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  Angst vor erneuter Frühgeburt durch Infektion
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   Schnecke88
schrieb am 02.09.2012 23:54
Ich bin seit 1. März 2012 auch eine Sternchenmama. Meine Zwillingstöchter starben während der Geburt in der 23. SSW.

Bis auf ein Hämatom war in der Schwangerschaft alles in Ordnung. Es war zwar alles sehr anstrengend und ich war schnell eingeschränkt in der Bewegung, da ich aber weitgehenst Bettruhe halten musste, machte das nichts. Ich nahm bis zur 17. SSW Utrogest aufgrund des Hämatoms. Ab der 17. Woche gab man Entwarnung. Man setzte auch das Utrogest ab. Von da an hatte ich deutliche Übungswehen, 40mal am Tag einen harten Bauch und ein Stechen in der Muttermundgegend. Außerdem verspürte ich einen Druck nach unten. Der Gebärmutterhals war aber immer in Ordnung, bei 3.5-4 cm, und man riet mir mich endlich zu entspannen, das seien keine Wehen, sondern Kindsbewegungen. Immer wieder ging ich wegen der Beschwerden zur Ambulanz ins Krankenhaus und zu meinem Gynäkologen. Doch man schickte mich nach Hause. Immer wieder klagte ich auch über starken Ausfluss und ein komisches, leicht brennendes Gefühl. Zunächst dachte ich es sei eine Harnwegsinfektion, da ich aber keine Schmerzen beim Urinieren hatte und ein Schnelltest kein Blut oder Nitrit nachweisen konnte, schickte man mich unbehandelt wieder nachhause. Leider wurde nur einmal ein Abstrich in der 11. SSW gemacht und trotz Beschwerden danach nie wieder. Ich ließ aus eigener Faust eine Harnkultur erstellen und man fand Darmbakterien, aber mein Gynäkologe sowie die Ärzte im AKH meinten, dass man das nicht behandeln müsse. Obwohl ich ihnen sagte, dass ich das Brennen nicht genau zuordnen könne und es auch die Vagina sein könnte, machte man keinen Abstrich. Ich vertraute ihnen.

