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  Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Lenulila
schrieb am 11.09.2020 13:09
Ich weiß, das Thema wurde hier vermutlich schon hundert Mal erörtert, doch es beschäftigt mich so sehr, dass ich mich trotzdem über eure Antworten freuen würde.

Ich (34) hatte vor einigen Wochen nach Kryotransfer eine FG. Ich war zum ersten Mal schwanger und konnte mein Glück nach vielen Jahren Kinderwunsch überhaupt nicht fassen, doch leider war es ein Windei. Seither fällt es mir sehr schwer, wieder fröhlich zu sein und Hoffnung zu haben, dass der nächste IVF-Versuch, in den wir bald starten werden, erfolgreich sein wird. Ich kann mich schlecht auf meine Arbeit konzentrieren und bin insgesamt sehr träge und lustlos. Wegen der FG konnten wir unseren geplanten Sommerurlaub nicht antreten und wegen Corona fallen ja sowieso viele Aktivitäten und Hobbys, die sonst vielleicht zur Ablenkung gut wären, flach. Das Leben hat sich schon einmal schöner angefühlt...

Ich weiß, dass ich mich ablenken und mir Gutes tun muss. Nun habe ich aber das Gefühl, dass die wenigen Aktivitäten, die gerade stattfinden, fast ausschließlich mit Schwangeren oder Babys zu tun haben und mich das jedes Mal fix und fertig macht. Ich bin 34, mein Mann ist 38 - in unserem Freundes- und Bekanntenkreis dreht sich gerade bei fast allen alles ums Schwangerwerden, Schwangersein oder um Kinder. Wir haben nur wenige kinderlose Freunde und die sind eigentlich gerade alle mit dem Schwangerwerden beschäftigt - und ein Paar nach dem anderen zieht an uns vorbei und verkündet den Geburtstermin.

Zwei Wochen nach meiner FG waren wir auf eine Hochzeit eingeladen und ich habe mich wirklich darauf gefreut, mich endlich mal wieder schick zu machen, auszugehen, etwas abzulenken... Mein Mann hatte seinen alten Schulfreunden, die an unserem Tisch saßen, sogar vorher von der FG erzählt und dass es mir zZ nicht so gut geht (ich kannte die vorher nicht) und wir gerade besonders vorsichtig sind wegen Corona (ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, ob ich noch eines Ausschabung im KH brauche, und überhaupt wäre eine Corona-Infektion in KiWu-Zeiten ja nicht gerade toll - belastet euch das auch?). Wir kamen im Abendkleid und voller Vorfreude zu der Feier - doch leider war es für mich einer der schlimmsten Tage überhaupt. Es waren ca. 15 Kleinkinder und 5 Schwangere da, allein an unserem Tisch saßen zwei Babys und eine Schwangere, alle Gespräche drehten sich um das Thema und je angetrunkener die anderen Gäste waren, desto öfter fielen gefühlsschwangere Sätze wie "Kinder verändern dich und dein ganzes Leben, nichts ist mehr wie davor" usw. Ich musste mehrmals auf die Toilette rennen, um heimlich zu weinen. Ich weiß gar nicht, was für mich schwerer zu ertragen ist: Der Neid und die Traurigkeit, wenn ich Schwangere und Babys sehe, oder die Verletztheit, wenn andere solche Sätze sagen, obwohl sie von meiner Situation wissen.

Überhaupt habe ich leider, so frustriert das klingt, das Gefühl, dass sehr viele meiner Freunde sehr unempathisch mit dem Thema umgehen. Ich war von Anfang an ein Verfechter davon, ehrlich mit der KiWu-Behandlung und auch der FG umzugehen, doch manchmal bereue ich es nun. Eine sehr enge Freundin, der ich immer alles erzählt habe, hat mir erst im 5. Monat von ihrer Schwangerschaft erzählt, was mich wirklich verletzt hat. Meine beste Freundin hat mir einen Tag nach meiner FG Fotos von dem Neugeborenen irgendeiner Bekannten geschickt, einfach so, weil sie es so süß fand. Zwei andere Freundinnen, die beide Kinder haben, haben sich neulich lang und breit vor mir über eine andere Bekannte unterhalten, die sich mit 40 und mehreren erfolglosen IVFs doch langsam mal "mit Adoption abfinden" sollte - als wäre das so einfach. Natürlich würden solche Sätze auch oder erst recht fallen, wenn die anderen nichts von meiner Situation wüssten. Aber vielleicht würde es mir dann leichter fallen, darüber hinwegzusehen, und ich fände es weniger verletzend, weil ich mir nicht die ganze Zeit denken würde: Ihr wisst doch, was ich gerade durchmache!? Eine sehr traurige Weisheit, die ich bislang aus der Kinderwunschzeit ziehe, ist daher, dass viele Menschen sehr unempathisch sind und ich weniger aus meinem Privatleben erzählen sollte. Komischerweise habe ich selbst bei den wenigen Freunden, die eine KiWu-Behandlung hinter sich haben und die nun Kinder haben, das Gefühl, dass sie nicht sehr empathisch sind, wenn ich ihnen von meiner Traurigkeit erzähle. Meine Schwester hat zwei Kinder durch IVF und ich weiß noch, wie schlecht es ihr früher ging. Doch jetzt hat sie wenig Muße, sich anzuhören, wie ich mich fühle. Vielleicht ist das ein natürlicher Selbstschutzmechanismus von Kinderwunschfrauen, die endlich Kinder haben? Will man dann einfach nicht mehr in die dunklen, traurigen Abgründe eintauchen, die diese Zeit mit sich bringt?

