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  Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Monsterzwerg
schrieb am 10.12.2019 20:50
Hallo ihr Lieben,
freue mich sehr, dass ich hier eine Community gefunden habe. Entschuldigt, wenn mein Text sehr lang wird! (Meine Fragen sind am Ende des Textes 😊 )
Ich lese auch seit etwa dieser Zeit immer still die Beiträge in diesem Forum (und habe schon viele Antworten auf meine Fragen gefunden). Immer wieder merke ich, wie einzigartig jede einzelne Kinderwuschsituation ist und dass es eigentlich nie die „richtige“ Standardlösung gibt. Trotzdem finde ich es schön, die vielen Geschichten zu lesen, die einem manchmal richtig Hoffnung machen können, und sich nicht allein zu fühlen, wenn um einen herum scheinbar alle anderen mühelos ein Kind nach dem anderen bekommen und man selbst immer wieder versucht, die Tränen runterzuschlucken und sich nichts anmerken zu lassen. Ich möchte endlich gern auch meine Geschichte hier veröffentlichen und hoffe natürlich, dass es vielleicht jemanden gibt, der selbst ähnliche Erfahrungen gemacht oder davon gehört/gelesen hat, die uns vielleicht helfen können.
Wir wünschen uns nun schon länger ein Kind. Vor etwa 1,5 Jahren haben wir dann beschlossen, in ein Kinderwunschzentrum zu gehen, und wie ihr sicher ahnt, ist alles nicht so einfach. Meine Vorstellung war damals, wir gehen im August dort hin, und im Dezember habe ich vielleicht schon ein Baby im Bauch. Damals habe ich schon nach Babykleidung gegoogelt, Namen ausgesucht und überlegt, ob wir es so früh schon meinen Eltern sagen können. Ich dachte schon, dass ich sicher wieder zu optimistisch bin (eine meiner Charaktereigenschaften) – heute weiß ich, dass ich nicht optimistisch, sondern einfach furchtbar naiv war. Unser erster KiWuZ- Termin war zur Diagnostik.
Ich war 27 Jahre alt und habe zu der Zeit schon gewusst, dass ich auf jeden Fall eine medizinische Unterstützung brauche, um schwanger zu werden. Damals hatte ich die Diagnosen „Diabetes mellitus Typ 1“, „Schilddrüsenunterfunktion“ und „Primärer Hypogonadismus“. Letztere bedeutete, dass ich noch nie (!) eine Periode oder ähnliches hatte. Mein Körper war gewissermaßen der eines jungen Mädchens. Eine Mini-Brust habe ich erst vor etwa drei Jahren bekommen, als meine Frauenärztin mir Gynokadin-Gel (Östrogen) verschrieb (normalerweise bekommen das Frauen in den Wechseljahren). Da hat sich auch meine Gebärmutter entwickelt und wurde normal groß. Eine Periode hatte ich allerding nicht.
Also gut, dachte ich. Diabetiker bin ich schon, Hormonspritzen sind also kein Problem. Beim Diagnostiktermin wurde noch mein AMH bestimmt, das lag bei etwa 1,0 (gerade ganz knapp an der unteren Grenze). Das machte mir schon ein bisschen Sorgen… Ich kam gar nicht auf die Idee, dass es noch andere Probleme geben könnte, bis die Ärztin mit ernstem Blick das SG meines Mannes auswertete. OAT III. Das hat mir erstmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Er hat mich dann nach dem Termin gar nicht angesehen, und als ich ihn weinend umarmt habe, hat er nur gesagt „Na und, dann machen wir eben eine künstliche Befruchtung. Ich verstehe nicht, wo das Problem ist.“ -Wumm. Ich habe mich wie in einem Alptraum gefühlt. Einige Tage und ein tränenreiches Gespräch später wusste ich, dass er von dem SG genau so schockiert war wie ich, damit aber gar nicht umgehen konnte. Seine Reaktion war ein Selbstschutz. Allerdings war eine künstliche Befruchtung zu dem Zeitpunkt die einzige Möglichkeit. Wir haben uns trotzdem entschieden, ein paar Monate zu warten und ein zweites SG anfertigen zu lassen, das hoffentlich für eine IUI ausreichend wäre.
Mein Mann hat in unserer Geschichte auch eine Vorgeschichte. Er leidet seit seiner Kindheit an Depressionen, zu dem Zeitpunkt nahm er Medikamente ein. Da es ihm oft richtig schlecht ging, hat er sehr viel Alkohol getrunken (5 Bier täglich), was für das SG natürlich nicht optimal war. Es hat lange gedauert, aber drei Monate später hat er schließlich aufgehört, Alkohol zu trinken- und 6 Monate durchgehalten! Ich bin ihm immer noch unglaublich dankbar, dass er das für mich gemacht hat. Eigentlich ist sein Kinderwunsch nämlich nicht so groß, er wäre auch ohne Kinder glücklich 8und ist überzeugt, dass sie ohne ihn als depressiven Vater besser dran wären).
