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  Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   -Bellissima-
schrieb am 28.08.2021 13:25
Hallo Zusammen,

Nach dem Verlust unserer Tochter letztes Jahr aufgrund aufsteigender Bakterien habe ich in der aktuellen Schwangerschaft einen FTMV in der 13+0 bekommen.

Aktuell bin ich in der 25.SSW und auch wenn ich immer noch viel Angst habe, dass wieder etwas schief gehen könnte, sind meine Gedanken auch hier und da bei der Geburt, was auch glaube natürlich ist.

Mein ET ist am 15.12 und wenn die Kleine so lange die Füße still hält und alles gut geht bis dahin, hätte ich am liebsten einen geplanten Kaiserschnitt.

Meine Frage oder besser gesagt Fragen:

Geht das überhaupt mit einem FTMV?
Wie wird der Verschluss dann geöffnet? Oder muss das vor der Geburt gemacht werden?

Ich weiß gar nicht, ob noch Fäden am Verschluss sind oder ob das selbstauflösende sind…

Über Erfahrungsberichte wäre ich dankbar!


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 28.08.2021 18:21
Hallo Bellissima,
ja du kannst auch nach FTMV per Sectio entbinden. In diesem Fall würde man dann unter Geburt einfach auch den Mumu öffnen, egal ob mit festen oder selbst auflösenden Fäden. Kommt es zur Sectio musst du da unbedingt nachhaken, denn nicht jede Klinik hat damit Erfahrung.

Ich verstehe dich gut. Vor 8 Jahren war ich in der gleichen Situation. Ende August 2013 etwa in der 22. SSW nach FTMV, ET 8.1.14, und war mir absolut sicher, dass nur eine Sectio für mich in Frage käme.

Etwas später, so ab 33. SSW ungefähr hatte ich darüber ein Gespräch mit Ärztin und Hebamme und habe mich anders entschieden.
Gründe dafür waren die möglichen Risiken nach Sectio, die gesundheitlichen Vorteile einer spontanen, vaginalen Geburt und am Ende wirklich heilsam für mich das erneute Erleben einer natürlichen Geburt. Meinem Körper doch/ wieder trauen zu können und es geschafft zu haben sind für mich bis heute ganz wichtig. Auch die dann noch folgenden Geburten.

Ich denke, diese Entscheidung kann man erst später in der Schwangerschaft wirklich treffen. Wenn du dich gut informierst und es bleibt beim Sectiowunsch, dann ist das dein Weg. Nur wähle ihn nicht, weil er vermeintlich sicherer ist.

Liebe Grüße
Juna


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   -Bellissima-
schrieb am 29.08.2021 00:11
Hey Juna!

Wie schön, dass gerade du geantwortet hast!!
Diejenige, die mir ja bereits schonmal mit ihrer Kompetenz maßgeblich weiter geholfen hat, wo es um den FTMV selbst ging!!!

Ich weiß was du meinst und ich muss echt sagen, dass ich nicht komplett von einer natürlichen Geburt abgeneigt bin, gerade weil ich um die Vorteile in psychischer und immunologischer Hinsicht Bescheid weiß.

Allerdings habe ich beim Versuch einer natürlichen Geburt trotzdem keine Garantie, dass es Gesetz dem Fall von Komplikationen nicht doch zu einer Sectio bzw. Notsectio kommen kann. Das Problem an der Sache ist, dass ich es mir nicht verzeihen könnte, wenn durch die natürliche Geburt noch etwas schief gehen würde. Und noch ein größeres Problem ist, dass ich mir selbst nicht über den Weg traue. Heißt, wenn ich merken würde, dass etwas nicht stimmt oder problematisch werden würde, weiß ich nicht, ob ich in komplette Panik verfalle, was jetzt auch nicht sonderlich von Vorteil für einen natürlichen Geburtsverlauf sein würde.

Ich bin total hin und her gerissen😩

Ich hab einfach so Angst mein Kind doch noch zu verlieren…


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 29.08.2021 05:54
Zitat
-Bellissima-
Hey Juna!

