - mir kann man im Moment ganz wenig recht machen. Ich bin trotz Urlaub nicht wirklich belastbar und hab vor allem das Gefühl in Beziehungen nichts geben zu können. Ich möchte so sehr aus dieser Situation raus, dass mir Gedanken kommen, dass ich alles hinschmeißen möchte: ausziehen, meinen Mann verlassen usw.usf. Und natürlich möchte ich das auf der anderen Seite gar nicht: meinen Mann verlieren. Ein total schlimmer Gedanke.

Ich habe jetzt 6 Jahre Kinderwunsch hinter mir. Ich frage mich, ob ich mich überhaupt freuen werde, wenn es doch noch klappt. Das scheint alles erstens so unrealistisch und zweitens, fühlt es sich an, als ob ich diesen Zeitpunkt "verpasst" hätte, obwohl ich mich nicht zu alt fühle (bin 34) und der Kinderwunsch ja trotzdem sehr, sehr stark ist.

Ich fühle mich vor eine echt besch... Wahl gestellt: will nicht weitermachen und will nicht aufhören. Alternativen wie Pflege, Adoption, Eizellspende kommen nicht in Frage. Ich habe jemanden Professionellen zum reden, aber mir fehlt diesbezüglich der Austausch in der "realen Welt"... Was tun? Nichts tun, abwarten und hoffen, dass es anders wird? Ich bin echt ratlos.


  Re: Ratlos
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  Blüte
schrieb am 10.07.2018 19:15
Liebe Rote Beete,

.... und wie wäre es mit einer Pause?

Damit meine ich nicht deinen Urlaub, sondern mit einer Pause vom Kinderwunsch. Raus aus der endlosen Mühle von Behandlungen, Arztterminen, Spritzen, Hoffen, Bangen, bisher auch Enttäuschungen. Du schreibst es ja selbst, dass du so raus willst, dass du sogar ausziehen möchtest, um zu fliehen.

Vielleicht solltest du wirklich mal temporär fliehen, aber nicht vor dem, was gut ist in deinem Leben, sondern vor dem, was gerade so nagt und zehrt, nämlich vor der Kinderwunschmühle.

Gönn dir und deinem Mann mal eine Auszeit. Denk nicht an die nächste Behandlung, sondern LEBE. Spüre dich wieder, komm zur Ruhe, sammel Kraft, sprich mit deinem Mann und dann wirst du klarer sehen.

Das Schlimme an einer jahrelangen Kinderwunschbehandlung ist ja auch, dass sich die Gedanken immer im Kreis drehen: Hoffen, Bangen, Enttäuschung, neue Hoffnung ,neue Medikamente, neue Kräuterchen. Darüber kann man sehr leicht vergessen zu leben, das Leben zu genießen, die Partnerschaft zu pflegen, die eigene Seele zu pflegen, eine Kinderwunschbehandlung kann den Menschen "auffressen".

Wir haben nach der letzten erfolglosen Behandlung erst mal eine Pause gemacht. Die Werte meines Mannes waren immer toll, der Kinderwunscharzt war überzeugt, dass wir damit sehr gute Aussichten haben würden, schwanger zu werden.
Wir wollten aber raus aus der Mühle von Spritzen, Nebenwirkungen, Arztterminen usw., gingen in Urlaub, ließen uns Zeit, redeten viel und nach einigen Monaten war für uns klar, dass wir nie, nie wieder zurück wollten, in die Kinderwunschklinik. Bei uns reifte der Entschluss zur Adoption.

Du hast ja geschrieben, dass das nicht euer Weg ist, aber darum geht es gar, ich bin der Ansicht, dass man manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann und erst, wenn man die eigene Mitte wiedergefunden hat, weiß man, wie es weitergehen kann und soll. Bei uns war es die Adoption, bei euch kann es ja dann die nächste ICSI sein oder eine ganz andere Entscheidung. Aber diese Entscheidung muss man in Ruhe treffen, dann passt es auch zum eigenen Leben.

