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  Un-Wunschkind
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  Menama**
schrieb am 01.04.2017 10:14
Hallo,
Ich habe eine Weile überlegt, ob ich hier schreiben soll, weil ich annehme, dass es bei vielen hier mit langem Kinderwunsch und Verlusten schwierig ist, das zu lesen. Aber vielleicht versteht ihr mich und habt trotzdem einen Rat.
Eine alte Freundin ist wieder in meine Gegend gezogen und hat eine Tochter, die etwas mehr als ein Jahr älter ist als meine. Außer den Kindern haben wir uns nicht mehr viel gemeinsam, gehen aber oft zusammen spazieren oder auf den Spielplatz. Seit sie wieder arbeitet, treffe ich mich auch immer mal mit den Kindern und ihrem Mann. Das Problem: Die beiden wollten das Kind nicht. Es war ein Unfall und dann dachten sie, sie würden sich dran gewöhnen. Haben sie aber nicht. Hauptthema der Gespräche ist, wie sehr ihnen die Arbeit und Verantwortung zu viel ist, wie sie ihre Freiheit vermissen, dass ihr Leben und ihre Beziehung vorbei sind, dass sie sich nicht trennen, weil niemand anderes sie mit Kind noch dazu einem so wilden, kränklichen weinerlichen Kind nehmen würde (ich finde die Kleine für knapp zwei eher ruhig und auch sonst unkompliziert). Wenn ich versuche, gute Seiten am Leben mit Kind hervorzuheben, kommt „ Du wolltest Deine ja auch! Wir wollten ja nie.“. Das alles, egal ob das Kind in Hörweite ist oder nicht. Meistens ist sie es.
Neulich meinte ich (mit einem Lachen um die Schärfe zu mindern) nach so einer langen Litanei: „Vielleicht könnt ihr sie noch zur Adoption freigeben.“ Da meinte meine Freundin ganz ernst: Darüber hätten sie neulich auch wieder gesprochen, aber sie wüssten nicht, wie sie das ihren Familien erklären sollten. Ihre Mutter hinge ja so an der Kleinen und der Bruder ihres Mannes hätte sogar zwei Kinder adoptiert, die würden das sicher nicht verstehen. Da war ich buchstäblich sprachlos.
Andererseits ist ihr Verhalten dem Kind gegenüber völlig ok, manche würden eher sagen, dass die Kleine verwöhnt wird: Sie darf immer im Elternbett schlafen, wenn sie will; weil sie das Essen der Eltern nicht mag, wird mindestens einmal täglich extra für sie gekocht; der Wagen ist das beste Modell am Markt, aber wenn sie darin weint, trägt der Papa sie auch mal ein paar Kilometer; der Kindergarten ist liebevoll ausgesucht und die Eltern nehmen einen langen Umweg dafür in Kauf – aber beim kochen, tragen etc. wird sich eben immer beschwert, wie wenig man das Kind wollte und will.
Übertreibe ich, wenn ich diese Reden so schwer erträglich finde? Ich würde am liebsten den Kontakt abbrechen, um das nicht mehr hören zu müssen, würde dem Kind aber so gerne helfen, eigentlich der ganzen Familie, denn schön ist es für die Eltern ja auch nicht. Aber ich weiß einfach nicht wie.
Ideen? Oder ein "Ist nicht doch nicht so schlimm, du übertreibst, sonst passt es ja" für mich?
Mena


  Re: Un-Wunschkind
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  LeenaSprottenmama
schrieb am 01.04.2017 10:34
Oha, da wurde mir beim Lesen schon ganz anders. Kein Wunder, dass du das schwer erträglich findest. Vor allem für die kleine Maus tut es mir unendlich Leid, dass sie sowas mit anhören muss. Armes Kind. Hast du ihnen schon mal gesagt, wie es dir geht, wenn sie sowas sagen, wie haben sie darauf reagiert?

