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  Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Eheprobleme
schrieb am 06.06.2017 21:56
Hallo,
ich bin eigentlich stumme Mitleserin, aber heute möchte ich euch doch mal schreiben.
Ich weiss einfach nicht mehr, was ich denken soll.

Mein Mann und ich sind seit 13 Jahren zusammen, seit 8 Jahren verheiratet und haben zwei Jungs, 6 und 4. Ich bin zu meinem Mann gezogen, mehrere Stunden von meinem Heimatort entfernt, fühle mich hier aber wohl und habe Freunde gefunden und auch eine nette (Schwieger-) familie hier.

Eigentlich (ja, EIGENTLICH) ist unsere Ehe gut. Wir lachen oft zusammen, machen viel gemeinsam als Paar, aber auch als Familie. Es hat aber auch jeder separat seine eigenen Freunden. Wir haben sogar noch nach 13 Jahren regelmässig Sex, den wir beide mögen und sind uns einig in den wichtigen Dingen. Mein Mann ist ein toller Vater, die Kinder vergöttern ihn und er verbringt viel Zeit mit ihnen. Ich liebe meinen Mann, wenn auch die Verliebtheit nachgelassen hat. Finanziell gesehen geht es uns gut, wir haben ein schönes Haus und beide gute Jobs. Ich mag mein Leben mit meinem Mann und mit unserer kleinen Familie.
So weit klingt ja alles fast schon zu perfekt.

Und hier kommt mein Problem. Mein Mann ist mega empfindlich, fühlt sich schnell kritisiert, das grenzt fast schon an Verfolgungswahn. Ist schnell gestresst und wird dann laut oder gibt schnippische Antworten. Und regelmässig (so alle 3 Monate) flippt er dann richtig aus. Er verliert die Kontrolle und beschimpft mich wegen den nichtigsten Anlässen mit den übelsten Worten. In diesen Momenten schreit er dann auch wie ein Irrer, sagt, dass er es nicht mehr aushält mit mir und so weiter. Und er kann ABSOLUT NICHT konstruktiv streiten. Sobald er sauer wird, verliert er die Kontrolle über das was er sagt. Er beschimpft mich dann wirklich mit den übelsten Schimpfworten und wird total unsachlich. Um die Sache streiten ist dann echt unmöglich.
Diese "grossen" Streits, in denen er ausfällig wird und im Streit mit Trennung droht , passieren nicht vor den Kindern (obwohl er da auch schon ausfällig wurde.)
Er hat nie streiten gelernt und mit Kritik umzugehen. Obwohl ich meine Schwiegereltern sehr mag, war der Schwiegervater sehr streng ("war", weil er nun mit den Enkeln sehr nachsichtig ist und auch sonst im Alter sanfter wurde). Erzogen wurde mit Druck und Kritik und Drohungen (die letztens nie wahrgemacht wurden). Fast nie Lob. Meine Schwiegermutter glich die Härte des Vaters aus, konnte sich aber nicht distanzieren und liess sich in den schwierigen Situation richtig mit runterziehen, denn auch mit ihr war der Schwiegervater sehr hart. Andererseits sind die beiden mittlerweile seit 50 Jahren verheiratet, lachen noch sehr viel miteinander, halten Händchen. Ausserhalb der Streitphasen, die gott sei dank bei den beiden nur noch selten vorkommen, haben sie eine gute Beziehung (glaube ich) und ich bin mir sicher, sie lieben sich.

Mein Mann hat also nie gelernt richtig zu streiten: seine ganze Familie funktioniert so. Sie lieben sich heiss und innig und verstehen sich 90% der Zeit (wirklich!) gut, aber wenn es dann zum Streit kommt (innerhalb der Familie ist jeder mal dran, so 1x im Jahr) dann richtig. Da wird dann gesagt, du bist nicht mehr meine Schwester, Mutter etc (lächerlich eigentlich, aber in dem Moment sind sie wirklich ausser Kontrolle). Schon wenig später wird sich wieder vertragen und alles gut bis zum nächsten Knall.

