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  Geschwisterkind? Suche Frauen zum Erfahrungsaustausch
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   Grüne_Tonne
schrieb am 17.01.2022 11:00
Hallo,

Ich bin in einer Situation in der ich mir Austausch mit anderen betroffenen Frauen wünsche, gerne auch mit Frauen die ihre Entscheidung bereits getroffen haben.
Ich bin 34 Jahre alt und habe einen neuen Monate alten Sohn Dank ICSI. Ich bin überglücklich dass ich ihn habe, Die Kinderwunschzeit war mit Abstand die härteste Zeit meines Lebens. Das ständige Hoffen und Bangen, die dummen Sprüche wann denn Kinder kommen vom Umfeld die mich sehr verletzt haben, die riesengroße Angst dass es nicht klappt und wir am Ende ohne ein Kind dastehen, dazu waren wir noch komplett Selbstzahler aufgrund des Alters meines Mannes. Aber wir hatten Glück, nach einer abgebrochenen und drei vollen ICSI's. Wir haben das Kind nach unserem Reproduktionsmediziner benannt.
Ich bin jeden Tag dankbar dafür dass ich dieses Glück habe.
Da ich in wenigen Monaten 35 werde und mein amh-wert nicht der beste ist (den genauen weiß ich nicht, ich hatte immer mit hoher Stimulation sechs bis sieben Eier, zum einfrieren ist nie was übrig geblieben) müssen mein Mann und ich uns entscheiden wie es mit einem zweiten Kind aussieht. Finanziell könnten wir uns eine weitere Behandlung leisten, einen Versuch zumindest, meine Mutter wurde uns sicher auch genau wie bei der ersten Behandlung ein wenig unter die Arme greifen. Nun bin ich aber hin- und hergerissen. Der ganze Stress nochmal? Auf der Arbeit lügen und mich krank melden, ständig rechnen ob das Geld reicht, dazu kommt noch dass ich einen ungeplanten Kaiserschnitt hatte und hier auf der Webseite gelesen habe dass die Einnistungsschancen dadurch geringer sind. Und der Hauptgrund: ich bin mir gar nicht mehr sicher ob ich tatsächlich zwei Kinder will. Wollte ich immer, aber ich finde unser Leben zu dritt schön und erfüllend. Mein Mann hätte nichts gegen ein zweites Kind, aber nur wenn ich das aus vollem Herzen auch will. Er ist ein später Vater, er war 61 Jahre bei der Geburt unseres Sohnes. Er hatte mit der ungewollten Kinderlosigkeit schon seinen Frieden gemacht und hätte, wenn seine erste Frau nicht gestorben wäre keine Kinder gehabt. Nun denke ich auch, sollte etwas passieren und er kann seine Vaterrolle nicht mehr ausfüllen (was nicht abzusehen ist) schaffe ich es mit einem Kind eher als mit zweien, sollten wir nochmal Glück haben. Des weiteren plagen mich diffuse Ängste, was ist wenn meinem Kind etwas zustößt, dann hätte ich ja ein weiteres Kind zum Trost? Wobei ich selber weiß dass nichts, aber auch gar nichts den Schmerz über den Verlust eines Kindes lindern kann, auch keine zehn weiteren. Auch frage ich mich ob ich die Entscheidung vielleicht später bereue wenn ich kein weiteres Kind bekomme oder es zumindest versuche.
Ich würde mich freuen wenn ihr mir eure Erfahrungen mitteilen würdet wenn ihr mögt. Ich weiß die Entscheidung kann einem niemand abnehmen, aber ich würde mich über Denkanstöße von außen sehr freuen.
Liebe Grüße,
Grüne_Tonne


  Re: Geschwisterkind? Suche Frauen zum Erfahrungsaustausch
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   JNA
schrieb am 18.01.2022 14:04
Hallo Grüne Tonne,
dein Beitrag spricht mich sehr an, auch wenn unser Kinderwunsch glücklich abgeschlossen ist und ich jetzt keinen Wunsch mehr nach weiteren Kindern habe. Aber deine diffusen Ängste kann ich nur all zu gut verstehen, sie sind mir oft noch sehr nah.