Alles Gute,

Blüte


  Re: Ratlos
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  pmami
schrieb am 10.07.2018 20:54
Ich kann mich Blüte nur anschließen. Manchmal muss man eine Entscheidung in sich reifen lassen. Und dann fällt sie einem ganz leicht, egal ob für oder gegen weiter KiWu-Behandlungen.

Alles Gute für Dich.

Viele Grüße pmami


  Re: Ratlos
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 10.07.2018 21:56
Liebe RoteBeete,
du hast da einen sehr weisen Gedanken: Den Zeitpunkt schon verpasst. Bei mir war es so. Als ich nach 8 Jahren Kinderwunsch mein lebendiges Wunschkind im Arm hielt, stellte ich fest, dass wir das, was wir uns gewünscht und ausgemalt hatten, nie (zurück)bekommen würden. Dennoch bin ich dankbar und glücklich nun mein Leben als Mutter gestalten zu können, wenn auch ganz anders als geplant.

Rede mit deinem Mann und lass dir Zeit bei der Entscheidung, wie sehr du dich einer ganz neuen Vorstellung vom Leben mit Kind öffnen kannst. Dann weißt du, obn wann und wie es für dich weiter gehen soll.
Auch wenn die ursprüngliche Vorstellung nicht (mehr) zu verwirklichen ist, kann es doch vollkommen erfüllend werden.

Ich denke auch, dass die Gedanken an Trennung und Auszug Fluchtgedanken sind, die deine momentane Leere wieder spiegeln, keine echten Wünsche zeigen.

In eurer Geschichte finde ich problematisch, dass so viel Zeit vergangen ist vom Beginn bis eine ICSI inkl. Kryos durch war.
Das halte ich aber gleichzeitig für den größten Hoffnungsschimmer!
Alles Warten, die Enttäuschungen, Schmerzen, etc. wiegen schwer. Aber der Weg ICSI wurde noch nicht so weit beschritten, dass die Hoffnung nicht da wäre!

Lag
Juna


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  Re: Ratlos
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  RoteBeete
schrieb am 11.07.2018 10:30
Liebe Blüte, mit Pause vom Kinderwunsch meinst du was anderes als eine Behandlungspause, richtig? Denn Behandlungspausen hatte ich immer genug, sowohl freiwillig als auch erzwungenermaßen.
Zwischen Versuch 5 und 6 war keine Pause, weil das physisch einfacher war das Progynova nicht richtig absetzen zu müssen um dann wieder zu beginnen, aber ich hatte keine Zeit um meinen kleinen Eistraum zu trauern.

Liebe Pmami, liebe Blüte, ich habe Angst vor dem, was sich in der Pause zeigen könnte. Mein Mann und ich sind 14 Jahre zusammen, und es gibt Probleme, die von Anfang an bestehen und, die wir nicht lösen konnten...Wir kommen beide im wahrsten Sinne des Wortes aus "unterschiedlichen Welten" (ich bin in seine Heimat gezogen) und verstehen vor allem unter Wohlstand und Sicherheit was anderes (ich bin diejenige, die weniger braucht). Wir lieben uns sehr, aber der Alltag ist phasenweise für beide schwierig, insbesondere jetzt.

Obwohl wir beide nach unserer Hochzeit uns erstmal ein paar Jahre Zeit gelassen haben bevor wir aktiv die Sache mit den Kinderkriegen angingen, habe ich - das muss ich ehrlich sagen - meinen Mann als zukünftigen Vater unserer Kinder gesehen. Ich war der Meinung er ist der beste Mann um Kinder zu bekommen und der Meinung, dass er der beste Vater für meine Kinder wäre, bin ich noch immer. Ich will nicht "einfach" Kinder, ich wollte Kinder mit ihm. Aber jetzt, wo sie nicht kommen, müssen wir uns als Paar neu erfinden und vor allem ich muss meine Rolle in der Beziehung neu definieren. Ich war immer feministisch eingestellt und doch war ich bis Ende meiner 20er sehr an den gesellschaftlichen Normen orientiert, ohne, dass es mir bewusst war. Theorie und Praxis gingen sozusagen auseinander.

