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  Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
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   ratlose Tochter
schrieb am 04.01.2007 21:00
Ihr Lieben,

heute möchte ich meiner Ratlosigkeit mal Luft verschaffen und euch um eure Meinung bitten.
Ich bin 31 Jahre alt, seit 1,5 Jahren verheiratet, Einzelkind, mit 18 Jahren „flügge“ geworden. All die Jahre hatte ich ein sehr gutes Verhältnis zu meinen Eltern, mit kleinen Reibereien hier und da, die aber nie dauerhaft zum Zwist führten. Meine Eltern waren immer eher über-beschützend, aber da ich ziemlich dickköpfig und selbständig bin, hab ich mich da immer gut freigeboxt. Allerdings fiel es mir lange nicht auf, dass mich die überbeschützende Art meiner Eltern auch einengte.

Dann zog ich mit meinem Jetzt-Mann zusammen. Dann kriselte es – meine Eltern unterstützten mich aus der Ferne ungefragt mit viel Geld und ständiger Sorge um mein Wohl. Als es mir bzw. uns wieder besser miteinander ging, heirateten wir. Die Hochzeitsplanung machten wir komplett selbst. Meine Mama war am Tag unserer Hochzeit die einzige die ständig was zu bemäkeln hatte. In einer ruhigen Minute sprach ich sie Monate später mal darauf an. Sie schob es auf seelische Erschöpfung und entschuldigte sich.

Nun haben wir in diesem Jahr aktiv mit unserer Kinderwunsch“Karriere“ begonnen. Wir haben unsere Familien telefonisch daran teilhaben lassen. Beim 2. Versuch war es positiv, endete aber im Sommer recht dramatisch in der 10. SSW. Meine Mutter – die selbst keine Elternliebe erfahren durfte – wollte sofort zu uns kommen und mich im Krankenhaus besuchen. Zum 1. Mal ist es mir gelungen, frei meine Meinung zu sagen, nämlich dass mir ihr Besuch zu viel wäre. Dass dies eine Krise ist, die meinen Mann und mich am meisten anginge und wir das zusammen durchstehen wollen. Wenn sie da wäre, wäre kein Raum mehr für meinen Mann, der ja auch meine Hand halten will, das aber nun mal stiller tut. Und er bräuchte auch seinen Freiraum für seine Gefühle und Trauer, deshalb könne sie nicht für mehrere Tage bei uns wohnen. Es tat mir gut, das zu sagen! Es tat auch meiner Ehe gut, die Trauer ganz allein zu zweit zu meistern.
Im September wurde ich erneut schwanger, es endete aber schon in der 6. SSW. Dieses Mal ist es meinem Mann und mir nicht so gut gelungen, das Gefühlschaos gemeinsam zu ordnen. Ich war auch nicht lang krankgeschrieben und fühlte mich dementsprechend gehetzt und müde. Ich habe versucht, telefonisch Hilfe von meinen Eltern zu bekommen, aber sie konnten mir nicht die Ruhe und den Trost vermitteln, den ich erhofft hatte.

Ich habe meine Eltern also dieses Jahr wenig gesehen, aber das fiel mir nicht auf, denn wir waren so mit uns selbst beschäftigt. Und mit meinen Eltern telefonierte ich ja oft genug, um zu wissen was es Neues gab. Dann im Oktober rief meine Muter an und fragte „O-Ton“: „Soll ich nicht mal wieder vorbeikommen?“ Da ich sie nun schon so lang nicht mehr gesehen hatte, stimmte ich zu und buchte ihr für die Feiertage um den Reformationstag 30. Oktober einen Flug für 3,5 Tage bei uns. Ich habe nicht NUR freudestrahlend den Tagen entgegen gesehen, denn Zeit mit ihr heißt immer, eigene Interessen zurückzustecken. Und ich hätte gern auch mal ein langes Wochenende mit meinem Mann gehabt – der letzte lange Urlaub war im Juli gewesen. Nichtdestotrotz kann ich reinen Gewissens sagen, ich hab mich auf sie gefreut und hatte keinerlei Widerwillen gegen ihren Besuch.