Wie schön, dass gerade du geantwortet hast!!
Diejenige, die mir ja bereits schonmal mit ihrer Kompetenz maßgeblich weiter geholfen hat, wo es um den FTMV selbst ging!!!

Ich weiß was du meinst und ich muss echt sagen, dass ich nicht komplett von einer natürlichen Geburt abgeneigt bin, gerade weil ich um die Vorteile in psychischer und immunologischer Hinsicht Bescheid weiß.

Allerdings habe ich beim Versuch einer natürlichen Geburt trotzdem keine Garantie, dass es Gesetz dem Fall von Komplikationen nicht doch zu einer Sectio bzw. Notsectio kommen kann. Das Problem an der Sache ist, dass ich es mir nicht verzeihen könnte, wenn durch die natürliche Geburt noch etwas schief gehen würde. Und noch ein größeres Problem ist, dass ich mir selbst nicht über den Weg traue. Heißt, wenn ich merken würde, dass etwas nicht stimmt oder problematisch werden würde, weiß ich nicht, ob ich in komplette Panik verfalle, was jetzt auch nicht sonderlich von Vorteil für einen natürlichen Geburtsverlauf sein würde.

Ich bin total hin und her gerissen😩

Ich hab einfach so Angst mein Kind doch noch zu verlieren…

Ich weiß so gut, was du meinst. Genau so dachte und fühlte ich auch.
Wenn ich wüsste, es geht gut, ja dann würde natürlich die natürliche Geburt der Wunsch sein, nur man weiß es vorher eben nicht.
Deshalb habe ich wieder in der Klinik die weiteren Kinder geboren, in der auch schon unsere Töchter geboren wurden. Ein Level 1 Haus mit viel Erfahrung mit allerlei komplizierten Verhältnissen und auf alle möglichen Notsituationen eingestellt und eingespielt.

Dazu kommt, dass einige Notsituationen ja bereits ausgeschlossen werden konnten, da die erste Tochter schon vaginal geboren wurde. Dein Körper weiß, wie es geht. Auch wenn es immer wieder Ärzte und Hebammen gab, die mir erklären wollten, dass eine so frühe (22. Woche) und eine späte Geburt nicht vergleichbar wären, habe ich da selbst die gegenteilige Erfahrung gemacht. Alle meine Geburten liefen exakt gleich ab, jede Geburtsphase fühlte sich genau gleich an lediglich die Dauer variierte zwischen knapp 1 Stunde und 4 Stunden.

Im Geburtsplanungsgespräch mit der OÄ meiner Klinik konnte ich damals alle meine Ängste und Sorgen los werden und detailliert besprechen. Das ist wichtig. Viele Vorstellungen, die ich hatte nahm sie sehr ernst, konnte sie aber "entkräften", weil sie nicht realistisch waren.
Außerdem hat es mir geholfen einige Eventualitäten durchzusprechen. Was genau passiert bei sekundärer Sectio oder gar Notsectio? Ich wusste z. B. nicht, dass es einen Notfallknopf gibt, der innerhalb weniger Minuten noch im Kreißsaal eine Notsectio möglich macht. Natürlich eine schrecklich Vorstellung, eröffneten mir aber die Gedanken, dass es auch im Notfall gut gehen kann.

Auch die Angst vor der Panik hatte ich auch. Ja, dann kommt es zu einem Geburtsstillstand und eine sekundäre Sectio ist oft nicht vermeidbar. Aber, wäre das schlimm, wenn doch die Alternative sowieso die Sectio ist?
Meine liebe OÄ in der Klinik hatte dazu folgende Gedankenanstöße für mich.
1. Sekundäre Sectio ist ein Weg, kein Versagen!
2. Wer es nicht versucht, wird es nicht herausfinden.
3. Viele Frauen (war bei mir auch so) sind im Geburtsmodus gar nicht zu Panik fähig, weil durch z. B. Hormone der Tunnelblick auf das, was wichtig ist, so stark ist.
4. Wenn man bis kurz vor der Geburt das Gefühl behält, man möchte einfach nicht, dann wird es eben doch die Sectio. Dann hattest du alle Gelegenheiten und weißt ganz sicher, dass das dein Weg ist.
5. Kommt es zur sekundären Sectio, weißt du, dass deine Tochter selbst den Zeitpunkt für die Geburt bestimmt hat. Ihr beide seid dann reif gewesen und physisch und psychisch ist der beste Zeitpunkt für die Geburt da gewesen.