Was mich auch zum Punkt von Juna führt, du hast ganz genau verstanden was ich mit dem "Zeitpunkt" verpasst meine. Ich weiß nicht was wir für Eltern wären, aber, falls es noch passiert, werden wir andere sein als vorgestellt und erträumt.
Wir haben es 2-3 Jahre so probiert, dann kam erstmal die OP, die IUIs, fette Überstimulation nach ICSI und so ging die Zeit vorbei...


  Re: Ratlos
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  gelöschter User
schrieb am 11.07.2018 10:45
Alle werden ganz andere Eltern als vorgestellt und erträumt. smile

Und was das Alter angeht: Unser Bild von Müttern ist extrem stark durch Werbung und Serien/ Film geprägt. Wenn man mal drauf achtet, so scheinen Mütter alle mit 14 oder spätestens 16 schwanger zu werden, so jung wie die gecastet werden. Ätere Frauen als Mütter werden nur gecastet, um kaputte Familien und klammernde, psychisch kranke oder egoistische Mütter darzustellen. wobei älter hier heißt, Kind 16, Mutter Anfang 40. Gerade deutsche Serien und Fernsehfilme sind da extrem.
Davon sollte man sich nicht abhalten lassen. So lange der Körper Eizellen produziert ist es normal, Mutter zu werden. Schluss ist mit den Wechseljahren.

Ich denke ja, dass die erste ICSI einfach nicht optimal war und dass Du nicht die Hoffnung aufgeben solltest, dass bei einer 2. ICSI ganz etwas anderes bei raus kommt.


  Re: Ratlos
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  Blüte
schrieb am 11.07.2018 11:27
Liebe Rote Beete,

grundsätzlich meinte ich schon eine Behandlungspause, aber eine mit "offenem Ausgang". Nicht eine Pause bis zu einem bestimmten Datum, z.B. bis zur ICSI im September. Sondern eine Pause ohne jede Terminsetzung, eine Pause, die so lange geht, wie sie gehen muss, wie lange das dann ist, sieht man im Verlauf. Also eine Pause, in der man sich ohne Rückkehrtermin bei der Kinderwunschklinik verabschiedet. Sollte es sich ergeben, kommt man wieder, sollte es sich nicht ergeben, kommt man nicht wieder. So eine Pause meinte ich.

Was nicht heißt, dass ich dir den Septembertermin für die ICSI ausreden will, was richtig ist, kannst nur du mit deinem Mann entscheiden.

Doch gerade wenn da viele offene Fragen sind und du Angst hast, was die Pause bringen kann, scheint mir das ein Hinweis darauf zu sein, dass sie notwendig ist.
Vielleicht lassen sich nicht alle Fragen klären, vielleicht geht es auch einfach darum zu lernen, Unterschiede auszuhalten, gerade wenn man sich sehr liebt und vielleicht ist es auch manchmal sinnvoll, sich professionelle Hilfe zu holen, wenn die Liebe alleine nicht ausreicht, um den Alltag "gangbar" zu machen.
Und so könnte die Pause euch als Paar weiterbringen und euch womöglich auch auf eine mögliche Elternschaft vorbereiten. Denn eines ist klar: Elternschaft fordert von der Partnerschaft ein gutes, sicheres Fundament, denn Elternsein ist wunderbar, zehrt aber auch.

Ich bin ja der Meinung, dass man sich als Paar ständig neu erfinden muss, einfach weil sich das Leben ständig ändert. Ein Leben als Eltern würde übrigens wieder eine komplette Neudefinition der Rollen erfordern, nach meiner Erfahrung bisher die radikalste Änderung in einer Paarbeziehung und ich bin ganz bei stubbornstar... wir werden alle ganz andere Eltern als wir dachten, einfach weil wir die Eltern werden, die die Kinder brauchen und das sieht man immer erst, wenn das Kind mit seinen Bedürfnissen da ist. Das hat nicht immer unbedingt etwas mit den Träumen und Wünschen der Kinderwunschzeit zu tun. Die Freude, das Glück, aber auch die Ängste und die Sorgen, die man erlebt, die neuen Seiten, die man an sich und dem Partner entdeckt, bringen wieder alles durcheinander und das ist gut so.

