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  Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
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  Line1505
schrieb am 23.04.2017 22:01
Hallo ihr Lieben,

ich schreibe erstmal unangemeldet, weil ich ehrlich gesagt noch keine Ahnung habe, wie mein/unserer Weg weiter geht...
Aber erstmal von Anfang an- und schon mal SORRY, kurz fassen war noch nie meine Stärke. zwinker

Vor fast 8 Jahren wurden mein Freund und ich von der Schwangerschaft mit unserer Tochter überrascht. Ich (damals 18, letztes Lehrjahr) trotz intakt sitzende Kupferspirale (Empfehlung von Ärzten ohne Hormone zu verhüten da meine Schilddrüsenunterfunktion einen paradoxen Verlauf- massives Untergewicht- hatte )schwanger und nach dem ersten Ultraschall grenzenlos verliebt in meine kleine Zaubermaus. Mein Freund und ich haben durch die Unterstützungen meiner Eltern und Großeltern alles gemeistert, konnten unsere Ausbildungen beenden und ich 4 Monate nach der Geburt wieder in Teilzeit arbeiten. Wir verlobten uns und genossen unsere unkomplizierte, gesunde, immer fröhliche und überschlaue Tochter. Und von einem Tag auf den anderen wurden wir unseres Glücks beraubt. Keine 14 Tage nach dem 2. Geburtstag unsereres Sonnenscheins stirbt ihr Papa, mein Verlobter bei einem unverschuldeten Verkehrsunfall.

Ich zittere und weine immer noch wenn ich an ihn und diese Zeit denke, auch wenn mein Tochter und ich von einem Netz aus Familie und Freunden aufgefangen wurden. In meinem erweiternden Freundeskreis befand sich auch mein jetziger Ehemann, der mich (und meine Tochter) durch seine hartnäckige und selbstbewusste Art aus der Hölle geholfen hat. Lange Zeit war es rein freundschaftlich aber 3 Jahre nach dem Tod meines Liebsten, konnte ich den Neuanfang uns den Beginn einer neuer Beziehung wagen.

Mein Mann (jetzt 29) zog nach einem Jahr bei meiner Tochter und mir ein (die beiden haben eine wahnsinnig gute Beziehung) und wir heirateten wenige Monate später.
Soweit so gut aber jetzt kommt der Punkt der mich hierher gebracht hat
Im Prinzip versuchen wir nun seit über 1,5 Jahren ein gemeinsames Kind zu bekommen- ohne Erfolg.
Wir haben jetzt schon so einige Untersuchungen über uns ergehen lassen- nach 12 Monaten wollte mein Mann dass wir uns durchcheckeb lasen, ich war da entspannter.
Unsere Situation ist wie folgt- bei mir (fast 27) ist alles in allerbester Ordnung oder wie der Arzt von der KiWu gesagt hat- mein Körper sei mehr als startklar.
Das Spermiogramm dagegen ist ein Schlag ins Gesicht- der KiWu Arzt meinte "das nimmt alle Illusionen". Es wurde nichts gefunden, schlichtweg 0 Spermien im Ejakulat. Auch bei dem zweiten SG. Der Hodenhochstand wurde damals viel zu spät korrigiert.

Jetzt sprechen die Ärzte aber auch mein Mann von TESE, ICSI usw. und ich bin stumm geworden.

Ich weiß nicht ob ich das kann und ob ich das will. Ich möchte sehr, sehr gern ein zweites Kind und so unglaublich schön ich es fände meinem Mann sein erstes Kind zu schenken- nicht auf Kosten meiner Tochter. Wenn ich die Informationen über ICSI durchlese, springen mir Sachen ins Auge "Psychische Belastung", "Fehl-und Frühgeburtsrisiko" usw. auch der ganze Untersuchungungs- und Vorbereitungsmarathon. Wahnsinn. Versteht mich nicht falsch- natürlich ist ein Kind das Wert und sicher noch mehr. Aber meine Tochter hat nur mich und ich will ihr (im Mai 8 Jahre alt) und mir nicht das alles zu muten- nicht nachdem was wir durchgemacht haben.

Macht mich das jetzt zu einer guten Mutter oder nur zu einer schlechten Ehefrau?

Mein Mann und ich sprechen gerade nur sehr oberflächlich darüber, wegen Zeitmangel- aber Anfang Mai sind wir 3 Tage nur zu zweit im Kurzurlaub und da wird sicher darüber gesprochen- ich habe so Angst wie er reagiert wenn ich ihm meine Bedenken und meine quasi Absage mitteile.

