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  Kummer mit Freundin - Langer Text
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  Sommerluft
Status:
schrieb am 17.11.2017 12:48
Ich sage vorweg: Der Text ist unendlich lang und ich entschuldige mich dafür, dass er auch nicht so leicht geschrieben ist. Für alle, die ihn lesen und sich die Zeit nehmen wollen, DANKE!
Wie soll ich mich verhalten? Kennt das Jemand? Und wie klingt es für euch?
Ich habe seit ich 21 bin (bin jetzt 36) eine sehr gute und enge Freundin. Wobei es jetzt aktuell einige Probleme gibt und auch schon länger gab, aber dazu gleich. Es ist so, dass wir in den ersten Jahren wie Pech und Schwefel waren. Wir hatten viel Spaß, sind viel auf Reisen zusammen gewesen und haben einen ähnlichen Humor, so dass wir uns ständig kaputt lachen konnten.
Aber es war auch immer so, dass wir uns in unseren damals bei uns beide bestehenden psychischen Problemen sehr geholfen und aufgefangen habe. Ich glaube man kann sagen, wir haben uns beide schon sehr am Ende erlebt und auch sehr persönliche Einblicke jeweils voneinander bekommen. Das alles hat uns sehr zusammen geschweißt. Wir sind dann mit der Zeit etwas weniger enger aber doch immer eng befreundet gewesen (Treffen, Telefonieren, SMS, alles regelmäßig).
Ich bin dann wegen eines Jobs weggezogen und trotzdem haben wir den Kontakt gehalten.
Allerdings fiel mir schon damals auf, dass meine Freundin recht klammernd ist. Während ich ganz zuversichtlich war, dass wir in Kontakt bleiben, war sie immer voller Sorge. Nach jedem Treffen sagte sie, wann sehen wir uns wieder? Ich habe es einmal angesprochen und ihr gesagt, dass mir das etwas zu eng ist. Das hat sie glaube ich gut verstanden.
Ich zog ein weiteres mal um, diesmal machte ich aber einen Fehler (im Nachhinein), denn ich zog nicht zurück in die Heimat sondern in die Stadt meiner Schwester. Heute geht es meinem Mann und mir hier gut, aber damals ging es mir schlecht und ich hätte einfach auf mein Herz hören und in die Nähe meiner alten Freunde ziehen sollen. Weshalb ich es erwähne: Meine Freundin ist bis heute nicht froh, dass ich hier lebe, auch wenn ich hier jetzt glücklich bin. Sie wünscht sich immer noch, ich wohne am besten neben ihr. Da ich es nicht so empfinde, weiß ich nicht, was ich davon halten soll.
Trotz Umzug versuchten wir, weiter den Kontakt zu halten. Aber es wurde weniger, wir konnten auch nicht mehr jedes Drama des anderen gleich mitbekommen und begleiten. Ich merkte, dass wir uns auch auseinander lebten, auch wenn wir uns immer wieder beteuerten, dass wir beste Freundinnen, sogar Schwestern sind.
Während ich seit dem Umzug stabil verliebt war und heiratete, durchlebte meine Freundin große auf und abs, die Trennung von ihrer Partnerin, mit der sie 8 Jahre zusammen war, zwei Affären, die ihr nicht wirklich gut taten und leider auch eher schwierige Menschen in ihr Leben brachten. Man könnte meinen, sie zog das Unglück etwas an.
Ich war für sie da, sie weinte sich im wahrsten Sinne des Wortes bei mir aus. Ich bin da glaube ich auch ihre Konstante. Tja, aber was soll ich sagen. In unserer Freundschaft besteht ein Gefälle. Zwar ist sie auch immer irgendwie da für mich, aber es ist meist in gehetzter Art (sie ist unterwegs, schafft es gerade nicht oder sagt wort-wörtlich, sie kann das jetzt nicht aushalten). Als ich etwas sehr sehr Wichtiges von meinem Vater erzählte (ein Thema, von dem sie weiß, dass es bei mir den höchsten Stellenwert hat) machte sie die Wohnung sauber (ich muss das hier gerade machen)…
Ich habe das Gefühl, es geht in erster Linie um sie und wie schwer sie es hat, bzw. sie kann immer nur die schweren Themen besprechen. Ihre Oma ist dieses Jahr verstorben. Natürlich ist das schlimm. Als meine Oma verstarb vor 4 Jahren war es auch schlimm. Aber ich habe dann nicht bei jedem Telefonat erwähnt, dass ja jetzt das erste Fest xy ohne die Oma ist und es schwer ist usw….Irgendwann ist mal gut bzw. man muss glaube ich auch mal Dinge mit sich ausmachen). Oder nicht?
Ich glaube der Wunsch bestand bei uns beiden immer mehr, wieder an das alte lustige Duo anzuknüpfen, aber irgendwie hatten wir keine fröhlichen und lustigen Phasen mehr. Denn immer sprachen wir ja auch über schwere“ Themen…Wir haben das einfach nicht geschafft und den alten Geist nicht aufleben lassen. Ich finde so hatten wir eine Freundschaft mit etwas Spaß und vor allem ständig „schwierigen“ Themen…Aber keiner sprach es an. Wir ließen es laufen und besuchten und hörten uns, wenn auch immer weniger. Meine Freundin erwähnte aber immer noch, dass ich quasi zur Familie gehöre. Ich sagte sowas schon nicht mehr, war eher nachdenklich geworden, ob das wirklich mein Wunsch ist.
