Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

TSH bei Kinderwunsch: Wie hoch sollte der Wert sein?

Eine gut funktionierende Schilddrüse ist bei Kinderwunsch von großer Bedeutung

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Das TSH (Thyreoidea stimulating hormone) reguliert die Tätigkeit der Schilddrüse. Die Schilddrüsenfunktion ist bei Kinderwunsch von großer Bedeutung. Was sagt der TSH-Wert aus und wie hoch sollte der TSH bei Kinderwunsch sein?

Was ist eigentlich das TSH?

Das TSH steht für „Thyreoidea Stimulating Hormone“ und wird von der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) ausgeschüttet, um die Funktion der Schilddrüse zu steuern. In dem Bild sind die Regelmechanismen für die Steuerung der Schilddrüse dargestellt: Das Zwischenhirn (Hypothalamus) schüttet das „Thyreoidea Releasing Hormone“ (TRH) aus, welches die Hirnanhangsdrüse zur Produktion von TSH anregt. Dieses Hormon stimuliert die Schilddrüse zur Herstellung der Schilddrüsenhormone T3 und T4.

Um den Regelkreislauf des Schilddrüsenhormons zu vollenden, reagiert das Zwischenhirn auf die Blutspiegel des T3 und T4. Sind diese (ausreichend) hoch, dann wird folglich weniger TRH ausgestoßen und die Schilddrüsenfunktion sinkt wieder. Ein solcher Feedbackmechanismus über Hypothalamus und Hypophyse regelt den Stoffwechsel vieler Hormone.

TSH bei Kinderwunsch Regelkreislauf Schilddrüse: TRH, TSH, T3 und T4
© clipdealer.com (Deutsch: E. Breitbach)

Wann steigt es an, wann fällt es ab?

Wenn man in Foren zum Thema Kinderwunsch und Schwangerschaft unterwegs ist, dann gewinnt man den Eindruck, das TSH wäre der Übeltäter, wenn es um die Schilddrüsenfunktion geht. Das ist jedoch nicht der Fall, sondern der TSH-Wert reagiert nur auf Funktionsstörungen der Schilddrüse. Solange die Schilddrüse ausreichend Schilddrüsenhormone (T3 und T4) ausschüttet, besteht für die Hirnanhangsdrüse und das Zwischenhirn kein Handlungsbedarf. Demzufolge ist der TSH-Wert dann üblicherweise im Normbereich.

Überfunktion

Schüttet die Schilddrüse zu viele Hormone aus, dann spricht man von einer Überfunktion. Antikörper gegen die TSH-Rezeptoren der Schilddrüse (Morbus Basedow) können dies hervorrufen, überdies sind „heiße Knoten“ eine weitere Ursache. Diese Knoten entziehen sich dem oben beschriebenen Regelkreislauf und produzieren Schilddrüsenhormone über den Bedarf hinaus.

Die steuernden Hirnareale senken dann die Produktion von TRH und TSH ab, weil die Schilddrüsenhormone im Blut höher sind als gewünscht. Ein niedriges TSH spricht demzufolge für eine Überfunktion der Schilddrüse.

Unterfunktion

Fehlen die Schilddrüsenhormone im Blut (Unterfunktion), kann das zwei Gründe haben. Es kann an einer Mangelversorgung mit Jod liegen (gelegentlich von einem „Kropf“ begleitet, also einer Vergrößerung der Schilddrüse). Ohne Jod fehlen der Schilddrüse die „Zutaten“ zur Herstellung ihrer Hormone. Eine andere Erkrankung sind Antikörper gegen die Schilddrüse (TPO-Ak), gemeinhin auch als „Hashimoto“ bezeichnet, nach dem Entdecker dieser Autoimmunerkrankung der Schilddrüse.

In beiden Fällen sinken die Werte für das T3 und T4 im Blut. Das Zwischenhirn reagiert darauf mit einem verstärkten TRH-Signal, infolgedessen steigt auch die TSH-Sekretion der Hirnanhangsdrüse in dem Bemühen, die Schilddrüsenhormone wieder zu normalisieren. Ein hohes TSH spricht also für eine Unterfunktion der Schilddrüse.

