Schilddrüsenantikörper und ICSI: Beeinträchtigen sie die Erfolgsraten?

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Eine gute Schilddrüsenfunktion oder eine gute medikamentöse Einstellung einer Fehlfunktion dieses Organs hilft, schwanger zu werden und auch zu bleiben. Was ist aber wenn Schilddrüsenantikörper nachweisbar sind? Haben diese einen negativen Einfluss auf den Ausgang einer künstlichen Befruchtung?

Kürzlich hatten wir hier eine Studie vorgestellt, die zeigte, dass die Gabe von Schilddrüsenhormonen nicht immer notwendig ist, wenn Frauen Schilddrüsenantikörper („Hashimoto“) aufweisen. Zumindest, wenn diese Patientinnen eine normale Schilddrüsenfunktion haben, verbessert die Gabe von L-Thyroxin die Schwangerschaftsrate bei einer künstlichen Befruchtung nicht1)Wang H et al.
Effect of Levothyroxine on Miscarriage Among Women With Normal Thyroid Function and Thyroid Autoimmunity Undergoing In Vitro Fertilization and Embryo Transfer: A Randomized Clinical Trial.
JAMA. 2017 Dec 12;318(22):2190-2198. doi: 10.1001/jama.2017.18249.
. Dem, was normal ist, hatten wir hier – zumindest bezüglich des TSH-Wertes – bereits einen Artikel gewidmet.

Sind Schilddrüsenantikörper überhaupt von Bedeutung?

Natürlich sind sie das. Denn diese Antikörper sind gegen das Schilddrüsengewebe gerichtet und führen daher oft zu einer Unterfunktion des Organs. Aber wenn die Schilddrüse normal arbeitet und nur die Antikörper nachweisbar sind, spielen sie dann eine Rolle? Nimmt man die Ergebnisse der oben zitierten Studie als Grundlage, dann sind die Schilddrüsenantikörper alleine zumindest kein Grund, eine Therapie mit L-Thyroxin zu beginnen. Daraus ließe sich ja ableiten, dass diese Antikörper für sich gesehen gar keinen Einfluss haben auf die Erfolgsrate bei einer künstlichen Befruchtung.

Solche Ableitungen sind zwar nachvollziehbar, aber nicht zulässig. Sie können nur Grundlage für weitere Forschungen sein, mit anderen Worten, eine Arbeitshypothese für weitere Studien. Wie es der Zufall nun will, ist zur aktuellen Abrundung des Themas genau eine solche Studie publiziert worden. Hierbei wurden die Daten von vier Studien zusammengefasst (Metaanalyse), in denen die Schwangerschaftsraten von Frauen mit und ohne Schilddrüsenantikörper untersucht wurden2)Poppe K, Autin C, Veltri F, Kleynen P, Grabczan L, Rozenberg S, Ameye L
Thyroid autoimmunity and intracytoplasmic sperm injection outcome: a systematic review and meta-analysis.
J Clin Endocrinol Metab. 2018 Mar 12. doi: 10.1210/jc.2017-02633
.

ICSI: Kein Unterschied mit oder ohne Schilddrüsenantikörper

In dieser Übersichtsarbeit wurden die Ergebnisse von 1855 ICSI-Zyklen zusammengefasst. Bei 290 behandelten Frauen konnten Antikörper nachgewiesen werden, bei 1565 war dies nicht der Fall. Die Schwangerschaftsrate betrug 39 bzw. 41 Prozent, lag also gleichauf. Nun wird der Autoimmunerkrankung der Schilddrüse zugeschrieben, ein hohes Risiko für Fehlgeburten zu bewirken. Dies vor allem deswegen, weil die Schilddrüse unter dem Angriff des Immunsystems nicht mehr in der Lage sein soll, den erhöhten Bedarf an Schilddrüsenhormonen in der Frühschwangerschaft zu decken.

Auch kein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten

Aber auch das konnte in dieser Studie nicht nachgewiesen werden. Die Schwangerschaften hatten unabhängig vom Nachweis der Schilddrüsenantikörper den gleichen Verlauf. Weder war das Risiko für Fehlgeburten bei Antikörpernachweis erhöht noch war die Rate an Lebendgeburten niedriger. Und das, obwohl der TSH-Wert bei den antikörperpositiven Frauen in der frühen Schwangerschaft signifikant höher war als bei jenen ohne die Antikörper.

Bei einer schilddrüsengesunden Frau (mit normalen Schilddrüsenhormonen) führt das Vorhandensein von Schilddrüsenantikörpern weder zu einer schlechteren Erfolgsrate bei Kinderwunschbehandlungen noch ist das Risiko für Fehlgeburten erhöht.
Das ist zumindest das zusammenfassende Ergebnis dieser aktuellen Studien. Sicher muss man nicht gleich alles über den Haufen werfen, was man bislang zum Thema Schilddrüse und „Hashimoto“ gelesen und gelernt hat. Vorsicht ist immer ein guter Berater und ein paar Mikrogramm L-Thyroxin schaden meist nicht, wenn man im Zweifel ist. Aber die Antikörper für alles verantwortlich zu machen, was bei Kinderwunsch nicht funktioniert, ist sicher falsch.
Und die Quintessenz dieser Daten ist, dass Schilddrüsenantikörper zu haben (bei normalen Schilddrüsenhormonen) nicht bedeutet, dass man auch krank ist.

Literatur   [ + ]

1. Wang H et al.
Effect of Levothyroxine on Miscarriage Among Women With Normal Thyroid Function and Thyroid Autoimmunity Undergoing In Vitro Fertilization and Embryo Transfer: A Randomized Clinical Trial.
JAMA. 2017 Dec 12;318(22):2190-2198. doi: 10.1001/jama.2017.18249.
2. Poppe K, Autin C, Veltri F, Kleynen P, Grabczan L, Rozenberg S, Ameye L
Thyroid autoimmunity and intracytoplasmic sperm injection outcome: a systematic review and meta-analysis.
J Clin Endocrinol Metab. 2018 Mar 12. doi: 10.1210/jc.2017-02633
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