Wie wirksam ist das Drilling bei PCO-Syndrom?


Das Syndrom der polycystischen Ovarien heißt so, weil sich im Ultraschall viele Eibläschen sehen lassen (polycystisch = viele Zysten).  Dies sind jedoch keine Zysten , sondern heranreifende Follikel. Durch Entfernen überschüssiger Follikel („Drilling“) erhofft man sich eine Verbesserung der Situation.

PCO: Viele Zysten sind des Eisprungs Tod

Das PCO-Syndrom zeichnet sich ja dadurch aus, dass sich an den Eierstöcken viele kleine Eibläschen befinden, diese Follikel aber nicht weiter reifen und daher der Eisprung ausbleibt. Zur Behandlung des PCOS gibt es eine Vielzahl an Ideen und Möglichkeiten, eine davon ist das sogenannte „Drilling“, bei dem man im Rahmen einer Bauchspiegelung die Überzahl an Follikeln abbaut, indem man diese zerstört. Dies geschieht entweder mechanisch mit einer elektrischen Nadel oder durch Laser. In der Fachliteratur wird dies auch oft als Laparoscopic ovarian drilling („LOD„)  bezeichnet. Es gibt aber tatsächlich auch einen deutschen Begriff: Stichelung. Wie auch immer man es nennt: Ziel ist dabei die Normalisierung der Follikelzahl und letztlich eine Normalisierung des Zyklus mit Eisprung.

Drilling: Die Symptome behandelt, die Ursachen bleiben?

Die Entfernung eines Teils der Follikel behandelt nur das Symptom, also den Überschuss an Eibläschen, nicht jedoch die hormonelle Störung, die zum PCO-Syndrom führte. Deswegen kann der Effekt des Drillings nicht von Dauer sein. Oft hält die Wirkung nur wenige Monate an, bei anderen Patientinnen normalisiert sich der Zyklus über mehr als ein Jahr. Systematische Untersuchungen hinsichtlich der Langzeitwirkung gibt es nur wenige. Wir stellten diese bereits im Jahre 2016 vor:

Kurzfristige Wirkung der LOD

In einer Studie aus Portugal1)Luz R, Barros J, Aguiar A, Rodrigues C, Soares AP, Nunes J, Sousa S, Calhaz-Jorge C
Short and Long-Term Efficacy of Laparoscopic Ovarian Diathermy in Women with Polycystic Ovary Syndrome.
Acta Med Port. 2016 Aug;29(7-8):441-448.
wird über 76 Frauen berichtet, die sich zwischen 2004 und 2013 einem solchen Eingriff unterzogen haben. Die kurzfristige Wirkung entsprach den bereits in anderen Studien gefundenen Ergebnissen. 70% der Frauen hatten nach dem Eingriff zunächst einen regelmäßigen Zyklus mit nachgewiesenem Eisprung. Ein gleichgroßer Anteil der Frauen wurde in der Folge auch schwanger, davon jedoch nur 60% ohne weitere medizinische Unterstützung. Eine Hormonbehandlung war die häufigste dieser Maßnahmen.

Langfristige Wirkung des „ovarian Drilling“

23 Patientinnen konnten langfristig nachverfolgt und befragt werden. Bei der Hälfte immerhin war der Zyklus weiterhin normal und regelmäßig. Nun gibt es sicherlich eine Vielzahl von Faktoren, weshalb eine Patientin mit einem PCO normale Zyklen bekommt und aufrecht erhalten kann. So können beispielsweise Gewichtsabnahme, eine Geburt und andere Ereignisse den Hormonhaushalt normalisieren. Es muss also nicht alles auf das Drilling zurückgeführt werden. Dennoch kann man davon ausgehen, dass manche Frauen auch langfristig von einer Reduktion der Follikelzahl profitieren.

Weitere Studien zur Behandlung des PCO-Syndroms mit Hilfe der Operation (LOD)

Zu diesem Thema ist nun eine aktuelle Cochrane Analyse bereits vorhandener Studien erschienen2)Bordewijk, E. M., Ng, K. Y. B., Rakic, L., Mol, B. W. J., Brown, J., Crawford, T. J., & van Wely, M. (2020). Laparoscopic ovarian drilling for ovulation induction in women with anovulatory polycystic ovary syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, (2). Untersucht wurden die Ergebnisse von Studien, in der Frauen behandelt wurden, die auf eine Hormonbehandlung mit Clomifen keinen Eisprung hatten (Clomifenresistenz).

Die Forscher begutachteten wissenschaftliche Arbeiten, die bei solchen Frauen die Ergebnisse einer alleinigen Hormonbehandlung mit Spritzen verglichen mit den Resultaten nach Drilling alleine oder in Kombination mit Hormongaben. 38 Studien konnten dazu gefunden werden, in denen die Ergebnisse von 3326 Frauen einflossen.

