Unser Kind war gewollt – aber nicht bestellt


Was passieren kann, wenn man seine Geschichte auf dem Weg zum Wunschkind einer Zeitung erzählt, ist hier nachzulesen. Eine sehr persönliche Geschichte über eine donogene Insemination (Spermienspende) wurde zu einem Reißer-Artikel verfremdet, in dem sich das interviewte Paar nicht mehr wiedererkennen konnte:

  • Bestellte Kinder
  • Generation ohne Väter
  • Wunschkind oder Bestellkind, egoistisch gehandelt oder Leben geschenkt.
  • „Ich wusste, ich bekomme ein eigenes Kind, egal wie“
  • Keine sanfte Empfängnis fand hier statt, das wird offenbar, eher ein Kampf, auch gegen Ärzte, die es ihr schwer machten
  • […] und ansonsten meist stumm bleibt. Ein Treffen mit dem Spender, nein, das will Ralf Merten nicht.
  • „Kinderwunsch, diskrete und schnelle Lieferung“

Der Artikel ist nicht durchgängig tendenziös und stellt auch einige richtige Fragen. Vermutlich basierend auf den Antworten, die „Bettina Merten“ der Redakteurin gab. Aber vieles, was sie sagte, wurde verdreht und uminterpretiert, bei der Gegenüberstellung mit Aussagen einer Frau, die durch die donogene Insemination entstanden war, geht sie mit ihrer eigenen Geschichte als egozentrische Verliererin unter.

Der Artikel mischt auf tendentiöse Art zwei Problemfelder: Es ist eine ungeheuerliche Kränkung über seine Herkunft belogen zu werden. Deshalb muß die Art der Herkunft aber noch lange nicht schlecht sein. In sehr vielen Familien ist durch DI einfach nur unendliches Glück entstanden.

… so ein Kommentar zu der Onlineausgabe des Artikels.

Die Darstellung ihres Mannes als jemand, der stumm sein Schicksal als unfruchtbares Opfer des Fortpflanzungswunsches seiner Frau erträgt, kann ebenfalls kein Verständnis für sie oder für andere Paare in der gleichen Situation erwecken.

So erscheint die Story am 28.12. im Tagesspiegel.

Nein, „Bettina Merten“ und ihr Mann hatten ihren Sohn nicht bestellt. Aber gewollt und auf einem sehr mühsamen Weg auch bekommen. Mühsam genug, um auch die Anstrengungen nicht zu scheuen, gegen diesen Artikel des Tagesspiegels vorzugehen. Das Resultat ist leider keine Gegendarstellung, aber ein sehr gelungener und ausführlicher Leserbrief, der heute im Tagesspiegel abgedruckt wird und hier online einsehbar ist. Und unbedingt lesenswert.


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Kommentar

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10 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    jule schreibt

    Wir sind Tagesspiegel-Leser und ich war bisher immer der Meinung, dass das eine seriöse, erfreulich kritische und gut recherchierte Tagszeitung sei.

    Die Geschichte von Rebella hat mich echt schockiert (und das passiert eigentlich nicht so oft…).

    Immerhin: das dieser Leserbrief abgewdruckt wird ist wenigstens etwas. Warum eigentlich keine Gegendarstellung? Und gabs eine persönliche Entschuldigung der Redakteurin? Nun immerhin kann man vermuten, dass ihr Chef von der ganzen Geschichte nicht so begeistert war und ihr entsprechend die Meinung gesagt hat… 😉

    Schönen Sonntag! (Werd jetzt mal den Tagesspiegel lesen ;-))

    Jule

  2. Elmar Breitbach
    Kiba schreibt

    Als ich den Link hier online einsehen klickte, bekam ich von Kaspersky eine Trojaner Warnung.
    Es ist also anzunehmen, dass in dem Leserbrief ein Trojaner steckt.
    Seid bitte vorsichtig, besonders, wenn ihr keine aktuellen Schuztprogramme habt.

  3. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Ein Trojaner in einem Leserbrief des Tagesspiegels???

    hm, war da nicht vielmehr vorher dann noch eine Layer-Werbung? Die lösen manchmal einen Fehlalarm aus…

  4. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Vielen Dank für das Einstellen der beiden Artikel.

    Wir sind ehrlich gesagt nicht 100% glücklich, denn wir hatten eine Gegendarstellung verabredet und keinen Leserbrief. Eine Gegendarstellung ist deutlich als solche zu kennzeichnen und muss auch auf der gleichen Seite stehen, wie der Artikel, zu dem man eben Fakten richtig stellt.