So ist es auch bei uns. Mein Mann weiss, dass er das Problem hat und entschuldigt sich nach jedem Streit spätestens am nächsten Morgen. Ich merke auch, dass er an sich arbeitet und in den letzten 13 Jahren ist die Tendenz eher besser, wir kriegen es häufiger hin, grosse Ausbrüche zu vermeiden.
Er ist auch "im Nachhinein" kritikfähig und wir können "danach" recht gut über das jeweilige Problem reden. Er sagt auch, dass er niemals auch nur eine Sekunde wirklich an Trennung gedacht hat, aber in dem Moment einfach nur maximal verletzen will und so wie er es nennt, regelrecht Kontrolle verliert. Das glaube ich auch, denn wenn ich ehrlich bin, habe ich manchmal das Gefühl, mein Mann liebt mich mehr als ich ihn...
Körperliche Gewalt ist nie vorgekommen und da mache ich mir auch überhaupt keine Sorge. Eine Therapie möchte er übrigens nicht. Manchmal sagt er, ja, das wäre schon gut, aber die " Aber-Liste" ist dann, wenn wieder Ruhe eingekehrt ist sehr lang...

Ich kann mich "im Nachinein" gut von dem Gesagten distanzieren, beziehe die Beschimpfungen nicht auf mich und sehe das Problem hauptsächlich bei ihm. Aber in dem Moment des Streites trifft die Härte und Gemeinheit und Unsachlichkeit natürlich trotzdem sehr.
In solchen Momenten frage ich mich, warum ich mir das gefallen lasse. Ich bin eine selbstbewusste Frau, aber jedes mal wenn er um Verzeihung bittet, verzeihe ich ihm auch.
Ich verzeihe ihm, weil ich mich eigentlich in unserer Beziehung wohlfühle. Weil ich merke, dass er es ernst meint. Weil ich mein Leben so wie es ist mag und all das was wir uns aufgebaut haben nicht verlieren möchte. Weil die Kinder ihn so abgöttisch lieben und er wirklich ein super Vater ist. Und auch, weil ich ihn noch liebe.
Aber dann denke ich andererseits, geht das nicht zu weit? Eigentlich darf niemand so mit einem reden, auch wenn er es "nicht ernst" meint. Wie kann ich behaupten , selbst bewusst zu sein und mich dann übelst beschimpfen lassen? Müsste ich nicht sagen, stopp und mich trennen?
Aber dann überwiegt ja das ganze positive...

So, danke, wer solange durchgehalten hat, jetzt seit ihr dran mit euren Meinungen und Tips..

Danke euch im Voraus!!


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Hamamelis71*
schrieb am 06.06.2017 22:55
Das erinnert mich sehr an meinen Vater. Und Du erinnerst mich an meine Mutter.

Spontan würde ich dir wahrscheinlich raten, dass du dir (therapeutische ) Hilfe holst. Dsnn bekommst Du professionelle Unterstützung und vielleicht kommt dein Mann dsnn auch mit. Ich wüsste nämlich gar nicht, wie ich mich in so einer Situation richtig verhalten sollte.

Ich könnte nicht so ruhig bleiben. Meine Mutter konnte das auch. Ich habe mir einen Mann gesucht, der ganz anders ist als mein Vater..

Aber ansonsten scheinst du ja zufrieden zu sein, du hörst dich zumindest nicht traurig an!

LG


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Blume2010
Status:
schrieb am 07.06.2017 06:58
Du kennst das Problem/die Krankheit ja sehr genau. Und du weißt,er meint das nicht so. Mein Mann hat so Tendenzen auch ab und zu, auch wenn viel harmloser als bei dir.
Aber ganz ehrlich: wenn eure Ehe und Familie so gut laufen,dann würde ich definitiv bei ihm bleiben und daran arbeiten,dass man die Totalausfälle sich nicht so zu Herzen nimmt. Vielleicht kann er noch stärker an sich arbeiten, wenn er weiß, wie sehr es dich belastet. Du wirst nie eine Ehe ohne Probleme und Reibereien finden, und dein Problem scheint mir aushaltbar. Wer weiß,wie der nächste Mann ist.


