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avatar    ernie69
schrieb am 11.01.2007 12:33
hier einfach mal zwei Aufsätze zum Bindungsverhalten (ist ja eigentlich für alle Mütter/Väter wichtig), einer davon speziell zu Pflegefamilien/Pflegekinder (die zwei zur Vermittlung stehenden 3 und 4 jährigen Geschwister dürften trotz des Wortes "Ado" gleichzustellen sein, was Bindungsabbruch und Bindungsstörung betrifft):

Bindungsstörungen - Grundlagen, Diagnostik
und Konsequenzen für sozialpädagogisches Handeln

Karl Heinz Brisch



Einleitung
Die Bindungstheorie wurde erstmals von John Bowlby formuliert, der als Psychiater und Psychoanalytiker in den 60er Jahren in London lebte. Diese Theorie besagt, dass ein Säugling bei seiner Geburt eine angeborene Motivation mitbringt, sich an einen Menschen zu binden, der für ihn zum sicheren emotionalen Hafen wird. Wann immer der Säugling Angst erlebt, etwa durch die Trennung von seiner Bindungsperson, werden seine Bindungsbedürfnisse aktiviert und er sucht aktiv die Nähe und den Körperkontakt zu seiner Bindungsperson. Körperkontakt beruhigt auf vorzügliche Weise das aktivierte Bindungssystem eines Menschen (Bowlby, 1975; Brisch, 1999).

Alle Menschen können potentiell für einen kleinen Säugling zur Bindungsperson werden. Es ist die vortrefflichste Aufgabe einer Bindungsperson, das Überleben des Säuglings zu sichern, der in jeder Hinsicht von dieser Bindungsperson abhängig ist. Dieses motivationale System „Bindung“ steht mit einem anderen motivationalen System, dem Erkundungssystem, in einem engen Wechselkontakt. Beide Systeme stehen wie auf einer Wippe zueinander in Bezug. Wenn etwa das Bindungsbedürfnis aktiviert ist, weil das Kind in einer pädagogischen Einrichtung Angst hat, kann Lernen nicht sehr ausgeprägt oder entspannt stattfinden. Bindungssicherheit ist eine Voraussetzung für kognitive und emotionale Lernprozesse. Ein Kind kann weder Klavier noch Geige spielen lernen, obwohl es eine begabte Geigen- oder Pianolehrerin neben sich sitzen hat, wenn es Angst vor der Lehrerin hat. Unter diesen Umständen ist sein Bindungsbedürfnis aktiviert und die Möglichkeit zur Exploration des Musizierens ist nicht sehr ausgeprägt. Auch wenn die Lehrerin technisch noch so perfekt und pädagogisch hervorragend ausgebildet ist, wird der Lernprozess eines Kindes miserabel schlecht sein, wenn die Lehrerin ihm Angst macht.

Umgekehrt, wenn sich in einem Kind ein Gefühl von Bindungssicherheit ausbreitet, weil die Angst sozusagen durch die Nähe zur Bindungsperson gedämpft wird und Beruhigung entsteht, kann Lernen besonders gut stattfinden. Dann ist ein Säugling oder ein Kind in der Lage, die Welt zu erkunden, in dem es sich von seinem Explorations- und Neugierverhalten leiten lässt. Mit einem inneren Gefühl von Bindungssicherheit kann man schließlich um die ganze Welt fahren und das Leben in seinen verschiedensten Varianten erkunden.

Die Entwicklung von Bindungssicherheit
Feinfühliges Interaktionsverhalten, etwa der Mutter, des Vaters oder einer Pädagogin, eines Pädagogen, fördert die Entwicklung einer sichern Bindung. Eine dialogische Sprache ist ebenfalls für die sichere Bindungsentwicklung förderlich. Mütter wie Väter sprechen mit ihren Säuglingen so, dass sie die Affektzustände des Säuglings benennen. Die Mutter sagt etwa: Meine Güte, hast du Hunger, bist du durstig, hast du eine Wut. Für kleine Säuglinge ist das emotionale Erleben insgesamt mit einer unspezifischen Stressreaktion verbunden, denn Säuglinge können verschiedene Affekte noch nicht sehr gut differenzieren. Viele Kinder, die in Jugendhilfeeinrichtung betreut werden, sind auf einem frühen Stadium der undifferenzierten Affektentwicklung stehen geblieben, da ihnen in den frühen Entwicklungsjahren feinfühlige Interaktionspartner fehlten, die mit ihnen sprachen, sich in ihre Affektwelt eingefühlt haben und ihren Affekten Worte gaben. Kinder sind ebenso auf feinfühlige Pädagoginnen und Pädagogen angewiesen, die diese Sprachfunktion übernehmen und verschiedene Affekte in ihrem spezifischen Kontext benennen. Der sprachliche Austausch muss in einem gewissen dialogischen Rhythmus und in einem bestimmten Zeitmuster erfolgen. Wenn Pädagogen einem 15jährigen, der sich nicht an Regeln gehalten hat, einen langen Vortrag halten, wird dieser nach wenigen Minuten abschalten und bestenfalls noch sitzen bleiben, wenn er freundlich ist. Ansonsten wird er nach drei Minuten provozieren, aggressiv werden, aufstehen und sagen: „Ich gehe!" Eine sichere Bindung zum Pädagogen wird sich auf diese Weise nicht entwickeln können (Ainsworth, 2003; Ainsworth und Bell, 2003).

Neben dem Dialog ist Blickkontakt von großer Bedeutung. Wenn Bindungsbeziehungen zwischen Mutter sowie Vater und Kind entstehen, oder auch zwischen Partnern, wird in bindungsrelevanten Situationen, etwa wenn Angst erlebt wird, früher oder später das Bedürfnis nach Berührung, der Suche nach Körperkontakt, Gehalten werden aufkommen. Ohne Berührung ist es auf die Dauer schwierig, eine sichere Bindungsbeziehung zu entwickeln, auch in Partnerschaften. Wenn ein Partner in USA lebt und der andere wohnt in Deutschland, ist es trotz Telefon und Emails oder Fotos vom anderen schwierig, eine sichere partnerschaftliche Bindung aufzubauen, da der Partner in angstvollen Krisensituationen nicht als sichere Basis mit Körperkontakt und realer Nähe als Unterstützung und sicher Basis erlebt werden kann. Genauso wenig können Kleinkinder, wenn sie etwa durch einen Sturz oder Fieber Angst erleben und nach ihrer Bindungsperson rufen, über ein Handytelefonat mit der Mutter ausreichend getröstet werden. In solchen Situationen erwarten und hoffen sie auf die reale Anwesenheit der Bindungsperson.

In Interaktionsstudien konnte man sehen, wie Mütter selbst mit ihren drei Monate alten frühgeborenen Säuglingen (um die Zeit der Frühgeburtlichkeit korrigiertes Alter) beim Wickeln mit feinfühlig auf vielen Ebenen interagieren können. Während der frühen Zeit der Inkubatorpflege haben diese Säuglinge ganz andere Interaktionserfahrungen gemacht. Die Interaktion zwischen Mutter und Säugling ist trotzdem sehr erfreulich feinfühlig, mit Blickkontakt, Berührung und positivem Affektausdruck und sehr intensivem Sprachaustausch von beiden Seiten. Diese Art der frühen feinfühligen Interaktion ist sehr hilfreich, damit sich sichere Bindungen entwickeln können, selbst bei sehr kleinen Frühgeborenen, mit sehr niedrigem Geburtsgewicht und vielen Entwicklungsrisiken (Schmücker u. a., 2005). Auch wenn die frühe Startzeit nicht so feinfühlig verläuft, besteht die Möglichkeiten, durch spätere feinfühlige Interaktionserfahrungen eine sichere Bindung zu entwickeln. Dies kann sich im Säuglingsalter, aber auch in der Adoleszenz bei Jugendlichen ereignen. Neue feinfühlige und emotional verfügbare Interaktionserfahrungen, die über einen längeren Zeitraum vorhersehbar sind und bei denen die Bindungsperson emotional für die Signale des Gegenübers verfügbar ist, helfen dem Gehirn vermutlich, sich neu zu strukturieren und es besteht nochmals eine neue Chance für eine sichere emotionale Entwicklung. Das Bindungssystem bleibt zeitlebens offen für neue Bindungserfahrungen und somit für Veränderungen. Dies ist besonders für die pädagogische Arbeit von großer Bedeutung, weil es Ziel dieser Arbeit ist, den Kindern und Jugendlichen mit Bindungsstörungen neue emotionale Erfahrungen in Beziehungen zu ermöglichen.

Bindungsqualitäten
Werden die Bedürfnisse des Säuglings in dieser von Ainsworth (1977) geforderten feinfühligen Art und Weise von einer Pflegeperson beantwortet, so besteht eine große Wahrscheinlichkeit, daß der Säugling zu dieser Person im Laufe des ersten Lebensjahres eine sichere Bindung entwickelt. Wenn man Säuglinge im Alter von einem Jahr in einer Trennungssituation von ihrer Bindungsperson untersucht, zeigen in nicht-klinischen Stichproben ca. 65% der Kinder mit 12 Monaten eine sichere Bindung an ihre Bindungsperson, etwa die Mutter, und ca. 65% an ihren Vater. Dies bedeutet, daß ein sicher gebundener Säugling seine spezifische Bindungsperson bei Bedrohung und Gefahr als „sicheren Hort“ und mit der Erwartung von Schutz und Geborgenheit aufsuchen wird. Wenn sich etwa die Mutter von ihm trennt und bei ihm Angst aufkommt, dann wird das Bindungsbedürfnis aktiviert und wir können beim Säugling Bindungsverhalten beobachten. Dies zeigt sich darin, dass er weint, ruft, der Mutter nachläuft, er sucht aktiv wieder Körperkontakt mit der Mutter, um sich schließlich auf ihrem Arm wieder rasch zu beruhigen (Ainsworth und Wittig, 2003).

Wird die Pflegeperson eher mit Zurückweisung auf seine Bindungsbedürfnisse reagieren, so besteht eine höhere Wahrscheinlichkeit, daß der Säugling sich an diese Pflegeperson mit einer unsicher-vermeidenden Bindungshaltung bindet (ca. 25% der Säuglinge). Ein unsicher-vermeidend gebundenes Kind wird in Notsituationen eher die Bindungsperson meiden oder nur wenig von seinen Bindungsbedürfnissen äußern. Es hat eine Anpassung an die Verhaltensbereitschaften seiner Bindungsperson gefunden, das heißt Nähewünsche werden von ihm erst gar nicht so intensiv geäußert, da der Säugling weiß, daß diese von der Pflegeperson auch nicht so intensiv mit Bindungsverhalten im Sinne von Schutz und Geborgenheit gewähren beantwortet werden. Dies führt aber zu einer erhöhten inneren Stressbelastung des Säuglings, die an erhöhten Cortisolwerten gemessen werden kann (Spangler, G. et al. 1995). Bindungsvermeidende Kinder verhalten sich scheinbar „cool“ in Angst machenden Situationen. Sie sind sehr beliebte Prototypen und viele Mütter wünschen sich solche Kinder, weil man sie schnell mal bei der einen oder anderen Betreuungsperson unterbringen kann und sie jeden fremden Babysitter scheinbar problemlos akzeptieren. Sie weinen nicht, rufen nicht, laufen nicht hinter der Mutter her und protestieren nicht. Vielmehr tun sie so, als sei etwa eine Trennung von der Mutter für sie gar kein Problem. Misst man dann aber Cortisol als Stresshormon im Speichel und im Blut, zeigen diese Kinder nach einer Trennungssituation maximalen Stress, obwohl sie bis zum ersten Lebensjahr schon gelernt haben, diesen nicht mehr zu äußern, was sie sonst evolutionsbiologisch eigentlich täten.

Werden die Signale manchmal zuverlässig und feinfühlig, ein anderes Mal aber eher mit Zurückweisung und Ablehnung beantwortet, so entwickelt sich eine unsicher-ambivalente Bindungstqualität (ca. 10%) zur Pflegeperson, zum Beispiel zur Mutter. Diese Säuglinge mit einer unsicher-ambivalenten Bindung reagieren auf Trennungen von ihrer Hauptbindungsperson mit einer intensiven Aktivierung ihres Bindungssystems, indem sie lautstark weinen und sich intensiv an die Bindungsperson klammern. Über lange Zeit sind sie kaum zu beruhigen und können nicht mehr zum Spiel ausgeglichener emotionaler Verfassung zurückkehren. Während sie sich einerseits an die Mutter klammern, zeigen sie andererseits aber auch aggressives Verhalten. Wenn sie etwa bei der Mutter auf dem Arm sind, strampeln sie und treten nach der Mutter mit den Füßchen, während sie gleichzeitig mit ihren Ärmchen klammern und Nähe suchen. Dieses Verhalten wird als Ausdruck ihrer Bindungsambivalenz interpretiert (Ainsworth und Wittig, 2003).

In der Bindungsforschung wird noch unterscheiden, ob ein Kind ein „organisiertes“ oder ein „desorganisiertes“ Bindungsmuster entwickelt hat. Die sicheren und unsicheren Bindungsqualitäten sind organisierte Bindungsmuster. Dies bedeutet, daß eine Mutter bei ihrem einjährigen Säugling genau weiß, wie er reagieren wird, wenn sie sich etwa von ihm trennt. Die Mütter können genau vorhersagen, ob ihr Kind weint oder ob es eher „cool“ im Sinne der unsicher-vermeidenden Bindungsqualität reagiert. Innerhalb des ersten Lebensjahres hat sich somit ein vorhersagbares Bindungsverhalten entwickelt, dem eine neurobiologische Repräsentation oder ein neuronales Muster zu Grunde liegt, das auch als ein „Inneres Arbeitsmodell von Bindung“ bezeichnet wird. Dieses legt fest, wie Bindungsverhalten zwischen einem einjährigen Säugling und seiner Bindungsperson reguliert wird.

Erst später wurde noch ein weiteres Bindungsmuster gefunden, welches als desorganisiertes und desorientiertes Muster bezeichnet wurde. Diese Kinder zeigen Sequenzen von stereotypen Verhaltensweisen, oder sie halten im Ablauf ihrer Bewegungen inne und erstarrten für die Dauer von einigen Sekunden. Dies wird dahingehend interpretiert, daß diese Kinder keine aktuelle Bindungsverhaltensstrategie zur Verfügung haben. Diese Kinder laufen manchmal auf die Mutter zu, wenn die Mutter nach einer Trennung wiederkommt, nach einer anderen Trennung laufen sie vor der Mutter davon, bleiben plötzlich stehen, geraten in tranceartige Zustände - und dieses wechselnde Verhalten ist nicht vorhersehbar. Ungefähr 15% - 20% der Kinder in unausgewählten Stichproben zeigen ein solches desorganisierte Bindungsmuster. Aus vielen Längsschnittstudien ist allerdings bekannt, daß bei unverarbeiteten Traumaerfahrungen der Eltern und manchmal auch bei Traumaerfahrungen der Säuglinge dieses desorganisierte Bindungsmuster auf bis zu 70% - 80% der Kinder ansteigen kann. Viele Kindern und Jugendliche, die in Pflegestellen und Heimen leben, zeigen solche desorganisierten Verhaltensweisen in bindungsrelevanten Situationen (Main und Hesse, 1992; van IJzendoorn u. a., 1999; Solomon und George, 1999).

Bindungsrepräsentation (Bindungshaltung) der Bezugsperson
Durch ein spezifisches, halbstrukturiertes Erwachsenen-Bindungs-Interview gelang es, auch einen Aufschluss über die Bindungshaltung der Erwachsenen zu gewinnen. Es fanden sich ähnliche Bindungsstile wie bei den Kindern.

Erwachsene mit einer sicheren Bindungshaltung können im Interview frei und in einem kohärenten Sprachfluss über ihre Erfahrungen von Bindung, Verlust und Trauer, die sie mit ihren Eltern und wichtigen Bezugspersonen erlebt haben, sprechen.

Erwachsene mit einer unsicher-distanzierten Bindungshaltung weisen zwischenmenschlichen Beziehungen und emotionalen Bindungen wenig Bedeutung zu.

Erwachsene mit einer unsicher-verstrickten Bindungshaltung zeigen im Interview durch eine langatmige, oft inkohärente Geschichte und Beschreibung ihrer vielfältigen Beziehungen, wie emotional verstrickt sie zum Beispiel mit ihren Eltern und anderen Beziehungen bis zum Erwachsenenalter noch sind.

Es wurde später noch ein weiteres Bindungsmuster in Zusammenhang mit ungelösten, traumatischen Erlebnissen gefunden, wie etwa nach unverarbeiteten Verlusten sowie nach Missbrauchs- und Misshandlungserfahrungen (Ainsworth und Eichberg, 1991; Lyons-Ruth und Jacobvitz, 1999; Schuengel u. a., 1996).

