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  Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  sternenmaus2
schrieb am 13.02.2016 19:50
Am Freitag den 05.02.2016 haben wir uns von unseren Zwillingen in der 22. SSW verabschieden müssen.

Ich bin so traurig und weiß gar nicht wo ich anfangen soll.

Ich bin jetzt 43 und mein Mann und ich wollen seit 10 Jahren Kinder.

Ich wurde beim ersten Mal auf natürlichem Wege schwanger (nach 2 Jahren versuchen), hatte aber eine Fehlgeburt noch vor Herzaktivität.

Wir versuchten es jeden Monat weiter, aber es wollte einfach nicht mehr klappen.

Irgendwann beschlossen wir den Schritt der künstlichen Befruchtung zu gehen. Aber dafür waren wir jetzt schon spät dran. Ich war schon 39 zu dem Zeitpunkt. Irgendwie war die Zeit einfach an uns vorbei gerast und uns waren die Konsequenzen immer erst viel zu spät bewusst.

Wir schafften noch zwei künstliche Befruchtungen mit Hilfe der Krankenkasse. Beide male konnten mir 2 befruchtete Eizellen eingesetzt werden, beide male wurde ich nicht schwanger.

Wir planten einen dritten Versuch auf eigene Kosten. Einige Tage vor Weihnachten stellte ich überrascht fest, dass ich wieder auf natürlichem Wege schwanger geworden war. Einen Tag vor Silvester habe ich es wieder verloren.

Wir entschieden uns letztendlich für eine Eizellspende. Naja, ich entschied mich dazu, mein Mann brauchte noch etwas Zeit um sich damit anzufreunden.

Wir suchten uns eine Klinik in Madrid und machten im Juni 2015 unseren ersten Versuch. Die Kosten waren für uns keine Kleinigkeit, aber wir brachten das Geld auf. Wir hatten kein Glück. Nicht nur, dass wir nur zwei befruchtete Eizellen raus bekamen, ich wurde auch nicht schwanger.

Wir entschieden uns für einen weiteren Versuch. Eigentlich steckten wir unser ganzes Erspartes in die nächste Eizellspende. Und ich ging zusätzlich noch zu einer Ärztin, die ich im Netz gefunden hatte. Sie war auf Kinderwunschbehandlung mit Hilfe von traditioneller chinesischer Medizin spezialisiert und versorgte mich mit Akupunktur, Granulaten und arbeitete gleichzeitig noch mit einem Immunologen zusammen. Dazu bekam ich noch Omegaven Infusionen. Natürlich bezahlten wir auch das alles selber.

Im September machten wir dann den zweiten Versuch und mit der zweiten Spenderin hatten wir dann auch mehr Glück. Diesmal bekamen wir 4 Blastozysten raus, zwei wurden mir eingesetzt, zwei froren wir ein.

Am Dienstag den 12.10.2015 war ich offiziell schwanger. Am Freitag bekam ich Blutungen. Ich dachte, das war es schon wieder. Aber beide unsere Zwerge setzten sich durch. Zum ersten mal hatten wir Herzschlägesmile

Wir waren so glücklich. Ich kämpfte 3 Wochen mit Blutungen (und hatte auch immer wieder mal einen Tag Blutungen nach vaginalen Ultraschalluntersuchungen). Dann ging ich nahtlos in die Schwangerschaftsübelkeit über. Ich musste zwar nicht ins Krankenhaus, aber es war schlimm genug, so das ich nicht arbeiten konnte. Kurz vor Weihnachten ging es mir dann besser und ab Januar ging ich dann wieder arbeiten.

Für genau zwei Wochen. Dann bekam ich ein Beschäftigungsverbot. Mein Blutdruck ging hoch. Ich ging alle 14 Tage zum Frauenarzt und kontrollierte jeden Tag meine Blutdruckwerte selber (sie sollten einen gewissen Wert nicht überschreiten). Zusätzlich war ich auch bei einer Kardiologin und schonte mich (lag also nur auf dem Sofa und schaute Fernsehen).