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Zimtstern 72
Status:
schrieb am 07.06.2017 09:11
Für mich klingt es danach, als wärst du sehr geduldig und hast große Hoffnung, dass eure Ehe mehr Gutes als Schlechtes als BAsis hat.

Vielleicht kannst du deinen Mann von einem KEK (Konstruktive Ehekommunikation)-kurs überzeugen. meistens zwei Wochenenden mit Kinderbetreuung (oft angeboten von katholischen oder evangelischen Familienbildungseinrichtungen, aber völlig wertneutral), das hat uns sehr geholfen

(mein mann wird zwar nicht ausfällig, ist aber beim kleinsten Ansprechen eines Problems super beleidigt, und genau wie bei dir ist seine ganze Familie (Eltern und Schwester) genauso.


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  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  isolde35
Status:
schrieb am 07.06.2017 12:36
Ich finde, du schreibst sehr reflektiert und scheinst dich mit dem Problem vernünftig auseinanderzusetzen, das hört sich gut an und ist auch für Außenstehend gut verständlich.

Die offene Frage scheint mir zu sein, ob du weiterhin mehr oder weniger gut damit umgehen kannst, dass dein Mann solche Ausraster hat. Und ich finde, da kannst du durchaus auch Forderungen an ihn stellen. Die Erklärung, dass in seiner Familie alle so sind und er das konstruktive Streiten nicht gelernt hat, würde mir nicht reichen. Das hält ihn ja nicht davon ab, es jetzt zu lernen oder das zumindest zu versuchen.

Die positiven Dinge eurer Ehe, die du beschreibst, finde ich sehr wichtig und auch sehr schön, vieles scheint richtig gut zu laufen bei euch. Umso wichtiger wäre es aus meiner Sicht, dass ihr die Probleme, die auf der anderen Seite bestehen, gemeinsam zu lösen versucht, damit sie nicht größer werden und du es irgendwann nicht mehr hinnehmen willst, beleidigt zu werden. Ich finde, er sollte versuchen, das zu ändern, sonst verletzt er dich irgendwann zu sehr.

isolde


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  mjuka
schrieb am 08.06.2017 14:58
Hallo, du!

Für mich klingt "er liebt mich wahrscheinlich mehr als ich ihn" als Alarmsignal. Noch überwiegt das Gute in deiner Ehe, auch weil du die guten Seiten wirklich sehen und wertschätzen kannst. Aber es klingt so, dass du schon jetzt nicht mehr "voll" vertraust, "voll" liebst, "ganz" bei ihm bist. Das wäre bei mir auch so.
Ich habe auch einen Mann, der nicht gelernt hat, zu streiten, aber es mit mir lernen MUSSTE, sonst hätte ich mich getrennt. Manchmal reagiert er über, und da werde ich SEHR klar und eindeutig. Wir waren in einer systhemischen Paartherapie. ich finde bis heute, dass er eine machen müsste, aber er will nicht. Würde er ausrasten, wie du es beschreibst, würde ich darauf BESTEHEN: Respektvoller Umgang ist die Basis von allem!

Pass gut auf dich auf!

mjuka


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 08.06.17 23:35 von mjuka.


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  xKirschblüte
Status:
schrieb am 08.06.2017 17:32
Hey du!

Wenn ich eins gelernt habe, dann, dass sich Menschen nur dann ändern, wenn sie sich ändern müssen. Du verzeihst es ihm, er muss ein bisschen auf einsichtig tun, dann ist die Sache wieder klar. Therapie lehnt er ab- muss er ja auch nicht machen, weil du ihn auch so akzeptierst.
Warum sollte er da einen unangenehmen Weg auf sich nehmen? Ist doch so alles tutti und Therapien sind -aus eigener Erfahrung- ziemlich hart.