Thema Geld: da kommt es immer auf die eigenen Ansprüche an, die man vor sich und auch irgendwann vor den Kindern vertreten muss. Ich kenne Familien mit 3 Kindern am finanziellen Minimum, die dennoch alle glücklich und zufrieden sind mit der Situation. Anders kann auch eine Einkindfamilie mit ausreichend finanziellem Hintergrund damit nicht zufrieden sein. Verorte dich da. Findest du ein Geschwister für dein Kind wichtiger oder mehrere Freizeitaktivitäten, die ggf. teurer sind?

Thema Alter: ich persönlich denke, dass ein oder zwei Kinder alleinerziehend großzuziehen kaum ein Unterschied ist, denn das zweite, jüngere Kind bringt im Fall des Todes eines Elternteils nicht nur Nachteile, sondern auch Vorteile, z. B. das Bewusstsein für das Kind, mit der Situation nicht allein zu sein.

Thema Angst ums Kind: So wie du, dachte ich auch. Die Angst würde sich auf zwei oder mehr Kinder verteilen. Bei mir zumindest ist diese Rechnung nicht aufgegangen. Sie ist bei 4 ICSI-Kindern nun 4fach vorhanden. Dazu kommt die Angst, was das mit den anderen Kindern im Fall eines Verlustes machen würde. Passiert aber dem Einzelkind tatsächlich etwas (ist zwei meiner Tanten so ergangen), dann bringt das ggf. eine besondere Schwere und Wehmut ins Leben, denn die Freude auf der anderen Seite über ein lebendes Geschwister gibt es dann nicht.

Mit 4 Kindern bin ich sehr ausgelastet. Mein Schlafmangel macht mich manchmal fertig, das hätte ich mir vor den einjährigen Zwillingen nicht vorstellen können, dass das möglich ist. Dazu kommt, dass die Coronasituation und sehr getroffen hat. Und dennoch sagen mein Mann und ich beide, dass wir unendlich froh und dankbar sind für jedes der Kinder. Auch dass Nummer 3 ungeplant Nummer 4 gleich mitbrachte, was erstmal ein Schreck war, hätte uns nicht besser passieren können. Unsere finanziellen Möglichkeiten auf 4 Kinder aufzuteilen bedeutet auf jeden Fall eine Einschränkung, die wir für uns aber als vertretbar einstufen.
Unsere Familiensituation vor den Zwillingen war sehr harmonisch und wunderschön. Aber unser weiterer Kinderwunsch hätte uns noch lange als Schatten verfolgt, wenn wir es aus Vernunftsgründen nicht nochmal versucht hätten.

Alles Gute für die Entscheidungsfindung.


  Re: Geschwisterkind? Suche Frauen zum Erfahrungsaustausch
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   Jorunn
schrieb am 22.01.2022 19:34
Ich kenne niemanden, der im Nachhinein sagte, er hätte zuviele Kinder... aber ich kenne so Einige, die sagen, "vielleicht hätten wir es doch noch mal probieren sollen..." Es ist natürlich alles Eure Entscheidung! Das Argument, dass ein Einzelkind ohne Partner besser wäre, kann man auch anders sehen- ein Geschwisterkind gibt Halt, und wen du dann auch irgendwann nicht mehr bist, ist das Kind nicht ganz allein auf der Welt... Aber das sind alles so "hätte, wäre, wenn...irgendwann"-Befürchtungen und Gedankenspiele, meiner Meinung nach sollte man erstmal im "Hier und Jetzt" bleiben. Alles weiter wird sich finden, und es gibt immer irgendeinen Weg. Das betrifft auch das Finanzielle: Wenn das Kind erstmal da ist, findet sich alles.

Ja, Kinder kosten Geld- aber eigentlich viel, viel, viel weniger als man glaubt. Es wird einem nur in der Werbung und im "Mütter-Marken-Contest" eingeredet, was man alles besitzen, seinem Kind kaufen oder wie wie man es fördern muss. Wir haben 4 Kinder- und die tragen im Wesentlichen die Klamotten aus der Familie, dem Freundes-und Bekanntenkreis auf. Was fehlt, gibt es auf dem Kindersachenflohmarkt für wirklich wenig Geld, und klar, es gibt natürlich auch mal in paar "gute" Sachen, aber die halten auch, weil sie nicht im Kindergarten "geschreddert" werden. Spielzeug? Ebay oder Flohmarkt. Und da gilt dasselbe: Meist hat man am Ende viel zu viel, und zu jedem Geburtstag schenken Freunde/Verwandte neues Zeugs.

