Unsere Foren

Die Kinderwunsch-Seite
 
News rund um den Kinderwunsch
amicella Network   Grippeimpfung bei Kinderwunsch und IVFneues Thema
   Idiopathische Sterilität: Welche Behandlung ist am besten?
   IVF: Muss man nach dem Transfer liegen bleiben?

  Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  pmami
schrieb am 29.05.2017 21:49
Hallo Ihr Lieben,

dies wird ein halbwegs therapeutisches Schreiben und lang wird es vermutlich auch. Ich versuche mich aber kurz zu fassen. Es geht um - eigentlich drei - Freundschaften, die sich seit wir unseren Sohn vor fünf Jahren bekamen, verändert haben.

Die erste Freundschaft betrifft meine früher beste Freundin. Wir kennen uns seit dreißig (!) Jahren, haben zusammen studiert, Männer kennen gelernt, Trennungen verarbeitet, Kinder bekommen, Examen gemacht und so weiter und so fort. Vor fünf Jahren waren ihre Kinder aus dem Gröbsten raus, als ich mit dem Glückskekskrümel nochmal ganz von vorne anfing. Sie wollte sich endlich auf ihre Karriere konzentrieren und richtig durchstarten. Ìch hatte die Einstellung "been there, done that". Unter anderem aus Karrieregründen zog sie dann etwa 400 Kilometer weit weg. Danach sahen wir uns sehr selten, wenn sie ihre Familie hier besuchte. Telefonieren konnten wir noch seltener, weil sie nach acht Uhr abends ihre Ruhe haben wollte und ich um die Zeit erstmals am Tag genug Ruhe zum Telefonieren gehabt hätte.
Das plätscherte alles so drei Jahre hin, dann gab es mal einen Streit und wir hatten ein Jahr Funkstille. Danach suchte sie wieder den Kontakt, worüber ich mich damals wahnsinnig gefreut habe. Aber es wurde nie wieder wie früher. Auch nicht so ähnlich. Eigentlich überhaupt nicht. Früher konnten wir stundenlang am Telefon quatschen, kichern, albern, heulen....alles mögliche.
Heute haben wir uns kaum noch etwas zu sagen. Sie ist mittlerweile von dem Karrieretrip wieder heruntergekommen und ich bin aus den Brei- und Windelthemen raus, aber trotzdem haben wir kein gemeinsames Thema mehr. Wir haben mal halbherzig versucht, ein Treffen zu organisieren, aber irgendwie war es keinem von uns beiden wichtig genug. Inzwischen schicken wir alle paar Wochen mal eine Whats App, das war`s.

Die zweite Freundschaft ist ein Paar, mit dem ich schon befreundet war, bevor ich meinen Mann kennenlernte. Er passte wunderbar in unsere Freundschaft hinein und wir haben jahrelang gemeinsam zu viert Urlaub gemacht, Weihnachten gefeiert und waren einfach die Freunde, zu denen man abends mal so ohne viel Aufhebens geht, um zusammen zu kochen oder ein Glas Wein zu trinken. Sie waren die ersten, mit denen wir über unsere Entscheidung für ein Pflegekind gesprochen haben - noch vor unseren Familien. Sie haben uns sehr unterstützt, sich gefreut für uns und so ein oder zwei Jahre war alles wie bisher. Dann hatten wir allmählich das Gefühl, dass ihnen ein anstrengendes Kleinkind zu anstrengend wurde. Sie änderten ihre Urlaubs- und Weihnachtspläne und kamen allenfalls nochmal abends vorbei, wenn der Kleine schlief. Auch das wurde aber weniger und wir hatten immer mehr das Gefühl, dass es bei Fragen nach einem Treffen nicht heißt "Wir können nächsten Freitag" sondern "Das müssen wir unbedingt demnächst mal machen. Wir melden uns". Ohne, dass sich gemeldet wurde. Die letzte Vorstoß von unserer Seite blieb unbeantwortet und ist jetzt drei Monate her, ohne dass sie sich jemals wieder gemeldet hätten.