Nach 6 Monaten war das SG leider genau dasselbe. Ihr könnt euch unsere Enttäuschung vorstellen. Wir haben uns mit dem Gedanken angefreundet, eine ICSI zu machen. Im Vorfeld stand noch die andrologische Untersuchung an (alles i.O.) und die genetische Untersuchung (auch alles o.k.- das Warten auf das Ergebnis hat mich zu einem nervlichen Wrack werden lassen, so große Angst hatte ich, dass uns ein auffälliges Ergebnis jede Hoffnung nimmt). In der Zwischenzeit wurden meine Freundin, meine Schwägerin zweimal, meine Schwester und meine Cousine mit 17 Jahren (!) schwanger. Es war jedes Mal ein emotionales Chaos, und ich zog mich mehr und mehr zurück. Wir hatten entschlossen, der Familie nichts von unserem Kinderwunsch zu erzählen, aber ich denke, sie hätten es mir angesehen.
Da wir aus mehreren gründen unzufrieden mit dem ersten KiWuZ waren, haben wir uns Anfang dieses Jahres entschlossen, in ein anderes KiWuZ zu wechseln (wir haben zum Glück zwei gleich vor der Haustür 😊 ). Ich bin also zu unserem ersten KiWuZ gegangen, um meine Befunde abzuholen. Beiläufig gab mir die Schwester auch den Ausdruck der letzten Blutentnahme mit, die wir noch gar nicht ausgewertet hatten (die Ärztin hatte den Termin dafür zweimal verschoben). Ich las die Hormonwerte, die mir inzwischen sehr vertraut waren, und konnte es nicht glauben: auf einmal waren da normale FSH/LH-Werte, wo früher nur >0.03 zu lesen war. Bitte was? Meine Hypophyse hatte still und heimlich zu arbeiten begonnen und die Ärzte hatten es nicht bemerkt. In diesem Moment fühlte ich mich wie im siebten Himmel, denn das bedeutete, dass theoretisch ein Eisprung stattfand und ich eigentlich problemlos schwanger werden konnte. Oder nicht? War das vielleicht ein Fehler? Im neuen KiWuZ wurden meine Werte noch zweimal geprüft und es stellte sich heraus, dass es stimmte. Mein Hormonsystem funktionierte, ich produzierte Eizellen und hatte plötzlich eine ganz normale Periode. Natürlich setzte ich die Östrogenmedikamente sofort ab und beobachte derzeit sehr aufmerksam meinen Zyklus mittels NFP. Aufgrund von Basaltemperatur und Zervixschleimbestimmung weiß ich, dass ich jeden Monat (!) einen Eisprung habe. Mein Zyklus ist etwa 33 Tage lang, meine 2. Zyklushälfte dauerte am Anfang nur 6 Tage, verlängerte sich in den letzten 6 Monaten dann aber bis auf 10 Tage. Seit drei Monaten nehme ich MöPf, und in diesem Zyklus hatte ich eine Gelbkörperphase von sage und schreibe 14 Tagen. Das war so ungewöhnlich, dass ich fest davon überzeugt war, schwanger zu sein. Leider war das natürlich wieder mein Optimismus (oder die Naivität), und heute Morgen überraschten mich heftige UL-Schmerzen und im tagesverlauf meine Periode. Aber was habe ich auch erwartet, das SG ist ja nicht wirklich vielversprechend. Im Juli wurde noch eins erstellt, damals war die Beweglichkeit super (sogar 10 % A-Spermien, die wir vorher noch nie hatten), aber leider war die Anzahl mit 3 mio/ml viel zu wenig.
Unsere Kinderwunschbehandlung haben wir derzeit auf Eis gelegt. Mein Mann hat wieder eine schwer depressive Phase, trinkt täglich etwa 3 Bier und hat keine Kraft dafür. Manchmal habe ich Angst, dass er irgendwann sagt, er möchte kein Kind. Ich kann es gut verstehen; es fällt ihm oft schwer, mit sich selbst zurecht zu kommen, und er hat dann Angst, dass unser Kind ihn hassen könnte. Außerdem ist er im Moment nach seinem Bachelorabschluss arbeitslos. Ich habe im Oktober mein Masterstudium begonnen, in wenigen Wochen wollen wir in eine andere Stadt ziehen - unsere Situation ist also auch ohne Kinderwunschbehandlung schon kräftezehrend genug. Allerdings hoffe ich in jedem Zyklus, dass es vielleicht einfach so klappt… Ob das jetzt Optimismus ist, oder wieder Naivität?