Heute Abend wollten wir zum ersten Mal seit einiger Zeit wieder ausgehen. Eine Kollegin meines Mannes hat uns zum Grillen eingeladen. Eben rief er an: Sie hat ihm heute erzählt, dass sie in der 12. Woche schwanger ist. Sie ist über 40 und es hat bei ihr auch nicht gleich geklappt, dann hatte sie im Sommer eine IUI und damit Erfolg.

Tja, was soll ich sagen? Mir sind sofort die Tränen in die Augen geschossen und ich habe gerade zwei Stunden geweint. So viel zum Homeoffice. Dabei will ich nicht so sein. Ich mag diese Kollegin und gönne ihr wirklich ihr Glück. Ich will nicht missgünstig und von Neid zerfressen sein. Und trotzdem schaffe ich es nicht, solche Nachrichten einigermaßen gefasst hinzunehmen.

Ich habe nun meinen Mann gebeten, heute Abend ohne mich dorthin zu gehen. Ich habe mir nach der schrecklichen Hochzeitsfeier neulich fest vorgenommen, meine Grenzen zu akzeptieren und solchen Situationen, so gut es geht, aus dem Weg zu gehen. Ich wäre jetzt in der 13. Woche, wenn meine Schwangerschaft gehalten hätte, und ich schaffe es einfach nicht, einer Frau zu begegnen, die fast den gleichen Geburtstermin hat. Auch wenn es furchtbar mies von mir ist und Vergleiche sowieso nur unglücklich machen können, macht mich die Ungerechtigkeit wahnsinnig traurig, dass sie viel älter als ich mit nur einer IUI schwanger geworden ist. Nicht, weil ich es ihr nicht gönne. Sondern weil das erst recht das Gefühl in mir weckt, dass mit meinem Körper wirklich etwas nicht in Ordnung ist. All die typischen Gefühle, gegen die ich mich nach der FG so gerne wehren wollte, wie Schuldgefühle und absolutes Misstrauen in meinen Körper, sind so heftig und es gelingt mir nicht, rational dagegen anzukämpfen.

Nun sitze ich hier und bin traurig. Ich wäre heute Abend gerne ausgegangen, um einfach mal wieder etwas Schönes zu erleben. Ich habe Angst, dass ich mich unhöflich und viel zu egozentrisch verhalte, wenn ich nun alle Schwangeren oder jungen Mütter aus unserem Freundeskreis meide. Ich habe Angst, wenn diese Zeit noch lange so weitergeht, den Großteil meiner Freunde zu verlieren. Gleichzeitig genieße ich die meisten Freundschaften nicht mehr. Lange Abende mit Wein und interessanten Gesprächen gibt es nun einmal kaum mehr, jetzt feien die meisten ihren Geburtstag sonntags um 14 Uhr und es sind genauso viele Babys wie Erwachsene anwesend. Und ich fühle mich als Außenseiter. Und schließlich habe ich Angst, meinen Mann mit unglücklich zu machen. Indem ich mich aus immer mehr Freundschaften zurückziehe und immer eigenbrötlerischer werde, wird er mehr und mehr zu meinem Ein und Alles. Ich bin dankbar für unsere Ehe. Doch ich weiß eigentlich, dass ein Partner nicht alle Rollen übernehmen, nicht zugleich dien bester Freund sein sollte. Ich möchte ihn nicht überfordern. Und ich möchte, dass er sich ein bisschen amüsieren kann. Aber natürlich fällt es ihm auch schwer, nun immer ohne mich auszugehen. Wenn ich mich aber zusammenreiße und mitkommen, bin ich danach wieder ein nervliches Wrack, weine und er muss mich trösten... Das macht es für mich noch schwerer, denn um ehrlich zu sein habe ich ohnehin schon mit dem schlechten Gewissen zu kämpfen, dass dieser unheimlich liebe Mann meinetwegen (ich bin Verursacher) vielleicht nie Vater sein wird. Ich weiß, dass ich nicht so fühlen sollte, und das sagt er mir auch immer wieder. Ich kann das Gefühl aber trotzdem nicht ausstellen. Und es nagt an mir.

Nun habe ich einen sehr langen Text geschrieben, bitte verzeiht mir. Ich würde gerne von euch wissen, ob es euch ähnlich geht. Findet ihr meine Gefühle normal? Wird es mit der Zeit besser? Härtet einen jeder erfolglose Versuch ab? Oder ist meine Reaktion zu heftig, sollte ich mir Hilfe holen? Wie ist für euch der ganze Umgang mit anderen Schwangeren und Babys? Habt ihr Tipps für mich? Findet ihr, man darf in der Situation rigoros sein und allen Freunden, die einem nicht gut tun, aus dem Weg gehen? oder heißt es bei gewissen gesellschaftlichen Verpflichtungen, wie Taufen, Babyshower usw, Augen zu und durch, weil man sonst bald gar keine Freunde mehr hat?