Ich hätte einfach alles getan für die beiden Zwerge. Aber das sollte einfach nicht reichen. Aus heutiger Sicht, frage ich mich, warum kein Arzt die Warnzeichen erkannt hat oder warum ich die Warnzeichen so falsch gedeutet hatte. Ich war doch immer so vorsichtig und bin immer direkt zum Arzt gelaufen, nur nicht als es darauf an kam. Ich fühle mich einfach schuldig, egal was alle sagen.

Eine Woche vor der Fehlgeburt war ich noch zur Kontrolle bei meinem Frauenarzt gewesen. Er hatte meinen Gebärmutterhals kontrolliert, Urin und Scheidenmilieu geprüft. Alles okay.

Den Montag danach waren wir beim 2. Trimester Screening. Der Fruchtwassergehalt des einen Babies war leicht erhöht, das sollte im Auge behalten werden. Der Arzt ging aber davon aus, dass sich das selber regulieren würde und wollte eine Kontrolle in 4 Wochen. Mein Frauenarzt wollte eine zweite Meinung innerhalb von 14 Tagen. Ich kümmerte mich sofort um einen Termin in der Uniklinik und sollte schon einen in der Folgewoche haben.

Es war nicht so, dass sonst etwas auffällig gewesen wäre, unsere Babies waren völlig in Ordnung und beide Herzen schlugen.

Am Mittwoch fing es an. Ich hatte gerade mal den ersten Tag das Blutdruckmittel genommen, hatte aber schon das Gefühl das wirkt gar nicht. Aber kann man das nach einem Tag schon sagen? Ich hatte auch das Gefühl ich blutete wieder, aber da wir gerade das Screening gemacht hatten, dachte ich mir nichts dabei. Und ich sah auch nicht wirklich Blut, mir kam lediglich die Slipeinlage fleckiger vor. Am Donnerstag machte ich noch vorsorglich einen PH-Test zu Hause. Auch hier viel mir auf, dass ich an dem Handschuh nicht wie sonst milchige Flüssigkeit hatte, sondern bräunliche. Ich blutete also, nicht neues, dachte ich. Der PH-Wert war aber okay.

Donnerstag Mittag kam dann ein leichtes Ziehen im Bauch dazu. Aber auch dazu dachte ich mir nicht viel. Ich hatte nach den langen Screenings immer etwas Ziehen im Bauch in den folgenden Tagen und erst recht, wenn ich auch noch ein bisschen blutete. Meistens waren die nach einer Nacht wieder weg, wenn auch die Blutung aufhörte. Ich rief trotzdem meinen Frauenarzt noch an, aber der hatte an dem Nachmittag zu. Hier im Rheinland war Weiberfastnacht.

Ich beschloss die Nacht zu warten. Es war doch nur ein leichtes Ziehen und Blut war auch nicht wirklich da.

Das Ziehen ging nicht weg. Heute weiß ich, das waren vermutlich schon leichte Wehen. So gegen Mitternacht war ich noch auf Toilette und hatte zwei braune Blutpfropfen am Toilettenpapier. Auch da weiß ich heute, dass war wohl die Muttermund-Verstöpselung. Ich hielt es einfach für getrocknetes Blut, so wie ich das halt immer hatte wenn ich blutete.

Morgens fuhren wir direkt zum Frauenarzt und der schickte uns sofort in die Uniklinik. Mein Blutdruck war ihm zu hoch und ich hatte Eiweiß im Urin (Ultraschall hat er nicht gemacht). Wir waren allerdings überfordert wo wir in der Uniklinik hin mussten. Wir waren den Schildern zum Kreissaal gefolgt, fragten aber an der Info nach der Frauenklinik. Die ist aber in einem völlig anderen Gebäude und wir gingen zu Fuß den Weg dort hin (eigentlich nicht wirklich eine große Strecke, zumindest normalerweise). Dort sagte man uns dann, dass wir ab der 20. SSW in den Kreissaal müssten. Also mussten wir wieder zurück gehen. Woher sollten wir das wissen?