Die dritte Freundschaft ist eine alte Freundschaft meines Mannes. Auch ein Paar, die Männer sind wechselseitig Trauzeugen und ich bin Patentante eines der Kinder. Diese Freunde haben fast gemeinsam mit uns Kinder bekommen, was uns zunächst noch viel näher zusammengebracht hat. Auf Dauer wurden aber doch recht große Unterschiede in der Einstellung zum Leben mit Kindern deutlich. Ich halte mich für sehr tolerant, was andere Erziehungskonzepte angeht, aber auch mein Verständnis hat Grenzen. Wenn einem vierjährigen Kind gedroht wird, dass es im Dunkeln nachts im Winter in einer unbekannten Straße im kalten Auto warten muss, weil es ein Gespräch zwischen Erwachsenen unterbrochen hat, finde ich das Sch.... Ansonsten gibt es da noch so schöne Themen, wie Impfung, Hochbegabung und wie wichtig Englisch im Kindergarten ist.....Vor einigen Wochen ist meinem Mann und mir der Kragen geplatzt und wir haben sehr deutlich unsere Meinung gesagt, mit der Folge, das wir wahrscheinlich nie wieder etwas von diesen Freunden hören werden, es sei denn, wir bemühen uns intensiv darum. Dann vielleicht doch noch.

Und das gilt im übrigen auch für die beiden anderen Freundschaften. Wir könnten uns jetzt sehr intensiv bemühen, um zu retten, was zu retten ist. Vielleicht noch zu retten ist.

Bei meiner ehemals besten Freundin würde ich das für die gemeinsame Zeit tun, die uns verbindet. Bei dem Paar ohne kleine Kinder würden wir es beide gerne um dieser Freundschaft und der beiden Freunde willen tun. Wir wissen aber nicht, ob es überhaupt auf Resonanz stoßen wird, denn im Grunde haben wir genau das schon getan. Und bei den Freunden mit den Kindern würden wir es gerne um der Kinder willen tun, die wir außerordentlich gerne haben und die mit unserem (unerzogenen und nicht frühgeförderten) Kind so wunderbar stundenlang spielen.

Jetzt meine Frage, die Ihr vermutlich gar nicht beantworten könnt. Aber vielleicht habt Ihr ein paar Meinungen. Sollen wir es mit allen Freundschaften noch einmal versuchen ? Oder nur mit einer bestimmten Freundschaft ? Welcher ? Warum ? Oder ist der Zeitpunkt gekommen, wo man sagen muss und darf, dass das Leben wie ein Weg ist, den man ein Stück zusammen geht, bis dann eine Weggabelung kommt und die Wege sich trennen ? Ohne Streit und Wut und Groll, einfach, weil das manchmal so ist ?

Sagt mir doch bitte mal Eure Meinungen !

Viele Grüße pmami


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Hamamelis71*
schrieb am 29.05.2017 22:15
Schwierig, ich würde wahrscheinlich abwarten und vielleicht gibt es demnächst einen Punkt, an dem man wieder anknüpfen kann. Oft tut eine längere Pause auch mal gut.

so einen richtigen Denkanstoß kann ich dir gerade nicht geben. Ich habe mal zwei Freundschaften gezielt auslaufen lassen, weil es mir zu anstrengend war. Aber es ist normal, dass man auch mal weniger Kontakt hat und irgendwann ändert sich das.