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.09.20 18:45 von Lenulila.


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Leli2020
Status:
schrieb am 11.09.2020 13:37
Hallo Lenulila,

ich habe ähnliches erlebt wie du. Wir kennen uns auch aus dem SS-Forum. Ich hatte eine MA in der 11 SSW mit 2 OP´s.
Die Gefühle, die du beschreibst erkenne ich bei mir wieder. Auch wir haben uns nach der Fehlgeburt erst einmal zurückgezogen und zusammen getrauert, sodass ich Kontakte (außer Familie) gemieden habe. Auch habe ich nach Treffen mit schwangeren Freundinnen und Müttern bemerkt, dass ich damit noch nicht umgehen kann, auch wenn diese sehr verständnisvoll sind. Am Mittwoch habe ich von einer Freundin erfahren, dass sie nunmehr auch schwanger ist (im 1.ÜZ). Sie ist eine Woche nach mir schwanger geworden und wird voraussichtlich (drücke ich ihr die Daumen) im März ein gesundes Kind zur Welt bringen. Die Nachricht hat mich aus den Socken gehauen, ich habe auch im Anschluss die halbe Nacht geweint ("warum ich nicht?" Warum ist das Leben so ungerecht"). Wie du schreibst - gefühlt ziehen alle an einem vorbei - nur man selbst steht ohne Erfüllung dieses Kinderwunsches da. Ich habe daher beschlossen, dass ich die nächste Zeit diese Freundin (und auch alle anderen Freundinnen mit Kindern die mir nicht gut tun) meiden werde. Wenn diese Freundin die Situation nicht versteht, dann ist es mit der Freundschaft nicht so weit her. Es kommt doch häufiger mal vor, dass man Phasen einer intensiveren Freundschafts hat und dann wieder weniger.

Wir sind rd. 2 Wochen nach der Fehlgeburt für einige Tage weggefahren. Mir hat es gut getan mich abzulenken, mal was anderes zu sehen und etwas zu unternehmen, was man mit Kindern oder schwanger nicht unternehmen kann.
Vielleicht könnt ihr so etwas auch mal einrichten. Es muss ja nicht immer eine Reise ins Ausland sein.

Ich treffe mich zur Zeit auch gern mit Freundinnen/Freunden, die keine KInder haben und das Thema dort nicht präsent ist, sodass man auch hier mal wieder auf andere Gedanken kommt. Vllt. gibt es auch in deinem Freundes/Bekanntenkreis hier Leute, die man mal auf einen netten Abend oder eine entspannte Aktivität treffen kann?

Ich finde nicht, dass deine Gefühle zu heftig sind, sondern dein Verlust ist noch nicht sehr lange her, sodass die Trauer, Enttäuschung und alle anderen Gefühle für mich nachvollziehbar sind. Im Übrigen fühlst du in dich herein und achtest auf dich. So kann deine Seele heilen.

Wenn du schreibst, dass du deinem Körper misstraust, kann ich auch dies nachfühlen. Auch mir ging es nach der MA so. Ich kann nicht nachvollziehen, dass mein Körper mir nicht gezeigt hat, dass der Embryo verstorben war, ich aber weiterhin unter Übelkeit etc. gelitt. Ich mache Yoga um wieder Vetrauen in den Körper zu gewinnen. Vielleicht kann Sport (muss ja kein Yoga sein) dir hier helfen.


Dir alles Gute und viel Erfolg für den weiteren Weg!


Leli


1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.09.20 14:08 von Leli2020.


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Lizzi82
schrieb am 11.09.2020 13:53
Hallo Lenulila,
als erstes möchte ich dir sagen, dass mir das mit deiner FG sehr leid tut. Das muss ganz schrecklich sein, gerade, wenn das schwanger werden so schwierig ist.
Zu deinen Fragen würde ich spontan sagen: höre auf dein Bauchgefühl. Wenn du vorher schon das Gefühl hast, dass dir ein Event nicht guttut, dann geh nicht hin. Im Moment ist ja alles noch sehr frisch bei dir. Irgendwann kommt die Zeit, wenn man nicht nur schlechte Tage hat. Und dann hat man an einem guten Tag vielleicht auch mal wieder Lust, andere Leute (auch Schwangere und Leute mit Babys) zu treffen.
Ich habe immer von Anfang an versucht, meine Situation von den Situationen anderer zu trennen. Wenn mal wieder jemand schwanger wird (und ich bin jetzt wirklich in Familie-, Freundes- und Kollegenkreis die ALLERLETZTE, die noch kinderlos ist), dann versuche ich mir zu sagen: „hey, dass die Kollegin jetzt schwanger ist, hat nichts mit dir zu tun. Sie kann nichts dafür, dass es bei dir nicht klappt, also versuche dich so für sie zu freuen, wie du dich für dich selbst freuen würdest.“ Damit bin ich bisher ganz gut gefahren, bin allerdings auch insgesamt eher „rational“ unterwegs, nicht nur bei diesem Thema. Aber mit der Zeit merke ich auch, dass ich mit jedem erfolglosen Versuch dünnhäutiger werde, auch je älter ich werde und je mehr ich meine Chancen schwinden sehe (werde nächste Woche 38). So ein „Patentrezept“ gibt es wohl nicht...
Ich hoffe jedenfalls für dich, dass es beim nächsten Mal klappt und drücke dir ganz fest die Daumen!
Viele liebe Grüße,
Lizzi


