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  verkorkste Beziehung zur Tochter
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  schlechte Mama
schrieb am 06.07.2018 22:24
Ich befasse mich schon seit knapp mehr als einem Jahr mit dem Thema. Meine Beziehung zu meiner Tochter (8) ist komplett verkorkst und ich möchte deswegen nur noch heulen.

Die Beziehung zu meiner eigenen Mutter ist schlecht, weil diese dominant und aggressiv war und mich ständig niedergemacht hat. Selbst während der Studienzeit bin ich morgens noch weinend raus, bis ich dann eine andere Bleibe finanzieren konnte. Dafür war die Beziehung zu meiner Oma, bei der ich teilweise aufgewachsen bin, fantastisch. Ich habe mir gewünscht, eine gute Mutter zu sein.

Das Problem ist, dass mich meine Tochter voll nervt und ich mich kaum noch auf sie einlassen kann. Sie ist verwöhnt (unser Fehler natürlich und jetzt zahlen wir dafür) zickig und absolut rücksichtslos. Wenn sie etwas will, geht sie über Leichen sozusagen. Du bist krank, hast Fieber, es geht dir dreckig, Hauptsache sie bekommt ihre Wünsche erfüllt. Dass sie von sich aus hilft oder meinetwegen auf Aufforderung ist ausgeschlossen. Das führt dazu, dass ich ihr extrem grolle und meinerseits nicht mehr helfen will. WEnn ihre Freunde zu Besuch sind, sind die sehr wohl bereit zu helfen und tun das von sich aus!

Wir reißen uns etwas ab, um es ihr recht zu machen und zurück kommt ein großes, fettes Nichts. Das habe ich mit ihr etliche Male besprochen, keine Besserung. In der Schule heißt es, sie sei sehr hilfreich und sozial!

Vor einem Jahr bin ich in eine Erziehungsberatung gegangen deswegen, bin noch immer drin, aber alles was rauskommt ist, dass sie mehr Aufmerksamkeit braucht. Die Ressourcen dafür sind aber nicht da, wir geben ihr schon alles was wir haben. Ich verstehe sie auch besser, ich kann auch mich viel kritischer sehen und sehen, dass ich zur Zeit gar keinen guten Draht zu ihr habe, aber eine Lösung ist nicht in Sicht.

Beispiel heute: Zeugnistag (alles 1er). Wir sind mit ihr ab 9:30 Eis essen gegangen, dann in ein Cafe, dann fein essen und in ein Museum, alles auf ihren Wunsch hin. Um 15:30 musste ich den Bruder aus der Kita abholen und danach einkaufen gehen, das war dann 16-18. Sie hat die ganze Zeit herumgezickt, dass sie jetzt nicht einkaufen gehen will und wir sollen ihr weiterhin zur Verfügung stehen, zu einem Spielplatz gehen usw. Besprochen war nur das Programm bis 16. Es hat geregnet! Und den Wocheneinkauf müssen wir eh machen. Aber das sieht sie nicht ein. Und um 21 ins Bett gehen, weil wir noch zu tun haben versteht sie auch nicht. Mama und Papa dürfen keinen Feierabend haben. Weder heute noch an einem anderen Tag.

Eben stand ein Zettel auf meinem Arbeitstisch "Mama und Papa, ihr beleidigt mich den ganzen Tag" und lauter wütender Smileys. Das hat mich jetzt echt getroffen, weil ich an meine Mutter gedacht habe und was die alles von sich gegeben hat. Ich kann beim besten Willen keine Beleidigung ausmachen, außer es ist eine, wenn man sie höflich bittet, den Fußboden in ihrem Zimmer aufzuräumen, weil sie morgen Besuch hat. Ach ja und ich habe sie gebeten, den Bruder nicht zu ärgern, weil der schnell anfängt zu heulen. "Ich will nur mit ihm spielen." Ja, der aber nicht mit ihr!

Ich werde morgen mit ihr darüber reden, jetzt schläft sie endlich. Sie ist von der extrem empfindlichen Sorte, sehr schnell am Heulen und beleidigt. Und ja, inzwischen fehlt mir die Feinfühligkeit für sie, weil sie wirklich nicht kapiert, dass wir um 21 völlig platt sind und nicht mehr die zigste Geschichte lesen wollen, da eskaliert es auch schnell.

Es geht hauptsächlich um Bespaßung. Sie hat sich nie allein beschäftigen können, war diesbezüglich sehr fordernd und schwierig, so dass ich irgendwann eine Babysitterin hatte, die einsprang, wenn wir Stress hatten. Das war ein Fehler. Ich muss mich jedes WE darum kümmern, dass sie mit Freunden ist, weil sie sonst austickt. Es muss ständig etwas passieren, wir müssen immer etwas mit ihr machen. Langeweile ist ihr ein Graus und sie macht uns das Leben zur Hölle, wenn sie grad keine Beschäftigung hat.

Ich finde, sie ist verzogen und bin für mehr Strenge. Die Erziehungsberaterin ist für mehr Aufmerksamkeit, womit sie evtl. auch recht hat, aber ich kann ihr doch nicht ständig zur Verfügung stehen! Von 10 bis 16 waren wir heute allein mit ihr und haben für sie und mit ihr was unternommen, mein Mann hatte extra frei. Danach erwarte ich, dass sie mitmacht und den Wocheneinkauf toleriert. Wir hatten auch angeboten, dass sie alleine auf uns wartet, war nicht drin.

