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  Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   Cashew
schrieb am 22.01.2020 08:38
Hallo liebes Forum,

ich hoffe, ich darf mich hier einmal ausheulen, ohne gleich Häme zu ernten (wie in anderen Internet-Foren).

Ich bin w, 40, und habe vor 5 Jahren meinen Mann, 45, kennen gelernt. Vor 4 Jahren keimte der Wunsch nach einem gemeinsamen Kind auf, da war ich also 36 (er 41) und voller Optimismus, dass das bei uns noch klappt.

Aber es klappte nicht. Nach einem Jahr ohne Verhütung, haben wir uns natürlich Gedanken gemacht (v.a. ich). Ich habe mich untersuchen lassen, Ergebnis: alles bestens.

Meinen Mann hat es große Überwindung gekostet, sich untersuchen zu lassen. Außerdem war er fest davon überzeugt, dass bei ihm alles okay ist (er hat schon eine heute erwachsene Tochter).

Dann wurde er krank, sodass wir ca. 1,5 Jahre lang den Kinderwunsch zurückgestellt haben. Nach seiner Genesung - ich war mittlerweile 39 - hat er sich dann untersuchen lassen. Das Ergebnis: keine Spermien im Ejakulat. Gar keine. Null.

Erst mit der Zeit habe ich aus Gesprächen mit ihm erfahren, dass er als junger Mann und über einen längeren Zeitraum Anabolika eingenommen hat. Er sieht sportlich und muskulös aus, aber er meinte immer, das seien eben die "guten Gene". Da ich überhaupt keine Erfahrungen mit Kraftsport hatte und nie in dieser "Szene" drin gewesen bin, habe ich mir darüber überhaupt keine Gedanken gemacht. Ich wusste nicht, welche Folgen das haben kann, weil ich damit nie in Berührung gekommen bin.

Wie dem auch sei, es gibt ja auch Männer, die sich mit starkem Rauchen die Fruchtbarkeit selbst nehmen oder eben, wie meiner, mit Medikamenten. Die Zeit lässt sich leider nicht zurückdrehen, es ist nun so, wie es ist. Ich persönlich verurteile ihn dafür auch nicht, auch wenn ich es mir wirklich anders wünschen würde. Aber wer macht keine Fehler im Leben?

Seit einem Jahr sind wir bei einem KiWu-Zentrum und er nimmt seit über einem halben Jahr Hormone, um die körpereigene Testosteron-Produktion wieder hochzufahren, die durch die externe Zufuhr von Testosteron komplett gestoppt war. Das ist zwar einigermaßen gelungen, aber die Hoden haben immer noch ein geringes Volumen und die Spermienproduktion ist immer noch nicht "angesprungen". Niemand weiß, ob sie das überhaupt noch einmal tut.

Mich macht das natürlich wahnsinnig traurig, weil der Wunsch sehr groß gewesen ist bzw. noch ist (kennt ihr sicher...). Außerdem läuft uns die Zeit weg. Ich werde nicht jünger. Meinen 40sten Geburtstag habe ich nicht gefeiert, weil mich allein diese Zahl sehr deprimiert hat.

Was mir v.a. zu schaffen macht, ist der Umstand, dass uns die Ärzte nicht sagen können, ob bei ihm noch etwas in Richtung Spermienproduktion passieren wird / kann. Sonst könnte ich damit abschließen, wenn sie sagen würden: okay, das war's. Irreversibel unfruchtbar. Außerdem belastet mein Mann die Spritzerei der Hormone alle 2 Tage (und das seit 6 Monaten). Er sagt zwar nichts, weil er sich "schuldig" fühlt und mir gerne den Wunsch erfüllen würde (und ihm auch). Aber ich merke das natürlich.

Seit vier Jahren beschäftigt es mich / uns; am Anfang war ich so optimistisch und dachte: ja, klar klappt das! Aber mittlerweile ist mein Optimismus in den Promillebereich abgerutscht.

Danke fürs Lesen, liebes Forum. Ich hoffe, ihr habt mehr Glück.

Cashew


  Re: Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   drea_min1
schrieb am 22.01.2020 17:26
Hallo Cashew!

Ich hoffe, es ist okay, dass ich mich hier einmische und antworte. Es tut mir leid, dass die Untersuchung nicht gut ausgefallen ist.
Bei einer Bekannten von mir war es ähnlich und die Chance, laut Ärzte, eher gering, für sie schwanger zu werden. Ihr Mann hat dann zusätzlich Nahrungsmittelergänzung eingenommen (Vitamine usw. für die männliche Fruchtbarkeit, aus der Apotheke), und angeblich hat sich das Spermiogramm danach verbessert, aber immer noch nicht gut.
Sie hatte dann eine IVF, die aber auch nicht geklappt hat. Und sie war schon sehr traurig und hat sich irgendwie damit abgefunden, dass sie wahrscheinlich kein Kind mehr bekommen wird, aber dann, plötzlich, ein paar Monate später, war sie schwanger - auf natürlichem Weg schwanger geworden. Und ihr Kind ist gesund und schon über ein Jahr alt.
Also: Wer weiß ... Die Natur findet einen Weg, wenn es sein soll.