Vielen Dank, wenn ihr bis jetzt durchgehalten habt! Ich werde natürlich weiter schreiben, wie es bei uns weitergeht. Momentan haben wir geplant, nach meinem Studium die Kinderwunschbehandlung neu anzugehen. Ich mache mir große Sorgen, dass meine fruchtbare Phase vielleicht nur von kurzer Dauer ist, oder dass ich dann schon in die Wechseljahre komme, oder dass es aus irgendeinem anderen Grund dann unmöglich ist, für uns ein Kind zu bekommen. Mein AMH ist ja auch recht niedrig. Darum jetzt meine Fragen an euch:

- Ist ein AMH von 1,0 mit 28 Jahren bedenklich? Komme ich vielleicht früher in die Wechseljahre? Oder spielt das keine große Rolle?
- Ist jemand von euch mit schlechtem SG (zu wenige bzw. zu langsame Spermien) natürlich schwanger geworden, und wie lange hat es gedauert?
- Macht es Sinn, öfter vor ES GV zu haben, damit sich die Spermien quasi aufsummieren und eine größere Menge zusammenkommt?
- Ist jemand von euch dabei, dessen Partner auch depressiv ist, und der weiß, wie sich das auf den Kinderwunsch und die Spermien auswirkt?
- …oder dessen Partner regelmäßig Alkohol trinkt?
- Hat jemand auch so spät erst seine erste Regelblutung bekommen, oder nach langer Blutungspause wieder (z.B. durch Krankheiten oder Magersucht) und möchte sich austauschen?

Ich freue mich schon sehr auf eure Antworten!
Ganz liebe Grüße
Monsterzwerg


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Gamora83
Status:
schrieb am 11.12.2019 11:27
Hallo Monsterzwerg,

bei euch kommt ja eine Menge zusammen, aber das heißt nicht, dass es nicht klappen kann. Und ein bisschen Hoffnung gehört doch immer dazu.

Ich antworte gerade nur kurz, da ich im Büro bin.
Auch mit einem schlechten SG kann man schwanger werden, ist aber nicht garantiert und ich habe die Erfahrung gemacht, je mehr Widrigkeiten zusammenkommen, desto schwieriger wird es und umso länger kann es dauern bzw. sogar ganz ausbleiben.

GV könnt ihr natürlich so oft vor ES haben, wir ihr es wünscht. Die Frage ist eben nur, wie lange die schlechteren Spermien überleben. Aber gegen das probieren spricht ja nichts.