Ich weiß nicht, was ich von euch erwarte, wenn die Erziehungsberatung auch nicht viel gebracht hat. Der Frust bringt mich zum Heulen, ich merke, dass ich grad keine gute Mutter bin, aber mein Herz ist meiner Tochter gegenüber verschlossen. Was ich will, ist dass sie mal mit anpackt, wenn sie sieht, dass es stressig ist und vor allem, wenn ich sie darum bitte. Z.B. Tisch decken oder einfach nur Ruhe geben. Sie lebt nur für sich und zeigt kaum Empathie und Rücksicht.

Es wäre schön, wenn wir eine gute Beziehung hätten, ich wünsche mir das sehr. Leider haben wir in der Erziehung Fehler gemacht, die ich seit 2 Jahren umsonst versuche zu verbessern. Stattdessen sehe ich sie und will nur ganz weit weg von ihr. Traurig...


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  berlink
Status:
schrieb am 06.07.2018 23:30
Hallo,

erstmal möchte ich Dur sagen, dass das ich das Verhalten des Kindes nicht so ungewöhnlich finde. Schade ist, dass Du im Moment keinen Zugang findest.
Meine 8jährige Tochter ist in der Schule und bei Freunden eher zurückhaltender ist, es gibt bisher keine Probleme, gar nichts. Das finde ich wesentlich besser, als wenn sie dort sich nicht gut einordnen könnte. Zu Hause aber ist oft, gerade nach einem Schul- und Horttag, die Luft raus. Da schafft sie es oft auch nicht, zu sehen, was gerade bei mir anliegt im Haushalt und das gerade es ganz ungünstig ist, Dinge einzufordern, die außerhalb jeglicher Realität liegen. Glücklicherweise dreht mein Sohn da nicht auch am Rad... . Es ist hier von Zeit zu Zeit sinnvoll, in Ruhe und situationsunabhängig zu erklären, wie so ein Berufs/Wochen/Familienalltag gut funktionieren kann, wo alle mithelfen. Eine Gemeinschaft funktioniert nur dann, wenn alle mit anpacken. Mit eingebunden in den Haushalt/Essen kochen/Aufgaben, wurden sie schon lang. Und wenn es das Blumengießen mit der Sandkastengießkanne war, als sie noch nicht mal 2 Jahre war. Daher haben meine Kinder schon länger (ca. seit Einschulung) feste Aufgaben, auf deren Einhaltung sie achten (müssen).
Sie spielt z.B. sehr gern, und tw. biete ich ihr selbst, wenn es nach dem Hort nur noch 10 min sind, ein Spiel an, was jetzt nicht 1 Std. dauert. Oft reicht dies, weil sie schon sieht, dass ich mich bemühe. Wenn sie grad wieder beschäftigt werden will (bei uns ist es überschlagen so: mein Sohn beschäftigt sich, meine Tochter beschäftigt uns...), dass ich ihr sage, ich mache noch xy, in ca. xy Minuten, bereite schon mal vor..., Du kannst mir helfen.., dann geht es schneller. Dabei bleibe ich aber auch, selbst wenn sie hier dann herumwütet oder kleine Zettelchen schreibt (Mama ist doof...;.)). Sie muss sich auch allein beschäftigen, das war schon immer so. Sie kann gern dabei neben mir in der Küche sitzen, lesen, malen.....wenn ich koche...., aber nur Bespaßen, das geht nicht und ging noch nie.
Ich habe kürzlich, als mal samstags, mein Mann musste ungeplant auf Arbeit, gleich morgens der Wurm drin war, sozusagen "Verhaltensanalysen" schreiben lassen. Das war ganz spannend, was da so herum kam (Fragen: Was wünschst Du Dir von Anderen, wie sie mit Dir umgehen sollen?, Wie gehst Du mit Anderen um? Was kannst Du anders machen?....)
Was Aktivitäten betrifft, so gibt es auch Situationen, wo wir sagen: 1 Tag wird das gemacht, was die Kinder wollen (Freibad), den 2. Tag am WE aber werden wir kindgerecht zwar, aber dennoch etwas machen, was den Großen mehr Freude bereitet. Also gings letztens mal wieder wandern, zwar mit eben Dingen, die sie erfreuen (Kinderpfad, Picknick), aber nicht 2 Mal Freibad.

Du sagst, die Erziehungsberatung sei für mehr Aufmerksamkeit, Du für mehr Strenge?
Ich bin mir nicht sicher, aber für mich stellt sich die Frage, was Du unter mehr Aufmerksamkeit verstehst? Mehr Aktionen? Mehr Wunscherfüllung?
Was verstehst Du unter mehr Strenge (meinst Du Grenzen?) Für mich schließen sich klare Strukturen, Vereinbarungen, Regeln einhalten und Aufmerksamkeit nicht aus.
Die Tochter hat ein schönes Zeugnis, aber warum ist es erforderlich gleich 4 Wünsche nacheinander wie eine Art Wunschmarathon zu erfüllen/abzuhaken? Das macht Ihr und erwartet dann Dankbarkeit. Ihr bekommt Ärger ab, dass dann noch der Einkauf wartet. War das kommuniziert? Für sie klar, dass das dann noch folgt (wobei ich sowas an den Anfang stellen würde).
Jeder versteht sicher etwas Anderes unter Verwöhnen, aber ein Wunsch (und es ist ja nun nicht so sehr ein Bedürfnis, alle Aktionen zu machen) nach dem Anderen zu erfüllen, geht für mich schon in die Richtung. Was werdet Ihr zum Abitur Ihr erfüllen?
Was denkst Du, was Eure Tochter wirklich möchte? Was steckt hinter dem Verhalten? Was sagt sie, wieso sie "nervt", unzufrieden ist, was fehlt ihr? Wie wünscht sie sich in Euerem Alltag? Wie wird sie in die Alltagsplanung eingebunden (nicht: wie bestimmt sie?) Wie legt Ihr fest, was es zu essen gibt für die Familie? In welcher Art erfährt sie Wertschätzung? Wieviel Zeit verbringst Du mit ihr? geht sie in den Hort? ZU Vereinen? Freundinnen?
Was passiert, wenn sie von sich aus oder auf Aufforderung nicht mithilft? Welche Folgen hat das für sie? Nimmst Du das so hin und machst schließlich eben selber? Besprichst Du das nach? Habt Ihr Bücher über das Zusammenleben in einer Gemeinschaft?

