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  Liebe Blüte, dann frag ich jetzt mal was, was ich schon immer fragen wollte:
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  Pandabär
schrieb am 30.11.2005 20:05
Ich habe jetzt zwar nicht die "passende Stimmung" um das zu fragen, weil es mir gerade viel zu gut dafür geht, aber es scheint ja der passende Moment zu sein.
Also, ich leg mal los.

Warum tut der unerfüllte KIWU eigentlich soooo weh?

Halte mich nicht für doof, bitte bitte, ich frage mich das wirklich.

Mir hat niemand etwas weggenommen, was ich besessen habe.
Ich trauere keiner "guten alten Zeit" nach.
Ich weiß nicht aus eigener Erfahrung, was ich verpasse, und ob mein Leben ohne Kind nicht "schöner" ist.

Ich hoffe Du verstehst, was ich meine, ich frage mich andauernd:
"WARUM TUT DAS SO WEH?"
Warum bleibt mir manchmal die Luft weg?


Das Leben seit dem KIWU ist bei mir zeitweise so mit Schmerz, Leid, und vielen anderen negativen und sogar bösen Gefühlen erfüllt.
Früher wurde mir Sonnenschein hinterhergerufen, war jemand schlecht drauf, ist er zur Biene gegangen und schwupps, haben wir gelacht und alles war gut. Heute ist mir vieles einfach nur noch eine Last.
Warum macht der KIWU das mit mir? Wenn ich es doch schon bemerkt habe, dann könnte ich es doch ändern, oder?
Warum?
Wenn ich wüßte, warum das so ist, könnte ich vielleicht daran arbeiten.

Ja, das ist meine Frage. Hoffentlich kannst Du mir antworten.

Viele liebe Grüße,



Beitrag geändert am : (Mi, 30.11.05 20:13)


  Re: Liebe Blüte, dann frag ich jetzt mal was, was ich schon immer fragen wollte:
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  Tigerin
Status:
schrieb am 30.11.2005 21:43
oh ja, das ist eine ganz geniale Frage. Bitte, bitte, kluge Blüte, weißt Du eine Antwort ?

LG

Tigerin
(die zwar ständig müde ist und unter Morgen-ist-dir-wieder-Übelkeit leidet, aber irgendwie immer noch nicht fassen kann, dass sie einen positiven Test hatte...)




  Re: Liebe Blüte, dann frag ich jetzt mal was, was ich schon immer fragen wollte:
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  Fergy
schrieb am 01.12.2005 10:01
Ich kann dir mal meine Gedanken schreiben:

- weil frau schon immer Mutter werden wollte
- weil uns die Natur das in die Gene gelegt hat
- weil wir uns sonst als Versagerinnen fühlen
- weil es bei anderen so schön ist
- weil wir unseren Eltern Enkel schenken möchten
- weil es von uns erwartet wird
- weil wir Angst vor der Zukunft haben (was bleibt da noch?)
- weil jeder "Dummi" Kinder machen kann (ich sag nur Mittagstalkshows)
-weil wir unendlich viel Liebe zu verschenken haben




  Versuch einer Annäherung
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  Blüte
schrieb am 01.12.2005 10:25
Liebe Biene,

tja, das ist die Frage aller Fragen bei uns im Forum... Ich will mich mal an einer Annäherung versuchen.

Warum tut der unerfüllte Kinderwunsch so weh?

Auch wenn ein kinderloses Paar nie ein Kind hatte und ihm deshalb nichts "weggenommen" wurde, so ist es doch genau dieser Umstand der so sehr schmerzt. Man kann auch etwas vermissen, was man nie hatte, doch das geht. Warum eigentlich?

Einmal gibt es sicherlich ganz "profane" biologische Ursachen. Der Mensch, vor allem die Frau in einem bestimmten Alter, wird durch ihre Hormone, ihren Körper darauf "hingewiesen", dass es Zeit für Kinder ist. Die Menschheit würde sonst aussterben, wenn niemand das Verlangen hätte, Kinder aufzuziehen und zu lieben.

