Schwangerschaftsraten und Follikelgröße bei Clomifen

Wie groß sollte ein Follikel bei Clomifeneinnahme sein, um eine reife Eizelle zu enthalten?


Wie groß muss ein Eibläschen (=Follikel) sein, damit es eine optimal reife Eizelle enthält? Vor allem bei Einnahme von Clomifen, ist das nicht immer einfach zu beantworten. Einfache Antworten auf einfache Fragen gibt es bei medizinischen Studien selten, aber für diese Frage gibt es nun auch eine passende Studie. Sie bestätigt, was man bisher auch schon für richtig hielt.

Mit welcher Follikelgröße wird man am besten schwanger bei Clomifen?

Die Daten von 291 Patientinnen in 685 Behandlungszyklen flossen in die Studie ein, um diese Frage zu klären1)Farhi, J., Orvieto, R., Gavish, O., & Homburg, R. (2010). The association between follicular size on human chorionic gonadotropin day and pregnancy rate in clomiphene citrate treated polycystic ovary syndrome patients. Gynecological Endocrinology26(7), 546-548.. Diese Patientinnen wurden wegen unregelmäßiger Zyklen und/oder eines PCO-Syndroms ausschließlich mit Clomifen zur Förderung der Follikelreifung behandelt.

Dabei wurden nur Zyklen mit einem oder zwei Follikeln > 14 Millimeter einbezogen. Der Eisprung wurde medikamentös ausgelöst bei einer Follikelgröße von 17-24 Millimeter, also gängigen Werten, vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass man bei Clomifen häufiger eher große Follikel findet.

Die Ergebnisse sind recht eindeutig:

Follikelgröße beim Auslösen Schwangerschaftsrate
18-22 mm 13,6-18,6%
17 mm 8,8%
23 mm 8,8%
24 mm 5,7%
Tabelle: Follikelgröße und Schwangerschaftsrate nach Stimulation mit Clomifen
Clomifen: Follikelgrößen zwischen 18 und 22 mm sind am besten
Follikel zwischen 18 und 22 mm sind am besten

Innerhalb der Gruppe von 18-22 mm gab es keine nachvollziehbare Abhängigkeit von der Größe der Follikel. Jedoch sind die Schwangerschaftsraten durchschnittlich fast doppelt so hoch wie bei größeren oder kleineren Follikeln. Es ergab sich keine Verbesserung der Schwangerschaftswahrscheinlichkeit, wenn zwei Follikel vorhanden waren.

Eine Schwäche der Studie ist die retrospektive Auswertung der Daten und die Tatsache, dass andere einflussnehmende Faktoren nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Die Ergebnisse sind jedoch recht eindeutig und decken sich mit den täglichen Erfahrungen in der Praxis. Man kann die Studie zumindest als Bestätigung der üblichen Vorgehensweise heranziehen.

Und bei Inseminationen? Gilt da das Gleiche?

Fast. Eine Studie aus dem Jahr 2020 versuchte, die optimale Größe des „Leitfollikels“ zu bestimmen, damit die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft bei einer Insemination optimal ist2)Hancock, K. L., Pereira, N., Christos, P. J., Petrini, A. C., Hughes, J., Chung, P. H., & Rosenwaks, Z. (2020). Optimal lead follicle size for human chorionic gonadotropin trigger in clomiphene citrate and intrauterine insemination cycles: an analysis of 1,676 treatment cycles. Fertility and Sterility.. Auch hier wurde mit Clomifen stimuliert. Für die Studie wurden die Ergebnisse von mehr als 1.600 Inseminationen untersucht. Die Schwangerschaftsrate betrug dabei 13,8% pro Zyklus.

Auch in dieser Studie war die Erfolgsrate bei größeren Follikeln höher. Jedoch fand hier ein engeres Spektrum. Die höchste Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft entstand, wenn der Leitfollikel 21 bis 22 Millimeter groß war bei Auslösen des Eisprungs.

Häufig wendet man inzwischen Letrozol statt Clomifen zur Hormonbehandlung an. Hier findet man ebenfalls einen Zusammenhang zur Follikelgröße bei Clomifen3)Palatnik, A., Strawn, E., Szabo, A., & Robb, P. (2012). What is the optimal follicular size before triggering ovulation in intrauterine insemination cycles with clomiphene citrate or letrozole? An analysis of 988 cycles. Fertility and sterility97(5), 1089-1094. Auch hier sind die Chancen auf eine Schwangerschaft von der Follikelgröße abhängig.