Bindungskontinuität zwischen den Generationen
Durch verschiedene Längsschnittstudien sowohl in Deutschland, als auch in den USA und in England konnte nachgewiesen werden, daß mit einer 75% Übereinstimmung sicher gebundene Mütter häufiger auch sicher gebundene Kinder haben, beziehungsweise Mütter mit einer unsicheren Bindungshaltung auch häufiger Kinder, die mit einem Jahr unsicher gebunden sind. Ähnliche Zusammenhänge, wenn auch nicht mit gleicher Intensität (nur 65% Übereinstimmung), fanden sich für die Beziehung zwischen der Bindungshaltung der Väter und der Bindungsqualität ihrer Kinder.

Diese Studien weisen auf eine Weitergabe von Bindungsstilen und -mustern zwischen Generationen hin. Die eigene Bindungshaltung der Mutter (bzw. des Vaters) beeinflusst ihr Verhalten gegenüber ihrem Säugling. Es konnte nachgewiesen werden, daß sicher gebundene Mütter sich auch in der Pflegeinteraktion mit ihren Kindern feinfühliger verhielten als dies unsicher gebundene Mütter taten. Die Mutter-Kind-Interaktion scheint ein wichtiger Prädiktor zu sein, aus dem heraus sich in Teilbereichen die Ausbildung der Bindungsqualität des Säuglings im ersten Lebensjahr erklären lässt (Brisch, 2003; Egeland u. a., 2001; Fonagy und Target, 2005; Brisch u. a., 2002).

Sichere Bindung als Schutzfaktor
Sichere und unsichere Bindungsentwicklungen sind noch keine Psychopathologie, sondern sie sind Schutz- und Risikofaktoren. Denn Kinder mit einer sicheren Bindung sind gegenüber psychischen Belastungen widerstandsfähiger, wie z. B. bei einer Scheidung der Eltern, die für viele Kinder eine große emotionale Belastung darstellt. Sicher gebundene Kinder haben bessere Bewältigungsmöglichkeiten, sie können sich selbst mehr Hilfe holen, sie fragen nach Hilfe, zeigen mehr gemeinschaftliches Verhalten, sind gerne mit anderen zusammen, leben lieber in Gruppen. Und, was ganz entscheidend ist, sie haben bessere Empathiefähigkeiten. Das heißt, sie können sich in Welt der Gefühle, Gedanken und Handlungsabsichten von anderen besser hinein versetzen. Kinder im Alter von 3-4 Jahren entwickeln in dieser Zeit im Kontext von Bindungsbeziehungen zum ersten Mal die selbstreflexive Fähigkeit, dass sie sagen können: „ich denke, dass du denkst, dass ich denke“; oder „ich fühle, dass du fühlst, dass ich fühle“; oder: „ich weiß, dass deine Denke und meine Denke und dass dein Fühlen und mein Fühlen ganz unterschiedlich sein können“. Jüngere Kinder gehen davon aus, dass alle Hunger haben, wenn sie selbst Hunger haben, oder dass alle müde sind, wenn sie selbst müde sind und ins Bett wollen. Manche Jugendliche, die in pädagogischen Heimen betreut werden, sind auf einem sehr frühen Stadium vor dem Erwerb dieser selbstreflexiven Fähigkeiten stehen geblieben und haben nie eine Empathiefähigkeit entwickelt. Diese ist aber eine Vorausbedingung, um befriedigende Beziehungen zu gestalten. Kinder mit sicheren Bindungen sind auch kreativer, aufmerksamer, haben eine bessere Ausdauer, sind flexibler, wenn sie Aufgaben lösen müssen, ihre Lern- und Gedächtnisleistungen und die Sprachentwicklung sind besser. Viele Kinder mit Bindungsstörungen dagegen haben auch Sprachentwicklungsstörungen (Brisch, im Druck; Brisch, 2000; Brisch und Hellbrügge, 2003; Hüther, 2003).

Bindungsstörungen
Wenn ein Kind in der frühen Entwicklungszeit traumatische Erfahrungen mit seinen potentiellen Bindungspersonen gemacht hat, die eigentlich für Schutz und Sicherheit zuständig sind, entwickelt es eine Bindungsstörung. Diese stellt eine schwere frühe Psychopathologie dar, die immer auch eine Gefährdung des Kindeswohls bedeutet. Viele Kinder in Heimen haben solche traumatischen Erfahrungen gemacht und leiden unter Bindungsstörungen. Ein Beziehungstrauma bedeutet, dass ein großer Stress erlebt wird, wenn Bedrohung und Angst bis zu Panik und Todesangst erlebt wird. Wenn die Eltern selbst die Kinder bedrohen, kann die Angst nicht gelöst werden, da die Kinder etwa vor ihren Eltern nicht fliehen können und auch Kampf als Notfallstrategie nicht zur Verfügung steht, da die Kinder in der Regel in jeder Hinsicht von ihren Eltern abhängig sind. Unter diesen Umständen entsteht eine massive körperliche Übererregung, die psychosomatische Reaktionen und Beschwerden zur Folge haben kann. Durch die extreme Stresssituation wird die Produktion von Hormonen wie etwa Cortisol angestoßen, die auf einem hohen Niveau langfristig fixiert bleiben kann. Diese Stresshormone machen bei einer Dauererregung Veränderungen im Gehirn, die dann als organisierte Verhaltensstörung in bindungsrelevanten Situationen beobachtet und als Bindungsstörungen diagnostiziert werden können. Es ist somit nicht nur eine Frage, ob man sich als Kind gut oder schlecht fühlt, vielmehr wirkt das Stresshormon Cortisol bei ständig hohen Werten im Gehirn neurotoxisch, so dass Gehirnzellen regelrecht abgebaut werden. Dies hat zur Folge, dass die Hirninnenräume größer werden und auch das Gehirnwachstum sich verlangsamt. Ein Kind, das wegen familiärer Gewalt traumatisiert wird, erlebt einen massiven Dauerstress, der neurobiologische Schädigungen zur Folge hat. Frühe Vernachlässigung hat sicherlich die schwerwiegendsten Auswirkungen auf die Gehirnentwicklung und Gehirnreifung, obwohl man nicht unbedingt blaue Flecken, einen gebrochen Arm oder eine Schädelfraktur sieht.

In der klinisch psychotherapeutischen Arbeit sehen wir Kinder und auch Jugendliche mit ausgeprägten Störungsvarianten in ihrem Bindungsverhalten, die als Psychopathologie diagnostiziert werden. Zwei extreme Formen der reaktiven Bindungsstörung können auch nach ICD 10 klassifiziert und diagnostiziert werden: eine Form mit Hemmung (F 94.1) und eine mit Enthemmung (F 94.2) des Bindungsverhaltens (Brisch, 1999).

Eine Bindungsstörung sollte allerdings nicht vor dem 8. Lebensmonat wegen der in diesem Alter bekannten „Fremdenangst“, die eine entwicklungsbedingte Durchgangsphase mit Angst des Säuglings gegenüber Fremden ist, diagnostiziert werden. Die psychopathologischen Auffälligkeiten sollten mindestens über einen Zeitraum von 6 Monaten und in verschiedenen Beziehungssystemen beobachtet worden sein. Weitere, in den internationalen Klassifikationssystemen bisher nicht erfasste Formen von Bindungsstörungen können sich klinisch dadurch äußern, daß Kinder kein Bindungsverhalten (Typ I) zeigen. Auch in Bedrohungssituationen wenden sie sich an keine Bezugsperson, in Trennungssituationen zeigen sie keinen Trennungsprotest.

Eine weitere Form ist durch undifferenziertes Bindungsverhalten (Typ II a) gekennzeichnet. Solche Kinder zeigen eine soziale Promiskuität: sie zeichnen sich durch undifferenzierte Freundlichkeit gegenüber allen Personen aus. Sie suchen in Stresssituationen zwar Trost, aber ohne die Bevorzugung einer bestimmten Bindungsperson. Jeder, der sich in ihrer Nähe befindet, kann sie auf den Arm nehmen und trösten, auch eine absolut fremde Person.

Andere Kinder neigen zu einem deutlichen Unfallrisikoverhalten (Typ II b): in Gefahrensituationen suchen sie nicht eine sichernde Bindungsperson auf, sondern begeben sich vielmehr durch zusätzliches Risikoverhalten in unfallträchtige Situationen. Auf diese Weise mobilisieren sie das Fürsorgeverhalten etwa ihrer Eltern, die nur angesichts der massiven Unfallbedrohung oder realen Verletzung ihres Kindes adäquates Bindungsverhalten zeigen.

Eine weitere Form der Bindungsstörung drückt sich durch übermäßiges Klammern (Typ III) aus. Diese Kinder, obwohl schon im Vorschulalter, sind nur in absoluter, fast körperlicher Nähe zu ihrer Bezugs- und Bindungsperson wirklich ruhig und zufrieden. Sie sind aber dadurch in ihrem freien Spiel und in ihrer Erkundung der Umgebung entsprechend eingeschränkt, weil sie immer auf die Anwesenheit der Bindungsperson angewiesen sind. Sie wirken insgesamt sehr ängstlich und können sich kaum von ihrer Bindungsperson trennen, so daß sie in der Regel keinen Kindergarten besuchen oder außerhalb des familiären Rahmens bei anderen Kindern spielen können. Sie haben somit selten Freunde und wachsen von Gleichaltrigen sozial isoliert auf. Unvermeidlichen Trennungen setzen sie massiven Widerstand entgegen und reagieren mit größtem Streß und panikartigem Verhalten.

Andere Kinder wiederum sind im Beisein ihrer Bindungsperson übermäßig angepasst und in ihrem Bindungsverhalten gehemmt (Typ IV). Sie reagieren in Abwesenheit der Bezugsperson weniger ängstlich als in deren Gegenwart und können in der Obhut von fremden Personen besser ihre Umwelt erkunden als in Anwesenheit ihrer vertrauten Bindungs- und Bezugsperson. Besonders Kinder etwa nach körperlicher Misshandlung und bei Erziehungsstilen mit körperlicher Gewaltanwendung oder -androhung reagieren auf diese Art und Weise.

Bei einem weiteren Stil der Bindungsstörung verhalten sich Kinder oft aggressiv (Typ V) als Form der Bindungs- und Kontaktaufnahme. Solche Kinder haben zwar eine mehr oder weniger bevorzugte Bindungsperson, aber sowohl mit dieser als auch mit anderen Menschen nehmen sie über aggressive Interaktionsformen sowohl körperlicher als auch verbaler Art Kontakt auf. Dies führt aber in der Regel zur Zurückweisung, da der versteckte Bindungswunsch nicht gesehen wird. Auf diese Weise entsteht schnell ein Teufelskreis, der die zugrunde liegenden emotionalen Bedürfnisse verdeckt.

Manchmal ist die Bindungsstörung dadurch gekennzeichnet, daß es zu einer Rollenumkehr (Typ VI) kommt. Diese Kinder müssen dann für ihre Eltern, die zum Beispiel körperlich erkrankt sind oder an Depressionen mit Suizidabsichten und Ängsten leiden, als sichere Basis dienen. Diese Kinder können ihre Eltern nicht als Hort der Sicherheit benutzen, vielmehr müssen sie selbst diesen die notwendige emotionale Sicherheit geben. Dies hat zur Folge, daß die Ablösungsentwicklung der Kinder gehemmt und verzögert wird und eine große emotionale Verunsicherung besteht: Diese Kinder wenden sich in eigenen Gefahrensituationen und psychischer Not etwa nicht an ihre Bindungspersonen, da sie dort keine Hilfe erwarten, weil diese mit sich und ihren Bedürfnissen ganz beschäftigt sind und den Kindern vielmehr Grund zur Sorge geben.

Im Rahmen von Bindungsstörungen kommt es manchmal auch zur Ausbildung von psychosomatischen Störungen, wie etwa mit Schrei-, Schlaf- und Esssymptomatik im Säuglingsalter, oder auch zu ausgeprägten psychosomatischen Reaktionen im Kleinkindalter, wie etwa zur psychogenen Wachstumsretardierung bei emotionaler Deprivation (Typ VII) (Brisch, 2004; Brisch, in press).

Beispiele für Bindungsstörungen bei Säuglingen
Ein Kind mit einer so genannten undifferenzierten Bindungsstörung weint etwa, nachdem die Mutter im sogenannten „Fremde-Situations-Test“ den Raum verlassen hat. Als die fremde Person zunächst daraufhin den Raum betritt, lässt sich das Kind von einer Fremden trösten, sucht aktiv Körperkontakt und hört unmittelbar auf zu weinen. Als dagegen die Mutter den Raum betritt, verhält es sich ihr gegenüber deutlich bindungsvermeidend, indem es sich nur schlaff hochnehmen lässt und den Körperkontakt mit der Mutter deutlich abweist.

In einem zweiten Beispiel aus dem „Fremde-Situation-Test“, das ein Kind mit einer Bindungsstörung mit Hemmung des Bindungssystems zeigt, weint der Säugling nach der Trennung von der Bindungsperson und ist deutlich zusätzlich durch das Fokussierungsgeräusch der Kameras geängstigt. Als die Bindungsperson zurückkehrt, erwartet man, dass sich ihr Kind aktiv an sie wenden würde, um getröstet zu werden und somit in seinem aktivierten Bindungsbedürfnis wieder zur Ruhe zu kommen. Es wird aber deutlich, dass der Säugling seine Bindungsperson nicht als sichere emotionale Basis nutzen kann und vielmehr vor dieser Angst hat und in einen unlösbaren Konflikt gerät: er möchte sich einerseits an die Bindungsperson wenden, andererseits hat er Angst vor ihr und weicht immer weiter zurück. Das Kind ist und bleibt in hoher Alarmbereitschaft und es findet keine Lösung oder Beruhigung des erregten Bindungssystems statt.

Wenn Kinder im Säuglings- und Kleinkindalter solche Bindungsstörungen entwickeln, verhalten sie sich auch als Jugendliche in Beziehungen oder bindungsrelevanten Situationen - etwa immer wenn sie Angst haben - ausgesprochen auffällig, indem sie verschiedene Verhaltensmuster der zuvor beschriebenen Bindungsstörungen zeigen können. Sie zeigen weniger prosoziales, und mehr aggressives Verhalten in Konfliktsituationen, sie präsentieren sich mit vielen psychosomatischen Störungen, geraten oft wieder in Missbrauchs- und Misshandlungskontexte. Als Eltern verhalten sie sich traumatisierend gegenüber ihren eigenen Kindern. Dramatisch ist, dass sie somit ihre eigene Bindungsstörung durch ihr Verhalten gegenüber ihren Kindern an die nächste Generation weitergeben. Es sieht so aus, als sei dieses Verhalten genetisch fixiert. Neue Bindungserfahrungen, die die Kinder etwa in einer neuen Pflegestelle oder in einer Psychotherapie mit neuen Bindungspersonen machen können, zeigen aber, dass das Verhalten veränderbar ist (Brisch und Hellbrügge, 2003).