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Kala1005
schrieb am 30.05.2017 08:27
Hallo,

Ob ich dir Denkanstöße geben kann, weiß ich nicht. Allerdings kann ich sagen, dass das mit Freundschaften manchmal so ist... Wir haben nach langer KiWu-Zeit im November das Glück gehabt, endlich unseren Sohn in die Arme zu schließen.
Wir haben versucht, die Freundschaften die wir hatten, aufrecht zu erhalten. Aber natürlich ist man mit so einem Baby weniger flexibel und auch nicht mehr so oft verfügbar wie früher. Noch dazu, wenn man ein Kind hat, was viel schreit.
Ein Paar, welches schon ein erwachsenes Kind hat, hat uns die Zeit gelassen und gemeint, wenn der Spatz größer ist, wird das alles wieder. Stimmt! Und heute treffen wir uns wieder häufiger. Die hatten einfach nicht vergessen, wie das bei ihren Kindern war..
Zu einem Paar, welches ungewollt kinderlos ist, haben wir gar keinen Kontakt mehr. In meiner Schwangerschaft ging es noch, aber seit unser Kind da ist, ist der Kontakt eingeschlafen. Ich kann das sogar nachfühlen, weil es mir eben oft selbst so ging. Ich habe anfangs noch Kontakt gesucht, aber es kam nix und da ist es eben so. Schade.
Allerdings sind in unserem Leben jetzt auch Menschen aufgetaucht, die früher nur am Rande für uns wichtig waren. Diese Leute waren plötzlich einfach da. Als wir noch kinderlos waren, hatten wir wahrscheinlich einfach andere Interessen und keine gemeinsamen Schnittpunkte.
Wer mir über viele Jahre erhalten geblieben ist, ist meine beste Freundin. Wir hatten in der Zeit als ihr Kind klein war, etwas weniger Kontakt (nur selten mal per Telefon, wenn ich angerufen habe), aber mittlerweile sehen wir uns wieder regelmäßig. Das hat sich so ergeben. Sie war sehr fokussiert auf ihr Kind und hatte plötzlich für nichts und niemanden mehr Zeit. Das hat mir damals sehr weh getan und ich habe mich dann auch einfach nicht mehr gemeldet. Nach einer Zeit stand sie dann plötzlich bei uns vor der Tür..
Ich versuche, möglichst alle Freundschaften zu pflegen, die wir auch vor unserem Kind hatten. Bei manchen gelingt es, bei anderen nicht. Ich denke, das man eben im Leben mit manchen ein längeres Stück und mit anderen eben nur ein kurzes Stück Weg geht.

Wenn dir viel an den Freundschaften liegt, würde ich mich bemühen, sie wiederzubeleben. Wenn man aber merkt, dass einen das nur stresst, lebt man ohne diese Menschen vielleicht ruhiger. Manchmal tut auch eine Auszeit gut und man hat nach einer Weile doch wieder eine Basis. Aber wenn jemand nach Ausflüchten sucht, damit er euch nicht mehr treffen muss, wäre das für mich deutlich genug.

Bei dem Paar mit Kindern ist vielleicht das Lebensmodel zu unterschiedlich. Es sei denn, beide Seiten lernen, das jeweils andere zu akzeptieren und zu tolerieren. Dann könnten die Kinder wieder miteinander spielen und die Erwachsenen finden vielleicht noch andere Dinge, die sie aneinander schätzen.

Bei deiner langjährigen Freundin könnte man es ja nochmal versuchen. Aber oftmals ist bei sowas schon zuviel Zeit vergangen und man hat sich schon so weit "auseinandergelebt", dass man sich nichts mehr zu sagen hat. Ich persönlich fühle mich bei solchen Gesprächen oder Treffen dann schon so unwohl, dass ich das nicht nochmal wiederholen wöllte...

Keine Ahnung, ob dir das weiterhilft.
Aber ich wünsche dir und euch alles Gute

Kala


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Joaninha
schrieb am 30.05.2017 10:20
Nr. 1 hört sich für mich nach einer tollen Freundschaft an, die aber momentan nicht funktioniert. Da sie so lange Jahre funktioniert hat, würde ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass es irgendwann auch wieder klappt. Ich würde also nicht aktiv brechen, sondern bei den WA bleiben und hoffen, dass irgendwann der Moment kommt, wo es wieder wichtig wird, sich zu sehen. Ich denke schon, dass Wege sich trennen können, aber sie können auch wieder zusammenführen. In zwanzig Jahren unterhaltet Ihr Euch vielleicht darüber, dass die Enkel gerade in der Trotzphase sind und die Schwiegertochter sie einfach nicht im Griff hat zwinker