Blüte


  Re: Ratlos
avatar  Hasipuffer0204
Status:
schrieb am 11.07.2018 11:27
Liebe RoteBeete,
ich kann mich irgendwie nur subbornstar anschließen. Ich hab nur ganz kurz durch Dein Profil gescrollt und kann nur sagen, was mich die Zeit und die vielen ICSI-Bekanntschaften gelehrt haben: eine ICSI ist keine ICSI. Damit meine ich, dass der erste Frischversuch hinsichtlich der Stimubedingungen immer nur ein "Freischuss" der Klinik sein kann, weil (v.a. wenn vorher noch nicht stimuliert wurde bei der IUI, so hab ich das zumindest verstanden) man nicht wissen kann a) wie und b) wie gut die Frau auf die Stimu anspringt. Bei Dir ist ja ne fette ÜS rausgekommen - das sollte so nicht sein und ist eher suboptimal...keiner weiß, wie gut die Eizellen ausgereift waren. Das wird bei einer weiteren Stimu mit ziemlicher Sicherheit anders werden.
Jedes Negativ tut weh. Das weiß ich und da verstehe ich Dich sehr gut. Aber versuch mal den Perspektivwechsel und sehe die Kryos eben auch "nur" als Ergebnis der ersten ICSI.

Und dann sammle jetzt erstmal - da muss ich Blüte und pmami Recht geben - Kraft für die nächste Runde.


  Re: Ratlos
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 12.07.2018 01:50
Zitat
RoteBeete
Was mich auch zum Punkt von Juna führt, du hast ganz genau verstanden was ich mit dem "Zeitpunkt" verpasst meine. Ich weiß nicht was wir für Eltern wären, aber, falls es noch passiert, werden wir andere sein als vorgestellt und erträumt.
Wir haben es 2-3 Jahre so probiert, dann kam erstmal die OP, die IUIs, fette Überstimulation nach ICSI und so ging die Zeit vorbei...

Ich weiß wirklich, was du meinst.
Meine Schwester wurde mit 22 und 24 Jahren Mutter, im 3. und 6. ÜZ. Ganz sicher ist auch sie eine andere Mutter als sie dachte, wünschte, träumte. Ihre Kinder sind auch anders als sie dachte. Das ist erstmal bei allen Eltern so.

Was aber bei uns Kinderwunschfrauen noch dazu kommt ist, dass die Zeit und was wir erleben uns verändert. All unsere Bemühungen auf dem Weg zum Wunschkind, die Dauer, die Erfahrungen, die Ängste und gefühlten Zwänge und nicht zuletzt unsere verstorbenen Töchter und die Fehlgeburten haben mich verändert und geprägt - nicht immer nur positiv. Ich spüre, dass es ein Unterschied ist, ob ich "eine andere Mutter" bin, weil es die Gegebenheiten erfordern (wie bei meiner Schwester) oder ob ich aufgrund der Dauer des Kinderwunsches, aufgrund der Erfahrungen in dieser Zeit, meiner persönlichen Veränderung oder der Veränderung unserer Paarbeziehung keine Chance mehr habe, es so zu gestalten.

Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass eine Mutter schrieb, man müsse mit der Geburt sein Wunschkind, wie man es sich vorstellt, sterben lassen, damit man eine Chance habe, das echte Kind kennen zu lernen. Ich würde sagen, man muss die Vorstellungen von sich als Mutter sterben lassen, um sich selbst als Mutter kennen lernen zu können, um überhaupt wirklich in diese Rolle hinein wachsen zu können.

Wenn du dem gegenüber offen bist, dann kannst du auch mit einer ganz anderen Mutterrolle glücklich werden, dich wohl fühlen und alles geben.
Es ist ein großes Glück, dass du das jetzt schon erkannt hast. Ich habe das erst bemerkt, als ich in der Realität angekommen war. Da war es schwierig, damit umzugehen. Aber du siehst an meiner Signatur: Wir haben es nochmal gewagt. Wir sind glücklich mit unseren Entscheidungen.