Mein Mann hat auch eine diagnostizierte psychische Erkrankung (auch mit depressiven Phasen) und nimmt hier auch Medikamente dagegen. Er ist damit sehr gut eingestellt. Bei ihm wirkt es sich null auf das SG aus. Deshalb muss dies nicht unbedingt damit zusammenhängen.
Was das angeht kann ich euch/dir nur ganz klar empfehlen, falls dein Mann dies nicht tut, sich in ärztliche Behandlung zu geben. Ihr wollt doch für ein Kind fit und da sein. Deshalb ist Hilfe und Behandlung im Vorfeld ganz wichtig. Sicher gibt es immer mal schlechte Zeiten.

Ich hatte eher recht früh meine Blutung (mit 11 das erste Mal), aber immer einen chaotischen Zyklus und später auch jahrelang gar keinen. Ich habe Diabetes Typ 2 und eine SD-Unterfunktion (besitze aufgrund von Knoten auch nur noch 1 SD-Hälfte) und schon immer ein zu hohes Gewicht. Durch leichte Gewichtsabnahme hat sich mein Zyklus inzwischen eingespielt, leider wurde ich trotzdem auf normalem Weg nie schwanger, auch nicht mit leichter Unterstützung durch die Kiwu. Trotz regelmäßigen Eisprüngen und sonstiger guter Werte. Dieses Jahr haben wir dann die erste IVF gemacht und ich wurde direkt schwanger. Es scheint also an meinen Eizellen zu liegen (war aber bei der IVF auch schon 35). D.h. selbst trotz ES kann es sein, dass die Eizellen nicht tiptop sind es hier ein Problem gibt.

Der AMH hat nichts mit dem Eintritt der Wechseljahre zu tun. Er gibt im groben nur Aufschluss über die Eizellreserve und kann auch schwanken. Im Theorieteil hat der Doc auch einige Infos aufgeschrieben.

Vlt. wäre für dich auch eine Gesprächstherapie eine Idee, da man merkt, dass du schon sehr unter der Situation leidest.
Ich bin immer gut mit Offenheit, auch in der Familie, gefahren, es nimmt einfach einen gewissen Druck aus der Situation.

Alles Gute Gamora


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Monsterzwerg
schrieb am 11.12.2019 14:23
Hallo Gamora83,
vielen Dank für deine ausführliche Antwort! An manchen Tagen belastet mich die Situation schon mehr als an anderen (z.B. heute, als ich erfahren habe, dass meine 18jährige Cousine nun zum zweiten Mal schwanger ist). Leider habe ich in meinem Umkreis niemanden in der selben Situation, darum hoffe ich, hier im Forum etwas seelischen Beistand zu finden. Ich studiere selbst Psychologie und lerne eine Menge darüber, wie man mit Krisen umgeht, allerdings ist das "live" noch einmal etwas ganz anderes. Ich hoffe, diese Erfahrung wird mir später im Beruf mit meinen Patienten helfen.
Ich habe gerade gesehen, dass du vor kurzem erst Mama geworden bist. Herzlichen Glückwunsch, das ist wirklich fantastisch! Ich freue mich, dass es gleich beim ersten IVF-Versuch geklappt hat. Wir sind leider noch weit davon entfernt, leider habe ich auch keine Ahnung, wie meine Eizellqualität ist. Kann man das irgendwie anhand von Blutwerten oder dem Menstruationszyklus herausfinden? Wäre ja furchtbar, wenn das noch als Problem dazu kommt...
Mein Mann ist in ärtzlicher Behandlung, er hat schon mehrere Medikamente probiert. Unter Mirtazapin waren es insgesamt genug Spermien, aber zu langsam. Unter Qquetiapin war die Menge zu gering, dafür die Beweglichkeit gut. Ich weiß nicht, wie das SG jetzt aussieht, aber es scheint sich ja doch zu verändern. Vielleicht irgendwann mal zum positiven.
Heute war ich nochmal im KiWuZ um zu fragen, was die Ärztin mir für die nächsten 1,5 Jahre rät. Sie sagte, ich soll erstmal keine Hormone nehmen, da es für einen protektiven Effekt von der Pille auf die Fruchtbarkeit noch keine medizinischen Belege gibt, und dann in einem halben Jahr schauen, ob der AMH sich verschlechtert hat. Wenn ja, können wir ja dann immer noch überlegen, die Behandlung vielleicht früher zu beginnen. Ich denke, das ist eine ganz gute Idee.
Darf ich fragen, wie dein AMH ist/war?
Nochmals vielen Dank für deine Antwort und liebe Grüße
Monsterzwerg


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Gamora83
Status:
schrieb am 11.12.2019 15:04
Hallo Monsterzwerg,

ich habe damals auch über das Forum Kontakte geknüpft und habe auch eine gute Freundin über Kleinanzeigen gefunden. Es tut schon gut sich austauschen zu können.