Könnt ihr mir bisschen Mut bezüglich der ICSI Behandlung machen? Oder Tipps für das Gespräch?
Das wäre gerade eine riesige Hilfe.

Viele Grüße

Line


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
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  gelöschter User
schrieb am 23.04.2017 22:34
Hallo Line,

zunächst einmal tut es mir leid, dass du so einen heftigen Schicksalsschlag damals erleben musstest. Das war mit Sicherheit keine leichte Zeit. Umso mehr freut es mich für dich, dass du nun einen lieben Mann gefunden hast und ihr zu dritt ein eingespieltes Team seid - so kommt es zumindest von deiner Erzählung her rüber.

Ich hoffe ich kann dir ein bisschen die Angst nehmen bzgl. der ICSI-Behandlung. Ich habe bereits 2 Behandlungen hinter mir und klar ist es belastend aber das ist das Thema Kinderwunsch generell, wenn er unerfüllt ist/bleibt aber die Behandlung an sich ist nicht sonderlich schlimm - zumindest hab ich das so nicht empfunden. Beim ersten Versuch ist man natürlich aufgeregt, weil man nicht weiß was auf einen zukommt, aber mein Mann hat mir zB das mit den Spritzen abgenommen und so war er quasi mit eingebunden. Klar muss man für das Thema "ICSI" offen sein aber was habt ihr denn zu verlieren? Ihr könnt nur gewinnen! zwinker

Bedenkt auch, dass derzeit zB. die DAK 100% der Kosten für max. 3 Versuche übernimmt. Man könnte sich also ein Limit setzen oder es zumindest einmal ausprobieren, bevor man gleich die Flinte ins Korn wirft.

Ich wünsche euch viel Glück bei der gemeinsamen Entscheidungsfindung!

Liebe Grüße,
Anni


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  patty 2
Status:
schrieb am 23.04.2017 23:29
Hallo,

deine Aufregung in Bezug auf die Situation ist verständlich. Alles was neu und unbekannt ist, löst zeitweise Ängste und Unsicherheit aus.
Es ist aber alles ein Prozess, geht die Situation Schritt für Schritt an.
Aus meiner Sicht musst du noch keine abschließende Entscheidung für dich treffen, ob du dieser Behandlung zustimmst.
Vielleicht wäre es hilfreich, wenn du mit deinem Mann darüber sprichst, welche Bedeutung es für euch jeweils hat. Welche Empfindungen, Sorgen, Ängste oder Enttäuschungen begleiten euch zurzeit.
Falls dein Mann sich einer TESE unterziehen möchte, muss auch dieses Ergebnis abgewartet werden.
Zitat

bei mir (fast 27) ist alles in allerbester Ordnung oder wie der Arzt von der KiWu gesagt hat- mein Körper sei mehr als startklar.
Das Spermiogramm dagegen ist ein Schlag ins Gesicht- der KiWu Arzt meinte "das nimmt alle Illusionen".

Unglücklich finde ich die Aussagen vom KIWU-Arzt,hier fehlt mir doch etwas das Feingefühl.
Wie geht dein Mann mit dieser Art um, fühlt er sich hier gut aufgehoben?

Du hast sehr ausführlich über deine Vorgeschichte geschrieben, spielt diese bei deiner Befürchtung noch mit rein? Dankbarkeit/Schuldgefühle, vielleicht gibt es auf einer anderen Ebene noch etwas zu verabschieden?

Zitat

ich habe so Angst wie er reagiert wenn ich ihm meine Bedenken und meine quasi Absage mitteile.

Alles Gute


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 23.04.2017 23:51
Es tut mir leid, was du erleben musstest.

Ich glaube, dieses aktuelle Problem lässt sich nur Schritt für Schritt lösen. Wenn du von der Belastung, psychischer Probleme etc. liest und das direkt für euch als gesetzt siehst, machst du viele Schritte auf ein mal und nimmst vorweg, was gar nicht sein muss.

Ich würde es.... "fair" finden, dem ganzen jetzt am Anfang noch keine Absage zu erteilen, sondern zumindest so lange "mitzumachen", bis deine persönliche Belastungsgrenze erreicht ist. Genau diese Ängste und Bedenken sollten bei eurem Gespräch dann Thema sein.