"Heulen" sie sich einfach nur bei dir aus oder sprechen sie generell so lieblos über ihre Tochter?
Ich würde den beiden raten, eine Familientherapie zu machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass sie ihr Kind gar nicht wollen. Wenn sie sogar im Familienbett schlafen und sich sonst gut um die kleine kümmern, muss ja doch was an Gefühlen vorhanden sein. Vielleicht hadern sie sehr stark mit den Veränderungen, die das Kinderhaben mit sich bringt und drücken das einfach sehr verletzend und plump aus? Haben die beiden Entlastung, sind sie vielleicht irgendwie überfordert, bräuchten mal Auszeiten?

Irgendetwas müssen sie allerdings unternehmen. So dürfen sie vor ihrem Kind nicht sprechen. Das hört sie ja und fühlt sich dann schrecklich ungeliebt. Da kann die kleine Maus ja richtig Schaden nehmen. Vielleicht ist das den Eltern gar nicht so bewusst? Könntest du das mal ansprechen?

Ich hoffe, dass die beiden sich irgendwie besinnen können und sich irgendwo Unterstützung holen und aufhören, so vor und von ihrem Kind zu sprechen.


  Re: Un-Wunschkind
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  Viktoria1
schrieb am 01.04.2017 14:41
Unmöglich finde ich das....und das das Kind das hört!!

Freundschaft hin, Freundschaft her.....und nur auf Rücksicht Schwiegermama/Oma oder wer auch immer sollte man kein Kind aufziehen.
Dann doch lieber Adoption....die leiblichen sind nicht immer die besten Eltern!!! Denkt deine Freundin vielleicht mal an das Kind???

Liebe ist das Wichtigstenfür einKind.....


  Re: Un-Wunschkind
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  Chorus
Status:
schrieb am 01.04.2017 21:13
Man kennt natürlich die Jammerei von gestressten Eltern. Hab ich sogar öfters bei wirklich geplanten Wunschkindern erlebt. O-Ton: wenn wir gewusst hätten wie stressig das ist, hätten wir auch keine Kinder... Allerdings sind die auch recht schnell gekommen, beide im 1. Übungszyklus. Tja so ist es eben, was einem in den Schoss fällt wird nicht geschätzt - das gilt nicht nur bei Kindern, sondern so ziemlich generell im Leben. Oder wer von uns ist wirklich dankbar für Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf?

Ganz unabhängig davon fällt mir bei der Beschreibung die Diskrepanz der Aussagen (die Aussage mit der Adoption ist schon ziemlich hart und würde mich auch kränken, wenn ich sowas hören würde!!!) und dem tatsächlichen Verhalten gegenüber der Tochter auf. Man muss schon sagen, letztendlich zählt dann schon auch, wie man sich wirklich dem Kind gegenüber verhält. Ich kenne auch eine Frau mit Wunschkindern, die nicht im Elternbett schlafen dürfen. Plus fast niemand, der für die Kinder seperat kocht. Zumindest nicht täglich. Also da ist schon seltsam, dass sie dann solche Reden schwingt. Ich glaube ich würde das schon nochmal zur Sprache bringen, aber dann, wenn es grad irgendwie passend ist. Ich möchte nämlich ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie solche Aussagen beim Bruder ihres Mannes ankommen, der Kinder adoptiert hat. Dem ist wahrscheinlich zum Heulen zumute bei solchen Aussagen.


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  Re: Un-Wunschkind
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  melissa28
Status:
schrieb am 01.04.2017 21:33
Zitat
Chorus
Man kennt natürlich die Jammerei von gestressten Eltern. Hab ich sogar öfters bei wirklich geplanten Wunschkindern erlebt. O-Ton: wenn wir gewusst hätten wie stressig das ist, hätten wir auch keine Kinder... Allerdings sind die auch recht schnell gekommen, beide im 1. Übungszyklus. Tja so ist es eben, was einem in den Schoss fällt wird nicht geschätzt - das gilt nicht nur bei Kindern, sondern so ziemlich generell im Leben. Oder wer von uns ist wirklich dankbar für Essen, Trinken, ein Dach über dem Kopf?