Dann kamen die letzten 2 Jahre und sie haben noch mal vieles verändert. Ich bekam endlich mein Wunschkind. Meine Tochter ist nun 1,5 Jahre alt und mein großes Glück. Aber ich habe auch viele andere Inhalte im Leben und weiß, dass ein Kind alleine nicht glücklich macht. Trotzdem weiß ich, dass ich eine Strahlemami bin, die auch gerne von ihrem Kind erzählt und etwas zeigt. Und Mutter zu werden, hat mich verändert. Für mich persönlich bin ich schon etwas kritischer geworden und frage mich, wer tut mir gut. Außerdem habe ich andere Themen als früher bzw. finde sie wichtig.
Meine Freundin hat vor 1,5 Jahren dann ihre neue Partnerin geheiratet. Es ging alles sehr schnell und nun finde ich, ist es noch schwieriger geworden. Meine Freundin hat leider einen unerfüllten Kinderwunsch mit ihrer Frau. Ihre Frau ist unglücklich mit ihrem Beruf und auch keine positive „Seele“, wirklich nicht. Also erhält sie hier auch keine Unterstützung und wird nach meinem Gefühl in der Partnerschaft nicht aufgefangen. Sie fahren immer wieder ins Ausland und machen eine IUI, aber es klappt nie.
Meine Freundin ist die Patentante meiner Tochter. Hierzu haben wir uns aber nie abgesprochen, was das eigentlich heißt. Das wäre jetzt wirklich mal angebracht, bis jetzt habe auch ich das versäumt. Ich glaube, ich habe mich einfach gefreut, sie dazu zu machen und mich gefreut, dass sie dazu bereit ist. Also nicht so viel nachgedacht. Dann hinterfragte ich es langsam. Sie sprach zum Beispiel mal den Satz aus, dass, wenn sie kinderlos bleibt, eben meine Tochter öfter mal kommen muss. Ich habe mich darüber aber nicht gefreut, sondern bei mir gingen die Alarmglocken los. Leider ist das so bei mir, dass ich eher denke, ich muss meine Tochter schützen, als dass es schon alles laufen wird und ich mir unnötig Gedanken mache.
Irgendwie muss sie meine Ablehnung auch etwas gespürt haben, vielleicht ist es auch einfach der unerfüllte Kinderwunsch und dass sie dann auf mich einfach keine Lust hat, ein großes Ereignis gab es nicht, jedenfalls in den letzten 3 Monaten ist es so gelaufen: Wenn ich sie anrufe, geht sie nicht dran und ruft aber auch nicht zurück. Sie schreibt mir dann irgendwann oder hinterlässt mir eine Sprachnachricht. Der Inhalt ist dann eigentlich immer, was gerade wieder so schwer ist, dass es ihnen bescheiden geht. Sie hofft dann schon dieses und jenes für mich (wirklich Liebe Worte), fragt aber nicht konkret, wie es mir geht. Und schiebt das nächste Gespräch wieder auf (das machen wir dann die Tage).
Darüber habe ich mich schon 2mal liebevoll beschwert, zuletzt leider per Nachricht, da ich sie nicht erreicht habe und gesagt, bitte ruf mich doch auch mal an und dann reden wir. Und damit meine ich auch wirklich mal reden, über alles. Tut sie aber bis jetzt nicht. Sie wollte vor 3 Monaten mal zu Besuch kommen, sagte dann aber noch an dem Tag ab. Begründung: Sie hatte gerade Therapie und fände es jetzt schwer, zu mir zu fahren, da sie mich dann nur volljammert und sie dann ein schlechtes Gewissen habe. Ok. sie nimmt da ja sogar Rücksicht, aber wie kann sie erwarten, dass ich sowas einfach weiter als Freundin aushalte?
Ich merke immer mehr, dass sie nicht so stabil ist, wie ich dachte. Dass es bei ihr vielleicht ein Dauerzustand in ihrem Leben ist. Dass es vielleicht immer so sein wird. Leider komme ich damit nicht so gut klar. Als ihre Freundin vielleicht irgendwie schon. Ich würde eben jetzt Grenzen setzen und trotzdem versuchen, für sie da zu sein. Aber dann als Patentante. Das fände ich dann wirklich nicht so gut, denn es würde mich belasten, wenn sie wegen ihrer psychischen Probleme Besuche absagt oder nicht erreichbar ist. Es belastet mich jetzt schon.
Ich wünsche mir immer noch, dass sie und ich wirklich wieder auskommen, sie auch mal wirklich glücklich ist, sie auch Patentante zu sein und ich möchte es auch leben. Aber ich kann nicht verleugnen, dass ich auch schonmerke, dass es vielleicht unerfüllt ist und nicht nur an mir liegt und sie mir ja auch mal ein bisschen entgegen kommen und vielleicht auch mal was ansprechen und mich einfach mal anrufen muss. Sie das aber nicht schafft. Aber so hänge ich ja auch total in der Luft. Stattdessen meidet sie jeden Kontakt. Das ist doch keine Basis und verletzt mich natürlich auch und ich fühle mich schlecht behandelt.
Was mache ich jetzt? Wohin mit meiner „Liebe“ die ich für sie empfinde, wohin mit meinen Bildern, in denen sie und meine Tochter eine tolle Beziehung haben UND wir auch noch eine tolle Freundschaft? Wie schütze ich mich aber auch und wertschätze MEINE Bedürfnisse, zum Beispiel einfach mal anzurufen und dann geht auch jemand dran. Nicht immer Verständnis haben zu müssen und das Gefühl zu haben, ständig eine Miene zu berühren (O-Ton quasi jedes Mal, als ich sie früher erreicht habe: es ist gerade ganz schlecht). Ich bin es Leid, dass IMMER etwas ist und es NIE ein normales lockeres Gespräch gibt und sie auch mal sagt: Du, uns geht es gut. Und dir?


