Stammzellen nach Maß aus Südkorea


embryo Südkoreanische Forscher haben Stammzellen gewinnen können, welche auf bestimmte Patienten zugeschnitten sind. Stammzelllininien für 11 verschiedene Patienten konnten gewonnen werden mit einer Verfeinerung der Technik, welche sie bereits im letzten Jahr vorstellten und als großer wissenschaftlicher Durchbruch galt. Bis zu einer effektiven Therapie mit Gewebe, welches aus diesen Stammzellen gewonnen wurde, wird aber noch einige Zeit vergehen, denn es sind längst nicht alle Nebenwirkungen bekannt, welche bei dem Einsatz solchen Gewebes auftreten können. So ist zum Beispiel bekannt, dass bestimmte bösartige Erkrankungen (Teratome) häufiger auftreten können. Losgelöst davon sind viele ethische Probleme nicht geklärt.

Bei dem Verfahren, welches im letzten Jahr Aufsehen erregte, wurde das sogenannte „Dolly-Verfahren“ angewendet. Bei diesem Zellkerntransfer wurde genetisches Material aus Hautzellen in Eizellen übertragen und diese weiter kultiviert bis zum Blastozystenstadium. Da ein sogenanntes „reproduktives Klonen“ also Schaffung eines genetischen Doppelgängers nicht geplant war, wurde das Experiment zu diesem Zeitpunkt abgebrochen. Geplant war schon damals das therapeutische Klonen, also die Herstellung von Stammzellen zur Behandlung von Erkrankungen. Der Morbus Parkinson, die sogenannte „Schüttellähmung“ ist eine von vielen, für die man sich durch solche Behandlungen eine Heilung erhofft. Aber auch Neuzüchtung verletzten Gewebes z. B. bei Querschnittsgelähmten ist eine häufig diskutierte Anwendung.

Das Ärzteblatt berichtet:

Inzwischen haben die Forscher ihre Technik verfeinert. Vor einem Jahr hatten sie 248 Eizellen für einen erfolgreichen Nukleartransfer benötigt. Jetzt genügten ihnen 185 Eizellen von 18 Frauen, um elf Stammzelllinien zu etablieren. Die meisten Spenderinnen waren unter 30 Jahre alt. In diesem Alter ist auch die natürliche Fruchtbarkeit höher als bei den zumeist älteren Frauen, die sich mit einem Kinderwunsch an eine IVF-Klinik wenden. Von diesen Patientinnen hatten die koreanischen Forscher im letzten Jahre ihre Oozyten erhalten. Es waren Eizellen, die bei IVF-Behandlungen „übrig“ geblieben waren.

Die Crux bei der Stammzelltherapie ist die, dass man daraus im Prinzip jede beliebige Zelle herstellen kann. Also Nervengewebe, Herzmuskelzellen, Leber etc. Aus Embryonen gewonnen Zellen lassen sich hier einfacher einsetzen, da sie nicht differenziert sind, sich also noch in jedwede Richtung und Spezialisierung entwickeln können.

Die Neuerung durch die körpereigenen Stammzellen, welche nun für 11 Patienten entwickelt wurde, ist die, dass eine Abstossungsreaktion nicht stattfindet, da es sich um körperidentisches Gewebe handelt.

Bevor erste klinische Versuche beginnen können, werden jedoch noch Jahre vergehen. Die koreanischen Forscher selbst räumten gegenüber Science ein, dass sie die Sicherheit der Stammzellen bisher überschätzt hätten. Aus diesem Grund sind die Ergebnisse derzeit vor allem für Grundlagenforscher interessant. Wichtige Impulse könnten sich etwa für die Erforschung pathogenetischer Prozesse ergeben, die beim Typ-1-Diabetes zur Vernichtung der Beta-Zellen durch das körpereigene Immunsystem führen.

Den ersten Schritt, also das Klonen nach dem Dolly-Verfahren mit Zellkerntransfer wurde kürzlich auch erfolgreich von einer englischen Arbeitsgruppe durchgeführt

Widersprüchliche Aussagen der Regierung

Die „FAZ“ berichtete, dass Bundeskanzler Schröder plane, das Embryonenschutzgesetz zu lockern, um auch in Deutschland ähnliche Forschungsprojekte zu ermöglichen.

Intern wird vorbereitet, im Fall eines Sieges in der Wahl 2006 die Forschung an embryonalen Stammzellen weitgehend freizugeben, womit offenbar schon Anfang 2007 begonnen werden soll. Der Partei- und Fraktionsvorsitzende der SPD, Müntefering, hatte Schröder im März beigepflichtet. Er sei hinsichtlich der Klonforschung offen „weiterzugehen“.

, so die „FAZ“. Die FDP – hinsichtlich der PID offen für eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes – forderte die Regierung auf, diesen Entschluss zu bald als möglich in die Tat umzusetzen.

Basierend auf diesem in den Medien innerhalb kurzer Zeit oft zitierten Artikel der FAZ kam es zu einer Vielzahl von Meinungsäußerungen. Die Netzeitung zitiert:

Die CDU-Abgeordnete Maria Böhmer kritisierte: «Der Eindruck verstärkt sich immer weiter, dass das Kanzleramt zur ethikfreien Zone wird.»

Grünen-Forschungsexperte Hans-Josef Fell erklärte, das Klonen von Menschen sei in Deutschland aus guten Gründen verboten. Es sei auch medizinisch fragwürdig. Die Kölner Medizinerin Christiane Woopen, Mitglied im Nationalen Ethikrat, sieht keinerlei Notwendigkeit, die geltenden Gesetze zu ändern. er «Mitteldeutschen Zeitung» sagte sie, dass Gesetze überprüft werden müssten, sei eine Banalität.

Ob Schröder nun zurückruderte aufgrund des starken Medienechos oder ob die FAZ ihn falsch zitierte, kann man nicht mehr nachverfolgen. Am Nachmittag dementierte Regierungssprecher Andra jedenfalls entsprechende Gerüchte um Änderung der gesetzlichen Grundlagen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet:

Zwar werde der Kanzler bei der Verleihung der Ehrendoktorwürde der Universität Göttingen am 14. Juni zur Grundsatzfrage der Stammzellenforschung Stellung beziehen. Wie in bisherigen Äußerungen werde Schröder dabei erneut aber sowohl Chancen wie auch Risiken aufzeigen. „Es gilt hier eine vernünftige Balance zu finden zwischen Chancen einerseits und Risiken auf der anderen Seite.“


Anda sagte, aus der Rede Schröders werde kein neues Regierungshandeln abgeleitet. Es seien keine neuen Gesetzesregelungen nötig. Er verwies aber darauf, dass Schröder in seiner Regierungserklärung im März eine Ãœberprüfung nach zwei Jahren angekündigt hat, ob die geltenden Regelungen in Deutschland noch sinnvoll seien. Auch dies werde Eingang in Schröders Rede finden.

Kommentare aus der Schweiz dazu auf „Side Effects“


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