Ganz unabhängig davon fällt mir bei der Beschreibung die Diskrepanz der Aussagen (die Aussage mit der Adoption ist schon ziemlich hart und würde mich auch kränken, wenn ich sowas hören würde!!!) und dem tatsächlichen Verhalten gegenüber der Tochter auf. Man muss schon sagen, letztendlich zählt dann schon auch, wie man sich wirklich dem Kind gegenüber verhält. Ich kenne auch eine Frau mit Wunschkindern, die nicht im Elternbett schlafen dürfen. Plus fast niemand, der für die Kinder seperat kocht. Zumindest nicht täglich. Also da ist schon seltsam, dass sie dann solche Reden schwingt. Ich glaube ich würde das schon nochmal zur Sprache bringen, aber dann, wenn es grad irgendwie passend ist. Ich möchte nämlich ehrlich gesagt gar nicht wissen, wie solche Aussagen beim Bruder ihres Mannes ankommen, der Kinder adoptiert hat. Dem ist wahrscheinlich zum Heulen zumute bei solchen Aussagen.

Meinst du das wirklich ernst?? Eltern deren Kinder "schnell" entstehen, schätzen diese also nicht wirklich? Ich hoffe ich verstehe dich da falsch, falls nicht, ist es wohl eines der dämlichsten Dinge die ich je gelesen habe. Meine beiden Kinder sind auch im jeweils 1. Übungszyklus entstanden und ich bin genauso glücklich über sie und dankbar wie auch nur irgendeine andere Frau/Eltern. Und warum darf man nicht jammern wenn das Kind ein Wunschkind ist? Glaubst du, dass nur Frauen deren Kinder ungewünscht waren was zum Jammern haben? Wow, das ist mal eine verquere Logik die du da hast.

An die TE: ich würde das mal ganz salopp ansprechen, sie seien doch so liebevoll zur Kleinen im Umgang, warum sie denn sowas sage, ob sie keine Angst hätte, dass das Kind sie mal hört. Dann wirst du eh merken wie sie reagiert. Allgemein, finde ich das aber ziemlich lächerlich und unangebracht was die Dame da von sich gibt und würde ihr das wohl auch mal so sagen, wenn es nach den kleineren Anmerkungen nicht aufhört.

Glg


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 01.04.17 21:40 von melissa28.


  Re: Un-Wunschkind
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  Hamamelis71*
schrieb am 01.04.2017 22:08
Kann es denn Stress und Überforderung sein? Oder eine bislang nicht erkannte Depression?

Gerade mit zwei Jahren fordern die Kinder einen ganz schön, nebenbei noch Job und Haushalt, da ist man einfach platt und erschöpft. Und wahrscheinlich vergleicht sie ihr Leben jetzt und vorher und erinnert sich noch sehr gut an die unbeschwerte einfache entspannte Zeit ohne Kind.

hast du ihr mal direkt gesagt, wie schade und traurig du das findest?


  Re: Un-Wunschkind
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  isolde35
Status:
schrieb am 02.04.2017 07:02
Könnte es vielleicht eine Art Scherz sein? Ich blödele manchmal auch so rum mit meiner Schwester zum Beispiel: sollen wir nicht mal wieder zusammen auf ein Konzert gehen? Ach nein, unser Leben ist ja vorbei, wir haben Kinder.

Das ist Spaß, mit einem Touch ernst, weil mir die Zeit manchmal fehlt, als ich meine Wochenenden noch ganz frei nach Lust und Laune gestalten konnte. Eltern sein ist halt oft mega anstrengend und man muss sich sehr einschränken und zurücknehmen. Und manchmal geht mir das sehr auf die Nerven und dann mache ich auch mal einen blöden Spruch. Und das obwohl meine Tochter das beste ist, was mir je passiert ist und ich sie niemals hergeben würde.