Mein Ziehen wurde stärker und mein Mann wollte schon ein Taxi für den kurzen Weg zurück nehmen, doch es war kein Taxi in Sicht. Und soweit war der Weg ja auch nicht.

Im Kreissaal angekommen, dann die schreckliche Realität. Mein Muttermund war offen und ich verlor Fruchtwasser. Einige Minuten später lag ich richtig in den Wehen und eine Stunde später platzte mir die erste Fruchtblase. Zwei Stunden später die zweite und beide Kinder kamen tot zu Welt.

Das Ganze ist jetzt eine Woche her und ich könnte immer noch den ganzen Tag heulen. Ich trage noch immer meine Schwangerschaftshosen, obwohl das gar nicht mehr nötig wäre. Ich weiß einfach nicht, wie man damit umgehen soll. Ich will meine Emma und meinen Finn zurück!

Mein Frauenarzt hat mich 4 Wochen krank geschrieben, aber ich weiß nicht, ob das auch nur ansatzweise reicht.
Wie lange wart ihr krank geschrieben?
Wie seit ihr damit umgegangen?
Wann wurde es besser?

Und ich kann mir auch nicht vorstellen, wieder ins Büro zu gehen, ich hatte damit doch schon abgeschlossen. Wann seit ihr wieder arbeiten gegangen?

Und dann dieser Zeitdruck, wegen unseres Alters.
Versuchen wir es noch mal?
Und wenn, wie viel Zeit können wir uns überhaupt zum Trauern lassen?
Habt ihr danach nochmal versucht schwanger zu werden?
Wie seit ihr mit der Angst einer weiteren Fehlgeburt umgegangen?

Seit der Schwangerschaft mit meinen Zwillingen weiß ich, ich will Kinder nicht mehr aus meinem Leben streichen. Selbst wenn wir keine eigenen Kinder mehr bekommen sollten. Ich denke darüber nach, mich vielleicht auch beruflich neu zu orientieren. Vielleicht Tagesmutter zu werden? Aber ich habe überhaupt keine Erfahrungen mit Kindern, habe noch nie ein Kind gewickelt oder überhaupt groß Kontakt mit Kindern. Mir ist auch klar, dass ich erst mal herausfinden müsste, ob ich das überhaupt könnte?

Und bin ich vielleicht auch schon zu alt dafür?
Haltet ihr mich für verrückt?

Für eure Antworten bin ich dankbar.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  KWBiene
schrieb am 13.02.2016 21:04
Liebe Sternenmama,
Es tut mir sehr Leid!! Fühl Dich gedrückt!!
Es ist unfassbar was man im Leben alles ertragen muss!! Was Du ertragen musst!!!
Ich wünsche Dir, dass Du es bald schaffst, einen Weg für Dich zu finden, mit diesem großen Verlust umzugehen!! Und dass Du liebe Menschen um Dich hast, die Dich die nächsten Monate und Jahre begleiten und Mit Dir auch später noch über Deine Kinder sprechen...(das ist meist die größere Schwierigkeit, denn Ihr als Eltern werdet im Moment ständig dran denken und auch später noch oft oder täglich-Außenstehende wollen vielleicht nicht verletzen oder wissen nicht richtig damit umzugehen)

Ich hoffe, dass ich die richtigen Worte finde und ein paar Deiner Fragen beantworten kann.....auch wenn ich nie eine späte Fehlgeburt erleben musste

Ich habe (nur ) 5 frühere Fehlgeburten hinter mir und fand das auch schon ziemlich heftig.(spät. 13. ssw) ...alles nach künstlicher Befruchtung....
Wir sind in ähnlichem Alter....
Ich kann Dir nicht sagen, wann Du Dich soweit stabil fühlen wirst, dass Du wieder normal ins Büro kannst....denn Deine Kinder haben Dich verändert.....nimm Dir die Zeit zum trauern, das ist ganz wichtig!!