Nr. 2 finde ich schon schwieriger, denn es hört sich für mich so an, als ob es gar nicht an Euch liegt, zu entscheiden, ob die Freundschaft weitergeht oder nicht. Eure Freunde könnten die Entscheidung vielleicht schon ohne Euch getroffen haben. Aber auch da hört sich das, was Du schreibst, eigentlich nach einer wirklich schönen Freundschaft an. Insofern würde ich auch da den Kontakt halten und hoffen, dass die Zeit für mich arbeitet. In ein paar Jahren ist Euer Kleiner schon größer und vielleicht findet Ihr dann wieder mehr Gemeinsamkeiten. Drei Monate ohne Lebenszeichen sind sicher viel, wenn man früher so engen Kontakt hatte, aber ich muss ehrlich sagen, dass ich zu vielen Freunden deutlich weniger Kontakt habe und es mir auch kaum auffällt, weil ich, seit mein Kind auf der Welt ist, das Gefühl habe, die Zeit verfliegt nur so. Das würde ich jetzt also nicht als Kriterium in die Wagschale werfen. Außerdem muss ich auch wiederum von mir selbst sagen, dass mir in meiner Single-Zeit Freundschaften mit Familien mit Kindern auch manchmal ziemlich anstrengend vorkamen. Man hat dann einfach nicht so das Verständnis für feuchte Schlabberküsschen, stundenlanges Vorlesen und Wutausbrüche.

Nr. 3, ganz schwer. Was die Freundschaft betrifft: Ja, die würde ich wohl am ehesten canceln, denn das scheint doch einfach nicht zu passen. Aber ich kann sehr gut verstehen, dass Ihr um der Kinder willen am Ball bleiben wollt. Wäre es möglich, dass Ihr nur die Kinder einladet? In meinem Umkreis ist es z.B. ganz üblich, dass der Pate ab und zu mal etwas gemeinsam mit dem Patenkind unternimmt. Ihr könntet ja einfach einmal vorschlagen, beide Kinder mit auf einen Ausflug o.ä. zu nehmen. Wenn Ihr Euch allerdings richtig gestritten habt, ist das eine schwierige Ausgangslage.


  Werbung
  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  himbeere
schrieb am 30.05.2017 10:25
Ich kann gut verstehen, dass dich das beschäftigt. Es gibt auch in meinem Leben Freundschaften, die ich eigentlich für beendet halte - und dennoch frage ich mich seit Jahren: soll ich das nochmal ansprechen oder nicht...

Wenn ich deinen Bericht so lese, dann glaube ich: Ja, der Zeitpunkt ist gekommen, wo eure Wege sich trennen. Außer beim Patenkind, da würde ich eine Ausnahme machen. Denn für ein Patenkind bin ich verantwortlich, mindestens bis zur Konfirmation (nach ev. Verständnis), ggf. aber auch ein Leben lang.

[Bei mir ist es so gekommen, dass die Freundschaft mit den Eltern meiner Patentochter leider ausgelaufen ist. Das lag aus meiner Sicht vor allem daran, dass wir mal für sechs Wochen in direkter Nähe waren - ohne ein einziges Mal eingeladen zu werden oder gemeinsam etwas zu unternehmen. Wir "durften" meine Patentochter abholen, mehrmals, es gab auch ein gequältes Essen zwischen mir und der Mutter - aber unter einer Freundschaft stelle ich mir doch etwas anderes vor (der Vater hat meine Kinder getauft, ich habe an die 15 Jahre bei ihnen Kinder gehütet - bis zu dem Zeitpunkt hielt ich uns für wirklich gut und tragfähig befreundet). Nach diesen sechs Wochen habe ich beschlossen, mich nur noch um meine Patentochter zu kümmern. Ich war wirklich sehr gekränkt und hatte auch keine Lust, da von mir aus noch große Problemgespräche zu initiieren. Neulich teilte mir die Mutter (meine ehem. Freundin) per Mail mit, sie würde uns ja gern mal wieder sehen, wenn wir in ihre Gegend kämen - haha - So etwas treibt mich auch um.]