Bindungsorientierte pädagogische Arbeit
Trotz oft schwieriger Arbeitsbedingungen gelingt es Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Institutionen und Pflegestellen, dass Kinder mit Bindungsstörungen durch die pädagogische bindungsorientierte Arbeit neue Erfahrungen machen können, die nicht die alten traumatischen Muster wiederholen. Diese schwierige und emotional sehr anstrengende beziehungsorientierte Arbeit verdient allen Respekt und alle Wertschätzung. Wenn ein Kind mit einer Bindungsstörung neu in eine Einrichtung kommt, hat es Angst und sein Bindungsbedürfnis ist oft maximal aktiviert. Angst ist ein ständiger Begleiter dieser Kinder in allen möglichen bindungsrelevanten Situationen. Diese Kinder mit Bindungsstörungen sind von ihrer emotionalen Entwicklung erst 1,5 oder 2 Jahre alt, obwohl sie biologisch etwa schon in der Adoleszenz sein können, so dass das emotionale Entwicklungsalter und das biologische Alter weit auseinanderklaffen. Mit ihrem aktivierten Bindungsbedürfnis richten sich die Kinder an die Pädagogin, den Pädagogen mit der Hoffnung, es möge sich für sie vielleicht erstmals im ganzen Leben eine neue Chance zu einer sicheren Bindungserfahrung eröffnen. Gleichzeitig haben sie aber auch große Angst, dass sich die alten Erfahrungen von Gewalt und Missbrauch erneut wiederholen könnten. Dennoch gelingt es oftmals, dass bindungsfördernde, feinfühlige Erlebnisse möglich werden. Jede neue Interaktionserfahrung des Kindes mit einem Betreuer wird neuronal als Muster sozusagen „abgespeichert“ und registriert. Sind diese neuen Erfahrungen kontinuierlich und wiederholbar, gekennzeichnet von Feinfühligkeit, dialogischer Sprache, prompter Wahrnehmung und korrekter Interpretation der Beziehungssignale, werden Affekte vom Betreuer in Worte gefasst, geben feinfühlige, respektvolle Berührungen sowie Körperkontakt den gesuchten Schutz und Halt, ändert sich langsam das bindungsgestörte Verhalten und es entsteht auch auf der neurobiologischen Ebene ein neues inneres Arbeitsmodell von Bindung. Auf diese Weise kann eine Entwicklung von der Bindungsstörung zur Bindungsdesorganisation und später zur unsicherer bis sicheren Bindung unterstützt werden, auch wenn dieser Prozess lange Zeit in Anspruch nimmt. Aber jede noch so kleine Veränderung in Richtung Bindungssicherheit wäre ein Riesengewinn für Lernen, für Entwicklung und für Beziehungsfähigkeit des Kindes. Für diese Kinder wäre selbst ein neues unsicher-desorganisertes Muster statt einer früheren Bindungsstörung schon ein großer Gewinn, weil sie dann zumindest zeitweise in Angst machenden Situationen in ersten Ansätzen ein sicheres Bindungsverhalten zeigen könnten. Sobald sich die bindungsgestörten Kinder etwas sicherer fühlen - das ist manchmal erst nach mehreren Monaten zu beobachten - beginnen sie, ihre traumatischen Erfahrungen mit ihren Bindungspersonen zu reinszenieren. Wenn ein Kind mit seiner Bindungsperson in der Pflegestelle alte traumatische Situationen in Szene setzt, darf sich das Team ein Kompliment machen. Denn die Reinszenierung bedeutet, dass das bindungsgestörte Kind inzwischen soviel Vertrauen und Sicherheit verinnerlicht hat, dass es etwa seine Gewalt- und seine Missbrauchserfahrungen in Form von sexualisiertem und aggressivem Verhalten angstfreier zeigen kann. Das Kind vertraut darauf, dass das Team mit der Reinszenierung umgehen kann und keine Wiederholung der ursprünglich traumatischen Erfahrung ermöglicht. Wenn das bindungsgestörte Kind statt einer Wiederholung verschiedene emotionale Neuerfahrungen in der Beziehung erleben kann, weil das Team anders als erwartet handelt, ist dies sehr bedeutungsvoll und wird sicherlich auch im Gehirn „verankert“ werden. Viele konstante Neuerfahrungen dieser Art werden mit der Zeit zu einem generalisierbaren Muster, das schließlich auch neue Verhaltensweisen mit Spielkameraden außerhalb der Institution ermöglich, wie etwa in der Schule (Brisch, 2006; Brisch, 2004).

Prävention von Bindungsstörungen
Es wäre ein großer Gewinn, wenn möglichst viele Kinder eine sichere Bindungsentwicklung machen könnten und Bindungsstörungen auf dem Hintergrund von frühen traumatischen Erfahrungen vermieden werden könnten. Um dies zu erreichen, können wir Empathie und feinfühlige Verhaltensweisen der Bindungspersonen schulen, um auf diese Weise diese Teufelskreise von Gewalterfahrungen über Generation hinweg auch möglichst früh zu durchbrechen. Hierzu wurden von uns zwei Präventionsprogramme entwickelt (Brisch, im Druck).

Das Programm „Safe® - sichere Ausbildung für Eltern“ soll die sichere Bindungsentwicklung zwischen Eltern und Kind von Beginn an fördern. Hierzu werden Eltern ab der 20. Schwangerschaftswoche bis zum Ende vom 1. Lebensjahr insgesamt in zehn ganztägigen Seminaren unterrichtet. Hierbei lernen sie sehr viel über die Bindungsentwicklung ihres Säuglings und werden an Videobeispielen geschult, die Signale ihres Kindes besser zu lesen. Zusätzlich führen wir mit jeder Mutter und mit jedem Vater ein Bindungsinterview durch und analysieren, ob die werdenden Eltern unverarbeitete traumatische Erlebnisse haben, die ein potentielles Risiko darstellen, mit dem eigenen Kind wieder inszeniert zu werden. Während der Schwangerschaft können traumatisierte Eltern eine individuelle psychische Stabilisierung erhalten, und nach der Geburt bieten wir ihnen eine individuelle traumazentrierte Psychotherapie neben der Gruppenbegleitung an. Dieses Programm ist offen für alle Eltern aus allen sozialen Schichten, da die oben beschriebene Weitergabe von traumatischen Erfahrungen über Generationen in allen Familien vorkommen kann.

Ein weiteres Präventionsprogramm ist B.A.S.E* - Babywatching gegen Aggression und Angst für Sensitivität und Empathie.

In diesem Präventionsprogramm kommt eine Mutter mit einem Säugling einmal in der Woche für ca. 30 Minuten in den Kindergarten. Zu Beginn ist der Säugling erst wenige Wochen alt und die Mutter kommt mit ihm bis zum Ende des ersten Lebensjahres, wenn der Säugling läuft und seine ersten Worte spricht. Unter Anleitung von geschulten Erzieherinnen werden ca. 25 Kinder für eine halbe Stunde zur Mutter-Kind-Beobachtung angeleitet, während die Kinder im Stuhlkreis sitzen. Diese angeleitete Beobachtung schult die Empathiefähigkeit der Kinder und es können positive Verhaltensänderungen gesehen werden. Für viele Einzelkinder besteht zum ersten Mal die Chance, über die Dauer von einem Jahr ein Baby zu beobachten und sich empathisch in die Nöte, Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche und Ängste eines Babys und seiner Mutter einzufühlen. Diejenigen Kinder, die in diesen Babybeobachtungsgruppen waren, verhalten sich im Vergleich mit Kindern einer Kontrollgruppe nach einem Jahr weniger aggressiv, sind weniger ängstlich, verhalten sich kooperativer, sind flexibler, und holen sich eher Rat und Hilfe bei der Erzieherin. Dies zeigt, dass vermutlich die erlernten Empathiefähigkeiten von den Kindern auch auf die alltäglichen Interaktionen untereinander übertragen werden können und es zu einer Generalisierung der erlernten Verhaltensweisen kommt.

Zusammenfassung
Es wäre eine wünschenswerte Utopie, dass wir in Zukunft die Kompetenzen vieler Eltern schulen können, so dass sie emotional für die Sorgen und Nöte ihrer Kinder verfügbarer sind, weil sie die eigenen Traumata aus ihrer Kindheit möglichst verarbeitet haben. Dadurch könnten sie empathie- und beziehungsfähiger werden und möglichst ihre eigene, erworbene sichere Bindungsrepräsentation als Ressource für die Entwicklungsförderung einer sicheren Bindung ihrer Kinder nutzen.









Zweiter Aufsatz - zweiter Teil, weil Posting zu lang war


ernie


  Fortsetzung - Zweiter Aufsatz 1. Teil
avatar    ernie69
schrieb am 11.01.2007 12:36
Zweiter Aufsatz - erster Teil:

Pflegefamilien für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche - Überlegungen zu fachlichen Anforderungen an Pflegefamilien und deren externe Begleitung

Arbeitsansatz im Projekt "Professionalisierung von Pflegefamilienerziehung" des Vereins zur Förderung des Pflegekinderwesens in Mecklenburg/ Vorpommern e.V.

von Dr. Marion Damerius



Die Hilfe zur Erziehung in einer Pflegefamilie ermöglicht dem Pflegekind den Aufbau neuer, sehr dichter Beziehungen zu Erwachsenen. Die aufnehmende Familie hält ein Bindungsangebot für das Pflegekind bereit, das es ihm ermöglichen kann, seine bisherigen Bindungserfahrungen schrittweise aufzuarbeiten und sein internes Arbeitsmodell der Gestaltung sozialer Beziehungen allmählich zu modifizieren. Die diesem Prozeß innewohnende Dynamik ist zwangsläufig nicht frei von Problemen oder Konflikten, treffen doch im System von Pflegekind, Herkunftsfamilie und Pflegefamilie unterschiedliche Lebensbiographien mit oft völlig verschiedenen Bindungsmustern aufeinander. Um diese Dynamik verstehen und in Konfliktsituationen helfend analysieren zu können, sind die Erkenntnisse der Bindungstheorie zentrales Moment in unserer Arbeit mit Pflegefamilien. Aus diesem Grunde seien eingangs einige Erkenntnisse der Bindungsforschung zusammenfassend dargestellt.

Ergebnisse der Bindungsforschung
Bindung als internes Arbeitsmodell des Individuums

John Bowlby (1975, 1976, 1983) und Mary Ainsworth (1974, 1978) gelang es, die Bedeutung der frühkindlichen Bindung eines Kindes an die erwachsene Bezugsperson für die weitere Persönlichkeitsentwicklung des Kindes theoretisch und empirisch zu belegen. Dies bildete den Ausgangspunkt für weitere Untersuchungen zum Entstehen, zur Beschaffenheit und zu Wirkungen von Bindungsbeziehungen des Kindes zu Bezugspersonen.
Bindung als emotionale Dimension entwickelt sich aus der Interaktion des Kindes mit seinen Bezugspersonen. Ethologisch betrachtet, dient der Aufbau von exklusiven Bindungen zu wenigen verfügbaren Bezugspersonen der Sicherung des Überlebens. Diese dem Schutz und damit dem Überleben dienende Funktion ist wie Nahrungsaufnahme- und Sexualverhalten grundlegender Bestandteil menschlicher Natur und bleibt in verschiedener Ausprägung von der Geburt bis zum Tod Bestandteil menschlichen Handelns und Erlebens (Bowlby, 1995; Hassenstein; Hassenstein, 1996).
Bereits mit der Geburt verfügt der Säugling über eine Reihe von - angeborenen und sich mit der physischen und psychischen Entwicklung erweiternden - Verhaltensweisen, die ihm eine aktive Einflußnahme auf die Verfügbarkeit und Nähe einer Bindungsperson ermöglichen. Solche Verhaltensweisen sind beispielsweise Weinen, Anklammern, später Rufen, Nachfolgen und Suchen. Diese Verhaltensweisen treffen auf ein Pendant im Verhalten Erwachsener. Sie besitzen eine Tendenz zur Fürsorge gegenüber Babys und Kleinkindern ("Kindchenschema"), welches ihnen den Aufbau einer Beziehung zum Säugling erleichtert. Papousek und Papousek (1987, vgl.auch Papousek, M., 2001) konnten hier typische, von Geschlecht und ethnischer Zugehörigkeit unabhängige Verhaltensweisen Erwachsener Säuglingen gegenüber beobachten.
Diese intuitiven Verhaltensweisen können jedoch durch eigene Bindungserfahrungen bzw. durch andere Wirkungen der aktuellen Lebenssituation und der Art der Lebensgestaltung der Eltern modifiziert werden.
Das intuitive Elternverhalten hat in der Interaktion mit dem Säugling zwei Funktionen: Einerseits dient es dem aktiven Beziehungsaufbau der Eltern zu ihrem Kind. Es ermöglicht die Stimulation der Aufmerksamkeit des Kindes und damit vielfältige Anregungen der psychischen und physischen Entwicklung des Säuglings (beispielsweise über auditive, optische, taktile Zuwendungen). Andererseits und aus der Sicht der Schutzfunktion maßgeblich, dient intuitives Elternverhalten dem Wahrnehmen, Deuten und adäquaten Beantworten kindlicher Bindungssignale. Bindungssignale eines Kindes als Ausdruck seines aktivierten Bindungssystems deuten auf eine vom Kind als (z.B. durch Schmerz oder Angst) unangenehm und belastend empfundene aktuelle Situation, in der der Beistand einer Bezugsperson angestrebt wird.
Erfolgt dieser Beistand im überwiegendem Maße bedürfnisadäquat, so trägt dies entscheidend zur Ausprägung eines Grundgefühls der Sicherheit und Geborgenheit beim Kind bei (Urvertrauen). Intuitives Elternverhalten als Antwort auf kindliche Bindungssignale können dem Kind daher Vertrauen in die Verfügbarkeit von Bezugspersonen in aktuell empfundenen Notsituationen geben. Die Ausbildung eines solchen Vertrauens in die ständige Verfügbarkeit der Schutz gebenden Bindungsperson ermöglicht es dem Kind, sich aktiv der Erkundung seines Umfeldes zu widmen, ist es sich doch der Hilfe in Notsituationen sicher.
Das Bindungsverhalten eines Kindes ist darauf gerichtet, Interaktionsbeziehungen mit solchen Personen aufzubauen, die in ihrem Fürsorgeverhalten nach dem Empfinden des Kindes unmittelbar und verläßlich auf seine Bindungssignale reagieren (Bowlby, 1995). Auf der Basis erlebten Fürsorgeverhaltens entwickelt das Kind ein inneres Arbeitsmodell von Bindung (Bowlby, 1975; Ainsworth 1985 a;b; Bretherton, 1990), welches ihm in zunehmendem Maße eine zielkorrigierte Gestaltung von Beziehungen zu seinen Bindungspersonen ermöglicht (Unzner, 1999). Dabei bewirken unterschiedliche Bezugspersonen unterschiedliche Erfahrungen und modifizieren das innere Arbeitsmodell des Kindes. Es entwickelt ein inneres Hierarchiesystem von Bindungspersonen. Wichtigste Bindungsperson wird dabei in der Regel die im Erleben des Kindes am zuverlässigsten und intensivsten versorgende Person werden.
Die inneren Arbeitsmodelle von Bindung entstehen jeweils subjektiv aus dem Erleben der Konsequenzen kindlicher Handlungen und der Interaktionen mit seinen Bezugspersonen. Das konkrete Verhalten der Bindungsperson, der Grad ihrer Verfügbarkeit wird in Beziehung gesetzt zu den eigenen Handlungen und Absichten des Kindes (Fremmer-Bombik, 1999). Das Bindungsmodell eines Kindes ist demnach eine aktive Konstruktion, welche auf jeweils konkreten bindungsrelevanten Erfahrungen des Kindes basiert. Es ermöglicht dem Kind, seine Erwartungen und sein Verhalten anderen Individuen gegenüber zunehmend vorausschauend zu planen und zu steuern.
Nach Main (Main u.a., 1985) sind drei Aspekte für die Beschreibung der inneren Arbeitsmodelle von Bindung relevant (vgl. auch Fremmer-Bombik, 1999):
Zum einen enthalten innere Arbeitsmodelle als geistige Repräsentanzen von Bindung affektive und kognitive Momente. Sie wirken integrativ bezüglich Richtung und Organisation des Handelns des Individuums gegenüber den Bindungspersonen und der eigenen Person. Innere Arbeitsmodelle beinhalten Regelsysteme, die in (bewußten oder unbewußten) bindungsrelevanten Situationen Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Erfahrungsverarbeitung über die Bindungsbeziehungen und über die eigene Person eingrenzen oder erweitern. Diese Regelsysteme spiegeln sich entsprechend in der Wahrnehmungs-, Gedanken- und Sprachführung des Individuums wider.
Der zweite Aspekt ergibt sich aus der prozeßhaften Entwicklung innerer Arbeitsmodelle. Die jeweils in bindungsrelevanten Situationen erfahrenen Konsequenzen (d.h. der Versuch, durch Bindungsverhalten Fürsorgehandeln der Bindungsperson zu bewirken) führen zu einer generalisierten Erwartungshaltung des Kindes in die Interaktion mit seinen Bezugspersonen. Diese Erwartungshaltung bestimmt wiederum die Ausbildung der bewußten und unbewußten Verhaltenssysteme des Kindes, bezogen auf die Gestaltung von Interaktionssequenzen mit seinen Bindungspersonen.
Ein dritter Aspekt bezieht sich auf den Zusammenhang von zeitlicher Dimension und der Herausbildung des internen Bindungsmodells. Die Entwicklung eines internen Arbeitsmodells von Bindung beginnt mit der Geburt, d.h. vorsprachlich, und organisiert sich in den ersten Lebensjahren. Haben sich Arbeitsmodelle von Bindung herausgebildet, so tendieren sie zu Stabilität und wirken zu großen Teilen außerhalb des Bewußtseins (Zimmermann, 1999; Grossmann etal., 2001). Eine Modifizierung oder gar grundlegende Änderung von internen Bindungsmodellen bei Kindern ist daher nur sehr langwierig durch konsequent andere konkrete Bindungserfahrungen möglich (Fremmer-Bombik, 1999; Grossmann, 1995). Erst mit Erreichen der kognitiven Stufe der formalen Operation (Piaget, 1972) besteht eher die Möglichkeit, über früher entstandene Bindungsmodelle bewußt zu reflektieren und sie so bewußt zu modifizieren.

