Vermindern Desinfektionsmittel die Fruchtbarkeit?


Zwei Inhaltsstoffe von handelsüblichen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln stehen im Verdacht, die Fruchtbarkeit nachhaltig beeinträchtigen zu können. Wobei dies Ergebnisse von Untersuchungen mit Mäusen sind, die diesen Verdacht nahelegen, beim Menschen gibt es noch keinen Nachweis eines solchen Zusammenhangs. Die im Journal Reproductive Toxicology erschienene Studie lässt zwar auch ähnliche Auswirkungen beim Menschen annehmen, aber aktuell legt sie vor allem nahe, dass ein gründlich desinfiziertes Haus eher dazu neigt, frei von Mäusen zu sein.

Zahlreiche Studien haben bereits vermuten lassen oder belegen können, dass Umwelteinflüsse die Fruchtbarkeit des Menschen beeinträchtigen können. Die Liste lässt sich nun erneut um zwei Faktoren erweitern: Benzalkoniumchlorid und Didecyldimethylammoniumchlorid. Diese beiden komplizierten Namen benennen Substanzen, die in vielen Desinfektions- und Reinigungsmitteln enthalten sind, aber auch in Kosmetika und Pflegeprodukten.

Über die Wirkung beim Menschen kann man nur spekulieren

Haushaltsreiniger können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen
Haushaltsreiniger können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen

Zumindest für die USA sind Untersuchungen bezüglich der Wirkung beim Menschen zwar durchgeführt worden, liegen jedoch fast 50 Jahre zurück und neuere Erkenntnisse und Untersuchungsmethoden wurden bisher nicht berücksichtigt.

Die Veterinärmediziner des „Virginia-Maryland College of Veterinary Medicine“ fanden heraus, dass die Fruchtbarkeit weiblicher Mäuse nach Exposition mit diesen Substanzen deutlich sank. Die Zeit bis zum Eintritt einer Schwangerschaft dauerte länger und die Zahl der Nachkommen pro Wurf sank ebenfalls signifikant. Eine weitere Erkenntnis ist sicherlich nicht übertragbar auf den Menschen: 40 der Mäuse starben während der Schwangerschaft oder während der Geburt. Aber auch die anderen Erkenntnisse lassen sich sicherlich nicht so einfach auf den Menschen übertragen.

Die Leiterin der Studie Dr. Hrubec weist auch darauf hin, dass eine Gefährdung für den Menschen aus den Ergebnissen der Untersuchung nicht einfach so ableitbar ist. „Wenn diese Chemikalien auch für den Menschen giftig sind, dann können sie sicherlich dazu beitragen den Rückgang der Fruchtbarkeit des Menschen in den letzten Jahrzehnten zu erklären und die Zunahme der Notwendigkeit medizinischer Hilfsmaßnahmen wie z. B. der künstlichen Befruchtung„. Sie schlägt weiterführende Studien zur Abklärung der Wirkung beim Menschen vor.

Und in der Zwischenzeit könnte es helfen, Handschuhe anzuziehen, wenn man mit Desinfektionsmitteln hantieren muss. Grundsätzlich vermutlich ohnehin keine schlechte Idee.


Melina VE, Potinenia H, Hunt P, Griswold J, Siems B, Werred SR, Hrubec TC
Exposure to common quaternary ammonium disinfectants decreases fertility in mice
Reproductive Toxicology DOI: 10.1016/j.reprotox.2014.07.071

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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    MissLuna73 schreibt

    Ich habe einige Jahre als Krankenschwester gearbeitet. Da kommt man mit diversen Desinfektionsmitteln in Kontakt. Als Schülerin hatte ich einen Ferienjob in einer Apotheke, wo wir ohne Handschuhe mit wirklich ungesunden Stoffen hantiert haben. Nun frage ich mich, ob ich da irgendwas "abbekommen" habe. Aber das wird mir keiner sagen können und ändern tut es auch nichts.

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Nein, ändern tut es leider auch nichts. Es ist einer dieser Artikel, der einen zugegebenermaßen hinsichtlich der Frage nach den Konsequenzen für den Alltag ein wenig ratlos zurücklässt.

  3. Elmar Breitbach
    Lavendel125 schreibt

    Wie sieht es denn mit Händedesinfektion und dem Sprühnebel von Desinfektionsmitteln aus?

  4. Elmar Breitbach
    bell schreibt

    Grad bin ich über diesen Artikel gestolpert, und der lässt mich tatsächlich ratlos zurück. Unsere KiWu-Behandlung lag nicht an meiner Unfruchtbarkeit,……aber ich arbeite seit über 20 Jahren als Krankenschwester, seit über 15 Jahren auf Intensivstationen. Und was und wie da zwangsläufig inzwischen alles desinfiziert werden muss, dank HIV, Hepatitis, TBC,MRSA und Co.. Erschreckend!
    Was macht dieser Beruf mit uns,….???Nicht nur Schichtdienst und psychische Belastung, auch noch die Verhinderung vieler Krankheiten macht uns im Laufe der Jahre fertig:-(
    Wissen tut man das alles ja insgeheim, aber verdrängen tun wir viel.

  5. Elmar Breitbach
    Ulli schreibt

    Ach du meine Güte. Aber wie genau gelangen die denn jetzt in den weiblichen Körper? Meine Frau putzt immer mit Handschuhen. Ist das dann trotzdem gefhrlich?