Die Angst vor einer weiteren Fehlgeburt kann Dir keiner nehmen....ich hatte schon nicht mehr dran geglaubt und habe aber nun einen gesunden 2 jährigen zu Hause...ich brauchte sehr lange, bis ich davon überzeugt war, dass diesmal alles gut geht....ich hatte mir während der ersten Wochen Zweimal die Woche Akupunktur machen lassen,...
Suche Dir Hilfe hier im Forum!!

Wegen des Zeitdrucks kann ich Dir evtl etwas Sorge nehmen: mein behandelnder Arzt (auch Ausl. Klinik) sagte zu mir, wenn die Embryonen gesund sind, hat man die gleiche ss Quote wie ein junger Patient...ich bin mittlerweile 41 und mittels Pid mit einer gesunden kryo (eigene Eizellen) schwanger geworden. Meist sind die Spenderinnen sehr jung, so dass Du Dir wegen Chromosomenschäden weniger Gedanken machen musst...also nicht den Zeitdruck hast, sondern ein paar Wochen oder Monate warten könntest....

Fühle Dich ganz lieb gedrückt!
Biene


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  sternenmaus2
schrieb am 13.02.2016 21:28
Danke für deine Worte,

es ist schön zu hören, dass immer noch Hoffnung besteht. Auch deine Geschichte ist nicht einfach zu lesen. 5 Fehlgeburten sind schwer wegzustecken. Doch du hast am Ende ein gesundes Kind bekommen. Das freut mich!

Wir haben noch zwei eingefrorene Blastozysten. Und es sind doch Geschwister von Emma & Finn. Die selben Gene!

Auch wenn der Schmerz im Moment noch so tief sitzt, könnte ich die Vorstellung nicht ertragen aufzugeben. Nicht zu versuchen die beiden Geschwister von Emma & Finn ins Leben zu holen.

Wir werden sehen. Die Angst ist groß. Wir wollen erstmal die Untersuchungsergebnisse vom Krankenhaus abwarten.

Was ich mit dem Alter meinte, war nicht, dass es nicht mehr klappt mit Eizellspende. Es ging mehr darum, ob man nicht doch irgendwann zu alt für Kinder ist. Mein Mann und ich werden nicht jünger.

Es gibt vieles zu überlegen, aber erstmal brauche ich Zeit zu trauern.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  vikula24
schrieb am 14.02.2016 10:56
Liebe Sternenmaus,

es tut mir sehr leid, was dir/euch passiert ist!

Nimm dir auf jeden Fall genug Zeit, um den Verlust und das Trauma zu verarbeiten.
Vielleicht auch mit professioneller Unterstützung?

An die Arbeit denke lieber erstmal nicht, lass dich so lange krank schreiben, wie du es für richtig hältst...

Hier im Forum findest du Gleichgesinnte bzw. Leidensgenossinnen, mit denen du dich austauschen kannst...Mir hat das sehr geholfen!

Es gibt auch einen Oldie Piep (Montags immer neu) , da tauschen sich Frauen Ü40 über Kinderwunsch und dazugehörige "Probleme" und Gedanken aus.
Auch die Fragen, die du dir stellst, sind bei uns immer mal wieder Thema....

Fühl dich gedrückt!

LG
Vikula


.


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  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  sternenmaus2
schrieb am 14.02.2016 20:32
Ja, professionelle Hilfe haben wir.

Ich habe schon eine Therapeutin, eine Bedingung meines Mannes bevor wir Madrid gemacht haben. Wenn Madrid nicht geklappt hätte, wollte er sicher gehen, dass ich das auch verkrafte und auch evtl. mit dem Thema Kinderwunsch irgendwann abschließen kann.