Bindungsmuster

Die Interaktion zwischen Kind und Bindungsperson führt zu charakteristischen Arbeitsmodellen, zu Bindungsmustern beim Kind. Sie sind experimentell durch die "Fremde Situation" (Ainsworth, 1978) nachweisbar, aber auch in der täglichen Interaktion von Kind und Bezugsperson beobachtbar. Von großer Bedeutung für die Ausprägung von Bindungsmodellen ist die vom Kind erlebte Art des Fürsorgeverhaltens der Bezugsperson. Die Bindungstheorie unterscheidet vier Bindungsqualitäten (Grossmann; Grossmann, 1995; Grossmann etal., 1997): Das sichere, das unsicher- vermeidende, unsicher-ambivalente und das desorganisierte Bindungsmuster.
Kinder, die ihre Bezugspersonen als sehr feinfühlig erleben, können ein sicheres Bindungsmodell entwickeln. Sie sind sich der Fürsorge durch ihre Eltern/ Mütter sicher und können so von dieser sicheren Basis aus selbständig und interessiert die Erkundung ihrer Umwelt aufnehmen. Das feinfühlige intuitive Elternverhalten erlaubt es den sicher gebundenen Kindern, ihre (auch unangenehmen) Gefühle offen zu zeigen. In der Trennungssituation reagieren sie bekümmert, suchen nach der Rückkehr der Bindungsperson deren Nähe und lassen sich durch sie schnell beruhigen, um dann ihre (Spiel- oder Erkundungs-)Aktivitäten wieder aufzunehmen. Das sichere Bindungsmuster scheint im weiteren Entwicklungsverlauf zur Herausbildung einer positiven sozialen Kompetenz zu führen.
Kinder, die in ihrem Bindungsbedürfnis bei Kummer, Furcht oder Unwohlsein ihre Bezugspersonen überwiegend zurückweisend bzw. unwillig und reserviert erleben, entwickeln meistens ein unsicher-vermeidendes Bindungsmuster. Um Zurückweisungen der Bindungspersonen möglichst zu minimieren, vermeiden diese Kinder das offene Zeigen ihrer Gefühle. In der Fremden Situation zeigen sie kaum erkennbare Reaktionen auf das Weggehen der Bezugsperson. Ebenso scheinen sie von deren Wiederkehr unbeeindruckt. Physiologische Untersuchungen ergaben jedoch einen starken Anstieg der inneren Stessbelastung (Spangler; Schieche, 1995). Unsicher-vermeidend gebundene Kinder benötigen demzufolge viel innere Energie, um ihre Erregung, ihre Gefühle und Ängste nicht zu zeigen, zu beherrschen, um so keine neue Zurückweisung durch die Bindungsperson zu provozieren. Dies macht es ihnen nur eingeschränkt möglich, ihre Umwelt selbständig und interessiert zu erkunden, aktiv und offen mit anderen Menschen zu interagieren.
Ein unsicher-ambivalentes Bindungsmuster entwickeln vor allem Kinder, für die das Fürsorgeverhalten ihrer Bezugspersonen als nicht vorherbestimmbar erscheint. Diese Kinder machen die Erfahrung, daß ihre Bindungspersonen gelegentlich feinfühlig, zu anderen Zeiten zurückweisend auf die Bindungssignale reagieren. Dadurch bedingt, ist eine latente Angst vor der Nichtverfügbarkeit der Bindungsperson vorhanden. Kinder erleben die Trennung von ihrer Bezugsperson im Rahmen der Fremden Situation als sehr belastend, wird doch die latente Angst zur Realität. Nach ihrer Rückkehr wechseln die Kinder zwischen Anklammern und Entfernen von der Bindungsperson. Sie lassen sich schwer trösten, sind eher quengelig und unruhig. Ein selbständiges Erkundungsverhalten ist beeinträchtigt. Unsicher ambivalent gebundene Kinder scheinen hin und her gerissen zu sein zwischen dem Wunsch nach Fürsorge durch die Bindungsperson und dem Gefühl, sich genau gegen diesen Wunsch wehren zu müssen, um für die erneute Nichtverfügbarkeit der Bindungsperson gewappnet zu sein. Aus diesem Grunde werden unsicher-ambivalent gebundene Kinder soziale Beziehungen zu anderen Personen nur äußerst vorsichtig, von Mißtrauen und Bedürfnis nach Belastbarkeitsprüfungen begleitet, aufbauen können.
Quer zu diesen drei Arbeitsmodellen von Bindung liegt das desorganisierte/desorientierte Bindungsmuster, das jeweils in Kombination mit einem der drei beschriebenen Bindungsmodellen auftreten kann. Bei ihren Untersuchungen mittels der Fremden Situation stieß das Forscherteam um Main (Main, 1995) auf Verhaltenssequenzen von Kindern, die keinem der drei klassifizierten Bindungsmustern zuzuordnen waren. In Anwesenheit der Bindungspersonen fielen die Kinder kurzzeitig in tranceartige Zustände, ihre Bewegungen froren kurzfristig ein, gleichzeitig wiesen sie einen verstörten Gesichtsausdruck auf. Bei Angst vor Fremden entfernte sich das Kind von der Bezugsperson, anstatt bei ihr Schutz zu suchen. Diese Sequenzen unterbrachen die ansonsten nach den Bindungsmustern klassifizierbare Verhaltensorganisation des Kindes. In diesen Sequenzen scheinen die sonst in der Interaktion wirkenden Verhaltens- und Aufmerksamkeitsstrategien des Kindes zusammenzubrechen. Main (1995) führt diesen Zusammenbruch darauf zurück, daß das Kind in der konkreten Situation von der Bezugsperson selbst geängstigt wird. Damit gerät das Kind in eine paradoxe Situation: Durch Angst wird das Bindungssystem des Kindes aktiviert. Es möchte eigentlich die Nähe und damit den Schutz der Bindungsperson anstreben, kann dies aber nicht, da die Bindungsperson selbst in dieser Situation ein Angst auslösendes Moment ist.
In Auswertung verschiedener Studien führt Main (1995) das desorganisierte/ desorientierte Bindungsmuster auf die unmittelbare Wirkung von Traumata (etwa durch Mißhandlung oder Mißbrauch) bzw. auf nichtverarbeitete Traumata der Bindungsperson im Sinne eines "second-generation effekt" zurück. Sie vermutet, daß Bindungsdesorganisation, also der zeitweise Zusammenbruch des internen Arbeitsmodells von Bindung, zu erhöhter Anfälligkeit für psychopathologische Entwicklungen führen kann (vgl. ausführlich: Hesse, Main, 2002).

Vorliegende Längsschnittstudien sowie die Entwicklung empirischer Methoden zur Erfassung von Bindungsmodellen Erwachsener verweisen auf eine relative Stabilität der in der frühen Kindheit ausgebildeten internen Arbeitsmodelle von Bindung (Zimmermann, 1995; Wensauer, 1995; Grossmann et.al., 2001) sowie auf die Möglichkeit transgenerationaler Übertragung von Bindungsmustern (Köhler, 1999). Gleichzeitig wird darauf verwiesen, daß diese Stabilität durch Veränderungen im Verhalten von Bezugspersonen bzw. durch das Wirken anderer sozialer Unterstützungssysteme modifiziert werden kann (Zimmermann et.al., 1995).

Hilfe zur Erziehung in Pflegefamilien aus der Sicht der Bindungstheorie

Für Kinder (und Jugendliche), die im Rahmen einer Hilfe zur Erziehung außerhalb ihrer leiblichen Familie untergebracht werden müssen, gilt in der Regel, daß sie in ihrer bisherigen Sozialisation kein sicheres Bindungsmuster aufbauen konnten, bzw. ein ehemals sicheres Bindungsmodell durch bestimmte (krisenhafte) Lebensereignisse stark verändert worden ist. Das bedeutet, daß sich Familien, die ein Pflegekind aufnehmen, in den meisten Fällen mit unsicheren und/oder desorganisierten Bindungsmustern konfrontiert sehen.
Kinder mit unsicheren bzw. desorganisierten Bindungsmustern konnten das notwendige Vertrauen in die Schutz gewährende emotionale Unterstützung von erwachsenen Bezugspersonen nicht aufbauen bzw. haben es verloren. Demzufolge fehlt es ihnen an der inneren Sicherheit, sich auf die Unterstützung der Erwachsenen verlassen zu können, diese Unterstützung über den gezielten Einsatz spezifischer Bindungssignale in bindungsrelevanten Situationen einzufordern. Die in der Interaktion mit der erwachsenen Bezugsperson erworbenen Erfahrungen hinsichtlich der Qualität deren Fürsorgeverhaltens führten beim Kind zur Ausbildung eines diesbezüglich speziellen Arbeitsmodells, welches es dem Kind gestattet, mit dem Erwachsenen in Kontakt zu bleiben.
Wird das Kind aus seiner Herkunftsfamilie herausgenommen, verliert das intern ausgebildete Bindungsmuster sein Pendant, die vom Kind erlebte und von ihm vorhersagbare Qualität elterlichen Fürsorgeverhaltens. Demzufolge befinden sich aus dem bisherigen Bezug herausgelöste Kinder in einer doppelt schwierigen Situation (vgl. Hedervari, 1996): Einerseits bedeutet die Trennung oder der Verlust von den vertrauten Bezugspersonen eine noch größere Verunsicherung des Kindes hinsichtlich der Verfügbarkeit Schutz gebender Bezugspersonen. Das Kind trauert um den Verlust seiner Bezugspersonen. Bindungswünsche an diese Bezugspersonen (und damit der Wunsch nach Stimmigkeit des internen Bindungsmodells) bleiben erhalten. Andererseits baut es zu seinen neuen Bezugspersonen allmählich neue Bindungen auf. Dieser Prozeß verläuft über einen längeren Zeitraum und ist notwendigerweise von krisenhaften Situationen begleitet.
Bei Unterbringung eines Kindes in einer Pflegefamilie treffen unterschiedliche, im Laufe einer nicht gemeinsamen Lebensgeschichte erworbene Arbeitsmodelle von Bindung aufeinander. Das Pflegekind bringt seine (meist unsicheren und/oder desorganisierten) Bindungserfahrungen in die neue Familie. Es trifft auf Bezugspersonen mit einer jeweils individuell anderen Beschaffenheit der Bindungsmuster. Die Bindungsmuster der erwachsenen Bezugspersonen sind dabei sowohl von den Bindungserfahrungen der eigenen Kindheit als auch von den sich aus der gemeinsamen Lebensgeschichte der Familie ergebenden Modifizierungen geprägt. In der Pflegefamilie lebende Kinder dieser Familie verfügen im Bezug auf das erlebte Fürsorgeverhalten ihrer Eltern ebenfalls über höchst individuelle, vom Pflegekind verschiedene Arbeitsmodelle.
Diese aus der nicht gemeinsamen Lebensgeschichte entstandene Unterschiedlichkeit von Bindungsmustern führt zu Schwierigkeiten im Interaktionsprozeß. Das Pflegekind wird entsprechend seiner Erfahrungen mit den bisherigen Bezugspersonen versuchen, Fürsorgeverhalten der neuen Bezugspersonen auszulösen bzw. (bei unsicher-vermeidendem Bindungskonzept) Bindungswünsche nicht verdeutlichen, um nicht zurückgewiesen zu werden. Die Pflegeeltern können ihr Fürsorgeverhalten (zumindest in der ersten Zeit) kaum "passgenau" auf die Bindungsbedürfnisse des Pflegekindes abstimmen, fällt ihnen doch die Entschlüsselung des bindungsrelevanten Verhaltens des Kindes schwer. Sie können derartiges Verhalten nur auf der Grundlage ihres eigenen Arbeitsmodells entschlüsseln. Störungen, Fehldeutungen, inadäquates Handeln im bindungsrelevanten Interaktionsprozeß treten damit bei jeder Fremdplazierung von Kindern auf.
Nienstedt und Westermann (1995) weisen darauf hin, daß sich die Sozialisation eines Pflegekindes in der Pflegefamilie immer und grundsätzlich von der Sozialisation in der Ursprungsfamilie unterscheidet. Anders als die Herstellung primärer Bindungsbeziehungen in der Ursprungsfamilie ist die Sozialisation in der Pflegefamilie für das Kind stets der zweite (oder wiederholte) Anlauf, neue, individuelle und befriedigende Kind-Eltern-Beziehungen herzustellen. Es geht hier also nicht um den Aufbau eines neuen Arbeitsmodells von Bindung (und dem Ablegen des "alten"), sondern um Modifizierung bisheriger Bindungserfahrungen mit dem Ziel der Umgestaltung des bisherigen Bindungsmodells des Pflegekindes. Anders als beim Aufbau primärer Bindungen wird ein Pflegekind, entsprechend seiner Lebenserfahrungen, seine Bedürfnisse in der Interaktion mit Erwachsenen nicht unverstellt, unmittelbar äußern können. Grund der Trennung von den bisherigen Bezugspersonen war ja gerade das Nicht-Wahrnehmen-Können, Nicht-Akzeptieren-Können, Zurückweisen der kindlichen Bedürfnisse. Das Kind erlebte sich teilweise ohnmächtig hinsichtlich seiner aktiven Einflußmöglichkeiten auf das Fürsorgeverhalten seiner Eltern. Dies führte zu Einschränkungen seiner Möglichkeiten, Beziehungen aktiv mitzugestalten, Einfluß auf Bezugspersonen zu gewinnen, von deren Fürsorge es in seinen Bedürfnissen nach Sicherheit und Schutz abhängig ist.
Hedervari (1996) weist deshalb auf zwei Faktoren hin, die den Integrationsprozeß eines Pflegekindes in die Pflegefamilie beeinflussen: Erstens ist die Kontinuität der Betreuungsumwelt durch Vorhandensein einer konstant verfügbaren Bezugsperson notwendige, aber noch nicht hinreichende Bedingung. Ein gelingender Integrationsprozeß wird zweitens erst möglich durch die emotionale Verfügbarkeit dieser Bezugsperson.
Ähnlich dem Beitrag elterlicher intuitiver Kompetenz beim Aufbau der primären Bindungsmuster (Papousek, 2001) ist die Feinfühligkeit der neuen Bezugsperson wichtige Komponente für die Möglichkeit des Pflegekindes, sich neu zu binden. Feinfühligkeit erklärt Papousek wie folgt: "Fähigkeit und Bereitschaft, sich im Antworten und Anregen von den kindlichen Auslöse- und Rückkoppelungssignalen leiten zu lassen und damit abzustimmen auf Aufnahmebereitschaft, Erregungsniveau, Befindlichkeit oder Ermüdung, auf seine perzeptiven und integrativen Fähigkeiten und Grenzen, und auf seine momentanen Vorlieben, Initiativen, Absichten und Bedürfnisse" (Papousek, 2001, S. 6). Als weitere auch für Pflegeeltern relevante Komponente intuitiven Elternverhaltens stellt Papousek (2001, S. 6) die "Gestaltung von Zwiegespräch und Spiel im Sinne eines unterstützenden kontingenten Bezugsrahmens zum Erproben und Einüben der heranreifenden prozeduralen Fähigkeiten in Bezug auf Selbstregulation, Erfahrungsintegration und Sprache" heraus. Anders als in der primären Bindungssituation geht es in der Pflegefamiliensituation durch die Gestaltung der oben beschriebenen Interaktion eher um Modifizierung und "Nachreifen" von Selbstregulation, Unterstützung der komplexen Erfahrungsintegration sowie oft auch um Weiterentwicklung der Sprachkompetenz des Pflegekindes.
Zwei weitere Komponenten elterlicher Intuität beschreibt Papuosek (2001, S. 6) mit: "(1.) vereinfachte, prototypische Verhaltensformen und Anpassungen, mit denen sich die Eltern dem Baby "verständlich" machen; (2.) Verhaltensformen zur Unterstützung von affektiver Verhaltensregulation und Aufmerksamkeit".
Nun ist Ziel der Pflegefamiliensozialisation nicht die Ausprägung von primären Bindungsmustern. Pflegeelterliche Intuität weist trotzdem große Berührung mit beiden oben genannten Komponenten auf: Pflegeeltern, aus einem anderen Lebenskontext kommend, müssen sich dem Pflegekind "verständlich" machen. Das Pflegekind muß Gelegenheit erhalten, Struktur, Gewohnheiten, Regeln und Grenzen der Pflegefamilie und vor allem der neuen Bezugspersonen zu erkennen. Die dem Pflegekind nicht vertrauten verbalen und nonverbalen Kommunikationsmuster in der Pflegefamilie müssen für das Kind "entschlüsselbar" werden. Dies alles erfordert Vereinfachungen in Kommunikation und Handlungsgestaltung bei klarer, fester und verläßlicher Strukturierung des Pflegefamilienalltags.
Die bisherige Lebensgeschichte des Pflegekindes führte oft zu einer gestörten bzw. beeinträchtigten Möglichkeit, sein affektives Verhalten sich selbst und anderen gegenüber adäquat zu steuern. Durch Bindungsunsicherheit ist darüber hinaus auch die Wahrnehmungsfähigkeit des Kindes oft eingeschränkt. Die von Papousek (2001) hervorgehobene elterliche Unterstützung dieser Bereiche trifft daher in gleichem Maße auf intuitives Pflegeelternverhalten zu.
Ein derartig feinfühliges, intuitives Verhalten von Pflegeeltern dem Pflegekind gegenüber kann dazu führen, daß das Kind in der Pflegefamilie seinerseits die Erfahrung macht, selbst Einfluß auf (pflege-) elterliches Fürsorgeverhalten ausüben zu können und von daher seine eigenen Beziehungsmöglichkeiten, die eigenen Aktivitäten in sozialen Bezügen allmählich erweitern zu können.
Pflegeelterliche intuitive Kompetenz hat jedoch mit zwei Schwierigkeiten zu kämpfen: Zum einen schafft das eigene kindliche Erleben elterlichen Fürsorgeverhaltens eine Grundlage, um mit elterlicher Intuität die Ausbildung primärer Eltern-Kind-Beziehungen zu gestalten (Grossmann u.a., 2001). Für die Ausbildung von Pflegeeltern-Pflegekind-Beziehungen stehen jedoch in den meisten Fällen Pflegeeltern keine entsprechenden Erfahrungen zur Verfügung. Sie müssen daher Erfahrungen in der Gestaltung primärer Eltern-Kind-Beziehungen auf Beziehungen "übersetzen", die sich durch einen (längeren oder kürzeren) Zeitraum nicht gemeinsamer Lebens- und damit Bindungsgeschichte auszeichnen. Erfolgt dieser "Übersetzungsprozeß" größtenteils unreflektiert, besteht die Gefahr der (unbewußten) Leugnung des Unterschieds zum primären Beziehungsaufbau. Die jeweils anderen Beziehungserfahrungen des Pflegekindes werden dann nur ungenügend Berücksichtigung finden können. Dies kann beim Pflegekind die Erfahrung der Nicht-Erreichbarkeit von Bezugspersonen für seine individuellen Bindungsbedürfnisse verstärken.
Eine zweite Schwierigkeit liegt in der meist grundsätzlich anderen Bindungserfahrung des Pflegekindes begründet. Im Laufe seiner Lebensgeschichte hat das Pflegekind innere Arbeitsmodelle zu Bindungspersonen entwickelt, die es ihm ermöglichten, sein natürliches Bedürfnis nach Bindung an eine Schutz gewährende erwachsene Bezugsperson so befriedigend wie möglich zu gestalten. Es lernte, solche Gefühle oder Bindungswünsche der Bezugsperson gegenüber zu vermeiden, die dem Kind nach seinen Erfahrungen Zurückweisung bringen würden. Foppa (1995) beschreibt den hier zugrunde liegenden Lernprozeß. Sein Verhalten in der Pflegefamilie kann das Pflegekind nur auf der Basis bisheriger Erfahrungen gestalten. Das bedeutet, daß das Pflegekind Gefühle und Bindungswünsche in der Regel nicht ursprünglich, sondern verzerrt oder gar nicht ausdrücken kann. Pflegeeltern stehen vor der Schwierigkeit, diese Verzerrungen zu entschlüsseln. Für die Entschlüsselung verfügen sie in erster Linie über ihre eigenen Bindungserfahrungen, die (wie oben beschrieben) als "Wörterbuch" nur begrenzt einsetzbar sind. Wissen um die Lebensumstände des Pflegekindes, um bindungsrelevante Erfahrungen sowie spezielles Fachwissen zum Thema "Pflegeverhältnis" und die Fähigkeit zur Reflexion sowie zur Nutzung fachlicher Reflexionshilfen sind hier unabdingbar.