Wenn du hin und her gerissen bist, erlaube dir diesen Zustand! Du musst erst gaaaaanz am Ende wirklich wissen, was du möchtest. Das ist noch eine lange Zeit. Bis dahin darfst du jeden Tag eine andere Idee haben, was für euch die beste, sicherste, schönste Geburt sein wird. Setz dich nicht damit unter Druck, dass du endlich Gewißheit brauchst. Die brauchst du erst am Ende und die wird ganz von alleine kommen, wenn ihr beide so weit seid.

Die Angst, dass es wieder passiert, wird dich weiter begleiten. Auch wenn nach dem Zeitpunkt dass es schief ging alles neu ist, haben wir durch den Tod unserer ersten Kinder unsere gesunde Naivität ebenso eingebüßt wie die Unbeschwertheit und Unwissenheit. Das kommt nicht zurück. Wir wissen durch die Trauerarbeit auch um so viele weitere Gefahren, die zu lauern scheinen.
Aber bei all diesen Gedanken können wir eins tun: Wann immer diese quälende Angst uns überfällt und droht übermächtig zu werden, können wir ganz bewusst den Gedanken dagegen setzen, dass es auch gut enden kann. Es ist nicht vorherbestimmt, dass es wieder schief geht und das bedingt, dass es Hoffnung gibt.

Am Ende war es bei mir so, dass der Tunnelblick hin auf die Geburt und alles, was ich zu tun hatte, mir mein Bauchgefühl zurückgab. Seit dieser Geburt kann ich das Wort Instinkt mit erlebten Gefühlen verknüpfen.
Die Hebammen rechneten nicht mit einer so zügigen Geburt. Aber ich wusste es.
Wenn du magst, ich habe alle Geburtsberichte in meiner Signatur verlinkt.
Ich hatte damals sogar noch bis 41+0 übertragen, womit ich nie nie nie gerechnet hätte das auszuhalten. Aber die innere Gewissheit, dass es so richtig ist, war überwältigend groß.

Du darfst mich gern jeder Zeit per PN anschreiben, wenn du noch Fragen hast oder dir emotionale Unterstützung wünschst. Manchmal hilft es auch, etwas noch ein 25. Mal durchzusprechen, wenn alle Verwandten und Freunde schon die Augen verdrehen, weil sie das schon so oft gehört haben zwinker

Ich wünsche dir, dass du den aktuellen Zustand des Ungewissen und des Schwankens annehmen kannst. Dass du ruhiger werden kannst und am Ende die für euch richtige Entscheidung mit der gleichen Sicherheit und Klarheit treffen kannst, wie ich es konnte, unabhängig von der Wahl des Weges.

Juna


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  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   -Bellissima-
schrieb am 29.08.2021 10:11
Liebe Juna,

und wieder einmal weißt du haargenau, wie es in meinem Gedankenkarussell aussieht.
Das kann eben nur jemand wissen, der so einen Erfahrungshintergrund hat.
Ehrlich gesagt hatte ich erst Bedenken diesen Post einzustellen, weil ich vor unbedachter Gegenfragen, die mich gleich zur natürlichen Geburt bekehren wollen, Angst hatte.
Deine sehr objektive Darlegung des Für und Wider geben mir dagegen das Gefühl, dass ich wirklich noch keine Entscheidung jetzt direkt treffen muss. Das ist erstmal erleichternd.