Was sind die TSH-Normwerte?

Etwas provokativ kann man es so formulieren: Es ist völlig egal, wie hoch oder niedrig der TSH-Wert ist, entscheidend ist, ob die Schilddrüsenhormone T3 und T4 (oder besser deren freie und nicht an Transportproteine gebundene Variante fT3 und fT4) im Normbereich sind. Der Referenzwert des TSH liegt bei 0,4 – 4,0 mU/l. Dies beantwortet aber nicht die Frage in der Überschrift, wie hoch der Wert sein sollte. Denn anders formuliert ergibt sich daraus ja auch die Frage, wann man den Wert oder besser die Fehlfunktion der Schilddrüse behandeln muss.

Was ist eine latente Schilddrüsenunterfunktion?

Lage der normalen Schilddrüse
© clipdealer.com

So können beispielsweise die Schilddrüsenhormonwerte noch völlig in Ordnung sein, aber der TSH-Wert deutlich erhöht. Dabei handelt es sich um eine subklinische Hypothyreose. Wenn die Spiegel der Schilddrüsenhormone fT4 und fT3 im Normbereich sind, der TSH-Wert jedoch erhöht (größer 4 mU/l), dann spricht man von einer solchen subklinischen Hypothyreose. Ungefähr 16% der deutschen Bevölkerung ist von einer solchen Unterfunktion betroffen.

Generell orientiert man sich gegenwärtig an dem Richtwert von 4 mU/l orientiert und bei normalen Schilddrüsenwerten erst bei Überschreiten dieser Grenze Schilddrüsenhormone verabreicht. Auch wenn diese Grenzwerte keinesfalls Normwerte sind, so ergibt sich bei den meisten Betroffenen nach Auffassung der meisten Endokrinologen kein Behandlungsbedarf, solange keine Symptome der Unterfunktion erkennbar sind. (Aus: Schilddrüse und Kinderwunsch: Wann muss man behandeln?)

Idealwert TSH bei Kinderwunsch?

Man sieht also, dass durchaus recht viele Menschen von einer solchen latenten Unterfunktion betroffen sind, demzufolge gilt dies auch für Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch. DEN Idealwert des TSH bei Kinderwunsch gibt es jedoch nicht. Oft wird berichtet, dass der Wert möglichst unter 1,0 mU/l liegen sollte. Das stimmt so nicht. Dieser Wert wird meist als Zielgröße genannt, wenn Antikörper gegen die Schilddrüse vorliegen („Hashimoto“). Hier ist die eher „strenge“ Einstellung durchaus sinnvoll.

Bei ansonsten schilddrüsengesunden Frauen werden meist Werte zwischen 2,0 und 2,5 als Obergrenze genannt. Feste Richtlinien gibt es hier jedoch nicht. Die Neigung, gegebenenfalls auch einmal überzutherapieren besteht weiterhin, wird aber von den Fachgesellschaften nicht angeraten.

TSH bei IVF

Im Rahmen einer künstlichen Befruchtung wird ebenfalls oft die Grenze von 2,0 oder 2,5 genannt. Wie weiter oben bereits erwähnt, neigt man im Zweifel eher zu einer Übertherapie. Ist es wirklich von so großer Bedeutung, den TSH-Wert auf unter 2,0 oder gar 1,0 hinunter zu zwingen? Wenn bereits wegen einer latenten Unterfunktion der Schilddrüse behandelt wird, dann scheint es eher von untergeordneter Bedeutung zu sein, ob der Wert über oder unter 2,5 mU/l liegt1)Cai Y, Zhong L, Guan J, Guo R, Niu B, Ma Y, Su H.
Outcome of in vitro fertilization in women with subclinical hypothyroidism.
Reprod Biol Endocrinol. 2017 May 25;15(1):39
. Eine andere Studie mit fast 1.600 Frauen, die eine einzelne Blastozyste mit erwiesen normalem Chromosomensatz transferiert bekam, untersuchte, ob es unterhalb eines Werts von 2,5 zu besseren Ergebnissen kommt, wenn der TSH-Wert besonders stark abgesenkt wird 2)Green KA, Werner MD, Franasiak JM, Juneau CR, Hong KH, Scott RT Jr
Investigating the optimal preconception TSH range for patients undergoing IVF when controlling for embryo quality.
J Assist Reprod Genet. 2015 Oct;32(10):1469-76.
. Hier fanden sich keine Unterschiede hinsichtlich Einnistung, Fehlgeburtenrate oder Anzahl der Lebendgeburten in unterschiedlichen Bereichen zwischen 0,5 bis 2,5.