Nun kam sie Sonntag an und war schnell angespannt-komisch. Sie schnüffelte an allem herum, was offen herumstand. Sogar meine KiWu-Befunde holte sie ungefragt aus den Umschlägen und las sie. Wir haben ja nichts zu verbergen, sonst hätte ich die Sachen ja weggepackt, aber ich hab nicht erwartet, dass sie an alles und jedes so neugierig rangeht. Was geht sie das Spermiogramm meines Mannes an!!! Da hab ich sie schon recht grob zurechtgewiesen. Dann warf sie in der Küche was in den Müll und kontrollierte, was bei uns im Mülleimer liegt. Ob wir auch recyceln. Wir haben einen Schwingdeckel, deshalb war der Blick in den Eimer eher zufälig, aber das hat mich dann nur noch mehr aufgeregt. Dann gingen wir abends essen und sie wollte allen Ernstes meine Chlamydien-Befunde diskutieren. Im Restaurant!!! Da war die Stimmung natürlich auch im Eimer. Am nächsten Tag fuhren wir ins Elsass. Da wollte sie eigentlich schon immer mal hin, aber plötzlich kam sie immer mit anderen Städten, die sie sehen wollte. Ich habe mich durchgesetzt und wollte mit ihr auch dort übernachten. Dann nach 3 Stunden Bummeln durch die Stadt mit sehr zähen Gesprächen und komplett fehlender Intimität sagte sie plötzlich, sie hätte genug und wolle heim. Ich wurde böse. Aus Ungeduld und Panik, am nächsten Tag genauso stumm und gesprächslos, aber ohne all die neuen Dinge zum Begucken in unserer viel kleineren Stadt mit ihr dazustehen. Ich redete redete redete und sagte lauter Dinge, die ich gar nicht sagen wollte "„Ich weiß nicht was los ist, warum das plötzlich so komisch ist mit uns. Es gibt nichts was mich an dir stört. Ich finde manchmal eure Entscheidungen komisch. Ihr arbeitet immer nur und kommt nie zur Ruhe und dann klagt ihr über all die Arbeit.“ Oder irgend solchen Blödsinn hab ich gesagt. Sie saß da wie eine Sphinx und lächelte nur. Irgedwie war es dann ein paar Stunden wieder gut. Wir fanden ein Hotel. Am nächsten Tag nach dem Frühstück schauten wir uns den Rest der Stadt an. Anstatt irgendwo wo es schön war zu verweilen, ging sie in immer häßlichere Ecken der Stadt und fing dann wieder an, sie wolle heim Und vielleicht könnte man ihren Rückflug ja umbuchen. Ich war wie vor den Kopf geschlagen, versuchte aber nicht mehr sie umzustimmen. Zuhause hatte mein Mann eine Suppe für uns vorbereitet, die zwang sie geradezu in sich hinein. Sie ließ den Rückflug verfallen und nahm den Zug, wollte nicht mal von uns ihren Koffer zum Bahnhof getragen bekommen. Lächelte immer nur rätselhaft wie eine Diva. Einmal sagte sie noch sowas wie „Ich fühle mich fehl am Platz. Ihr braucht die Zeit für euch.“
Mein Mann und ich fanden ihren Abgang beide gleich merkwürdig unpassend und unfair. Sie gab uns das Gefühl, etwas an uns sei ihr nicht Recht, wollte uns aber nicht sagen was es war.

Dann hörte ich über 2 Wochen nichts von ihr. Mein Vater konnte uns auch nicht sagen was los sei. Wir seien ja beide so stur, sagte er bloss. Hallo, ich weiß ja nicht einmal, was los ist?! ES GIBT NICHTS KONKRETES WORÜBER WIR GESTRITTEN HABEN! Das schrieb ich ihr auch in einem kurzen Brief nach 2 Wochen. Dass ich diese Sprachlosigkeit nicht will, aber überhaupt ich weiß was eigentlich los ist.
Nach über 4 Wochen spielte sie uns ein Lied aus meiner Kindheit auf den AB. Nach 5 Wochen kam ein kurzer Brief, in dem sie wieder leugnete, das irgendwas sei und ihr Verhalten auf komplette körperliche Erschöpfung schob.
Am 3. Advent fing sie am Telefon an, dass wir ja jedes Jahr auf ein bestimmtes Konzert am Jahresende gehen. Und sie hätte 4 Karten. Ob wir denn kommen würden. Ich sagte geradeheraus, dass wir schon mit einem befreundeten Paar in der Zeit verabredet sind. Sie meinte, man könne ja noch 2 Karten besorgen. Ich klärte ob unsere Freunde daran interessiert wären und wir fuhren also zu 4. in meine Heimatstadt zu meinen Eltern.

