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  Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   Sassi 25
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schrieb am 27.12.2006 19:19
Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch


Die Regelungen zur Kostenübernahme der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) bei künstlicher Befruchtung sollen zwar mit der aktuellen Gesundheitsreform nicht geändert werden. Doch die Kritik an der Eigenbeteiligung und den Einschränkungen, die im Jahr 2004 mit dem Gesundheitsmodernisierungs-Gesetz eingeführt wurden, ebbt nicht ab. Viele Ärzte halten die 50prozentige Eigenbeteiligung der Patienten bei drei Versuchen für ungerecht.
Intrazytoplasmatische Spermieninjektion (ICSI): Mit einer Haltepipette wird die Eizelle angesaugt, die Injektionspipette injiziert ein Spermium in die Eizelle. Foto: dpa

Verfassungsrechtler äußern juristische Bedenken. "Die Möglichkeit der Familiengründung wird für diejenigen Paare eingeschränkt, die aus medizinischen Gründen auf eine künstliche Befruchtung angewiesen sind und nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfügen, um diesen Wunsch in die Tat umzusetzen", kritisiert der Berliner Verfassungsrechtler Helge Sodan.
Drei Versuche müssen je zur Hälfte selbst gezahlt werden

Zudem sei nicht nachvollziehbar, warum drei Versuche jeweils zur Hälfte selbst finanziert werden müßten. Bei gleichbleibender Kostenbelastung könnte die GKV den ersten Versuch vollständig und zwei weitere jeweils zu einem Viertel übernehmen, so Sodan.

Der Jurist geht noch weiter: Die Eigenbeteiligung sei nicht geeignet, die vom Gesetzgeber beabsichtigte Finanzstabilität der GKV zu sichern. "Dadurch wird die Finanzierungslücke nicht geschlossen, sondern erweitert - indem der Zeugung neuer Beitragszahler durch die künstliche Befruchtung so hohe Hürden in den Weg gesetzt werden, daß sich die wenigsten Paare eine Behandlung leisten können", so Sodan.

Zahl der nach einer IvF-Behandlung geborenen Kinder ist drastisch gesunken
Anzahl der Geburten in den Jahren 2002 bis 2005 nach einer In-vitro-Fertilisation



2002


2003


2004


2005*

Anzahl der Stimulationen


66,573


88,469


42,353


41,759

Anzahl Schwangerschaften mit Informationen zum Ausgang der Schwangerschaft (Kinder, Fehlgeburt, Eileiterschwangerschaft)


13,337


18,741


8,697


6,626

Anzahl der Kinder (dokumentiert)


12,269


17,616


7,764


5,482

*Der Wert für das Jahr 2005 ist vorläufig, da noch Daten fehlen.
Quelle: Deutsches IvF-Register, Tabelle: ÄRZTE ZEITUNG
Von 2002 bis 2005 hat sich die Zahl der nach einer IvF geborenen Kinder mehr als halbiert, statt über 12 000 sind es nur noch etwa 5500.
Die Zahl der künstlichen Befruchtungen ist gesunken

Die Zahl der künstlichen Befruchtungen ist im vergangenen Jahr weiter auf 41 759 gesunken. 2004 hatte sie sich im Vergleich zum Vorjahr auf 42 353 mehr als halbiert. Im Jahr 2002 lag sie noch bei 66 573. Die Biotech-Firma Serono hält es für möglich, daß die Hälfte des Geburtenrückgangs im Jahr 2005 im Vergleich zum Jahr zuvor durch die neue Eigenbeteiligung bedingt ist.

Als verfassungsrechtlich besonders kritisch betrachtet Sodan den Ausschluß von unverheirateten Paaren und von unter 25jährigen Frauen aus der Kostenübernahme der GKV. Zu beiden Punkten werden demnächst Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichts erwartet.

Für den Juristen ist klar, daß die Krankenversicherung und nicht der Staat für die Fertilitäts-Behandlung aufkommen muß. Sodan verweist darauf, daß der Bundesgerichtshof kürzlich für die Private Krankenversicherung festgestellt hat, daß ungewollte Kinderlosigkeit eine Erkrankung darstellt und nicht lediglich ein soziales Problem ist.
Zumutbar wären die Leistungen für Arzt und Labor.


Die Ärztin und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Erika Ober ist der Meinung, daß die Finanzierungsfrage von der Politik und nicht von Juristen geklärt werden muß. "Die Politiker müssen den Mut haben zu entscheiden, ob künstliche Befruchtungen von der GKV oder aus Steuern finanziert werden", sagte sie der "Ärzte Zeitung" am Rande eines Round-Table-Gesprächs, zu dem das Unternehmen Serono eingeladen hatte. Ober vertritt die Auffassung, daß es sich bei ungewollter Kinderlosigkeit um eine Krankheit handelt. Sie verweist aber zudem auf die familienpolitische Dimension des Themas. "Kinder sind gesellschaftlich erwünscht", so Ober.
Ein Paar muß etwa 5000 Euro bei drei Versuchen zahlen

Für eine geringere Zuzahlung bei künstlicher Befruchtung plädiert auch der Berliner Reproduktionsmediziner Dr. Peter Sydow. "Wir merken, daß Paaren etwas vorenthalten wird. Das ist im Moment eine sehr ungerechte Situation", sagt er. Die Patienten seien nicht wie erwartet zurückgekommen. Besonders bei schweren Fällen, in denen beide Partner behandlungsbedürftig sind, sei die 50prozentige Eigenbeteiligung einfach zu hoch, so Sydow.