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Wäre es auch gut für sie, wenn Ihr einfach am Zeugnistag nur 1 Event macht und ansonsten aber Zeit mit ihr verbringt, zusammen spielt, zusammen im Garten (so vorhanden) auf ner Decke liegend in den Himmel guckt...., zusammen Inliner fahrt usw. . Wir essen zu Beginn jeder Ferien (und nach erfolgtem Klaviervorspiel vor den Eltern) zusammen Pizza und schauen eine Film. das machen wir wirklich nur selten. Zu den Zeugnissen sind meine Kinder auch dieses Jahr auf jeden Fall erstmal im Hort, da wir arbeiten, danach ist Klavierunterricht. Am WE werden wir evtl. zusammen (alle) auch schon essen gehen., Mehr aber nicht. da gibt es keinen Hype.
Meine Tochter nervt tw, auch, und ich bin in Streßsituationen immer wieder erstaunt, wie wenig sie den Streß der Anderen da mitbekommt. Ich kann es aber in dem Moment nicht ändern, sondern nur annehmen. Sie möchte auch sehr nah sehr oft sein. Sie freut sich darüber, wenn sie mit mir die Nägel lackieren kann, wenn sie mir vorlesen kann, sie möchte mit meinen Stiften malen, wenn ich im Garten was mache, ist sie zufrieden und hüpft im Trampolin... . das kostet mich alles wenig Mühe. Bei uns wird es besser, auch wenn es Überwindung tw. kostet, Ihr etwas anzubieten. Also nicht zu warten, bis sie nörgelt und fordert und man sich unter Druck gesetzt fühlt und genervt ist, sondern ein Spiel von sich aus vorschlägt.

Ich würde also nicht immer weiter die Spirale nach oben gehen und noch mehr Attraktionen anbieten, sondern z.B. Samstag morgens beim Frühstück zusammen zu beraten, sammeln, was Jeder am WE so machen möchte/plant/was erledigt werden soll. Sie kann das ja z.B. aufschreiben und auch, wie lange das wohl dauert. Verlässlichkeit finde ich da wichtig. Wir besprechen immer morgens auf dem Weg zur Schule, was passiert, wenn ich sie hole. dann mit "Einkauf" überraschen, den Ärger erspar ich mir. Finde ich ja auch nicht toll, plötzlich was machen zu müssen, auf das ich gar nicht eingestellt bin.

Soweit erstmal, viele Grüße!


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.07.18 23:31 von berlink.


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  Hamamelis71*
schrieb am 06.07.2018 23:34
Och Mensch, aber ich glaube, dass viele Mütter mit ihren Töchtern in dem Alter Stress haben. Zumindest sind meine Freundinnen auch nicht immer happy.

Ich finde, dass bei Euch klare Absprachen fehlen. Dann ist es für sie u. U. leichter zu akzeptieren. Vielleicht solltet ihr versuchen : erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Morgen früh hat bei uns jeder eine Aufgabe, dann haben wir am Nachmittag Zeit für eine Radtour.

Wahrscheinlich ist Aufmerksamkeit besser als Strenge. Aber Aufmerksamkeit kann auch gemeinsames Backen o. ä. sein.

Bei uns ist auch nicht immer alles perfekt, aber wir besprechen und vereinbaren einiges. Mein Sohn kann Wünsche äußern bzgl Unternehmungen und wir klären bzw erklären die Rahmenbedingungen. Z. B. geht zelten mit Papa im Garten nur am Wochenende. Einmal in drr Woche muss das Kinderzimmer aufgeräumt und gesaugt sein.

Hilfst Du mir, helf ich Dir. Über diesen Aspekt solltest Du mit Deiner Tochter sprechen. Und sie kann ja eine Wunschliste erstellen, dann kanbst Du mit ihr besprechen, was unter welchen Bedingungen durchführbar ist und was ihre Aufgabe ist. Und jeder hat Bedürfnisse, auch Eltern. Mein Sohn weiß, dass ich nicht so viel Energie wie mein Mann habe. Und wir finden am Nachmittag trotzdem einen gemeinsamen Nenner.

Mein Sohn ist 10 Jahre alt und ich habe ihm immer wieder gesagt, dass ich Ruhepausen brauche. Er hat es schon früh verstanden und akzeptiert.

Letztes Jahr ging es mir gar nicht gut, ich plane jetzt mehr. Z. B. Haushalt, dadurch wissen alle, was noch zu erledigen ist. Es ist transparenter. Wir besprechen, was wann anliegt, dann kann sich jeder drauf einstellen.

Alles Gute für Euch!

Vielleicht wäre es auch für Dich angenehmer gewesen, wenn Du heute Morgen schnell einkaufen gegangen wärest und nicht mit zwei Kindern.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 06.07.18 23:47 von Hamamelis71*.


