Schadet Ibuprofen den Spermien?

Die männliche Zeugungsfähigkeit wird von dem beliebten Schmerzmedikament möglicherweise beeinträchtigt

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Eine Studie belegt, dass die regelmäßige Einnahme von Schmerzmitteln den männlichen Hormonhaushalt beeinflusst. Möglicherweise schadet Ibuprofen den Spermien und der männlichen Zeugungsfähigkeit.

Das frei erhältliche und gut verträgliche Schmerzmittel Ibuprofen erfreut sich einer großen Beliebtheit bei Schmerzgeplagten und wird bei chronischen Schmerzen dann auch gerne einmal über einen längeren Zeitraum eingenommen. Eine aktuelle Studie aus Frankreich und Dänemark1)Kristensen DM, Desdoits-Lethimonier C, Mackey AL, Dalgaard MD, De Masi F, Munkbøl CH, Styrishave B, Antignac JP, Le Bizec B, Platel C, Hay-Schmidt A, Jensen TK, Lesné L, Mazaud-Guittot S, Kristiansen K, Brunak S, Kjaer M, Juul A, Jégou B
Ibuprofen alters human testicular physiology to produce a state of compensated hypogonadism.
Proc Natl Acad Sci U S A. 2018 Jan 8. pii: 201715035. doi: 10.1073/pnas.1715035115.
untersuchte den Einfluss des Ibuprofens auf die männliche Hormonproduktion.

Abnehmende Spermienqualität: Medikamentenfolge?

In diversen Beobachtungsstudien konnte nachgewiesen, dass die Spermienkonzentration in der westlichen Welt über die letzten Jahrzehnte kontinuierlich abgenommen hat. Es gibt zahlreiche mögliche Erklärungen dafür, als Beispiel sei hier einmal Bisphenol A genannt. Auch häufen sich Hinweise auf einen möglichen Zusammenhang zwischen der mütterlichen Verwendung von Schmerzmedikamenten und antiandrogenen (gegen männliche Hormone gerichtet) Effekten bei der fetalen Entwicklung. Es lag daher nahe, auch den Effekt auf den Hormonhaushalt erwachsener Männer zu untersuchen.

Ibuprofen wirkt auf den männlichen Hormonhaushalt

Im Rahmen der Studie wurden die Hormone von 31 Männern untersucht. Vierzehn von Ihnen erhielten über einen Zeitraum von sechs Wochen jeden Tag 1200 mg Ibuprofen (Insgesamt 50 Gramm!), die anderen ein Placebo. Bereits nach zwei Wochen waren die ersten Änderungen im Hormonhaushalt erkennbar. Zunächst sank der Blutspiegel des Testosterons, welches im Hoden gebildet wird. In der Folge stieg dann das LH an (Luteinisierendes Hormon), welches von der Hirnanhangsdrüse augeschüttet wird, um die Testosteronproduktion im Hoden anzuregen. Dadurch steigt dann der Testosteronwert wieder in den Normalbereich zurück. Diese Situation nennt sich „kompensierter Hypogonadismus“, da die Fehlfunktion der Hoden durch eine erhöhte Aktivität der Hypophyse kompensiert wird.

Die Wissenschaftler untersuchten auch Zellkulturen mit Hodenzellen und die Wirkung des Ibuprofen auf deren Hormonsynthese. Das Schmerzmittel senkte auch hier direkt die Aktivität der Gene für die Testosteronproduktion.

Schadet Ibuprofen den Spermien oder nur den Hormonen?

Der Einfluss des Schmerzmittels auf den männlichen Hormonhaushalt war somit recht eindeutig belegbar. Wichtig ist jedoch auch der Hinweis, dass die hormonellen Veränderungen zwar eindeutig, aber sehr mild ausgeprägt waren.

Eine Frage aus andrologischer Sicht bleibt jedoch ungeklärt: Schadet Ibuprofen den Spermien, wird also die männliche Fruchtbarkeit vermindert? Eine Aussage dazu kann anhand der Ergebnisse nicht gemacht werden, denn das wurde nicht untersucht. Ein Zusammenhang ist sicherlich nicht auszuschließen, jedoch müsste dies in größeren Studien mit dieser neuen Fragestellung untersucht werden.

Aktuell ist ein Einfluss der chronischen Einnahme von Ibuprofen auf die Spermienqualität weder zu belegen, noch auszuschließen. Von einer länger dauernden Einnahme sollte man jedoch abraten. In Anbetracht der häufigen Verwendung dieses Schmerzmedikaments wären weitere Studien unbedingt wünschenswert.

 

 


Literatur   [ + ]

1. Kristensen DM, Desdoits-Lethimonier C, Mackey AL, Dalgaard MD, De Masi F, Munkbøl CH, Styrishave B, Antignac JP, Le Bizec B, Platel C, Hay-Schmidt A, Jensen TK, Lesné L, Mazaud-Guittot S, Kristiansen K, Brunak S, Kjaer M, Juul A, Jégou B
Ibuprofen alters human testicular physiology to produce a state of compensated hypogonadism.
Proc Natl Acad Sci U S A. 2018 Jan 8. pii: 201715035. doi: 10.1073/pnas.1715035115.
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Kommentar

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1 Kommentar
  1. CaraHope schreibt

    Da stellt sich mir die Frage, ob es auch Auswirkungen auf den weiblichen Hormonhaushalt hat. Aber eine gewisse Vorsicht im Umgang mit Medikamenten scheint einfach generell nicht falsch zu sein.

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