Alles Gute,
Juna


  Re: Ratlos
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 12.07.2018 03:08
Dein Postfach ist voll.


  Re: Ratlos
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  gelöschter User
schrieb am 12.07.2018 08:31
Ich würde es nicht so hochdramatisch ausdrücken. Sterben muss da nix und niemand. Mein persönliches Mantra Nr 1 in allen Lebenslagen ist „der Mensch macht Pläne und Gott lacht“ und ich bin Atheistin. Nr 2: Man spielt die Karten, die man ausgeteilt bekommen hat.

Ich hab mir von meinem 10 Jahre lang heftigst gewünschten Wunschkind kein Bild gemacht. Ich habe auch keine Erwartungen an ihn oder mich, nur Wünsche. Meine Erfahrung ist, dass Kinderwunsch und Kindhaben vor allem eins lehrt: mit dem Kontrollverlust zu leben. Sonst dreht man ja auch nur durch.

Zitat
Juna30

Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass eine Mutter schrieb, man müsse mit der Geburt sein Wunschkind, wie man es sich vorstellt, sterben lassen, damit man eine Chance habe, das echte Kind kennen zu lernen. Ich würde sagen, man muss die Vorstellungen von sich als Mutter sterben lassen, um sich selbst als Mutter kennen lernen zu können, um überhaupt wirklich in diese Rolle hinein wachsen zu können.

Wenn du dem gegenüber offen bist, dann kannst du auch mit einer ganz anderen Mutterrolle glücklich werden, dich wohl fühlen und alles geben.
Es ist ein großes Glück, dass du das jetzt schon erkannt hast. Ich habe das erst bemerkt, als ich in der Realität angekommen war. Da war es schwierig, damit umzugehen. Aber du siehst an meiner Signatur: Wir haben es nochmal gewagt. Wir sind glücklich mit unseren Entscheidungen.

Alles Gute,
Juna



  Re: Ratlos
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  lisa74
Status:
schrieb am 12.07.2018 10:31
Hallo,

du hasst ja schon viele tolle Antworten bekommen, ich könnte das alles gar nicht so gut ausdrücken. Aber da wurde vieles geschrieben, dass ich total passend finde.


Zitat
RoteBeete

Ich habe jetzt 6 Jahre Kinderwunsch hinter mir. Ich frage mich, ob ich mich überhaupt freuen werde, wenn es doch noch klappt. Das scheint alles erstens so unrealistisch und zweitens, fühlt es sich an, als ob ich diesen Zeitpunkt "verpasst" hätte, obwohl ich mich nicht zu alt fühle (bin 34) und der Kinderwunsch ja trotzdem sehr, sehr stark ist.

Hierzu möchte ich dir noch von mir schreiben. Bei uns hat es gut 8 Jahre gedauert, vom "Start" in die Kinderwunsch-Phase bis zum positiven Test.

Und je länger es dauert, desto mehr habe ich gezweifelt. An mir, an meiner Fähigkeit als Mutter, an der Partnerschaft. Wäre ich schnell ss geworden, hätte ich mir da gar keinen Kopf drum gemacht. Die Jahre haben mich, meinen Partner und uns verändert. Ein großer Teil von Sorglosigkeit und Unbeschwertheit ist dabei verloren gegangen.
Aber die lange Zeit hatte auch gutes. Im Beruf habe ich meine Stellung gefestigt, habe im Ausland gearbeitet. Wir haben ein Haus gekauft. Eines, das wir zu zweit gut bewohnen konnten (ohne leere Kinderzimmer!). Zu der Zeit sah es nach dem endgültigen KiWu-Aus aus. Jetzt passen wir da auch zu viert rein, da mussten wir halt umdisponieren.


Aber letztlich sind alle Versuche, mit dem Thema endgültig abzuschliessen, gescheitert. Ich habe den FA gewechselt, um Abstand zu den den Behandlungen zu bekommen. Die alte FA hat bei jeder Krebsvorsorge alle Behandlungen wieder durchgekaut... und just der neue Arzt hat mich zu einem letzten Versuch überredet. Mich - und meinen Mann.