Der Integrationsprozeß des Pflegekindes in die Pflegefamilie

Nienstedt und Westermann (1995) beschreiben den Prozeß der Integration eines Pflegekindes in die Pflegefamilie idealtypisch in der Aufeinanderfolge mehrerer Phasen, die im Einzelfall unterschiedlich intensiv ausgeprägt, in teilweiser Überlagerung auftreten können. Die Autoren bezeichnen diese Phasen als "Anpassung und Annahme"; "Übertragung" und "Regression".
Mit dem Wechsel in eine Pflegefamilie ist für das betreffende Kind ein Höchstmaß an Unsicherheit verbunden. Es kommt in eine Familie, in der es ein unabhängig von ihm existierendes Beziehungsgefüge gibt, Interaktion und Kommunikation auf eine ihm völlig fremde Weise funktionieren. Gleichzeitig ist das Kind mit seinem Wechsel in die Pflegefamilie in der Befriedigung aller seiner elementaren Lebensbedürfnisse von dieser abhängig, ohne selbst schon über Möglichkeiten zu verfügen, aktiv wirksame Mittel zur Bedürfnisbefriedigung einzusetzen. Die Phase der Anpassung und Annahme kann daher als ein Prozeß beschrieben werden, in der es für das Pflegekind wichtig wird, die neue Situation zu erkunden und Möglichkeiten eigener Wirksamkeit zu finden. Scheinbar gelingt es dem Pflegekind in dieser Anfangsphase, sich schnell auf die neuen Gegebenheiten einzustellen, indem es den neuen Lebensraum erkundet, sich in seinem Verhalten und damit in seinem Streben nach Schutz und Versorgung den in der Familie geltenden Regeln und Gewohnheiten anzupassen bemüht ist.
Innerlich ist das Pflegekind jedoch in hohem Maße verunsichert. Es lebt in einem neuen Beziehungskontext, dessen Wirkung auf sein weiters Leben es noch nicht überschauen kann. Der Wunsch, in dieser Familie zu leben, ist daher nicht eindeutig sondern höchst widersprüchlich besetzt und von den bisherigen Bindungsmustern des Kindes geprägt. Gleichzeitig verlieren die bisherigen Möglichkeiten des Kindes, entsprechend seinem internen Arbeitsmodell die Interaktion mit Bindungspersonen selbst aktiv zu gestalten, angesichts der fremden Beziehungsmuster in der Pflegefamilie ihre Wirksamkeit. Für die Bewältigung dieser höchst ambivalenten Anfangsphase in Pflegefamilien beschreiben Nienstedt, Westermann (1995, S. 54f) zwei Bewältigungsstrategien von Pflegekindern:

Dem Pflegekind gelingt es, durch Neugier- und Erkundungsverhalten die neuen familialen Gegebenheiten zu erkunden. Dies ist möglich, wenn die bisherigen Bindungserfahrungen ein gewisses Maß an Orientierung und Exploration ermöglichen. Ein derartiges Verhalten des Kindes führt zum Erkennen von Mitteln der Bedürfnisbefriedigung und von Möglichkeiten der Einflußnahme auf den Interaktionsprozeß in der Pflegefamilie. Beides dient dem Kind dazu, Sicherheit in der Familie zu gewinnen und bewirkt dadurch einen allmählichen Angstabbau in der fremden Situation. Dieser Prozeß kann seitens der Pflegefamilie durch eine klare für das Kind durchschaubare Strukturierung des Pflegefamilienalltags erleichtert und unterstützt werden.
Ist dem Pflegekind auf Grund früherer Bindungserfahrungen Neugierverhalten und Exploration nicht möglich, kann eine oben beschriebene aktive Anpassungsleistung nicht vollbracht werden. Da das Pflegekind in diesem Fall die Gegebenheiten in der Pflegefamilie nicht aktiv erkunden kann, wird es sich entsprechend seiner früher bewährten Handlungsmuster verhalten oder durch Überanpassung an die Normen und Erwartungen der Pflegefamilie versuchen, Konflikte und Zurückweisungen zu vermeiden. In beiden Fällen gelingt es dem Kind nicht, die gegenwärtige Situation realistisch zu entdecken und sich eine eigene Handlungsautonomie in der neuen Lebenssituation zu bewahren und damit Sicherheit zu gewinnen. Spätestens hier ist die intuitive Kompetenz der Pflegepersonen gefragt: Die Handlungsmuster des Pflegekindes wollen entschlüsselt und entsprechend der dahinter verborgenen Wünsche des Kindes nach Versorgung, Schutz und Sicherheit beantwortet werden. Ziel pflegeelterlichen Fürsorgeverhaltens ist die Gestaltung von Interaktionsprozessen, die dem Pflegekind verläßlich die Erfahrung von eigenen Handlungsmöglichkeiten in Bezug auf die neuen Bezugspersonen ermöglichen. Nienstedt, Westermann (1995, S. 56ff) heben in diesem Zusammenhang die Erfahrung des ‘selbst Einfluß auf andere Menschen haben’ und die Gestaltung eines annehmenden Dialoges zwischen Pflegeperson und Pflegkind hervor.
Gelingt es dem Pflegekind in der Phase der Anpassung und Annahme, die Strukturen, Regeln und Grenzen der Pflegefamilie als für sich selbst sicher und versorgend zu erkennen, steigt seine Sicherheit in diesem neuen familiären Gefüge. Die für das Pflegekind kräftezehrende Zurückhaltung oder gar Überanpassung kann allmählich aufgegeben werden. Das Kind wird auf der Grundlage seines Bindungsmodells versuchen, in der Pflegefamilie seinen Platz zu finden. Es beginnt ein Prozeß, dem Nienstedt und Westermann (1995, S. 67 ff.) wesentliche Bedeutung für die Entwicklung des Kindes zuschreiben: der Prozeß der Übertragung früherer Beziehungserfahrungen. Das Pflegekind überträgt seine bisherigen Bindungserfahrungen in den Kontext der neuen Pflegefamilie: "Das Kind erlebt die neue Situation durch die Brille seiner frühen Erfahrungen, die es auf die jetzige Situation überträgt, und die neuen Eltern werden perfekt mit den früheren elterlichen Bezugspersonen verwechselt. Indem das Kind dies tut, nutzt und gestaltet es die Beziehungen zu den Pflege- und Adoptiveltern wie eine therapeutische Situation. Und gerade hierin liegt die Chance für eine weitreichende Korrektur gestörter Sozialisation durch die Integration eines Kindes in eine Ersatzfamilie, wenn Pflegeeltern bereit und in der Lage sind, sich zunächst auf eine solche quasitherapeutische Beziehung einzulassen" (Nienstedt, Westermann, 1995, S. 67).
Übertragungsbeziehungen als Wiederbelebung alter Bindungserfahrungen in neuem Beziehungskontext und die Möglichkeit, in den neuinszenierten alten Beziehungskonflikten neue, beständig andere Erfahrungen zu machen, sind die entscheidende Bedingung, um das bisherige interne Bindungsmodell des Kindes zu verändern.
Kinder mit besonderen Beeinträchtigungen kommen mit oft traumatischen Bindungserlebnissen in Pflegefamilien. Sie haben ihre Eltern als im höchsten Maße nicht schützend, zurückweisend oder ihnen gegenüber bedrohlich erlebt. Manche Kinder konnten in ihrer Lebensgeschichte kaum Kontinuität erleben. Ihr Bindungsmodell ist geprägt von wechselnden Bezugspersonen, Trennungen und Abbrüchen, damit von der Erfahrung der Nicht-Dauerhaftigkeit und Unzuverlässigkeit von Erwachsenen. Wie Nienstedt und Westermann in ihrem Buch "Pflegekinder" (1995) eindrucksvoll belegen, führen derartige Erfahrungen des Kindes zu Wahrnehmungsverzerrungen, Bindungsabwehr und vielfältigen Ängsten bis hin zu Verdrängungen oder Abspaltungen von Gefühlen, die sich im Verhalten des Kindes manifestieren (vgl. auch Harms, Strehlow, 1999). Hier wird es vielfache krisenhafte Situationen in der Pflegefamilie geben, die auf Übertragungen im Sinne der psychoanalytischen Theorie basierend, die die Pflegefamilie in ihrem Bindungsangebot vor vielfältige Probleme stellen. Für das Pflegekind ist die (bewußte und unbewußte) Neuinszenierung alter Probleme und Konflikte in der neuen Familie unbedingt notwendig, um neues, anderes Fürsorgeverhalten zu erfahren und von daher sein internes Arbeitsmodell von Bindung modifizieren zu können. Vergangene Erlebnisse und Erfahrungen mit bisherigen Bezugspersonen können gerade bei hochgradig belasteten Kindern ein realitätsbezogenes Handeln blockieren, so daß es in der Übertragungsphase nicht in der Lage ist wahrzunehmen, daß es nun mit ganz anderen Bezugspersonen zusammenlebt.
Hier besteht die Chance, daß das Kind allmählich durch beständig andere Bindungserfahrungen im Rahmen der inszenierten Konfliktsituationen seine alten Bindungserfahrungen nochmals durcharbeitet und so schrittweise modifiziert. Dieser Prozeß wir je nach Dauer und Intensität der Vorerfahrungen länger oder kürzer sein, d.h. Pflegefamilien, die ältere und traumatisierte Kinder aufnehmen, werden hier höchste Anforderungen zu bewältigen haben. Andererseits kommt dieser Phase eine entscheidende Bedeutung für eine gelingende (oder nicht gelingende) Sozialisation des Kindes in der Pflegefamilie zu.
Die vom Kind in dieser Phase zu leistende Beziehungsarbeit, die wesentlich in der Übertragung und Modifizierung seines internen Arbeitsmodells von Bindung besteht, kann durch ein sich in der Pflegefamilie entfaltendes quasi-therapeutisches Milieu entscheidend unterstützt werden.
Gemäß ihrer theoretischen Grundlage, der Psychoanalyse, nennen Nienstedt und Westermann zwei Bedingungen für das Entstehen von Übertragungsbeziehungen: das sind einerseits das Ausmaß und die nachhaltige Wirksamkeit der früheren beängstigenden und bedrängenden Erfahrungen in bezug auf die Möglichkeit, aktuelle Realität wahrzunehmen. Andererseits kann sich Übertragung nur in einer nicht bedrohlichen, das Kind schützenden Situation entwickeln (Nienstedt, Westermann, 1995, S. 68). Diese schützende Situation entspricht in wesentlichen Zügen einem therapeutischen Setting. Für ein derartiges quasi-therapeutisches Milieu in der Pflegefamilie gelten ähnlich wie für das therapeutische Setting folgende Rahmenbedingungen(vgl. Nienstedt, Westermann, a.a.O., S.68ff):



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.07 12:39 von ernie69.


  Fortsetzung - Zweiter Aufsatz - 2. Teil
avatar    ernie69
schrieb am 11.01.2007 12:37
Zweiter Aufsatz - 2. Teil


- Das Kind muß die Sicherheit gewinnen können, daß seine Affekte und Phantasien, die in der Übertragungssituation zum Ausdruck kommen, keine negativen Folgen für das Kind nach sich ziehen. Das bedeutet einen Verzicht der Pflegefamilie auf das Einfordern sozial angepaßten, norm- und altersgerechten Verhaltens, der Verzicht auf sofortige Erziehung. Pflegefamilie muß hier aushalten können und das Kind vor zusätzlichen Folgen seines aus der Übertragung resultierenden Agierens schützen. Dies erfordert ein in hohem Maße einfühlendes (Pflege-)Elternverhalten, eine "Übersetzung" der Handlungsweisen des Kindes vor dem Kontext der früheren Bindungserfahrungen, vor allem dann, wenn diese früheren Erfahrungen das gegenwärtige Erleben und Handeln des Kindes fast vollständig bestimmen.