Es kam auch nur eine kleine Spitze, dass sie mein Weihnachtsgeschenk – 2 Teelichter aus einer Keramik die ich gern mag – schon benutzt hätte, weil wir ohnehin nicht zu Weihnachten da gewesen wären. Ich verkniff mir den Satz, dass wir bis vor 10 Tagen ja gar nicht miteinander gesprochen hätten, woher hätten wir wissen sollen, dass wir willkommen sind!!! In der Gegenwart unserer Freunden war das Verhältnis für Außenstehende normal nett bis herzlich, aber für mich wirkte es freundlich-unterkühlt. Mir schien alle seien froh, über nichts Ernstes reden zu müssen.

Nun mein Dilemma. Es macht mich verrückt, dass in einer Familie, wo bis vor kurzem Klarheit herrschte nun plötzlich so unausgesprochene Dinge vor sich hingären. Mein Papa leidet darunter und ich will es eigentlich nicht so haben. Ich weiß, meine Mama fühlt sich abgelehnt, weil mein Papa es mir gesagt hat.
Ich vermute mal, es begann alles mit meiner Zurückweisung ihres Krankenbesuches zu tun. Aber dazu stehe ich nun mal. I

Ich habe das Gefühl ich sei die Einzige die die Situation ändern kann. Ich wäre dazu auch bereit, aber ich weiß nicht wie!!! Ich bin absolut RATLOS.
Sie reden ja beide nicht darüber. Mein Papa meinte nur sie kann eben über „Solche Dinge“ nicht reden. Muss man sowas in Schutz nehmen? Dann kam noch: Ich sei ja auch Schuld weil ich genauso stur wie meine Mama sei. Wie hab ich denn Schuld auf mich geladen? Ich hab sie vielleicht verletzt mit meiner Barschheit, aber sowas muss man ja nicht unerwidert lassen. Man kann auch zurückbellen – konnte sie früher SEHR gut. Ich hab mich geöffnet und den Mund aufgemacht. Habe ihr die Hand gereicht, und ihr gezeigt, wie verwirrt ich war. Hab auf sie eingeredet, ich hab auf ihn eingeredet, ich habe Adventsgrüße geschrieben als sei alles wie jedes Jahr, ich habe mich in einem Brief an sie erklärt...
Je länger dieser nicht in Worte zu fassende Konflikt gärt, desto mehr interpretiere ich in jedes Wort und in jedes Schweigen hinein. Es wäre besser, wenn es ein Ende hätte.
Aber wenn ich zu Kreuze kriechen soll, möchte ich doch wenigstens wissen, was ich ihrer Meinung nach getan hab. Eine befreundete Psychologin meinte, ich müsse ihr auch die Möglichkeit geben, Dinge zu ändern, indem ich ihr den Raum und Zeit lasse. Das hört sich so nach Lehrbuch an - was meint ihr dazu? Ich glaube nicht, dass sie über irgendwas nachdenkt, außer an Selbstmitleid. Warum sonst komt imer wieder der Hinweis auf die Erschöpfung?!

Ach Mist, ich weiß einfach nicht was ich machen soll. Mein Mann meint, so tun als sei nichts. Aber es geht mir nicht gut damit. Aber mit der Lüge „Ich bitte um Verzeihung und dann ist wieder alles gut“ ginge es mir auch nicht gut, denn ohne zu verstehen was eigentlich los ist, kann ich sowas nicht aus meinem Kopf streichen.

Danke für eure Mühe diesen Roman zu lesen.

eine
Ratlose Tochter


  Wirst Du wohl nicht klären können...
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   Sarah_J
schrieb am 04.01.2007 23:33
... jedenfalls hab ich die Erfahrung gemacht. Unsere Situation war viele, viele Jahre lang ähnlich. Sie vermittelte mir immer das Gefühl, alles falsch zu machen, selbst lange Jahre nach der Geburt meiner Tochter war das noch so. Ich wollte mit ihr Zeit verbringen, aber es ging immer schief - ich konnte ihre unterschwelligen Zurechtweisungen nicht ertragen.

