Thrombose und Überstimulation


Eine seltene, aber dramatische Folge eines Überstimulationssyndroms kann die Thrombose sein. In einem aktuellen Artikel wurde der Verlauf einer solchen Thrombose bei zwei Patientinnen vorgestellt.

Beide Frauen hatten sich einer IVF-Behandlung unterzogen und unter der Hormongabe ein mildes Überstimulationssyndrom entwickelt. Bei beiden Frauen entwickelte sich in der Frühschwangerschaft eine Thrombose in den Halsvenen (V. jugularis interna). Dies korrelliert mit einer Vielzahl von anderen „Case-Reports“, also Schilderungen der Krankheitsveräufe von einzelnen Patientinnen, die nach einer Hormonbehandlung Thrombosen in den Venen der oberen Körperhälfte entwickelten. Insbesondere ist hier die Armvenen zu nennen (Vena subclavia), die ähnlich häufig betroffen ist.

Bei beiden Frauen fand sich eine genetisch bedingte Gerinnungsstörung (Faktor V-Mutation). Diese Störung der Blutgerinnung tritt in der europäischen Bevölkerung mit einer Häufigkeit von ca. 5% auf. Sie führt zu einer Resistenz gegenüber dem aktivierten Protein C, welches bei der Blutgerinnung eine Balance gegenüber den gerinnungsauslösenden Stoffen ermöglicht und die Gerinnung hemmt. Diese sogenannte APC-Resistenz kann dadurch zu einem erhöhten Risiko für Thrombosen führen.

Neben der bekannten Tatsache, dass diese Gerinnungsstörungen zu Fehlgeburten und einer reduzierten Schwangerschafts-Wahrscheinlichkeit bei IVF-Behandlungen führen kann, zeigt sich in dieser aktuellen Beobachtung auch eine erhöhtes Risiko für Komplikationen nach Hormonbehandlungen. Die Autoren legen nahe, dass man die Patientinnen vor Beginn einer Behandlung auf diese recht häufigen genetischen Thromboserisiken hin untersuchen sollte.

Sieht man sich die Literatur zu diesem Thema an, dann sind die Berichte über solche Fälle jedoch sehr selten, wobei natürlich nicht jeder Fall eingang in die Fachpresse findet. Dem deutschen IVF-Register sind diese Informationen leider nicht zu entnehmen.

In Anbetracht der Häufigkeit dieser Störungen sind jedoch vermutlich sind viele Frauen mit einer solchen Faktor V-Mutation nach IVF problemlos schwanger geworden und hatten keine weiteren Komplikationen oder eine Fehlgeburt. Es stellt sich daher selbstverständlich auch die Frage nach der Kosten-Nutzen-Relation. Ein generelles Screening ist sicherlich nicht bezahlbar. In Erwägung zu ziehen ist ein solches Thrombophilie-Screening jedoch sicherlich, wenn sich aus der familiären oder eigenen Vorgeschichte der Patientin ein erhöhtes Thromboserisiko ableiten lässt.

Ergas D, Levin D, Elbirt D, Shelanger H, Sokolovsky N, Sthoeger ZM
Internal Jugular Vein Thrombosis following Mild Ovarian Hyperstimulation Syndrome in Women with Factor V Leiden Mutation.
Am J Med Sci. 2006 Sep;332(3):131-3

Links im Text:
http://www.meb.uni-bonn.de/frauen/DIR_downloads/dirjahrbuch2004.pdf
http://www.wunschkinder.net/blog/2006/07/14/blutgerinnungsstoerung-als-ursache-fuer-misserfolg-bei-ivf.html

Störung der Blutgerinnung


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