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Gamora83
Status:
schrieb am 11.09.2020 16:36
Hallo Lenulila,

es tut mir furchtbar leid, dass ihr eine FG erleiden musstet. Du hast alles recht traurig zu sein und solltest dir dies auch zugestehen. Manche Frauen brauchen nur wenig Zeit um damit umzugehen, andere länger. Wir haben unseren Sohn letztes Jahr im Oktober Ende der 15. SSW verloren und es gibt immer noch Tage, an denen es mir richtig mies geht. Es braucht einfach Zeit. Man fühlt sich seinem Ziel schließlich so nah und malt sich die schönsten Dinge aus. Ich habe nach einiger Zeit auch eine Psychologin besucht. Anfangs war ich der Meinung, dass ich das nicht bräuchte, man könnte mir eh nichts sagen, was ich nicht schon weiß und den Schmerz kann mir auch keiner nehmen. Aber es tat wirklich gut mit jemand unabhängigem zu sprechen, auch dass ich Dinge ansprechen konnte, die ich nicht mit Freunden/Familie besprechen wollte/konnte.
Evtl. wäre dies auch eine Möglichkeit für dich, dass du unterstützt wirst du weniger das Gefühl hast, nur deinen Mann zu belasten.

Freunde sind so eine Sache, wenn sie nicht in dieser Situation waren/länger raus sind, ist es ihnen fast unmöglich die ganzen Gefühle nachzuvollziehen. Sie wissen oft nicht, wie sie reagieren sollen und "vergessen" auch leichter, dass einem dieses Thema sehr schwer fällt und für sie sind ein paar Wochen eine lange Zeit. Ich hatte Glück, dass es bei mir nur wenige waren, die unsensibel reagiert haben. Ich habe versucht offen zu kommunizieren, wie es mir geht. Das hat schon geholfen. Und ich habe zeitweise Freunde gemieden. Wir hatte auch ein Paar im Freundeskreis, ihr ET 4 Wochen nach uns. Das Paar haben wir erst ca. 3 Monate nach der Geburt wieder gesehen und ich habe mir Vorbehalten zuhause zu bleiben oder früher zu gehen, falls es mir schlecht geht. Der Kleine wurde dann sogar nur 1 Woche nach unserem ET geboren. Das war auch nochmal richtig schlimm und ich habe mich oft gefragt, warum wir nicht dieses Glück haben dürfen?

Ich kann dich verstehen, dass du Angst hast, dass deine Freude verschwinden, wenn du dich länger nicht mit ihnen triffst. Aber gute Freundschaften sollten auch solch eine Zeit überstehen.

Fragen/Gespräche bis zu welchem Alter man Kinder bekommen sollte/es probieren sollte, versuche ich entweder aus dem Weg zu gehen oder ich sage klar meine Meinung, dass jeder für sich entscheiden kann und es keinen anderen was angeht. Die Sprüche wegen Adoption/Pflege habe ich auch schon oft gehört, ich versuche die Leute dann aufzuklären, dass dieser Weg genauso schwer ist, soweit denken die meisten nämlich leider nicht.

Nimm dir auf jeden Fall die Zeit, die du benötigst, wenn du "fertig bist", lass dich auch nochmal 1-2 Wochen krank schreiben und setz dich mit dir auseinander, mach Dinge die dir gut tun. Es braucht seine Zeit und deine Seele, dein Herz muss erst wieder heilen.

Ansonsten kann ich mich Lizzi anschließen, dass ich zu trennen versuche und mir sage, dass die anderen nichts für mein/unser Schicksal können. Und ich wünsche es auch niemandem. Aber trotzdem muss man sich natürlich nicht mit jedem direkt freuen, ich finde das auch ok.

Ich drück dich fest!
Gamora


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  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Lenulila
schrieb am 11.09.2020 19:09
Ihr Lieben,

ich danke euch sehr für eure Antwort. Es tut sehr gut zu hören, dass ihr meine Gefühle nachvollziehen könnt. Ich habe wirklich oft den Eindruck, dass alle von mir erwarten, jetzt lange genug getrauert zu haben. Doch um ehrlich zu sein, geht es mir jetzt schlechter als vor ein paar Wochen, als die FG aktuell war. Vielleicht, weil mich damals die Hoffnung auf einen natürlichen Abgang, dann die Auslösung der Abbruchblutung mit Cytotect, die Ultraschalluntersuchungen alle paar Tage usw. abgelenkt haben. Nun, wo alles durchgestanden ist, spüre ich erst die Leere.