Allerdings kann ich mir sehr gut vorstellen, dass du traurig bist. Ich bin es auch. Ich wünsche mir schon lange ein Kind. Mein früherer Partner hat mich immer auf "später mal" vertröstet und ich habe mich leider viel zu spät erst getrennt.
Danach habe ich meinen jetzigen Mann kennen gelernt, den ich natürlich aus erstmal eine Zeitlang kennen lernen wollte, bevor wir das Thema angehen. Nun ist es endlich so weit. Aber mein Mann hat über Jahre hinweg irgendein Haarwuchsmedikament genommen (was ich Anfangs nicht gewusst habe, aber auch wenn - ich liebe ihn ja um seinetwillen und nicht, weil er mir ein Kind schenken könnte). Dieses Medikament beeinflusst so viel ich weiß auch die Hormone.
Seit ca. einem Jahr hat er endlich damit aufgehört, aber sich bis jetzt geweigert ein Spermiogramm machen zu lassen. Also eigentlich nicht richtig geweigert ... Ich glaube, er hat gar nichts dagegen, aber er denkt wahrscheinlich, dass eh alles passt. Wenn ich es anspreche sagt er immer: Ja, ja, machen wir, aber es kommt nie dazu, und ich fühle mich schon wie eine nörgelnde Gouvernante, weil ich ihn dauernd auffordern muss gesund zu essen usw. und das Thema anschneide.
Jedes Mal, wenn er sich ein Bad einlässt, denke ich innerlich entsetzt: Oh nein, tu es nicht, die Spermien!! Oder wenn er den Laptop im Bett am Schoß liegen hat, werde ich nervös und lege ihm einen Polster dazwischen, usw. Ich muss mich immer so zusammenreißen, dass ich nicht zu viel nörgele, weil ich aus Erfahrung weiß, dass ich bei ihm damit nur das Gegenteil bewirke und außerdem ja dadurch sehr anstrengend auf ihn wirken muss.
Zu den Nahrungsergänzungsmitteln wollte ich ihn auch schon überreden, aber die nimmt er nicht, weil er, nachdem er sie ein paar Tage genommen hat, sagt, dass ihm schlecht davon wird und er nicht glaubt, dass das so viel Unterschied macht.
Er wünscht sich auch ein Kind, aber nicht so sehr wie ich. traurig Oder er ist einfach "sehr optimistisch" ... Tja. Manchmal denk ich mir auch, es wäre besser mit dem Kinderwunsch abzuschließen. Aber dann spür ich Monat für Monat wieder diesen starken Drang in mir einfach die Hoffnung nicht aufzugeben und auch optimistisch zu bleiben, also KANN ich noch gar nicht abschließen. Die Ungewissheit ist wirklich schlimm, da geb ich dir voll recht. Ich wünschte auch, ich wüsste es einfach. Werden wir aller Wahrscheinlichkeit nach noch ein Kind bekommen oder nicht? Wenn ich das wüsste, dann könnte ich endlich zur Ruhe kommen und würde die Antwort akzeptieren. Wenn sie negativ ausfallen würde, wäre das natürlich sehr schwer. Aber irgendwann könnte ich es akzeptieren und loslassen (auch wenn eine gewisse Traurigkeit bleiben würde, aber ich könnte damit abschließen).


  Re: Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   blauesTeufelchen
Status:
schrieb am 23.01.2020 07:42
habt ihr über einen Plan B nachgedacht? Wie etwa Spermaspende?


  Re: Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   Cashew
schrieb am 23.01.2020 10:14
Liebe drea_min1,

vielen Dank für deine Antwort! Mir hilft es, wenn ich mich mit Menschen austauschen kann, die mich verstehen, weil sie in einer ähnlichen Situation sind.

Es gibt immer Beispiele, wo es doch noch geklappt hat. Aber leider kenne ich persönlich auch 2 Paare, die aufgegeben haben. Nach 4 Jahren ist bei mir irgendwie die Hoffnung so gut wie weg.

Ich kann total gut nachvollziehen, dass man etwas neurotisch wird. Ich fühle mich auch ständig hin- und hergerissen. Einerseits ist es ein solcher starker und essentieller Wunsch, dass man versucht, ihn mit (fast) allen Mitteln zu verfolgen. Andererseits will man auch nicht den Partner nerven und seine Beziehung belasten. Denn die ist einem ja genauso wichtig. Das ist ein echtes Dilemma. Bei jedem anderen Thema wäre ich sehr viel entspannter und würde auch andere Lösungen akzeptieren. Den Wunsch nach einem Kind loszulassen, ist mit keiner anderen Lebensentscheidung vergleichbar, finde ich.