Ich glaube, du musst dir für dich klar werden, ob du lieber wertschätzend von deinem Partner behandelt werden möchtest oder der Fußabtreter zwischendurch bist, den man maximal verletzen darf, wenn mans braucht.
Ich kann dir sagen: Ich hatte die Therapie damals, weil ich selbst aus so einer Familie stamme, in der meine Mutter manchmal so behandelt wurde. Irgendwann brach das alles über mir zusammen- Kinder leiden in solchen Momenten immer. Auch, wenn meine Mutter von meinem Vater niedergemacht wurde, wenn ich anfangs nie dabei war- ich habs dennoch mitbekommen. Wobei, irgendwann ist sein Respekt so weit gesunken, dass unsere Anwesenheit egal war.

Ich bin jetzt zu jemandem geworden, dem die Wertschätzung sooo wichtig ist. Verbale Gewalt (das ist das, was er macht) empfinde ich als zermürbend und könnte ich nie ertragen. Geh davon aus, dass deine Kinder mehr mitbekommen, als du glaubst. Geh davon aus, dass sie sich in ihrer Entwicklung und ihrem Verhalten an ihm orientieren.
Wäre ich du, würde ich Handlungen und Besserung erwarten und nicht leere Versprechen. Diese Pistole würde ich ihm auf die Brust setzen- wenn er dazu nicht in der Lage ist, würde ich mich trennen. Du musst für ihn nicht den Kopf hinhalten und diese Hölle erdulden, damit er weiterhin "der tolle Vater" für die Kinder sein kann. Wäre er ein toller Vater, würde er anders mit dir für den Familienzusammenhalt umgehen. Als wir irgendwann älter genug waren, wurden wir dann von unserem Vater übrigens genau so angegangen wie unsere Mutter und niedergemacht, sobald ihm irgendwas nicht passte, obwohl wir sonst vergöttert wurden. Das ist einfach die Konfliktlösung, die diese Menschen auf allen Konfliktpartnern anwenden.

Überlegs dir gut traurig

Liebe Grüße!


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Eheprobleme
schrieb am 08.06.2017 18:33
Danke euch für die Antworten, die alle ins schwarze Treffen.

Und ja, im Moment bin ich nicht bereit, unser gemeinsames Leben aufzugeben. Denn ich mag es ja eigentlich so wie es ist und ich weiss, ich wäre unglücklich ohne meinen Mann. Ausserdem liebe ich ihn noch.
Daher ist das mit der Pistole auf die Brust setzen leichter gesagt als getan.
Aber ja, es stimmt auch, dass ich Sorge habe, dass die (meine) Liebe verschwindet, durch diese Verhaltensweise von ihm.

Ich glaube auch, dass Kinder mehr mitbekommen, als man denkt. Ich bin mir aber auch sicher, dass meine Kinder unter einer Trennung noch viel mehr leiden würden. Denn wie gesagt, diese Aussetzer sind ja nicht häufig und auch nicht wirklich vor den Kinder und wir versöhnen uns auch immer vor den Kinder. Und für die Kinder ist er tatsächlich ein toller Vater. Ohne Wutausbrüche wäre er aber natürlich noch "toller"

Und es stimmt auch, dass diejenigen unter euch, die die Beziehung sehr kritisch sehen, eben auch die leisen Zweifel wecken, die ich manchmal habe..
Denn sonst hätte ich hier nicht geschrieben.

Ich denke ich werde zumindest schon mal für mich eine Therapie beginnen und dann versuchen meinen Mann "ins Boot zu ziehen"


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Marke
schrieb am 09.06.2017 10:13
Hallo!

Es erinnert mich ein bisschen an die Frauen,die von ihrem Partner geschlagen werden und immer wieder verzeihen.
Aber verbale Gewalt ist nicht weniger schlimm, und Du mußt Dich fragen, warum Du ihm immer wieder verzeihst bzw. wie lange das noch gut ist für Dich.