Aber an aufgeben können wir jetzt beide gerade nicht denken. Jetzt, wo wir unsere Kinder im Arm hatten...

Wir werden jetzt wohl auch einige gemeinsame Stunden bei meiner Therapeutin machen. Es ist für uns beide schwer.

Oldie Piep werde ich mir auch mal anschauen, danke für den Tip.

Fühlt euch alle gedrückt. Es hilft so sehr sich mit Gleichgesinnten auszutauschen.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  Susch
Status:
schrieb am 15.02.2016 12:47
Liebe Sternenmaus,

ich fühle mit dir, ich habe meinen Sohn am 6.2 tot zur Welt gebracht, nachdem am 4.2 kein Herzschlag mehr zu erkennen war. Ich war in der 19SSW. Ich bin jetzt auch erstmal vier Wochen krank geschrieben und bezweifle auch, dass das reicht.
Ich komme übrigens auch aus dem Rheinland. Ein Arzt im Karnevalskostüm sagte mir, mein Kind sei tot...

Ich drück dich!
Susch


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  Viktoria1
schrieb am 15.02.2016 14:25
Ich hatte "nur" drei Fehlgeburten, eine in der 14 SSW. Also verglichen mit deinem Schicksal nichts weiter, für mich schlimm genug.

Ich war länger krankgeschrieben.....da gibt es kein Patentrezept. Manchen tut frühes Arbeiten gut, anderen nicht.

Klär die Ursachen der frühen Fehlgeburt ab.

Mir hat immer Planen geholfen. Ich habe meinen kleinen Sohn beerdigt, um ihn geweint, und dann weiter Versuche gemacht.

Wobei die Trauer nie aufhört....es ist 7 Jahre her und manchmal weine ich noch immer. Und er starb viel früher als deine Kinder.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  sternenmaus2
schrieb am 16.02.2016 20:36
Liebe Susch,

Karnevalskostüme blieben mir wenigstens erspart, nur ein bisschen Karnevalsdeko war vorhanden. Ich hasse eh schon Karneval und jetzt wohl noch mehr!

Ich finde die Regelung, dass unsere Babies erst ab 500g wirklich als Menschen zählen und wir dann auch Anspruch auf Mutterschutz hätten, für mich persönlich sehr schwierig. Hätte ich jetzt diese Wochen, dann würde ich nicht soviel darüber nachdenken, ob und wann ich wieder bereit für die Arbeit bin, sondern mich nur um meine Trauer kümmern.

Der Job macht mir nur zusätzlich Panik und die kann ich im Moment nicht gebrauchen! Aber da fragt wohl keiner nach.

Hoffe, wir haben beide verständnisvolle Frauenärzte, die uns solange krank schreiben, wie wir es brauchen. Und ich hoffe auch, dass wir doch schneller den Weg zur Normalität finden, als wir es uns im Moment vorstellen können.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
avatar  Kirschblüte89
Status:
schrieb am 16.02.2016 20:52
Hallo liebe Sternenmaus,

ich fühle mit dir. Wir mussten unsere niedlichen, wunderschönen Zwillingsjungen am 17. Juni 2015 in der 23. SSW hergeben.
Der Schmerz ist unerträglich, die Sehnsucht unendlich.

Es tut mir sehr leid, dass euch das auch passiert ist. Es gibt einfach kein Wort das tröstet.

Nach 8 Monaten kann ich nur sagen, dass man irgendwann wieder Kraft findet am Alltag teilzunehmen. Aber der Schmerz übermannt mich oft sehr. Ich bin nach fünf Monaten wieder arbeiten gegangen. Die ersten Wochen waren hart bzw. sind es immernoch. Aber ich habe mittlerweile auch gute Phasen. Und wenn die schlechten kommen, dann ist es so. Das gehört jetzt zu mir dazu und ich erlaube mir die Trauer und den Schmerz in vollem Umfang. Dann melde ich mich auch schon mal ein, zwei Tage krank und lasse alles raus. Irgendwann kommen wieder bessere Tage und dann erlaube ich mir auch Freude und Lachen.
In den ersten sechs Monaten hätte ich nicht gedacht, dass es mir jemals besser gehen wird, aber man lernt damit zu leben.


