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  finde kaum worte für meine wut
no avatar
   so wütend
schrieb am 01.08.2013 09:24
Hallo zusammen,

heute ist es nun so weit und ich werde zum ersten mal das aussprechen, was ich schon so lange denke und fühle. Ich bin sooooooooo verdammt wütend auf meinen Mann. Ich kann gar nicht so genau schreiben warum das nun so ist, das würde zu lange dauern. Mein Mann stammt aus einem Elternhaus in dem mehr die materielle Versorgung im Vordergrund stand und das Emotionale auf der Strecke geblieben ist, außerdem ist er ein Scheidungskind. Als ich nach langer Kinderwunschzeit schwanger wurde veränderte mein Mann sich irgendwie. Er zeigte kaum Interesse für das, was in meinem Bauch passierte. Als unsere Tochter geboren wurde, wurde es immer schlimmer - irgendwie sah er sich plötzlich mit seiner eigenen Kindheit konfrontiert. Weil seine Gedanken immer nur um sich selbst kreisten hatte er kaum "Nerv" für sein Kind und konnte sich schlecht auf unsere Tochter einlassen. Mittlerweile macht er eine Therapie und ist ganz sehr bemüht. Allerdings ist es jetzt so, dass sein Verhalten depressive Züge annimmt. Er schafft es z.B. selten pünktlich zur Arbeit zu kommen. Ich muss dazu sagen, dass ich mir unser Kind von ganzen Herzen gewünscht habe und eine völlig unkomplizierte Schwangerschaft erleben durfte, doch leider wurde das ganze Glück was ich gefühlt habe irgendwie kaputt gemacht und jetzt fühle ich mich um diese Zeit durch meinen Mann betrogen. Erst die Schwangerschaft und jetzt die Zeit mit unserem Baby, was inzwischen fast ein Jahr alt ist. Ich liebe meinen Mann, keine Frage. Ich will einfach nur glücklich sein und die Zeit genießen - die Kinder werden doch so schnell groß und alles wird irgendwie überschattet und tritt in den Hintergrund weil mein Mann immer total "schlecht drauf ist". Wie soll ich glücklich sein wenn es mein Mann nicht ist? Ich bin so wütend und traurig und fühle mich gleichzeitig schlecht weil ich so fühle. Ich fresse diese Gedanken Tag für Tag in mich hinein und kann mich niemanden anvertrauen - da geht ja das Bild der heilen, kleinen Familie kaputt. Muss ich mich schlecht fühlen wenn ich die Zeit mit unserer Tochter einfach nur genießen will???

Danke fürs Lesen...

Liebe Grüße


  Re: finde kaum worte für meine wut
avatar    silwer
schrieb am 01.08.2013 10:12
Ich kann es dir nachfühlen. Bei uns ist im 1. Jahr mit Jan so ziemlich alles schief gelaufen was ging.
Jan war 4 Tage alt als er nen eingeklemmten Leistenbruch hatte, Not-OP
Mit 6 Wochen Nierenbeckenentzündung, Klinik für 10 Tage (so hatte ich mir das erste Weihnachten und Silvester nicht gedacht)
Als Jan 10 Wochen alt war bekam mein Vater die Diagnose Magenkrebs, 2 Wochen später folgte die OP, dann Wundheilungsstörung, Schwierigkeiten beim Essen usw so das Opa über 3 Wochen im KH war.
In der Zeit, uns ging es ja eh schon "so gut" wurde mein Mann zum Ende der Probezeit entlassen.
Als Opa dann endlich nach Hause durfte fiel meine Mutter in ein tiefes Loch. Schwere Depression. Der Therapeut den sie bekam war für´n A***** . Es ging dann soweit das ich irgendwann gesagt hab entweder sie geht freiwillig sofort als Notfall zum Psychiater oder ich lasse sie einweisen. Der Psychiater schlug die Hände über dem Kopf zusammen als er ihren Zustand sah "Was will man da reden, das erreicht sie doch gar nicht! Erstmal Tabletten damit sie wieder normal denken kann, dann kann man reden, dann kommt das auch an und sie kann es umsetzen!"
Mit den Tabletten ging es ihr dann bald besser.
Mein Mann fand zügig neue Arbeit (sogar noch bessere). Es schien aufwärts zu gehen.
Tja, weit gefehlt. Vor Jans Geburtstag bekam mein Vater schmerzen, es ging ihm immer schlechter, er magerte ab....Rezidiv. Das hätte ihn fast das Leben gekostet. Aber er hat es geschafft.
Also wie du siehst, Jan war lange ersehnt und hart erkämpft und als er endlich da war war Drumherum so viel Mist das ich es kaum genießen konnte.
Aber, ich kann es nicht ändern. Ich kann die Zeit nicht zurück drehen. Ich muß es akzeptieren so wie es war.
Es hat niemand mit Absicht gemacht. Weder meine Mutter wollte so krank sein, noch mein Vater und mein Mann hat es auch nicht auf ne Kündigung angelegt.
Genau so ist es bei deinem Mann jetzt auch. Du kannst nicht ändern was er erlebt und nicht verarbeitet hat, das es jetzt wieder hoch kam. Ich weiß wie belastend das ist. Aber er macht das nicht absichtlich und er lässt sich helfen um es zu ändern. Das solltest du ihm anrechnen, nicht ankreiden das er ein Problem hat.
Vielleicht solltest du auch mal mit dem Therapeuten reden. Vielleicht hilft das dir besser mit der Situation klar zu kommen.