Dass deine Tochter nur dich hat ist genau genommen nicht so. Du hast ja geschrieben, dass ihr große Unterstützung durch Eltern und Großeltern habt, könnt jetzt z. B. auch nur zu zweit in den Urlaub fahren. Diese Unterstützung würde euch sicher auch in einer ICSI entgegen gebracht werden. Wie da ein Entgegenkommen von dir bis zu deiner persönlichen Belastungsgrenze deiner Tochter ernsthaft schaden soll, sehe ich nicht.

Eure Vorgeschichte ist schlimm und mit ICSIs nicht zu vergleichen.
Wer A sagt muss nicht auch B sagen. Jeder Partner kann ja jederzeit sagen, dass es ihm zu viel wird.

Alles Gute,
Juna


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  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
no avatar
  Line1505
schrieb am 24.04.2017 08:08
Vielen Dank für die lieben und hilfreichen Antworten!

Es sind auch gute Denkanstöße dabei- gerade im Bezug auf meine Vorgeschichte...ich glaube ich bin einfach ausgelaugt. In den vergangen 8 Jahren hab ich immer nur gekämpft, erst damit wir drei finanziell gut da stehen, dann auf unserem Bau, schließlich dann gegen das lähmende Gefühl der Trauer. Ich hatte mich so sehr auf eine entspannte Zeit gefreut... Naiv wie ich war , hab ich geglaubt wir schauen wann ich den ES habe und dann wird es schon bald klappen. Mein Mann war von Beginn an sehr angespannt und ist schon in einer gewissen "Wir machen das nicht zum Spaß" Haltung an die Sache hin gegangen. Und jetzt an diesem Punkt, habe ich furchtbar Angst dass wir es nicht schaffen und mein Mann es als persönliche Niederlage (er sagt auch immer, "ich hab dich enttäuscht", "mit C. hättest du schon längst ein zweites Kind"...) sieht- und ich will nicht nochmal jemand verlieren. Dass seine oben genannten Äußerungen nicht stimmen und keinesfalls auch nur in die Nähe meiner Empfindungen kommen, habe ich ihm oft genug gesagt.

Und ja meine Tochter ist nicht allein- aber sieht hat nur mich als Elternteil. Ich will sie eigentlich nicht für ein hypothetisches Kind ständig zu meinen Eltern (die im Übrigen uns in jeder Richtung unterstützen würden) bringen und sie vielleicht noch mit einer Fehlgeburt belasten.

Ich habe mir auch bereits Gedanken gemacht ob wir evtl. noch 3-5 Jahre warten könnten, bis Amelia älter wäre und somit weniger Mama fixiert. Vom Alter her wären wir ja dann immer noch recht jung...

Ach alles so Überlegungen...im Moment sind wir dabei den Sommer für TESE und alles weitere anzupeilen. Beziehungsweise so hat mein Mann es dem Arzt gesagt- ich war in dem Gespräch irgendwie nur ein Statist.


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  Chrischtl
Status:
schrieb am 24.04.2017 12:09
Liebe Line,

ich finde es irgendwie überaus "spannend" deine Geschichte zu lesen (der Verlust deines 1. Mannes tut mir dabei natürlich wahnsinnig leid!). Aber warum "spannend": Üblicherweise sind es im Kinderwunschbereich die Frauen, die den Druck ein Kind zu bekommen verspüren. Wie oft wird dort gemotzt, dass die jeweiligen Ehemänner nur wie Statisten dabei sitzen und bei vielen Entscheidungen mit den Schultern zucken...

Jetzt ist bei euch alles irgendwie andersherum. Das finde ich eine richtig tolle Voraussetzung für dich um eben nicht in die (psychologische) KiWu Falle zu geraten.

Zur ICSI:

Du müsstest zur Stimulation Hormone spritzen. Das ist mit Sicherheit kein erhabener Moment in deinem Leben aber du wirst schlussendlich erstaunt sein, wie einfach man sich selbst spritzen kann. Dann folgt die Eizellentnahme unter kurzer Narkose. Das musst du für dich abwägen ob du dir das vorstellen kannst. Einige Tage im Anschluss erfolgt der Transfer, der ehrlicherweise ähnlich "aufregend" ist wie jede Standard-Untersuchung beim Frauenarzt. Und danach folgen noch ein paar Tage mit Vaginal-Zäpfchen (sehr unspektakulär, außer dass es nervt).

