PCO-Syndrom: Funktioniert Akupunktur besser als Sport?


Das PCO-Syndrom ist eine der häufigsten hormonellen Störungen im Zusammenhang mit Zyklusunregelmäßigkeiten und unerfülltem Kinderwunsch.

Die Behandlung richtet sich neben der hormonunterstützten Wiederherstellung der Eierstocksfunktion gegen die Ursachen des PCO-Syndroms, wobei hier vor allem Übergewicht und die Insulinresistenz im Vordergrund stehen. Richtlinien oder vielmehr Vorschläge zur Vorgehensweise bei der Behandlung wurden von einer Arbeitsgruppe der ESHRE im Jahr 2008 veröffentlicht.

Neben diesen schulmedizinischen methoden gibt es zahlreiche weitere Therapieansätze, deren Wirksamkeit jedoch nicht oder nur unzureichend belegt ist. Im Hinblick auf die Akupunktur sind die Ergebnisse bislang veröffentlichten Studien eher durchwachsen und ohne Hinweis auf signifikante Verbesserung der PCO-typischen Probleme, insbesondere der Eierstocksfunktion. Eine neue Studie zur Wirksamkeit von Elektroakupunktur bei PCO scheint nun zu eindeutigeren Resultaten zu kommen.

Forscher von der University Gothenburg teilten 84 PCOS-Patientinnen im Alter von 18 bis 37 Jahren auf drei Gruppen auf: Eine Gruppe erhielt 16 Wochen lang eine Elektroakupunktur, die zweite Gruppe betätigte sich mindestens dreimal pro Woche sportlich und die dritte Gruppe diente als Kontrolle und erhielt keine weiteren therapeutischen Maßnahmen. Die Ergebnisse dieser Behandlungen wurden zu Beginn der Studie, nach 16-wöchiger Therapie und noch einmal 16 Wochen nach deren Ende erhoben.

Erhöhte männliche Hormone sind eine Folge der ausbleibenden Eisprünge bei PCO-Patientinnen (und sehr viel seltener die Ursache für das Ausbleiben der Ovulationen). Daher ist es als Therapieerfolg zu werten, wenn in der Sport- Akupunkturgruppe die Blutspiegel der männlichen Hormone absanken. Passend dazu nahm auch die Frequenz der Menstruationen in disen beiden Gruppen im Vergleich zur unbehandelten Kontrollgruppe signifikant zu.

Erstaunlicherweise waren die Behandlungserfolge bei den Frauen, die sich einer Akupunktur unterzogen noch besser als die der Sportgruppe. Die Wissenschaftler sahen diesen Erfolg begründet im hochaktiven sympathisches Nervensystem der PCO-Patientinnen, die durch Sport und Akupunktur gleichermaßen gesenkt werden konnten.

Wie immer muss man dazu sagen, dass die Fallzahl relativ klein ist und diese Aussage daher mit Vorsicht zur Kenntnis genommen werden muss. Kontrollstudien mit höheren Fallzahlen sind sicherlich notwendig, um diese Ergebnisse zu bestätigen, denn erstbeschreibenden Studien ist oft gemein, dass sie bessere Ergebnisse zeigen als später durchgeführte Kontrolluntersuchungen.

Jedel E, Labrie F, Odén A, Holm G, Nilsson L, Janson PO, Lind AK, Ohlsson C, Stener-Victorin E
Impact of electro-acupuncture and physical exercise on hyperandrogenism and oligo/amenorrhea in women with polycystic ovary syndrome: a randomized controlled trial.
Am J Physiol Endocrinol Metab. 2011 Jan;300(1):E37-45


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2 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Martin B. schreibt

    Nur ganz kurzer Senf, bevor ich zu Bett gehe: Ich vermisse beim kurzen Überfliegen die Kontrolle für die Akupunkturmaßnahmen. So kontrolliert die Studie nicht gegen die Behandlung von "Meridianen", die ja von zentraler Bedeutung für das Themengebiet sind.

    Wenn überhaupt, kann man ohne solche Kontrollen nur zeigen, dass die Behandlung mit Nadeln, die man in die Haut sticht, irgendeinen Effekt hat – ob’s nun an der Zuwendung, am Körperkontakt mit dem Therapeuten, an der Hautverletzung, der lokalen ENtzündungsreaktion oder mit der Entspannung während der Behandlung zu tun hat, lässt sich damit nicht bestimmen.

    Also: wenn man nicht gegen Akupunktur und die Relevanz der Meridiane kontrolliert (also etwa mit einer Behandlung an "falschen", also "nicht-Akupunktur-Punkten" oder mit "falschen" Nadeln) kann man eigentlich keine Schlüsse über Akupunktur ziehen.

    Viele Grüße
    Martin

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Meine Zustimmung. Das ist eigentlich das Grundproblem aller Akupunkturstudien: Eine echte Kontrolle ist nicht möglich, denn weder die "Sham procedure" noch Placebo-Nadeln sind als Kontrolle wirklich geeignet, da hatte ich mich hier auch schon drüber ausgelassen.