Ich glaube ich werde es wirklich so machen, dass ich erstmal das Geburtsplanungsgespräch mit der Klinik abwarten werde. Vielleicht stellt sich danach ein neues Gefühl zur Sachlage bei mir ein.

Ich danke dir (wiedermal 😉☺️) für deine Hilfe und deinen persönlichen Einblick in deine damalige Gefühlswelt.

Es ist sehr heilsam, wenn man merkt, dass jemand genau versteht, was einen bewegt/beschäftigt.

Fühl dich fest gedrückt, wenn du magst 😘


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
avatar    Juna30
Status:
schrieb am 29.08.2021 10:23
Liebe Belissima,
sehr gerne. Ich bin froh, dass du es so aufgefasst hast, wie es gemeint war.
Denn natürlich gibt es tatsächlich Frauen, für die eine Sectio nach einer so traurigen Geburtserfahrung das beste ist.
Eine weitere Alternative wäre eine geplante, statt spontane vaginale Geburt mit sanfter Einleitung durch Nelkenöltampons, Eipollösung, Oxytocin.
Deine Klinik wird dich bezüglich ihres Angebots gut beraten und es ist ein sehr großer Schritt von dir, für alles offen zu bleiben und die Entscheidung auf später zu verlegen und die Ungewissheit auszuhalten.

Alles Liebe dir, würde mich freuen wieder von dir zu lesen.

Noch zwei Geburtserlebnisse nach FTMV kannst du bei minisonnenblume 2014 und Vengababe 2013/2014 nachlesen.


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   Jorunn1
schrieb am 01.09.2021 11:27
Ich habe 2 Sectios (unfreiwillig) hinter mir- und nein, das waren beides keine „Spaziergänge“. Es ist letztendlich Deine eigene Entscheidung.

Jeder kommt mit dem Thema Sectio anders klar. Ich durfte mir auch alles vom Titel „Rabenmutter“ bis hin zu „die wichtigste Prüfung im Leben einer Frau nicht bestanden“ anhören (das teilweise von Männern!). Auch, dass „Bindungsstörungen vorprogrammiert“ wären, meine Kinder ein schwaches Immunsystem bekämen, ich psychische Probleme bekäme und so weiter, eigentlich alles von Vorhölle bis hin zu Fegefeuer. Und natürlich ist alles von allergischen Reaktionen bis hin zum Ausbruch des 4. Weltkrieges meine Schuld….(auch wenn beide Sectios medizinisch notwendig waren.)

Meine Meinung dazu:

1. Wenn einem so etwas von allen Seiten eingeredet wird, ist es kein Wunder, wenn man Schuldgefühle und psychische Probleme entwickelt. Die kommen dann aber nicht (immer nur) von der Sectio. (Wobei ich nicht sagen will, dass auch die Sectio traumatisch sein kann! Das kann eine Geburt aber auch sein….).

2. Tatsächlich ist die Datenlage, wie „schädlich“ eine Sectio für die Kinder ist, gar nicht so eindeutig wie es immer behauptet wird. Es bleibt nämlich oft unbeachtet, dass eine Sectio öfters bei Konstellationen durchgeführt wird, die von vornherein nicht unkritisch sind. Sprich, die Gesundheit von Mutter und Kind ist bei Sectio-Patienten schon vor der Geburt öfters problematisch, und dann ist es natürlich sehr fraglich, ob nun tatsächlich die Sectio das Problem war oder die Gründe, die zur Sectio geführt haben. Bei der Sectio überleben manchmal auch Kinder, die eine natürliche Geburt vielleicht nicht geschafft hätten- klar haben dann diese Kinder später im Leben mehr Probleme, aber daran ist dann nicht die Sectio schuld.

Ähnlich sieht es mit Vorerkrankungen der Mutter aus- eine Sectio wird ja oft aus medizinischen Gründen gemacht, und wenn die Mutter gesundheitliche Probleme hat, kann sie diese -auf genetischem Weg- an ihr Kind vererbt haben. Auch dann ist nicht die Sectio „schuld“, sondern die Vererbung.