Nunja, am Ende ging es gut für uns aus! Ich wäre sicher eine andere Mama gewesen, wenn ich 9 Jahre früher die Kinder bekommen hätte. Aber eben - anders, nicht besser oder schlechter.
Auch die Schwangerschaften waren dann übrigens so ganz anders, als ich mir das früher ausgemalt hatte. Man hat ja dann eher Bilder ala "Notting Hill" im Kopf. Tatsächlich hatte ich erstmal einfach nur ganz viel Angst, sobald der Schwangerschaftstest positiv war. Aber auch Freude - ich war völlig konfus an dem Tag. Zunge rausstrecken Über Monate war da oft die Sorge, dass etwas schief gehen könnte. Die Zeit zwischen den Arzt-Terminen war oft endlis lang. Unbeschwert ist anders.
Und alle haben erwartet, dass ich nur noch glückselig durch die Gegend laufe. Das war nicht so - aber die letzten Monate konnte ich dann wirklich geniessen. Bis dahin war dann - zusammen mit dem Kind in meinem Bauch - auch das Vertrauen gewachsen, dass alles gut gehen wird.


Ich wünsche dir jedenfalls, dass ihr einen guten Weg für euch findet. Alles Gute!

Lisa


  Re: Ratlos
no avatar
  Chorus
Status:
schrieb am 12.07.2018 21:13
Weiß gar nicht was ich sagen soll traurig Es tut mir sooo leid für dich!

Nach so langer Zeit im Forum und auch den Austausch mit dir habe ich das Gefühl, ich kenne dich, RoteBeete (obwohl es nur virtuell ist).

Deshalb will ich nach längerem Überlegen doch noch schreiben, obwohl vieles gesagt ist...

Viele deiner Gedanken sind mir damals auch gekommen, ob ich mich überhaupt noch freuen würde über ein Positiv etc..

Ich bin damals definitiv an einem Punkt angekommen, den man als Kinderwunsch-Burnout oder gar -Depression bezeichnen hätte können. Genau dasselbe spüre ich bei dir auch... kann sein, dass ich mich täusche, zumindest liest es sich so.

Ich habe übrigens auch genau 6 Negativs kassiert, und dann aufgehört, freilich auch wegen meinem Alter, dem lieben Geld etc. Ich hatte das Gefühl, dass mein psychischer Zustand vielleicht auch eine Zumutung für ein Kind gewesen wäre, all die Hoffnungen, Ängste, Träume, die ich all die Jahre hineininterpretiert hätte in die Erfüllung.

Der Kinderwunsch macht irgendwie innerlich alt, vielleicht wird einem das auch eingeredet, vielleicht muss man aber halt auch Erfahrungen machen, die andere erst sehr viel später - wenn überhaupt - machen (nämlich, wenn die Kinder ausziehen und sie nach einem anderen Lebenssinn suchen etc.).

Tipps kann ich dir leider wenige geben, aber du hast wie hier vielfach erwähnt noch etwas Zeit, die du dir jetzt einfach auch nehmen solltest. Zudem gehört irgendwie dazu, nochmal ernsthaft zu überdenken, ob man wirklich ganz rigoros auch alle Alternativen ausschlagen soll. Aber vielleicht kommt das erst, wenn es gar nicht anders geht und man einfach doch nicht abschließen kann.

Zumindest hätte ich die EZS früher kategorisch ausgeschlossen. Um ehrlich zu sein, fand ich schon die IVF sehr gewagt. Und neuerdings wird bei uns Pflege sehr beworben, weil es in unserer Region zum allerersten Mal überhaupt zuwenig Pflegeplätze gibt. Obwohl ich das immer ausgeschlossen habe, und eigentlich abgeschlossen habe (so gut wie), habe ich mal vorsichtig die Fühler ausgestreckt, was so nötig wäre für die Pflege. Ist aber dennoch bei einem "Nein" geblieben, aus ganz anderen Gründen letztendlich. Was ich sagen will, ist, sag niemals nie....

