Schulden machen mit Kinderwunschbehandlung



Natürlich kann man auch als betroffenes Kinderwunsch-Paar in die Situation geraten, dass man einen Kredit aufnehmen muss, um eine künstliche Befruchtung zu bezahlen.

Dass es aber auch möglich ist, als Kinderwunsch-Zentrum defizitär zu arbeiten, war mir bisher nicht bekannt. Eigentlich dachte, ich, dass das kaum zu schaffen ist. Die altehrwürdige Charité in Berlin hat das Kunststück nun vollbracht und zieht die Konsequenzen.

Charité schließt Abteilung für Reproduktionsmedizin

Das jährliche Defizit der Abteilung beträgt ca. 200.000 Euro, weshalb der neue Vorstand der stark schuldenbelasteten Charité die Schließung verfügte. Da der neue Vorstand erst seit dem September des letzten Jahres im Amt ist, kann man nur von einer Blitzentscheidung sprechen, denn es brauchte nur drei Monate, um die Entscheidung zu fällen und sie umzusetzen. Ab dem 1.1.2009 ist Reproduktionsmedizin in einer der größten Universitätskliniken Europas Geschichte.

Patienten klagen über Vertrauensbruch

Patienten wurden von der Schließung nicht informiert. Zu der Frage, was mit den kryokonservierten Embryonen geschehen soll und wie man diese in andere Zentren transportiert, wurde von Seiten der Klinik ebenfalls keine Stellung genommen.

Man kann nur feststellen, dass die Informationspolitik in diesem Falle eine ziemliche Katastrophe ist. Denn ich kann nur vermuten, dass die Universitätsklinik die Defizite auch deswegen anhäufte, weil sie keine Kassenzulassung hatte oder zumindest eine Ermächtigung für die Abrechnung der IVF-Behandlungen.

Solche Zulassungen werden im Rahmen der Bedarfsplanungen der regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen vergeben und maßgeblich mitbeteiligt sind in solchen Fällen dann auch die anderen reproduktionsmedizinischen Zentren vor Ort, die zum Bedarf befragt werden. Weisen sie nach, dass die Patientenversorgung ausreichend gewährleistet ist, können sie den Universitätskliniken den (finanziellen) Saft abdrehen. Man kann nur vermuten, dass dies auch in Berlin der Fall war, denn eine Unterversorgung besteht in der Stadt sicherlich nicht.

Sollte dies der Fall sein (anders kann ich mir das eigentlich nicht vorstellen, denn man muss mit der Reproduktionsmedizin nicht unbedingt automatisch Reichtümer anhäufen, aber Schulden machen?), dann wäre es für die Sprecher der Charité ein Leichtes gewesen, den Schwarzen Peter der KV und den privaten Zentren zuzuschieben.

So bleibt der Eindruck, dass es dem neuen Vorstand völlig wurscht ist, wie die Öffentlichkeit und betroffene Patienten auf die Schließung reagieren. Vor allem jene, die gerade einen Behandlungszyklus begonnen hatten und nichts von der bevorstehenden Schließung wussten.

Eine Privatinitiative von betroffenen Patienten hat Informationen in einer News-Seite zusammengetragen. Der dort kürzlich veröffentlichte Brief des Klinikdirektors zeigt jedoch, dass die Schließung wohl unumstößlich ist.


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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Mitten im Behandlungszyklus einfach dicht machen, das ist ja wirklich nicht die feine Art. Und dann noch nicht mal sagen, was mit den kryokonservierten Embryonen geschieht – wo leben wir?

    Als Universitätsklinik konnte die Charite im Vergleich zu den anderen Ärzten patientenfreundlicher abrechnen. Vielleicht ist das auch ein Anziehungspunkt für Paare, die nicht so viel Geld haben und am Ende nicht bezahlen? – Mein Erklärungsversuch. …

  2. Elmar Breitbach
    Ich schreibt

    Ja, Rebella, das sage ich auch: wo leben wir?
    Wenn die Ärzte so etwas tun dürfen…
    Und kann man überhaupt irgendwo klagen und mehr erfahren über die Kryos?