Ein Paar muß nach seinen Angaben bei drei Versuchen mit Kosten von rund 5000 Euro rechnen. Für ungerecht hält der Mediziner diese Eigenbeteiligung auch, weil das Paar auch für individuell sehr unterschiedliche Arznei-Kosten zur Hälfte aufkommen muß. "Berechtigt" und "zumutbar" wäre seiner Meinung nach jedoch eine 50prozentige Eigenbeteiligung an den Arzt- und Laborleistungen. 500 bis 700 Euro würden dafür anfallen.
FAZIT

Der Trend in der Gesundheitspolitik geht hin zu mehr Eigenbeteiligung. Bei der Reduzierung der GKV-Kostenübernahme für künstliche Befruchtung auf die Hälfte scheint die Bundesregierung 2003 nach Meinung vieler Beobachter über das Ziel hinaus geschossen zu sein. Die Zahl der künstlichen Befruchtungen ist 2004 deutlich gesunken und weiterhin rückläufig. Das liegt daran, daß die Zuzahlungen für Patienten mit Kinderwunsch seitdem unzumutbar hoch sind, meinen Verfassungsrechtler und Ärzte. (ami)

LG Sassi


  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   icsizwillis
schrieb am 27.12.2006 19:45
Das Ganze ist sowieso eine absolute Schande!!! Da wird immer gejammert, dass unsere Geburten so rückläufig sind, aber den Menschen, die so gerne Kinder hätten und eben nicht so einfach können, werden solche Steine in den Weg gelegt. Ich könnte mich da immer so dermaßen aufregenIch bin sehr sauer


  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   socceria
schrieb am 27.12.2006 20:27
Ja, das ist für mich auch ein absolutes Aufreg-Thema Hammer.

Das kommt gleich nach den "Wieder-ein-Baby-in Deutschland-verhungert/verdurstet/vernachlässigt-Nachrichten" oder Teenis mit Baby im Arm und Kippe im Mund.

Hoffen wir, dass sich vielleicht doch noch was ändert.
Ich mag mir gar nicht vorstellen, wie viel Pärchen mit KiWu leiden, aber aufgrund der finanziellen Lage nicht die geringste Chance auf die moderne Medizin haben.

S.


  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   gelöschter User
schrieb am 27.12.2006 20:34
Wie ihr schon sagtet das Gesetz ist echt zum kotzen.Da versucht man ein Kind zu bekommen und dann muß man sich es erst einmal leisten können.Noch können wir es uns leisten aber die Paare die es nicht können oder dafür sogar einen Kredit aufnehmen müssen, wie wird es denen gehen.Man kann nur auf eine Gesetzänderung hoffen aber ob es jemals geschied steht in den Sternen.

LG Kathi


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  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   Viktoria1
schrieb am 27.12.2006 21:01
Ich finde das Ganze auch zum

Was ist denn Kranksein? Die Abwesenheit des "Normal-Zustandes".

Und nach mehreren Jahren Kinderwunsch ist die Abwesenheit von Kindern eben nicht normal........
sondern krankheitsbedingt!!!

Ich hätte mir gewünscht, dass mit dem Elterngeld (auf was ich gern verzichten würde) Kiwus-Behandlungen bezahlt werden.


  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   atonne
schrieb am 28.12.2006 00:20
Und bevor hier jemand mal wieder antwortet, dass die Gesellschaft dafür nicht aufkommen kann, will ich hier noch mal betonen, dass die meisten von uns NICHT freiwillig in der GKV sind, sondern weil sie aufgrund ihrer Einkommenssituation GEZWUNGEN sind, in der GKV zu sein. Die GKV ist auch nicht die Gesellschaft, sondern eine Art der Absicherung von Krankheit - und Unfruchtbarkeit ist von der WHO als Krankheit anerkannt (in der PKV wird das nach höchstrichterlichen Urteilen auch so gehandhabt, warum dann nicht auch in der GKV?).

Sorry, ich rege mich bei dem Thema auch auf Ich bin sehr sauer! Musste mir auch schon das Gelaber von Frau Kühn-Mengel, Adjutantin von Ulla Schmidt, zu dem Thema anhören, und habe diverse Briefe geschrieben und auch nur Bla-bla als Antwort erhalten.

Zum Glück gibt es ja offensichtlich immer noch Lobbyarbeit für uns und nicht immer nur gegen uns.
Ich hoffe, es ändert sich wieder zu Gutem, Atonne


  Re: Selbstbeteiligung bei der künstlichen Befruchtung - Ärzte sehen die hohen Kosten für Paare kritisch
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   gelöschter User
schrieb am 28.12.2006 02:34
Ja, da kann man sich drüber aufregen...ich verstehe es auch nicht!

"Los Leute macht Kinder" - a"ber wenn ihr nicht könnt, dann macht Schulden" *grrr*

Wir hatten Geld gespart....wollten davon ein Kinderzimmer einrichten, Spielzeug holen, die Erstausstattung, inderwagen, Kindersitz .... alles was man so braucht!
Nun geht das Geld für die ICSI drauf! Konnte ja niemand ahnen, dass mein Mann unfruchtbar ist....woher denn auch! Na und wenn es nicht klappt?? Spendersamen..tja..woher denn die 3000 Euro nehmen???

Denn ab April nächsten jahres bin ich Arbeitslos...DANKE Sch*** Deutschland DANKE Sch*** Firma für die ich mir drei Jahre lang den A***** aufgerissen habe und mich habe mobben lassen - um jetzt in meiner schwersten Zeit noch fallen gelassen zu werden! (Sorry für den Ton!!!!)




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