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  berlink
Status:
schrieb am 06.07.2018 23:53
Zitat
Hamamelis71*
Ich finde, dass bei Euch klare Absprachen fehlen. Dann ist es für sie u. U. leichter zu akzeptieren. Vielleicht solltet ihr versuchen : erst die Arbeit und dann das Vergnügen. Morgen früh hat bei uns jeder eine Aufgabe, dann haben wir am Nachmittag Zeit für eine Radtour.

Das ist bei uns auch so. Das schreiben wir auf beim Frühstück, was zu tun ist, Schulische Dinge ggf, wenn was zu üben ist, Instrument üben, Haushalt/Garten. Jeder hat seine Spalte, in der er das Erledigte abhaken kann, so muss ich auch nicht den Kindern hinter kontrollieren. Das tun sie selbst. Ich bin auch so: erst Arbeit, dann Vergnügen. Pausen aber dürfen gemacht werden, wenn die Aufgaben groß sind.


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  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  schlechte Mama
schrieb am 07.07.2018 11:50
Eure Antworten helfen sehr!

Mit mehr Strenge meine ich, dass sie ein Mitglied der Familie ist und als solches mitzuhelfen hat, Abmachungen einhalten, sich mal zurücknehmen usw. Mit Aufmerksamkeit ist mehr Zeit nur mit ihr allein gemeint, was wir ja gestern versucht haben.

Wir machen Freitag Abend immer den Einkauf gemeinsam. Wir brauchen das Auto dafür, nur mein Mann fährt und ich habe keine Lust allein zu Hause mit den Kindern zu sitzen und zu warten, dass mein Mann die halbe Liste vergisst. Unsere Tochter hat immer die Option zu Hause zu bleiben oder mitzukommen, das machen wir seit Jahren so, es kann nicht als Überraschung gekommen sein.

Der Tag gestern ging anders nicht, da wir sie ja um 9:30 aus der Schule abholen mussten, sie ist um 7:30 los und in der Zwischenzeit mussten wir noch den Bruder in die Kita bringen, der ja auch eine Streicheleinheit braucht.

Es beruhigt mich, dass andere auch ähnliche Probleme haben. Ich habe mir gemerkt, feste Absprachen, morgens den Tag planen usw. Leider weigert sie sich fast immer irgend eine Aufgabe zu übernehmen und wenn wir eine übertragen, wird sie 1x gemacht und das war's dann. Gestraft haben wir nicht, nur geschimpft und weniger mit ihr/für sie gemacht. Ich kaufe ihr schon nichts mehr, was ich früher sehr viel gemacht hatte, von Kleidung, Kleinigkeiten, bis Bücher. Inzwischen weigere ich mich, aber es scheint ihr nichts auszumachen. In der Schule gab sie bei einem Projekt aber an, sie würde für uns einkaufen, den Bruder sitten und den Müll rausbringen. Hat sie jeweils höchstens 1x gemacht!

Dankbarkeit erwarte ich keine von ihr, nur dass sie "funktioniert", d.h. keinen Krach macht, wenn wir unser übriges Programm abspulen. Ich hatte erwartet, es würde nach dem Motto gehen: ich tu was für dich (den Tag nur mit dir) und du tust was für uns (machst mit).

Ich merke auch, das immer mehr auf mich zurückfällt, weil auch mein Mann gefühlt immer weniger im Haushalt macht. Früher hat er die Wäsche sehr oft selbst gemacht, das ist aber schon 2 Jahre her. Sachen vom Boden aufheben tu auch nur ich und mein kleiner Sohn (!), die anderen treten drauf. Mir wird alles zu viel und Mann&Kind tun nichts, weil sie mit sich zu beschäftigt sind, mich zu hören.

Mir fehlt einfach die Bereitschaft, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, weil sie so furchtbar selbstbezogen ist. Meine Schuld, ich weiß. Nur wie biege ich das wieder hin?

Habt ihr da mehr Tipps?


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  melissa28
Status:
schrieb am 07.07.2018 13:29
Hallo,

es tut mir sehr leid für dich, dass du gerade so an deiner Beziehung zu deiner Tochter zweifelst. Ich kann dich verstehen, mir würde es wohl in solch einer Situation auch nicht anders gehen.

Ich persönlich finde, dass eine 8jährige durchaus in der Lage sein sollte, empathisch zu sein und auch mal etwas zu tun, was nicht nur um ihrer selbstwillen geschieht oder wo etwas für sie rausspringt.

Meine Tochter ist 7, sie macht am Wochende ihr Bett und räumt ihr Zimmer auf (ohne Aufforderung), füttert die Katze, räumt den Geschirrspüler aus, hilft beim Kochen, saugt (nach Aufforderung). Für sie ist das aber immer so, dass ihr die Dinge auch Spass machen, deswegen ist das eigentlich nichts wozu sie sich überwinden muss. Allerdings gibt es natürlich auch Zeiten wo sie nicht strahlend mithilft, da bestehe ich aber dann schon nachdrücklich darauf und dann macht sie das auch. Allerdings haben wir keinen fixen Wochenplan mit fixen Aufgaben.

Ein (dauerndes) Verhalten wie das deiner Tochter könnte ich auch nicht akzeptieren und ich kann komplett nachvollziehen, dass dich das ärgert und auch traurig macht. Ich finde jetzt auch nicht (wenigstens aus dem heraus, was ich deinem Post entnehmen kann), dass sie unbedingt zu wenig Aufmerksamkeit hat, ihr macht doch viel mit ihr.....ich finde auch nicht, dass man als Eltern immer was ableisten muss wenn man von seinen Kindern etwas verlangt, innerhalb einer Familie sollte das eigentlich normal sein und keine Liste nötig sein, wer wem wieviel für irgendetwas "schuldig" ist.