- Kinder mit hochgradig belastenden Vorerfahrungen werden sich auch in einer neuen (pflege-)familiären Situation auf ihre eigenen Sicherungskräfte verlassen. Dabei können Kinder nicht erkennen, daß diese neuen erwachsenen Bezugspersonen anders handeln als die vorherigen Bezugspersonen. Das Pflegekind verwechselt in der Übertragungsphase seine Pflegeeltern komplett mit den Herkunftseltern. So kann es je nach Vorerfahrung lange Zeit nicht darauf vertrauen, daß z.B. die Nahrungsversorgung regelmäßig erfolgt, es nicht mißhandelt, eingesperrt oder verlassen wird. Pflegeeltern erleben in dieser Phase oft, selbst wenn sie sich große Mühe geben, daß das Pflegekind dieses Bemühen nicht annimmt, zurückweist oder seinen Pflegeeltern sogar mangelnde Fürsorge vorwirft. Fehlt Pflegeeltern hier die "Übersetzungshilfe", können sie in ihrer Fürsorge und in ihrer Zuwendung nicht stabil, sogar überfürsorglich bleiben, mindern sie für das Pflegekind die Chance, seine alten Bindungserfahrungen noch einmal "durchzuarbeiten". Gelingt dies jedoch, kann das Pflegekind beim "Durcharbeiten" alter Erfahrungen beständig und zuverlässig andere Bindungserfahrungen machen, beginnt der Prozeß der Modifizierung des Bindungsmodells. Das Pflegekind kann die Pflegeeltern zunehmend als von seinen Herkunftseltern unterscheidbare Bezugspersonen wahrnehmen. Dies ist ein wichtiger Schritt zum Aufbau höchst individueller neuer Beziehungen zu den Pflegeeltern und damit zur Modifizierung des inneren Arbeitsmodells von Bindung.

- Übertragungsbeziehungen treten nicht wahllos in der Beziehung zu anderen mit dem Pflegekind interagierenden Personen auf. Sie entwickeln sich in der Interaktion mit den Personen, die für das Pflegekind neue erwachsene Bezugspersonen (Elternfiguren) darstellen. Dabei scheint gerade die Strukturähnlichkeit der Pflegefamilie zur Herkunftsfamilie, die Dichte und Intimität der Beziehungen, das enge Miteinander und die Abhängigkeit des Kindes von den Elternfiguren wichtig für das Herstellen von Übertragungsbeziehungen zu sein. Selbst wenn ein Kind bereits längere Zeit in einem Heim lebte, ist der Wechsel in eine Pflegefamilie durch die beschriebene Strukturähnlichkeit verbunden mit einer Wiederbelebung der familiären Vorerfahrungen.

Um die in der Übertragungsphase liegende Chance der Modifizierung früherer Bindungserfahrungen nutzen zu können, ist eine möglichst lückenlose und genaue Rekonstruktion der bisherigen Lebensgeschichte und der daraus folgenden Erfahrungen des Kindes unbedingt notwendig. Pflegeeltern benötigen hier bereits vor der Vermittlung eines Kindes, möglichst noch vor Beginn einer Anbahnung umfassende Informationen. Dies setzt eine genaue diagnostische Arbeit des Jugendamtes voraus.
Wesentliche Aufschlüsse über die Vorerfahrungen eines Pflegekindes gibt aber dessen Verhalten in der Pflegefamilie selbst. Gelingt es den Pflegeeltern hier, das Verhalten auf der Basis der Kenntnis über die Lebensgeschichte des Kindes zu "übersetzen", d.h., hypothetisch auf mögliche Vorerfahrungen zu schließen, werden ihnen die Beweggründe des kindlichen Verhaltens erklärbar.
Die Chance der Übertragungsphase besteht nun darin, daß Pflegekind und Pflegeeltern gemeinsam viele Situationen durchleben, die äußerlich an ähnliche Situationen in der Herkunftsfamilie erinnern und so das vorhandene Bindungsmodell des Kindes aktivieren. Das Kind handelt nun in Erwartung von elterlichem Verhalten, wie es das Kind in seiner früheren Familie erlebt hat. Zeigen seine Pflegeeltern dauerhaft und zuverlässig ein anderes, auch in der Grenzsetzung nicht bedrohliches sondern versorgendes, schützendes, liebevolles Fürsorgeverhalten, so kann das Pflegekind bekannte Situationen mit ganz anderem Ausgang durchleben. Ein beständiges Erleben anderer Ausgänge für bekannte Situationen bildet die Grundlage für die allmähliche Änderung des zielkorrigierten Handelns und damit für die Modifizierung des Arbeitsmodells von Bindung.
Nienstedt und Westermann schreiben dazu unter Bezug auf Bettelheim: "Was therapeutisch, heilend wirksam wird, ist 'nicht das Erinnern an die Vergangenheit, nicht einmal das Wiedererleben in der Vorstellung noch das Aufdecken des Unbewußten, sondern es ist die Neustrukturierung, die Integration der Persönlichkeit' (Bettelheim 1975, S. 209).
'Es ist eine wohlbekannte Tatsache der Psychoanalyse, daß der Patient nicht nur seine traumatischen Erlebnisse erzählen muß, er muß sie vielmehr, um sie ein für allemal zu bewältigen, emotional noch einmal mit einem ganz anderen Resultat durchleben...' (ebd., S. 171).
Das Wiederbeleben von Ängsten, heftigen Wünschen, Enttäuschungen, Ohnmacht, Wut und Zorn in der Übertragungsbeziehung zu elterlichen Objekten in Situationen, in denen sie entstanden sind - z.B. beim Anziehen, Waschen, Essen, Ins-Bett-Gehen -, in denen jetzt aber ganz andersartige Ausgänge möglich sind - z.B. befriedigend versorgt zu werden, Rücksicht zu erfahren, nicht überwältigt zu werden, geschützt zu sein -, ist therapeutisch wirksam und ermöglicht korrigierende Erfahrungen." (Nienstedt, Westermann, 1995, S. 73).
Diese beständig anderen Erfahrungen von elterlichem Fürsorgeverhalten können dem Kind schließlich wieder den Zugang zu verdrängten, abgewehrten Gefühlen, Bedürfnissen und Wünschen ermöglichen, die dann in der Übertragungssituation stellvertretend statt an die Ursprungsbezugspersonen an die Pflegeeltern gerichtet werden, ohne daß dem Pflegekind diese "Verwechslung" unbedingt bewußt ist. Dies stellt Pflegeeltern vermutlich vor die größten Bewährungsproben im Pflegeverhältnis überhaupt. Das Kind agiert aus einer fremden, den Pflegeeltern oft nicht zugänglichen Lebensgeschichte heraus. Es trifft auf die Lebensgeschichte der Pflegeeltern mit ihren teils bewußten teils unbewußten Normvorstellungen, Grenzen und Tabus. Gerade hier ist es für Pflegeeltern wichtig, die Handlungen des Kindes zu "übersetzen", d.h. zum einen in ihrer Zielrichtung zu erkennen. Andererseits ist es für den Prozeß notwendig, die Wirkung des kindlichen Handelns auf sich selbst zu spüren, um die Übertragung des Kindes nicht auf der Basis eigener unreflektierter Tabus und Grenzen im Sinne einer Gegenübertragung als ungebührlich zurückzuweisen. Eine derartige Zurückweisung hätte ein Ende der jeweiligen Übertragungsbeziehung zur Folge. Das Pflegekind würde wiederum in seiner Empfindung bestärkt, von erwachsenen Bezugspersonen nicht angenommen zu sein, keinen zuverlässigen Schutz, keine verläßliche und beständige Versorgung erwarten zu können.
Um in dieser Phase Übertragungskonflikte mit dem Kind zu bewältigen, ihm neue, befriedigende Bindungserfahrungen zu ermöglichen, ist es für Pflegeeltern unumgänglich, die eigenen Bindungserfahrungen, die eigenen Familiengeschichte bewußt zu reflektieren, um sich der eigenen Gegenreaktionen auf die Übertragungsprozesse des Pflegekindes bewußt zu werden. Hierzu ist eine entsprechende Vorbereitung vor Aufnahme eines Pflegekindes ebenso notwendig, wie die Begleitung der Pflegefamilie durch externe Fachkräfte.
Gelingende Übertragungsprozesse werden allmählich dazu führen, daß das Pflegekind zwischen früherer und gegenwärtiger Lebenssituation unterscheiden kann. Durch das beständig anders erlebte Fürsorgeverhalten der neuen Bezugspersonen wird es sein Arbeitsmodell von Bindung allmählich verändern. Hierzu bedarf es einer neuen Vorhersagbarkeit (pflege-)elterlichen Fürsorgeverhaltens. Im Sinne der Modifizierung von internen Bindungsmodellen durch zielkorrigiertes Verhalten (vgl. Foppa, 1995 und Fremmer-Bombik, 1995) wird das Pflegekind versuchen, über das Senden von Bindungssignalen Fürsorgeverhalten seiner Pflegeeltern auszulösen und damit eigene Einflußmöglichkeiten auf die Bindungsfiguren auszuprobieren, von denen es existenziell abhängig ist (vgl. Nienstedt, Westermann, 1995, S. 81ff). Diese Regressionsphase ermöglicht einen Neubeginn durch Modifizierung des bisherigen internen Arbeitsmodells von Bindung. Das Pflegekind versucht in dieser Phase, über zielkorrigiertes Handeln für sich befriedigende Bedürfnisbefriedigung durch die pflegeelterlichen Bezugspersonen zu erreichen. Unbewußt wird hier über das "Kindchenschema" versucht, das intuitive Elternverhalten Kleinstkindern gegenüber anzusprechen, um bedingungslosen Schutz und Versorgung (Zärtlichkeiten, Versorgung bis hin zum Füttern...), vorhersagbares, befriedigendes Fürsorgeverhalten zu erfahren. Dieser Prozeß führt zum Aufbau von höchst individuellen Bindungsbeziehungen zu den neuen Bezugspersonen, den Pflegeeltern. Das Pflegekind hat hier (unter der Voraussetzung, die Pflegeeltern können diese Regression annehmen und weisen sie nicht als nicht altersentsprechend zurück) die Möglichkeit, noch einmal wie ein Kleinkind Bindungen aufzubauen. Dieser Bindungsaufbau ermöglicht dem Kind ein Anknüpfen an frühere, befriedigende Bindungserfahrungen einerseits, andererseits eine Modifizierung unbefriedigender, bedrohlicher Erfahrungen hin zu neuen, andersartigen, befriedigenderen Kind-Eltern-Beziehungen.

Diese hier idealtypisch skizzierten Abläufe der Integration eines Pflegekindes in die Pflegefamilie unter Modifizierung seines Arbeitsmodells von Bindung ist im Alltag von Pflegefamilien nur selten so deutlich voneinander unterscheidbar. Oft laufen Übertragungs- und Neubindungsprozesse nebeneinander, überlagern sich, beeinflussen sich gegenseitig. Da Bindungsverhalten auf die Sicherung von Schutz und Fürsorge gerichtet ist, wird der Neuaufbau von Bindungen immer beeinflußt von den ursprünglichen Bindungserfahrungen des Kindes.

Die Herkunftsfamilie im Pflegeverhältnis

Der Herkunftsfamilie als Ursprung der primären Bindungserfahrungen des Kindes kommt in allen Pflegefamilien eine große Bedeutung zu, unabhängig von der Intensität der tatsächlichen Kontaktgestaltung. Ein Pflegekind wird nie leibliches Kind der Pflegefamilie werden, auch wenn Pflegekind (und Pflegefamilie) in der Phase des Bindungsaufbaus dies bewußt oder unbewußt wünschen. Wie bereits beschrieben, kann ein Pflegekind in einem mehr oder weniger langen Zeitraum seine Bindungshierarchie ändern und im günstigen Fall sein Bindungsmodell modifizieren. Entscheidend für den Verlauf dieses Prozesses sind die Vorerfahrungen des Kindes mit Bindungspersonen. So wirken unverarbeitete Trennungen und mehrfache Beziehungsabbrüche, Traumata oder Mißhandlungserlebnisse sowie das Erleben permanenter Zurückweisung durch die Hauptbindungspersonen in der Ursprungssituation erschwerend für die Möglichkeit des Kindes, sich in der Pflegefamilie auf ein neues Bindungsangebot einzulassen. In der Ursprungsfamilie (in den meisten Fällen unsicher, teilweise desorientiert) gebundene Kinder, die nicht in der eigenen Familie aufwachsen können, benötigen eine Erklärung und die Erlaubnis möglichst der Eltern oder des Jugendamtes, neue Bindungen in der Pflegefamilie eingehen zu dürfen. Dabei spielt eine klare Lebensperspektive für das Kind eine große Rolle.
Immer ist die Herkunftsfamilie ein mehr oder weniger langer Abschnitt der Lebensgeschichte des Pflegekindes. Ihn zu ignorieren oder abzuwerten, bedeutet ein Negieren oder gar Verurteilen dieses Teils der Lebensgeschichte des Kindes und könnte zu verstärkten Loyalitätskonflikten, oft verbunden mit einer (positiven oder negativen) Idealisierung der leiblichen Eltern des Kindes führen, die letztendlich eine Modifizierung des internen Bindungsmodells, eine Neubindung an die Pflegepersonen erschweren (vgl. Wiemann1994, Harms, Strehlow, 1999).
Irmela Wiemann führt als förderliche Faktoren eines direkten Kontaktes zwischen Pflegekindern und ihrer Herkunftsfamilie folgende Faktoren auf:

"War das Kind bereits an seine Eltern gebunden (auch wenn ambivalent), so kann es auf neue Menschen besser wieder Bindung übertragen, wenn es die Menschen des früheren Lebens nicht vollends verliert. Die Besuche dienen dann der Fortsetzung dieser Bindung und der Vertrautheit.
Auch wenn das Kind keine Bindung zu seinen Eltern hatte, so können Kontakte auf das Kind beruhigend wirken, weil es erlebt, daß die Eltern, die es fortgegeben haben, es nicht vergessen haben.
Die Besuche bei Eltern sowie bei Geschwistern helfen bei der Klärung der Identitätsfindung. Pflegekinder mit Kontakten zu den Eltern oder zu Geschwistern haben weniger Identitätsprobleme als Inkognitoadoptierte, denen ein wesentlicher Baustein ihres Selbst fehlt.
Die Besuche dienen der 'Verarbeitung' der Wirklichkeit. Kinder können anläßlich der Besuche manchmal besser einordnen, weshalb sie nicht bei ihren Eltern leben können.
Darüber hinaus kann eine Zufriedenheit der Eltern mit der Besuchshäufigkeit sich direkt auf das Kind auswirken." (Wiemann, 1999, S. 8)
Diese als förderlich beschriebenen Möglichkeiten direkter Kontakte des Pflegekindes zu seinen Herkunftseltern können jedoch im Einzelfall eher schaden, denn der psychisch gesunden Entwicklung des Kindes nutzen. Für Kinder, die in ihrer Herkunftsfamilie traumatisiert, mißhandelt, sexuell mißbraucht oder schwerst vernachlässigt wurden, führen direkte Kontakte eher zu Verunsicherung und Unfähigkeit, Bindungen an die Pflegefamilie aufzubauen. Hier ist sehr genau auf die individuell verschiedene Situation und die sich daraus ableitenden Bedürfnisse des Kindes zu achten (Wiemann, 1999, S. 8; vgl. hierzu auch Nienstedt, Westermann, 1995, die einen unbedingten Schutz der Bedürfnisse des Kindes vor die Kontaktinteressen der Herkunftseltern stellen und begründen.).
Gradmesser für direkte Herkunftsfamilienkontakte bei ehemals mißhandelnden Elternhäusern ist das Schutzbedürfnis des Kindes. Wird ein ehemals mißhandeltes Kind gezwungen, mit den als lebensbedrohlich erlebten Angehörigen Kontakt zu pflegen, so kann dies den Prozeß der Neubindung des Kindes erheblich beeinflussen. Bindungsverhalten wird ja gerade dann ausgelöst, wenn der Schutz der (erwachsenen) Bezugsperson benötigt wird. Kann das Pflegekind hier von seinen Pflegeeltern nicht vor in der Sicht des Kindes bedrohlichen direkten Kontakten mit den ehemals mißhandelnden Eltern geschützt werden, so wird das Vertrauen des Kindes in die Zuverlässigkeit pflegeelterlichen Fürsorgeverhaltens schwer erschüttert, der Neuaufbau von Bindung und damit die angestrebte Modifizierung des internen Arbeitsmodells von Bindung wird erschwert bzw. kann nicht erfolgen. Hier sollte im Interesse des Kindes erst dann direkter Kontakt zu ehemals mißhandelnden Familienangehörigen erfolgen, wenn das Kind selbst mit ihnen über das Geschehene sprechen möchte und kann. In der Regel ist dies erst der Fall, wenn das Pflegekind neue Sicherheit in anderen Bindungsbezügen gefunden hat und für sich selbst Stabilität und feste Ich-Stärke entwickelt hat.
Trotzdem, auch wenn keine Besuchskontakte möglich oder vertretbar sind, ist die Herkunftsfamilie des Pflegekindes als Teil dessen Lebensgeschichte in der Pflegefamilie präsent. Ganz deutlich wird dies - wie oben beschrieben - in der oder den Phasen der Übertragung. Für die Entwicklung der eigenen Identität wird sich das Pflegekind mit seinen eigenen Eltern (z.T. aus verzerrter Wahrnehmung heraus) vergleichen, sich die Frage nach Gemeinsamkeiten und Unterschieden stellen. Es wird sich nach den Gründen seines Fortgegeben- oder Herausgelöst-worden-seins fragen. Dazu wird es die eigene Wahrnehmung mit den Wahrnehmungen der neuen Bezugspersonen vergleichen.
Dieser Prozeß der Identitätsfindung von Pflegekindern ist für Pflegeeltern ein höchst ambivalenter Prozeß: Einerseits benötigt das Kind wahrheitsgemäße Informationen, warum es in einer Pflegefamilie lebt. Hier erfährt es von der Schwierigkeit seiner Eltern, für das Kind angemessen zu sorgen. Andererseits ist es für die Identitätsentwicklung des Pflegekindes wichtig, gemeinsam mit den Pflegeeltern nach den Gründen für das elterliche Handeln zu suchen, die Herkunftseltern nicht pauschal zu verdammen. Das Erkennen elterlicher Notlagen führt zur Entlastung des Pflegekindes, das ja oft aus einer Schuldigenrolle/ Sündenbockzuschreibung aus der Familie fortmusste. Das Erkennen der elterlicher Notlage schwächt eine Pauschalverurteilung und drängt das Pflegekind nicht in die Rolle eines Verteidigers seiner Eltern, als dessen (zumindest biologischer) Teil es sich definiert.
"Das Kind braucht Informationen über die Ursachen, weshalb seine Eltern so gehandelt haben (sie selbst waren unter Umständen Opfer und bekamen keine Hilfe, als sie klein waren. Das Pflegekind hat jetzt Hilfe bekommen und kann es später einmal anders machen). Es lag nicht am Kind, daß das Furchtbare passiert ist. Für das Kind war das sehr ängstigend und schlimm. Die Taten können nicht entschuldigt werden, aber die Eltern haben aufgrund eigener Probleme so gehandelt" (Wiemann, 1999, S. 11).
Diese Arbeit der Pflegeeltern setzt bei ihnen selbst Klarheit in ihrer Haltung der Lebensgeschichte des Kindes gegenüber voraus. So benötigen sie ein differenziertes Bild über die Herkunftseltern, einerseits um selbst verstehen zu können, warum Eltern ihrem Kind gegenüber so handeln konnten, andererseits um Herkunftseltern auch mit positiven Anteilen wahrzunehmen. Diese Haltung ist für Pflegeeltern nicht immer einfach, sind sie doch im täglichen Zusammenleben mit dem Pflegekind mit den Folgen elterlichen Handelns konfrontiert. Dabei ist ihnen aus ihrer eigenen Familien- und Bindungserfahrung heraus derartiges elterliches Handeln oft fremd und den eigenen moralisch-ethischen Werten entgegengesetzt. Hier benötigen Pflegeeltern in der Vorbereitung auf ihre Tätigkeit und in der Begleitung ständige Unterstützung.