Gerade wenn du jetzt eh erst dein Masterstudium angefangen hast, versuch dich in dieser Zeit nicht verrückt zu machen, auch wenn es schwer fällt. Ihr könnt diese Zeit ja auch zum normalen üben nutzen.
Gut, dass dein Mann in Behandlung ist. Hat er unterstützend zur medikamentösen Therapie auch noch eine Gesprächstherapie oder vlt. würde ihm ja auch eine Art Selbsthilfegruppe gut tun.
Mein Mann geht alle paar Wochen zum Gespräch zu einem sozial-psychiatrischen Dienst. Das tut ihm auch immer gut.

Wir waren auch total geflasht, dass es im ersten IVF-Versuch mit Transfer geklappt hat. Leider kam unser Sohn schon in der 15. SSW auf die Welt und hatte keine Überlebenchance traurig

Meine genauen AMH-Werte habe ich gerade nicht im Kopf, der lag aber so um 1,irgendwas.

LG
Gamora


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  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Monsterzwerg
schrieb am 11.12.2019 18:46
Oh, das tut mir so unendlich leid! Wie traurig, nach so langem Warten und Käpfen dann so etwas furchtbares erleben zu müssen. Wie schaffst du es, mit umzugehen? Plant ihr irgendwann einen neuen Versuch?
Da geht es mir mit meiner Situation ja noch ganz gut, wenn ich deine Geschichte so höre. Momentan fühle ich mich in dieser Warteschleife verloren, aber wir haben ja noch gar keine Vorstellung, was uns erwarten kann... Du hast sicher recht, dass ich diese Zeit als Vorbereitung sehen sollte. Warten werde ich dann wohl noch oft genug müssen... Momentan gehts meinem mann auch nicht so gut, er ist nach seinem Studium in ein ziemliches Loch gefallen, weil eine Aufgabe fehlte. Er hatte vor etwa zwei Jahren eine Psychotherapie begonnen, aber irgendwie ist er mit dem Therapeut nicht warm geworden. Ist auch schwierig, da wir beide Psychologie studiert haben und man da viele therapeutische Techniken schon kennt.
Ich finde es super, dass dein Mann regelmäßig zu einem Fachmann geht! Ich habe bei dir zum ersten Mal gehört, dass psycho-soziale Dienste solche Gesprächstherapien anbieten. Da werde ich gleich mal googeln, ob es in der Nähe so etwas gibt. Ist das denn auch wie eine Psychotherapie? Braucht man eine Überweisung dafür?


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Heuteanonyma
schrieb am 11.12.2019 19:05
Hallo monsterzwerg,
ich habe deinen Beitrag schon vor ein paar Stunden gelesen und möchte nun doch antworten.

Ich habe im Freundes- und Bekanntenkreis schon Erfahrungen gemacht mit depressiven Elternteilen, ebenso mit Suchtproblematik und Co-Abhängigkeit.

Depressionen sind heute so weit verbreitet und gut untersucht, auch die Wirkung auf Kinder.
Ich finde es sehr verantwortungsvoll von deinem Freund/ Mann, dass er sich darüber Gedanken macht. Wir halten es so, dass wir auch unangenehme Fragen stellen und besprechen, ohne das Thema dadurch in Frage gestellt zu empfinden. Wir diskutieren gerade ein drittes Kind. Wenn wir uns dafür entscheiden, wissen wir, dass wir uns reinen Herzens dafür entschieden haben.
Zu Depressionen und Elternschaft gibt es gute Literatur. Vielleicht liest du dich in das Thema ein?