Ich würde an Deiner Stelle auch versuchen, mich beim nächsten mal dem "Gewitter" zu entziehen, wenn er anfängt, auszurasten, geh einfach weg, hör Dir das nicht an. Vielleicht ändert er sich auch, wenn er merkt, dass du aus der Situation gehst und der Wortschwall verpufft...

LG


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
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  Eheprobleme
schrieb am 10.06.2017 08:53
Danke, dir auch für diesen Kommentar.
Warum ich ihm verzeihe? Zum einen, weil ich spüre, dass die Entschuldigungen von Herzen kommen und ich merke, dass er an sich arbeitet und über die Jahre ja eben schon Besserung eingetreten ist.
Weil ich mich eben nicht "misshandelt" fühle, sondern in einer gleichberechtigten Beziehung und mich bisher ganz gut distanzieren kann und das Problem bei ihm sehe..
Weil ich finde, ein Streit (wenn auch dann heftig) in 2-3 Monaten in einer ansonsten glücklichen Beziehung reicht nicht aus, das gemeinsame Leben aufzugeben.

Ich lebe mit einem Partner, der nicht streiten kann. Ich akzeptiere ihn trotz dieses Fehlers . Bis jetzt.
.
Warum ich dann trotzdem hier schreibe? Weil ich eben manchmal doch denke, es geht zu weit. Weil ich mir wünschte, er würde das endgültig in den Griff kriegen.
Weil es ausserhalb der Streits zwischen uns eben auch deswegen harmonisch ist, weil ich die "Starke" in der Beziehung bin.
Die, die in welchen Stress-Situationen auch immer ruhig bleibt und alles managed. Die, die ruhig bleibt, wenn ich merke, er braust auf und ihm dadurch helfe, runterzukommen.
Weil immer ich die Starke in unserer Beziehung bin (und sowohl er als auch ich sehen seine Ausraster als Schwäche) und ich mir einfach mal wünsche, auch schwach zu sein.
Einfach auch mal "die Nerven verlieren" und jemanden zu haben, der MICH dann runterholt.

Bisher ist es so: er flippt aus. Ich sage " so redest du nicht mit mir" und verlasse die Situation. Das beendet dann meistens den Streit. Aber ich schaffe es eben im Moment des Streites selbst nicht immer ruhig zu bleiben, da es ja auch einen Anlass für den Streit gibt und das nicht aus heiterem Himmel kommt. Und dann steigert sich der Konflikt manchmal auch mit gegenseitigem Anschreien. Dann geht jeder seines Weges und er kommt irgendwann (spätestens am nächsten Morgen) und entschuldigt sich.

Es trifft mich ein bischen, wenn ich den Vergleich mit geschlagen Frauen höre. Weil ich mich so gar nicht damit identifiziere, aber vielleicht auch, weil vielleicht doch ein Körnchen Wahrheit dabei ist und ich das nicht hören möchte.

Irgendjemand sprach oben von psychischer Krankheit. Ja, wahrscheinlich hat er Zeichen einer Persönlichkeitsstörung.
Aber verlässt mein seinen Partner, den Vater der Kinder und das gemeinsam aufgebaute Leben, nur weil nicht alles 100% perfekt ist??
Dazu bin ich nicht bereit, denn wie gesagt, ich glaube, niemandem von uns ginge es besser, wenn wir uns trennen.

Aber ich werde mich wirklich mal nach einem Therapeuten für mich umhören und vielleicht schaffe ich es auf diesem Wege auch, meinen Mann zu einer Therapie zu bringen...


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
avatar  Mondstaub
Status:
schrieb am 28.06.2017 11:04
Ich kann Dir nachfühlen, da mein Mann so ähnlich tickt, aber seine "Anwandlungen" nicht ganz so krass rüber kommen, wie bei Deinem Mann es wohl ist.

Wir sind auch schon 13 Jahre zusammen und anfangs liess ich es immer an mich ran und fühlte mich elend.

