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  Natürliche Fehlgeburt
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   Weintraeubchen
schrieb am 18.05.2017 09:24
Guten morgen liebe Forumsmitglieder,

ich bin neu im Forum. Bitte verzeiht, dass ich daher noch nicht ganz genau mit allen Regeln vertraut bin. Ihr könnt mich gern auf Gepflogenheiten hinweisen. Seit geraumer Zeit verfolge ich das Geschehen hier als stiller Leser und habe mit gebangt und mich mit gefreut. Nun gehöre ich leider auch zu den Sternenkindmamas und hoffe mich mit euch austauschen zu können. Im Alltag fällt der Umgang noch schwer- so manch lieb gemeintes Wort verletzt derzeit eher noch als dass es ein Trost ist. Zu meiner Geschichte :

Wir versuchen seit 2,5 Jahren schwanger zu werden. Nachdem es nicht klappen wollte, haben wir uns näher untersuchen lassen. Die Diagnose war erst einmal ein Schlag für uns: ich habe wohl für mein Alter zu wenig Eizellen ( was derzeit aber noch kein Problem darstellt) , das Spermiogramm meines Partners isr wegen eines Gendefektes sehr schlecht ( nur 2 Mio, 1 % schnell beweglich, 10 % langsam). Unsere Chancen auf eine Schwangerschaft auf natürlichen Weg sind also schlecht.

Ich hatte mich damit arrangiert, dass wir uns in Behandlung eines Kinderwunschzentrum begeben müssen. In drei Monaten steht unsere lang geplante Hochzeit an. Danach sollte es endlich losgehen.

Am Karfreitag auf einmal ein Wunder. Schwach positiver Schwangerschaftstest. Ich konnte es nicht glauben. Mein Partner war verhalten. Erstmal abwarten was der Arzt sagt und in den ersten 12 Wochen kann viel passieren. Er sollte leider recht behalten. Die Schwangerschaftssymptome kamen heftig. Es folgten 3 Wochen psychische Zerreißprobe. Schmierblutungen, Gelbkörperhormon , im Ultraschall keine Fruchthöhle sichtbar. Es wird wohl nichts. Der HCG-WERT stieg. Nachdem man uns auf eine Fehlgeburt vorbereitet hatte -wieder Hoffnung: Die Fruchthöhle war sichtbar. Nach erneuten 10 Tagen, am 12.05. die gefürchteten Worte meines Arztes: Ihre Schwangerschaft ist leider nicht intakt. Sie haben ein "Windei". Vielleicht erledigt die Natzr das am Wochenende , dann bleibt Ihnen die OP erspart. Es folgten Termin beim Klinikum und beim Anästhesisten. Geplanter Termin am 15.05. Ich konnte es nicht realisieren. Keine Zeit zu weinen, erstmal funktionieren. Nach Absetzung der Medikamente fingen Samstag die Blutungen an, nachts stand ich vor Schmerzen auf, nach 2 Stunden hatte sich die Fruchthülle gelöst.Mein Traum spülte die Toilettenspülung weg. Die nächsten Stunden stand ich unter Schock. Die OP blieb mir erspart, aber ich kämpfe immer noch mit Nachwehen.

Der seelische Schmerz ist schlimmer. Ich weine nur noch-weis noch nicht wie ich ab nächsten Montag wieder auf Arbeit funktionieren soll. Ich bin derzeit noch arbeitsunfähig geschrieben. Ich spüre soviel Leere, Traurigkeit und gleichzeitig Wut. Ich frage mich, warum uns bei soviel Chancenlosigkeit so ein Wunder geschenkt wurde, um es dann von uns zu nehmen. Nach langem Warten dieses Glück und dann ist es von einer Sekunde zur nächsten vorbei . Ich kann gerade keine schwangeren Frauen und kleine Kinder anschauen, ohne in Tränen auszubrechen. Es War ein Wunder - aber es sollte unser Kind sein. Die gut gemeinten Worte " Beim nächsten Mal klappt es bestimmt", " es wäre ja nicht lebensfähig gewesen" ,;" es war ja noch gar nichts da" machen mich wütend und unendlich traurig.