Vielleicht ist das bei deiner Freundin ähnlich?

Isolde


  Re: Un-Wunschkind
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  Menama**
schrieb am 02.04.2017 09:34
Danke für die Denkanstöße!

Scherze würde ich ausschließen. Das sind für mich eher so situationsbezogene Ventile, wenn gerade alles zu viel wird. Wie die Mutter, die gestern im Kaufhaus hilflos auf den Wutanfall ihres Kindes guckte und stöhnte „Was hab ich auch die Adresse ins T-Shirt genäht – sonst könnte ich sie einfach hier lassen!“ So was macht wohl jeder mal. Bei meinen Freunden gehört die Frage „Bereust du dein Kind nicht auch inzwischen?“ allmählich zum Begrüßungsritual, gefolgt von den Klagen, wie sie sehr ihr Kind bereuen.

Es ist auch ein riesen Unterschied, ob man ein Kind schnell bekommt, oder ob man eins bekommt, obwohl man es wirklich nicht wollte. Für die beiden ist das genauso schlimm wie für die Kinderwusch-Paare, die es trotz sehnlichem Wunsch kein Kind bekommen. In beiden Fällen wird ein Lebensplan zerstört. (Die beiden sind übrigens in einem Alter, in dem KiWu-Ärzte langsam zur Eizellspende raten...)

Überforderung und ein gewisser Perfektionismus sind sicher Gründe: Sie haben es sich angewöhnt, alles mit Kind unerträglich anstrengend zu finden und kommen aus der „Wir wollten ja auch nicht“-Schiene gar nicht mehr raus. Wenn ich sage, dass ich ihre Klagen traurig finde, und dass es doch viel Schönes gibt, dass ich meine Kleine total begeistert beobachte, wie sie durch die Wohnung robbt, meint meine Freundin nur: „Aber sie macht sich jetzt schmutziger und du musst noch mehr Wäsche machen!“ und erzählt, wie oft sie waschen muss und dass der Boden zwei Mal am Tag gewischt werden muss und und und…Erschreckend finde ich bei ihr, dass sie es offensichtlich für normal hält, in einem Kind nur eine Belastung zu sehen und gar nicht versteht, warum ich das anders sehe. Dass muss dann daran liegen, dass mein Kind irgendwie besser ist als ihrs. Diese Vergleiche vor den verbitte ich mir dann immer ganz scharf, aber das hat nur kurze Wirkung, ebenso wie die Bitte, wenigstens nicht vor dem Kind nicht so zu reden. Sie meinen einfach, die Kleine versteht es noch nicht (da sie zweisprachig aufwächst und die Familiensprache nicht deutsch ist, ist sie wirklich etwas zurück, aber das kann sich ja schnell ändern)

Depression könnte zumindest bei ihm eine Möglichkeit sein. Er meint auch immer, seine Eltern hätten ihn auch nicht gewollt und es täte ihm Leid, dass seine Tochter jetzt die selbe Erfahrung machen würde. Vielleicht kann ich da mal in Richtung Therapie einwirken. Seine Lösung: Ich hatte wenigstens meinen Bruder – wir sollten noch ein zweites bekommen, wenn wir sie schon nicht richtig wollen, ist sie damit nicht alleine! finde ich nämlich gar nicht überzeugend.

