Unfruchtbarkeit und Krebs


Eine Studie aus dem Jahre 1992 (A. Whittemore) fand eine erhöhte Inzidenz für Frauen, die wegen Unfruchtbarkeit einer hormonellen Therapie unterzogen wurden. Das Risiko wurde mit 4,5% angegeben im Vergleich zu 1,5% ohne eine solche Behandlung. Diese Studie führte damals zunächst zu der Schlussfolgerung, die im Zuge der Behandlung verabreichten Hormone würden die Krebserkrankungen verursachen.

Später durchgeführte Untersuchungen widmeten sich der Fragem ob das Krebsrisiko durch die Hormongaben bedingt ist oder andere Gründe hat.

Eine englische Studie1 untersuchte 5556 Frauen, welche sich in den Jahren 1975 bis 1989 in einer großen Klinik behandeln ließen.Von diesen Frauen wurden in diesem Zeitraum 75% mit Hormonen zur Stimulation der Eierstöcke behandelt. Insgesamt waren in der Zwischenzeit 118 Krebserkrankungen bei diesen Frauen aufgetreten (dabei 55 Brustkrebs-, 4 Gebärmutterkrebs- und 6 Eierstockkrebsfälle).

Diese Zahlen unterscheiden sich nicht von den nationalen Statistiken für diesen Zeitraum und Unterschiede zwischen den 25% nicht hormonell behandelten und den übrigen 75% konnten ebenfalls nicht nachgewiesen werden. Obwohl solche retrospektiven Studien mit diesen relativ zur Gesamtlebensdauer kurzen Nachbetrachtungszeiträumen nie zu endgültigen Ergebnissen führen können, ist aufgrund der großen Zahl die Aussage doch sehr beruhigend.

Eine aktuelle Studie2 kommt zu ähnlichen Ergebnissen. Sie zeigt zwar, dass Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch später ein höheres Risiko für bestimmte bösartige Erkrankungen haben, dies aber nicht mit den Hormonbahendlungen zusammenhängt. Dr. Louise A. Brinton vom National Cancer Institute in Rockville, USA, verglich das Krebsrisiko von 12193 Frauen, die eine Kinderwunschbehandlung in den Jahren 1965 bis 1988 erhielten mit der Durchschnittsbevölkerung.

In einer durchschnittlichen Nachbeobachtungszeit von 19 Jahren konnten insgesamt 581 bösartige Erkrankungen festgestellt werden. Damit war das Risiko für diese Frauen 23% höher als in der Vergleichsgruppe.

Das Risiko war bei Frauen mit einer primären Sterilität sogar 43% höher als in der Durchschnittsbevölkerung. Hier wurde insbesondere eine Zunahme von Gebärmutter- und Eierstockskrebs gefunden. Bereits in der eingangs erwähnten Studie von Wittemore war die Inzidenz bösartiger Erkrankungen sogar niedriger als bei der Durchschnittsbevölkerung, wenn die Unfruchtbarkeit erfolgreich behandelt wurde.

Dies und die aktuellen Ergenisse legen nahe, dass das Risiko in den zur Unfruchtbarkeit führenden Störungen zu liegen scheint und nicht in der daraus resultierenden hormonellen Behandlung. „Unsere Ergebnisse stimmen mit anderen Untersuchungen darin überein, dass eine Entzündung im Becken oder Verklebungen der Eileiter zu einer 4-fach erhöhten Wahrscheinlichkeit für das Auftreten von Eierstockskrebs führt“ erklärt Brinton. Möglicherweise sind die entzündlichen Prozesse ein wichtiger Auslöser dieser Erkrankung.

Es ist darüber hinaus schon seit längerem bekannt, dass die hormonellen Störungen, die zu einem *pco* führen, das Auftreten von Gebärmutterkrebs begünstigen können, wenn der Hormonhaushalt nicht reguliert wird und regelmäßige Blutungen herbeigeführt werden.

1Cancer incidence following treatment for infertility at a clinic in the UK
Doyle P, Maconochie N, Beral V, Swerdlow AJ, Tan SL
Hum Reprod 2002 Sep;17(9):2423-2427

2Causes of infertility as predictors of subsequent cancer risk.
Brinton LA, Westhoff CL, Scoccia B, Lamb EJ, Althuis MD, Mabie JE, Moghissi KS.
Epidemiology. 2005 Jul;16(4):500-7


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