Irgendwann begriff ich, daß all unsere Probleme auf (den üblichen) Mißverständnissen beruhen: Ihre Bemerkungen beim gemeinsamen Kochen waren gar nicht auf / gegen mich gerichtet, sondern wohl eher unüberlegt. Mein größtes Problem - gefühlte ständige Bevormundung durch sie - löste sich auf, als ich wußte, daß meine Mutter zu der Zeit selbst ein viel, viel größeres Problem bewältigen mußte + unsere Gemeinsamkeit eher nebenbei absolvierte. Sie wußte später gar nicht mehr, was da alles vorgefallen war geschweige davon, wie es auf mich gewirkt hatte.

Wir haben deshalb nun kein sehr viel herzlicheres Verhältnis, aber ich habe gelernt, mit ihr umzugehen. Ich lege nichts auf die Goldwaage. Hinterfrage keine Reaktion mehr. Ich rufe sie ab + zu an, helfe wenn nötig, wir treffen uns, die Kinder lieben ihre Oma... Von ihr kommen immer mal wieder Worte, die mich verletzen. Wie schon gesagt, es gab eine Zeit, da hab ich deswegen geheult, irgendwann mit ihr darüber geredet, mir fiel's schwer, ich wollte wissen, warum sie so redet usw. Irgendwann merkte ich dann, daß sie gar nicht wußte, wie sehr sie mich verletzt.

Irgendwo da würde ich Euer Problem auch sehen. Vielleicht findest Du so einen Weg für Euch?

Alles Gute wünscht Sarah


  Re: Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
avatar    *Charly
Status:
schrieb am 05.01.2007 00:27
Hallo!

Ganz ehrlich? Ich habe mich beim Lesen gefragt, was Du erwartest? Du hast von Deinen Eltern sehr viel Umsorgen und Liebe erfahren. Sie haben Dich mit Geld versorgt - welches Du wohl auch angenommen hast - sie waren stets da. Und dann stößt Du sie vor den Kopf. Ich verstehe warum, und ich weiß, dass es nötig ist. Aber zum Abnabeln gehört auch, dass man aushält, wenn die Eltern mit Dir nicht zufrieden sind, wenn Meinungsverschiedenheiten entstehen und dass man eben Grenzen setzt.

Ihr hattet als Ehepaar eine schwierige Zeit. Du hast Deinen Eltern deutlch gemacht, dass Dein Mann für Dich als Bezugsperson wichtiger ist, als sie, dass sie eben an zweiter Stelle stehen.

Deine Mutter hat versucht, Nähe herzustellen. Persönlich finde ich es nicht schlimm, im Restaurant - oder wo immer - über Befunde zu reden. Ees war Dir per se nicht recht, dass sie daran Interesse hatte. Das wird sie gemerkt haben. Du sagst selber, dass Du halt Interessen zurück stecken mußt, wenn sie zu Besuch ist. Was erwartest Du dann, wie der Besuch verläuft?

Es ist Dein Recht, mit Deiner Mutter nicht über alles reden zu müssen. Es ist ihr recht, nicht mit Dir über alles reden zu müssen. SOlange, wie sie sagt, es sei alles in Ordnung, solltest Du das als gegeben hinnehmen. Vielleicht interessierst Du Dich mal wieder für ihre Bedürfnisse? Warum ist sie so erschöpft?

Gruß,
Charly


  Re: Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
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   Ella31
schrieb am 05.01.2007 10:10
Hallo ratlose Tochter,
ich habe Deinen ganzen Roman gelesen und bin über zwei Aussagen gestolpert...

Ich habe meine Eltern also dieses Jahr wenig gesehen, aber das fiel mir nicht auf, denn wir waren so mit uns selbst beschäftigt.
Und mit meinen Eltern telefonierte ich ja oft genug, um zu wissen was es Neues gab. Dann im Oktober rief meine Muter an und fragte
„O-Ton“: „Soll ich nicht mal wieder vorbeikommen?“ Da ich sie nun schon so lang nicht mehr gesehen hatte, stimmte ich zu und
buchte ihr für die Feiertage um den Reformationstag 30. Oktober einen Flug für 3,5 Tage bei uns. Ich habe nicht NUR
freudestrahlend den Tagen entgegen gesehen, denn Zeit mit ihr heißt immer, eigene Interessen zurückzustecken. Und ich hätte gern
auch mal ein langes Wochenende mit meinem Mann gehabt – der letzte lange Urlaub war im Juli gewesen. Nichtdestotrotz kann ich
reinen Gewissens sagen, ich hab mich auf sie gefreut und hatte keinerlei Widerwillen gegen ihren Besuch.