Was die Sucht angeht, kann ich leider sehr viel weniger Verständnis aufbringen. Gleich zwei Freundinnen und eine Bekannte haben sich vor Jahren für Männer mit dieser Erkrankung entschieden und Familie gegründet. Gut aus ging es bei keiner und ich denke, dass das sehr vielen so geht.
Die 6 Monate ohne Alkohol wäre eine perfekte Gelegenheit gewesen, eine Therapie zu beginnen und tatsächlich auch trocken zu bleiben. Aber jeder Tag kann DER Tag sein, der wieder der erste ist. Ich persönlich würde aus Sorge um mich, mein entstehendes Kind, die Beziehung, Sicherheit, usw. kein Kind mit einem Mann mit einer Suchtkrankheit bekommen - solange er nicht davon los ist.

Die letzte "Aktion" die einer der Väter "gebracht" hat war in die Beschaffungskriminalität abzurutschen und im Knast zu landen. Und dass muss meine Freundin nun ihrer 9jährigen Tochter erklären.


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Heuteanonyma
schrieb am 11.12.2019 19:19
Als Ergänzung noch zu deinen Fragen:

- Ist ein AMH von 1,0 mit 28 Jahren bedenklich? Komme ich vielleicht früher in die Wechseljahre? Oder spielt das keine große Rolle?
Der AMH-Wert kann schwanken, der nimmt nicht immer nur kontinuierlich ab. Ein Wert zwischen 1 und 2 ist wünschenswert. Finde ihn bei dir also gut.

- Ist jemand von euch mit schlechtem SG (zu wenige bzw. zu langsame Spermien) natürlich schwanger geworden, und wie lange hat es gedauert?
Ich leider nicht mit OAT3, kenne aber Paare, bei denen es so geklappt hat. Dauerte aber jeweils Jahre.

- Macht es Sinn, öfter vor ES GV zu haben, damit sich die Spermien quasi aufsummieren und eine größere Menge zusammenkommt?
Wenn ihr öfter vor ES GV habt, summiert sich da nix auf, sondern wird verbraucht 😉 Deshalb sollte die Karenzzeit vor einem Spermiogramm 3-5 Tage betragen. Gut wäre aber dauerhaft regelmäßige Ejakulationen 2-3x die Woche.

- Ist jemand von euch dabei, dessen Partner auch depressiv ist, und der weiß, wie sich das auf den Kinderwunsch und die Spermien auswirkt?
Eine direkte Auswirkung der Depression auf die Spermien ist mir nicht bekannt, sehr wohl aber aufgrund des Alkohols. Ich bezweifle, dass 6 Monate Abstinenz ausreichend waren.

- …oder dessen Partner regelmäßig Alkohol trinkt?
Nein. Seit den Kindern trinken wir auch zu Feierlichkeiten sehr selten, denn das Lebenmit Kind ist anstrengend und fordernd. Wir teilen es uns und müssen dafür beide leistungsfähig sein.


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
no avatar
   OhneAccount
schrieb am 11.12.2019 22:30
Hallo Monsterzwerg!
Ich habe keinen Account, aber möchte dir trotzdem gerne schreiben.

Der Doc hat hier vor kurzem einen Artikel zum AMH veröffentlicht. Ist es ausgeschlossen, dass sich dein AMH, wie die anderen Werte, noch erholen kann? Sonst wäre er in dem Alter schon recht niedrig, gibt aber erstmal nur Rückschlüsse für die Stimulation und nicht auf den Beginn der Wechseljahre. Bei mir rechnete man im Labor mit 33 Jahren mit einem Mittelwert von 2,8.

