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  Selbstmitleid ...oder was?
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   Twixx
schrieb am 22.02.2011 00:46
Hallo zusammen,
ich bin neu hier. Vielleicht kann mir eine von Euch eine Einschätzung oder Beurteilung abgeben, die mir weiterhilft.
Ich bin seit 2008 in Kinderwunsch-Behandlung. Bis Herbst 2009 bei meinem normalen Frauenarzt, nachdem der nicht mehr weiter wusste hat er mir eine "Kinderwunschklinik" empfohlen. Ich habe schon verschiedene Medikamente bekommen (u.a.Clomifen, Gonal F, Predalon, dann Metformin wegen einer vermuteten Insulinresistenz...). Als nächstes steht eine Bauchspiegelung an. Soviel zum Hintergrund.
Weshalb ich jedoch schreibe ist, dass ich nicht weiß, wie ich damit richtig umgehen kann. Meine Gedanken drehen sich seit Wochen wieder intensiv um diese ganze Kinderwunschgeschichte. Von Anfang bis Mitte letzten Jahres habe ich mich durch einen Wohnngs- und Arbeitsplatzwechsel gut ablenken können, aber mittlerweile vergeht wieder kein Tag, an dem mir nicht zum heulen zumute ist. Oft weine ich dann aus heiterem Himmel, manchmal bin ich aber auch schon den ganzen Tag betrübt und weine dann. Bis vor Kurzem habe ich mich bei meinem Mann ausgeheult,jetzt versuche ich es mit mir selbst auszumachen,weil ich das Gefühl habe , dass er mich nur bedingt versteht. Er(37Jahre) wünscht sich zwar natürlich auch Kinder, aber scheinbar geht er viel lockerer damit um. Von ihm und auch von den 2-3Freunden, die davon wissen kommen dann so Sätze wie, ich sei ja noch jung (26Jahre), noch hätte man nicht alles ausprobiert usw. Natürlich hat man noch nicht alles ausprobiert, dass weiß ich selbst. Und auch, dass es später u.U.die Möglichkeit einer Adoption gibt, wenn es nicht mit einem eigenen Kind klappt(wobei mein Mann eher zu einer Leihmutter tendiert...). Und ja, ich hatte auch noch keine teuren künstlichen Befruchtungen und auch keine Fehlgeburten. Was mein Alter betrifft, nun alt bin ich auch nicht. Objektiv betrachtet gibt es wohl wirklich keinen Grund für mich zu jammern, aber dennoch ist da dieser Kloß in meinem Hals. Tag für Tag. Es tut einfach weh wenn ich Mütter mit ihren spielenden, weinenden oder bockigen Kindern sehe.
Wie kann ich dieses verdammte Selbstmitleid loswerden? Ich mache die Trauer ja nun schon nur noch mit mir selber aus um andere nicht zu nerven, aber manchmal habe ich das Gefühl, dass mir die Kraft fehlt.
Klingt alles dramatisch, wie? Also, was hilft?

Lg Twixx


  Re: Selbstmitleid ...oder was?
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   gelöschter User
schrieb am 22.02.2011 09:58
Hallo Twixx,

ich denke, dass deine momentane Gefühlslage sehr typisch ist. Mir ging es auch so am Anfang unserer Kinderwunschgeschichte.
Ich habe Stunden damit zugebracht, hier im Forum zu lesen, habe Zeitschriften und schlaue Bücher gewälzt. Es hat sich alles um den Kinderwunsch gedreht. Und natürlich verfällt man da leicht in Selbstmitleid. Aber irgendwann habe ich mich besonnen und mein Leben analysiert. Dabei fand ich heraus, dass ich auch ohne Kind wertvoll bin. Und ich habe mir die positiven Seiten unserer Beziehung aufgezeigt. Auch da musste ich feststellen, dass ich doch nicht so glücklos bin. Diese Bilanz hat mir geholfen, mein Leben neu zu betrachten und auch Kleinigkeiten zu würdigen. Natürlich ist der Kinderwunsch nach wie vor sehr dominant. Aber er bestimmt nicht mehr mein Leben.
Ich wünsche euch auf eurem Weg zum Wunschkind positive Momente und natürlich ganz viel Erfolg!
Liebe Grüße
Simone


  Re: Selbstmitleid ...oder was?
avatar    Jiri
schrieb am 22.02.2011 14:56
Hallo!

Ich kann dich schon verstehen. Es ist ganz natürlich, dass man sich auf das fixiert, was man nicht hat.
Auch wenn, wie bei dir, alles dafür spricht, sich keine Panik zu machen, ist es trotzdem schwierig "vernünftig" zu sein.
Von daher ist dein Verhalten sicher nicht untypisch. Wenn du aber so sehr unter der Situation leidest, macht es vielleicht doch Sinn, sich von außen Hilfe zu holen, um die Gefühle aufzuarbeiten. Es tut dir sicher nicht gut, deine Gefühle zu verdrängen und Außenstehende werden dir immer sagen, wird schon noch, du hast doch noch Zeit usw.
Stimmt ja auch, aber du siehst eben nur immer alles negativ. Ich würde auch weiterhin versuchen mit meinem Partner darüber zu reden. Geteilte Sorgen sind immer leichter zu tragen und wenn er dich liebt, wird er auch Verständnis haben.
Ich finde es wichtig, zu versuchen (ist zugegebenermaßen nicht leicht), den Sinn deines Lebens nicht nur auf Kinder zu fixieren. Denn natürlich ist auch ein Leben ohne Kinder lebenswert und sinnvoll. Eine Garantie für ein Kind wird es auch nie geben. Das muss man im Vorfeld einfach akzeptieren. Auch einem Kind würde man eine viel zu hohe Last aufbürden, wenn man sich selber nur durch es definiert und es zum alleinigen Lebensinhalt macht.
Also auch im Interesse deiner zukünftigen Kinder: Plege deine Hobbys und Interesse bzw. suche dir neue, genieße deine Partnerschaft (kann man ohne Kinder ja noch viel besser), verbringe viel Zeit mit guten Freunden und gehe mit Spaß deinem Beruf nach.
LG