Das klingt etwas seltsam, Du hast Deine Eltern in dem Jahr kaum gesehen und siehst dem Besuch Deiner Mama für 3 Tage im Oktober zwiespältig entgegen, weil der letzte lange Urlaub mit Deinem Mann im Juli war und Du gerne ein langes Wochenende mit ihm gehabt hättest???? In meinen Ohren klingt das ehrlich gesagt nicht so, als hättest Du Dich wirklich auf Deine Mama gefreut....

Dann warf sie in der Küche was in den Müll und kontrollierte, was
bei uns im Mülleimer liegt. Ob wir auch recyceln. Wir haben einen Schwingdeckel, deshalb war der Blick in den Eimer eher zufälig,
aber das hat mich dann nur noch mehr aufgeregt.


Sorry, aber was ist denn da dabei? Das fragt meine Mama mich auch oft. Was hat denn das mit Kontrolle des Mülls zu tun? Sie wird ihn ja schon nicht durchwühlt haben. Ist es vielleicht nicht so, dass sie Dir an den Tagen einfach nichts recht machen konnte? Auch das mit den Befunden finde ich nicht schlimm und das Gespräch im Restaurant auch nicht... Du scheinst einfach komplett auf Alarmbereitschaft gewesen zu sein, das beweist Dein Ausbruch im Elsass...

Generell verstehe ich Dich, Du hast jetzt Deine eigene Familie und ihr habt Hartes durchgemacht und Du hast Dich abgenabelt. Aber wie Charly auch schon geschrieben hat, warum ist Deine Mama so erschöpft? Wie geht's Deinen Eltern? Du schreibst nur von Dir!

Vielleicht ist es mal an der Zeit, zu akzeptieren, dass sie nicht böse auf Dich ist. Sie hat Dir ein Kindheitslied auf den AB gespielt, Euch und Eure Freunde zu einem Neujahrskonzert eingeladen, Dir einen Brief geschrieben, dass alles ok ist.

Was möchtest Du noch?

Liebe Grüße,
Ella


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  Re: Wirst Du wohl nicht klären können...
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   ratlose Tocher
schrieb am 06.01.2007 01:17
Liebe Sarah,

vielen Dank für deine Rückmeldung. Ja, das ganze ist schon ein Ergebnis von Missverständnissen. Da diese nun so plötzlich innerhalb des letzten Jahres aufkamen, bin ich nur noch nicht bereit, es dabei zu belassen. Meinem Gefühl nach gibt es diesen dicken Knoten - wenn der platzt, wäre alles wieder gut! Ich kann über meine Gefühle reden, aber sie überhaupt nicht. Sie sitzt dann da und lächelt - und ich verlier dann völlig den Boden.
Ich kann gut damit leben, dass jeder von uns so seine EIenarten hat - ich muss ja nicht ihr Leben leben. Aber mir scheint, sie kann das (noch) nicht.

Gute Nacht,
die nun schon etwas schlauere Tochter


  Re: Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
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   ratlose Tochter
schrieb am 06.01.2007 01:36
Liebe Charly,

vielen Dank für's Kopfwaschen. Genau deshalb hab ich hier gepostet, denn sonst versauer ich in meinem Saft und schau nicht über den Tellerrand.

Du hast Recht, ich hab in meinem Leben immer alles bekommen was ich wollte - und auch was ich nicht wollte. Das ist nicht so toll wie es sich anhört. Ich dachte einfach, der Abnabelungsprozess sei vorüber, aber wahrscheinlich gibt es da noch Level II wenn man einen eigenen Partner und Familie hat.

Die Diskussion unserer Befunde, nächsten Schritte etc. ist kein Problem für mich. Das Problem war die Situation: Dass sie in unserer Wohnung jedes Blatt Papier auf dem Schreibtisch, jede Rechnung, jeden Brief aufgemacht hat und unerlaubt gelesen hat. Sowas ist meiner Meinung nicht normal. Mein Mann stand sprachlos daneben und meinte, sie solle besser warten, bis ich da bin und mich fragen. Da hat sie aber auch nicht aufgehört. Sie hat zu dem Chlamydienverdacht früher mal gesagt "Hast du etwa nicht aufgepasst." Bei der Einstellung von ihr ist das für mich ein rotes Tuch - was meint ihr wie ich mich jeden Tag auf Neue verfluche, warum ich von der Entzündung nichts gemerkt hab, wann ich sie gehabt haben könnte etc. Und dann so eine blöde Bemerkung von der eigenen Mutter. Und somit fand ich meine Genitalentzündungen der Vergangenheit auch kein angemessenes Thema für ein Abendessen.

