STERN: Betroffene berichten – Psyche – Risiken

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Gestern hatte ich ja einen Aufruf gestartet, in dem Interviewpartner für einen Bericht zur künstlichen Befruchtung gesucht wurden. Dankenswerterweise haben sich schnell zwei Interviewbereite gefunden und bei der zuständigen Redakteurin Lea Wolz gemeldet.

Unter der Überschrift „Ich habe mich nutzlos gefühlt“ findet man den Bericht auf den online-Seiten des Stern. Sicherlich sind die Geschichten nicht unbedingt typisch, aber sie bringen den nicht betroffenen Lesern die Situation eines Paares mit einem unerfüllten Kinderwnsch recht gut näher und ich denke, dass dieser Artikel auch gut geeignet ist, Verständnis für die Situation von Kinderwunsch-Paaren zu wecken, vielleicht auch im Zusammenhang mit der aktuell diskutierten Kostenfrage, die in dem Bericht auch angesprochen und ganz richtig als ein wichtiges Problem für die Paare beschrieben wird.

Ich denke, dass es gut war, die Redakteurin auf der Suche nach Gesprächspartnern zu unterstützen und insbesondere „Schweden“ ist für ihre Bereitschaft dazu zu danken.

Es gibt noch weitere Artikel zum Thema in der online-Ausgabe des „STERN“. In einem Interview mit Dr. Tewes Wischmann wird auf die psychsiches Situation der Paare eingegangen. Die Lektüre ist empfehlenswert. So rät er, offen mit dem Kinderwunsch umzugehen und sich nicht unter Verwendung von Notlügen zurückzuziehen. Auch rät er zum Innehalten bei der Kinderwunschbehandlung:

Wenn die Frau nur noch in Internetforen zum Thema „Künstliche Befruchtung“ unterwegs ist, keine Zeit für einen Kurzurlaub hat und auch an anderen Freizeitaktivitäten kein Interesse mehr zeigt, kann es pathologisch werden. Dann sollte man darüber nachdenken, ob es Zeit ist, loszulassen, oder zumindest eine Pause zu machen.

Da ist es wieder, das „Loslassen“, aber diesmal in einem anderen Zusammenhang und sicher auch ein Tipp, der für einige unserer Foren-Besucher empfehlenswert ist.

Nur eines muss ich mal wieder monieren: Es wird von ihm eine Lebendgeburtenrate von 15% angegeben. Geht man von einer fast 30%igen Schwangerschaftsrate bei der künstlichen Befruchtung aus, dann würde dies bedeuten, dass fast 50% aller so erzeugten Schwangerschaften mit einer Fehlgeburt enden (oder einer Eileiterschwangerschaft). Dass das eigentlich so nicht stimmen kann, ist offensichtlich. Und weshalb es nicht stimmt, habe ich in einem älteren Artikel sehr ausführlich auseinandergedröselt. Der ist ebenfalls lesenswert, lieber Herr Wischmann 😉

Denn liest man diese Ergebnisse und dann noch den Artikel über die Risiken der Kinderwunschbehandlung, dann kommt die IVF doch sehr viel schlechter weg als sie es verdient.

Ich möchte jetzt nicht im Einzelnen darauf eingehen, was zu den in dem Artikel genannten Risiken zu sagen ist, da sich in diesem Blog bereits reichlich Material dazu befindet:

Fehlbildungen der Kinder

Verletzungen und Infektionen bei der Punktion

  • Treten extrem selten auf. In mehr als 15 Jahren habe ich noch keine solche Komplikation bei einer meiner Patientinnen erlebt. Und das liegt sicherlich nicht an meiner großen Geschicklichkeit, sondern daran, dass die Punktion recht einfach durchführbar ist.

Mehrlinge

Überstimulation

Das sind aus meiner Sicht die wichtigsten Artikel dieser News zu den im Stern-Artikel genannten Komplikationen. Viel Spaß bei der Lektüre, für Rückfragen steht die Kommentarfunktion zur Verfügung.


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Dr. Tewes Wischmann schreibt