Ich horche in solchen Situationen in mich hinein, ob ich wirklich von mir aus nochmal aktiv werden möchte. Ich gestehe mir aber eher zu als früher, auch einfach sauer zu sein und dann auf diese Freundschaft zu verzichten. Das Leben ist schon kompliziert genug, da muss ich keine problembehafteten Freundschaften mitschleppen. Dagegen freue ich mich an den Freundschaften, die unkompliziert, herzlich und ehrlich sind, das sind die, von denen ich zehre. Vielleicht bin ich da also etwas egoistischer geworden - was sicher mit dem Überschreiten der Lebensmitte zusammenhängt...


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  luna2
Status:
schrieb am 30.05.2017 12:52
Ich kann deine Gedanken total gut verstehen, mir geht es auch so, dass ich sehr an Freundschaften hänge. Rein rational würde ich Joaninha in vielem zustimmen, aber die entscheidende Frage finde ich, wie belastend diese Freundschaften in ihrem jeweiligen aktuellen Zustand gerade für Dich/euch sind.

Fakt ist ja nun mal, Freundschaften kommen und gehen, auch ohne Streit oder dass irgendwer explizit was versäumt/ falsch gemacht hat. Der "Magische Moment" der tollen Übereinstimmung lässt sich nicht festhalten und ist leider oft allzu vergänglich. Ich finde, das tut manchmal ganz schön weh und ich habe dann oft auch Angst, einsam zu werden. Ich habe deswegen lange an Freundschaften festgehalten, die eigentlich vorbei waren, manchmal war das ok, oft hat es MIR aber rückblickend gar nicht gutgetan.

Deswegen finde ich die Frage wichtig, womit es DIR besser geht: Festhalten/Weitermachen oder die Vergänglichkeit annehmen/akzeptieren? ich würden jeden einzelnen Fall auch mal daraufhin überprüfen. Wenn es dir mit loslassen/hinter dir lassen besser geht, dann ist das auch ok. Man darf, muss aber nicht alles festhalten. Neue Kontakte werden kommen/ sich ergeben.


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Taucher
schrieb am 30.05.2017 14:06
Hallo pmami,

So wie du es beschreibst klingt es tatsächlich so, als sei die erste Freundschaft einfach vorbei, als hättet ihr euch doch einfach auseinandergelebt. Wie geht es dir denn bei dem Gedanken, diese bewusst auslaufen zu lassen und mit dem Gedanken, die Person nicht mehr zu hören oder zu sehen? Ich denke davon hängt viel ab. Wenn da noch "Sehnsucht" ist nach einer Annäherung oder einem Kontakt wäre eine Möglichkeit, es anzusprechen oder unausgesprochen nochmal zu versuchen, die Freundschaft zu retten. Aber willst du das oder musst du ehrlicherweise inzwischen sagen, dass du genauso zufrieden wärst ohne Kontakt. Davon würde ich es abhängig machen. Es klingt ja immer furchtbar wenn man sich eingestehen muss, dass einem eine jahrelang eng verbundene Person nicht fehlt, aber so ist es manchmal einfach. Das Leben ändert sich, der Charakter manchmal, die "Wellenlänge".