Ausserdem ist es nicht auszuschliessen, dass eine Sectio auch eher bei Frauen gemacht wird, die z.B. besonders ängstlich sind, zur „perfekten Planung und Kontrolle“ neigen etc.- Dies sind Eigenschaften, die sich aber auch im Erziehungsstil niederschlagen, z.B. Kontrolle/übertriebene Hygiene -> Allergien, Hautprobleme, psychosomatische Erkrankungen beim Kind.

Das sind jetzt mal Extrembeispiele, nur zur Illustration dass es auch eine gewisse Verzerrung in der Statistik gibt, und daher die Effekte, die man in den wissenschaftlichen Studien tatsächlich findet, ganz unterschiedlich stark sind (und viele Ursachen haben können!).


Ich denke, dass sowohl natürliche Geburt als auch Sectio Vor-und Nachteile haben, und dass es eine sehr individuelle Entscheidung ist. Für die eine Frau ist eine Sectio besser, für die andere die natürliche Geburt. Von der Natur „vorgesehen“ ist die vaginale Geburt. Aber wenn eine Frau grosse Angst hat (die sich im Einzelfall auch nicht lösen oder „wegdiskutieren“ lässt), es anatomische Gründe gibt, Vorerkrankungen (Herz, Bandscheiben im Lendenwirbelbereich), Gründe beim Kind liegen, oder oder oder…- dann solte man aus der natürlichen Geburt auch keine „Religion“ machen.

Eine Sectio ist weder „feige“, noch „einfach“, noch „ganz doll böse schädlich für das Kind“. Es ist eine Alternative zur natürlichen Geburt, die man nicht leichtfertig wählen sollte (sie hat eben andere Risiken und Folgen als die natürliche Geburt), aber die auch nicht „das Fegefeuer“ ist.


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   -Bellissima-
schrieb am 02.09.2021 22:01
Hey Jorunn!
Danke fürs Teilen deiner Erfahrungen!
Ich kann über das dumme Geschwätz mancher Mitmenschen nur noch müde lächeln! Ich hoffe echt, dass du dir diese Sprüche nicht zu Herzen genommen hast!?

Noch schlimmer finde ich aber, dass etwas wie die Geburt eines Kindes mit dem Leistungsbegriff verknüpft und wie immer auf den Schultern der Frauen ausgetragen wird😡
Und leider ist es ja so, dass man als Frau doch dazu neigt sich solche Einstellungen dann auch noch zu Eigen zu machen.

Ich weiß auf jeden Fall, was du mit Verzerrung der Statistiken meinst und ich glaube, wie immer liegt die Wahrheit dazwischen.

Ich habe viele Frauen kennengelernt, die eine sehr festgefahrene Vorstellung davon hatten, wie die (natürliche) Geburt ihres Kindes sein soll. Die Realität sah dann aber gänzlich anders aus und hat die Frauen nicht nur nachhaltig traumatisiert, sondern auch einfach gezeigt, dass es gerade bei einer Geburt in erster Linie um das Leben des Kindes geht und nicht darum, dass die Frau die Geburt als etwas tolles erlebt. Auch wenn das ein schöner Nebeneffekt sein KANN.

Eine Bekannte hat gerade ihr drittes Kind per geplantem KS bekommen, wo sie die anderen zwei jedes Mal natürlich bekommen wollte und nach langer Tortour am Ende doch einen KS haben musste. Sie sagte, es war ihre schönste Geburt, weil man es so bewusst erleben durfte. Eben nicht nachdem man schon völlig entkräftet und kaum noch aufnahmefähig ist, aber auch das ist natürlich nur ein kleiner Ausschnitt und nicht repräsentativ. Es gibt eben viele Wege, wie eine Geburt von statten gehen kann. Das schwierigste ist nach meinem Gefühl einfach, dass man-wenn auch noch nicht sofort-eine doch weitreichende-Entscheidung für sich treffen muss 🙈


