Myo-Inositol bei PCO-Syndrom. Eine Übersicht.

Die medikamentöse Behandlung des PCO-Syndroms geschieht meist mit Metformin. Ist Myo-Inositol bei PCO die bessere Alternative?


Das PCO-Syndrom führt zu Zyklusunregelmäßigkeiten. Damit einhergehend ist das Ausbleiben des Eisprungs. Neben verschiedenen anderen Medikamenten (wie z. B. Metformin und Clomifen) gibt es nun auch eine neuere Substanz: Zunehmend häufiger kommt Myo-Inositol bei PCO-Patientinnen zum Einsatz.

Es gibt bereits zahlreiche Studien, die einen positiven Effekt des Myo-Inositol (Z. B. Clavella) bei PCO belegen. Doch aktuell wird das Metformin noch häufiger eingesetzt.

Metformin Mittel der Wahl bei Insulinresistenz?

Zumindest wird es am häufigsten verabreicht. Meist bei übergewichtigen Frauen spielt die zunehmende Unempfindlichkeit des Gewebes gegenüber dem Insulin zur sogenannten Insulinresistenz eine große Rolle. Die damit einhergehenden erhöhten Spiegel des Insulins haben einen negativen Einfluss auf den Stoffwechsel des Eierstocks. Daher wird schon seit Jahren das Metformin zur Behandlung der Insulinresistenz eingesetzt.

Der genaue Wirkungsmechanismus ist unklar, aber es erhöht die Empfindlichkeit des Körpergewebes gegenüber dem Insulin. In der Folge sinkt aber nicht nur der Spiegel dieses Hormons, sondern auch die erhöhten männliche Hormone normalisieren sich und die Gewichtsabnahme fällt leichter.

Bis zu 30 Prozent der Frauen leiden jedoch unter den Nebenwirkungen, wie Blähungen und Durchfall und können die Einnahme nicht fortsetzen. Eine besser verträgliche Alternative wäre daher mehr als wünschenswert.

Myo-Inositol: Die Alternative?

Die körpereigene Substanz Myo-Inositol (Z. B. Clavella) scheint in solchen Fällen eine Alternative mit ähnlicher Wirksamkeit zu sein. Erste Belege dazu gibt es bereits seit mehr als 10 Jahren1)Papaleo E, Unfer V, Baillargeon JP, De Santis L, Fusi F, Brigante C, Marelli G, Cino I, Redaelli A, Ferrari A.
Myo-inositol in patients with polycystic ovary syndrome: A novel method for ovulation induction.
Gynecol Endocrinol. 2007 Oct 10;:1-4
.

Ob diese Alternative gleichwertig zum Metformin ist, lässt sich anhand aktuell vorliegender Studien jedoch nicht sicher sagen. Diesen Versuch unternahmen Wissenschaftler aus Italien2)Tagliaferri V, Romualdi D, Immediata V, De Cicco S, Di Florio C, Lanzone A, Guido M
Metformin vs myoinositol: which is better in obese polycystic ovary syndrome patients? A randomized controlled crossover study.
Clin Endocrinol (Oxf). 2017 Jan 16. doi: 10.1111/cen.13304
. 34 Patientinnen (klassisches PCO-Syndrom mit Übergewicht) bekamen entweder 2x 850 mg Metformin täglich oder 2x 1000 mg Myo-Inositol. Nach dreimonatiger Pause erhielten die gleichen Patientinnen die jeweils andere Medikation.

Beide Substanzen reduzierten den Insulinspiegel deutlich und die Empfindlichkeit des Gewebes gegenüber diesem Hormon. Jedoch nur Metformin senkte die erhöhten männlichen Hormone, das Gewicht, den AMH-Spiegel und normalisierte die Menstruation häufiger.

Es gibt einige ähnliche Studien mit kleinen Fallzahlen. Es ist daher an der Zeit, sich die bislang durchgeführten Studien einmal genauer anzuschauen.