Wir haben unseren Kindern immer sehr direkt gesagt, dass viel von dem was sie erleben/bekommen nicht selbstverständlich ist, dass es durchaus Familien und Kinder gibt für die das Leben ganz anders läuft. Wir haben ihnen beigebracht, dass sie sich bedanken, wenn sie etwas bekommen oder jemand etwas für sie macht und tun dies umgekehrt auch bei ihnen. Heute hat z.B. mein Mann sich morgens hingestellt und Spaghetti Bolognese für die Kinder gekocht (haben sie sich sehr gewünscht) obwohl er ein bisschen krank ist. Darauf mache ich meine Kinder dann aufmerksam, sage ihnen, dass der Papa das getan hat weil er ihnen eine Freude machen wollte, obwohl er nicht ganz fit ist und, dass sie sich dafür bedanken sollen.
Umgekehrt bedanken wir uns auch bei ihnen, wenn sie helfen oder besonders an uns denken (mein Sohn bringt mir z.B. von jedem einzelnen Spaziergang im Kindergarten ein Blümchen oder ein schönes Blatt mit weil er weiß, dass ich das mag - er ist 4, bald 5 Jahre alt und passt während des gesamten Spaziergang darauf auf - dafür bedanke ich mich und zeige ihm wie toll ich das finde, dass er es macht um mir eine Freude zu machen). Lange Rede, kurzer Sinn: Zeige deiner Tochter was Empathie und Hilfsbereitschaft ist, mache sie aufmerksam, auch mal sehr direkt, zeige ihr auch deine Trauer und deine Enttäuschung, erkläre ihr warum du so fühlst, dann wird sie lernen mit diesen Dingen umzugehen und sie auch anwenden.

Im Falle des Nachmittags nach dem Zeugnis, hätte ich ihr direkt gesagt, dass ich ziemlich enttäuscht bin von ihrem Verhalten, dass ihr als Eltern ihr eine Freude machen wolltet und nun das Gefühl habt, dass das gar nichts wert gewesen ist und ihr ernsthaft darüber nachdenkt, dass es nach dem nächsten Zeugnis solche Belohnungen eben nicht mehr gibt. Dass es nur fair ist, wenn man so eine tolle Zeit hat, dass man dann eben mitspielt wenn es nicht so spannend für einen selbst ist.

Wenn sie Besuch will und nicht aufräumt, dann kann eben kein Besuch kommen. Ich wäre also auch für etwas mehr Strenge, allerdings immer in Verbindung mit Erklärungen, sie macht es ja nicht aus böser Absicht, ich denke, sie versteht es einfach noch nicht ganz.

Liebe Grüße


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
avatar  patty 2
Status:
schrieb am 07.07.2018 13:53
Hallo,

du hast ja schon einige Handlungsoptionen für euren Alltag bekommen.

Eigentlich könntest du deinem Beitrag eine andere Überschrift geben. Du schreibst eigentlich über deine Enttäuschungen und Verletzungen. Man könnte sich fragen, welche Bedürfnisse bei dir unzureichend erfüllt wurden/werden und was bis heute davon dein Leben beeinflusst.

Zitat

Die Beziehung zu meiner eigenen Mutter ist schlecht, weil diese dominant und aggressiv war und mich ständig niedergemacht hat. Selbst während der Studienzeit bin ich morgens noch weinend raus, bis ich dann eine andere Bleibe finanzieren konnte.

Das klingt schon sehr traurig und scheint bei dir bis heute nachzuwirken. Hilflos einer Person ausgeliefert, außerhalb des eigenen Handlungsbereich, zu sein. Deine Reaktion damals = weinen.

Zitat

Der Frust bringt mich zum Heulen, ich merke, dass ich grad keine gute Mutter bin,

Deine Reaktion scheint die gleiche zu sein, allerdings nicht weil du keine gute Mutter bist. Es scheint so, als ob du dich in diesen Momenten, mit deinem Gefühlserleben, in einem anderen Zeitfenster befindest.
Du bringst aus deiner Sicht viel Einsatz und "erntest" Abwertung, keiner gibt dir Anerkennung.

Zitat

Ich merke auch, das immer mehr auf mich zurückfällt, weil auch mein Mann gefühlt immer weniger im Haushalt macht. Früher hat er die Wäsche sehr oft selbst gemacht, das ist aber schon 2 Jahre her. Sachen vom Boden aufheben tu auch nur ich und mein kleiner Sohn (!), die anderen treten drauf. Mir wird alles zu viel und Mann&Kind tun nichts, weil sie mit sich zu beschäftigt sind, mich zu hören.

Wie willst du damit umgehen? Was ist dein Bedürfnis und was kannst du auf Paarebene besprechen? Eine Solidarisierung mit deinem kleinen Sohn wird auf Dauer nicht hilfreich sein und könnte eure Familiendynamik beschädigen.

Deine kleine Tochter macht, was Kinder eben machen, sie äußert Bedürfnisse. Wie war das bei dir in diesem Alter, war es dir in dieser Deutlichkeit erlaubt?

Zitat

Mir fehlt einfach die Bereitschaft, Zeit mit meiner Tochter zu verbringen, weil sie so furchtbar selbstbezogen ist. Meine Schuld, ich weiß. Nur wie biege ich das wieder hin?