  Re: finde kaum worte für meine wut
no avatar
   so wütend
schrieb am 01.08.2013 10:46
Liebe Silwer,

danke für deine eigene Geschichte und dein Vertsändnis...ich merke auch gerade irgendwie, dass es weniger Wut ist...vielmehr Trauer um die eigentlich so schöne Zeit. Wütend bin ich wenn mein Mann mir vorwirft dass ich mit unserer Tochter 1,5 Jahre zu Hause bleibe (obwohl wir es gemeinsam so beschlossen haben) und er sich nun deswegen als "Ernährer" unter Druck gesetzt fühlt oder er anfängt mit Suizid zu drohen weil alles zu viel wird.

Du hast Recht, wahrscheinlich würde es mir gut tun selbst professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Ganz lieben Dank


  Re: finde kaum worte für meine wut
avatar    Loni76
Status:
schrieb am 01.08.2013 23:46
Hallo,

verstehen kann ich dich auch. Leider ist es manchmal so, dass das Leben uns zwingt, unsere Pläne über den Haufen zu werfen.
Vielleicht ist dein Mann gerade auch total überfordert mit der Rolle des Ernährers und es wäre gut, , wenndu ihn ein wenig entlasten könntest. Vielleicht kannst du eine Teilzeitstelle annehmen.
Wenn er mit Suizid droht, ist die Situation für ihn prekär. Vielleicht würde ihm eine stationären Behandlung helfen.
Alles Gute


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  Re: finde kaum worte für meine wut
no avatar
   caucaja
schrieb am 02.08.2013 10:46
Ich denke auch, es wäre gut eure Pläne zu ändern und du kannst ein wenig arbeiten gehen und er etwas reduzieren, dass er auch einen Tag (allein) zu Hause mit Kind hat?
Rollen gleichmässig verteilen, damit er nicht das Gefühl hat er muss die eine Last tragen?

Alles Gute!


  Re: finde kaum worte für meine wut
no avatar
   Zappy
Status:
schrieb am 02.08.2013 21:47
Das hört sich nicht nur nach depressiven Zügen an sondern nach wirklich ausgewachsenen Depressionen bei deinem Mann. Und das anscheinend schon lange. Ich weiß nicht was er für eine Therapie macht,aber möglicherweise reicht das alleine nicht aus.

Mein Mann leidet auch unter Depressionen, so wie sich das liest aber längst nicht so stark wie deiner. Er war 6 Wochen in stationärer Therapie,ist mittlerweile medikamentös eingestellt und regelmäßig beim Psychologen.
Das alles hilft ihm sehr, trotzdem gibt es immer wieder Tage an denen er mit alltäglichen Dingen nicht gut umgehen kann.