Magere Ergebnisse nach Drilling

  • Wertete man die Ergebnisse aller Studien aus, dann waren die Chancen auf eine Schwangerschaft nach Drilling sogar eher schlechter als mit einer Hormonbehandlung alleine
  • Nahm man nur die methodisch sehr guten – und damit aussagekräftigeren Studien – dann ergab sich kein Unterschied zwischen den beiden Behandlungsansätzen.
  • Auch bei einer Nachbeobachtung über einen Zeitraum von 6 Monaten fanden sich keine Unterschiede.
  • Etwas sicherer (mittlere Beweiskraft =“moderate-quality evidence“) ist die Aussage über das Auftreten von Mehrlingen. Nach einer Operation und Drilling der Eierstöcke reduziert sich das Risiko für Mehrlinge auf bis einem Fünftel.
  • Unterschiede hinsichtlich des Auftretens von Fehlgeburten waren nicht nachweisbar.
  • Nach der Stichelung der Eierstöcke kam es etwas weniger zu einem Überstimulationssyndrom als nach alleiniger Homonbehandlung.

Es ist unschwer erkennbar, dass entweder die Methode der LOD oder die Studien dazu die Vorteile des Drillings nicht erkennen lassen. Es ist weiterhin Bestandteil der Empfehlungen zur Behandlung des PCO-Syndroms3)Teede HJ, Misso ML, Costello MF, Dokras A, Laven J, Moran L, Piltonen T, Norman RJ; International PCOS Network
Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome.
Clin Endocrinol (Oxf). 2018 Sep;89(3):251-268.
. Allerdings empfahl man früher die Stichelung der Eierstöcke noch vor der IVF und nun lediglich als möglichen alternativen Behandlungsversuch.

Schlussfolgerung

In Anbetracht des Aufwands, den man betrieben muss (Bauchspiegelung), scheint der Eingriff die Chancen im Vergleich zur Hormonbehandlung nicht ausreichend zu erhöhen. Macht man jedoch ohnehin eine Bauchspiegelung, um die Funktion der Eileiter zu untersuchen, kann man das Drilling allerdings „nebenbei“ durchführen.

Und bei weniger Aufwand? Ist das Drilling dann sinnvoll?

Nun wurde bei der Schlussfolgerung ja darauf hingewiesen, dass auch der operative Eingriff durch die Bauchspiegelung ein Nachteil ist. Es gibt jedoch auch die Methode, die überzähligen Follikel mit Ultraschallhilfe durch die Scheidenwand zu punktieren. Das Verfahren ist dann ähnlich wie bei der Entnahme von Eizellen für eine künstliche Befruchtung. Das Verfahren nennt sich auf englisch „Ultrasound-guided transvaginal ovarian needle drilling“ kurz UTND.

Auch hierzu gibt es eine Übersichtsarbeit, die alle Studien zu dieser Methode zusammenfasst4)Zhang, J., Tang, L., Kong, L., Wu, T., Xu, L., Pan, X., & Liu, G. J. (2019). Ultrasound‐guided transvaginal ovarian needle drilling for clomiphene‐resistant polycystic ovarian syndrome in subfertile women. Cochrane Database of Systematic Reviews, (7). Im Vergleich zur LOD oder auch einer Hormonbehandlung ohne Stichelung finden sich hier keine wesentlichen Vorteile der UTND. Leider scheint auch das Drilling durch die Scheide keine wesentlichen Vorteile zu haben.


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Literatur   [ + ]

1. Luz R, Barros J, Aguiar A, Rodrigues C, Soares AP, Nunes J, Sousa S, Calhaz-Jorge C
Short and Long-Term Efficacy of Laparoscopic Ovarian Diathermy in Women with Polycystic Ovary Syndrome.
Acta Med Port. 2016 Aug;29(7-8):441-448.
2. Bordewijk, E. M., Ng, K. Y. B., Rakic, L., Mol, B. W. J., Brown, J., Crawford, T. J., & van Wely, M. (2020). Laparoscopic ovarian drilling for ovulation induction in women with anovulatory polycystic ovary syndrome. Cochrane Database of Systematic Reviews, (2).
3. Teede HJ, Misso ML, Costello MF, Dokras A, Laven J, Moran L, Piltonen T, Norman RJ; International PCOS Network
Recommendations from the international evidence-based guideline for the assessment and management of polycystic ovary syndrome.
Clin Endocrinol (Oxf). 2018 Sep;89(3):251-268.
4. Zhang, J., Tang, L., Kong, L., Wu, T., Xu, L., Pan, X., & Liu, G. J. (2019). Ultrasound‐guided transvaginal ovarian needle drilling for clomiphene‐resistant polycystic ovarian syndrome in subfertile women. Cochrane Database of Systematic Reviews, (7).
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