Es sollte nicht um Schuld gehen, vielleicht ist das neue Thema: "Veränderung", "Umgang mit Erwartungen/Enttäuschungen".

Vielleicht kannst du dir ein paar Beratungsstunden gönnen, damit du im Umgang mit deiner Tochter die erwachsenen Rolle beibehalten kannst.
Wann gab es schöne Momente mit deiner Tochter und dir?

LG Patty


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  gelöschter User
schrieb am 07.07.2018 14:15
Und nur so ein Gedanke zum Zeugnistag - das war bis 16 Uhr schon ein ganz schöner Marathon - vielleicht war sie auch einfach überreizt statt undankbar? Zeugnisausgabe war immer irre aufregend. eis Essen um 09:30, dann Café, dann Essen gehen und Museum - da wäre ich auch platt.


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  lucky*3
schrieb am 07.07.2018 20:06
von mir auch nur ein kurzer Gedanke - ich habe drei Kinder und wir haben und hatten auch schon Zeiten, in denen wir am Ende waren mit den Nerven.

Einen weisen Spruch rufe ich mir dann immer wieder ins Gedächtnis:

Liebe mich am meisten, wenn ich es am wenigsten verdient habe, denn dann brauche ich es am nötigsten.

Auch deine Tochter scheint sehr unglücklich zu sein, nur ist sie ein Kind und du die Erwachsene!


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  pmami
schrieb am 07.07.2018 20:55
Hallo,

ich habe keine der anderen Antworten gelesen, deshalb entschuldige ich mich vorweg, wenn ich etwas wiederhole, was andere bereits gesagt haben:

1. Deine Tochter muss nicht funktionieren und Du musst sie nicht hinbiegen
2. Deine Tochter ist beliebt, ist gut in der Schule und andere Menschen sagen Dir, sie ist hilfreich und sozial. Ich würde sagen, da hast Du alles richtig gemacht!
3. Versuch mal Abstand zu gewinnen. Kannst Du entweder alleine oder mit Deinem Mann ein Wochenende oder eine Woche ohne beide Kinder wegfahren? Glaub mir, wenn Du wieder kommst, wirst Du sie ganz anders sehen und vor allem Dich sehr auf das Wiedersehen freuen.
4. Nimm Dir einen Zettel und schreibe Dir jeden Tag eine Sache auf, die an diesem Tag an Deiner Tochter ganz besonders toll und positiv war.
5. Sage Deiner Tochter jeden etwas, was Du an ihr magst oder positiv findest oder worüber Du Dich besonders gefreut hast. .

Viele Grüße pmami


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  Paula Mondschein
Status:
schrieb am 07.07.2018 23:14
Liebe bestimmt keine schlechte Mama,
mir fällt da Jesper Juuls Beziehung vor Erziehung ein. Ich verstehe dich sehr gut und wäre mit der Situation auch nicht zufrieden. Wenn es bei meinem großen Sohn (5) in mir in diese Richtung geht, muss ich näher an ihn ran, mit ihm gefühlsmäßig in Kontakt kommen. Das beginnt damit, dass ich allein auf ihn eingehe, was interessiert und bewegt dich gerade. So kann ich Nähe aufbauen und sein Verhalten wird wieder sozialer. Allerdings scheint die Problematik bei euch schon etwas verhärtet zu sein, deshalb würde ich mit ihr mal einen Kinderpsychotherapeutien aufsuchen oder auch eine Familientherapie bzw. zusätzlich zu ihrer eine eigene Therapie erwägen, sie ist erst acht, bevor sie in die Pubertät kommt, müsst ihr eure Beziehung verbessern, sonst wirst du sie da emotional vermutlich verlieren und nicht begleiten können. Und ich finde, du müsstest dafür auch an dir arbeiten: Sie ist nicht dafür da, deine Bedürfnisse, vor allem nach Bestätigung, zu erfüllen, sondern du musst dir woanders, vor allem aus dir selbst heraus, Bestätigung holen. Und es wiederholt sich etwas: Deine Mutter hat dich entwertet, du entwertest deine Tochter. Das tust du nicht bewusst, für dich wirkt sie gerade wirklich nur schwarz, vermutlich ist sie das aber nicht. Viel Erfolg, du siehst ja, dass ihr arbeiten müsst, das ist doch schon ein wichtiger Schritt!
Liebe Grüße von Paula


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
no avatar
  Joaninha
schrieb am 08.07.2018 06:43
Zitat
schlechte Mama
Dankbarkeit erwarte ich keine von ihr, nur dass sie "funktioniert", d.h. keinen Krach macht, wenn wir unser übriges Programm abspulen. Ich hatte erwartet, es würde nach dem Motto gehen: ich tu was für dich (den Tag nur mit dir) und du tust was für uns (machst mit).

Nein, ich denke, das hast Du falsch verstanden. Nach diesem Prinzip funktioniert eine Tupperparty. Familie geht, denke ich, anders. Und ob Du es nun wahrhaben willst oder nicht: Auch das Tupperprinzip und damit das "Funktionieren" basiert letztlich auf Dankbarkeit.

Schau mal, kein Kind hat darum gebeten, geboren zu werden. Darum muss es nicht dankbar dafür sein, dass es auf der Welt ist. Auch nicht dafür, ernährt oder gekleidet zu werden. Es muss nicht einmal dankbar sein, wenn es Dinge im Überfluss bekommt. Und schon gar nicht muss es aus Geschenken, Zeit oder ähnlichem Verpflichtungen gegenüber der Familie ableiten. Wäre das der Fall, dann wäre Dein schlechter Kontakt zu Deiner Mutter ja höchst verwerflich. Denn auch sie hat Dich einmal geboren, ernährt, gekleidet, Dir vermutlich Geburtstagsgeschenke gemacht. Aber das reicht eben nicht. Was Du von ihr wolltest, wenn ich das mal aus der Ferne so mutmaßen darf, war Liebe und Anerkennung, und die hast Du nicht bekommen.