Nochwas zu 6 Versuchen. Eigentlich viel, wenn man den Aufwand betrachtet, doch muss man sagen, dass auch "normal fruchtbare" Paare ja als die bezeichnet werden, bei denen es innerhalb eines Jahres klappt (ein Jahr=etwa 12 Versuche)....


  Re: Ratlos
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  ...84
schrieb am 12.07.2018 21:17
Liebe Rote Beete,

es tut mir sehr leid, dass es bei euch noch nicht geklappt hat und ich kann dir leider auch nicht wirklich helfen! Du bist ratlos... Das kann ich verstehen! Wir haben auch 5 Jahre um unser Baby gekämpft... Eine wirkliche Diagnose gab es erstmal nicht (meine Eileiter waren schuld, dass konnte man aber so nicht erkennen)....
Ich hatte auch schon Zeiten da wollte ich alles hinschmeißen... Ja die Traurigkeit und Verzweiflung hatte mich sogar eine Zeit lang so weit im Griff, dass ich sogar nicht mehr da sein wollte...unser Weg war sehr hart! wir haben jetzt aber unser wunschkind und ich bin glücklicher als je zuvor! Kämpfen hat sich gelohnt! Mein Rat an dich.... Kämpfe bitte auch du weiter! Du hattest keinen frischen Transfer, oder? Vielleicht haben die Eizellen beim Einfrieren einen Knacks bekommen oder so... Du bist so alt wie ich.... Das Alter ist noch gut... Verschwende bitte keine Zeit! Zieht erstmal durch! Rede mit deinem Mann! Meiner hat mich damals aus meinem Tal der Traurigkeit wieder rausholen können! Ende des Jahres oder Anfang nächsten Jahres kann immer noch neu entschieden werden! Ich wünsche dir viel Kraft und Zuversicht sowie alles Gute!

Viele Grüße...84


  Re: Ratlos
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 12.07.2018 21:33
Zitat
stubbornstar
Ich würde es nicht so hochdramatisch ausdrücken. Sterben muss da nix und niemand. Mein persönliches Mantra Nr 1 in allen Lebenslagen ist „der Mensch macht Pläne und Gott lacht“ und ich bin Atheistin. Nr 2: Man spielt die Karten, die man ausgeteilt bekommen hat.

Ich hab mir von meinem 10 Jahre lang heftigst gewünschten Wunschkind kein Bild gemacht. Ich habe auch keine Erwartungen an ihn oder mich, nur Wünsche. Meine Erfahrung ist, dass Kinderwunsch und Kindhaben vor allem eins lehrt: mit dem Kontrollverlust zu leben. Sonst dreht man ja auch nur durch.

Zitat
Juna30

Ich habe vor einiger Zeit gelesen, dass eine Mutter schrieb, man müsse mit der Geburt sein Wunschkind, wie man es sich vorstellt, sterben lassen, damit man eine Chance habe, das echte Kind kennen zu lernen. Ich würde sagen, man muss die Vorstellungen von sich als Mutter sterben lassen, um sich selbst als Mutter kennen lernen zu können, um überhaupt wirklich in diese Rolle hinein wachsen zu können.

Wenn du dem gegenüber offen bist, dann kannst du auch mit einer ganz anderen Mutterrolle glücklich werden, dich wohl fühlen und alles geben.
Es ist ein großes Glück, dass du das jetzt schon erkannt hast. Ich habe das erst bemerkt, als ich in der Realität angekommen war. Da war es schwierig, damit umzugehen. Aber du siehst an meiner Signatur: Wir haben es nochmal gewagt. Wir sind glücklich mit unseren Entscheidungen.

Alles Gute,
Juna

Ich bin Christin und mir sicher noch nie von Gott ausgelacht worden zu sein.

Die Antworten auf einen Thread im Forum ist wie ein großer Obstkorb. Jeder nimmt sich heraus, was ihm schmeckt. Reinlegen darf aber jeder etwas.




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