Beim zweiten paar klingt es ein bisschen so, als ob die Distanz tatsächlich aufgrund der Kinder entstanden ist und ein bisschen lässt deine Beschreibung die Vermutung aufkommen, dass es zwischen euch Unstimmigkeiten gibt, die keine Seite je angesprochen hat, sondern die Distanz, die vagen Reaktionen zu verabredungen, für den nötigen Abstand bei diesen Dingen dient. Evtl. Kommen sie mit dem pflegekinderthema doch nicht ganz so gut zurecht. Ich habe auch schon von bekannten (unwissenden bekannten) gehört "also das könnten wir ja nicht, da weiß man ja doch nicht aus was für einer Familie das Kind kommt und wie es dann so ist, das ist ja ein Unkalkulierbares Risiko). Fast-muss man da drüber sogar lachen. Evtl. Haben diese Freunde sich das aber anders/weniger anstrengend oder ähnliches vorgestellt? Aber das ist natürlich nur eine Möglichkeit von vielen. Auch hier finde ich die Frage wichtig: was bedeuten dir selbst die Freunde? Ganz unabhängig von den Kindern? Schön wenn diese gut miteinander spielen, aber dein Sohn wird ja ohnehin irgendwann eigene Freundschaften verfolgen, ich finde für ihn brauchst du die Freundschaft nicht weiterführen? Aber für dich??

Bei der dritten Freundschaft ist es am schwierigsten. Eine Patenschaft verpflichtet und soll dem Kind nicht einfach genommen werden wenn der Kontakt der Erwachsenen nicht mehr so ist, wie man sich selbst das eigentlich erwartet hatte. Auch hier finde ich, musst du für dich klären was du willst und danach würde ich den Kontakt ausrichten, also eher nur am Kind oder eben doch auch wieder mehr zur Familie. Wie alt ist denn das Kind?


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Myrcella
schrieb am 30.05.2017 21:56
Ich hab jetzt die anderen Antworten nicht gelesen, vielleicht wurde es schon gesagt, aber bei dem Paar ohne Kinder fiel mir spontan ein, dass hinter dem Kontaktabbruch vielleicht eine eigene Verletzung stecken könnte. Kinderwunsch, Fehlgeburt? Krankheit? Ich würde offen fragen, ob etwas vorgefallen ist, ob Ihr was verbockt habt, oder ob sie aus anderen Gründen Pause brauchen.

Die alte Freundin: so laufen lassen. Vielleicht gibt es irgendwann wieder einen Anknüpfungspunkt. Freundschaften durchlaufen Phasen, wenn Euch so viel verbindet, ist sie und bist du eher Familie. Ich bin mir sicher, wenn es brennt, ist sie für dich da. Und andersrum. Und irgendwann passt es auch wieder im Alltag.

Paar mit Kindern: ziehen lassen. Die Kinder kannst du nicht "retten" und die Eltern nicht ändern. Das sind reine Energiefresser.

Edit: ich hab die Patenbeziehung überlesen. Das macht es schwieriger - bist Du die einzige Patin? Ansonsten vielleicht den Kindern weiterhin Dein Haus offen lassen, aber sich emotional von den Eltern abkoppeln?


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 30.05.17 22:03 von Myrcella.


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  Blüte
schrieb am 31.05.2017 12:38
Liebe pmami,

irgendwie scheint das zum "Alter" dazuzugehören, dass sich Freundschaften verändern oder "verschwinden". Es ist eine Erfahrung, die ich auch in den letzten Jahren immer wieder einmal machen musste.

Ich bin grundsätzlich ein sehr treuer Mensch. Es dauert bis ich einen anderen Menschen als Freund bezeichne, aber wenn jemand diesen Platz in meinem Herzen hat, muss viel passieren bis ich das überdenke.

Jede Freundschaft ist anders, ich bin aus meiner alten Heimat weggezogen (vor über 20 Jahren) und es gibt Freunde, die sind mir noch genauso nah wie damals, auch wenn sich unser Kontakt zwangsläufig geändert hat, eine meiner besten Freundinnen wohnt im Ausland und dennoch sind wir uns unglaublich nah, selbst wenn wir uns maximal einmal im Jahr sehen. Ich habe Freundschaften mit kinderlosen Paaren, mit Familien mit und ohne Kindern, mit Singels usw.