Die Frage, die jetzt im Raum steht - die Du, glaube ich, in den Raum wirfst - ist, ob das bei Dir und Deiner Tochter ebenso ist.

Ich kann Deine Tochter gut verstehen. Genauer: Ich kann mir schon ein Szenarium vorstellen, in dem das Verhalten Deiner Tochter nur zu verständlich ist. Das ist natürlich eine Vermutung meinerseits, Du musst also selbst beurteilen, inwiefern das Folgende überhaupt auf Euch zutrifft.

Deine Tochter weiß schon seit langem, dass Eure Beziehung nicht funktioniert. Du gibst ihr zwar alles:

Zitat
schlechte Mama
Wir reißen uns etwas ab, um es ihr recht zu machen

aber Du gibst ihr gleichzeitig zu verstehen, dass dieses "recht machen" nicht bedingungslos geschieht. Denn wenn Deine Tochter nicht funktioniert, dann drehst Du den Gefühlshahn zu (nebenbei, was verstehst Du denn genau unter "Strafen" wenn nicht das Folgende?):

Zitat
schlechte Mama
Gestraft haben wir nicht, nur geschimpft und weniger mit ihr/für sie gemacht. Ich kaufe ihr schon nichts mehr, was ich früher sehr viel gemacht hatte, von Kleidung, Kleinigkeiten, bis Bücher. Inzwischen weigere ich mich, aber es scheint ihr nichts auszumachen.

Die Botschaft, die Deine Tochter vermutlich seit zwei Jahren aus Deinem Verhalten herausliest, ist: Was meine Mutter für mich tut, das tut sie nicht aus Liebe, sondern nur, damit ich das tue, was sie will.

Vor dem Hintergrund nun ist der Tag der Zeugnisübergabe zu sehen. Du kündigst an, dass Ihr den Tag morgen gemeinsam verbringt. Sie hört: den ganzen Tag. Vielleicht habt ihr das im Nebensatz durchblicken lassen - "Papa nimmt sich den Tag(!) morgen frei, damit wir etwas Schönes zusammen unternehmen". Jedenfalls war sie davon ausgegangen, dass Ihr Euch ganz ihr widmet. Alles läuft prima, bis ihr nachmittags einkaufen geht. Der Tag war schön, sie hat das Zusammensein genossen und war vielleicht gerade wieder soweit, zu glauben, dass es hier um Anerkennung geht - da gehst Du nun einkaufen. Und stellst in ihren Augen klar: Nein, es geht nicht um Anerkennung, es geht wie immer ums Funktionieren. Der schöne Vormittag ist nur ein Trick, damit sie nachmittags spurt.

Ich verstehe ihre Enttäuschung vollkommen. Und ja, ich verstehe auch, dass sie schreibt, ihr würdet sie "immer" beleidigen. Sie hat recht. Der Einkauf, verstanden als Signal an sie, dass sie sich Euch verpflichtet zu zeigen hat, entwertet alle Aktivitäten des restlichen Tages zum bloßen Mittel zum Zweck. Nicht zum Ausdruck von Liebe und Anerkennung.

Du wirst jetzt vielleicht denken, dass der Vormittag so spektakulär war, dass das Einkaufen dagegen doch nur eine Kleinigkeit ist. Doch Eure Tochter hat, denke ich, längst ein Deutungsschema für solche Situationen, deshalb verselbständigt sich ihre Reaktion auch gegenüber den Fakten.

Ich will gar nicht weiter schreiben, nur zwei Dinge oder Fragen: Ist Dir eigentlich aufgefallen, dass Deine Erziehungsmaßnahmen just so alt sind wie Dein Sohn? Und fällt Dir auf, wie willkürlich Deine Deutungsmuster sind, wenn es ums Weinen geht?

Zitat
schlechte Mama
Die Beziehung zu meiner eigenen Mutter ist schlecht, weil diese dominant und aggressiv war und mich ständig niedergemacht hat. Selbst während der Studienzeit bin ich morgens noch weinend raus, bis ich dann eine andere Bleibe finanzieren konnte.

Zitat
schlechte Mama
Sie ist von der extrem empfindlichen Sorte, sehr schnell am Heulen und beleidigt.

Wenn Du weinst, dann liegt es an den anderen, wenn Deine Tochter weint, liegt es an ihrem extrem empfindlichen Wesen, ja? Wie genau rechtfertigst Du diesen Unterschied zwischen Dir und Deiner Tochter? Wie kommst Du auf den Gedanken, dass ein Kind, das um die Liebe seiner Mutter trauert, "von der extrem empfindlichen Sorte" ist? Und wie stellst Du sicher, dass es nicht genau umgekehrt ist: Deine Tochter weint aus Frust und Du, weil Du empfindlich bist? Liegt das Problem vielleicht genau darin, dass Du nicht in der Lage bist, den Unterschied zu begründen? Dafür kann aber Deine Tochter nichts.