    Lieber Herr Dr. Breitbach,

    wenn Sie mich hier schon direkt ansprechen: Die Zahlen zu den Erfolgsraten habe ich ja nicht erfunden. Ich beziehe mich in erster Linie auf einen Artikel von Kupka et al. im Gynäkologen 2004. Interessanterweise kommen die Autoren auf Erfolgsraten, die niedriger sind als die entsprechenden Angaben im DIR-Jahrbuch, wie ich bereits schon einmal geschrieben habe: Die Lebendgeburtenrate „lag beispielsweise für die Jahre 1998 bis 2000 pro initiiertem IVF– bzw. ICSI-Zyklus im Bundesdurchschnitt unter 14 % (Streubreite über die einzelnen ART-Zentren: ca. 8–20 %), da es in jedem sechsten begonnenen Behandlungszyklus nicht zum Embryotransfer kommt (Kupka et al. 2004; Nyboe Andersen et al., 2007); pro Embryotransfer betragen die Zahlen ca. 16%. Die Jahrbücher des IVF-Registers wiesen für diesen Zeitraum für IVF, ICSI und Kryotransfer jeweils im Schnitt um 1% höhere Angaben aus. […] Mit über 80 % Wahrscheinlichkeit endet also der erste Versuch erfolglos (Michelmann & Himmel 2007). Diesen Zahlenangaben zufolge bleiben nach drei abgeschlossenen Behandlungszyklen durchschnittlich über 60% der Paare kinderlos (nach vier Zyklen noch 50%). Diese Prozentsätze verdeutlichen die Notwendigkeit, in der psychosozialen Beratung rechtzeitig den „Plan B“ zu thematisieren.“ (aus: Wischmann T (2008): Ungewollte Kinderlosigkeit und Reproduktionsmedizin – Einige grundlegende Daten. In: Kleinschmidt D, Thorn P, Wischmann T (Hrsg.). Kinderwunsch und professionelle Beratung. Das Handbuch des Beratungsnetzwerkes Kinderwunsch Deutschland (BKiD). Kohlhammer, Stuttgart, S. 33f).
    Aber auch wenn man das aktuelle DIR-Jahrbuch zugrunde legt, werden die Zahlen leider nicht viel höher. Wenn Sie sich im DIR-Jahrbuch die Kurzstatistik 2006 auf S. 13 anschauen, sehen Sie 59.295 „plausible“ Zyklen. Davon ziehen Sie „4.600 Fälle ohne Fortsetzung der Behandlung“ ab und setzen dazu die 8.655 Geburten aus dieser Kurzstatistik in Relation, das ergibt durchschnittlich ca. 16% Lebendgeburtenrate pro Behandlungszyklus. Nach einem Versuch bleiben also im Schnitt 84% der Paare erfolglos, nach zwei Versuchen ca. 71% (0.84*0.84) und nach drei Versuchen ca. 59% (0.84*0.84*0.84). Warum Sie von einer „fast 30%igen Schwangerschaftsrate bei der künstlichen Befruchtung“ ausgehen, wenn die maximale Konzeptionswahrscheinlichkeit pro Zyklus bei 25,5% liegt (http://www.christian-gnoth.de/Angepassestes%20Management%20bei%20Kinderwunsch.pdf), werden Sie hier sicher noch erklären ;-).
    Ich würde mir für die betroffenen Paare auf alle Fälle auch bessere Zahlen wünschen. Noch sieht es aber wohl so aus, dass ich eher die erfolglosen Paare in der Beratung sehe, während Sie wahrscheinlich mehr Post von den erfolgreichen Paaren bekommen.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg mit Ihrem segensreichen Forum!

    Beste Grüße

    Tewes Wischmann

    P. S.: Wenn ich mir Ihre Schreibtätigkeit nur hier in diesen Kinderwunsch-News anschaue: Das Buch wäre schon längst fertig 😉

  2. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    3 gelungene Beiträge vom stern!

    Der Vollständigkeit halber hier noch mal der Link zu dem vierten stern-Artikel von gestern: http://www.stern.de/wissenschaft/medizin/:Moderne-Fortpflanzungsmedizin-Kinderwunsch-Kinderwahn/655301.html

  3. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Oh, sehr gut dieses vierte Artikel, die anderen habe ich nicht gelesen.
    Und Rebella:
    Prima dein Kommentar dort!!!
    Danke

  4. Elmar Breitbach
    Schweden schreibt

    Lieber Doc,

    ich denke auch das es von Ihnen eine gute Idee war. Frau Wolz hat es einem leicht gemacht die Erfahrungen zu schildern und ich bin froh wie sie es umgesetzt hat.

    Wobei ich mich gerade frage, was bei den Geschichten untypisch war….würde mich da über einen Hinweis freuen. 🙂

    LG,
    Schweden

  5. Elmar Breitbach
    ally schreibt

    @ doc tewes:

    die angaben zu lebendgeburten widersprechen sich oft. das ist leider nichts neues. als betroffene möchte ich natürlich lieber glauben, dass die höheren angaben den tatsachen entsprechen 😉

    ein großes lob möchte ich ihnen jedoch bezüglich ihrer plan-b-methode aussprechen! selbst bin ich auch der meinung, dass paare sich schon sehr früh mit diesem thema auseinandersetzen sollten. hilfreich ist es m.m. auch, sich bewusst zu machen, dass es schließlich auch ein leben vor dem kiwu gab, das in den meisten fällen wohl auch erfüllt und glücklich war.

    viele grüße!

  6. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    @ally: Die hier genannten Zahlen widersprechen sich nicht. Nur hat Doc Wischmann die Erfolgsraten pro begonnenem Zyklus benannt, Doc Breitbach hingegen die Erfolgsraten pro Embryotransfer, wie sie üblicherweise auch im D.I.R. ausgegeben werden. Da es leider nicht in jedem Zyklus zum Transfer kommt, ist es jedoch legitim, die Erfolgsraten pro begonnenem Zyklus zu benennen. Es kommt eben nur immer darauf an, die Basis richtig anzugeben.