    Hervorheben möchte ich auch noch mal, dass ich ….. mehrfach per mail gefragt habe, wo genau sie diesen Slogan gefunden hat: „Kinderwunsch, diskrete und schnelle Lieferung“. Und sie hat mir diese Frage nicht beantwortet. Daher kann man wohl von einer Erfindung ausgehen, was insbesondere der damit in Frage gestellten Ärzteschaft nicht gleichgültig sein sollte. Für mich ist eine solche Art der Werbung völlig unverständlich und ich bezweifele die auch!

    Die Frage, die wir uns hier alle nach so einer Erfahrung stellen sollten (mir hat eine andere Frau per mail eine ähnliche Erfahrung mit einer Fernsehsendung gemailt), ist:

    Wie können wir uns zukünftig vor solchen Fehldarstellungen schützen?

  5. Elmar Breitbach
    E. Breitbach schreibt

    Wie können wir uns zukünftig vor solchen Fehldarstellungen schützen?

    Theoretisch mit vorab zu unterschreibenden Verträgen. Was allerdings zur Folge hätte, dass das Interesse für eine Veröffentlichung sinkt, wenn man bereits im Vorfeld zu restriktiv ist. Denn andererseits ist der Weg an die Öffentlichkeit wichtig. Eine Zwickmühle…

  6. Elmar Breitbach
    Pat schreibt

    @rebella: Das war aber nicht zufällig Tag 7 Wunschkind ohne Papa. Das war nämlich auch ein wirklich komischer und irre führender Beitrag. Und wieso zerren sie immer eine so verzerrte junge Frau deren Eltern wohl alles falsch gemacht haben im Umgang mit DI, was Eltern nur falsch machen konnten, als Beispiel für DI-Kinder ran. Es gibt genug, die kein Problem damit haben, weil sie es nicht erst mit 25 erfahren, sondern aufgeklärt mit der Situation aufwachsen. Sind die Redakteure wirklich so verdunkelt?

  7. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    Pat, das wird wohl daran liegen, dass andere Menschen, die auf diesem Weg gezeugt wurden, es entweder gar nicht erfahren haben oder aber früher erfahren haben und somit auch kein Problem mit der Art der Entstehung. und wo kein Problem ist, ja, warum soll man da an die Öffentlichkeit gehen?

    Aus Sicht der Medienmenschen ist es so, dass sie natürlich nur solche Leute interviewen können, die für sie greifbar und auch dazu bereit sind. Da gibt es dann nicht allzu viele. …

  8. Elmar Breitbach
    atonne schreibt

    Leider musste auch ich schon häufiger feststellen, dass man als Kinderwünschi gern in die Egoisten-Ecke gestellt wird. Natürlich ist Kinderwunsch in erster Linie ein persönliches Problem, das auch mit Egoismus zu tun hat, aber warum gilt das nur für die als Makel, die auf natürlichem Weg keine eigenen Kinder bekommen können, nicht aber für die anderen?
    Kein Wunder, dass es in einem Land mit so tendenziöser Ablehnung von Kindern, denn das gleiche Vorurteil trifft ja auch kinderreiche Familien (mit Ausnahme bekannter Politikerinnen vielleicht…).
    Man sollte lieber froh sein über jedes Kind, das gewollt und gewünscht ist und mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer liebevollen Umgebung aufwächst, anstatt den (potentiellen) Eltern ein schlechtes Gewissen einzureden, wenn man Kinder anders als auf dem üblichen Weg zeugt.

  9. Elmar Breitbach
    Rebella schreibt

    atonne – zum Thema Egoismus ließe sich viel sagen. Wenn wir alle nicht so egoistisch wären, würden wir unser gesamtes Hab und Gut (bis auf einen Rest zum Überleben) an Menschen in armen Ländern verschenken. Da soll sich mal jeder an seine eigene Nase fassen. …

    Ich habe mir jedenfalls für ein eventuelles nächstes Mal vorgenommen, wirklich einen schriftlichen Vertrag zu machen (mit Vertragsstrafe). Und ein Journalist, der nicht darauf eingehen will, hat wahrscheinlich eh wieder sowas in der Art im Sinn – und da kann ich dann auch drauf pfeifen! Zumindest Paare mit HI, die auch mit den Medien bereit sind zu reden, gibt es ja nicht so viele. Da sollten sie im Prinzip froh sein, wenn überhaupt einer mit ihnen redet …

  10. Elmar Breitbach
    gumpy schreibt

    @Kiba
    leider kam bei mir die Warnung zu spät …und ich habe Stunden am Sonntag damit verbracht meinen PC wieder fit zu bekommen ,obwohl ich auch Kaspersky drauf habe???