TSH in der Schwangerschaft

Insbesondere in dem ersten Drittel der Schwangerschaft ist der Bedarf an Schilddrüsenhormon besonders groß. Oft steigt in dieser Zeit daher auch der TSH-Wert an. Ein Zusammenhang mit Fehlgeburten konnte nachgewiesen werden und gilt offenbar auch für geringe Abweichungen von der Norm3)Negro R, Schwartz A, Gismondi R, Tinelli A, Mangieri T, Stagnaro-Green A. Increased Pregnancy Loss Rate in Thyroid Antibody Negative Women with TSH Levels between 2.5 and 5.0 in the First Trimester of Pregnancy.
J Clin Endocrinol Metab. 2010
.

Daraus leitete man ab, dass bereits vor einer Schwangerschaft auf die ausreichende Versorgung mit Schilddrüsenhormonen zu achten sei. Die Folge war für den TSH bei Kinderwunsch eine sehr strenge Vorgehensweise bis hin zum Dogma „Der TSH bei Kinderwunsch sollte unter 1,0 mU/l liegen“. Aber selbst bei Frauen mit einer subklinischen („latenten“) Unterfunktion der Schilddrüse (TSH hoch, aber Schilddrüsenhormone in Ordnung) scheint eine Behandlung mit L-Thyroxin vor der Schwangerschaft nicht notwendig zu sein, wenn sie direkt zum Beginn der Schwangerschaft angefangen wird. Zu dieser Vorgehensweise rät auch die American Thyroid Association (ATA) in ihren neuen Richtlinien.

Ob man sich bei Kinderwunsch-Behandlungen oder bei wiederholten Fehlgeburten nicht doch lieber für die frühzeitige Therapie entscheiden sollte, wird weiterhin diskutiert werden.

Wie sollte man denn nun behandeln?

Die Antwort auf diese Frage wurde hier bereits ausführlich beantwortet in dem weiter oben auch bereits verlinkten Artikel „Schilddrüse und Kinderwunsch: Wann muss man behandeln?

 


Literatur   [ + ]

1. Cai Y, Zhong L, Guan J, Guo R, Niu B, Ma Y, Su H.
Outcome of in vitro fertilization in women with subclinical hypothyroidism.
Reprod Biol Endocrinol. 2017 May 25;15(1):39
2. Green KA, Werner MD, Franasiak JM, Juneau CR, Hong KH, Scott RT Jr
Investigating the optimal preconception TSH range for patients undergoing IVF when controlling for embryo quality.
J Assist Reprod Genet. 2015 Oct;32(10):1469-76.
3. Negro R, Schwartz A, Gismondi R, Tinelli A, Mangieri T, Stagnaro-Green A. Increased Pregnancy Loss Rate in Thyroid Antibody Negative Women with TSH Levels between 2.5 and 5.0 in the First Trimester of Pregnancy.
J Clin Endocrinol Metab. 2010
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Kommentar

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8 Kommentare
  1. Lilja schreibt

    Stimmt mit der Kommentarfunktion etwas nicht? Ich hatte vor einigen Stunden einen umfangreichen Kommentar geschrieben, der zunächst auch sichtbar war und der ist nun einfach weg???

  2. Elmar Breitbach schreibt

    Doch, es ist alles in Ordnung. Allerdings haben Sie hier einen umfangreichen Text von woanders hineinkopiert und die Quellenangabe führte auf eine Seite im Aufbau. Das ist dann rechtlich nicht ganz unproblematisch. Zum einen. Zum anderen macht es wenig Sinn, einen umfangreichen Text zu kommentieren, indem man einen weiteren komplettenund umfangreichen Artikel, der jedoch noch nicht einmal deckungsgleich ist, in den Kommentaren hinzukopiert.