In der 20. SSW hatten wir das Organscreening im Krankenhaus. Es wurde Ultraschall gemacht und mit den Babys war alles war in Ordnung. Dann machte man einen Vaginalschall und der Gebärmutterhals hatte nur noch 4 mm und man sah einen deutlichen Trichter.
Man nahm mich stationär auf und ich dachte erst, dass das öfter mal passiert und sich alles wieder normalisieren wird. Ich bekam Antibiotika und für zwei Tage Wehenhemmer, die abgesetzt wurden, da sich die Lage nicht verbesserte. Denn zwei Tage später wurde es noch ernster. Man machte einen Abstrich, der angeblich in Ordnung war. Allerdings waren die letzen 4mm nun auch verstrichen und ich hatte laut Amnisuretest Fruchtwasser verloren (was ich allerdings nicht bemerkte). Von nun an hatte ich bei jeder Bewegung Angst, dass ich die Geburt provozieren würde oder die Fruchtblase platzt. Paulina hatte auch wirklich ein bisschen weniger Fruchtwasser als Helena, aber bei beiden war alles in der Norm. Sie sagten immer wieder, dass sie wenigstens ein Kind retten wollten. Doch das tröstete mich keineswegs.
Eine Woche später hatte ich zum ersten Mal richtig Wehen, doch keiner glaubte mir. Ich verlor sogar einen Teil des Schleimpfropfes, aber man sagte mir, dass es normaler Ausfluss wäre. Ja klar in orange-rosa.
Mittlerweile in der 23. SSW, 22+4, war das Fruchtwasser von Paulina wieder völlig im Normalbereich. Wir waren so glücklich, dass sich der Blasenriss verschlossen hatte und der Arzt freute sich mit uns. Und dann schaute er nach den Muttermund. Und der war nun ganz offen und die Kinder lagen in Geburtsposition! Ich brach in Tränen aus, denn ich wusste, dass es nun jeder Zeit losgehen könnte. Mein Mann blieb bis zuletzt positiv. Ich konnte dagegen nicht mal mehr die süßen Ultraschallbilder ansehen.
Am nächsten Tag überraschte mich mein Mann zum Frühstück. Zu Mittag sagte ich zu ihm, dass es besser heute zu Ende gehen soll, als dass Helena und Paulina noch leiden müssen. Und eine Stunde später war es so weit. Ich hatte alle 15 Minuten Wehen. Aber da man mir ja gesagt hatte, dass es keine wären, versuchte ich mich abzulenken. Um 15 Uhr hatte ich das Gefühl, dass ich auf die Toilette muss und wollte aufstehen. Und auf einmal wurde es nass in der Hose. Ich hatte eine starke Blutung. Ich wusste, dass es jetzt vorbei wäre. Nach endlosem Klingeln nach der Krankenschwester kam endlich eine Ärztin, die feststellte, dass der Muttermund bereits 7 cm offen wäre.
Im Kreissaal gab man mir ein Morphium. Dann kamen zwei Ärzte, die ich noch nie gesehen habe und die wollten nun mit Wehenhemmern die Geburt stoppen. Das funktionierte zunächst auch, zog letztendlich jedoch nur alles in die Länge. Die Blutung stoppte und ich hatte Ruhe. Mein Mann und ich verbrachten die Nacht im Kreissaal. Um ein Uhr nachts bekam ich langsam wieder Wehen. Um 7 Uhr beschlossen die Ärzte, dass es keinen Sinn macht und setzten die Wehenhemmer ab. Man sprach so abfällig mit uns. Von wegen ich weiß ja, dass die Kinder keine Chance haben, aber wir dürfen sie beim Sterben begleiten. Ich dachte, dass ich im falschen Film wäre. Alles Arschlöcher! Sorry!
Von da an wurden die Wehen immer heftiger. Ab 8 Uhr kamen die Wehen alle fünf Minuten, ab 9 Uhr alle 3 Minuten. Nie war jemand bei uns im Zimmer! Man verlangte sogar, dass ich selber auf die Toilette gehen sollte! Gegen elf entschied ich mich nun doch für eine PDA, doch diese wirkte nicht! Es gab Komplikationen, da ich Hirnflüssigkeit durch das Rückenmark verlor. Aber man ließ uns immer allein. ich wusste gar nicht was ich machen sollte. Mein Mann war meine Hebamme.
Um eins zu Mittag machte man nochmal einen Ultraschall. Die Ärztin sagte nur: "Na, das haben wir uns ja nicht gedacht, dass sie nun doch beide Kinder verlieren. Aber so süß die Beiden." Frechheit!!
Die Kinder hatten über Nacht nochmal die Plätze getauscht. Paulina lag in Geburtsposition und Helena weit oben in Querlage. Die Ärzte wollten versuchen nur eine zu holen. Es sah so aus als hätten sich die Beiden das untereinander ausgemacht. Paulina, die den Blasenriss hatte lag mit dem Köpfchen nach unten. Um ein Uhr hatte ich alle 30 Sekunden Wehen. Aber wir waren wieder alleine! Ich verlor sehr viel Blut und mein Mann geriet in Panik, da ich das Bewusstsein verlor. Man nahm mir Blut ab und bemerkte endlich, dass es Schwierigkeiten gab wegen des Blutverlusts. Ich hatte bereits 1 Lter Blut verloren. Der Arzt zog sich einen Handschuh an und griff mir einfach in die Gebärmutter und zog Paulina hinaus. Wir waren so erschrocken! Denn Paulina war viel größer und schwerer als gedacht!
Man ließ uns wieder alleine, da man versuchen wollte Helena drinnen zu lassen. Aber die Wehen gingen wieder los und man zog Helena einfach aus mir heraus. Nach 26 Stunden Wehen wurden unsere Kinder schließlich tot geboren.
Es war alles ein großer Schock. Ich verlor 1.5 Liter Blut und hatte extrem hohe Entzündungswerte!
Wir trauten uns erst 1.5 Stunden nach der Geburt unsere Töchter anzusehen! (Meine Eltern sahen sie sogar vor uns) Ich fand die Beiden nur wunderschön und erkannte sofort wer wer war! Ich war einfach nur verliebt und konnte alles um mich herum vergessen! Mein Mann brach völlig zusammen, während ich nicht eine Träne weinen konnte.