Was will ich damit sagen? Rückblickend war der medizinische Ablauf meiner ICSI völlig langweilig. Ich selbst war einfach nur wahnsinnig aufgeregt, voller Hoffnung und vollgepackt mit riesigen Ängsten, nervlich extrem angespannt...

Aber musst du das deshalb auch sein? Nein! Ich war ja nach 1 1/2 Jahren unerfülltem KiWu bereits vor der ICSI nervlich völlig durch. Lag Abends im Bett und habe mich immer wieder gefragt wie wohl unser Leben aussehen wird, wenn wir für immer kinderlos bleiben sollten. (Wie mag es da Frauen gehen, die schon den 4./5./6. negativen Versuch hinter sich haben???) In der Situation bist du ja gar nicht.

Deshalb würde ich mich an deiner Stelle von irgendwelchen Internetinfos nicht so beeindrucken lassen.

Und die Frage gute Mutter vs. schlechte Ehefrau stellt sich aus meiner Sicht auch nicht. Ja, du wirst in der Zeit ein paar mehr Arzttermine wahrnehmen müssen, aber das macht dich doch nicht zur schlechten Mutter... Im Laufe eines ICSI Zyklus wirst du ca. 5 bis 6 Mal in der Klinik erscheinen müssen. Davon sind die meisten Termine wirklich kurz. Deine 8-Jährige wird ja sicherlich zur Schule gehen, so dass du sie nicht immer irgendwo parken müsstest und sie das dann quasi gar nicht mitbekommt.

Und die belastende Situation einer möglichen Fehlgeburt hättest du bei normalem GV auch gehabt. Gerade in deinem Alter ist das Fehlgeburtsrisiko nicht sonderlich hoch aber es ist natürlich immer vorhanden.

Was würde ich in deiner Situation tun? Ich glaube ich würde meinem Mann meine Bedenken und Sorgen mitteilen und mich mal auf -einen- vereinbarten Versuch einlassen. Das würde ich aber auch klipp und klar kommunizieren, dass wir eben den einen Versuch machen und danach nochmal gemeinsam bewerten ob es auch einen zweiten Versuch gibt (sofern es nicht direkt klappt) oder ob es das war.

Vom Abwarten würde ich dir sehr abraten... Du verringerst damit nur eure Chancen und würdest evtl. eine Behandlung später damit deutlich in die Länge ziehen. Weil auch bei schlechten Spermien, hat die Qualität der Eizelle immernoch einen maßgeblichen Einfluss auf den Erfolg. Und der ist mit U30 einfach besser als mit Ü30.

So, jetzt lese ich nochmal alles durch und merke, dass ich dir klar zu einer Richtung rate. Das tut mir leid, weil beeinflussend will ich eigentlich gar nicht sein. Aber es ist dann doch eben meine Meinung.

Wünsche dir alles Gute!

LG Chrischtl


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
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  Merle_77
schrieb am 24.04.2017 12:22
Liebe Line,

ja, Kinderwunschbehandlungen sind oft kein Spaziergang - aber aus unterschiedlichen Gründen.

Ich selbst finde es am schlimmsten, die Angst auszuhalten, dass es niemals klappt.

Rein praktisch finde ich es schwierig, die Termine mit dem Job zu vereinbaren. Da kommt's bei dir natürlich darauf an, wie sehr du beruflich und mit deiner Tochter eingespannt bist, wie flexibel du da bist - und natürlich auch, wie flexibel eure Kiwu-Praxis ist.

Dann hatte ich immer einen Horror vor Spritzen und Nadeln. Die erste ICSI war auch deshalb schlimm. Inzwischen machen mir die Spritzen aber nichts mehr aus.

Körperlich bin ich während eines Versuchs nicht so fit. Ich ziehe mich daher in diesen Phasen ziemlich zurück, gehe alles ruhiger an. Richtig powern könnte ich da nicht. Aber das ist bei jeder Frau anders. Außerdem vermute ich mal, da deine Tochter schon 8 Jahre alt ist, dass es durchaus möglich ist, dir ab und zu Rückzugsphasen zu genehmigen und mal einen Abend lang die Füße hoch zu legen. Ob du darüber hinaus z.B. eine Überstimulation kriegst, kann natürlich niemand sicher vorher sagen. Der erste Versuch ist ja immer ein bisschen ein "Schuss ins Blaue", weil niemand sicher sagen kann, wie dein Körper reagiert. Aber vielleicht hilft es, sich zu sagen, dass man ja sonst auch mal krank werden kann und sich dann zurück nehmen muss. Außerdem hab ich den Eindruck, dass dein Mann dich sowieso sehr unterstützt. Dann bin ich sicher, ihr kriegt das hin.