Und solche Dinge wie Wickelkommode, Trinklernbecher, Babyschwimmkurse, Chinesisch für Neugeborene etc. kann man sich auch schenken. Jahrtausende sind Kinder ohne PrEKiP-Kurs grossgeworden. Bei Problemen geht's bei uns zum Kinderarzt/Hebamme und dann zum Physiotherapeuten. "Babyschwimmen" war bei uns gemeinsames Baden in der Badewanne, gewickelt wurde auf einer Decke auf dem Fussboden (da kann auch kein Kind herunterfallen...!), Trinken haben die Kinder aus einfachen Plastikbechern gelernt, und unsere Babybadewanne war unsere Wäschewanne, die Laufräder und Kinderfahrräder gab's beim Flohmarkt und auf dem Wertstoffhof (und wurden gemeinsam flottgemacht, wir sind da zum Glück auch handwerklich fit).

Also, das Geld-Argument ist bei uns auch nicht soooooo heikel. Das kann bei Anderen aber natürlich auch anders aussehen, und da muss man ein bisschen wissen, was so die eigenen Ansprüche sind. Wichtiger als Geld ist Zeit und Liebe, gemeinsam spielen, Vorlesen, kuscheln...das ist zumindest unsere Erfahrung.

Und ja, 2 Kinder können wunderbar miteinander spielen, haben sich, haben ihre Geheimnisse, beschützen sich... Ich bin sehr sehr froh, dass ich Geschwister habe, und dass wir jetzt als Erwachsene unglaublich zusammenhalten, und auch Entscheidungen, die unsere mittlerweile alten Eltern betreffen, gemeinsam besprechen, treffen und auch finanzieren können.


  Re: Geschwisterkind? Suche Frauen zum Erfahrungsaustausch
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   Jorunn
schrieb am 22.01.2022 19:39
Thema Kinderwunschbehandlung, Einnistung etc.: Das, was da das Finanzielle betrifft, könnt Ihr nur allein entscheiden. Ja, die Einnistungschancen sind statistisch geringer, ich kenne allerdings viele Frauen, die trotz Kaiserschnittnarbe schwanger geworden sind- bei uns war es trotz Kaiserschnittnarbe dann noch mal eine Zwillingsschwangerschaft. Also, es kann alles passieren, und sooooo viel schlechter sind die Einnistungschancen nun auch nicht. Da spielen Faktoren wie z.B. das Alter und die Schleimhaut ein viel grössere Rolle. Am Besten kann das aber Euer Arzt beurteilen, der Dich und Deinen Körper kennt.


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  Re: Geschwisterkind? Suche Frauen zum Erfahrungsaustausch
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   Grüne_Tonne
schrieb am 25.01.2022 13:23
Hallo,

Veilen Dank für eure Antworten.
Zum Thema Geld: unser Baby ist im Unterhalt wirklich preisgünstig, dank second Hand, Stoffwindeln, stillen etc. Es geht mir auch nicht darum dass Kinder im Unterhalt so teuer sind, das kommt erst später (Klassenreisen, neue Klamotten, etc). Im Moment kostet der kleine vielleicht fünfzig Euro für Essen im Monat. Es geht mir eher darum dass wir die ICSIs komplett selber zahlen müssen. Unser Kind hat uns 23.000 Euro gekostet. Und wir verdienen nur durchschnittlich, ohne die Hilfe meiner Mutter wäre ich nach wie vor kinderlos oder hätte einen fetten Kredit abzuzahlen.
Zum Thema allein erziehend: ich denke das hängt stark vom Beruf und der individuellen Situation ab. Ich habe ein stabiles soziales Netz, aber meine Arbeit als Krankenschwester ist nicht sehr familienfreundlich, ich habe zwar die Wochenenden und Feiertage frei, da schließt unsere Station, dennoch arbeite ich im Dreischichtsystem. Für eine Lehrerin mit freien Ferien und Nachmittagen sieht das wahrscheinlich schon wieder ganz anders aus, oder vielleicht für eine Opernsängerin die Abends auftritt.
Ich denke insgesamt bin ich eigentlich ganz glücklich und dankbar dafür dass ich jetzt mein Wunschkind habe und habe einfach Angst etwas zu verpassen oder zu bereuen. zwinker
Auf jeden Fall danke ich euch dass ihr euch Zeit genommen habt mir zu antworten. Es stimmt auf jeden Fall dass mein Mann und ich das nur alleine entscheiden können.
Liebe Grüße,.eure grüne Tonne




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