@Leli: Natürlich erinnere ich mich an dich und es tut mir wahnsinnig leid, zu hören, dass auch deine Schwangerschaft nicht gut ausgegangen ist. Von dir zu lesen, hat mich sehr traurig gemacht, zumal du ja auch schon weiter warst als ich und damit viel mehr Grund zur Hoffnung hattest. Umso mehr danke ich dir, dass du dir die Zeit genommen hast, auf meinen Text einzugehen. Und danke für deine Ratschläge. Es stimmt schon, neben all den Freunden mit Babybauch und Kindern gibt es natürlich auch vereinzelte Freunde, die keine Kinder haben, und ich muss zusehen, dass ich selbst wieder aktiver auf diese Menschen zugehe. Und auch mit dem Sport hast du Recht. Ich neige leider dazu, mich wenn es mir schlecht geht im Bett zu verkriechen. Aber eigentlich mochte ich zB Yoga auch immer sehr. Ich wünsche dir von Herzen alles Gute. Hoffentlich treffen wir uns bald wieder im SS-Forum, und dann endgültig.

@Lizzy: Ich bewundere dich für deine Art, mit anderen Schwangeren umgehen zu können. Rational versuche ich mir das auch zu sagen, aber leider fällt es mir unheimlich schwer, mit meinem Verstand die Gefühlsebene zu erreichen. Aber manchmal hilft es, mit etwas Abstand auf die Sache zu sehen... Ich hoffe, dass du deinen Geburtstag nächste Woche feierst und nicht nur das Älterwerden siehst.

@Gamora: Es tut mir sehr leid, dass auch du diese Erfahrung machen musstest, und das so spät. Danke für deine Worte und deine Tipps. Ich denke tatsächlich viel darüber nach, zu einem Therapeuten zu gehen. Mein Problem ist, dass ich früher schon mal eine Therapie gemacht habe und hoffe, in den nächsten Jahren verbeamtet zu werden. Daher habe ich Angst, dass sie mich irgendwann nicht mehr verbeamten, denn mit allem Psychischen ist man in Deutschland ja leider sehr streng. Daher bliebe nur die Möglichkeit, die Therapie selbst zu zahlen, damit sie nirgendwo auftaucht. Dazu kann ich mich gerade noch nicht ganz durchringen, weil die KiWu-Behandlung ja schon Geld schluckt. Aber andererseits ist die psychische Gesundheit wichtiger als alles andere und es muss ja nicht gleich eine Langzeittherapie sein. Wahrscheinlich helfen auch ein paar Stunden. Ich werde darüber nachdenken.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und alles Liebe.
Lenulila


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Leli2020
Status:
schrieb am 12.09.2020 09:10
Zitat
Lenulila
Ich denke tatsächlich viel darüber nach, zu einem Therapeuten zu gehen. Mein Problem ist, dass ich früher schon mal eine Therapie gemacht habe und hoffe, in den nächsten Jahren verbeamtet zu werden. Daher habe ich Angst, dass sie mich irgendwann nicht mehr verbeamten, denn mit allem Psychischen ist man in Deutschland ja leider sehr streng. Daher bliebe nur die Möglichkeit, die Therapie selbst zu zahlen, damit sie nirgendwo auftaucht. Dazu kann ich mich gerade noch nicht ganz durchringen, weil die KiWu-Behandlung ja schon Geld schluckt. Aber andererseits ist die psychische Gesundheit wichtiger als alles andere und es muss ja nicht gleich eine Langzeittherapie sein. Wahrscheinlich helfen auch ein paar Stunden. Ich werde darüber nachdenken.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende und alles Liebe.
Lenulila

Ich weiß nicht wie begründet deine Angst vor einer Nicht-Verbeamtung ist. Ich selbst bin Beamtin in NRW. Ich war aufgrund eines traumatischen Erlebnisses im Alter von 16 - 19 Jahren in psych. Behandlung. Der Amtsarzt hat aber bei der Untersuchung keine einzige Frage in diese Richtung gestellt. Auch später (am Ende der Probebeamtenzeit) wurde dies von keiner Seite thematisiert.

Meine Schwester hatte ebenfalls eine sehr früne FG (5-6 SSW) erlebt. Sie hat sich im Anschluss etwa 10-12 Stunden psychologisch betreuen lassen. Sie sagte, dass diese Gespräche ihr sehr geholfen haben. Sie hatte aber auch keinen Partner, der sie unterstützt hat (damit will ich nicht sagen, dass du aufgrund deines Partners dies nicht in Anspruch nehmen solltest, sondern, dass ich nicht weiß, ob sie die Gespräche benötigt hätte, wenn der Ex-Freund ihr zur Seite gestanden hätte).

Alles Gute,

Leli.


