Kalorien und Kindsgeschlecht: Kein Zusammenhang


Da zitiert man etwas aus der Sueddeutschen Zeitung und dann so etwas…
Bin ich froh, das ich schon damals hinzugefügt habe „Empirische Statistiken sind so ziemlich das Gegenteil von kontrollierten Studien und die Ergebnisse auf jeden Fall immer mit Vorsicht zu genießen.“ Schwein gehabt.

Worum geht es? Um die Studie aus dem April des letzten Jahres, derzufolge eine hohe Kalorienaufnahme in der Schwangerschaft mit mehr männlichen Neugeborenen einhergeht. Vor allem reichlich Frühstücksflocken sollten die Chancen auf einen Jungen erhöhen, ergab die separate Betrachtung von 132 Lebensmitteln.

Diese Studie wurde nun von Stanley Young vom National Institute of Statistical Sciences und seinen Kollegen auseinandergepflückt:

Genau hier liege das Problem, geben Young und Kollegen zu bedenken. Bei Hunderten von Vergleichen müsse man mit Zufallstreffern rechnen und daher umso striktere Kriterien für “statistische Signifikanz” ansetzen. Andernfalls seien verblüffende Resultate vorprogrammiert. Wende man die entsprechenden Korrekturen an, lieferten die Daten von Mathews und Kollegen tatsächlich keinerlei Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen dem Geschlecht des Kindes und der Kalorienzufuhr oder dem Verzehr von Frühstücksflocken.

Mathews und Kollegen hatten betont, ihre Resultate passten zu Ergebnissen aus Tierstudien, denen zufolge männliche Embryonen besonders anspruchsvoll sind und in gut genährten Müttern bessere Überlebenschancen haben sollten. Nach Ansicht Youngs und Kollegen zeigt der Fall jedoch nur zweierlei: Erstens, dass es mit der statistischen Qualität wissenschaftlicher Arbeiten nicht zum Besten bestellt sei. Und zweitens, dass “das menschliche Vorstellungsvermögen in der Lage ist, eine Logik selbst hinter den erstaunlichsten Ergebnissen zu finden”.

Autoren: S. Stanley Young, National Institute of Statistical Sciences, Research Triangle Park, North Carolina; Heejung Bang, Department of Public Health, Cornell University, Ithaca, New York; Kutluk Oktay, Department of Obstetrics & Gynecology, New York Medical College, Valhalla

Veröffentlichung Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, DOI 10.1098/rspb.2008.1405 (Young et al.) und 10.1098/rspb.2008.0105 (Mathews et al.)

Via Science-Ticker und „Leben ohne Diät


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Kommentar

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6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Schweden schreibt

    Nur mal so für mein Verständnis, das Geschlecht des Kindes wird doch bei der Zeugung bestimmt, in meinem Fall bin ich nicht mal dabei….;-), dann ist es doch eigentlich schnurs was man während der Schwangerschaft für Frühstückflocken ist…..oder ist da in der Biologie wieder mal entscheidens an mir vorbei gegangen….:-))

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @Schweden: Es geht schon auch um die Ernährung vor der Schwangerschaft. Dass dem zweiten X-Chromoson nun ein Beinchen abfällt, wenn die Mutter viele Kalorien zu sich nimmt, glaube ich auch nicht 😉

  3. Elmar Breitbach
    Schweden schreibt

    Danke Doc.
    Und ich sehe das genauso wie Sie. 🙂

  4. Elmar Breitbach
    chesire schreibt

    *denk*
    Davon ausgehend, dass das Geschlecht bei der Zeugung festgelegt ist, muesste sich entweder die "Schwangerschaftsrate" von ‚maennlichen‘ und ‚weiblichen‘ Embryonen unterscheiden (hier koennte die Ernaehrung der Mutter sogar einen Einfluss haben)

    oder

    die Zusammensetzung des Spermas (Y- und X- Spermien) durch die Kalorienaufnahme (des Mannes :)) signifikant beeinflusst werden.

    Gibt es das? Ist die Schwangerschaftsrate tatsaechlich geschlechtsspezifisch? Und gibt es Untersuchungen zur Zusammensetzung (X-/Y-Spermien) des Spermas? Ist das genetisch?
    Gopf, das nimmt mich jetzt wirklich Wunder — ich glaube ich muss mal googlen:)

    Anyway, was ich eigentlich sagen wollte: Je komplexer Systeme sind und je eingeschraenkter unser Verstaendnis, desto schneller betreiben wir Phaenomenologie. In einigen Bereichen haben wir mit Phaenomenologie angefangen (z. B. Medizin) und sind dabei uns ein komplexeres Verstaendnis zu erarbeiten, – in anderen Bereichen werden die von uns geschaffenen Systeme so komplex, dass uns irgendwann nur noch die Phaenomenolgie bleibt (z. B. Informatik).

    (Ja, ich weiss, der Kommentar ist etwas schwarz weiss und nicht ganz akkurat)

    ches

  5. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    das ist ja genau der Punkt bei empirischen Studien: Sie stellen zunächst erst einmal statistische Zusammenhänge her. Ob dahinter dann wirklih eine Kausalität steckt ist dann jedoch immer etwas, was man unbedingt klären sollte, sonst helfen die schönsten statistischen Signifikanzen nichts. Die Gefahr, wie bereits oben zitiert:
    “[…] das menschliche Vorstellungsvermögen in der Lage ist, eine Logik selbst hinter den erstaunlichsten Ergebnissen zu finden”.

  6. Elmar Breitbach
    greta schreibt

    Aber mal ehrlich… der Kiwu-Mensch muss schon auf LH und Menogon-Einheiten, auf Auslösen, HCG und E2 achten, auf TSH, Tf3und 4, auf weiß der Henker was ncoh alles… und dann… auch noch aufs ESSEN????? Ne, echt….

    Da lob ich mir doch die Sperma-Selektier-Maschine 😉 die es ja käuflich gibt…

    🙂