Spermientest für zu Hause


N24 hat heute schon darüber berichtet: Es gibt jetzt den Spermientest für Zuhause. Und da dieses Gerät in „Human Reproduction“ beschrieben wird, ist davon auszugehen, dass es sich hier um eine seriöses Angebot handelt.

Die Idee dahinter

Die Problemstellung ist klar und kommt häufig vor: Ein Paar probiert ein paar Monate, seine Kinderwunsch zu erfüllen, die Frau hat sich beim Frauenarzt schon einmal durchchecken lassen, der Mann möchte jedoch mit dem Spermiogramm erst einmal warten. Die Schwellenangst der Männer vor dem Gang zum Urologen ist oft höher als die der Frau im Hinblick auf den Gynäkologen. Die Schwelle für den Mann zu senken ist Sinn eines solchen Heimtests.

Chris Barrat von der britischen University of Birmingham berichtet in seinem Artikel über das neue System: Der Anteil gut beweglicher Spermien im Ejakulat ist der Parameter, welcher am ehesten mit der Fruchtbarkeit des Mannes korrelliert. Und ein Heimtest (Fertell ist der Handelsname) sollte zuverlässige Aussagen darüber liefern können. Selbstverständlich kann das Ziel eines solchen Test nicht sein, ein komplettes Spermiogramm zu liefern, es geht hierbei um eine zuverlässige aber eben auch orientierende Untersuchung der männlichen Fruchtbarkeit.

Das Prinzip des Tests

Zunächst werden die beweglichen Spermien von den unbeweglichen getrennt. Dies geschieht mit Hilfe eines sogenannten „direkten Swim-Up“ nach Verflüssigung des Ejakulats (ca. 30 Minuten). Zunächst wird die Kammer, in der sich das Ejakulat befindet, durch eine Art Stempel abgeschlossen (A). Das abgetrennte Volumen beträgt dann 0,6 ml.

Im nächsten Schritt wird das Ejakulat mit Medium überschichtet (Blau in (B) erkennbar). Dies geschieht durch einen einfachen Knopfdruck. Die beweglichen Spermien schwimmen dann direkt in dieses überschichtete Medium hinauf (deswegen heißt das dann auch „direkter Swim-Up“, weil er ohne vorherigen „Waschgang“ durchgeführt wird (Mehr zum Waschen von Spermien hier).

Während sich die beweglichen Spermien vom Ejakulat und den unbeweglichen Spermien trennen, wird das Gefäß auf einer konstanten Temperatur von 37°C gehalten. Der dies geschieht mit einer Wärmevorrichtung, die per Thermostat geregelt wird (Rot in (C) erkennbar). Das funktioniert zwischen 18 und 30 °C Außentemperatur zuverlässig bis auf 0,3 °C genau. In der Testphase des Systems wurden 3000 Spermienproben untersucht.

Ist die Swim-Up-Phase abgeschlossen, wird der Überstand mit dem hinzugefügten Medium und den beweglichen Spermien durch eine Kapillare befördert. In diese befindet sich ein Schwamm, der CD-59-Antikörper enthält. CD-59 befinden sich auf mehr als 95% aller Spermien und daher kann man diese mit degegen gerichteten Antikörpern zuverlässig markieren. Schließlich landen die Spermien auf einem Nitrozellulose-Streifen, auf dem die markierten Spermien festgehalten werden und durch die rote Farbe der Antikörper erkennbar werden, wenn eine bestimmte Konzentration an Spermien überschritten wird (D).

Als Mindestgrenze wurden 10 Millionen vorwärts bewegliche Spermien pro Milliliter festgelegt (entsprechend WHO A und B, also schnell und langsam vorwärtsbeweglich). Wird dieser Wert errreicht, dann ist eine rote Linien erkennbar.

Studienergebnisse

Im Rahmen der Erarbeitung dieses Tests wurden mehr als 3000 Ejakulatuntersuchungen durchgeführt. Abschließend erfolgte ein Vergleich der Methode mit einem computerunterstützten Spermiogramm (CASA=computer-assisted sperm analysis), einer objektiven Methode, Bei der die Messung der Spermiengeschwindigkeit sehr exakt erfolgt, ohne Beeinflussung durch menschliche Untersucher. Für diesen Test wurden Ejakulate von 132 Männern untersucht, die speziell für diese Studie Spermien spendeten, also keine Kinderwunsch-Vorgeschichte hatten. Außerdem wurden 7 Ejakulate von Männern mit einem bekannt eingeschränkten Spermiogramm und von 11 Männern nach Sterilisation untersucht. Letzteres, um sicherzugehen, dass keine falsch-positiven Ergebnisse auftreten.

Aufgrund geringen Ejakulatvolumens und technischer Probleme konnten 7 Männer nicht in die Studie aufgenommen werden. Bei weiteren 14 Männern waren die 2 Ergebnisse der der Kontrolluntersuchung mit der Computeranalyse nicht übereinstimmend und daher ungültig. Letztlich fanden die Ergebnisse von 129 Ejakulaten Eingang in die Studie.

95 Männer wurde mit dem „Heimtest“ die Fruchtbarkeit bestätigt. Dies stimmte bei 91 (95,8%) mit der Kontrollmethode überein. Bei 34 verfärbte sich die Testlinie nicht und dies konnte in 32 der Fälle (94,1%) bestätigt werden.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass mit diesem Test ein Sceening der Fruchtbarkeit mit hoher Zuverlässigkeit möglich ist, jedoch keine Alternative zu einem Spermiogramm darstellen kann.

Der Hinweis sei gestattet, dass der Hauptautor (C.L.R. Barratt), wissenschaftlicher Berater der Herstellerfirma Genosis Ltd. ist.

Der Test ist zusammen mit einem FSH-Test für Frauen für knapp 80 englische Pfund erhältlich. Wissenschaft, die sich bezahlt macht….

Links:
Englischer Original-Artikel für diejenigen, die es vollständig haben möchten
Kurzer Artikel auf Deutsch (N24) und im Gesundheitsblog

L. Björndahl, J. Kirkman-Brown, G. Hart, S. Rattle, C.L.R. Barratt
Development of a novel home sperm test
Human Reproduction 2006 21(1):145-149


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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Elmar Breitbach
    Patrick schreibt

    Vielen Dank für den Bericht. Ich denke, dass der Spermientest für zu Hause vor allem für die Männer geeignet ist, die sich Scheuen zu einem Arzt zu gehen.