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  Die Angst kommt und macht eine Tür auf
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   AnyWoman
schrieb am 18.07.2013 20:42
Es gibt viele Arten von Kinderwünschen. Manche kommen früh, andere spät, manche sind immer schon da und andere sind wie ein unerwartet früher Wintereinbruch, manche gehen Hand in Hand bis zum bitteren Ende, andere verlieren sich unterwegs und kommen nie dort an, wohin sie aufgebrochen sind.

Meiner ist neu, obwohl ich schon alt bin. So alt, dass es biologisch noch klappen könnte, aber die Mehrheit der Menschen um einen herum die Hände über dem Kopf zusammen schlägt, oder uns vorrechnet, wie alt wir wären, wenn unser Kind... Aber mein Wunsch hat viele Väter. Nachdem ich Jahrzehnte behauptete, vielleicht nie Kinder zu wollen und ja sowieso nicht so besonders gut mit Kindern zu können, ist der Wunsch jetzt doch noch gekommen und lacht mich aus.

Er sagt mir, ich hätte schon viel früher ahnen müssen, wie sehr meine Eltern sich darüber freuen würden, Großeltern zu werden. Nun ist es fast zu spät. So spät schon, dass niemand sagen kann, wie viel Zeit sie noch mit ihren Enkeln haben könnten. Und ich bin die einzige, die ihnen welche schenken kann.

Er sagt mir, ich hätte viel früher spüren können, dass der jetzige Mann der Richtige für so ein gewagtes, abenteuerliches Vorhaben ist. Nun ist es fast zu spät. So spät schon, dass niemand sagen kann, ob unsere Ehe die Kinderwunschbehandlung - und das, was danach kommt - überstehen wird.

Er sagt mir, ich hätte viel früher erkennen können, dass kein Beruf der Welt mich je dauerhaft ausfüllen wird. Nun ist es fast zu spät. So spät schon, dass niemand sagen kann, ob ich mit meinem Beruf genug Geld für all die Behandlungen verdienen werde.

Er sagt mir, ich hätte mich viel eher der Kluft zwischen meiner Weiblichkeit und dem Frauenbild da draußen stellen können. Nun ist es fast zu spät. So spät schon, dass ich vieles Weibliche ablehne und niemand sagen kann, ob ich an dieser Kluft nicht innerlich zerreißen werde.

Manchmal schaue ich ihm lange ins Gesicht, dem Kinderwunsch. Ich möchte ihn fragen, was er da mit mir macht, was er mir beibringen möchte. Aber meistens lese ich hier Seite um Seite im Forum, immer wieder, all das Leid, all die Hoffnung, all die noch nicht ausprobierten Methoden, bis ich innerlich ganz kalt und hart bin. Das lenkt mich von der Gewissheit ab, dass ich die Antwort schon längst kenne. Sie ist nur zu schmerzhaft, denn wenn ich diese Tür aufmache und durchgehe, gibt es kein zurück mehr zu den alten Ablenkungen und Selbstlügen.

Danke fürs Lesen.


  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
avatar    maschu
schrieb am 18.07.2013 22:22
Hallo,
ich weis nicht, wie alt du bist, aber ich kenne das Gefühl des lange nicht vorhandenen Kinderwunsches. Mit 34 stand ich einfach vor der Entscheidung "Was ist nun mit Kinder, ja oder nein". Und nur aus Angst, meine Entscheidung gegen Kinder zu bereuen, haben wir es versucht. Ich dachte immer, ich werde bestimmt eine Rabenmutter und wollte auch nicht wirklich so viel Verantwortung bekommen und konnte mit anderen Babies nichts anfangen. Als der Große da war, fand ich alles so toll, dass wir uns noch ein zweies gewünscht haben. Beim Kleinen war ich 38.
Ich vermute, du bist älter? Wenn noch die Möglichkeit besteht, versuch es. Hier im Forum sind einige über 40 gewesen. Natürlich ist nicht mehr alles so einfach und unbeschwert. Die Risiken und die Stärke des Wunsches musst du abwägen.
Ich kann dir nur sagen, dass sich meine Einstellung mit der Geburt um 180° gedreht hat, zu meiner eigenen Überraschung.


  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
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   Puna1979
Status:
schrieb am 19.07.2013 09:11
Hallo!

Ich bin selbst in einer großen Familie aufgewachsen und habe viele Jahre geglaubt, keine Kinder haben zu wollen, wäre für mich die richtige Entscheidung. Dann hat eine neue Liebe mein ganzes Leben auf den Kopf gestellt und auf einmal hat auch bei mir der Kinderwunsch angeklopft und ist ungewollt eingezogen. Einfach so. Als ob ich für den überhaupt Platz gehabt hätte! Und dieser blöde Kinderwunsch kommt natürlich nicht allein! Nöööö: Der bringt natürlich gleich mal jede Menge Sorgen und Probleme mit, von denen frau früher nie etwas auch nur geahnt hat. Von den vielen kleinen Abkürzungen mal ganz zu schweigen, die sich plötzlich eingeschlichen haben...
Und irgendwann hab ich zu meinem Mann dann gesagt: Wo kommt denn nur dieser unsinnige Kinderwunsch her? Den gab es doch früher bei mir nicht!?

Wie du siehst, AnyWoman, bist du mit deinem plötzlichen Kinderwunsch nicht allein. Das geht vielen so. Das ist zwar einerseits schockierend, aber andererseits kann man daraus auch viel Kraft bekommen. Einfach zu wissen, dass man nicht allein ist und es da draußen noch andere gibt, die dieses Schicksal teilen.