Zu deinem anderen Teil:
Mein Freund und ich wollten auch seit knapp 2 Jahren unseren Kinderwunsch angehen. Vor 1.5 Jahren ging es ihm aber mental so schlecht. Er hatte eine Angststörung entwickelt, die er auch mit Alkohol zu bekämpfen begann. Nun sind wir gebrannte Kinder: unsere Väter Alkoholiker. Meinen kenne ich nur so, sein Vater ist wohl auch über eine Angststörung reingerutscht.
Für mich war das die Hölle und definitiv kein Dauerzustand. Niemals hätte ich mit ihm eine Familie gegründet, hätte er nicht erfolgreich daran gearbeitet.
Mein Freund hat vor einem Jahr eine Therapie begonnen und seine Angst relativ im Griff. Sie kommt immer wieder auf, aber er hat nun Techniken, damit umzugehen. Alkohol haben wir beide vor unserer ivf gar nicht mehr getrunken. Sein Spermiogramm war eingeschränkt- daher war Alkohol dann laut Kiwu tabu.
Was will ich sagen? Depressionen oder Angststörung wären für mich kein Problem. Alkoholismus könnte ich nicht akzeptieren, da ich selber gespürt habe, dass Kinder alles mitbekommen und die Leidtragenden sind. Mir fällt es auch schwer, dazu sachlich zu schreiben, weil es mich noch trifft.
Ich kann nicht nachvollziehen, dass du dankbar bist, dass er 6 Monate nicht trank. Das war doch keine Trockenheit, sondern eher eine längere Trinkpause. Diese Taktik beherrscht mein Vater bis zur Perfektion, wenn meine Mutter langsam wieder genug hat.. etwas pausieren, Mutter beruhigt sich.. und er kann danach wieder trinken. Aber meine Mutter ist dann auch wieder zufrieden, obwohl er sich kein Stück geändert hat. Mein Schwiegervater hatte vor einem Jahr eine fiese Entzündung und durfte wegen der Medikamente nicht mehr trinken. Er hat 3 Monate keinen Alkohol angefasst und trinkt seitdem wie eh und je- sogar mehr. Aber Schwiegermutter ist nun der glücklichste Mensch, da er ja 3 Monate pausieren konnte. Ich kann es nicht nachvollziehen.

Hm, die Angststörung ist in der ivf- Zeit auch wieder stärker geworden. Ich habe auch die Befürchtung, dass die Zeit, in der wir Eltern sind, auch belastend wird. Überlege dir, inwiefern sich die KiWu-Maschinerie und eine Schwangerschaft auf seinen Alkoholkonsum auswirken können. Wenn du noch zu Beginn deines Studiums bist, könnte er an sich arbeiten und seine Sucht angehen. Du weißt ja sicher um die Folgen einer Alkoholsucht. Das ist doch wichtig traurig

Meine Ärzte sagten, man könne von meinen Bultwerten auf die Eizellqualität schließen.
Ich hoffe, mein Beitrag ist ok für dich.
Christiane


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
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   Gamora83
Status:
schrieb am 12.12.2019 14:40
Hallo Monsterzwerg,

es hat uns erstmal den Boden unter den Füßen weggerissen und die ersten Wochen waren mehr als hart. Ich bin sehr froh, dass wir uns gegenseitigen als Stütze hatten und wir auch super von Freunden und Familie aufgefangen wurden. Unser Hannes wird immer einen Platz in unseren Herzen haben.

Wir möchten auf jeden Fall ein Erdenkind, das war uns relativ schnell klar. Haben aber gleich gesagt, dass wir uns die Zeit nehmen, die wir brauchen. Anfang des Jahres werden wir uns nochmal in der Kiwu beraten lassen und dann überlegen wir, wann wir die nächste Behandlung machen.

Ja die Kinderwunschzeit ist eine Zeit des Wartens, Hoffens und Bangens. Und gerade hier ist es wichtig, dass man eben gut geerdet ist. Ich habe auch gelernt, dass es mir besser geht, wenn ich versuche nicht zu versteift zu sein und mir eben auch außerhalb des Kiwus Zeit nehme und Dinge genieße.

Ich kann verstehen, wenn man aus der gleichen Branche kommt, dass es schwierig ist, würde aber auch ganz klar nochmal die Empfehlung aussprechen, dass er sich darum bemüht und eine geeignete Stelle für sich sucht, einerseits wegen den Depressionen und wie die anderen schon schrieben auch wegen seinem Suchtproblem. Denn die Kiwu-Zeit und auch die Zeit mit Kind kann richtig hart sein/werden (Fehlgeburten, kein Eintritt einer Schwangerschaft etc.). Dann braucht man eben vlt. auch wieder Hilfe. Wir waren jetzt nach der Fehlgeburt sehr froh, dass wir ein relativ großes Netz hatten, welches uns aufgefangen hat (Ärzte, Sozial-Psychologischer Dienst, Familie und Freunde).

