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Scratching zur Verbesserung der Einnistung von Embryonen

Eine kleine Verletzung der Gebärmutterschleimhaut verbessert die Chancen auf eine Schwangerschaft

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Die Einnistung eines Embryos in der Gebärmutter ist ein komplexer Vorgang, den zu beeinflussen nur bedingt möglich ist. Eine mögliche Methode zur Verbesserung der Einnistung ist das sogenannte Scratching, also eine kleine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut, mit der man die Chancen auf eine Schwangerschaft verbessern kann.

Funktionsweise des Scratching ist unklar. Die Wirkung auch?

Dass eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium) möglicherweise in der Lage ist, die Einnistung bei einer in Vitro Fertilisation zu verbessern, war eine eher zufällige Entdeckung1)Barash A, Dekel N, Fieldust S, Segal I, Schechtman E, Granot I.
Local injury to the endometrium doubles the incidence of successful pregnancies in patients undergoing in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2003 Jun;79(6):1317-22
, auf die hier schon bereits vor mehr als 10 Jahren hingewiesen wurde.

Inzwischen gibt es jedoch zahlreiche Studien zu diesem Thema und das Verfahren scheint tatsächlich einen positiven Einfluss zu haben, auch wenn die aktuellste Vergleichsstudie keinen positiven Effekt nachweisen konnte2)Levin D, Hasson J, Cohen A, Or Y, Ata B, Barzilay L3 Almog B
The effect of endometrial injury on implantation and clinical pregnancy rates.
Gynecol Endocrinol. 2017 Oct;33(10):779-782.
. Eine Übersichtsarbeit in der Cochrane Database fasste zuletzt 2015 die Ergebnisse aller Studien zum Scratching zusammen3)Nastri CO, Lensen SF, Gibreel A, Raine-Fenning N, Ferriani RA, Bhattacharya S, Martins WP
Endometrial injury in women undergoing assisted reproductive techniques.
Cochrane Database Syst Rev. 2015 Mar 22;(3):CD009517. doi: 10.1002/14651858.CD009517.pub3
.

Positiver Effekt, aber nicht für alle

Es flossen die Daten von insgesamt 14 Studien in diese Übersichtsarbeit ein. In diesen wurde bei 1063 Frauen eine Biopsie der Gebärmutterschleimhaut durchgeführt (Zwischen dem 7. Tag des Vorzyklus und dem 7. Tag des Stimulationszyklus) und 1065 erhielten keine Biopsie. Eine Studie untersuchte den Effekt der Maßnahme am Tag der Eizellentnahme (Punktion) bei der IVF. Das zusammenfassende Ergebnis war signifikant, aber nur mit schwacher Beweiskraft („moderate evidence“): Wenn 26% der Frauen ohne das Scratching ein Kind bekommen (Lebendgeburt), dann sind es mit dieser Hilfsmaßnahme im Vorfeld 28% – 48% (eine übliche statistische Streuung, aber in jedem Fall höher als ohne).

In der Untersuchung, in der am Tage der Eizellentnahme „gescratched“ wurde, zeigte sich die Schwangerschaftsrate durch die Maßnahme jedoch signifikant verschlechtert.

Der positive Effekt war nur bei Frauen statistisch signifikant, die bereits zwei erfolglose Zyklen im Vorfeld hatten.

Fehlgeburten nicht seltener

Einige Autoren nehmen an, dass eine Verbesserung der Einnistung im Rahmen einer IVF auch eine Verminderung von Fehlgeburten zur Folge haben kann. Dies ließ sich durch die Studien jedoch nicht belegen, allerdings auch nicht ausschließen.

Scratching bei Insemination und Stimulation – GV

Was liegt näher, als den offenbar vorhandenen positiven Effekt der Biopsie auch bei einfacheren reproduktionsmedizinischen Maßnahmen zu nutzen. Wirkt es auch bei Inseminationen und Stimulationen für VZO (GV)? Auch für diese Fragestellung gibt es eine Übersichtsarbeit, in welcher die Ergebnisse von neun Studien und mehr als 1.500 Frauen zusammengefasst werden konnten4)Lensen SF, Manders M, Nastri CO, Gibreel A, Martins WP, Templer GE, Farquhar C
Endometrial injury for pregnancy following sexual intercourse or intrauterine insemination.
Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jun 14;(6):CD011424. doi: 10.1002/14651858.CD011424.pub2
.

Leider waren die zur Verfügung stehenden Studien nicht von ausreichend guter statistischer Qualität, um auch hier eine Verbesserung der Schwangerschaftsrate belegen zu können. Obwohl es auch bei IUI und GV nach Stimulation Hinweise auf eine Verbesserung der Rate an Lebengeburten gibt, sind jedoch weitere Studien notwendig, um den Effekt des Scratching auch bei diesen Maßnahmen belegen zu können.


Literatur   [ + ]

1. Barash A, Dekel N, Fieldust S, Segal I, Schechtman E, Granot I.
Local injury to the endometrium doubles the incidence of successful pregnancies in patients undergoing in vitro fertilization.
Fertil Steril. 2003 Jun;79(6):1317-22
2. Levin D, Hasson J, Cohen A, Or Y, Ata B, Barzilay L3 Almog B
The effect of endometrial injury on implantation and clinical pregnancy rates.
Gynecol Endocrinol. 2017 Oct;33(10):779-782.
3. Nastri CO, Lensen SF, Gibreel A, Raine-Fenning N, Ferriani RA, Bhattacharya S, Martins WP
Endometrial injury in women undergoing assisted reproductive techniques.
Cochrane Database Syst Rev. 2015 Mar 22;(3):CD009517. doi: 10.1002/14651858.CD009517.pub3
4. Lensen SF, Manders M, Nastri CO, Gibreel A, Martins WP, Templer GE, Farquhar C
Endometrial injury for pregnancy following sexual intercourse or intrauterine insemination.
Cochrane Database Syst Rev. 2016 Jun 14;(6):CD011424. doi: 10.1002/14651858.CD011424.pub2
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