USA: Gefahr durch Kostendruck und fehlende Regulierungen


Manchmal bekommt man mehr, als man vertragen kann. So zum Beispiel Jon und Kate Gosselin, die durch Kinderwunschbehandlungen erst Zwillinge dann noch Sechslinge bekamen. Amerikanische Reproduktionsmediziner berichten darüber, dass sie zwischen Baum und Borke sitzen. Aufgrund der hohen Kosten, die bei einer ICSI ca. 12.000 betragen, können sich die Paare nur wenige Behandlungen leisten und möchten natürlich den maximalen Erfolg.

Das führt zu einem hohen Druck auf die Ärzte, mehr Embryonen in die Gebärmutter einzupflanzen, als es medizinisch sinnvoll und notwendig ist. Da es in den USA keine Limitierung der Embryonenzahl gibt, sind Transfers mit mehr als vier oder fünf Embryonen keine Seltenheit. „Es ist eine schwierige Situation: Da kommt ein junges Paar und hat eine Hypothek auf sein Haus aufgenommen und möchten daher natürlich möglichst schnell Erfolge sehen. Gibt man dem Wunsch nicht nach, möglichst viele Embryonen zu transferieren, dann wird das Paar zu einem anderen Arzt gehen, der ihnen diesen Wunsch erfüllt.“

Arthur Caplan Leiter des Center of Bioethics der University of Pennsylvania weist jedoch darauf hin, dass diese Praxis unethisch ist, da höhergradige Mehrlingsschwangerschaften ein hohes Risiko für Mutter und Kind darstellen. Dauerhafte Einschränkungen der motorischen und intellektuellen Leistungen sind nicht selten die Folge. Er plädiert entschieden für die Festlegung einer Obergrenze von 3-4 Embryonen, um solche Risiken zu vermeiden.

Traditionell haben auch religiöse Ursachen für Mehrlinge in den USA einen höheren Stellenwert. Manchen Paare empfinden es als unethisch, Embryonen einzufrieren oder gar Embryonen zu verwerfen und nehmen daher alles, was da kommt. Komme, was da wolle.

Caplan sieht auch die Versicherer in der Pflicht. Sie sollten mehr Behandlungen bezahlen und auf eine Restriktion der Embryonenzahl dringen. Eine bessere Aufklärung hinsichtlich der Risiken ist auf jeden Fall notwendig, viele Paare sind sich der möglichen Risiken nicht bewusst und Familien wie die Gosselins werden durch eine eigene Fernsehshow als Ideal dargestellt, was es noch schwieriger macht, über Mehrlingsschwangerschaften als vermeidbares Risiko aufzuklären. Die positive Darstellung in den Medien ist das, was der Zuschauer sehen möchte, der harte Alltag mit 8 Kindern fast gleichen Alters wird nur auszugsweise und glorifizierend dargestellt. Und natürlich sind die Kinder gesund. Was aber insbesondere bei den Sechslingen alles andere als selbstverständlich ist, vom Zuschauer jedoch so empfunden wird.

Ist es aber wirklich so, dass viele Embryonen auch die Chancen erhöhen?

Diese Frage lässt sich sehr klar verneinen

Im aktuellen Jahrbuch wird die Erfolgsraten von IVF und ICSI in Abhängigkeit von der Zahl der Embryonen und dem Alter der Frau über einen Zeitraum von 10 Jahren dargestellt. Klar erkennbar ist, dass die Chancen mit zwei Embryonen klar besser sind als mit nur einem. Aber erst ab dem 38. Lebensjahr ergeben sich Vorteile, wenn die Zahl auf drei erhöht wird. Wobei auch hier die Verbesserung der Schwangerschaftsraten lediglich bis zu 6, meist aber 3-4% beträgt.

Daher wird in der Musterrichtlinie der Bundesärztekammer (die nicht verbindlich ist) empfohlen, die Zahl der Embryonen bei Patientinnen unter 38 auf zwei zu reduzieren und Ausnahmen nur nach einer ausführlichen Aufklärung zuzulassen. Sieht man die Zahlen, dann stellt sich sogar die Frage, ob diese Regelung nicht generell auch bei älteren Frauen in Erwägung zu ziehen ist.


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Kommentar

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17 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    chesire schreibt

    Wenn ich mir die Graphik der Schwangerschaftsraten in Abhaengigkeit der transferierten Embryonen so anschaue, stellt sich mir eine (vermutlich) bloede Frage.

    Warum verdoppelt sich die Schwangerschaftsrate bei zwei transferierten Embryonen im Vergleich zu einem, aber zeigt keinen Anstieg mehr, wenn drei Embryonen eingesetzt werden?

    Von meinem eher naturwissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen, erscheint mir dieses Verhalten als auffaellig…

    *nasereib*

    ches

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    ..gibst auch US-statistiken die über den 3er transfer hinausgehend auskunft über noch höhere transferzahlen geben , erweiternd zu der angezeigten statistik..?

    haben die amerikaner eigentlich so etwas ähnliches wie unser DIR..?