Wie das genau mit dem Sozial-Psychologischen Dienst läuft, kann ich dir gar nicht sagen. Mein Mann geht da schon sehr lange hin. Er weiß nicht mehr, ob er anfangs eine Überweisung benötigt hat. Kosten tut es uns nichts und seine Krankenkassenkarte musste er auch nicht abgeben. Vlt. läuft es auch so ein wenig auf ehrenamtlicher Basis.

Von wo kommst du/ihr denn? Kannst ja auch gern per PN schreiben.

LG
Gamora


  Re: Erfahrungen gesucht! Kinderwunsch mit Extra`s (Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, OAT und Depression)
avatar    Team Kinderwunsch-Seite
schrieb am 15.12.2019 12:33
Zitat
Monsterzwerg
Immer wieder merke ich, wie einzigartig jede einzelne Kinderwuschsituation ist und dass es eigentlich nie die „richtige“ Standardlösung gibt.
Eine extrem wichtige Erkenntnis, die auch solche Foren an seine Grenzen bringt, da man nicht anderer Leute Erfolgsrezepte 1 zu 1 auf sich selbst übertragen kann.

Zitat
Monsterzwerg
- Ist ein AMH von 1,0 mit 28 Jahren bedenklich? Komme ich vielleicht früher in die Wechseljahre? Oder spielt das keine große Rolle?

Der Wert ist niedrig, aber sollte erst einmal kontrolliert werden, jetzt, wo Ihre Hypophyse und die Eierstöcke wieder normal arbeiten. Zum Thema Wechseljahre und AMH:
[www.wunschkinder.net]

Zitat
Monsterzwerg
- Ist jemand von euch mit schlechtem SG (zu wenige bzw. zu langsame Spermien) natürlich schwanger geworden, und wie lange hat es gedauert?

Natürlich kommt das immer mal wieder vor, aber leider nur eher selten. Und ganz ehrlich: Da ziemlich viele Faktoren passen müssen, um mit einem schlechten Spermiogramm schwanger werden zu können, sind zeitliche Angaben zur Frage "und wie lange hat es gedauert?" für Sie selbst wenig hilfreich. Wenn jetzt jemand antwortet, es hätte nur zwei Zyklen gedauert ist das ebenso wenig hilfreich für Sie, als wenn jemand anderes antwortet, es hätte drei Jahre gedauert.

Zitat
Monsterzwerg
- Macht es Sinn, öfter vor ES GV zu haben, damit sich die Spermien quasi aufsummieren und eine größere Menge zusammenkommt?
Alle zwei Tage um den Eisprung herum ist die empfohlene Frequenz. Die Produktion nimmt ja nicht zu, weil man öfters Verkehr hat.

Zitat
Monsterzwerg
- Ist jemand von euch dabei, dessen Partner auch depressiv ist, und der weiß, wie sich das auf den Kinderwunsch und die Spermien auswirkt?
Antidpressiva können sich negativ auf die Spermienqualität auswirken.

Zitat
Monsterzwerg
- …oder dessen Partner regelmäßig Alkohol trinkt?
Hier dazu mehr und das Wesentliche im Zitat

Zitat
Aus: Mythen und Fakten: Was kann man für bessere Spermien tun?
Einem gelegentlichen und maßvollen Alkoholkonsum wird sogar eine positive Wirkung bescheinigt, ab 40 Gramm Alkohol pro Tag (etwa 1 Liter Bier oder 0,5 Liter Wein) ist allerdings mit negativen Folgen zu rechnen. Bei dem Konsum von Kaffee gibt es unterschiedliche Aussagen, bis zu zwei Tassen am Tag scheinen jedoch keinen negativen EInfluss zu haben.
Mit freundlichen Grüßen

Ihr Team der Kinderwunsch-Seite

  Signatur   Dr. Breitbach - Reproduktionsmediziner





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