Ich glaube, ich an deiner Stelle würde zumindest mal einen Versuch machen. In deinem Alter dürften die Chancen, dass der klappt, gar nicht so schlecht sein. Sollte es doch nicht klappen, könnt ihr danach nochmal reden und euch bewusst machen, wie anstrengend der Versuch war - und dann noch einmal für die Zukunft entscheiden...

Wenn du dich bei dem Kiwu-Arzt, der euch beraten hat, nicht wohl fühlst, dann versuch vielleicht zunächst mal, innerhalb der Praxis zu wechseln! Ich kam mit unserem ersten Arzt auch gar nicht klar, bin mit meiner jetzigen Ärztin aber sehr zufrieden.

Wegen deines Gesprächs mit deinem Mann... Wisst ihr beide rein praktisch, wie eine ICSI-Behandlung abläuft? Falls nein, fragt eure Praxis nach einem Behandlungsplan (welche Medikamente, wie und wann) und danach, wie oft und wann du während des Versuchs in die Praxis kommen musst (sowohl in der Stimulationsphase als auch nach Transfer). Frag danach, ob die Termine an bestimmte Uhrzeiten / Tageszeiten gebunden sind! Rechne auch Fahrtzeiten und Wartezeiten ein - und dann besprecht ganz konkret, wie das organisiert werden könnte. Überlegt auch, was wäre wenn... (wenn es dir während des Versuchs körperlich nicht gut gehen sollte, wenn die Kiwu-Praxis plötzlich anrufen sollte und ihr wegen einer Änderung im Behandlungsplan kurzfristig nochmal kommen müsstet, wenn der Punktionstermin erst 2 Tage vorher feststeht,...) - Würdet ihr mit solchen Dingen klar kommen? Sag ihm auch, dass du Angst davor hast, wie's dir körperlich geht und ob du noch genug Zeit und Kraft für deine Tochter hast. Und hör dir an, wie wichtig ihm ein leibliches Kind ist...

Alles Gute!

Merle


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
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  Joaninha
schrieb am 24.04.2017 15:25
Ich kann Dir gar nichts über ICSI erzählen, hatte aber doch irgendwie neulich ein ähnliches Problem. Es ging darum, ob ich meine Tochter abstille, um die Chancen für ein Geschwisterchen zu erhöhen. Das schien irgendwie naheliegend, da ich schon ziemlich "alt" bin, nur für mich fühlte es sich so falsch an. Die Kleine hatte einen schweren Start mit vierwöchigem KH-Aufenthalt und ist auch heute noch nciht völlig gesund, ich dachte wohl innerlich irgendwie immer, ich müsste durch Stillen diese schlimmen Zeiten wiedergutmachen.

Das Argument, das mir hier im Forum gegeben wurde, war eigentlich naheliegend, aber ich wäre dennoch nicht von selbst darauf gekommen: Für meine Maus ist Stillen zwar momentan schön, aber langfristig ist es doch eine wunderbare Bereicherung, ein Geschwisterchen zu bekommen. Wie gesagt, naheliegend, aber mir kams wie eine Offenbarung vor smile


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  Rica*
schrieb am 24.04.2017 16:58
Verzeih mir, wenn ich dir jetzt auf den Schlips trete, aber ich finde dein Posting etwas seltsam.

Du hast eine schwere Zeit hinter dir, deine Tochter auch. Das ist wirklich schlimm, aber da bist du nicht die Einzige. Das passiert öfter. Du schreibst, ihr wurdet gut aufgefangen, habt euch stabilisiert und seid jetzt eine neue Familie. Deine Tochter hat keine Schäden davongetragen, ist also ein ganz normales Kind.

Was mutetst du ihr zu mit einer ICSI? Du musst dich spritzen, zum US, hast eine ambulante Punktion der Einzellen und einen Termin zum wieder einsetzen. Das kannst du theoretisch alles während der Zeit erledigen, in der sie in der Schule ist.