Schönen Sonntag!
Mena


  Re: Un-Wunschkind
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  gelöschter User
schrieb am 02.04.2017 10:41
Zitat
Menama**
Überforderung und ein gewisser Perfektionismus sind sicher Gründe: Sie haben es sich angewöhnt, alles mit Kind unerträglich anstrengend zu finden und kommen aus der „Wir wollten ja auch nicht“-Schiene gar nicht mehr raus. Wenn ich sage, dass ich ihre Klagen traurig finde, und dass es doch viel Schönes gibt, dass ich meine Kleine total begeistert beobachte, wie sie durch die Wohnung robbt, meint meine Freundin nur: „Aber sie macht sich jetzt schmutziger und du musst noch mehr Wäsche machen!“ und erzählt, wie oft sie waschen muss und dass der Boden zwei Mal am Tag gewischt werden muss und und und…
Sehe ich wie du, das Problem ist hier übertriebener Perfektionismus, nicht das Kind. Wenns nicht so traurig wäre, würde ich lachen... zweimal am Tag Boden wischen...Achso!irre
Zitat
Menama**
Erschreckend finde ich bei ihr, dass sie es offensichtlich für normal hält, in einem Kind nur eine Belastung zu sehen und gar nicht versteht, warum ich das anders sehe. Dass muss dann daran liegen, dass mein Kind irgendwie besser ist als ihrs. Diese Vergleiche vor den verbitte ich mir dann immer ganz scharf, aber das hat nur kurze Wirkung, ebenso wie die Bitte, wenigstens nicht vor dem Kind nicht so zu reden. Sie meinen einfach, die Kleine versteht es noch nicht (da sie zweisprachig aufwächst und die Familiensprache nicht deutsch ist, ist sie wirklich etwas zurück, aber das kann sich ja schnell ändern)
Das kann sich nicht nur schnell ändern. Das merken sie noch nicht mal rechtzeitig. Weil es vollig normal ist, dass man mehr versteht als man ausdrücken kann. Erstens ist der passiver Wortschatz meist größer als der aktive, zweitens spielen ja auch Tonlage, Körperhaltung etc. eine Rolle. So viel muss die Kleine gar nicht "verstehen" damit sie sich abgelehnt vorkommt. Die möglichen Folgen daraus will ich jetzt mal gar nicht ausbreiten, die sind übelst. (Selbstwahrnehmung, Selbstbewußtsein, Beziehungsfähigkeit)
Zitat
Menama**
Depression könnte zumindest bei ihm eine Möglichkeit sein. Er meint auch immer, seine Eltern hätten ihn auch nicht gewollt und es täte ihm Leid, dass seine Tochter jetzt die selbe Erfahrung machen würde. Vielleicht kann ich da mal in Richtung Therapie einwirken. Seine Lösung: Ich hatte wenigstens meinen Bruder – wir sollten noch ein zweites bekommen, wenn wir sie schon nicht richtig wollen, ist sie damit nicht alleine! finde ich nämlich gar nicht überzeugend.
Gerade dann sollte er doch verstehen, wie das aufs Kind wirkt und zumindest versuchen es besser zu machen. Gewisse moralische Grundlagen scheinen ja vorhanden zu sein. Sieht man ja daran, dass sie sich zumindest im Allgemeinen kümmern, nur das Emotionelle liegt völlig brach.

Was mir gerade noch einfällt: Dieses sich selbst "einreden" dass alles schlecht ist, verstärkt das Ganze noch und verhindert aus dieser Negativfalle herauszukommen.
Das Gute ist, es funktioniert auch umgekehrt. Das heißt, wenn man sich immer wieder innerlich sagt "ich liebe dich" verändert das die Einstellung zu einem Menschen ins Positive. Unabhängig davon inwieweit das stimmt.
Ich weiß, dass klingt jetzt seltsam, aber vielleicht kriegst du sie ja irgendwie dazu es zu versuchen. Sowas wie: Sag deinem Kind zweimal am Tag, dass du es lieb hast. Egal wie bescheuert und unehrlich dir das vorkommt. Mach es einfach.