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Schnorchler
schrieb am 12.09.2020 17:08
Liebe Lenulila,
Ich kann Deine emotionale Verfassung sehr gut nachvollziehen. Bei uns gibt es Trauergruppen für Frauen nach Fehlgeburten. Das hat mir sehr geholfen und läuft in der Regel kostenlos über Vereine. Vielleicht gibt es sowas auch bei Euch?
Liebe Grüße und alles Gute!
Schnorchler


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   tadam
schrieb am 12.09.2020 21:06
Hallo, es geht so, meiner Meinung nach fast allen Frauen, die in solcher Situation stecken. Bei mir ist es so, dass ich schon seit einem Jahr meine Pille angesetzt habe. Vor 2 Monaten dachte ich, ich sei schwanger. Die Periode kam nur einen Tag ganz wenig Blut, habe dann gegoogelt und mir dann schon gedacht, dass es sich um Einnistungsblutungen handeln könnte. Habe dann den Schwangerschaftstest gemacht, der war negativ! Nächsten Monat wieder nur einen Tag Periode, da kam es mir dann langsam komisch vor, habe beim Frauenarzt angerufen und gefragt ob das normal wäre. Der FA fragte mich nach meinem Alter und dann gesagt, dass meine Gebärmutter wohl so funktionieren würde und dass es besser sei nicht lange Periode mit wenig Blut zu haben. Er hat mir auch gleich Folsäure verschrieben als er gehört hat, das wir starten aber gesagt, es kann bis zu einem Jahr dauern. Vor kurzem war eine meiner besten Freundinnen bei mir und hat mir mit grossem Glück gesagt, dass sie schwanger ist und dass sie das noch niemandem erzählt hat. Damals habe ich mich riesig mit ihr gefreut, zumal es gleich nach absetzten der Pille auf Anhieb geklappt hat. Mittlerweile bin ich etwas gefrustet und frage mich weshalb das nicht mal bei mir so laufen kann, meine Freundin hat immer Glück. Hört sich jetzt alles ziemlich neidisch an, bin ich aber nicht, ich gönn es ihr ja, bei uns scheint halt alles immer etwas länger zu dauern. Als sie mir erzählt hat dass sie überraschenderweise gleich nach Absetzen der Pille schwanger geworden ist, habe ich ihr gestanden, dass wir auch seit kurzem dran sind und sie hat sich riesig gefreut und hofft für uns dass es auch bald klappt.


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
avatar    Marle80
Status:
schrieb am 12.09.2020 21:18
Hallo.


Ich kann sehr gut verstehen wie es dir geht. Ich weiß es klingt komisch, aber der erfüllte Kinderwunsch hat bei mir die Perspektive völlig verändert. Bei mir ist es im Prinzip anders herum. Wir haben fast nur Freunde ohne Kinder und fühlen uns auch fast isoliert. Die anderen Paare müssen auf niemanden Rücksicht nehmen, können abends ohne Probleme ausgehen, Sachen unternehmen, jeden Urlaub machen, zu dem sie Lust haben. Wir müssen immer schauen, dass wir eine Kinderbetreuung finden. Ich liebe mein Kind über alles, aber manchmal schaue ich mit Neid auf die ohne Kinder. Den Spruch ein Kind verändert alles kann ich ohne Weiteres unterschreiben, aber es ist nicht immer alles heller Sonnenschein. Vielleicht muntert dich das etwas auf. Versuche die Zeit mit deinem Partner zu zweit so gut es geht zu genießen. Ablenken ist das Beste was du tun kannst. Wahrscheinlich wird es auch bei euch bald klappen mit dem Kinderwunsch und dann wirst du andere Seite kennenlernen.

LG, Marle


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Lenulila
schrieb am 13.09.2020 11:40
Vielen Dank für eure Antworten und Ideen!

@ Marle: Ich kann mir vorstellen, dass die andere Seite auch nicht nur eitel Sonnenschein ist, sondern ganz im Gegenteil sehr herausfordernd. Wenn ich wüsste, dass es irgendwann klappt, würde ich die Zeit zu zweit sicher auch viel mehr genießen. Aber der Zweifel, die Unsicherheit überschattet manchmal die Gegenwart. Doch ich gebe mir Mühe. Gleich brechen wir zu einem Ausflug in die Natur auf. Ich habe fest vor, den Tag zu genießen.

@Leli: Ich glaube, dass die Bundesländer oder vielleicht sogar die einzelnen Ärzte da sehr unterschiedlich sind. Ich bin auf Zeit verbeamtet und bei meiner amtsärztlichen Untersuchung wurde ein großes Ding daraus gemacht, dass ich mit Anfang zwanzig eine Therapie gemacht habe. Es hat dann letztlich geklappt, aber es war eine Zitterpartie und ich fand das Ganze sehr erschütternd, zumal es ja wirklich nur um eine Verbeamtung auf Zeit für ein paar Jahre ging. In zwei Jahren läuft meine Stelle aus und dann werde ich mich neu bewerben müssen... Vermutlich hatte ich aber wirklich großes Pech mit der Amtsärztin. Sie wirkte wie die Aufseherin eines Bootcamps, ich musste mich bis auf die Unterhose ausziehen (das meine ich wörtlich!).

@ Schnorchler: Vielen Dank für den Tipp! Ich werde gleich mal recherchieren, ob es auch hier eine solche Gruppe gibt.

Ich wünsche euch allen einen schönen Sonntag!