  Re: Selbstmitleid ...oder was?
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   Kirsche73
schrieb am 22.02.2011 19:59
Liebe Twixx,

es gibt Ängste, die sind so existentiell, daß man sie alleine nicht bewältigen kann. Wenn du an nichts anderes mehr denken kannst und nichts Positives mehr wahrnimmst, solltest du dir lieber professionelle Hilfe suchen. Es ist überhaupt keine Schande, sich einen Psychotherapeuten zu suchen oder sonstige Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ansonsten holft bei mir immer: Ich stelle mir den "worst case" vor. Also: Was wäre, wenn das Allerschlimmste passiert? In unserem (und deinem) Fall: Was wäre, wenn ich niemals ein Kind bekommen hätte? Ich habe das damals wirklich visualisiert, mich der Trauer und Wut gestellt und mir dann vorgestellt, wie wir unser Leben stattdessen führen würden. Das war nicht leicht aber ich habe angefangen, wieder Pläne zu machen.
Nun haben wir ein Kind und hätten gerne ein zweites. Leider klappt das nicht wie geplant und natürlich geht es mir nach jedem negativen Versuch schlecht. Trotzdem stelle ich mir immer wieder vor, was wäre wenn... es NICHT klappt. Also buche ich Urlaub, Fortbildungen etc. Absagen kann ich immer noch, falls ich schwanger werde.
Wichtig natürlich der absolute Rückhalt durch den Partner. Kannst du dir ein Leben nur mit ihm ohne Kinder vorstellen? Egal, wie weh es tut? Wenn du die Frage mit ja beantworten kannst, hast du schon mal einen Joker im Ärmel.
Ich wünsche dir, daß sich deine Sorgen in Nichts auflösen und ihr irgendwann eine Familie sein werdet. Bis dahin tu etwas für dich ganz allein, damit du dich wichtig und wertvoll fühlst, ganz ohne Kinder!
Kirsche


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  Re: Selbstmitleid ...oder was?
avatar    elfeline
schrieb am 24.02.2011 02:53
Hallo,
es ist total nachvollziehbar, wie Du Dich fühlst. Menschen, auch Partner, gehen mit der Situation sehr unterschiedlich um, nicht nur aufgrund der Wertigkeit des Kinderwunsches, sondern auch, weil die Frau letztlich auch körperlich deutlicher mit dem Nichtschwangersein konfrontiert ist. Die Geschlechtsverteilung in diesem Forum ist das beste Beispiel. Wie Kirsche schon schrieb, kann der Gang zu einem professionellen Helfer sehr sinnvoll sein. Aber da das manchmal etwas dauert, solltest Du zunächst auf das zurückgreifen, was Dir bisher in solchen Situationen weitergeholfen hat. Du hast von Ablenkungen geschrieben. So würde ich das gar nicht nennen. Nimm diese Dinge wichtig, die machen Dich auch aus. Und schaff Dir neue Projekte und Ziele. Das schafft Positives und hilft, den Fokus auch wieder auf anderes als das erhoffte Kind zu richten.
Und noch etwas: Auch Selbstmitleid darf sein. Manchmal muß man es zulassen, damit es weniger werden kann. Ich meine damit nicht, dass Du darin versinken sollst. Vielleicht hilft es Dir aber, Dir jeden Tag 30 Minuten oder ähnliches damit zu gestatten, also die Zeit zu bergenzen. Diese Zeit nutze. Schreib die Gedanken auf, male etc.. Und überleg Dir, welche Beschäftigung dann folgt, das ist wichtig. Manchmal darf man gegen seine Trauer nicht nur ankämpfen, sondern muß sie auch annehmen. Du bestehst aber eben nicht nur aus Kinderwunsch, das ist ebenso anzuerkennen.
Ich wünsche Dir alle Gute und letztlich viel Erfolg,
elfeline

  Signatur  



"Polyzysten" (PCO) legen sich mit blinden, tauben und faulen Schwimmern an -eine unendliche Geschichte???

1. ICSI Sept. / Okt. 2008 negativ
2. ICSI Mai / Juni 2009 negativ



Wohin Dich Dein Herz ruft, da liegt auch Deine Aufgabe.
Irina Rautmann



  Re: Selbstmitleid ...oder was?
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   Twixx
schrieb am 26.02.2011 07:20
Guten Morgen!

Vielen Dank für Eure Antworten.


  Re: Selbstmitleid ...oder was?
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   Mariesan88
schrieb am 26.02.2011 14:58
Ich kann das gut nachvollziehen. Es ist ja nicht so, dass es nicht noch klappen könnte. Aber du bist als Frau praktisch "in Frage gestellt". Schließlich gehört es dazu, ein Kind bekommen zu können. Das ist existenziell. Auch ich konnte lange Zeit keine anderen glücklichen Mütter oder Frau mit Babybauch sehen ohne mehr als neidisch zu werden. Warum ich? habe ich mich immer gefragt. Er mit der Zeit habe ich eine Einstellung gefunden. Ich finde es normal, dass du solche Gedanken hast. Es dreht sich halt alles um diesen einen Gedanken. Hast du die "evtl. Lösungen" gedanklich durchgespielt? Wozu tendierst du? Was lehnst du ab? Wie klar bist du dir über deinen Weg?
Wenn es gar zu schlimm wird, empfehle ich auch eine Therapie.




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