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   Jorunn1
schrieb am 03.09.2021 20:23
Ja, ich habe im Freundeskreis auch Mütter, die die absolute „Wellness-Hausgeburt mit Räucherstäbchen“ geplant hatten, und dann wurde es ein Notkaiserschnitt. Im Bekanntenkreis habe ich eine Neonatologin, deren Geschichten will man gar nicht hören. Es ist eben ein Unterschied, ob der OP nebenan und der Brutkasten „3m weiter“ ist, oder ob sich ein Notarzteagen erst mal 25min durch den Verkehr hin und 25min zurückkämpfen muss.

Ich bin auch ganz Deiner Meinung, dass die Gesundheit vom Kind und der Mutter an allererster Stelle steht. Alles Andere bekommt man irgendwie hin.

Die blöden Sprüche gewisser Mitmenschen habe ich mit einem innerlichen Mittelfinger weggesteckt, auch wenn die natürlich trotzdem wehgetan haben. Ich konnte auch nicht voll stillen, da bekam ich dann die nächste Ladung „geballter Freundlichkeit“. Ich hatte dann zum Glück eine sehr gute Hebamme, die „solche Leute“ als „Still-Extremisten, die einfach mal die Klappe halten sollen“ bezeichnet hat.

Also, das nur zur Info: Die „Mommy-Wars“ gehen nach der Geburt erst mal so richtig los…

Zurück zum Thema: Bewerte die Tragweite Deiner Entscheidung nicht über. Such Dir ein wirklich gutes Krankenhaus, möglichst mit Säuglings-ITS, die haben oft auch gute Leute für den OP und wissen, was sie tun. Und dann mach das, was Dein Gefühl Dir sagt bzw. wozu Dir die Ärzte raten. Wenn Du eine Sectio willst: Prima, mach es. Wenn Du eine natürliche Geburt willst: Auch prima, mach es.

Es sei denn, die Ärzte raten ab. Ich hab damals den Arzt gefragt, wie hoch die Chancen sind, dass vaginal alles gutgeht, und er meinte 10%. Ich „könne es natürlich probieren“, und ja, sie würden dann ja immer noch eine Sectio machen können… Aber ich hatte keine Lust auf einen „Zweifrontenkrieg“. Wenn schon Sectionarbe, dann wenigstens Beckenboden und Damm neuwertig. Wenn die Rate andersrum gewesen wäre, hätte ich es mir vielleicht überlegt….

Letztendlich, ganz ehrlich, ist es nur ein kleiner Baustein in der jahrelangen -lebenslangen- Beziehung zwischen Dir und Deinem Kind. Das sollte man wirklich nicht überbewerten, beide Möglichkeiten sind gut und richtig.

Also, egal wie Deine Entscheidung aussieht- triff sie gemeinsam mit Arzt/Hebamme und aufgrund der medizinischen Ausgangslage, und nicht nach den Kommentaren Anderer. Dann passt das alles.


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   LeoG
schrieb am 04.09.2021 13:22
Jorunn, ein dickes Daumenhoch von mir smile

ich hatte lange mit dem 1. Kaiserschnitt zu kämpfen und warum? Weil meine Hebamme immer wieder meinte welche Vorteile eine natürliche Geburt hätte und nur Nachteile ein Kaiserschnitt. Selbst danach als sie zur Nachsorge hier war kam sie wieder an mit "Spätfolgen" für das Kind....äähm..hätte ich diese so tolle natürliche Geburt um jeden Preis durchgezogen wäre mein Kind jetzt sicher entweder nicht mehr da oder schwerstbehindert. Ne natürliche Geburt hat nur Vorteile??? Danke


  Re: Geplanter Kaiserschnitt mit FTMV möglich?
no avatar
   jorunn1
schrieb am 04.09.2021 17:26
Liebe Leo,

genau das meine ich…. echt, was soll denn das, einer jungen, unsicheren Mutter noch solche „Vorwürfe“ zu machen? Es lässt sich doch dann eh nicht mehr rückgängig machen…. Ich hatte zum Glück eine wirklich gute und nette Hebamme, die mich auch gegen die „Mommy-Wars“ gewappnet hat.