Vorbereitung von Pflegepersonen, Vermittlung und Begleitung von Pflegeverhältnissen

Kaiser bezeichnet Pflegefamilien als "einen problemanfälligen Familientyp..., der gegebenenfalls hochspezialisierter Beratungs- und Therapieangebote bedarf" (Kaiser, 1995, S. 67). Sie unterscheiden sich gegenüber leiblichen Familien und Stieffamilien vor allem in folgenden Bereichen (vgl. auch Kaiser, 1995):

Motivation zur Familienvergrößerung durch die Aufnahme eines (fremden) Kindes;
Aufnahme des Kindes durch behördlichen Akt unter Begründung eines Pflegevertrages;
Aufnahme eines Kindes mit nicht gemeinsamer Lebensgeschichte und spezifischem rechtlichen Status;
Spezifische rechtliche Stellung der Pflegefamilie (meist Reduzierung der Elternschaft auf den Teil der tatsächlichen Personensorge unter Ausklammerung der juristischen Sorge, bei nicht vorhandener biologischen Elternschaft);
Notwendige Öffnung der Privatsphäre der Familie für das Herkunftssystem des Pflegekindes, das Jugendamt und weitere um das Pflegekind bemühte Institutionen.
Für diese besondere Struktur von Pflegefamilien gibt es kein allgemeingültiges gesellschaftliches Muster. Auch die konkrete eigene Familienerfahrung von Pflegeeltern bietet in den meisten Fällen keine ausreichende Basis, um die in Pflegefamilien notwendigerweise zu bewältigenden Probleme und Konflikte zu meistern. Gerade hier liegt aber nach wie vor ein strukturelles Dilemma: Während fremduntergebrachte Kinder in der Heimerziehung auf Bezugspersonen treffen, für die seitens der öffentliche Jugendhilfe Qualitätsstandards wie Fachkraftgebot (gemessen an einer staatlich anerkannten Berufsausbildung), Fortbildung, Supervision definiert sind, verzichtet öffentliche Jugendhilfe bisher auf eine ähnliche qualitative Sicherung der erzieherischen Hilfe in Pflegefamilien. Nach wie vor wird hier vor allem auf die erzieherische Intuition, gespeist aus den (oft unreflektierten) individuellen Familienerfahrungen der sich um die Aufnahme eines Pflegekindes bemühenden Familien vertraut. Dies alles vor dem Hintergrund gestiegener Anforderungen auch an die fachliche Arbeit der Pflegeeltern, bedingt durch die sich ändernde Problematik der Kinder, für die ein neuer Lebensort außerhalb der Herkunftsfamilie gesucht werden muß (vgl. zum Thema strukturelle Ungleichbehandlung von Pflegeverhältnissen: Blandow, 2002).
Von dieser Situation ausgehend, war es Anliegen des Vereins zur Förderung des Pflegekinderwesens in Mecklenburg/Vorpommern e.V. (VFP), ein fachlich qualifiziertes Angebot der Pflegefamilienerziehung für besonders entwicklungsbeeinträchtigte Kinder und Jugendliche zu schaffen. Ein solches qualifiziertes Angebot mußte folgende Ausgangssituation berücksichtigen:

Fremdplazierte Kinder, die als besonders entwicklungsbeeinträchtigt gelten, verfügen in der Mehrzahl der Fälle über Familienerfahrungen, die durch z.T. traumatisierende Erlebnisse von Mißhandlung, Mißbrauch, lebensbedrohender Vernachlässigung und Zurückweisung geprägt sind. Oft haben sie bereits mehrere Lebensorte und erwachsene Bezugspersonen erlebt. Sie bringen daher in den meisten Fällen ambivalente z.T. desorganisierte Bindungserfahrungen mit, oft verknüpft mit der Rollenzuschreibung, selbst schuld an ihrer Lage zu sein bzw. in Rollenumkehr Verantwortung für ihre Eltern übernehmen zu müssen.
Für Pflegefamilien bedeutet die Aufnahme eines Pflegekindes mit oben skizzierter Problemlage immer ein Leben mit oft massiven Konflikten, die besonders in Übertragungssituationen Gefahr laufen, zu eskalieren.
Pflegefamilien unterliegen damit den bereits beschriebenen strukturellen Divergenzen, die oft unmerklich, unausgesprochen, unreflektiert mit unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen auf das von seiner Anlage her schon krisenbelastete Pflegeverhältnis wirken.
Von daher ergeben sich für die Qualitätssicherung der Arbeit von Pflegepersonen mit besonders entwicklungsbeeinträchtigten Kindern und Jugendlichen drei Prämissen, denen das Projekt des VFP höchste Bedeutung zukommen läßt:

1. Pflegepersonen, die sich für ein Zusammenleben mit hochgradig belasteten fremden Kindern und Jugendlichen entscheiden, brauchen eine aufgabenadäquate Ausbildung. Diese Ausbildung beinhaltet neben der Vermittlung notwendigen Spezialwissens vor allem die Ausbildung von reflexiven Kompetenzen. Reflexive Kompetenz soll die künftigen Pflegepersonen vor allem befähigen:

sich über eigene Familien- und Bindungserfahrungen bewußt zu werden;
Verhalten von Kindern als zielgerichtetes Verhalten von dem Hintergrund der bisherigen Lebenserfahrungen und Bewältigungsmuster des Kindes verstehen zu können;
verstehen zu lernen, warum Eltern ihre Fähigkeiten zu intuitivem Fürsorgeverhalten nicht ausprägen bzw. ihre Elternrolle nur unzureichend oder mißbräuchlich ausüben können
die Wirkung ihres eigenen elterlichen Verhaltens erkennen zu können.
Bereits in dieser Ausbildung sollen Pflegepersonen über mögliche Veränderungen ihrer gegenwärtigen familiären Situation bei Aufnahme eines Pflegekindes reflektieren, Hypothesen über mögliche Konfliktfelder und die Wirkungen in ihrer Familie bilden. Ziel ist dabei, eine passgenaue Vermittlung vorzubereiten, indem sich die Pflegeperson gemeinsam mit ihrer Familie eigener Stärken und Grenzen im Zusammenleben mit fremden Kindern bewußter werden kann. Um die Pflegepersonen und ihre Familien in ihrem Reflexionsprozeß von Beginn an zu begleiten, wirken die Mitglieder des das Pflegeverhältnis später begleitenden Fachteams bereits in der Ausbildung in wesentlichen Teilen mit. Ziel ist ein gegenseitiges Kennenlernen und der Aufbau eines Vertrauensverhältnisses, das die spätere Begleitung im Prozeß der Vermittlung und des Zusammenlebens mit einem Pflegekind vorbereitet.

2. Der Vermittlungsprozeß eines Kindes in eine so vorbereitete Pflegefamilie beinhaltet mehrere Etappen

Gemeinsam mit dem um eine Vermittlung nachfragenden Jugendamt wird die Lebens- und Bindungsgeschichte des jeweiligen Kindes so detailliert wie möglich rekonstruiert, die absehbare Perspektive des Kindes wird besprochen. Daraus abgeleitet wird eine Hypothese über den möglichen Bedarf des Kindes hinsichtlich des Beziehungsgefüges und des Konfliktlösepotentials einer Pflegefamilie. Davon ausgehend, schlägt das begleitende Fachteam dem Jugendamt geeignete Familien vor.
Erscheint eine Familie für den spezifischen Bedarf des Kindes geeignet, wird der Familie dieses Kind anhand seiner Lebensgeschichte vorgestellt. Gemeinsam mit der Familie wird überlegt, welche Veränderungen es in der Familie geben könnte, wenn sie dieses Kind aufnehmen würden. Diese Phase des Vermittlungsprozesses knüpft direkt an die in der Ausbildung ausgeprägten Kompetenzen an. Die Familie wird hier in einem sehr verantwortlich geführten Prozeß eine Entscheidung treffen. Entscheidet sie sich prinzipiell für die Aufnahme dieses Kindes, kann die Anbahnungsphase beginnen, in der sich die Familie bereits auf die fachliche Begleitung über Familienberatung und (wenn gewünscht) Supervision stützen kann.
Idealtypisch bemüht sich das begleitende Fachteam gemeinsam mit dem vermittelnden Jugendamt darum, möglichst erst Kontakt zum Kind herzustellen, wenn die künftigen Pflegeeltern vorher die Möglichkeit hatten, die leiblichen Eltern des Kindes oder andere wichtige Bezugspersonen kennenzulernen. Unsere Erfahrungen zeigen, daß ein solches Kennenlernen oftmals die Situation der Herkunftseltern stärker als jeder Bericht verdeutlicht und so Verhaltensweisen des Kindes einsehbar und verständlich werden. In einer solchen Begegnung kann bereits die Basis für eine das Kind künftig entlastende Kommunikation auf Erwachsenenebene gelegt werden.
Die Kontaktgestaltung zum Kind erfolgt schrittweise, sich an der Befindlichkeit des Kindes orientierend. Ihren Abschluß findet die Anbahnung mit einer Hilfeplankonferenz im Beisein möglichst aller Beteiligten, auf der die weitere Perspektive des Kindes festgelegt wird. Hier bietet sich nochmals die Möglichkeit, dem Kind seitens seiner Herkunftseltern oder dem Jugendamt die offizielle Erlaubnis zu geben, in der Pflegefamilie zu wohnen. Als besonders förderlich für den Start eines Pflegeverhältnisses hat sich erwiesen, wenn das Kind die Möglichkeit hat, mitzuerleben, daß seine leiblichen Eltern und seine künftigen Pflegeeltern miteinander kommunizieren können.
3. Nach erfolgter Vermittlung des Kindes in die Pflegefamilie beginnt der langfristige, bis zum Ende des Pflegeverhältnisses und einer Nachbereitungsphase anhaltende Prozeß der fachlichen Begleitung. Diese umfaßt kontinuierliche und diskontinuierliche Formen:
Kontinuierlich ist die Pflegeperson in monatliche Begleitprozesse eingebunden: Die Fallverlaufsbesprechung fokussiert die Entwicklung des Pflegekindes in der Pflegefamilie, mögliche sich abzeichnende Probleme in der Pflegefamilie, im Kontakt mit der Herkunftsfamilie oder mit anderen institutionellen Gegebenheiten. Je nach individueller Gegebenheit bietet diese Fallverlaufsbesprechung Raum für die Einzelberatung der Pflegeperson oder die Beratung der Familie bzw. von Familienmitgliedern.
In der Supervision erhalten die Pflegepersonen Gelegenheit, gemeinsam mit anderen Pflegepersonen über ihre geleistete Beziehungsarbeit und über die Vielzahl der von außen an ihre Arbeit gerichteten Erwartungen zu reflektieren, dabei Gemeinsamkeiten zu anderen Pflegeverhältnissen bzw. das Besondere ihrer Pflegefamilie zu erkennen und sich so als Teil eines Teams außerhalb der eigenen Familie zu verstehen.
Diskontinuierliche Formen der Begleitung sind insbesondere die Krisenintervention, die Begleitung von Kontakten zur Herkunftsfamilie und zu das Pflegekind betreffenden Institutionen sowie jährliche Fortbildungen zu relevanten Themen.
Fallverlaufsbesprechung und Krisenintervention sind dabei eng miteinander verzahnt und erfordern seitens des Beraters familientherapeutische Kompetenz nach einem integrativen Ansatz. Während in den Fallverlaufsbesprechungen regelmäßig, auch ohne das Vorliegen größerer Probleme über den Verlauf des Pflegeverhältnisses reflektiert wird, bezieht sich die Krisenintervention auf aktuell sich zuspitzende Konflikte, in denen gemeinsam mit den Pflegeeltern möglichst schnell Handlungskonzepte entwickelt werden müssen, um deren Handlungsfähigkeit zu sichern. Da sich derartige Krisenmomente zwar nicht zeitlich, aber oft tendenziell inhaltlich vorhersagbar entwickeln, erweisen sich hier die kontinuierlichen Reflexionen über die Entwicklung des Pflegeverhältnisses in den Fallverlaufsbesprechungen als gute Grundlage.