Außerdem trägt unsere Erziehung und Sozialisation dazu bei. Wir spielen mit Puppen, wir bekommen eine ganz bestimmte Frauenrolle vorgelebt und niemand, oder doch zumindest kaum jemand, weist darauf hin, dass es NICHT selbstverständlich ist Kinder zu bekommen. Zurecht wird vor ungewollten Schwangerschaften im Jugendalter gewarnt, es wird über Verhütung aufgeklärt, aber dass es mit Kindern NICHT klappen könnte, darüber spricht niemand.
Viele Frauen richten ihre gesamte Lebensplanung auf Kinder aus, manche entscheiden sich bewußt für eine Lehre und gegen ein Studium, weil sie ja Kinder wollen.

Schließlich ergibt sich der Kinderwunsch (zumeist) aus einer glücklichen Beziehung. Ein Paar liebt sich, möchte diese Liebe an Kinder weitergeben, jetzt passt alles, es fehlt "nur" noch ein Kind.

Umso größer ist der Schock, wenn das Kind dann nicht kommt. Doch liebe Biene, man hat dir etwas weg genommen, einen Traum, eine "Realität", die dein Leben begleitet hat. Je nach Lebensphase mal mehr oder weniger intensiv, so wirst du mit 18 Jahren wahrscheinlich nicht "aktiv" am Kinderwunsch "gearbeitet" haben, aber deine Zukunft war mit Kind geplant.

Dann die ganzen Behandlungen, die du auf dich nimmst. Die körperlichen, die seelischen und die finanziellen Belastungen, die Hoffnungen und die Enttäuschungen, mit jedem gescheiterten Versuch die Angst, womöglich für immer kinderlos zu bleiben. Das zerrt an den Nerven.
Und dann die Umgebung, die einem immer wieder "beweist", wie scheinbar mühelos "jeder" Kinder bekommt und den Traum lebt, der eigentlich selbstverständlich sein sollte, für euch aber nicht selbstverständlich ist.

Und du fragst dich, warum das so weh tut?

DESHALB würde ich sagen und aus vielen tausend anderen Gründen, z.B. auch weil Träume immer schön sind und sich nicht in der Realität bewähren müssen. Damit will ich nicht sagen, dass ein Leben mit Kind nicht schön ist (wie könnte ich das auch, ohne Kinder), aber selbst wenn man theoretisch um die durchwachten Nächte weiß, um die Sorgen um kranke Kinder usw., so "stört" das die Sehnsucht nach einem eigenen Kind nicht.

Was kann man tun?

Meiner Ansicht nach kann man wenig tun und doch ist es recht viel.

Geduld haben mit sich selbst, sich Wut und Traurigkeit zugestehen, aber auch im Jetzt leben, die glücklichen Momente, die das Leben immer bietet, genießen.
Die anderen "Selbstverständlichkeiten", Gesundheit (wir sehen, hören, laufen, reden, bewegen uns....), der Mensch, der uns liebt, die Freunde, wertschätzen, sich bewußt machen, den Blick auch von dem unerfüllten Kiwu auf andere Dinge lenken.
Neue Lebensperspektiven entwicklen, sich einrichten. Das kann der Abschied vom Wunsch nach einem leiblichen Kind sein, der irgendwann zu einem Pflege- oder Adoptivkind führt, das kann eine berufliche Neuorientierung sein usw.

Wir haben nur dieses eine Leben und ich bin der Ansicht, dass wir das so schön und so sinnvoll wie möglich gestalten sollten. Dazu gehört manchmal auch, eine Situation anzunehmen, die wir so nicht gewollt haben, aber was bleibt uns denn übrig?
Ich denke übrigens, dass der Schmerz nie ganz aufhören wird, falls wir tatsächlich kinderlos bleiben und sei es, dass wir mitbekommen, dass unsere Freunde Großeltern werden, was uns dann für immer verwehrt blieben wird. Aber wir können und müssen lernen, damit zu leben.