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
no avatar
   -Bellissima-
schrieb am 13.09.2020 12:57
liebe lenulila,

ich habe zur zeit die gleiche phase und nach dem tod unserer frühgeburt mila immer wieder phasen der trauer. ich bin bei einer therapeutin, die mir mit hypnotherapie sehr hilft. dort weine ich zwar gefühlte 30liter, aber danach geht es mir schon viel besser und es wird leichter um die brust herum. komischerweise hat es mir nichts ausgemacht mich mit freundinnen zu treffen die jetzt gerade ihr kind bekommen haben, als mit einer kollegin, die mir vorgestern (nach der therapiesitzung...wahrscheinlich war ich auch noch sehr verletzlich) gesagt hat, dass sie wieder schwanger ist, im 2. ÜZ.
das hat mich vollvon den socken gehauen, obwohl ich mit dieser situation schon gerechnet habe.

aktuell hilft mir vor allem viel sport zu machen. in unserem tennisverein sind ein paar gleichaltrige aber auch mitte vierzig/fünfzig jährige, die schon große kinder haben und bei denen ich mich total wohlfühle, denn dort ist man so gut wie gar nicht mit dem thema kinder konfrontiert. vielleicht hast du auch so eine nische die du nutzen kannst!?

außerdem möchte ich dir mut machen egoistischer zu denken. keiner deiner freunde kann nur im ansatz nachempfinden, was du durchmachen musst. sich auch noch mit vorwürfen vollzuballern, dass man anderen nicht aufs "schlipschen" treten möchte, ist fehl am platz, finde ich. wenn es einem nicht passen sollte, dann ist der oder diejenige auch in meinen augen nicht als freund zu bezeichnen. in wiefern nehmen deine freunde denn rücksicht auf diech und deine lage, von der sie ja laut deiner aussage zum teil wissen!? man muss nicht gönnerhaft sein,wenn einem einfach nicht danach ist. probiers mal aus...ich finde, wenn man sowas alles erlebt, darf man auch ein bisschen @#$%& sein. das heißt ja nicht, dass das ein leben lang so sein wird. es kommen auch wieder sonnige tage, so oder so!


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
no avatar
   littlemeamy
Status:
schrieb am 13.09.2020 13:26
Zitat
Lenulila
@Gamora: Es tut mir sehr leid, dass auch du diese Erfahrung machen musstest, und das so spät. Danke für deine Worte und deine Tipps. Ich denke tatsächlich viel darüber nach, zu einem Therapeuten zu gehen. Mein Problem ist, dass ich früher schon mal eine Therapie gemacht habe und hoffe, in den nächsten Jahren verbeamtet zu werden. Daher habe ich Angst, dass sie mich irgendwann nicht mehr verbeamten, denn mit allem Psychischen ist man in Deutschland ja leider sehr streng. Daher bliebe nur die Möglichkeit, die Therapie selbst zu zahlen, damit sie nirgendwo auftaucht. Dazu kann ich mich gerade noch nicht ganz durchringen, weil die KiWu-Behandlung ja schon Geld schluckt. Aber andererseits ist die psychische Gesundheit wichtiger als alles andere und es muss ja nicht gleich eine Langzeittherapie sein. Wahrscheinlich helfen auch ein paar Stunden. Ich werde darüber nachdenken.

Liebe lila,

mir ging es ähnlich, sodass ich deine Sorgen sehr gut nachvollziehen kann. Mir hat letztlich auch ein wenig geholfen, mir selbst immer wieder einzureden, dass die anderen ja nicht MEIN Baby bekommen und es ja nicht so ist, dass ich irgendwann vor einem leeren Supermarktregal stehen werde, weil die anderen schneller waren.
Und ich hätte es so traurig gefunden, wenn nun alle Probleme beim schwanger werden gehabt hätten. Was wäre das bloß für eine triste Welt.

Was ich aber eigentlich schreiben wollte: du musst ja nicht gleich eine Therapie beginnen, vielleicht helfen dir ja schon ein paar Beratungsstunden in einer Beratungsstelle (Schwangerschaftsberatung oder auch Lebensberatung). Die Beratung ist kostenfrei und taucht zudem nirgends auf, kann aber durchaus nützlich sein.

Alles Gute dir und genieße den Ausflug in die Natur!

amy


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
no avatar
   Solani2
Status:
schrieb am 13.09.2020 15:10
Leniluna,

was mir auffällt - du beschreibst wiederholt, wie du dir vornimmst, den Tag zu genießen und Spaß zu haben, obwohl du dich nicht gut fühlst. Klar ist es nicht gut, sich einzubuddeln, aber Situationen ertragen zu müssen, in denen man sich verstellen muss (oder will) ist psychisch extrem hart. Menschen mit z.B. Kundenkontakt in der Arbeit, die gerade einen Schicksalschlag erleben mussten, tun sich deshalb extrem schwer. Weil sie eine Fassade ausfüllen müssen. Das kostet unheimlich viel Kraft.
Ich würde dir deshalb raten, dir Dinge zu suchen, die dir Freude bereiten, wo du dich eben nicht verstellen musst oder plötzlich mit einer schwierigen Situation (wie viele Schwangere und Kinder auf einem Haufen) konfrontiert wirst. Feiern sie und Partys sind da einfach nicht das Richtige. Irgendwelche Kurse, Gartenarbeit, Handarbeit, Dates mit deinem Mann, sowas ist gut. Und der normale Alltag (soweit du dich da nicht zu sehr verstellen musst). Nimm dir Zeit, du bist da auch deinem Mann nichts schuldig.
Und zu den Frauen, die mal eine harte Kinderwunschzeit hatten und jetzt öffentlich nicht sonderlich sensibel zu dir sind - fast alle vergessen die Abgründe sehr schnell. Das ist auch gut so. So sind wir eben gemacht und so können wir auch meistens gut weitermachen und "funktionieren".