Gleichzeitig empfinde ich Wut auf meinen Partner. Ihn nimmt der Verlust nicjt sehr mit- er ist da rational. Es War für ihn nun mal noch kein Menschlein. Und das Risiko war nun mal da.Für ihn ist es nur schlimm,;wen er sieht wie sehr ich leide. Ich kann ihm nicht verwehren, dass er so denkt und fühlt. Aber ich spüre Wut,;dass er einfach in den Alltag zurückkehren kann, dass er keinen Verlust empfindet, dass er einfach weiter machen kann wie bisher. Er kann nichts dafür -aber ich habe Angst dass es unserer Beziehung schadet.

Ich weiß nicht, wie es weiter gehen soll. Dank eurer Berichte weiß ich,;es geht weiter. Ich schäme mich fast für meine Trauer, wenn ich lese wie viel schlimmeres einige hier schon erlebt haben. Eigentlich müsste ich da stark sein und mich nicht so gehen lassen. Aber derzeit bin Ich einfach verzweifelt.

Danke, dass ich meine Gefühle endlich loswerden durfte. In meine Umgebung stoße ich teilweise auf Unverständnis.


  Re: Natürliche Fehlgeburt
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   Bootsy
schrieb am 18.05.2017 09:58
Liebes Weinträubchen,

es tut mir so leid, dass Ihr das durchmachen müsst. Ich habe ähnliches erlebt und weiß, wie furchtbar das auf und ab ist, dann das niederschmetternde Ende... Wir haben im Zyklus vor unserer IVF positiv getestet und waren auch zuerst im 7.Himmel und dann direkt in der Hölle... Bitte nimm dir Zeit zu trauern. Du musst jetzt nicht stark sein, auch die Frauen hier, die sowas mehrmals erlebt haben oder FG zu einem späteren Zeitpunkt, wissen, dass es nicht davon abhängt, wie "schlimm" die FG ist. Es geht um die Gefühle, die man reinsteckt und die können auch nach einem Tag schon so immens sein, dass die Trauer ganz ganz groß ist. Deshalb darfst du ruhig wütend, traurig und verletzt sein, ohne dich dafür zu entschuldigen! Du hast Mama-Gefühle erlebt, vom großen Glück geträumt, Hoffnung gehabt... Nach langer KiWu-Zeit sind beim ersten positiven Test die Gefühle einfach ganz groß! Und das ist ja auch schön und soll so sein! Deswegen ist deine Trauer eben jetzt auch groß. Ich weiß, dass auch ich vielleicht Dinge schreibe, die verletzend sein können, das passiert leider. In ein paar Wochen kannst du vielleicht "milder" mit deiner Umgebung umgehen, aber jetzt hast du jedes Recht wütend zu sein.
Auch wenn es ein Klischee ist, aber Männer trauern oft anders. Mein Mann hat auch so reagiert, wieviel Enttäuschung dahinter stand, habe ich erst beim nächsten positiven Test gespürt. Nimm dir Zeit für dich und dann versuchst du vielleicht nochmal mit ihm zu reden. Auch er ist verletzt, aber Männer versuchen oft Stärke zu zeigen, oft gut gemeint, aber es kommt falsch rüber.
Wir haben damals gleich die IVF gemacht, ich wollte dann erst recht weitermachen. Auch das ging schief, aber in den Zyklen danach durften wir noch einmal positiv testen und es blieb. Auch wenn ich dachte "naja, andere machen viel mehr mit, was jammer ich" hat mir sehr geholfen, dass ich eine auf Kindewunsch spezialisierte Therapeutin gefunden habe. Vielleicht gibt es so jemanden in eurer Umgebung und auch mit "nur" einer FG hast du jedes Recht auf therapeutische Hilfe. Vielleicht hilft aber auch einfach ein bißchen die Zeit, Im Moment ist alles noch ganz frisch. Ich wünsche euch von ganzem Herzen, dass eure Wünsche ganz bald erfüllt werden. Ich bin ganz sicher, dass ihr früher oder später euer Kind in den Armen halten werdet! Ich drücke die Daumen, dass ihr die Zeit bis dahin gut übersteht. Alles Liebe