Sowohl in den Fallverlaufsbesprechungen als auch in Kriseninterventionen kommt dabei ein mehrdimensionaler Beratungsansatz zum Tragen. Gauly und Knobbe (vgl. Gauly, Knobbe, 1995) unterscheiden drei Beratungsebenen:

Die Arbeit mit dem entwicklungspsychologischen Konzept:
Hier geht es vor allem um die Übersetzung des aktuellen kindlichen Verhaltens vor dem Hintergrund seiner bisherigen Lebens- und damit Bindungserfahrungen. Ziel dieser Übersetzung ist die Sicherung eines den bisherigen Erfahrungen entgegengesetzten elterlichen Fürsorgeverhaltens um so dem Kind eine allmähliche Modifizierung seines Bindungsmodells zu ermöglichen und damit eine Weiterentwicklung des Kindes zu ermöglichen.
Die Arbeit mit dem Beziehungskonzept:
Eingedenk der Tatsache, daß ein Pflegeverhältnis Menschen aus zwei völlig fremden Familiensystemen zusammenführt, liegt der Schwerpunkt auf den Veränderungen innerhalb der Systemebenen der zusammengesetzten Pflegefamilie, auf der Neudefinition Regeln und von Grenzen innerhalb der Pflegefamilie, aber auch nach außen und dabei besonders der Herkunftsfamilie und dem Jugendamt gegenüber. Unter dem Blick des Beziehungskonzepts wird weiterhin die Wirkung des pflegeelterlichen Handelns vor dem Hintergrund der spezifischen Bindungserfahrungen des Pflegekindes betrachtete, mit dem Ziel, gegebenenfalls Modifikationen dieses Handelns zu erarbeiten.
Die Arbeit mit dem Identitätskonzept:
Die Tatsache der Inpflegegabe eines Kindes bewirkt bei allen Pflegekindern höchst individuelle Beeinträchtigungen ihres Identitätsgefühls. Die Tatsache, nicht in ihrer eigenen, vertrauten Familie leben zu dürfen, ruft sehr unterschiedliche Gefühle, wie z.B. Kränkung, Wut, Trauer, Schuld hervor. Das Pflegekind ist allein durch die Tatsache der Inpflegegabe gezwungen, sein eigenes Identitätskonzept stark zu verändern. Pflegeeltern haben hier einen wichtigen und unbedingt notwendigen Beitrag zu leisten, um das geschwächte Selbstwertgefühl des Pflegekindes allmählich zu stärken. Beratung hat hier vor allem drei Aufgaben:
Hilfestellung für das Kind bei der Rekonstruktion der Fremdplazierung und ihrer Gründe ;
Annahme der beim Kind in der Übertragungsphase und bei der Rekonstruktion seiner bisherigen Lebenserfahrungen auftretenden Gefühle und psychische Befindlichkeiten, Hilfestellung für das Kind bei Umdefinition und Neubewertung von Lebenssituationen entsprechend dem jeweiligen Entwicklungsstand des Kindes;
Stärkung der Pflegeeltern in ihren Möglichkeiten, die ambivalenten Gefühle des Pflegekindes zulassen zu können, eigene ambivalente Gefühle wahrzunehmen, eigene Bindungserfahrungen zu reflektieren. Über die Entwicklung des Verständnisses für das Verhalten des Kindes sollen mit den Pflegeeltern Konzepte erarbeitet werden, die das Aushalten und die Handlungsfähigkeit auch in Krisensituationen gewährleisten, um so dem Pflegekind allmählich das Gefühl des Angenommen- Seins ermöglichen.
In Anbetracht der Tatsache, daß es sich bei Pflegefamilien um zusammengesetzte Familien handelt, bedeutet eine Mehrdimensionalität in der begleitenden Beratung die Berücksichtigung der jeweils unterschiedlichen Familien- und Bindungserfahrungen zweier Familiensysteme und die Konzentration der Aufmerksamkeit des Beraters/ Therapeuten nicht ausschließlich auf das Pflegekind, sondern gleichermaßen auf alle Mitglieder der Pflegefamilie.
Hantel-Quitmann (1996, S. 89-107) verweist hier auf die Dreidimensionalität familientherapeutischen Handelns:

Ebene der individuellen Konflikte:
Die Wirkungen eines Pflegeverhältnisses auf jedes beteiligte Individuum sind höchst individuell unterschiedlich. Unterschiedliche Bedürfnisse und die im Lebenslauf erlernten Strategien zu ihrer Befriedigung sowie im Lebenslauf nicht bewältigte und ins Unbewußte verlagerte Konflikte führen in dem neuen Kontext der zusammengesetzten Familie unweigerlich zu neuen Konflikten sowohl im Individuum selbst als auch in den Außenbeziehungen des Individuums. Gerade die Übertragungssituationen in Pflegefamilien sind sichtbare Momente solcher neu auftretenden Konflikte, die jedoch oft aus den unbewußten, früher nicht lösbaren Konflikten (sowohl des Pflegekindes selbst als auch der anderen Mitglieder der Pflegefamilie) resultieren. Eine Übersetzung der in Folge der Konflikte sichtbaren Symptomatik (vgl. Ebene des entwicklungspsychologischen Konzepts bei Gauly und Knobbe) kann zu neuen Konfliktlösungen führen und damit eine Bewältigung früherer, nichtgelöster Konflikte bewirken. Dabei kann der Fokus des Beraters nicht ausschließlich auf der Symptomatik des Pflegekindes liegen. Auch die Pflegeeltern (oder die Pflegegeschwister) haben in ihrer Biographie bestimmte Konfliktlösestrategien zur Befriedigung von Bedürfnissen erworben. Auch sie sind Träger unbewußter Konflikte, die im Zusammenleben mit einem Pflegekind Bedeutung gewinnen können. Dabei liegen die individuellen Konzepte zur Bedürfnisbefriedigung bzw. zur Konfliktlösung in den jeweiligen familiären Bindungserfahrungen begründet, die auf eine zweite Ebene familientherapeutischen Arbeit verweisen:

Mehrgenerationenperspektive:
Bindungsverhalten und sein Pendant, das Fürsorgeverhalten werden in der engen Interaktion zwischen Kind und Eltern herausgebildet und entwickelt. Kinder lernen in dieser Interaktion das eigene Verhalten so zu gestalten, daß sie ein möglichst großes Maß an Zuwendung ihrer Eltern erhalten können. Deshalb verhält sich ein Kind den Bezugspersonen gegenüber loyal und bereit, Delegationen und Vermächtnisse der Bezugspersonen zu erfüllen. Ein Abweichen von dieser Loyalität, den Vermächtnissen und Delegationen geht einher mit Schuldgefühlen und der Angst vor dem Verlust der Zuwendung der Eltern, bedeutet letztendlich eine Aktivierung des Bindungssystems des Kindes.
Diese intergenerationelle Loyalität geht einher mit verinnerlichten Normvorstellungen, Werten, Lebensregeln und Zuschreibungen sowie dem internen Arbeitsmodell von Bindung und wirkt entscheidend bei der Gestaltung von neuen sozialen Beziehungen mit. Da sich die Bindungsqualität nur in der Interaktion mit dem für das Kind vorhersagbaren Fürsorgeverhalten der erwachsenen Bezugsperson entwickelt, gibt es hier Zusammenhänge, die teilweise über mehrere Generationen einer Familie zu verfolgen sind.
Nun erlebt das Pflegekind ja gerade durch die Trennung von der Herkunftsfamilie eine enorme Verunsicherung seiner Loyalität und Bindung an seine elterlichen Bezugspersonen. Es kommt in ein anderes Familiensystem mit anderen intergenerationellen Vermächtnissen, welches das Pflegekind in ihr System aufnehmen möchte. Diese Aufnahme geht einher ebenfalls mit bewußten und unbewußten Erwartungen, Aufträgen oder Vermächtnissen an das neue Familienmitglied. Dieses Zusammentreffen oft völlig unterschiedlicher Botschaften seitens der Herkunfts- und Pflegefamilie an das Pflegekind bewirkt wiederum eine Verstärkung der individuellen Konflikte jedes beteiligten Individuums, vor allem jedoch des Pflegekinds.

Die systemische Ebene:
In jeder Familie gibt es das Bestreben, im Sinne eines Gleichgewichtes miteinander zu leben. Somit gibt es Rollen und Rollenerwartungen für jedes Familienmitglied. Familie organisiert sich in ausgesprochenen und nicht ausgesprochenen Regeln, Traditionen, in spezifischen Interaktionsmustern. Familie grenzt sich gegenüber der Außenwelt unterschiedlich klar ab. Grenzen gibt es auch innerhalb der Familie zwischen den einzelnen Subsystemen. Hantel-Quitmann spricht hier von der Kybernetik eines Systems (Hantel-Quitmann, 1996, S.101ff.). Diese Kybernetik einer Familie ist höchst unverwechselbar. Sie bestimmt die Lebensgestaltung der Familienmitglieder über die verschiedenen Lebensaltersstufen mit.
Über ein Pflegekind werden nun Familiensysteme mit sehr unterschiedlicher Kybernetik zusammengeführt. Das Pflegekind bringt Rollen- und Regelvorstellungen, Interaktionsmuster mit in die Pflegefamilie, die dieser Familie fremd sind. Umgekehrt ist dem Pflegekind die Systemik der Pflegefamilie fremd. Hier ist in besonderem Maße die "Übersetzungsleistung" der Beteiligten gefordert, um die Integration des Pflegekindes in die neue Familie zu ermöglichen. Übersetzungsleistung bedeutet dabei zwangsläufig eine Veränderung in der Kybernetik der aufnehmenden, aber auch der abgebenden Familie:
Beide Familien erfahren Veränderungen in der Zahl ihrer Familienmitglieder. Damit wird es Veränderungen in der innerfamiliären Kommunikation und Rollenerwartung geben. Regelvorstellungen, die das Pflegekind in die Pflegefamilie mitbringt, werden zu einer verstärkten Auseinandersetzung mit den in der Pflegefamilie sichtbar und vor allem unsichtbar geltenden Regeln und gegebenenfalls zu einer Modifikation führen. Gleichermaßen werden - vor allem bei Besuchskontakten des Pflegekindes in seiner Herkunftsfamilie - Bestandteile des Regelsystems der Pflegefamilie in die Herkunftsfamilie hineingetragen und hier ebenfalls zu Konflikten führen.
Für die begleitende Beratung von Pflegefamilien sind alle drei hier kurz charakterisierten Ebenen von Bedeutung, da erst alle drei Ebenen mit ihren jeweils spezifischen Schwerpunktsetzungen zusammen ein umfassendes Bild über die konkrete Situation in der Pflegefamilie und mögliche Konfliktherde erlauben. "Die Erkenntnis ist in einer Dimension allein nie vollständig, das ist sie nur in der Verbindung aller Perspektiven miteinander, ob nebeneinander, hintereinander oder zirkulär gleichzeitig. Auf allen Ebenen erscheinen Muster - historische, individuelle und systemische - die miteinander verknüpft wiederum ein neues Muster ergeben" (Hantel-Quitmann, 1996, S. 107). Anders als in der familientherapeutischen Arbeit mit biologischen oder Stieffamilien setzt die Arbeit mit Pflegefamilien das stete Einbeziehen zweier Familiensysteme voraus, die "lediglich" durch ein Kind, nicht aber durch eine (noch nicht einmal zeitlich befristete) gemeinsame Familiengeschichte miteinander verbunden sind (hier liegt gleichzeitig ein Unterschied zur Beratung von Verwandtenpflegefamilien, bei denen die intergenerationelle Zuschreibung und Vermächtnisweitergabe von großer Bedeutung zu sein scheint, da hier die Inpflegegabe vor dem Hintergrund gemeinsamer verwandtschaftlicher Familiengeschichte erfolgte).
Die Begleitung von Pflegefamilien (über kontinuierlichen Fallverlauf und diskontinuierliche Krisenintervention) benötigt die Arbeit in den drei aufgeführten Dimensionen, um das Pflegeverhältnis in seiner strukturell angelegten Krisenhaftigkeit zu stützen und so Abbrüchen vor dem Hintergrund von sich zuspitzenden unbewußten oder verdrängten Konflikten vorzubeugen. Dies gilt besonders vor dem Hintergrund stark belastender Lebenserfahrungen von Pflegekindern, wie Gewalt, extremer Vernachlässigung, Mißbrauch oder Ablehnung (vgl. hier auch die Ausführungen von Eberhard und Eberhard, 2000).



  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
avatar    cuba
schrieb am 11.01.2007 13:31
  Werbung
  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
no avatar
   Goldlöckchen
schrieb am 11.01.2007 13:35
Ich hab ne Fragedem schließ ich mich an ROFL

wie kommst Du denn dadrauf das Roma "mal so eben" adoptieren möchte, das stimmt doch gar nicht?


  Re: Fortsetzung - Zweiter Aufsatz - 2. Teil
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   RatzUndRübe
schrieb am 11.01.2007 13:42
wenn gleich das Forum wieder abstürzt, wissen wir ja warum zwinker ??!!

Nix für ungut, aber ein Link auf die Aufsätze hätte es ja auch getan....

im übrigen sind meines Wissens sowohl Pflegschaft als auch Adoption äußerst aufwendige Verfahren, die ein "mal eben so" überhaupt nicht zulassen....

die Rübe


  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
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   zwillingsschwester
schrieb am 11.01.2007 13:55
Was soll denn dieser blöde Kommentar mit "mal so eben" ? Finde ich eine echte Gedankenlosigkeit, jemanden wie Roma so hinzustellen.

Und den mahnenden Zeigefinger finde ich echt daneben. Ich bin sehr sauer

Zwillingsschwester


  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
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   Enita
schrieb am 11.01.2007 14:02
Das Wort "Urheberrecht" ist hier wohl ein Fremdwort - Es ist nicht erlaubt, komplette Artikel in ein Forum einzustellen, nur Auszüge mit Quellenverweis sind legal.


  Re: Fortsetzung - Zweiter Aufsatz - 2. Teil
avatar    Bine & Vivien-Sophie
schrieb am 11.01.2007 14:13
Zitat
RatzUndRübe

im übrigen sind meines Wissens sowohl Pflegschaft als auch Adoption äußerst aufwendige Verfahren, die ein "mal eben so" überhaupt nicht zulassen....

die Rübe

So ist es. Das können wir aus eigener Erfahrung sagen, obwohl wir noch ziemlich am Anfang des Verfahrens standen. Das macht man nicht "mal eben so"...


2 mal bearbeitet. Zuletzt am 11.01.07 14:16 von Bine68.


  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
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   storitz
schrieb am 11.01.2007 14:19
ich hoffe, du hast romas posting gelesen, in dem stand, dass sie eben nicht "mal eben so" zwei kinder adoptieren möchte, sondern sich starke gedanken darüber macht und sich mit uns austauschen wollte.

überhaupt adoptiert hier wohl kaum jemand: mal eben so.

Nein


  bitte richtig lesen und die Kommasetzung und Zeichensetzung beachten!!!
avatar    ernie69
schrieb am 11.01.2007 14:26
oh, Urheberrecht, danke der Hinweis ....


[www.agsp.de]

[www.agsp.de]


  du kannst meinen Beitrag dem Team melden
avatar    ernie69
schrieb am 11.01.2007 14:35
  Re: bitte richtig lesen und die Kommasetzung und Zeichensetzung beachten!!!
no avatar
   Mini36
schrieb am 11.01.2007 14:35
Ja, wieIch hab ne Frage Und mehr sagst Du nicht zu den Antworten? Die Art, wie Du die Artikel hier reingestellt hast, finde ich auch etwas verletzend, zumindest für Roma. Kapier sowas nicht.
Gruß, Mini


  Re: @Roma und alle, die "mal so eben" zwei Ado-Kinder bei unverarbeitetem leibl. KiWu und leibl. Kind nehmen würden
no avatar
   Uti
schrieb am 11.01.2007 15:30
Hallo,winken
manch einer kennt mich Oldie-Uti vielleicht noch...ich bin seit letzem Jahr im anderen Forum (Ado/Pflege) unterwegs und habe inzwischen sehr viel dazu gelernt, über die Herausforderung, die die Aufnahme eines Kindes bedeutet. Es ist eine riesige Verantwortung und kostet sehr viel Kraft und es ist super wichtig, dass man voll und ganz dahinter steht, sonst leiden alle Beteiligten. Darüber solltet Ihr nur einfach nachdenken, bevor Ihr schreibt, *nimm die zwei Kinder und mach die ICSI parallel*. Ernie69knuddel möchte Euch zum Nachdenken anregen, auch wenn die Überschrift herbeHammer daher kommt, fallt nicht gleich über sie her! Ernie weiß, wovon sie spricht....


  Es ist übrigens egal, ob Pflege, Ado oder ICSI....
no avatar
   gelöschter User
schrieb am 11.01.2007 15:45
Kinder sind IMMER eine Herausforderung, immer Stress, immer Verantwortung.

Besonders, wenn es zwei auf einmal sind. Zwillinge, zwei Ados oder zwei Pflegis.

Zwei ist mindestens 1,8 mal soviel Stress wie eines...

Also ich kann Roma gut verstehen, dass sie Muffensausen hat. Und a uch gut verstehen, dass sie diesen einen Versuch noch machen will - ich wurde auch bei "diesem einen Versuch noch" schwanger grins

Und ich habe IM TRAUM NICHT gedacht, wieviel Stress ein Baby/Kind ist. Es ist super, einfach irre, es gibt nix besseres als ein Kind. Aber man vermisst viel, wenn man vorher lange alles selber entscheiden und machen konnte. Man hat keine Minute mehr für sich. Wie ist es erst mit zweien?

Das Bindungsverhalten ist ein IM ALLGEMEINEN wichtiger Text, für alles. Für alle Arten von Kindern oder Familien. Das sollte jeder einfach mal gelesen haben. Um noch mehr richtig zu machen mit Kindern, so denn welche kommen.

Letztlich ist es nie leicht, und Roma überlegt zu Recht - schaffe ich es mit einem oder gar zwei Kindern?

Besser vorher überlegt, als hinterher überfordert zwinker

Veilleciht sollte Ernie das ins Wiki stellen, dann kann man gelegentlich darauf verlinken. Dort übrigens muss man es selber überarbeitet haben wegen des Urheberschutzes, fand ich auch immre höchst lästig zwinker

winken




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