Gute Besserung und ich drücke dir die Daumen, dass es bald klappt!


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
avatar    grapsch
schrieb am 13.09.2020 20:11
Lass Dich mal unbekannterweise drücken. Ich glaube, Deine Gefühle sind total "normal" und auch "gesund". Versuche einfach durch die jetzige Zeit zu kommen. Das heisst nicht, dass es immer so bleibt. Deine Fehlgeburt liegt erst so kurz zurück. Sammel Kraft für Euren weiteren Weg und bleib bei Dir. Ich verstehe gut, dass Du Dich nicht mit jemandem triffts der gleich weit schwanger ist, wie Du es wärest. Das schützt Dich gerade und das ist sehr gut, dass Du auf Dich aufpasst. Pass weiter auf Dich auf. Und ja ich denke auch, dass jeder in sich selber steckt, gerade bei diesem Thema. Ich z.b. kann die Angst vor einer Fehlgeburt sehr nachvollziehen, aber eine Fehlgeburt habe ich selber nie erlebt und ich maße mir nicht an, dies nachvollziehen zu können. Obwohl ich wirklich hoffe, dass ich immer emphatisch war, wenn ich dies von Freundinnen od. Bekannten erfahren habe. Und ich weiß rational auch noch, wie zermürbt ich mich in meiner Kinderwunschzeit und bei den erfolglosen ICSIs gefühlt habe und nicht fühlen wollte, ganz ähnlich wie Du. Aber so ganz richtig kann ich es tatsächlich nicht mehr emotional nachfühlen. Seltsam, finde ich das auch. Aber auch hier hoffe ich, dass ich anderen zukünftig sensibel begegne, da ich schon noch weiß, wie sehr verletzend ich manches fand.
Ich wünsche Dir alles Gute für Euren Weg. Du fühlst genau richtig und hast dazu alles Recht der Welt jetzt.


  Re: Wie geht ihr mit schwangeren Freundinnen usw. um? Wie schafft ihr es, fröhlich zu bleiben?
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   Lenulila
schrieb am 14.09.2020 12:44
Hallo ihr Lieben,

vielen Dank für eure Nachrichten und die virtuellen Umarmungen. Ich habe viel über jede einzelne Nachricht nachgedacht und bin euch wirklich sehr dankbar. Bei einigen von euch konnte ich auch lesen, was ihr erlebt habt, und ich muss sagen, dass ich euch sehr für eure Stärke bewundere. Und dass ich mich freue, hier solch starken, nachdenklichen Frauen zu begegnen, mit denen ich meine Erfahrungen teilen kann.

Ich habe mir jetzt fest vorgenommen, in der nächsten Zeit wirklich darauf zu achten, welche Kontakte, Freizeitbeschäftigungen usw mir gut tun und welche eben nicht. Es stimmt wirklich, ich habe viel zu sehr versucht, mein altes Leben fortzuführen bzw. den früheren Gewohnheiten nachgetrauert, ohne mir wirklich zu überlegen, was im Moment das Richtige für mich ist. Ich bin zurzeit nun einmal gerne allein, treffe lieber Familie als Freunde, koche und backe gerne, bin gerne in der Natur, wandern und spazieren. Also werde ich auch mit diesen Dingen meine Freizeit füllen und auch versuchen, diese Traurigkeit für den Moment zu akzeptieren.

Außerdem habe ich ein paar Beratungsangebote aus unsere Region herausgesucht und werde dort in den nächsten Tagen anrufen. Die Zeit vergeht so schnell und ich starte in etwa drei Wochen schon wieder mit der Stimulation für die nächste IVF. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich fühle mich immer besser in den Zeiten, in denen ich etwas zu tun habe, und seien es nur die täglichen Spritzen. Das gibt mir das Gefühl, selbst etwas machen zu können, während ich alle passiven Wartezeiten richtig schrecklich finde. Daher fiebere ich auch schon dem Behandlungsbeginn zu. Aber gleichzeitig muss ich mich immer wieder ermahnen, dass die Erfolgschance wieder nur bei 20, höchstens 30 Prozent liegt. Es ist also sehr gut möglich, dass es wieder nicht klappt - eine schlimme Vorstellung, auf die ich aber vorbereitet sein will. Ich hoffe, dass ich bis dahin eine passende Therapie oder Beratungsstelle gefunden habe.

Habt einen guten Start in die Woche und euch allen liebe Grüße
Lenulia




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