    Fragen oder Anmerkungen zu Details des obigen Artikels wären das, wozu diese Kommentarfunktionen gedacht sind. UNd diese sind natürlich herzlich willkommen.

  3. sowahr schreibt

    Hallo,
    was empfehlen Sie denn bei der Basis-Diagnostik zu untersuchen? TSH, ft3, ft4, TPO-AK, Sono? Viele Hausärzte, Gyns nehmen ja nur TSH ab und eine latente Unterfunktion (gibt es denn auch eine latente ÜF?) bzw. Hashi würde ja somit übersehen (vorliegende Symptome würden woanders hingepackt werden unter Umständen).
    In ihrem ganz untern verlinkten Artikel sagen Sie: „während die Schilddrüsenhormone fT3 und fT4 erst bei der medikamentösen Einstellung einer evtl. nachgewiesenen (latenten) Hypothyreose nachgewiesen werden müssen
    Aus: Schilddrüse: Behandlung von Schilddrüsenstörungen > Theorie von http://www.wunschkinder.net“ Wie weist man eine latente Funktion in anderer Weise nach wenn man keine freien Werte mitmisst? Sonographie mit Befund recht kleine Schilddrüse (hier gibt es wohl (leider) keinen Grenzwert)?
    Dankeschön! 🙂

  4. Elmar Breitbach schreibt

    Zum Screening reicht eigentlich TSH und TPO-AK. Sind die Antikörper negativ und der TSH max. 2-2,5, dann bringen fT3 und fT4 auch keine zusätzlichen Informationen. Eine latente Unterfunktion ist dann sehr unwahrscheinlich und bei fehlenden AK auch eine zu kleine Schilddrüse. Gibt es dort Auffälligkeiten (am häufigsten: TPO-AK pos bei normalem TSH), dann sollte man die freien Werte auch testen und ggf. auch einen Ultraschall durchführen lassen.

    Aber Sie haben natürlich recht: die antikörpernegativen Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse wird man nur mit einem zusätzlichen Ultraschall gänzlich ausschließen können.

  5. sowahr schreibt

    Hallo,
    ich glaube ich habe den zweiten Teil diesen Satzes nicht ganz verstanden: „Eine latente Unterfunktion ist dann sehr unwahrscheinlich und bei fehlenden AK auch eine zu kleine Schilddrüse.
    Aus: TSH und Kinderwunsch: Wie hoch sollte der Wert sein? von http://www.wunschkinder.net
    Hat man bei einer eher (zu) kleinen Schilddrüse vermutlich auch Antikörper? Da die Schilddrüse von den Antikörpern eher „zerstört“/angegriffen wird oder weil die Schilddrüse selbst AKs produziert so dass sie wegen „der Arbeit die sie damit hat“ klein ist/schrumpft?
    Habe selbst eine eher kleine SD (9-10ml), geringe freie Werte (aber noch in Norm) aber keine AKs über Referenzwert (TSH schwankend zwischen 0,8-2,5).
    Lieben Dank!

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Ja, man hat bei Antikörpern (und längerem Krankheitsverlauf) auch mit einer Größenabnahme der Schilddrüse zu rechnen. Das Immunsystem produziert die Antikörper, die Schilddrüse wird davon beeinträchtigt.
    wenn bei Ihnen keine Antikörper nachweisbar sind, könnte es aber dennoch sein, dass Sie eine (jetzt kommt was ganz Diffuses) antikörpernegative Autoimmunthyreopathie haben können, die aber die Schilddrüsenhormonproduktion bei Ihnen noch nicht beeinträchtigt (latent evtl. aber schon).
    Leider alles aus der Ferne naturgemäß eher spekulativ…

  7. sowahr schreibt

    Vielen Dank für Ihre Antwort!
    Wie weise ich eine antikörpernegative Autoimmunthyreopathie nach? Über eine Sonographie (Echo, Struktur)? Oder über weitere/andere Blutwerte?
    Bei der Sonographie wurden nämlich noch kleinere (unter 1cm) echoinhomogene Strukturen erkannt.
    Lieben Dank!

  8. Elmar Breitbach schreibt

    Genau. Sonographisch stellt man diese Diagnose.