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  Familienbesuch/ Therapeutisches Schreiben
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  Ratlose Tochter
schrieb am 31.03.2018 09:53
Liebe Forengemeinde,
ich lese oft hier im Kummerkasten im Stillen mit und es haben so viele Nutzerinnen schon gute Tipps bekommen, Erfahrungswerte und Streicheleinheiten. Deshalb schreibe ich heute, obwohl ich nicht wüsste, wie mir zu helfen wäre. So ist dieses Schreiben wohl eher therapeutischer Natur.

Wir haben seit dieser Woche Besuch aus meiner Familie. Es geht um meinen Vater und es hat sich eine wirklich schwierige Situation für mich ergeben.
Kurz zur Vorgeschichte:

Meine Eltern bekamen mich, als sie 16 Jahre alt waren. Kurz nach der Geburt verschwand mein Vater von der Bildfläche. Ich hatte in meiner späteren Kindheit sporadisch Kontakt, der aber emotional sehr schwierig war. Er heiratete irgendwann eine andere Frau und bekam noch zwei Kinder. Diese Familie sehe ich nicht als meine Familie an. Die Familie war nie glücklich miteinander. Viele Hässlichkeiten wurden ausgetauscht, einander belogen, betrogen, emotional fertig gemacht, usw. Mein Vater wurde Alkoholiker mit entsprechenden Folgen heute. Er ist extrem vergesslich, versteht viele eigentlich einfache Zusammenhänge nicht, ist schnell mit allem überfordert, usw.

Seit meiner Jugend hatte ich den Kontakt zu ihm abgelehnt und erst vor einigen Jahren durch Familienfeierlichkeiten sahen wir uns wieder. Unsere Kinder (5 und 3 und Baby) sollten ihn auch kennen, auch wenn wir klar war, dass sie nie eine enge Bindung aufbauen würden.
Zu meiner Mutter hatte ich immer ein sehr inniges Verhältnis, leider starb sie noch bevor ich meinen Mann kennenlernte.

Puh. Lange Vorgeschichte.
Nun habe ich meinen Vater über Ostern eingeladen. Ob ich ihn dann in der Woche oder am kommenden Wochenende wieder zu seiner Familie bringen würde, ließen wir offen. Er ist in seiner Familie höchst ungeliebt, was mir sehr leid tut, weil ich die Meinungen seiner Familie über ihn nicht teile. Er ist kein Engel, aber seine Frau und Kinder auf jeden Fall genau so Schuld an der Situation. Aufgrund seines Alkoholismus (er ist trocken seit 3 Jahren) und den Folgen kann er nicht alleine leben, sodass sie nicht voneinander los kommen.
Im vergangenen Jahr war er schon 3 Mal über ein Wochenende bei uns zu Besuch und es lief immer sehr harmonisch ab. Er ließ sich Dinge erklären, war ein höflicher Gast, freute sich sehr, dass wir ihn in unser Familienleben einbanden, halb von sich aus mal beim Kartoffelschälen, usw.

Und nun? Nun sagte er, er habe Medikamente für 45 Tage dabei, danach müsse er dann wohl mal nach Hause? Er niest quer über den Esstisch, ohne sich zu bemühen die Hand vor zu halten (mittleres Kind ist chronisch krank und eine Erkältung/ ein IInfekt wäre sehr schlimm), er ignoriert Bitten das schreiende und sich windende Baby zurück zu geben, er verspricht den größeren Kindern morgen den ganzen Tag zu spielen und hat dann doch keine Lust (was er aber nicht sagt, sondern alle 10 Minuten auf später vertröstet), er versteht den Frust der Kinder darüber nicht und beschwert sich über ihr Benehmen diesbezüglich, wir kommen vom nassen Matsch-Spaziergang und statt sich wie alle Familienmitglieder im Flur auszukleiden schmeißt er sich mit Dreckklamotten aufs neue Sofa, die Garnitur Waschlappen, Handtuch, Duschtuch sind nun knapp eine Woche ungenutzt, sein PC und die darauf befindlichen PC-Spiele sind in kurzen Pausen (Mittagsschlaf und abends wenn die Kinder im Bett sind) wichtiger als Körperhygiene und Zähneputzen, er kommentiert ständig das Verhalten der Kinder negativ, beleidigt sie sogar. Er kippt Dreck aus seinen Taschen einfach mitten im Wohnzimmer aus, lässt Zigaretten und Medikamente für die Kinder zugänglich herumliegen,... Ich könnte noch lange so weiter machen. Ein freundliches "Papa, leg bitte die Zigaretten nach oben, damit die Kinder nicht dran kommen" empfindet er als ungerechtfertigte Kritik. Meine Große versteht die Welt nicht mehr: "Mama, warum ist Opa so unhöflich? Du hast ihn doch nett gebeten."

Nur mein Mann, der auf die Tabletten-Anmerkung meinte, dass wir hier ja auch gute Hausärzte hätten, wenn er länger bleiben wolle, ist der "Lieblingsschwiegersohn", der auch ausnahmslos so angesprochen und in den Himmel gelobt wird.