Den Punkt, ob ich auch mal auf ihre Bedürfnisse höre, nehme ich nicht an. Ich habe mir für sie frei genommen, mir ein schönes Ausflugsziel gesucht, wo sie ihrer Lieblingsbeschäftigung Shoppen ausgiebig fröhnen kann.
Ihre langfristige Erschöpfung ist ein Gemisch aus harter Arbeit, temporären finanziellen Sorgen (Sie ist selbständig), falschen Entscheidungen wenns um ihre emotionale Ausgeglichenheit geht, negativer Lebenseinstelung und Perfektionismus. Ich habe mir lange Zeit Gedanken darüber gemacht und auch angesprochen, aber ich kann ihr ihr Leben nun mal nicht abnehmen. Ich kann ihr ihre Arbeit nicht abnehmen und ich kann auch nicht ihre Einstelung zur Welt an sich verbessern.

Ich werd weiter drüber nachdenken und hoffentlih bald wieder etwas mehr Dankbarkeit empfinden. Danke und liebe Grüße

die Tochter


  Re: Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
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   ratlose Tochter
schrieb am 06.01.2007 02:07
Liebe Ella,

klar schreibe ich nur von mir. Meine Mama redet ja nicht mit mir darüber wie es ihr geht, woher soll ich da wissen, was sie zu diesem Thema denkt. Ich glaube, sie hat erwartet, dass wir ihre Erschöpfung wegzaubern können oder sowas. Sie hat ja nicht gefragt, ob es passt, dass sie kommt. Sonst wäre sie schnell auf die Idee gekommen, dass der Zeitpunkt nicht tol war. 3 Wochen nach der Ausschabung mit einem eher verstockten Mann, der grad wieder auftaute. Die Frage "Soll ich nicht mal wieder kommen." impliziert ja, dass sie gern gefragt werden möchte, ob sie uns nicht besuchen mag. Ich kann da doch nicht jedes Mal Nein drauf antworten. Das wäre ja nun absolut egoistisch.

Das ist eine gute Frage: Was will ich eigentlich?
Ich will das Gefühl loswerden, dass da irgendetwas unausgesprochenes vor sich hingärt. Das merkt man meinen Eltern und mir an und auch mein Mann, der sonst nicht so zimperlich ist, teilt das Gefühl. Wir waren mal eine Familie, wo alles gesagt werden konnte. Im Zweifelsfall flogen 2 Stunden lang die Fetzen, aber dann war es auch gut. Plötzlich geht das nicht mehr, weil sie den Mund nicht mehr aufmacht, sondern nur noch seltsam entrückt lächelt wie eine Hollywood-Diva. Und das macht mich dann wütend, weil ich mir ja auch die Mühe mache, mich zu artikulieren! Ohne Kommunikation gehts doch nun mal nicht. Sie kann mir Undankbarkeit vorwerfen oder einen unmöglichen Umgangston oder was auch immer, aber da kommt nichts. Stattdessen wendet sie sich ab und läuft weg.
Da so ein Schweigen nun schon bei 2 anderen Familienmitgliedern passiert ist, wo ich immer der Meinung war, die andern haben Schuld, war ich entsprechend verblüfft, als die Situation nun bei mir genauso entstand.

Das mit dem Müll muss man im Kontext sehen. Da hatte sie schon in jede Tüte und in jeden Briefumschlag geguckt. Im Müll lagen peinlicherweise Kondome rum und ich wollte eigentlich nicht dass sie die sieht. Ich will auch nicht ununterbrochen ungefragte Ratschläge von ihr von ihr haben, weil sie mich und ihre gesamte Umwelt damit bevormundet. Es ist so schade, denn sie reißt sich wirklich ein Bein aus, aber da mit jeder lieben Geste versteckte Kritik in Form eines Ratschlags kommt, hat alles einen bitteren Beigeschmack und man kann sich nicht drüber freuen. Für sie ist das wahrscheinlich Fürsorglichkeit, die ich verschmähe. Für mich ist das Übergriffigkeit und fehlender Respekt.

