Kinderwunsch: Nachrichten aus Fach- und Laienpresse

Präimplantationsdiagnostik wird kaum nachgefragt

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Was hatte man für Ängste vor einem ethischen Dammbruch damals. Von Designerbabies als Normalfall war die Rede und mit dem Hinweis auf die Gefahr des Ausmerzens unerwünschter Eigenschaften wurden zum Teil Verbindungen mit den dunkelsten Zeiten der deutschen Geschichte geknüpft. Worum es damals eigentlich ging und was den Bundestag dann schließlich bewog, die PID in strengen Grenzen auch in Deutschland, hatte ich damals in einem Gastbeitrag für Spektrum ausführlich erläutert.

Ein Dammbruch sieht anders aus

Wer nun glaubte, dass sich die Präimplantationsdiagnostik als Routinebehandlung in der Reproduktionsmedizin etablieren würde, lag völlig daneben, wie eine Nachfrage der „Hannoverschen Allgemeinen“ ergab. Seit der Einführung 2014 seien bundesweit nur 46 Anträge auf Genehmigung der Präimplantationsdiagnostik bei der zuständigen Ethikkommission eingegangen, berichtet die Zeitung gestern. Vier Kinder seien bis Juni dieses Jahres geboren worden. Bei der Einführung dieses umstrittenen Diagnoseverfahrens war mit jährlich etwa 200 Fällen gerechnet worden. Wir liegen aktuell also noch weit unter diesem Schnitt.

Die Kosten sind zu hoch

Foto von Bruno C. Vellutini
Die genetische Untersuchung eines Embryos ist nicht nur kompliziert, sondern vor allem teuer.

Die niedrige Bereitschaft der von schweren Erberkrankungen betroffenen Paare, sich einer solchen Behandlung zu unterziehen, wird nicht das Problem sein. Der Leidensdruck ist oft immens und jede Hilfe würde sicherlich dankbar angenommen. Auch wird man davon ausgehen können, dass in Deutschland mehr als diese knapp 50 Paare mit Erberkrankungen in fortpflanzungsfähigem Alter existieren. Der Bedarf ist sicher größer als es diese Zahlen wiedergeben.

Das Bundessozialgericht hat Ende des letzten Jahres entschieden, dass die Kosten für eine Präimplantationsdiagnostik und auch der dazu notwendigen künstlichen Befruchtung nicht von den Krankenkassen übernommen werden müssen (Urteil des BSG vom 18.11.2014, Az.: B 1 KR 19/13 R). Da kommen schnell mal 10.000 Euro zusammen. Aber bevor es dazu kommt, schlägt alleine der Antrag für die PID bei der Ethikkommission mit 1.500 Euro zu Buche.

Edit: Unten in den Kommentaren findet sich eine übersicht der Kosten für die Ethikkommission, die offenbar in den Bundesländern unterschiedlich hoch sein können und bis zu 5.000 Euro reichen.

Die Gegner der PID dürfen sich freuen: Die fehlende Kostenübernahme durch die Krankenversicherungen wirkt fast so gut wie ein Verbot der Methode.

Foto von Bruno C. Vellutini


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Kommentar

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11 Kommentare
  1. greta schreibt

    wie ätzend!

  2. Luzie schreibt

    Kann mich Greta nur anschließen, einfach eine Sauerei!

    Da nimmt man lieber Schwangerschaftsabbrüche mit allen Risiken und Folgekosten in Kauf, zum Nachteil der betroffenen Paare.
    Schlicht zum Kotzen.

  3. Birgit Schwemmle schreibt

    Es ist einfach eine Sauerrei.
    als wäre die Spätabtreibung besser. Hätten Wir eltern nicht vorher schon genug durchgemacht.
    Die Ethikkommission wäre schön mit 1500- es ist bis zu 4000€ möglich. Und in der Klinik kommt man mit den 10.000€ auch nicht weit- eher 16.000- 20.000€ .

  4. Oktobersonne schreibt

    Ja, da schließe ich mich Luzie an. Es ist scheinheilig und zum k…en. Allein den Antrag mit 1500,- € als Kosten zu veranschlagen ist eine Frechheit. Für das Durchschauen von ein paar Aktenunterlagen? Denn die genet. Diagnostik muß ja schon vorher erfolgt sein. Und dann wird darüber entschieden, ob es dem Paar zuzumuten ist noch ein paar Schwangerschaften zu erfahren, um sie dann bei medizin. Indikation doch erlaubt abzubrechen? Echt scheinheilig. Tja, da haben wohl wieder ein paar Bürohengste entschieden. Denn die Angst vor einem Mißbrauch halte ich aktuell noch vollkommen übertrieben, auch wenn man aus Asien tws. schon anderes hört. Und will man jeden Fortschritt vorsorglich verbieten? Arghhh, da schwillt mir der Kamm…..