Diese 500g-Grenze finde ich unglaublich unmenschlich....es sind unsere Kinder. Wir haben sie geboren und im Arm gehalten. Wie kann man das in Gramm-Angaben ermessen. Unser großes kleines Bärchen wog 555g unser kleines Bärchen 480g. Sie sind doch beide tief geliebte Kinder...da machen 75g doch keinen Unterschied.

Ich wünsche dir viel Kraft und denke in tiefer Verbundenheit an dich.

Kirschblüte
mit J. und J. Im Herzen


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 16.02.16 20:57 von Kirschblüte89.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
no avatar
  sternenmaus2
schrieb am 16.02.2016 20:54
Wir haben schon so viel abklären lassen in den letzten 10 Jahren...

Nach der 2. frühen Fehlgeburt haben wir sogar die Untersuchung des Fötus auf eigene Kosten veranlasst.

Jetzt wurde auch eine Obduktion unserer beiden Engel gemacht und die Reste der Planzenta soll auch noch untersucht werden. Wir werden wohl aber 4-6 Wochen auf das Ergebnis warten müssen und ob da wirklich was raus kommt, ist auch die Frage.

In all den Jahren konnte NIE etwas gefunden werden!

Das macht die Sache aber leider nicht leichter.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  Schnorchler
schrieb am 21.02.2016 17:06
Liebe Sternenmaus,

es tut mir so leid, dass Eure Zwillinge nicht bei Euch sind. Ich habe meine Tochter in der 22.SSW verloren. Ich kann Deinen Schmerz und Deine Sehnsucht gut nachvollziehen. Den Beitrag findest Du auch im Fehlgeburtenforum. Nach dem Tod meiner Tochter nud ihrer Geburt konnte ich mir zunächst gar nicht vorstellen, wieder zur Arbeit zu gehen, ich konnte mir nichtmal vorstellen, dass ich überhaupt weiter gehen kann. Meine Trauerbegleiterin hat mir geraten, nur einfach jeden Tag zu leben, von morgens bis abends den Tag rum zu bekommen, Abends habe ich nur noch geacht "Endlich wieder ein Tag geschafft." Jetzt ist der Tod der kleinen Motte 10 Wochen her. Irgendwie kommt es mir an manchen Tagen vor, als wäre sie gestern noch in meinem Bauch gewesen, machmal habe ich auch da Gefühl, sie war nie da oder es ist schon ewig her. Inzwischen geht es mir aber emotional deutlich besser als am Anfang der Trauer. Ich habe das Gefühl, in die Unterwelt herab gestiegen zu sein nd jetzt erst ganz langsam mich wieder hoch zu kämpfen.
Ich war 6 Wochen krank geschrieben und mache jetzt eine berufliche Wiedereingliederung. Im Moment arbeite ich erstmal 6 Wochen 5 Stunden täglich, dann irgendwann 6 und dann wieder voll. Das hilft mir, mir Zit für meine Tochter und meine Trauer zu nehmen. Ich gehe in einen Rückbildungskurs für verwaiste Mamis, mache eine Trauerbegleitung von einer auf Trauerarbeit spezialisierten Hebamme. Außerdem schreibe ich in einem Forum für verwaiste Eltern und mir tut der Austausch mit anderen Müttern wirklich gut. Einen "richtigen" Weg gibt es mit Sicherheit nicht, ich muss immer wieder verschiedenes probieren. Strapaziös finde ich die immer wieder aufkommende Frage nach dem Warum? und die Angst nie ein Erdenkind haben zu dürfen. Mein Mann möchte den Kinderwunsch nun abschließen, das macht mir zusätzlich Angst, denn mein Wunsch ist nach wie vor groß.