Er hat ebenso von Haus aus nie gelernt, richtig zu streiten. Auch seine Eltern haben eine ungesunde Streitkultur. Von daher habe ich mir über die Jahre angewöhnt, ihm zu sagen, wenn er seine 5 Minuten rum habe, dann können wir wieder vernünftig miteinander reden und ziehe mich aus der Situation raus. Bei ihm zeigt es sich mit extrem schlechter Laune und sucht die Schuld bei mir, wenn daheim irgendwas nicht so läuft, wie er es sich vorstellt. Dazu wird seine Stimme nur lauter, aber weiter nix, was mir aber auch schon ausreicht.

Ich signalisiere ihm quasi, dass ich keine Lust habe, der Schuhabstreifer zu sein und er die Zeit von mir bekommt, sich abzureagieren. Allerdings ohne meine Gegenwart.
Vor allem, wenn er von der Arbeit kommt, ist er durch dies und jenes total geladen, was ihn frustet und ich sage ihm nur, dass ich keine Lust habe, seinen Unmut abzubekommen und er solle jemand anderes suchen, der als Sündenbock herhalten soll.

Ich will damit sagen, dass ich selbstbewusst sage, dass ER im Moment nicht richtig agiert und er andere/mich nicht dafür anranzen muss.

Meistens hat er sich nach Minuten oder Stunden abreagiert. Entschuldigt sich zwar selten, da er es von seinen Eltern ebenfalls nie gelernt hat, aber tendenziell wird es besser und er lernt auch, dass es keine Schmach sein muss, sich zu entschuldigen. Er arbeitet also an sich.

Man merkt diesen Charakterzug ganz deutlich zwischen den Phasen des Jobs und Urlauben. In Urlauben, wo er keinen Stress hat, ist er der liebste und grosszügigste Mensch und Streit ist dahingehend ein Fremdwort zwischen uns. Aber wehe, der erste Arbeitstag hat wieder begonnen ... Hilfe

Für mich sind seine verbal aggressiven Phasen schon sehr kräfteraubend, aber mit dieser Methode des Abgrenzens und nicht mit hinein ziehen lassen, erspart es Zeit und noch mehr Energien und Frustrationen meinerseits ... damit geht es mir deutlich besser, wenn auch trotzdem nicht gut, wenn gerade so eine Situation besteht.

Vor einiger Zeit hat er seinen besten Freund ebenso "zur Schnecke" machen wollen und dieser Freund erzählte mir das und fühlte sich ebenso "überrollt", wie es bei mir früher war. Beim letzten "Ausbruch" sagte ich meinem Mann, dass Kumpel XY ebenfalls so mies von ihm behandelt wurde und er sich nicht wundern brauche, dass man als Angegriffener sich entsprechend verhält und er Gegenwind kriegt. Also zeigte ich ihm auf, dass er seinen Unmut genau an den falschen Leuten auslässt und zwar genau an den Menschen, die ihn am meisten lieben ... Das entwaffnete ihn total und er war über sich selbst erschrocken ...

Wichtig ist: sich abzugrenzen und dem anderen deutlich zu machen, dass derjenige an der Verhaltensweise selbst der Verursacher / Aktive / Schuldige oder was auch immer, ist ... in der Hoffnung, dass das Verhalten nicht mehr ganz so heftig ist

Ich wünsche Dir gute Nerven und das richtige Gefühl bekommen, mit den Situationen besser umzugehen. Jedenfalls hat mir eine gute Portion Selbstbewusstsein und "Linksliegenlassen" doch sehr geholfen, dass mein Mann mittlerweile anders mit mir umgeht bzw. schneller wieder auf Normalnull ist.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 29.06.17 13:47 von Mondstaub.


  Re: Mann verliert regelmässig Beherrschung
no avatar
  claudia52
schrieb am 01.08.2017 22:20
Guten Abend,

was sagst oder tust du dazu das dein Mann die Beherrschung verliert ?


Beste Grüße
Claudia




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