  5. jase79 schreibt

    Und es kommt noch dreister >:/ Ich hab mich Anfang des Monats mit den Kosten der PID in Deutschland bei den sechs Ethikkommissionen eingehender beschäftigt:
    1) Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik Nord (Hamburg, Brandenburg, Bremen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein): 1.500 bis 3.000 Euro, Gebührenordnung der Ärztekammer Hamburg
    http://www.aerztekammer-hamburg.de/berufsrecht/Gebuehrenordnung_11_09_2014.pdf
    2) Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik bei der Landesärztekammer Baden-Württemberg (Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Thüringen): 1.500 bis 4.000 Euro, Gebühren für übertragene staatliche Aufgaben: Prüfung eines Antrags auf Durchführung einer Präimplantationsdiagnostik nach § 5 Abs. 1 PIDV, https://www.aerztekammer-bw.de/10aerzte/40merkblaetter/20recht/05kammerrecht/go.pdf

    3) Bayerische Ethikkommission für Präimplantationsdiagnostik: 100 bis 5.000 Euro, Kosten nach dem Kostengesetz (KG) vom 20. Februar 1998 (GVBl S. 43), http://www.gesetze-bayern.de/jportal/portal/page/bsbayprod.psml?showdoccase=1&doc.id=jlr-KostGBY1998rahmen&doc.part=X
    Für die Ethikkommissionen Berlin, NRW und Sachsen-Anhalt (die wie Bayern ihr eigenes Ding machen) waren die Kosten noch nicht nachvollziehbar.
    Und mit einem Antrag ist noch lange nicht geklärt, ob der auch wirklich bewilligt wird. Die Kosten würden trotzdem anfallen. D.h. ein betroffenes Paar ist im Zweifel, zumindest in Bayern, €5000 los und darf trotzdem keine PID machen. Und selbst wenn der Antrag bewilligt würde, ist auch der Anteil von Paaren, die Schwierigkeiten hätten, eine PID zu finanzieren (PID-Ethikvotum + Durchführung der PID) auch in Bayern nicht zu unterschätzen. Und überhaupt, leider richtet sich die Indikation für eine PID nicht nach dem Geldbeutel. Also was man sich dabei gedacht hat, ist einfach nicht nachzuvollziehen. Zumindest nicht mit gesundem Menschenverstand.

  6. Rebella schreibt

    Mit so hohen Gebühren kann man auch die Anzahl der Anträge klein halten. ….

    Davon aber abgesehen – ein Dammbruch hätte wirklich anders ausgesehen. Obwohl natürlich auch weiterhin Paare zur PID ins Ausland fahren.

  7. Luzie*** schreibt

    Bei der derzeitigen Regelung und den Preisen bleibt den meisten (normalverdienenden) Paaren nur der Weg ins Ausland. Zumal die dortigen Kliniken auch deutlich längere Erfahrungen mit der Technik haben als die dt. Kliniken.

  8. gruenegurke schreibt

    Deutschland braucht doch keine Kinder.

    Vermutlich haben wir nun mit den Fluechtlingen wieder genug Einwohner. Gauck faehrt ja auch nach Indien und will dort wieder Arbeitskraefte ‚anheuern‘.

  9. Paula schreibt

    Es ist eine absolute Unverschämtheit, was die Politik sich da überlegt hat. Wir kommen aus NRW und müssen wegen der unklaren Gesetzeslage der Länder in HH eine PID machen. Das ganze Hin und Her ist eine absolut psychische Herausforderung. Von den Kosten mal ganz abgesehen.
    Warum unterstützt die Politik nicht den Wunsch nach einem Kind?
    In den Medien wird immer wieder gesagt, wie kinderarm Deutschland ist. Kein Wunder bei den Gebühren und Hürden für eine PID. Es ist ein Studium und viel Orgakram notwendig, um erstmal das komplexe Verfahren bis zur PID zu durchlaufen. An unsere Belastungen denkt hierbei wohl kaum jemand.
    Einfach nur zum Kotzen.

  10. Bernd Hillebrand schreibt

    Ich bin Studentenpfarrer der KHG in Tübingen und ich veranstalte mit Studierenden regelmäßig Podiumsdiskussionen.
    Im nächsten Semester planen wir am Mittwoch, 20. April eine Podiumsdiskussion zum Thema: „PID und Kinderwunsch“. Es ist ein Abend, zu dem ca. 80-100 Studierende kommen.

    Wir haben dazu den Reproduktionsmediziner Dr. Mayer-Eichberger von der Kinderwunschklinik in Stuttgart eingeladen und haben eine Bioethikerin, Eve-Marie Engels, gewinnen können und suchen noch eine Person, die über PID sich einen Kinderwunsch erfüllen konnte.

    Es scheint mir wichtig zu sein, dass jemand aus der eigenen Erfahrung und Not berichten kann und an einem solchen Abend nicht nur theoretisch diskutiert wird. Und bei Studierenden investiert man in unsere Zukunft, was ich sehr wichtig finde.

    Daher möchte ich bei Ihnen anfragen, ob es sich jemand vorstellen könnte zum Podium nach Tübingen zu kommen. Es würde mich sehr freuen.
    Kontakt: Bernd Hillebrand, hillebrand@khg-tuebingen.de

  11. […] Ethikkommission erlauben zu lassen. Nicht zuletzt dadurch steigen die Kosten in einen Bereich, der viele Paare finanziell überfordert. Daher wird die Präimplantationsdiagnostik in Deutschland kaum nachgefragt. Man muss die PID also […]