Ich habe Ende Mai 06 in meiner Frühschwangerschaft 4 Tage an der See mit beiden Eltern verbracht und es ging uns nicht gut miteinander. Daher dachte ich mir insgeheim, dass die Zeit etwas lang werden könnte, da sie sich eigentlich nur für Shoppen interessiert. Aber ich hab mich auch auf sie gefreut. Bei 700 km Entfernung find ich 4 x im Jahr Sehen eigentlich OK. Die Eltern meines Mannes haben uns sogar nur 2 x zu Gesicht bekomen in 2006. Aber klar, sie kann uns auch vorwerfen, dass wir ständig in der Weltgeschichte rumjuchteln und alle besuchen, nur sie nicht. Damit muss ich dann wohl leben, wie Sarah schreibt.

Ich weiß ja, dass ich es verdammt gut mit meinem Elternhaus erwischt hab. Aber das heißt doch nicht, dass ich es Zeit meines Lebens jedem Recht machen muss und immerzu dankbar sein muss für alles was ich ungefragt bekomme? Dass ich Schuldgefühle haben muss, weil ich nicht so fleißig arbeite wie sie?

Nachdenkliche Nachtgrüße (und jetzt kann ich hoffentlich einschlafen zwinker)
die Tochter


  Re: Schweigen zw meiner Mutter und mir (Laaang)
no avatar
   Ella31
schrieb am 06.01.2007 10:19
Hallo,

ich bin der Meinung, manchmal ist es besser, es einfach zu sagen, wenn einem ein Besuch nicht passt, denn wenn man widerwillig zustimmt, kann es kein Erfolg werden. Ich spreche da aus Erfahrung... Bei mir ist es eher andersrum, denn meine Mama würde nie auf die Idee kommen, selbst ihren Besuch vorzuschlagen (was ich oft bedauere), sie erwartet einfach, dass ich bzw. wir kommen. Und wenn ich dann sage, aus dem und dem Grund kann ich jetzt einfach eine Weile nicht vorbeikommen, habe ich auch nicht immer das Gefühl, dass sie das versteht. Und oft habe ich mich dann trotzdem aufgerafft und bin gefahren (bei uns sind es 250km) und diese Male waren natürlich auch nicht so schön, weil ich dann einfach mit den Gedanken ganz woanders war. Und so entstehen unschöne Situationen, weil man einfach gereizt ist o.ä. Und gerade wenn es drei Wochen nach der Ausschabung war (den Zeitraum habe ich in Deinem ersten Posting nicht mitbekommen) war es wirklich nicht so gut - wenn es Dir nicht recht war. Deine Mama wollte Dir glaube ich einfach auf ihre Art zur Seite stehen - trotzdem natürlich kein Grund zuzustimmen, wenn man es nicht möchte.

Das mit dem Schweigen - ich kann es nur mit meinen Erfahrungen bewerten - sehe ich nicht so dramatisch, denn sie hat Dir viele liebe Signale gegeben, dass alles ok ist. Und das mit dem Offenaussprechen, was einen stört - das ist toll, aber manchmal sagt man dann Sachen, die nie wieder aus der Welt zu bringen sind. Du bist im Moment sehr sensibel, stell dir mal vor, sie würde vom Leder ziehen und alles auf den Tisch bringen, was sie jemals an Dir gestört hat.... ach und da findet man doch immer was (ich habe zB 2 Schwestern mit denen so ein Gespräch mehrere Tage dauern könnte labern). Ich glaube dass sie Dich im Moment einfach nicht weiter belasten will und Dir aber signalisiert, dass grundsätzlich alles ok ist.

Du solltest dankbar sein für die schöne umsorgte Kindheit, jetzt Dein eigenes Leben leben und Deine eigenen Entscheidungen treffen und dazu stehen, die nötige Distanz schaffen (Du scheinst sie im Moment zu brauchen) und trotzdem Deinen Eltern signalisieren, dass Du sie liebst. Hört sich einfach an, wenn man es schreibt, gelle?

Mein Vater ist letztes Jahr verstorben und ich konnte ihm so vieles nicht mehr sagen, was ich gerne noch getan hätte. Erst nach seinem Tod ist mir klar geworden, daß wir ZUVIEL Distanz aufgebaut hatten, es war zwischen uns immer sehr schwierig, Gefühle zu zeigen oder zu äußern.

Ich drück Dir die Daumen, daß Du und Deine Mama wieder zueinanderfindet. Denn grundsätzlich hört es sich für mich so an, als hättet ihr ein gutes Verhältnis, das nur im Moment etwas stockt.

Alles Gute,
Ella




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