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @chesire: Es zeigt, dass man "noch schwangerer" als mit zwei Embryonen nicht werden kann. Üblicherweise zeigen fast alle biologischen Prozesse eine Sättigungskurve. Diese spezielle hier ist halt schnell an der Decke angekommen 😉

    @ Reaba: Nein, ein DIR gibt es nicht. Aber es gibt Statistiken und ich weiß nur noch, dass die Mehrlingsraten sehr viel höher als bei uns sind. Nur bin ich aktuell überfragt, wie hoch genau.

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @chesire: Ich denke, die deutlich niedrigere Quote nach dem Transfer von nur einem Embryo hängt auch damit zusammen, dass das meist Fälle sind, wo auch nur 1 Embryo da war. Wohingegen in den Fällen des Transfers von 2 oder 3 Embryonen häufig aus einer Menge von mehrerern PN-Stadien ausgesucht werden konnte. Da ist dann im Schnitt auch die Qualität besser. Würde man eine Kurve dazu zeichnen, die nur die Fälle des 1 Embryo-Transfers darstellt, wo sich die Paare trotz Vorhandenseins von mehreren bewußt für nur einen entschieden haben, sähe das Ergebnis wohl besser aus und käme bald an die Kurve des 2-Embryonen-Transfers heran.

  5. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @reaba: Kanada hatten wir hier ja schon mal im Gespräch

    Man müsste an die Original Statistik heran kommen, um zu schauen, ob ers darin Aussagen zu den Mehrlingen gibt. Wobei ja in Kanada eine Drillingsrate von 1,3% recht moderat ist.

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt
  7. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    @Doc – es geht nicht darum "schwangerer werden" durch mehr als 2 Embryos, sondern die Chancen erhöhen überhaupt schwanger zu werden.
    Man kann ja nicht wissen wie viele und welche Embryos sicheinisten und weiter entwickeln.

    Chesire hat schon Recht sich zu fragen.

  8. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    @Doc: Vergessen sie nicht den Boxermundschutz einzulegen, bevor Sie in die Tischkante beißen.

  9. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ AnnetteEllen: Warum sollte ich? Wer allgemeingültige Statistiken versucht auf den einzelnen Embryo herunterzubrechen, hat halt nichts verstanden. Und ich erklär´s auch nicht mehr.

  10. Elmar Breitbach
    AnnetteEllen schreibt

    @Doc: Eben drum, weil ich`s
    weiß…
    Zuweilen sucht man sich ja dann ein anderes Ventil – Selbstaggression ist aber auch keine Lösung, nech *g*.

  11. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Und was soll die arme Tischplatte von mir denken… 😀

  12. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Die Statistiken wären O.K, was Doc der chesire antwortet ist etwas anderes.
    Wahrscheinlich wollte es witzig sein? (ich meine das mit "schwangerer").

  13. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Welches sind denn die SART Member Clinics, die in der von Ihnen verlinkten Statistik drin stehen? zu welchem Land gehören sie?

    Diese Statistik ist jedoch über Kliniken, die im Allgemeinen nicht soooo viele Embryonen transferiert haben, ein Schnitt von 2,2 bzw. 2,5. In Deutschland werden 2,08 Embryonen pro Zyklus transferiert (gut, meist sind das keine Blastos), wobei die Anzahl der Drillingsschwangerschaften gegenüber dieser Statistiken immerhin auch 1/3 – 1/2 von 2% beträgt.

  14. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Rebella: Das sind Zahlen aus den USA. Ob es da irgendwo eine Mitgliederliste gibt und wieviel Prozent von allen Kliniken das ausmacht, weiß ich auch nicht

  15. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Vielen Dank, Doc. Falls es sich um eine repräsentative Anzahl von USA-Kliniken handeln sollte, möchte ich meinen, die Amis sind damit auch nicht soooo verantwortungslos, wie man sie bezüglich Reproduktionsmedizin in der Öffentlichkeit darstellt. Bei 2,2 transferierten Embryonen im Schnitt kommt es dann wohl eher selten vor, dass eine größere Anzahl von Embryonen transferiert wird. Könnte natürlich auch sein, dass man nur SART Member wird, wenn man bestimmte Kriterien einhält.

  16. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Ich habe gerade gesehen, dass man sich in der o.g. SART-Kliniken Statistik auch die Zahlen von 2003 – 2005 ansehen kann. Und da fällt auf, dass es 2003 noch eine Drillingsrate bei den unter 35-jährigen von über 6% gab und die von da an rückläufig war. Man schein also auch in den USA dazu gelernt zu haben.

  17. […] Wieviele Embryonen sollte man sich im Rahmen einer künstlichen Befruchtung einpflanzen lassen, um einen guten Kompromiss zwischen erhöhtem Mehrlingsrisiko und Erfolgschancen einzugehen? Diese Frage treibt viele Paare um und ich hatte hier schon vor einiger Zeit sehr ausführlich dargestellt, dass die Rückgabe von drei Embryonen nur in Ausnahmefällen sinnvoll ist und der Single-Embryo-Transfer in vielerlei Hinsicht die beste Option. Wären da nicht die Kosten. […]