Wer textet eigentlich die Überschriften von Zeitungen?


Ich hatte ja schon über eine Studie berichtet, die sich mit der Wirksamkeit von einfachen Behandlungen bei Vorliegen einer sogenannten „idiopathischen“ Sterilität beschäftigte. Also der Therapie bei Paaren, die keine erkennbare Ursache für ihren unerfüllten Kinderwunsch haben.

In der „Welt“ ist dazu ein Artikel erschienen, in dem Professor Christian Thaler, Leiter des Kinderwunschzentrums an der LMU München-Großhadern dazu Stellung nimmt. Ein sachlicher Artikel, gut recherchiert, kurzum lesenswert

Nur frage ich mich, welcher sensationsheischende Stümper für die Überschrift dieses Artikels verantwortlich ist: Mit „Der faule Zauber der Babymacher“ ist der Artikel überschrieben. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die gleiche Autorin – Birgitta vom Lehn- die den Artikel geschrieben hat, auch für diesen Blödsinn verantwortlich zeichnet.

Schon der Begriff „Babymacher“ löst bei mir einen kaum zu unterdrückenden Würgereiz aus. Das kommt gleich nach „Retortenbaby“. Aber „fauler Zauber“ ist in diesem Zusammenhang die Krönung. Fauler Zauber impliziert, dass die Reproduktionsmedizin ohnehin nur Zauber ist und das „faul“ in diesem Zusammenhang bedeutet nichts weiter als ein bewusstes Vorgaukeln Therapieerfolgen, die es nicht gibt und zwischen den Zeilen lese ich, dass die Kinderwunschärzte diese unnützen Behandlungen natürlich nur aus finanziellen Gründen durchführen.

Vielleicht bin ich aber auch zu empfindlich. War ich ja gestern auch schon.


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Kommentar

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9 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    nicht aufregen doc.
    welt und bild sind beide springer-konzern. der überschriftentexter ist sicher die urlaubsvertretung von der bild für den welt-kollegen – der kann nicht "sinnvoll" 😉
    ich habs gerade in der welt gelesen und wollte es ihnen schon schicken…aber dann sah ich den kommentar 😀

  2. Elmar Breitbach
    mamalöwin schreibt

    Bin sonst eher stille Leserin, aber an der Stelle muss ich als freie Journalistin dann doch mal piepsen: Die Autorin war es sicher nicht, es war der Redakteur. Und dem kommt es mehr darauf an, dass die Zahl der Zeichen stimmt, Sachkenntnis ist ihm (oder ihr) meistens eher hinderlich. Hauptsache, es hört sich für ihn so an, als ob jemand in den Artikel reingucken würde… Sorry… aber so ist’s.

    LG
    Heike

  3. Elmar Breitbach
    Floydine schreibt

    Manchmal ist "der Übeltäter" einfach auch derjenige, der Produktion hat, sprich, das ganze Ding setzt. Da wird oft ewig hin- und hergeschoben, weil z.B. ein eingeplantes Thema weg fällt oder ein anderes dazukommt. Da kann es dann passieren, dass die "alte" Überschrift der Autorin plötzlich ein paar Zeichen zu lang ist und dann wird ganz schnell, und oft unter Zeitdruck, eine neue zusammengbastelt – oftmals ohne den Text vorher wirklich genau gelesen zu haben.
    Als ich noch freie Journalistin war, ist es mir leider auch ein paar mal passiert, dass am nächsten Morgen eine vollkommen andere Überschrift, die null zum Inhaltlichen passte, meinen Text "geziert" hat. Das ist mehr als ärgerlich und darf trotz Stress und Zeitdruck eigentlich nicht passieren, finde ich. Ganz besonders nicht bei einem so empfindlichen Thema.

    LG, Floydine

  4. Elmar Breitbach
    shusl schreibt

    Bei den Boulevardzeitungen gibt’s ne eigene Abteilung, die nur Schlagzeilen macht. Die Welt würde ich als Teil des Springerkonzerns mal locker dazu zählen 🙂
    Du bist aber auch empfindlich, lieber Elmar! Ist bald Vollmond? Kommst Du in die Midlife-Crisis?
    lg
    shusl (die am Wochenende klärt, ob sie ein Zimmer in Hannover buchen wird)

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ich bin schon bald wieder raus aus der Midlifecrisis und auf dem direkten Weg zur Altersmilde 😛

  6. Elmar Breitbach
    shusl schreibt

    🙂
    Wenn Du meinst…
    lg
    shusl (die immer noch nicht gebucht hat)

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @shusl: "(die immer noch nicht gebucht hat)"

    Dann wird es aber langsam Zeit 😉

  8. Elmar Breitbach
    Kaasie schreibt

    …wenn man davon ausgeht, dass nicht die Reproduktionsmedizin sondern das Ergebnis (=Kinder) der Zauber sind, bekommt das " faul" gleich noch nen ganz anderen faden Beigeschmack. Wahrscheinlich ist der Redakteur der Cousin vom Chefredakteur.