Was ich damit sagen will (und das ohne jemandem zu nahe treten zu wollen), ich kann dich verstehen, es ist manchmal mehr als schwierig einen depressiven Menschen zu lieben und mit ihm zusammen zu leben. Unabsichtlich machen depressive Menschen sich und anderen das Leben schwer. Du freust dich auf etwas, auf Lebensabschnitte, möchtest sie genießen und die Erkrankung deines Mannes macht komplette Striche durch die Rechnung.
Von alleine wird das aber leider nicht besser, womöglich solltest du ehrlich mit deinem Mann über deine Gefühle sprechen und dein Mann sollte eventuell eine andere Therapie in Betracht ziehen.

Ich wünsch dir alles Gute!


  Re: finde kaum worte für meine wut
no avatar
   so wütend
schrieb am 05.08.2013 09:40
Hallo,

danke für eure ehrlichen Rückmeldungen.

Gern würde ich meinem Mann die Last abnehmen. Kann man denn das mit der Elternzeit einfach über den Haufen werfen? Ich meine, mein Mann hatte bereits 2 Monate Elternzeit und ich weiß nicht ob ich jetzt spontan wieder auf Arbeit einsteigen könnte, arbeite in der Schule. Die Stelle von meinem Mann ist tatsächlich als 40h-Stelle ausgeschrieben weil er einen bestimmten Bereich allein abdeckt und sie sind auch nur zu Zweit im Büro (Beratungsstelle). Allerdings weiß ich auch gar nicht so richtig ob er im Moment die Verantwortung allein für unser Kind tragen kann weil er in seiner ganzen Person so unsicher ist und selbst kaum in das Vertrauen hat was er tut.

Da wir beide aus der sozialen Ecke kommen und uns das Thema Psychiatrie durchs Studium begleitet hat, lehnen wir einen stationären Aufenthalt bislang ab und setzen auf die Therapie, welche jetzt noch nicht so lange läuft. Ich glaub er ist jetzt gerade mal bei der 8. Sitzung.

@Zappy: Mehr als schwierig, ja das trifft es ganz gut. Manche Tage könnte ich meine sieben Sachen packen und einfach gehen. Ich habe auch oft das Gefühl, dass mein Mann seinen ganzen Frust bei mir ablässt und damit meine ich nicht dass er mit mir über etwas spricht sondern so unterschwellig kommen immer Schuldzuweisungen. Wie lange geht das bei deinem Mann?

LG


  Re: finde kaum worte für meine wut
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   Paula Mondschein
Status:
schrieb am 08.08.2013 10:02
Liebe "so wütend"!
Leider gibt es das ganz oft: Wenn man selbst ein Kind bekommt, wird man wieder mit der eigenen Kindheit und den (evt. verdrängten) Gefühlen von damals konfrontiert. Wenn die Kindheit nicht so gut verlaufen ist, kann der Schmerz jetzt hochkommen und einen blockieren das eigene Kind zu lieben, da man das selber nicht bekam. (Z.B. findet sich häufig das Phänomen, dass ein Junge, der von seinem Vater z.B. mit 4 Jahren verlassen wurde, als erwachsener Mann seine Familie auch verlässt, wenn das Kind 4 ist. Unbewusst kann er es nicht aushalten, dass sein Kind einen Vater hat, den er nie hatte. Das alles läuft aber unbewusst ab, sodass gar kein Zugriff auf diese Gefühle besteht, nur Therapie kann das bewusst machen.)

Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schwer für dich ist, schließlich ahntest du nicht, dass in deinem Mann so viel Unbearbeitetes ist, das jetzt an die Oberfläche gekommen ist. Andererseits hat er nun die Chance, das zu bearbeiten. Da euer Kind schon eins ist und die Zeit drängt, denn es braucht seinen Vater, der muss emotional bald auftauchen und du brauchst deinen Mann, würde ich mit der Bahndlung auf die Tube drücken, damit es voran geht. Was ist mit einer Psychoanalyse oder einer tiefenpsychologisch/analytisch arbeitenden psychosomatischen Klinik? Da gibt es doch sehr gute, Psychartrie wäre er ja völlig falsch. Jedenfalls ist einmal die Woche 50 Min. sicher zu wenig. Auch von Verhaltenstherapie sollte er die Finger lassen, schließlich liegen seine Probleme in seiner eigenen unzureichenden Kindheit, in der er sich wahrscheinlich nicht genug geliebt gefühlt hat und deshalb kein starkes Selbstwertgefühl aufbauen konnte.

Alles Liebe für euch!
Paula




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