Unser Sohn hat gar nicht mitgekriegt von den Versuchen fürs Geschwisterchen ausser der Niedergeschlagenheit, wenn es nicht geklappt hat. Und das war auch ohne ICSI zu jeder Mens so. Natürlich ist die Behandlung psychisch belastend. Aber ich empfandsie z-Bsp. beim 2. Kind als nicht so schlimm, wir hatten unseren Sohn und der hat uns prima beschäftigt und abgelenkt.

Fehlgeburtsrisiko, Fehlgeburten kannst du auch bei natürlich eintretenden Schwangerschaften bekommen, das ist nun mal so. Du sagst ja auch nicht, du hast keinen Sex mehr um nicht aus Versehen eine Fehlgeburt zu erleiden.

Ich verstehe, wenn du keine ICSI willst. Ist völlig legitim, da muß man sich wirklich drauf einlassen und die hauptsächliche Last trägst ja auch du als Frau. Aber dann soltest du nicht deine Tochter vorschieben, der mutetst du da nicht extrem Schlimmes zu. Wenn du irgendeine andere Krankheit hättest, müsste sie damit auch umgehen können. Und die ICSI dient ja noch etwas total Schönem, nämlich einem Geschwisterchen. Dazu muss er aber erst eine TESE machen. Werden da keine Spermien gefunden müsst ihr sowieso umplanen.

Hast du dir mal überlegt, wie es ist, wenn ihr ein Baby bekommt? Dann wird sie zurück stecken müssen und wird das teilweise als Zumutung empfinden, dann muß sie ihre Eltern teilen. Da habe ich mir z.Bsp. viel mehr Gedanken drum gemacht als um die Behandlungen. Wobei euch der Altersunterschied zu Gute kommt, bei uns hat das problemlos geklappt, ohne Eifersucht u.ä.

Was mich aber am meisten wundert, du schreibst, dein Mann hat ein super Verhältnis zu deiner Tochter, gleichzeitig betonst du mehrfach, sie hat nur dich als Elternteil. Stimmt doch gar nicht, sie hat dich als Mama und deinen neuen Mann als Papa. Oder spielt der nur eine Gastrolle? Wenn ihr euch alsFamilie da einig seid, wuppt ihr das auch.

Ja, ihr habt viel durchgemacht, aber das ist vorbei. Ihr seid im Jetzt, ihr seid eine neue Familie und die Zukunft liegt vor euch. Und im Normalfall erinnert sich eure Tochter gar nicht mehr an die schwere Zeit, die kennt sie nur aus Erzählungen. Und von daher kannst du sie behandeln, wie ein normales Kind und musst sie nicht in Watte packen. Sonst würde ein Großteil des Forums nur aus ein Kind Familien bestehen. Den auch hier gibt es schlimme Schicksale.


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 24.04.17 21:40 von Rica*.


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
no avatar
  Herbstkind
schrieb am 24.04.2017 21:18
Hallo Line, es wurden ja schon viele hilfreiche Dinge geschrieben. Ich selbst bin äußerst pragmatisch veranlagt, vor allem wenn es um potentiell emotional bedeutsame Themen geht. Wenn man solche Themen Schritt für Schritt angeht, kann ich sie zumindest viel besser handeln.
Ich würde die Tese abwarten: werden keine Spermien gefunden oder keine "guten", steht die ICSI vielleicht (man könnte dann ja noch über Fremdsperma nachdenken) nicht mehr im Raum.

Sollte in der Tese gutes Material gefunden werden, könntest du hier nach positiven Erfahrungsberichten suchen bzw. fragen und dann nochmal abschließend darüber nachdenken, ob du den Weg gehen möchtest oder nicht. Ich selbst fand meine beiden Icsis und Kryos z.B. gar nicht schlimm!

Liebe Grüße
Pauline


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
no avatar
  luna2
Status:
schrieb am 25.04.2017 15:16
Hey,

ich glabue, es ist ichtig ,dass du für dich erstmal klar darüber wirst, ob du

1. wirklich das Gefühl/die Intuition hast, eine ICSI geht über deine Kräfte. Das wäre für mich ein Kontra- Argument. Oft weiss man das aber auch erst nach einem Versuch.