Mein „Geburtsvorbereitungskurs“ war ein Chrashkurs, welcher von einer Hebamme des hiesigen Krankenhauses geleitet wurde. Statt Atemübungen gab es 8h lang Fallgeschichten aus dem Kreissaal, eine blutiger als die andere, und diese (wortwörtlich!) „Sectiomütter sind feige, weil sie die wichtigste Prüfung im Leben einer Frau nicht bestehen“- Kommentare. In meinen Augen hat diese Hebamme die Gruppe als Therapiemöglichkeit für sich missbraucht, endlich mal alles loswerden….

Nebenbei bemerkt, in dieses Krankenhaus kam ich mit einem schweren Darminfekt, hochschwanger. Man hat mich, ohne sich um mich überhaupt zu kümmern, über eine Stunde warten lassen. Nachdem ich dann völlig dehydriert auf dem Gang zusammengebrochen war und auf dem Fussboden lag, hat sich mal einer erbarmt und mir ein Bett gegeben. Danach war ich eine Woche an der Dauerinfusion in der Isolierstation…die restlichen Details erspare ich Euch, aber es ging die restliche Woche ähnlich gut betreut weiter….Und nein, das war ein deutsches Krankenhaus, nicht die improvisierte Seuchenstation des Gulag.

Also, ich hab dann woanders entbunden.

Medizinisches Personal ist eben auch nur „menschlich“, Krankenhäuser/Hebammen/Ärzte unterschiedlich gut und unterschiedlich gut organisiert. Daher: Wenn ihr könnt, sucht Euch die Leute gut aus, die Euch betreuen sollen. Gerade Hebammen haben einen Job, der „halb Psychotherapeut“ ist, und so manche kriegt diesen Teil nicht ganz optimal hin.

Es ist völlig wurscht, wie Eure Kinder auf die Welt kommen, Hauptsache, sie kommen möglichst gesund auf die Welt. Klar kann eine Sectio Nachteile haben, aber eine vaginale Geburt kann ebenso Nachteile haben. Das ist nicht „schwarz-weiss“. Wenn es geht, bin ich immer für „vaginal“, aber man sollte es eben abwägen, und bei Vielen (bei mir auch!) war eine Sectio eben besser. Das hat dann nix mit „Schuld“ oder „Unfähigkeit“ oder „Willen“ zutun. Sondern wir sind nicht mehr im Mittelalter, wir haben zum Glück die Möglichkeit einer Sectio, und sollten sie nutzen wenn es -warum auch immer- nötig ist.

Meine zweite Sectio war dann mit ungeplanter Vollnarkose (buuuuuh!). Das war für mich das Beste, was mir hätte passieren können. Zum Glück haben die Ärzte das durchgezogen, und nicht erst die „Grosse Mondgöttin um Beistand ersucht“, indem sie ihren Namen getanzt haben.

Nein, ich habe den ersten Schrei nicht hören dürfen. Aber ganz ehrlich, die Kinder haben in den nächsten Jahren genug geschrien, da bin ich nun über einen Schrei weniger nicht undankbar.

Ich habe meine Kinder vor der Geburt gespürt, sie waren für mich schon lange vor der Geburt da. Die Geburt war für mich also nicht „die Ankunft“, sondern nur ein „Umzug“. Mein Mann durfte die ersten Schreie hören, er durfte sie „in Empfang nehmen“. Für mich war das absolut fair- es sind ja auch seine Kinder, und da hat er eben „die ersten Momente“ -auch die ersten Momente für ihn- erleben dürfen.

Eine Geburt ist eine Geburt, und in welcher Form auch immer ist sie eine machbare, aber eher blutige Angelegenheit, und höchst selten sowas wie eine meditativ-esoterisch überhöhte, göttliche Herabsendung.




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