Frühgeburt ist vererbbar


Zu früh auf die Welt gekommene Kinder haben aufgrund der Ureife ihrer Organe oft langanhaltende Folgeschäden. Eine umfangreiche Studie über eine Million Geburten zeigt, dass die Nachwirkungen jedoch noch länger anhalten als bisher vermutet. Je früher ein Kind zur Welt kommt, desto höher ist sein statistisches Risiko, weniger Kinder zu bekommen.

Datenquelle war wieder einmal das norwegische Geburtenregister, welches eine häufige Basis für Untersuchungen mit großen Fallzahlen ist, da es über einen langen Zeitraum gut dokumentierte Schwangerschafts- und Geburtsverläufe enthält. 1.167.506 Geburten aus den Jahren 1967-1988 wurden in die Studie aufgenommen.

Erhöhtes Mortalitätsrisiko

Unter diesen Geburten fanden sich mehr als 60.000 Frühgeburten, deren weiterer medizinischer Lebenslauf nun ausgewertet wurde. Von den Jungen, die vor der 27. Schwangerschaftswoche geboren wurden, verstarben jeweils mehr als 1 Prozent in der frühen und späten Kindheit, bei den Mädchen starben 1,7% in der frühen Kindheit, jedoch kam es nicht zu Todesfällen in der späteren Kindheit.

Zwischen der 28. und 32. Schwangerschaftswoche geborene Jungens hatten ein Sterblichkeitsrisiko von 0,7% in der frühen und 0,4% in der späteren Kindheit, bei den Mädchen war das Sterblichkeitsrisiko nicht erhöht, wenn die Kinder nach der 27. Schwangerschaftswoche geboren wurden.

Zeit im Mutterleib fördert spätere Fruchtbarkeit

Je früher die Kinder zur Welt kamen, desto weniger eigene Nachkommen hatten sie als Erwachsene. Die Zeit im Mutterleib scheint die Fruchtbarkeit der Kinder zu erhöhen. Wurden die Kinder vor der 27. Schwangerschaftswoche geboren, dann hatten sie nur in 14% (Männer) und 25% (Frauen) später eigenen Nachwuchs. Bis zur 32. Schwangerschaftswoche waren diese Zahlen bei jeweils fast 40 bzw. 60%.

Frauen, die als Frühgeborene zur Welt kamen, brachten ihre Kinder ebenfalls oft früher zur Welt. In dieser Gruppe war die Rate an Frühgeburten ungefähr doppelt so hoch wie bei Frauen, deren eigener Aufenthalt im Mutterleib eine normale Länge hatte.

Die Erklärungen dafür sind unklar, nur die statistischen Zusammenhänge sind eindeutig. Ob die körperlichen Beeinträchtigungen durch die eigene frühe Geburt zur eingeschränkten Fruchtbarkeit oder gar Problemen bei der Partnerwahl führten, oder ob unerkannte vererbte Faktoren die Fruchtbarkeit und Dauer der Schwangerschaft beeinträchtigte, lässt sich nicht eindeutig ausschließen oder belegen.

Auf jeden Fall sollten diese Ergebnisse Anlass sein, die Schwangerschaft einer selbst zu früh geborenen werdenden Mutter intensiver als üblich zu überwachen.

Swamy GK, Østbye T, SkjærvenR
Association of Preterm Birth With Long-term Survival, Reproduction, and Next-Generation Preterm Birth
JAMA. 2008;299(12):1429-1436.


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5 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Anke schreibt

    Aha, habs ja schon immer gewusst, dass da was dran sein muss! Ich bin 40 Jahre alt und kam damals in der 26. oder 27. SSW zur Welt.Leider hat es bei uns bis heute nicht geklappt 🙁 Vielleicht hat es doch noch was Gutes????

  2. Elmar Breitbach
    Ingrit schreibt

    @Anke
    Bloss nicht aufgeben, irgendwann klappt es schon.

  3. Elmar Breitbach
    miez37 schreibt

    hm, ich kam 10 tage nach termin und hatte/habe auch große Probleme mit dem ss werden. Meine Schwester dagegen kam 2 Wochen vor Termin und hat ihre beiden Kinder mit Ansage gezeugt "bekommen".
    Soviel dazu, Ausnahmen bestätigen die Regel.

  4. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    2 Wochen vor dem Termin ist auch keine Frühgeburt. Die Studie untersuchte Kinder, die von der 22. bis zur 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden. Aber Ausnahmen gibt es natürlich ohnehin bei jeder Statistik

  5. Elmar Breitbach
    mir schreibt

    Interessant und aüßerst spannend diese Studie, zumal sie meine eigene Vermutung bestätigt. Ich selbst bin eine Frühgeburt und konnte nur mit Mühe und Hilfe schwanger werden. Mein Sohn kam dann in der 32.SSW zur Welt. Sieh an, sind mer also´n prima Regelfall.