  Re: Natürliche Fehlgeburt
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   Weintraeubchen
schrieb am 18.05.2017 15:42
Liebe Bootsy,

vielen Dank für deine lieben, aufmunternden Worte. ich fühle mich wirklich verstanden.

Du hast recht- man hat einfach - selbst wenn man sich alle Statistiken und Warnungen vor Augen hält- einfach große Hoffnung. Und dann große Enttäuschung. Vom 7. Himmel in die Hölle. Ich glaube treffender kann man so ein Ereignis und die Gefühle danach nicht beschreiben.

Der leitende Operateur hat im Vorgespräch gemeint: "Seien Sie froh- bei einem Windei haben Sie wenigesten in einer erneuten Schwangerschaft kein erhöhte Risiko, dass es wieder schief geht." Der gute Mann wusste nichts von unserer Vorgeschichte, aber ich hätte ihm am liebsten entgegen geschrien, dass ich bei den miesen Werten meines Mannes gar nicht an ein nächstes mal zu denken wage. Aber was bringt es- letztlich muss man selbst damit zurecht kommen- man kann schließlich schlecht seine gesamte Umwelt einweihen.

Man ist immer wieder übberascht, wie viele das gleiche Schicksal teilen. Es ist einfach schwer mit zu erleben, wie andere Frauen quasi im Vorbeigehen, ohne Kinderwunsch schwanger werden und alles problemlos läuft. Man traut es sich nicht offen zu sagen: Aber ab und an versprür man sogar dieses böse Stück Neid, was einfach nicht da sein sollte. Mein Mann meint dann immer zu mir: Die anderen können nichts für unsere Situation. Er hat recht. Ich wünschte ich könnte da weniger ungerecht sein.
Wie kommt man so kurz danach mit einer erneuten Enttäuschung klar, die ihr ja nach der IVF hattet? Ich stelle mir das wirkluich schwer vor.

Liebe Grüße


  Re: Natürliche Fehlgeburt
avatar    Einoede
schrieb am 20.05.2017 22:24
Tut mir leid, was dir passiert ist. Mir ging es ähnlich wie dir, nur das wir immer relativ schnell schwanger wurden, allerdings auch leider 2FGs die erste auch ein Windei.
Mein Mann war da leider auch immer alles andere als mitfühlend, obwohl er sonst nicht so ist, keine Ahnung warum...

Ich denke, wenn man so früh eine FG erleidet, ist es oft eher die Trauer um den Kinderwunsch als um das Kind selber. Was natürlich nicht heißt, das das weniger schlimm ist. Man stellt sich sein Leben vor und gerade wenn man noch kinderlos ist ist die Angst so groß, dass es vielleicht niemals klappen wird. So ging es mir zumindest. Ich war auch immer traurig, weil ich nicht die Möglichkeit bekommen habe mein Baby kennenlernen zu dürfen,...

Bei den Anderen hat mir immer geholfen, dass ich mir gedacht habe, die haben ja nicht mein Baby. Ich will ja nicht irgendeins, ich möchte mein Baby. Ich hoffe, idas kommt jetzt nicht falsch rüber.

Was soll ich sagen, es ist einfach nicht fair. Ich werde heute noch wütend, wenn manche Leute meinen es ist das selbstverständlichste auf der Welt ein gesundes Kind zu bekommen und man hat da ein Recht drauf. Als könnte Ihnen sowas ja nie passieren.

Fühl dich gedrückt.




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