Dieser Artikel wurde mehrfach an die neuesten Studien angepasst. Daher finden sich unten auch etwas ältere Kommentare


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Literatur

Literatur
1 Farhi, J., Orvieto, R., Gavish, O., & Homburg, R. (2010). The association between follicular size on human chorionic gonadotropin day and pregnancy rate in clomiphene citrate treated polycystic ovary syndrome patients. Gynecological Endocrinology26(7), 546-548.
2 Hancock, K. L., Pereira, N., Christos, P. J., Petrini, A. C., Hughes, J., Chung, P. H., & Rosenwaks, Z. (2020). Optimal lead follicle size for human chorionic gonadotropin trigger in clomiphene citrate and intrauterine insemination cycles: an analysis of 1,676 treatment cycles. Fertility and Sterility.
3 Palatnik, A., Strawn, E., Szabo, A., & Robb, P. (2012). What is the optimal follicular size before triggering ovulation in intrauterine insemination cycles with clomiphene citrate or letrozole? An analysis of 988 cycles. Fertility and sterility97(5), 1089-1094
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Kommentar

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8 Kommentare
  1. mika
    mika schreibt

    Das ist doch trotzdem sehr interessant. Lässt aber noch ein paar Fragen offen(für den Laien). Kann man denn davon ausgehen, dass wenn die Follikel "zu groß" sind also über 22mm sind, einfach nur zu spät ausgelöst wurde oder enthalten diese großen Follikel irgendwie untauglichere Eizellen? Und es wird zwar gesagt, dass 2 Follikel die Wahrscheinlichkeit nicht erhöhen, andererseits ist doch das Mehrlingsrisiko erhöht. Bezieht sich das dann nur auf die sowieso entstehenden Schwangerschaften? Intuitiv würde man ja denken, dass wenn die Mehrlingswahrscheinlichkeit erhöht ist, auch die allgemeine Schwangerschaftwahrscheinlichkeit erhöht ist weil "sich ja wenigstens einer durchbeißen könnte".

  2. Biene
    Biene schreibt

    Ist nicht davon auszugehen, dass die Follikel schon vor 23mm selbst springen sollten? Ohne auszulösen. Und wenn sie dies nicht tun, dann sowieso irgend ein Problem vorliegt?

  3. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Nein, davon ist nicht auszugehen.

  4. I.
    I. schreibt

    Guten Tag,

    Kann ein Follikel auch 3,4cm haben?

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Hallo I.,

    nach einer hormonellen Stimulation mit Clomifen kommen auch solch große Follikell vor

  6. Snail-on-the-road
    Snail-on-the-road schreibt

    Inwiefern unterscheidet sich denn die Follikelgröße bei einer Stimulation mit Letrozol? Ich meine, wie ist hier die optimale "Auslösegröße"?
    Meine Erfahrung ist, dass die Follikel mit Letrozol schneller reifen und größer werden, ohne zu springen – ich unterdrücke den Eisprung nicht medikamentös. Beispiel NC-Zyklus Eisprung ZT16 ca. 18-20mm; Letrozol Zyklus (5 Tage, 2 Tabletten ZT 3-7) ES ZT 12/13, da die Follikel (immer zwei) an ZT 10/11 schon 20-28mm groß waren und dann direkt abends ausgelöst wurde – laut Blutwerten war dann aber immer noch kein natürlicher LH Anstieg festellbar, trotz dieser Größe!
    Heißt das, die Follikelreifung ist durch Letrozol so gestört, dass ich lieder ganz darauf verzichten sollte oder reifen hier die "falschen" heran, weil sie so groß werden und nicht natürlich springen?

  7. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Hallo,
    Bei Letrozol und Clomifen sind die Wirkmechanismen ähnlich und auch die ideale Follikelgröße ist daher identisch, wie auch die dritte zitierte Studie zeigt.
    Bei Clomifen und Letrozol kann es sein, dass die Follikel ohne Auslösen des Eisprungs tatsächlich nicht springen. Diese Medikamente führen deswegen auch häufiger zu Zysten.
    Das Problem auch Ihrer Frage im Forum war eher die Größendifferenz der Follikel (20 und 28 mm). Da ist es durchaus wahrscheinlich, dass eine Eizelle entweder überreif oder unreif ist und man nur eine Eizelle aus zwei Follikeln gewinnen kann. Das hat leider auch weniger mit dem Medikament zu tun als mit den hormonellen Voraussetzungen, die bei low respondern und höherem Alter auch zu asynchronem Follikelwachstum und "vorzeitiger Luteinisierung" führen kann.