  Re: Kummer mit Freundin - Langer Text
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  Paula Mondschein
Status:
schrieb am 17.11.2017 21:53
Liebe Sommerluft,
deine Freundin ist ungewollt kinderlos und vermutlich tut es ihr weh dich mit deiner Tochter glücklich zu erleben. Das wäre eine ganz normale Reaktion und ihr Rückzug von dir wäre gesund, um sich zu schützen. Es geht ihr nicht gut und sie weiß auch um euer Gefälle in der Freundschaft , wahrscheinlich zieht sie sich auch zurück, um das Gefälle nicht noch größer werden zu lassen. Niemand ist in einer Beziehung gern derjenige, bei dem immer alles schiefläuft und der immer unglücklich ist, während es beim anderen prima läuft. Auch wenn euch viel verbindet, ist meine Erfahrung, dass solche Beziehungen wegen des Gefälles irgendwann auseinander gehen. Wenn du die Beziehung zu ihr retten willst, würde ich diese Themen beim nächsten Kontakt vorsichtig ansprechen und ihr klarmachen, dass du gern für sie da bist (falls das wirklich so ist).

Mit der Patentante ist das nun einmal so gelaufen, aber sie wäre nicht die erste Patentante, die keine Beziehung zu ihrer Patentochter hat. Du könntest doch noch jemand anderen zur Patentante ernennen, man kann ja mehrere haben und ob das im Taufbuch steht, ist letzlich egal. Aber das Patentantemodell funktioniert sowieso nur selten, wenige sind bereit eine kontinuierliche Beziehung zu einem Kind aufzubauen, das nicht ihr eigenes ist, es werden ja auch meist Geschenke mindestens zu Weihnachten und zum Geburtstag erwartet, fände ich in unseren stressigen Zeiten auch nicht einfach. Nochmal zu deiner Freundin: Ich würde da jetzt erstmal loslassen und sehen, wie sich die Dinge entwickeln. Es kommt ja nicht nur auf deine, sondern auch auf ihre Bereitschaft an, die Beziehung weiter zu leben.
Alles Liebe von Paula


  Re: Kummer mit Freundin - Langer Text
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  Sommerluft
Status:
schrieb am 18.11.2017 09:51
Liebe Paula, ich danke dir von Herzen! Ich habe gestern mir ein Herz genommen und mit ihr gesprochen. Es war nicht leicht aber auch wichtig und wir konnten uns ein paar Dinge sagen. Ich versuche nun erstmal loszulassen. Ich bin froh, dass es das Forum gibt und dass ich hier Ratschläge bekomme. Was du geschrieben hast, hat mir sehr geholfen und ich werde nochmal darüber nachdenken. Danke!!!!


  Re: Kummer mit Freundin - Langer Text
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  Paula Mondschein
Status:
schrieb am 19.11.2017 07:59
Liebe Sommerluft,
es freut mich riesig, dass ich dir helfen konnte
smile


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  Re: Kummer mit Freundin - Langer Text
avatar  Mondstaub
Status:
schrieb am 22.11.2017 12:19
Schau' mal, vllt. hilft es Dir damit, klarer zu sehen und zu fühlen:

[kreativgedacht.de]




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