Ohne jetzt Einzelheiten beschreiben zu wollen, habe ich im Laufe der Zeit gemerkt, dass eine Freundschaft vorbei ist, wenn es sich "nicht mehr richtig angefühlt hat", wenn ich innerlich anfange "aufzurechnen", was vorgefallen ist, wenn sich ein Treffen oder Telefonate als Pficht anfühlen und nicht als Freude, wenn mein Bemühen nicht auf Resonanz gestoßen ist. Es muss kein Streit sein, manches läuft einfach aus. Und manchmal (so bin ich grins) muss ich auch ein "Plakat malen" und alles sagen, was mir auf der Seele liegt, damit ich etwas beenden kann.

Ich rate dir also, in dich hineinzuhorchen. Theoretisch lässt sich diese Frage meiner Ansicht nach nämlich nicht beantworten. Da mag das eine für diese, das andere für jene Freundschaft sprechen.

Wichtig ist meiner Ansicht nach aber nur eine Frage: Welche dieser Freundschaften liegt dir noch am Herzen? Bei welcher wirst du traurig, wenn du dir vorstellst, dass sie wirklich vorbei wäre? Und bei welcher würdest du nur mit den Schultern zucken bzw. maximal aus "logischen" Gründen, aber nicht mit dem Herzen weitermachen?

Und die Freundschaft(en), die dir am Herzen liegen, die versuchst du wieder aufzunehmen. Ob es den anderen Menschen ebenso geht und du auf Resonanz stößt, das ist ein anderes Thema, aber da lohnt es sich, den Versuch zu starten, die Freunschaften wieder aufleben zu lassen.

Alles Gute!

Blüte


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  coco1968
schrieb am 01.06.2017 04:44
Liebe pmami smile,
Blüte hat es wunderbar zusammengefasst. Ich selbst habe meine "beste" Freundin vergangenen Samstag nach 1 1/2 Jahren zum ersten Mal wiedergesehen, nachdem ich ihr im Mai via Whatsapp zum Geburtstag gratuliert habe. Ich habe diesen Weg der Kommunikation gewählt, weil sie über das Telefon für mich nicht mehr erreichbar war. Der für mich einzige Trost in dieser Zeit war die Tatsache, das es nicht mit meiner Person zusammenhing, nachdem sie sich von sämtlichen Bekannten zurückgezogen hat. Ich habe mich wahnsinnig gefreut meine Freundin und ihre 3 Jungs (die ich von Geburt an kenne) und heute junge Männer sind, wiederzusehen. Ich denke uns war beim Abschied beiden bewusst, dass es momentan nicht die Zeit ist, die Freundschaft so intensiv aufleben zu lassen, wie es über 25 Jahre der Fall war. Und dennoch weiß eine Jede von uns, das die Andere zu jeglicher Tages- oder Nachtzeit da ist, wenn man Hilfe braucht. Ich bezeichne sie heute nicht mehr als meine "beste" Freundinn (das hört sich jetzt komisch an zwinker), aber sie wird immer einen Platz in meinem Herzen haben. Genauso haben Menschen einen Platz in meinem Herzen gefunden, die ich über meinen Sohn kennenlernte und mir heute sehr, sehr wichtig sind.
Wir haben auch ein Freundespaar, wo es aufgrund konträrer Erziehungsstile zum totalen Eklat beim gemeinsamen Abendessen kam. Es kam nicht zum endgültigen Bruch, da sowohl die Mutter des anderen Kindes, als auch ich noch nicht bereit waren die Freundschaft aufzugeben, da wir uns ansonsten sehr gut verstehen. Hier half uns eine Distanz zu schaffen, in dem wir die Treffen deutlich reduziert haben. Wir schreiben uns ab und an Whatsapps um uns zu erkundigen, wie es dem anderen geht, und alle 3 Monate kommt es zu einem gemeinsamen Treffen. Ich freue mich auf diese Treffen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das evtl. eine Freundschaft sein wird, die ohne jeglichen Groll zum Erliegen kommt, weil es manchmal einfach so ist. Und dennoch wäre ich immer für sie da, wenn sie Hilfe bräuchten, denn wer einmal einen Platz in meinen Herzen gefunden hat, hat mich -treue Seele- auf Lebzeiiten am Bein *lächel*.

