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  Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
avatar    *Charly
Status:
schrieb am 23.07.2006 11:39
Hallo!

Ich frage mich schon seit längerem, ob es eine Studie gibt, die Auskunft darüber gibt, inwiefern die Wahl der Vornamen etwas über den sozialen Status der Eltern aussagt. Im Netz habe ich Hinweise auf eien Studie aus Leipzig gefunden, allerdings erschien mir diese nicht ganz reel - oder nennen in D allzuviele Menschen ihr Kind "Sky"?? Und wie wirken die Vornamen ausläändischer Eltern hier? Mein Mann zum Beispiel ist Brite und seine Favoriten treiben mir die Schweißperlen auf die Stirn - wobei da wenigstens der Nachname passt.

Nun dachte ich, ich frag mal hier nach ob jemand was dazu weiß. Und bevor Ihr Euch Sorgen macht: Ich schwirre hauptsächlich im KiWu Forum rum. Aber irgendwann ist es hoffentlich mehr als reines Interesse, was mich zur BEschäftigung mit Vornamen treibt.

Gruß,
Charly




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   Felis
schrieb am 23.07.2006 11:48
Ja, da gibt es Studien, das wurde mal in meinem Studium angesprochen (im Zusammenhang mit Bourdieu, wenn ich mich nicht irre *am Kopf kratz*).

Da müsst ich jetzt in die Tiefen meiner Skripte abtauchen... aber was hängengeblieben ist: Gehobeneres Milieu --> klassische Namen zwinker




  Hättest Du eventuell
avatar    *Charly
Status:
schrieb am 23.07.2006 11:50
Quellenangaben? Am allerbesten natürlich welche, die ich im Netz finde, da ich ja neugierig bin.

Gruß,
Charly




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   Felis
schrieb am 23.07.2006 12:02
Wie gesagt, das wär jetzt ein ziemlicher Aufwand, den betreffenden Text zu finden, ich hab ein ganzes Wandregal voll. Aber wenn ich drüber stolpere, schreib ich dir eine Message, ok? zwinker

Ich hab eben mal gegoogelt und einige Rezensionen zu "Gerhards, Jürgen. 2005. The Name Game. Cultural Modernization & First Names" gefunden, da geht es aber nicht direkt um die Milieuabhängigkeit.

"Vornamen können auch kulturelles Kapital sein und die Besonderheit der Herkunft oder der Bildung der Eltern reflektieren, wenn sehr seltene Namen gewählt werden oder wenn die Namen antizyklisch gewählt werden. Neue Namen werden häufiger bei Eltern der oberen Schichten eingeführt und diffundieren später in die mittleren Schichten." (http://www.y-design.de/cms/tguenther.de/wordpress/?p=56)

Bei der Studie, die ich im Kopf hab, war es so ähnlich: Das obere Milieu (Promis, Adel,...) führt außergewöhnliche Namen ein und die werden nach einiger Zeit im unteren Milieu nachgeahmt. Die bildungsbürgerliche Mittelschicht bleibt eher bei den klassischen Namen.




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  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   Felis
schrieb am 23.07.2006 12:08
Ha, ich hab noch was gefunden, was für dich interessant sein könnte: Da geht es um Vornamen von Kindern ausländischer Eltern smile

[userpage.fu-berlin.de]




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
avatar    FantaSie66
schrieb am 23.07.2006 12:24

Ich kann dir zwar keine Studie nennen, doch war ich Jahre Lang als Dozentin an der Fachschule für Sozialpädagogik tätig. Meine Schüleriinenund Schüler, alles angehende Ezieher, Sozialassistenten und angehende Heilpädagogen mußten diverse Praktika ableisten, welche ich als Dozentin begleitet habe. Da bin ich in unzählige Einrichtungen gekommen und habe unzählige Ausarbeitungen über Angebote gelesen, in denen auch Namen der Kinder genannt, einzelne Kinder beschrieben oder Listen von Kindern vorhanden waren. Ich bilde mir ein schon einen Überblick zu haben,... . Meiner Erfahrung nach versuchen besonders sozial Schwache ,Nichtakademiker, oder Menschen ganz ohne Beruf ihren Kinder bsonders französische oder komplizierte Namen zu geben.