Bitte helft mir, ich kann nicht mehr! Mein Vater zerstört unseren Familienfrieden. Wie komme ich da raus, ohne unhöflich zu werden oder ihn rauszuschmeißen?
Das Verhalten meines Vaters den Kindern gegenüber und meine fehlende Zeit für die drei (aufgrund der eigentlich unnötigen Mehrarbeit) wird hier bald zur Explosion führen. Spätestens, wenn mein Mann (Arzt) nach Ostern wieder 50-60 Stunden/ Woche arbeitet werde ich über meine Grenzen hinaus gehen müssen. Ich habe aber drei kleine Kinder, einen Minijob und keine Kraftreserven für solche sich täglich mehrfach wiederholenden Dramen.

Was soll ich tun?


  Re: Familienbesuch/ Therapeutisches Schreiben
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  xKirschblüte
Status:
schrieb am 31.03.2018 11:13
Liebe Ratlose Tochter,
ach du lieber Himmel. Kann es sein, dass sich sein Zustand nach der Alkoholsucht verschlechtert?
Korsakow bspw?
Ich würde Rücksprache mit seiner Frau halten und ihn ggf. einem Arzt vorstellen.
Solche Persönlichkeitsveränderungen sind alarmierend traurig

Ich wäre vorsichtig, irgendwem eine Schuld an seiner Sucht zuzusprechen. Ich glaube, Menschen von außerhalb haben keine Ahnung, wie das Leben mit einem Alkoholiker wirklich ist.
Dennoch würde ich mir jetzt schonmal Gedanken darum machen, wo deine Grenzen sind und wieviel Verantwortung du da tragen möchtest. Wie sieht das denn aus, wenn er nun zum Pflegefall wird? Dass er so gar nicht mehr alleine leben kann, sich nicht selbst pflegt und alle Manieren verloren hat, ist kein gutes Zeichen.
Wenn seine direkten Angehörigen diesen Zustand auch nicht tragen und ihn pflegen können, käme er ggf. in ein Heim und man würde versuchen, die Kosten auf alle Verwandten und Nachkommen zu verteilen. Wenn er sich aus dem Staub gemacht hat und für dich nie da war, kanns du dagegen Einspruch erheben.
Ich würde wahrscheinlich jetzt schonmal versuchen, mir Informationen einzuholen und mit einem Arzt/einer Beratungsstelle die Situation abstecken, damit ich später in der akuten Situation nicht völlig überrumpelt und ahnungslos zugleich bin.


Viele Grüße,

Kers*


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 31.03.18 11:57 von Kers86.


  Re: Familienbesuch/ Therapeutisches Schreiben
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  henriette
schrieb am 31.03.2018 13:21
mhhh, irgendwie fiel mir der Spruch ein: Besuch ist wie Fisch, nach drei Tagen fängt er an zu stinken... zwinker
Es ist natürlich etwas schwierig, da ihr die Besuchszeit nicht im Vorfeld explizit geklärt habt, aber wie du schreibst, sollte maximal kommendes Wochenende Schluss sein. Das würde ich auch schlicht und ergreifend so durchziehen und bis dahin versuchen, das irgendwie hinzukriegen. Du musst dich abgrenzen und bist meiner Ansicht nach auch moralisch nicht verpflichtet, Deinen Vater dauerhaft bei Dir aufzunehmen. Du hast mit deiner Familie genug um die Ohren. Dass du dich grundätzlich darum mit kümmerst, dass dein Vater gut untergebracht ist, ist ein anderes Thema, aber das muss nicht bei Dir sein.
Gute Nerven für die nächsten Tage.


  Re: Familienbesuch/ Therapeutisches Schreiben
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  lucky*3
schrieb am 31.03.2018 18:30
ich wollte nur kurz etwas anmerken - wir haben auch drei Kinder, ca der selbe Altersabstand, nur sind sie zum Glück inzwischen um einiges älter und sehr viel einfacher zu 'ertragen'.
3 so junge/kleine Kinder bedeutet für jemand, der das nicht gewohnt ist, eine ganz schön Belastung. Mal für ein Wochenende kann man sich ja anpassen, aber dass das für einen älteren, gesundheitlich angeschlagenen Mann eine schwierige Situation ist, verstehe ich absolut. Ich hätte nie jemand zugemutet, unsere Kinder über mehrere Tage ertragen zu müssen. Enkel sind etwas ganz wunderbares wenn man sie sieht aber es ist auch schön wenn sie wieder gehen.

Sicher ist das nicht nur für dich eine Grenzerfahrung sondern auch für den Opa. Ihr müsst darüber sprechen und schauen, wie ihr einen für alle annehmbaren Weg findet.


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  Re: Familienbesuch/ Therapeutisches Schreiben
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  berlink
Status:
schrieb am 31.03.2018 22:00
Hallo, Das klingt nach einer deutlichen Veränderung von moralisch- ethischen Ansichten, Handlungsablaeufen, problemloesefaehigkeiten etc, kurz: seiner Persönlichkeit, Was Folge der Alkoholabhaengigkeit sein kann. Aber es kann natuerlich auch eine andere Ursache haben. Dein Mann als Arzt sollte sich da etwas auskennen bzw. Evtl. An einen Facharzt vermitteln? Ich würde Kontakt zu der anderen Familie aufnehmen und erfragen, ob das Verhalten schon aufgefallen war und ueber externe Hilfe nachdenken. Den Aufenthalt bei Euch wuerde ich begrenzen, Was auch bedeuten Kann, man er wohnt woanders. Alles Gute!




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