Der Schrecken nahm kein Ende. Drei Tage später bekam ich Krämpfe und man machte eine Ausschabung, da sich noch Plazentareste in meiner Gebärmutter befanden. Die Entzündungswerte blieben noch eine Weile. Ich habe bis jetzt komische Strukturen in der Gebärmutter, da diese völlig überstrapaziert wurde aufgrund der Zwillingsschwangerschaft und teilweise riss. Ich hatte noch extreme Probleme mit Blutungen nach der Geburt und bis heute leichte Schmerzen.

Man konnte uns keinen Grund für die Frühgeburt nennen und sagte uns, dass es bei einem Kind keine Probleme geben würde.
Der Arzt, Spezialist für Infektionen in der Schwangerschaft ( zu seiner Verteidigung: er war sehr nett und ich hatte das Gefühl, dass er mir wirklich nur das Beste wünschte und auch für die Zukunft wünscht) hat gemeint, dass die Entzündungswerte vom Blasenriss kamen.

Ich hab meinen letzten Abstrich aus eigenem Interesse im Mai machen lassen. Fast drei Monate nach der Geburt. Meine Ärztin meinte, dass alles okay wäre, aber ich ließ mir trotzdem den Befund zuschicken. Und siehe da: Wieder Darmbakterien und B-Streptokokken! Und keine Döderlein! Das heißt ich hatte einen sehr miesen Befund in meinen Augen! Ich holte mir eine zweite Meinung ein und eine andere Ärztin riet mir ein Antibiotikum zu nehmen und ein Gel mit Milchsäurebakterien für eine gesunde Scheidenflora.

Ich weiß nicht was ich in einer Folgeschwangerschaft tun soll. Ob ein FTMV sinnvoll wäre. Ich habe so Angst, dass dadurch erst recht etwas passiert. Ich habe ständig das Gefühl, dass es unten brennt und denke, dass ich eine Infektion in der Schwangerschaft hatte.

Liebe Grüße!


  Re: Angst vor erneuter Frühgeburt durch Infektion
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   gelöschter User
schrieb am 03.09.2012 22:46
Hallo Schnecke knuddel,

Deine Geschichte liest sich wie meine. Leider.
Ich verlor meine Mädels Ende der 17.SSW...
Ständig harter Bauch ab SSW 14...keine Sorge, das sind Kindsbewegungen...oft in der Ambulanz...ständig grenzwertiger Scheiden-PH...
dann Antibiotikumgabe...Verschlimmerung des Zustandes da multiresistenter Keim...eine Fruchblase platzt...ich bekomme Fieber, die Entzündungswerte schießen in die Höhe...meine erste Tochter muss geholt werden...meinen zweiten Schatz versucht man zu retten...Fieber steigt...starke Blutungen setzen ein...zu meinem Überleben muss man meine zweite Tochter möglichst schnell auf die Welt bringen...hoher Blutverlust... ich brauche zwei Bluttransfusionen... lange Zeit nach der Fehlgeburt noch starke Schmerzen und kein Vertrauen in das Ausgestandensein der Infektion... erst nach mehreren Antibiotika wieder "sauber"... jetzt noch immer wieder komischen Ausfluss usw.

Ich weiß, wie es Dir geht.
Auch meine Mädels waren wunderschön und ich bin dankbar für die stillen und zärtlichen Stunden, die wir mit ihnen verbringen durften.
Bei mir war es nachgewiesenermaßen eine Infektion. Bei einer erneuten Schwangerschaft würde auf jeden Fall ein TMV und eine Cerclage anstehen. Auch ich hätte großen Respekt davor und würde noch einmal genau Pro und Kontra abwägen.
Dass Du in Deinem Abstrich Bakterien hattest ist nicht ungewöhnlich. Die Anzahl wäre entscheidend. Ich musste auch die Erfahrung machen, dass nicht alle Ärzte die gleiche "Toleranzschwelle" haben. Bedenke allerdings, dass ein Antibiotikum genau auf die Bakterien zugeschnitten sein sollte. Mein Antibiotikum hat es erst ermöglicht, dass sich der multiresistente Keim unaufhaltsam vermehren konnte. Und erst das wiederholte Auffahren eines Breitbandantibiotikums war erfolgreich.

Vergiss nie, dass Du Mutter bist, dass Ihr Eltern seid! Sei stolz auf Dich und Deine Mädels und weine um sie. Sie haben es verdient. Ihr habt ihnen wunderschöne Namen gegeben!

Alles Gute auf Deinem weiteren Weg wünscht Dir und Deiner Familie

Schwarzbeere




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