Was würde ich tun? Ich finde den Tipp sehr gut, einmal eine Woche auszusteigen und Abstand zu gewinnen. Ich persönlich würde danach an Deiner Stelle erst einmal alle Ansprüche an Deine Tochter, im Haushalt mitzuhelfen, zurückstellen. Denn ganz ehrlich: Ist die Arbeitskraft einer Achtjährigen echt so unabdingbar für das Funktionieren einer vierköpfigen Familie? Statt dessen würde ich wieder zu dem zurückkehren, was Dir früher Freude bereitet hat und was Du abgestellt hat, als der kleine Bruder zur Welt kam: Mach ihr mal eine Freude zwischendurch. Lade sie zum Eis ein, bringe ihr eine kleine Überraschung mit. Sag ihr, dass Du sie liebst, nenn sie ohne weiteren Hintergedanken im Hinblick auf haushaltliche Pflichten "Süße" oder "Schatz" oder was auch immer Achtjährige hören wollen. Gib ihr Anlass, ihre Deutung Eures Verhältnisses zu revidieren. Dazu sind Überraschungen wichtig. Sie durchbrechen den Deutungszusammenhang, den sie sich in den letzten zwei Jahren aufgebaut hat, und daraus kann sie ableiten, dass ihre Mutter eben doch anders tickt als sie denkt. Gib Euch die Chance, Eure Beziehung neu zu begründen. Nicht auf dem Tupperprinzip, sondern eben auf Liebe und Anerkennung. Hab keine Angst davor, dass das schiefgeht. Sie hat sich längst andere Bezugspersonen gesucht, die sie so annehmen, wie sie ist - die Grundschullehrerin oder die Eltern ihrer Freunde. Sie dankt ihnen ihre Zuwendung mit genau dem "Funktionieren", das Du bei ihr vermisst. Warum sollte das dann bei Euch nicht klappen?

Ich wünsche Euch alles Gute.


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  Hermine n. m. a.
schrieb am 08.07.2018 10:37
Danke, Joaninha, endlich eine die Tacheles redet. So sehe ich das nämlich auch.
Das arme Mädchen weiß doch nicht mehr wohin mit sich.

Liebe TE, such DU dir dringend Hilfe und nimm diese auch an. So wie sich das für mich anhört hörst du zwar was die Erziehungsberatung sagt, aber verstehst es nicht.
Und wenn ich Ratschläge höre wie mach einen Termin beim Kinderpsychologen oder Familientherapeuten....nein, ist hier gar nicht notwendig.
Arbeite DU an DIR, schau mal tief in dich rein und sei ehrlich zu dir selbst, an was es tatsächlich liegt.

Und klar will man als Mama auch Anerkennung für den alltäglichen Wahnsinn den man leistet...aber sich nur darüber zu definieren ist ja auch schon recht fragwürdig.

Sorry für die harten Worte, aber von Kuschelkurs gegenüber Erwachsenen die es besser wissen sollten halte ich nix.

Ich wünsch dir alles Gute, mit ner gehörigen Portion Selbstreflektion schafffst du das!


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  Beccipliep
Status:
schrieb am 08.07.2018 11:01
Mir fällt zusammengefasst auch nur eins ein:
schenke ihr bedingungslose Liebe und alles wird gut!

Und ja, ich sehe es auch so, dass du an dir arbeiten musst und nicht am Kind.

Ich habe auch manchmal Phasen, in denen ich gestresster bin und dann keine Geduld habe. Die Antwort im Verhalten des Kindes kommt immer sofort, sehr oft auch in Bockigkeit und Unhilfsbereitschaft. Inzwischen habe ich gelernt, dass es meistens mein Verhalten ist, auf das meine Tochter antwortet. Oft hilft schon, ihr zu erklären, dass es mit gerade nicht gut geht oder dass ich keine Geduld habe, dann kann sie es zumindest ein bisschen verstehen.


  Re: verkorkste Beziehung zur Tochter
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  blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 08.07.2018 11:32
ich mag noch die fünf Arten der Liebe einwerfen [url=https://de.wikipedia.org/wiki/Fünf_Sprachen_der_Liebe]ÜBERBlLICK[/url]

ich habe auch das Gefühl, dass du nur Wünsche erfüllst, aber keine Bedürfnisse. ich habe gelernt, dass Kinder kompromissbereiter sind, wenn man ihnen Bedürfnisse erfüllt. im Falle des Zeugnis und unter Berücksichtigung der fünf Arten der Liebe, kann ich mir gut vorstellen, dass es einfach zu viel von Geschenken war, aber vielleicht zu wenig von Anerkennung. Hast du dein Kind gelobt? hast du es in den Arm genommen? ist wirklich klar geworden, dass die Aktivitäten der Anerkennung dienten oder nur der Wunscherfüllung?

allerdings erscheint es mir auch so, dass euer Miteinander schon lange etwas andere Bahnene als erwünscht hat. deswegen hat deine Tochter immer größere Wünsche, weil das andere bekommt sie vielleicht eh nicht. da muss man halt mal wieder reinhorchen, und neu feststellen, was deine Tochter braucht. und dann kann dein Kind sicherlich besser akzeptieren, was du brauchst.

auch wegen dem Feierabend: da ist es oft auch ganz gut, eine Alternative anzubiente. ihr habt frei, aber sie darf noch lsen. mach es schmackhaft. und nach einer Stunde kann man dann doch noch mal rein und liebevoll ins Bett bringen. meine Tochter mag es, wenn ich nochmal richtig zuhöre. die andere, da muss man sich nochmal dazu legen. du merkst, die eine braucht Anerkennung, die andere Körperkontakt. ich versuche das zu berücksichtigen und dann sind sie auch leichter bereit, wenn ich sag, es ist nun Schluss.




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