Wenn sie daran nicht arbeiten könne sie die Kleine besser gleich dem Onkel zur Adoption bringen. schweigen


  Re: Un-Wunschkind
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  Chorus
Status:
schrieb am 02.04.2017 12:03
@melissa: leider meine Erfahrung, dass es eben öfters mal in die Richtung geht, zumindest nicht im Verhalten, aber im Reden darüber. Leider kenne ich nicht nur ein Beispiel dafür, sondern so 5-6 Beispiele. Ich habe da schon Aussagen gehört, die bei mir fast Übelkeit ausgelöst haben. Wie gesagt, teilweise vor den Kindern, dass sie lieber wieder kinderlos wären etc. Wenn du eine Ausnahme bist, ist es schön....


  Re: Un-Wunschkind
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  melissa28
Status:
schrieb am 02.04.2017 13:51
Chorus, ich glaube nicht, dass ich eine Ausnahme bin, weil ich nicht denke, dass es regelhaftes Verhalten in diese Richtung gibt. Keine Frage, es ist absolut grässlich in Anwesenheit seines Kindes dessen Existenz zu bemängeln, auch das Beispiel der TE empfinde ich als extrem und ganz sicher nicht als Normalität.

Aber man muss aufpassen, dass man hier nicht in klischeehaftes Denken verfällt und gleichzeitig ein Mutterbild aufbaut, dass es nur in Märchenbüchern gibt. Dass die Liebe und Wertschätzung gegenüber einem Kind davon abhängt wie "schnell" es gezeugt wird entbehrt jeglicher Logik und ist eine Beleidigung für den Großteil aller Frauen. Da will ich jetzt auch nicht mehr dazu schreiben, weil ich absolut keine Erfahrungen in diese Richtung gemacht habe.

Der zweite Punkt ist allerdings gravierender für Frauen, nämlich die Herstellung eines Mutterbildes, dem in der Realität kaum eine Frau standhalten wird können, ziemlich gleich, wie lange sie gebraucht hat um das Kind zu bekommen. Sollen wir wirklich von Frauen die "Wunschkinder" bekommen haben verlangen, dass sie ab diesem Zeitpunkt nur noch grinsend wie die Honigkuchenpferde durch die Gegend laufen, jede Strapaze ohne ein Jammern hinnehmen, auf gut Deutsch einfach die Klappe halten egal wie es ihnen geht?
Oder wäre es nicht sehr viel klüger, emanzipierter, realistischer und solidarischer zu versuchen, Verständnis dafür aufzubringen, dass Mutterschaft/Elternschaft eben nicht immer nur Glück, Freude und Erfüllung ist, dass es auch die größte Anstrengung ist die man sich vorstellen kann, dass es Momente gibt wo einen die Verantwortung fast erschlägt, der Schlafmangel fast umbringt, Ängste, Sorgen, wahre Achterbahnfahrten an Emotionen - das alles gibt es, ich wage mal zu behaupten, bei fast allen Menschen die Eltern werden. Es mindert und schmälert aber die Liebe zu seinen Kindern nicht, es macht sie nicht ungewünschter, nicht weniger gewollt.

Aber es ist ok, wenn eine Mama sich mal auskotzt, wenn sie gegenüber einer Freundin meint, sie wäre lieber irgendwo ganz allein als noch mal eine Nacht nicht zu schlafen, oder einfach mal heult weil sie vielleicht ein Schreibaby hat und in dem Moment eben einfach nicht mehr kann. Sich vielleicht auch mal ganz sarkastisch fragt, was am Leben ohne Kinder jetzt eigentlich so schlecht war, während 3 Kinder mit Norovirus die Bude vollreiern. Da können dunkle Gedanken kommen,Gedanken und Gefühle die man sich vorher nicht mal im Ansatz vorstellen kann - sie neben seinem Kind zu erwähnen ist falsch, es darunter leiden zu lassen ist falsch, diesen Worten und Gefühlen aber irgendwo Raum zu geben ist richtig und wichtig.