Alles Gute, liebe Pmami. Schade, dass wir so weit von einander weg wohnen. Ich hätte mich sehr gefreut, Dich kennen zu lernen *lächel*.


  Re: Freundschaften - weitermachen oder aufhören ?
no avatar
  pmami
schrieb am 06.06.2017 17:37
Hallo Ihr Lieben,

vielen Dank jeder von Euch für die sehr ehrlichen und persönlichen Antworten. Ich bin noch einmal lange in mich gegangen und sehe es so, dass keine dieser Freundschaften jemals wieder so intensiv sein wird, wie sie früher einmal war. Manchmal ändern sich die Dinge. Manchmal muss einfach loslassen.

Ich habe mich entschieden, mit meiner früher "beste" Freundinso wie von eingen von Euch empfohlen, den Konatkt lose durch Whats App oder vielleicht auch mal Telefonate aufrechtzuerhalten, ohne mehr zu erwarten. Bei ihr fällt mir das am wenigsten schwer, weil wir uns innerlich im Augenblick am weitesten voneinander entfernt haben. Aber, wer weiss, vielleicht "passt" es in einigen Jahren doch wieder besser und man nähert sich wieder an. Und wenn nicht, ist es eben so.

Bei dem Paar ohne kleine Kinder, das uns eigentlich am nächsten war, ist es vermutlich am Schwierigsten. Im Augenblick tendiere ich dazu, hier einfach noch mehr Zeit vergehen zu lassen und dann möglicherweise noch einmal das Gespräch zu suchen, warum es zum Bruch gekommen ist und ob es noch Möglichkeiten gibt, wieder zueinander zu finden. Wie jemand hier schrieb, habe ich allerdings auch das Gefühl, dass dieses Paar sich am deutlichsten von uns distanziert. Aus welchen Gründen auch immer.

Die Freunde mit den konträren Erziehungsansichten und den Kindern werden wir einfach irgendwann im Laufe des Sommers zu einem Playdate mit Kindern einladen. Ich denke, dass wir auf der Ebene gemeinsamer Spielnachmittage weiterhin funktionieren können (so lange wir bestimmte Themen meiden, wie der Teufel das Weihwasser zwinker ). Eine enge Freundschaft zwischen uns Eltern muss es im Grunde gar nicht geben. Ich möchte den Kontakt zu den Kindern aber (noch) nicht aufgeben, weil sie mir alle sehr am Herzen liegen. Die Idee, nur die Kinder einzuladen finde ich gut und das werden wir sicherlich umsetzen, wenn der Kontakt weiterhin möglich ist. Erst einmal müssen sich die Wogen aber auch zwischen uns Eltern geglättet haben.

Vielen lieben Dank Euch allen, für Eure Antworten, die mir sehr weiter geholfen haben.

@liebe coco: Ja, das habe ich auch gedacht zwinker

Viele Grüße pmami




Zum Antworten klicken Sie bitte auf" "Beitrag antworten" oder "Beitrag zitieren" unter dem gewünschten Beitrag auf den Sie antworten möchten.



Bitte beachten Sie: In unseren Foren können nur allgemeine Informationen zum Inhalt der Fragen gegeben werden. Ferndiagnosen sind nicht möglich. Die Antworten sind unverbindlich und können aufgrund der räumlichen Distanz keine Beratung für den Einzelfall darstellen. Bitte wenden Sie sich dazu an die Ärztin oder den Arzt Ihres Vertrauens.

Starflower
Home | Theorie | Zentren| Bücher| Links | Forum | News | Impressum | Datenschutz

© wunschkinder.de 1998-2019