Myo-Inositol bei PCO: Eine Übersicht zur Studienlage

Genau das dachten sich auch Kollegen aus Großbritannien und Australien und trugen die Studien zu diesem Thema zusammen. Wie immer bei solchen „Metaanalysen“ findet man natürlich auch viele Studien, die wenig Aussagekraft besitzen. Um sich ein gutes Bild von der Wirkung einer Behandlung machen zu können, muss man sogenannte kontrollierte Studien durchführen. Im Idealfall sind dies Studien, die ein Medikament mit einem Plazebo vergleichen. Bei guter Wirkung des Medikaments, sollten dann deutlich mehr Patientinnen von der Behandlung mit dem „Verum“, also dem richtigen Medikament profitieren als von der Therapie mit dem Plazebo.

Für die Übersichtsstudie wurden alle bekannten kontrollierten Vergleiche mit Placebo oder mit Metformin aus den entsprechenden Datenbanken herausgesucht. Viel blieb dabei letztlich nicht übrig. Insgesamt fand man in zehn Studien Daten von 362 Frauen unter Behandlung mit Myo-Inositol. Diese wurden verglichen mit 179 Frauen, die nur Plazebo erhielten und 60, die mit Metformin behandelt wurden3)Pundir J, Psaroudakis D, Savnur P, Bhide P, Sabatini L, Teede H, Coomarasamy A, Thangaratinam S
Inositol treatment of anovulation in women with polycystic ovary syndrome: a meta-analysis of randomised trials.
BJOG. 2017 May 24. doi: 10.1111/1471-0528.14754.
.

Inositol wirkt 2,3 mal besser als Plazebo

Im Vergleich mit Plazebo fand sich eine 2,3 fach erhöhte Ovulationsrate, die Frauen hatten also einen Eisprung. Und fast siebenfach häufiger traten regelmäßige Zyklen auf. In einer Studie wurde eine um mehr als dreifach erhöhte Schwangerschaftsrate im Vergleich zum Placebo gefunden. Selbst im Vergleich zum Metformin (was beim PCO ja auch nachweislich helfen kann, war die Schwangerschaftsrate um den Faktor 1,5 höher.

Cochrane Database

Wer die Artikel hier häufiger liest, wird auch mit der Cochrane Database konfrontiert worden sein. Hier werden Studien zu vielen medizinischen Fragestellungen zusammengetragen und ausgewertet. Dabei werden sehr strenge Kriterien angelegt, um eine klare Aussage herausarbeiten zu können. Mehr dazu hier. Entsprechend sind die Beurteilungen der untersuchten Behandlungen oft kritischer.

Auch zum Thema Inositol wurde im letzten Monat eine Übersicht veröffentlicht4)Showell MG1, Mackenzie-Proctor R, Jordan V, Hodgson R, Farquhar C
Inositol for subfertile women with polycystic ovary syndrome.
Cochrane Database Syst Rev. 2018 Dec 20;12:CD012378. doi: 10.1002/14651858.CD012378.pub2.
. Insgesamt fanden die Autoren der Studie 13 Studien, in denen die Daten von 1432 PCO-Patientinnen enthalten sind. In 11 Studien erfolgte die Behandlung mit Myo-Inositol in Vorbereitung auf eine künstliche Befruchtung und in weiteren in Begleitung einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke.

Die vorliegenden Studien waren wenig beweiskräftig („low“ bis „very low evidence“). Es konnten keine sichere Aussage darüber gemacht werden, ob die Lebendgeburtenrate und Mehrlingsrate höher oder die Fehlgeburtenrate niedriger war als in den Vergleichsgruppen. Für einen sicher belegbaren positiven Effeki des Inositol bedarf es noch größerer Studien.

Obwohl die Wirkungsart dieser Substanz im Hinblick auf die Eierstockfunktion nicht geklärt ist, sind diese Ergebnisse beachtenswert. Im direkten Vergleich mit Metformin schient Myo Inositol eine Alternative darzustellen. Möglicherweise ergibt sich hier ein zusätzlicher und neuer Therapieansatz für Patientinnen mit einem PCO-Syndrom.
Die Cochrane-Analyse ist da zwar deutlich kritischer in seiner Aussage, aber hier ging es ja auch im Wesentlichen um Vorbehandlungen einer IVF. Sehr viel interessanter wäre ja die Wirkung des Myo-Inositol auf die normale Eizellreifung oder die milde hormonelle Stimulation außerhalb der künstlichen Befruchtung. Die bislang dazu vorliegenden Daten verdienen eine weniger skeptische Beurteilung – wie in der ersten hier vorgestellten Metanalyse von Pundir et al..