Einer Frau dann zu unterstellen sie schätze ihr Kind ja nicht ist fies. Es zeugt aber nur wieder davon, dass Frauen untereinander einfach kein Verständnis oder Solidarität aufbringen können. Schade, viellicht würden weniger Frauen an diesem "Mutterperfektionswahnsinn" fast zerbrechen, wenn sie sich sicher sein könnten, dass auch für die "anderen" Gefühle in einer Gesellschaft Verständnis und Raum aufgebracht werden könnte.

Glg


  Re: Un-Wunschkind
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  Menama**
schrieb am 02.04.2017 15:12
Liebe Melissa,
da stimme ich die völlig zu. Ausheulen ist genauso erlaubt wie die Witze, von denen Isolde schrieb. Ich habe auch überlegt, ob ich hier schreibe, weil ich diese Debatte "Wir Frauen mit langem Kinderwunsch wären/sind die besseren Mütter" vermeiden wollte. Ich wollte die Eltern, von denen ich schrieb, auch gar nicht an den Pranger stellen. Für ihre Grundhaltung schlagen sie sich meiner Meinung nach ganz gut. Trotzdem fühlt es sich an, als liefe etwas entsetzlich schief und das beschäftigt mich. Verallgemeinerung - auch nicht über andere ursprünglich nicht gewollte Kinder und schon gar nicht über schnell gekommene Kinder - ist völlig unpassend.
Gruß,
Mena


  Re: Un-Wunschkind
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  Joaninha
schrieb am 02.04.2017 17:16
Für mich hört sich das auch sehr nach Überforderung am. Ganz schlimm sind die Aussagen vor den Kind, die sollten sie ganz schnell sein lassen. Mit Zweisprachigkeit kann man das auch nicht schönreden, die Kinder verstehen nach meiner Erfahrung sehr gut, auch wenn sie noch nicht aktiv die Sprachen beherrschen. Das Problem ist bei ihnen eher, dass sie noch nicht raushaben, dass die beiden Sprachen zu unterschiedlichen Personen gehören. Sie merken, dass nicht jeder sie verstehen, das verunsichert und sie halten sich zurück. Das heisst aber nicht, dass sie nicht verstehen würden.

Dieses Schaffen von tollen Rahmenbedingungen würde ich eher als Ausdruck von schlechtem Gewissen sehen, weil sie das Gefühl haben, dass sie das Kind nicht genug lieben. Mein Rat wäre also: Ansprüche an sich selbst runterschrauben und sehen, ob man dann weniger überfordert ist. Z.B.:Schlafen nachts klappt nicht? Dann kommt das Kind ins eigene Bett. KiGa ist weit entfernt, die Fahrten zehren an den Nerven? Das Kind kommt in den nächstgelegenen KiGa. Boden wischen und Waschen nervt? Eine Putzfrau einmal die Wochen und der Verzicht aufs Bügeln schaffen Abhilfe. Man möchte Freiraum? Das Kind ist bei Oma oder Onkel super aufgehoben. Vielleicht auch mal für zwei Wochen, die die beiden mit gemeinsamem Urlaub verbringen. Mich würde es nicht wundern, wenn ihnen dann auffällt, dass doch etwas fehlt.

Es gibt so schöne und interesante Bücher, die Verständnis für Kinder in den Alter wecken. Z.B. boen to be wild, vllt wäre das etwas?


  Re: Un-Wunschkind
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  isolde35
Status:
schrieb am 02.04.2017 21:00
Zitat
melissa28
Chorus, ich glaube nicht, dass ich eine Ausnahme bin, weil ich nicht denke, dass es regelhaftes Verhalten in diese Richtung gibt. Keine Frage, es ist absolut grässlich in Anwesenheit seines Kindes dessen Existenz zu bemängeln, auch das Beispiel der TE empfinde ich als extrem und ganz sicher nicht als Normalität.