Ich wünsche dir viel Kraft und vor allem auch eine riiiiiiiiiiiiiiiiiiiiesige Portion Glück, dass es entweder mit dem Nachwuchs klappt oder sich der Kinderwunsch irgendwann wieder verzieht, ohne allzu viele Schäden anzurichten.

LG
Puna


  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
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   gelöschter User
schrieb am 19.07.2013 11:24
Liebe AnyWoman,

Du sprichst mir und meinem urplötzlichen Kinderwunsch aus dem Herzen. Schön formuliert. Aber es ist wie es ist. Es macht keinen Sinn zu fragen: was wäre wenn und warum jetzt erst? Das entscheidende ist, nach Vorn zu blicken, schnell zu handeln, und sich nicht von dem Verhalten der Umwelt beirren lassen. Es ist DEIN Leben und nur DU weisst, was wann gut und richtig für Dich / Euch ist.

Alles Gute.


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  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
avatar    Jadestern
Status:
schrieb am 19.07.2013 12:58
Ich verstehe dich sehr gut, auch unser Kinderwunsch kam sehr spät und plötzlich als ich schon 37 war. Ich war Jahrzehnte lang davon überzeugt niemals Kinder zu wollen.

Mit knapp 38 wurde ich das erste mal Mutter, nun mit knapp 40 zum zweiten mal, wie man in der Signatur sehen kann. Und es ist toll! Ich weiß nicht wie alt ihr seid, aber es ist keine Seltenheit mehr, dass die Paare heute spät Kinder bekommen und das muss überhaupt nicht problematisch sein. Beim ersten Kind war ich im 6. ÜZ Schwangerschaft beim zweiten im 1. ÜZ (!!!). Die Schwangerschaft waren komplikationslos und ich fühle mich fit, jung und wohl als Mutter in meinem Alter.
Weil wir 2 Kinder wollten, haben wir eben den Abstand nicht zu lang gelassen zwischen den beiden, das war alles was ich vom Alter abhängig gemacht habe.

Lass dich nicht abschrecken..vieles ist möglich und es hat auch viele Vorteile Eltern zu haben, die im Leben stehen und schon viel Lebenserfahrung haben.

Kopf hoch und der Angst die Tür vor der Nase zuschlagen.

LG Jade


  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
avatar    Julikeks
Status:
schrieb am 19.07.2013 23:08
Hallo Anywoman,

also raten kann ich Dir direkt nix, finde aber Deinen Kinderwunsch grundsätzlich legitim. Meine Mutter kennt auch jemand der mit ca. 50 mit EZS schwanger geworden ist und sagt, dass das Kind sehr süß ist und es sehr schade wäre, wenn es die Kleine nicht geben würde.
Unsere Gesellschafft passt was das angeht einfach nicht zur Biologie und Kinder zu bekommen, wenn man nicht dazu bereit ist finde ich auch selten bescheuert.
Dein Beitrag ist übrigens sehr gut geschrieben, dass wollte ich Dir eigentlich sagen. smile
Und wie alt bist Du jetzt eigentlich? bin neugierig

Lg, Julikeks


  Re: Die Angst kommt und macht eine Tür auf
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   Frau1967
Status:
schrieb am 26.07.2013 11:57
Liebe AnyWoman,

was Du schreibst, berührt mich auf vielfältige Art und Weise..

Auch mein Kinderwunsch kam spät (mit ca. 38 - ausgelöst durch den Tod meines Vaters); mit 40 wurde ich in eine KiWu-Klinik überwiesen. Jetzt, mit 46, bin ich wieder draußen, mit einem Kind an der Hand und zweien auf dem Arm. Das vielleicht als ein Beispiel für einen "positiven" Ausgang.

Mir fällt auf: Dein Kinderwunsch bezieht sich auf die Vergangenheit - Du hättest früher etwas anders/etwas anderes tun müssen. Das quält natürlich, denn die Vergangenheit kannst Du nicht mehr ändern.
Viele Argumente Deines Kinderwunsches empfinde ich als unfair: Du hättest ahnen müssen, was sich Deine Eltern wünschen. Du hättest Deinen Mann anders sehen müssen und Deinen Beruf ebenfalls.

Dein Name ist gut gewählt: unsere Generation (ich sage mal die gut 40-Jährigen) hat eine Wahl zwischen Familie und Beruf getroffen. Die jetzt 30-Jährigen erlebe ich anders: sie verbinden beides viel selbstverständlicher. Ich glaube, wir sind da Kinder unserer Zeit und diese Gedanken und Lebensweise ist kollektiv für eine bestimmte Gruppe von Frauen (ich zähle mich selbst auch dazu).

Mein Tipp an Dich: schau nach vorne. Was möchtest Du an diesem Punkt, an dem Du stehst, tun? Möchtest Du Dich in die Maschinerie der Reproduktionsmedizin begeben oder nicht? Wenn ja, wäre es gut, erst einmal medizinisch abklären zu lassen, wie es um Deine Fruchtbarkeit bestellt ist. Wenn nicht: versuche, Frieden mit Deinem Lebensweg zu finden (das sagt sich leicht - ich weiß..).

Ich habe mehrere Jahre in Behandlungen und Warteschleifen verbracht und - so glücklich ich über meine Kinder bin - weiß ich nicht, ob der Preis nicht fast zu hoch gewesen ist. Nutze das Forum, um Dir klar zu werden, ob Du Dir das antun möchtest - und bitte nicht mehr dafür, innerlich zu verhärten!

Liebe AnyWoman - ich würde mich über einen weiteren Austausch freuen, gerne bzw. bevorzugt über PN.

Alles Gute für Dich!




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