Ich schicke Dir herzliche Grüße und ganz viel Kraft!
Schnorchler


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
avatar  Juna30
Status:
schrieb am 24.02.2016 15:23
Liebe Sternenmaus,
es tut mir so leid, was du erlebt hast. Ich kann vermutlich sehr gut nachvollziehen, was du empfindest, zumindest kommt es mir bei deinen Worten so vor.

Ich habe meine Zwillinge 2011 auch in der 22. SSW geboren.

Ich versuche mal kurz auf deine Fragen zu antworten. Wenn du mehr wissen möchtest, kannst du mir gern eine PN schreiben.

Zitat
sternenmaus2
Mein Frauenarzt hat mich 4 Wochen krank geschrieben, aber ich weiß nicht, ob das auch nur ansatzweise reicht.
Wie lange wart ihr krank geschrieben?
Wie seit ihr damit umgegangen?
Wann wurde es besser?

Und ich kann mir auch nicht vorstellen, wieder ins Büro zu gehen, ich hatte damit doch schon abgeschlossen. Wann seit ihr wieder arbeiten gegangen?

Und dann dieser Zeitdruck, wegen unseres Alters.
Versuchen wir es noch mal?
Und wenn, wie viel Zeit können wir uns überhaupt zum Trauern lassen?
Habt ihr danach nochmal versucht schwanger zu werden?
Wie seit ihr mit der Angst einer weiteren Fehlgeburt umgegangen?

Ich war ein dreiviertel Jahr krank geschrieben. Ich habe vorher versucht, weiter zu machen und fühlte mich gescheitert.

Umgang: Wir haben ganz ganz viel getrauert und tun es noch. Wir sprechen über unsere Töchter, gestalten ihr Grab, sehen ihre Bilder an, lesen die Texte der Beerdigung, waren in einer Trauergruppe für verwaiste Eltern und kennen inzwischen viele andere Eltern verstorbener Kinder.

Besser... Ja, es wurde besser. Irgendwann. Irgendwann waren wir das erste Mal wieder im Kino, haben das erste Mal wieder gelacht, haben Pläne gemacht,... Stück für Stück, Schritt für Schritt.

Wir habe es schnell nach dem Tod unserer Mädchen wieder versucht. Wieder und wieder. Bis es klapte. Gegen die Angst half mir nur so viel wie möglich zu lesen und mich zu informieren, warum meine Kinder gestorben waren und wie ich das beim nächsten Mal verhindern könnte. Ich hatte dann 2 frühe FG und dann eine lange Folgeschwangerschaft 2013/14. Unser Sohn ist inzwischen 2 Jahre alt.

Unsere Erfahrung ist, dass Trauer um die verstorbenen Kinder Hand in Hand gehen kann mit Hoffnung auf ein Erdenkind. Auch Glück und Trauer liegen heute nahe beieinander.

Liebe Grüße,
Juna


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
no avatar
  sternenmaus2
schrieb am 24.02.2016 15:37
Liebe Schnorchler,

es hilft wirklich sich auszutauschen. Mit Frauen in Kontakt zu treten, die einfach verstehen können, was man durchmacht. Verstanden zu werden hilft!!!

Ich kann auch verstehen, dass du den Kinderwunsch nicht aufgeben willst. Ich weiß auch nicht, ob ich ihn jemals aufgeben kann. Ich fürchte, mein Mann wird irgendwann die Entscheidung für uns beide treffen müssen. Ich würde sonst vermutlich ewig weiter machen...

Gestern waren mein Mann und ich bei meinem Frauenarzt. Ich hatte etwas Angst vor dem Termin. Ich wusste nicht, ob er meine ganzen Ängste verstehen würde. Hat er aber! Er sagte, er schreibt mich solange krank, wie ich das brauche. Und das tat gut das zu wissen. Ich muss noch nicht funktionieren, erst wenn ich soweit bin!