In den Heimen wimmelte es von Kevins, Dustins, Renes, Maurice, und sonstigem, in den Psychiartrien hingegen finden sich die Mädels mit den wohlklingenden Namen die an ein Bordell erinnern, wie Isabel, Anabel,Chantal,Yvette,..... . Diese anderen, ich will es mal Verunglimpfungen nennen, fallen mir inzwischen schon gar nicht mehr ein. Das ist ebenso typisch, wie die jungen Mädchen, die mit 16 ein Kind bekommen, wo auch die Muttter schon mit 16 das erste Kind bekam.
Ziemlich vorhersehbar, das Ganze.
Aber es soll j auch Ausnahmen geben und da die Akademiker dieser Gesellschaft Trendsetter sind, zumindest soziologisch betrachtet, gleicht sich das in den etzten Jahren dann auch etwas an, denke ich.
In der Hoffnung nicht gesteinigt zu werden...
Liebe Grüße Steffi




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   xenia23
schrieb am 23.07.2006 14:20
Das ist ja alles äußerst interessant!

LG Xenia




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   Felis
schrieb am 23.07.2006 15:53
@Steffi: Eine Bekannte von mir ist Sozialarbeiterin, die hat praktisch dasselbe beschrieben wie du smile




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   peyote
schrieb am 23.07.2006 18:00
Ich stimme dir da zu und werfe nicht mal einen Kieselstein.

Bin Lehrerin und war zunächst an einem Gymnasium, dann an einer Realschule. An letzterer wurden die Namen schon erheblich exotischer. Da gibt es Namen, die konnte ich nicht mal buchstabieren, geschweige denn aussprechen.

Man kann aber auch oft aus den Namen heraushören, ob man aus dem Norden oder Süden Deutschlands kommt, oder aus dem ehemaligen Osten. Da gibt es auch typische Namen für die Regionen.

Liebe Grüße,
peyote




  Re: Vornamen als Hinweis auf soziale Herkunft?
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   Xira
schrieb am 24.07.2006 11:50
Hi Charly,

an Bourdieu kann ich mich auch noch erinnern. In "Die feinen Unterschiede" (ein mächtig gewaltiger Klopper) behandelt er klassen-/schichtenspezifische Eigenschaften. Ob da die Namensgebung dabei war, kann ich nicht sagen, denke aber, wenn er darüber was geschrieben hat, dann sicher da. Allerdings ist das Werk auch schon etwas älter.

Bourdieu sagt zum Beispiel - wie Felis schon angesprochen hat - dass die gehobenen Schichten mit viel Bildung und Einkommen die Trendsetter sind. Dort werden neue Stile kreiert. Dann bewegt sich das ganze quasi "nach unten" und ist "oben" verpönt. Sicher ist es mit Namen auch so. Ich hab mich nämlich selbst gefragt, wie Modenamen "installiert" werden. Könnte mir vorstellen, dass es auch so funktioniert. Oder... Wer weiß?

Vielleicht hat ein schlauer Soziologe die Namensgeschichte in der aktuellen Lebensstilforschung mal untersucht. Mein Studium ist schon ein paar Jährchen her..

Halt mich auf dem Laufenden, wenn du was rausfindest. Ich werd auch mal in die Spur gehen.

LG Xira




  Buchtipp!
no avatar
   Xira
schrieb am 24.07.2006 12:02
Ha, da ist es mir eingefallen! Das dürfte die Faust aufs Auge treffen:

"Die Moderne und ihre Vornamen. Einladung in die Kultursoziologie" von Jürgen Gerhards. Schau mal nach bei Amazon, da kann man auch ins Inhaltsverzeichnis schauen.

LG Xira




  @fantasie
avatar    Kaasie
Status:
schrieb am 24.07.2006 12:14
@fantaSie:

ist Dir auch aufgefallen, dass z. B. der Name Jennifer quasi nur von Eltern gegeben wird, die ihn nicht aussprechen können?
In meiner Jugendgruppenleitungsgeschichte wimmelt es nur so von "Schenneffaaas"... selbiges fällt mir auch beim Namen Kevin (Käwän) auf...






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