Viele liebe Grüße,

Blüte


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  Re: Versuch einer Annäherung
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  Cendrine
schrieb am 01.12.2005 11:28
Das war eine sehr schöne Annäherung, Blüte!!
Ganz lieben Dank! Bussi

Cendrine




  Re: Liebe Blüte, dann frag ich jetzt mal was, was ich schon immer fragen wollte:
avatar  Lina+3
Status:
schrieb am 01.12.2005 15:55
Bei mir war neulich meine beste Freundin zu Besuch. Wir waren zusammen in der Schule, heute lebt sie in Berlin, wir haben aber noch viel Kontakt. Sie ist ziemlich frustriert, denn sie ist jetzt auch 44 und hat nichts von all dem, was man irgendwann als selbstverständlich ansieht: Keinen Mann, kein Kind, im Moment keinen Job und zu diesem zeitpunkt gerade eine schwere OP hinter sich, an deren Nachwirkungen sie noch litt. Und sie sagte zu mir: "Ich dachte immer, das ergibt sich von selbst mit Mann und Kind."

Ich glaube, das ist es. Man sieht es als selbstverständlich, als normal an, dass man den Mann findet und Kinder bekommt. Da arbeitet man nicht groß drauf hin - das ergibt sich von selbst.

Aber leider nicht immer. Da findet man den richtigen Mann und es ergibt sich gar nichts mit Kindern. Das, was bei anderen ganz selbstverständlich passiert, ereignet sich einfach nicht. Wo die anderne sagen: Wir haben eben gesagt, wir wollen jetzt ein Kind und da war ich schon schwanger - bei einem selbst klappt es nicht. Und das tut weh und macht bitter.

Lass dich nicht von diesem Schmerz besiegen. Das Leben ist auch lebenswert ohne Kinder. Das mag dir jetzt von jemandem mit 3 Kindern blöd vorkommen, aber wir hatten uns schon fast damit abgefunden, dass wir keine haben werden.

Viele Grüße




  Vielen lieben Dank für Deine Antwort
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  Pandabär
schrieb am 01.12.2005 20:01
Liebe Blüte, ich danke Dir von Herzen für Deine Antwort.
Ich schätze es sehr, daß Du uns keine "wischi-waschi" Texte schreibst, und Du Dir soviel Mühe machst. Danke Bussi

Vieles, was Du geschrieben hast berührt mich tief. Ich hätte auch Abitur machen können, wollte aber schnellstmöglich eine Ausbildung absolvieren, damit wir mit der Familienplanung anfangen können. Damals wollten wir noch 3 Kinder.
Karriere usw. habe ich nie gewollt. Ich wollte immer die "Vollzeit-Mutter" sein, die im Elternbeirat hockt und neue Stühle für die Kinder durchboxt, weil die alten die Wirbelsäule schädigen.
Ja, okay, das ist schon lustig geschrieben, aber ich habe mich wirklich so gesehen.

Mir ist, als sei ein Teil meiner Identität verloren gegangen, auch wenn er nur imaginär war.

Ich kann bis jetzt noch keine Alternative sehen. Selbst wenn ich mich mit Volleifer in den Job stürzen würde, ich würde nur zweitklassige Erfolge erzielen. Zumindest, solange der Traum an den KIWU noch besteht.
Sicher, ich könnte jeden Abend bis ultimo fortgehen, aber das bin ich nicht.

Und daß das mit dem Freundeskreis so schwierig wird hätte ich auch nie gedacht.

Und wenn man sich überlegt, wie wenige Kinder sich um ihre gealterten Eltern kümmern, sei es wegen der Entfernung oder sonst was, sollten wir auch nicht "mehr" Angst vor der Zukunft haben.
Haben wir halt leider trotzdem.

Liebe Blüte, ich danke Dir nochmals, ich werde weiter darüber nachdenken.
Sollte ich noch eine Frage haben, darf ich sie stellen?

Viele liebe Grüße,






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