Auch unseren Wunsch es früher oder später mit unseren beiden Eisbärchen (das Wort ist irgendwie schön) zu versuchen, hat er verstanden und will uns auch dabei unterstützen. Er warf die Möglichkeit eines direkten Beschäftigungsverbotes in den Raum, falls er wirklich noch mal klappt. Auch das beruhigt.

Heute haben wir dann unsere beiden beerdigt. Ich habe meine bisher geliebte schwarze Schwangerschaftshose und den schwarzen Schwangerschaftspulli angezogen. Vor dem Spiegel musste ich dann heulen. Als ich das letzte Mal die Sachen an hatte, waren sie noch bei mir.

Bei der Beerdigung kam dann immer wieder die Sonne kurz raus, als ich die Urne ins Grab gestellt habe und wir die zwei kleinen Windräder aufgestellt haben. Es fühlte sich an, als wären sie bei uns.

Wir haben die Beerdigung alleine gemacht, ohne Familie oder Freunde. Wir wollten nur für uns sein und mit unseren Engeln.

Danach haben wir beim Metzger uns Mittagessen geholt. Kartoffelgratin mit Käse-Lauch-Frikadelle. Ein Essen, was ich in der Schwangerschaft oft mit den beiden gegessen habe. Eins der wenigen Essen, die wir damals lecker fanden und nicht direkt wieder von uns gegeben haben. Das sollten sie heute auch noch mal bekommen.

Mein Mann fühlte sich etwas verloren, weil er nicht diese Erinnerungen hat, die ich mit den beiden habe, aber er war froh, dass ich sie mit ihm teilte.

Emma und Finn liegen jetzt bei Hannah, einem Mädchen das auch nur 2 Tage alt wurde und bei Mirco und Jacelyn, die nur 2 Monate bzw. 1 Monat wurden. Ich hoffe, sie fühlen sich wohl bei ihnen.


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
no avatar
  Lucycat
schrieb am 27.02.2016 01:33
Hallo Liebe Sternenmaus,

Ich bin sehr gerührt über dein Beitrag und es tut mir unendlich leid, dass Ihr eure Zwillinge verloren habt! Ich finde du solltest dir soviel Zeit nehmen, wie du brauchst! Vielleicht hast du von der 65 jährigen Oma gehört, die nach einer Eizellspende mit 4-lingen schwanger wurde.. So lange würde ich vielleicht nicht warten, aber lass dir einfach Zeit..

Ich bin seit diesem Monat auch 43 und in der 14 SSW. Nach 4 frühaborten sind wir nun unterstützt durch Omegaven und prednisalon diesmal schwanger geblieben. Bis jetzt! Wie lange hast du omegaven genommen? Hast du es ausschleichen lassen? Bin sehr verunsichert und habe Angst, dass die killerzellen wieder Oberhand gewinnen und ich das Baby verliere, wenn ich es absetze..

Fühl dich umarmt,

Lucy


  Re: Tod meiner Zwillinge 22. SSW
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  sternenmaus2
schrieb am 27.02.2016 13:14
Liebe Lucy,

ich habe wöchentlich Omegaven bis zur 12. Woche bekommen und dann erst wieder in der ca. 17. bzw. 20. SSW. Hast du einen Immunilogen mit dran? Bei mir wurden alle 2 Wochen die Werte geprüft und der Immunologe hat dann ggf. gesagt, ob Omegaven nach der 12. SSW nötig ist oder nicht. Meine Werte waren ab der 17. SSW sehr schwankend, besserten sich aber immer wieder. Geholfen hat es trotzdem nichts...

Meine Ärztin meinte, wenn wir es noch mal versuchen, dann evtl. Omegaven die ganze Schwangerschaft durch nehmen. Würde wohl nichts schaden...

Ich drücke dir die Daumen ganz fest.




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