Zwillingsschwangerschaft nach in vitro maturation


Der“Innovationsreport“ berichtet über die erste Zwillingsschwangerschaft in Deutschland nach „In vitro Maturation“ in der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg.

IvM steht für “In Vitro Maturation” und beschreibt eine neue Methode der künstlichen Befruchtung, bei der Eizellen im Reagenzglas reifen. Wie die “Ärztezeitung” berichtet, ist jetzt erstmals eine Schwangerschaft mit dieser Methode eingetreten. Üblicherweise erfolgt bei einer Reagenzglasbefruchtung eine Hormonbehandlung, welche eine Reifung mehrerer Eibläschen bewirkt, aus denen dann die reifen Eizellen entnommen werden, um sie im Reagenzglas zu befruchten (*ivf*).

Es gibt Frauen, bei denen aufgrund einer Eizellreifungsstörung (*pco*) eine Überempfindlichkeit gegenüber diesen Hormonen besteht, einhergehend mit einem hohen Risiko für ein Überstimulationssyndrom. Bei der IvM erfolgt nur eine kurze hormonelle Stimulation mit Follikelstimulierendem Hormon (FSH). Die unreifen Eizellen werden dann punktiert und “in vitro”, also im Reagenzglas weiter nachgereift. Dies geschieht durch eine zusätzliche Gabe von Hormonen zu dem Kulturmedium, in dem sich die Eizellen befinden. Erst nach zwei Tagen erfolgt dann eine *icsi* zur Befruchtung der Eizellen.

Die erste Schwangerschaft mit dieser Methode entstand in Deutschland an der Universität Lübeck. An der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg ist erstmals in Deutschland mit Hilfe einer neuen unterstützenden Technik der künstlichen Befruchtung, der „In vitro Maturation“ (IVM), einer Reifung der Eizellen im Reagenzglas, eine Zwillings-Schwangerschaft gelungen. Die 26jährige Schwangere ist jetzt in der 15. Woche; der voraussichtliche Geburtstermin liegt im April 2006.

Die „In vitro Maturation“ ist eine neue Reproduktionstechnik, bei der unreife Eizellen aus den Eierstöcken entnommen werden, die zuvor wenig oder gar nicht mit Hormonen stimuliert wurden. Dies ergänzt das Verfahren der In vitro Fertilisation (IVF, künstliche Befruchtung), welches seit vielen Jahren routinemäßig eingesetzt wird. „Normalerweise erhalten Frauen vor einer künstlichen Befruchtung wochenlang eine Hormonbehandlung, um die Reifung der Eizellen zu unterstützen und die Entnahme der Eizellen vorzubereiten“, erklärt Privatdozent Dr. von Wolff, Oberarzt der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg, der die Behandlung durchgeführt hat.

Bei der „In vitro Maturation“ wird auf eine langfristige Hormongabe verzichtet; die Eizellen reifen vielmehr ein bis zwei Tage lang im Reagenzglas und werden anschließend befruchtet.

Neben Frauen mit einem PCO-Syndrom können auch Patientinnen, die wegen einer Krebserkrankung eine Chemotherapie benötigen, von der In vitro Maturation profitieren: Ohne eine intensive Hormonbehandlung können Eizellen ohne größeren Zeitverzug entnommen, befruchtet und für die spätere Übertragung tiefgefroren werden.

Weltweit wurden bislang mehr als 300 Kinder nach In vitro Maturation geboren; eine erhöhte Rate an Fehlbildungen konnte nicht beobachtet werden. An einzelnen Zentren, z.B. in Stockholm und Kopenhagen wird sie bereits seit einigen Jahren angewendet.

In Deutschland wird die Behandlung derzeit erprobt; eine Schwangerschaft wurde bislang noch nicht ausgetragen. In den USA gibt es bereits vorläufige Berichte über Schwangerschaften und Geburten mit dieser Methode. Die wenig aufwendige Vorbehandlung wird jedoch mit vergleichsweise niedrigen Schwangerschaftsraten erkauft, wobei sich dies bei längerer Anwendung und zunehmender Erfahrung mit dieser Methode noch ändern dürfte.


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