2. Oder ob deine Ambivalenz nicht auch viel mit Schuldgefühlen zu tun hat - durch ICSI schwanger werden zu wollen und dafür viel Aufwand zu betreiben, ist ja eine viel aktivere Entscheidung für ein zweites Kind als "einfach nur Sex". Es so sehr darauf anzulegen, nochmal ein Kind zu kriegen, scheint ja viel irrationale Schuldgefühle auszulösen - dem Verstorbenen gegenüber, dem ersten Kind gegenüber. Fakt ist aber: DU lebst, und zwar noch lange, und du hast ein gutes Leben verdient, wie auch alle Mitglieder deiner Jetzt- Familie. Wenn es DEIN Herzenswunsch ist, noch ein zweites Kind mit deinem neuen Partner zu bekommen, ist das Grund genug für jede Art von Aufwand dafür. klar ist ein Geschwisterkind auch immer eine Belastung für das Erstgeborene, aber dafür bekommt es auch was: eine noch größere Familie, einen Bruder oder eine Schwester, der auch noch da ist, der/die im Idealfall noch Familie ist, wenn die Eltern nicht mehr da sind, die Möglichkeit bietet, Tante sein zu dürfen..... Das ist auch was tolles, lebendiges, schönes, Zukunft. Mein Mann hat seine leibliche Mutter auch sehr früh verloren und die große Familie, die er hatte ( vier Stiefgeschwister kamen nach ihm) half ihm sehr im Umgang damit - deswegen wollte er auch immer viele Kinder....

viel Glück und Sonne für dich, welchen Weg ihr auch wählt...

Lou


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
no avatar
  Line1505
schrieb am 26.04.2017 11:48
Vielen Dank nochma für die ganzen Beiträge, die mir vieles nochmal klar gemacht haben.

@Chrischtl & Merle

Danke für die ausführlichen Beschreibungen- puh, da war ich bei der Schwangerschaft mit Amelia wirklich auf der Insel der Glückseligen...aber euch ganz ganz viel Respekt wie ihr das trotz Ängsten und Enttäuschungen durchgezogen habt
Bei euren Erzählungen merkt man einfach dass man immer mit dem Ziel des eigenen Kindes vor Augen weitergemacht hat und das einem Mut und Hoffnung gegeben hat. Das gibt mir die Zuversicht dass wir es auch schaffen smile

Zum Organisatorischen wie Job usw.- schwierig, aber nicht unmöglich. Ich arbeite 2-3 Tage (immer im Wechsel) die Woche, ich schätze wenn wir uns für die Behandlung entscheiden und einen Plan haben, dann könnte ich im Vorfeld Überstunden aufbauen und die dann abbauen. Mein Mann ist Grundschullehrer, das heißt er ist zumindest an 3 von 5 Nachmittagen voll flexibel.

Über Alternativen wenn die TESE kein gutes Ergebnis bereit hält haben wir schon Gespräche angefangen...leider blockt mein Mann aber immer sehr schnell ab traurig Sagt ich sei pessimistisch und wurde nicht an ihn glauben.

@Rica

Dein Beitrag hat mich sehr nachdenklich gemacht...mein Mann hat keine Gastrolle (hätte ich ihn dann geheiratet?!) in unserer Familie aber er ist auch nicht der Vater meiner Tochter und wird es auch nie sein. Er unterstützt uns und natürlich kümmert er sich auch um meine Tochter, aber er kann ihren Papa nicht ersetzen und es wäre auch gemein dass zu erwarten.

Nichts desto Trotz, das Geschriebene über Risiken und dass meine Tochter auch bei einer normalen Schwangerschaft zurückstecken musste, stimmt natürlich. Vielleicht sollte ich einfach mal alles weniger technisch sehen und mehr passieren lassen.

@Luna

Ich hab wirklich geweint als ich dein 2. gelesen habe. Das mit den Schuldgefühlen ist wahr, ich will meiner Tochter einfach das Gefühl geben dass sie immer auf mich zählen kann und meine Nummer 1 (wäre das evtl. Geschwisterchen natürlich genauso) und das ich ihren Papa nicht vergessen habe und ihn (trotzdem) immer noch vermisse. Dass ich das von meinem Wunsch nach einen zweiten Kind und meiner jetzigen Familie trennen muss, weiß ich. Trotzdem ist es schön wenn man da Bestätigung bekommt.

Ich schätze wir werden einfach mal die TESE (hoffentlich mit guten Ergebnissen) abwarten und dann den ersten Versuch wagen, hoffen das es klappt und schauen wie es uns als Familie damit geht.