Unklar ist auch die Wirkung des Myo Inositol zur Behandlung von Schwangerschaftsdiabetes, auch hier fehlen noch ausreichend belastbare Ergebnisse.


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Literatur   [ + ]

1. Papaleo E, Unfer V, Baillargeon JP, De Santis L, Fusi F, Brigante C, Marelli G, Cino I, Redaelli A, Ferrari A.
Myo-inositol in patients with polycystic ovary syndrome: A novel method for ovulation induction.
Gynecol Endocrinol. 2007 Oct 10;:1-4
2. Tagliaferri V, Romualdi D, Immediata V, De Cicco S, Di Florio C, Lanzone A, Guido M
Metformin vs myoinositol: which is better in obese polycystic ovary syndrome patients? A randomized controlled crossover study.
Clin Endocrinol (Oxf). 2017 Jan 16. doi: 10.1111/cen.13304
3. Pundir J, Psaroudakis D, Savnur P, Bhide P, Sabatini L, Teede H, Coomarasamy A, Thangaratinam S
Inositol treatment of anovulation in women with polycystic ovary syndrome: a meta-analysis of randomised trials.
BJOG. 2017 May 24. doi: 10.1111/1471-0528.14754.
4. Showell MG1, Mackenzie-Proctor R, Jordan V, Hodgson R, Farquhar C
Inositol for subfertile women with polycystic ovary syndrome.
Cochrane Database Syst Rev. 2018 Dec 20;12:CD012378. doi: 10.1002/14651858.CD012378.pub2.
Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

6 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Cocolina schreibt

    Hallo,

    Ich habe kein pco und auch regelmäßig eisprünge.
    Allerdings war mein Homaindex leicht erhöht und mein Arzt hat mir auch clavella empfohlen.
    Aber welchen Sinn soll das dann haben?
    (Habe auch zu.Bsp keine übermäßige körperbeharung)

    LG Cocolina

  2. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    @ Cocolina: bei Neigung zur Insu.linresistenz oder sogar manifester Insulinresistenz ist Metformin sicherlich eher das Mittel der Wahl und Inositol eher nur die Alternative. Wenn man einen regelmäßigen Zyklus mit Eisprung hat, dann stellt sich in der Tat die Frage, was man mit dem Clavella da eigentlich behandelt. Das kann ich Ihnen ehrlich gesagt auch nicht beantworten.

  3. Elmar Breitbach
    Jo_Nana schreibt

    Lieber Doc,

    wäre es aus Ihrer Sicht den Versuch wert, das Myo-Inositol bei PCO und primärer Amenorrhoe zu nehmen, in der Hoffnung einen Zyklus zu bekommen (auch wenn aktuell kein Kinderwunsch besteht)? Oder besser weiterhin die Pille nehmen?

  4. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Man kann es probieren. Allerdings sollte man dann anders verhüten, wenn kein konkreter Kinderwunsch besteht.

  5. Elmar Breitbach
    Jo_Nana schreibt

    Vielen Dank für die Nachricht, lieber Doc!
    Ich hab für meine 20-jährige Single – Schwester gefragt, die die Pille an sich nur wegen dem PCO nimmt. Die will sie eigentlich gar nicht nehmen, aber es hieß immer ohne bestünde die Gefahr, dass sich die Eierstöcke quasi totarbeiten, bis es dann doch mal drauf ankommt zwecks Kinderwunsch!? Dass sie dann gar nicht mehr wissen, was eigentlich ihre Arbeit ist!? Bisherige Pillenversuche über 6 Monate hinweg haben nach dem Absetzen keinen Zyklus gebracht.
    Liebe Grüße Jo

  6. Elmar Breitbach
    Elmar Breitbach schreibt

    Ob es wirklich so viel bringt, PCO-Eierstöcke durch die Pille lahmzulegen, ist auch nicht wirklich erwiesen. Es ist aber die übliche Empfehlung, wenn kein Kinderwunsch besteht und dann ja oft auch der Wunsch nach Verhütung. Wie gesagt, man kann es probieren. Sollte sich ein Zyklus einstellen, dann ist es gut und sollte das nicht der Fall sein, kann man ja immer noch mit der Pille weider einsteigen.