Aber man muss aufpassen, dass man hier nicht in klischeehaftes Denken verfällt und gleichzeitig ein Mutterbild aufbaut, dass es nur in Märchenbüchern gibt. Dass die Liebe und Wertschätzung gegenüber einem Kind davon abhängt wie "schnell" es gezeugt wird entbehrt jeglicher Logik und ist eine Beleidigung für den Großteil aller Frauen. Da will ich jetzt auch nicht mehr dazu schreiben, weil ich absolut keine Erfahrungen in diese Richtung gemacht habe.

Der zweite Punkt ist allerdings gravierender für Frauen, nämlich die Herstellung eines Mutterbildes, dem in der Realität kaum eine Frau standhalten wird können, ziemlich gleich, wie lange sie gebraucht hat um das Kind zu bekommen. Sollen wir wirklich von Frauen die "Wunschkinder" bekommen haben verlangen, dass sie ab diesem Zeitpunkt nur noch grinsend wie die Honigkuchenpferde durch die Gegend laufen, jede Strapaze ohne ein Jammern hinnehmen, auf gut Deutsch einfach die Klappe halten egal wie es ihnen geht?
Oder wäre es nicht sehr viel klüger, emanzipierter, realistischer und solidarischer zu versuchen, Verständnis dafür aufzubringen, dass Mutterschaft/Elternschaft eben nicht immer nur Glück, Freude und Erfüllung ist, dass es auch die größte Anstrengung ist die man sich vorstellen kann, dass es Momente gibt wo einen die Verantwortung fast erschlägt, der Schlafmangel fast umbringt, Ängste, Sorgen, wahre Achterbahnfahrten an Emotionen - das alles gibt es, ich wage mal zu behaupten, bei fast allen Menschen die Eltern werden. Es mindert und schmälert aber die Liebe zu seinen Kindern nicht, es macht sie nicht ungewünschter, nicht weniger gewollt.

Aber es ist ok, wenn eine Mama sich mal auskotzt, wenn sie gegenüber einer Freundin meint, sie wäre lieber irgendwo ganz allein als noch mal eine Nacht nicht zu schlafen, oder einfach mal heult weil sie vielleicht ein Schreibaby hat und in dem Moment eben einfach nicht mehr kann. Sich vielleicht auch mal ganz sarkastisch fragt, was am Leben ohne Kinder jetzt eigentlich so schlecht war, während 3 Kinder mit Norovirus die Bude vollreiern. Da können dunkle Gedanken kommen,Gedanken und Gefühle die man sich vorher nicht mal im Ansatz vorstellen kann - sie neben seinem Kind zu erwähnen ist falsch, es darunter leiden zu lassen ist falsch, diesen Worten und Gefühlen aber irgendwo Raum zu geben ist richtig und wichtig.

Einer Frau dann zu unterstellen sie schätze ihr Kind ja nicht ist fies. Es zeugt aber nur wieder davon, dass Frauen untereinander einfach kein Verständnis oder Solidarität aufbringen können. Schade, viellicht würden weniger Frauen an diesem "Mutterperfektionswahnsinn" fast zerbrechen, wenn sie sich sicher sein könnten, dass auch für die "anderen" Gefühle in einer Gesellschaft Verständnis und Raum aufgebracht werden könnte.

Glg

Vielen Dank für diesen Beitrag, Melissa. Das sollte sich jede Mutter an den Spiegel heften und jeden Tag lesen! Das ist super

Isolde


  Re: Un-Wunschkind
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 03.04.2017 12:47
Sehr traurig - für alle Beteiligten.

Jemandem positive Seiten an einer unerwünschten Lebenssituation nahebringen funktioniert leider nie. Du kannst ihnen nicht helfen - keinem der drei. Wenn es dir so schwer fällt, diese Gespräche zu ertragen, versuch sie zu reduzieren, dadurch dass du die Themen mehr in die Hand nimmst oder notfalls den Kontakt reduzierst. Ich würde das nicht verwerflich finden. Selbstschutz ist immer legitim.

Alles Gute,
Juna




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