Mein Mann musste sich wirklich extrem überwinden, um ein Spermiogramm machen zu lassen. Er fand einfach die Vorstellung, quasi "auf Kommando" abliefern zu müssen, dass man dann außerhalb der Kabine auf ein Ergebnis wartet und dass das Klinik-Personal dann sein Ejakulat "in Empfang" nimmt, richtig abturnend. Es hat ihn unter Druck gesetzt und er konnte dann nicht. Es nutzte auch nichts, dass ich ihm klarzumachen versuchte, dass die Leute dort so etwas jeden Tag machen und es ganz normal für sie sei. Außerdem konnte ich auch nachvollziehen, dass es Druck bedeutete. Ich glaube, dass es für mich selbst auch nicht so einfach wäre.

Aber ohne Spermiogramm hast du ja noch mehr Unklarheit. Ohne geht es einfach nicht.

Mein Mann hat es dann zuhause probiert. Ich habe die Probe dann im KiWu-Zentrum abgegeben. Das war ihm lieber. Falls dein Mann sich also ähnlich unwohl fühlt bei dem Gedanken daran, eine Probe abgeben zu müssen, wäre das für euch evtl. auch ein Weg.

Mein Mann dachte übrigens auch nicht, dass er keine Spermien produziert. Man merkt sowas nicht und er hatte auch keine Erektionsprobleme oder dergleichen. Er hat sich gut gefühlt. Es war für ihn auch überraschend.

Ich glaube, dass ganz viele (junge) Männer die Einnahme von Medikamenten uach deswegen vollkommen unterschätzen, weil sie die negativen Auswirkungen entweder gar nicht oder erst sehr spät merken. Sie machen sich darüber keine Gedanken.

Wie alt seid ihr denn? Hast du dich schon untersuchen lassen oder seid ihr bei einem KiWu-Zentrum?

LG, Cashew


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  Re: Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   Cashew
schrieb am 23.01.2020 10:31
Hallo blaues Teufelchen,

nein, einen Plan B haben wir ehrlich gesagt nicht.

Bis vor Kurzem habe ich auch noch daran geglaubt, dass es etwas werden könnte. Im Internet habe ich gelesen, dass in 80-90% der Fälle, wo die Spermienproduktion wegen Anabolika supprimiert ist, das "System" nach Absetzen der Anabolika und unter Hormon-Therapie wieder anläuft und wieder Spermien gebildet werden. In 10-20% der Fälle allerdings auch nicht.

Die Ärzte meinten, dass nach 3 bis 6 Monaten wieder die ersten Spermien gebildet werden. Bei meinem Mann war allerdings das letzte Spermiogramm, nach 6 Monaten Hormon-Einnahme, niederschmetternd: wieder kein einziges Spermium auffindbar. Ich habe das Gefühl, dass er zu den 10-20% gehört, bei denen es nicht mehr funktioniert. Das hört sich jetzt pessimistisch an, aber er hat das Zeug über einen langen Zeitraum genommen, dewegen meine Befürchtung. Im Grunde hat er auch nicht mehr damit gerechnet, dass er eine Partnerin findet, mit der er noch mal ein Kind haben möchte.

Mich persönlich reizt die Vorstellung nicht so sehr, ein Kind von einem Samenspender zu bekommen. Ich denke, dass mein Mann und ich da recht ähnlich gestrickt sind.

Mir ist es wichtig, gerade von IHM ein Kind zu bekommen. Ein Mix aus seinen und meinen Eigenschaften. Weiß nicht, ob sich das etwas blöd anhört. Auch eine Adoption wäre für mich ebenfalls nicht so reizvoll, auch wenn ich einem zunächst "fremden" Kind ganz sicher viel Liebe schenken würde und könnte. Aber das ist bei mir gerade kein vorherrschender Wunsch. Nicht so sehr, wie ein GEMEINSAMES Kind von / mit meinem Mann zu haben. Ich finde gerade ihn als Mann toll und hätte gern etwas VON ihm. Es war auch er als Mann, mit seiner Persönlichkeit, der meinen Wunsch nach einem Kind ausgelöst hat. Ich hatte davor keinen generellen Kinderwunsch.

Hoffe, ich habe das verständlich ausgedrückt.

Grüße, Cashew


  Re: Unfruchbar durch Anabolikatraurig
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   iorana
Status:
schrieb am 23.01.2020 15:39
Hallo Cashew,

Habt ihr schon eine Tese machen lassen?
Da bekommen einige noch "Material" um eine icis machen zu lassen.
Einige Kliniken bieten sogar Microtesen an.
Mein Mann bildet auch keine Spermien und leider wurde bei den Tesen nichts gefunden. Allerdings gibt es überhaupt keinen Grund, warum er das nicht tut.
Und früher hatte er sperma (wenn auch nicht viele). Eventuell ist es bei deinem Partner gar nicht das Anabolika?!

Und ich kann aus Erfahrung sagen, Gene sind nicht so wichtig. Wichtig ist, was der Vater an Charakter dem Kind mitgibt.
Unsere Tochter ist auch einer samenspende heraus entstanden und die meisten sagen "ganz der Papa". Falls das eine Angst von dir ist, die du vll. Selber noch nicht so wahrgenommen hast.

Liebe Grüße, iorana




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