Liebe Grüße

Line


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  Rica*
schrieb am 26.04.2017 15:43
Zitat
line1505
aber er ist auch nicht der Vater meiner Tochter und wird es auch nie sein. Er unterstützt uns und natürlich kümmert er sich auch um meine Tochter, aber er kann ihren Papa nicht ersetzen und es wäre auch gemein dass zu erwarten.

Was ist denn für dich ein Vater? Nur der genetische Erzeuger?

Für mich ist ein Vater derjenige, der das Kind liebt, mit ihm spielt, wenn es krank ist am Bett sitzt, mit ihm kuschelt, tobt, halt für es da ist. Und wenn dein Mann das tut für eure Tochter, dann ist er der Vater.

Der leibliche Vater ist tot, weg, kommt nie wieder. Dein Mann ist da und scheint sich ja zu kümmern. Und wenn du das so streng trennst und sagst, er wird nie ihr Vater sein finde ich, sagt das doch schon viel über deine Einstellung zudeiner jetzigen Familie aus.

Wenn ich dein Mann wäre, würde mich diese radikale Einstellung total kränken. Immerhin kennt deine Tochter nur ihn als Mann an deiner Seite.

Und deinen Ausführungen zufolge sind Adoptiveltern auch nie die Eltern ihrer Kinder und werden es nie sein Ich hab ne Frage.


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
avatar  silwer
schrieb am 28.04.2017 21:48
Was du schon hinter dir hast ist echt heftig, da kann ich deine bedenken absolut verstehen.
Aber, nichts wird so heiß gegessen wie es gekocht wird. Wenn du googlest, liest usw. dann findest du immer jedes Risiko, dann findest du die Horrorberichte usw. Aber das heißt ja lange nicht das das bei dir passieren muss. Dein Arzt wird das ganz gut abschätzen können wie hoch die Risiken für dich sind. Wichtig ist das deine Schilddrüse gut eingestellt ist.
Dieses höhere Fehlgeburtsrisiko kommt zum Teil auch daher das so früh wenige wissen das sie Schwanger sind, wenn dann kurz danach was passiert denken Frauen ohne Behandlung "Oh, hat sich wohl nur was verschoben". Nach Behandlung weiß man eben früh ob.
Und die Ursache warum Frauen auf die Behandlungen angewiesen sind spielen eine Rolle bei dem Frü- und Fehlgeburtsrisiko. Oft ist die Ursache warum sie nicht auf normalem Weg schwanger werden auch ein Grund Babys wieder zu verlieren. Diese Fälle stehen aber alle in den Statistiken ohne Erklärung drin.
Klar steht überall das die Erfolgsrate bei X Prozent liegt pro Behandlung. Aber Google mal, selbst wenn bei beiden Partnern alles Top ist hat man in einem normalen Zyklus mit normalem Sex auch keine besseren Chancen.
Natürlich, eine psychische Belastung ist es. Man kann den Kopf eben nicht abschalten. Wir hatten das große Glück das es im 1. Versuch geklappt hat. Das hat die Belastung der davorliegenden Wochen relativiert. Wenn es nicht klappt ist es sicher schwieriger. Aber ist es nicht auch eine Belastung Monat für Monat enttäuscht zu werden das es doch wieder nicht geklappt hat? Oder auf das 2. Wunschkind zu verzichten und vielleicht irgendwann zu merken das es jetzt zu spät ist?
Und auch in einer natürlich entstehenden Schwangerschaft hast du keine Garantie das alles perfekt verläuft, es gibt 1000 Dinge die schief gehen können. Das solltest du nicht vergessen bei dem ganzen. Klar, mit Behandlung sind manche Risiken ein bisschen höher, aber Null sind sie nie.
wir hätten auch fürs 2. wieder eine ICSI machen lassen, ohne Bedenken oder Angst. Aber, trotz grottenschlechtem Spermio (die Spermienzahl war im schlechtesten Spermio 11 und im besten immer noch unter 100 und kaum beweglich.), ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn, hat sich Tim einfach so eingeschlichen.


  Re: Schlechte Ehefrau? Gute Mutter?
no avatar
  Claudi
schrieb am 30.04.2017 15:15
Hallo,

mein Mann hat auch Azoospermie, bei ihm wurde auch bei der TESE kein einziges Spermium gefunden. Auch er hat 2 x ein Spermiogramm machen lassen.
Falls keine ICSI möglich ist, könntet ihr es mit Spendersamen versuchen. Da reicht eine ganz normale Insemination.

Lieber Gruß von einer Adoptivmami




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