Onlinebefragung zur Nutzung von Kinderwunschforen: Erste Ergebnisse


Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Schwerpunktprogramm „Wissenschaft und Öffentlichkeit“ geförderte Projekt INTRO beschäftigt sich mit der Wissenschaftsvermittlung in Internetforen zur Reproduktionsmedizin und wird von der Universität Trier betreut.

Wir hatten bereits auf die Ergebnisse der sogenannten Leitfadeninterviews hingewiesen, die auch im Internet veröffentlicht wurden. Dem schloss sich ein Onlineinterview an, zu dem auch hier ein Aufruf zur Teilnahme erfolgte. In einem vorläufigen „Werkstattbericht, sind auch diese Ergebnisse nun online gestellt worden [PDF].

Auch in den Ergebnissen der Befragung zeigt sich der hohe Stellenwert, den das Internet zur Beschaffung von kinderwunschrelevanten Informationen hat:

Die Kenntnisse rund um den unerfüllten Kinderwunsch stammen – so fast die Hälfte der Betroffenen – in sehr hohem Ausmaß von anderen Nutzern des Kinderwunschforums oder aus dem Internet allgemein. Der Kinderwunscharzt ist hingegen nur für ein knappes Drittel eine sehr bedeutende Informationsquelle. Fast genauso wichtig sind Ärzte und Experten im Kinderwunschforum. Immerhin noch 22 Prozent der Befragten geben an, dass ihr Wissen rund um das Thema Kinderwunsch aus persönlichen Gesprächen mit anderen Betroffenen stammt.

umfrage1Entsprechend intensiv ist auch die Nutzung der Foren: Mehr als die Hälfte der Befragten gab an, dass sie mehrmals täglich in den Foren unterwegs seien. Wobei hier sicherlich auch eine Verzerrung vorliegt: Jene, die sich zur einer Teilnahme an der Onlineumfrage bereit erklärten, taten dies vermutlich, weil sie das Thema Kinderwunsch und Internet interessiert und vielleicht auch, um den Forenbetreibern, die dazu aufriefen, einen Gefallen zu tun. Diese Gründe kommen bei größerer Bindung an die Foren verbunden mit häufigen Besuchen, sicherlich häufiger zum Tragen.

Sehr wichtig ist auch die emotionale Unterstützung und Möglichkeit zum Austausch

Die am häufigsten genannte Auswirkung der Forennutzung ist die, dass es gut tut zu erfahren, dass andere in der gleichen Situation sind (91,5 Prozent). Damit hängt wohl auch zusammen, dass die Befragten sich durch die Nutzung des Kinderwunschforums weniger allein fühlen (84,8 Prozent). 74 Prozent der Forennutzer geben zudem an, sich im Forum einfach verstanden zu fühlen.

Aber auch negative Aspekte der Forennutzung finden Erwähnung:

Ein knappes Drittel der Forennutzer räumt ein, viel zu viel Zeit im Forum zu verbringen. Und immerhin jeder zehnte Befragte fühlt sich aufgrund der unterschiedlichen Sichtweisen im Forum häufig verunsichert.

Interessant für mich ist die Tatsache, dass die persönlichen Erfahrungen anderer Forenteilnehmer für die Besucher hilfreicher ist als die Sachinformation von Ärzten im Forum. Dann ist mein schlechtes Gewissen nun auch geringer, wenn ich aus Zeitgründen wenig bis keine Fragen beantworten kann, wie es gegenwärtig der Fall ist.

Abschließend noch einmal der Link zu den vorläufigen Ergebnissen der Befragung.


Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über zahlreiche andere Foren von wunschkinder.net.
Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.
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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Nu ja – dann versuchen wir doch mal, den Anteil an ärztlicher Information wieder zu pushen 😀

  2. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    lieber dr. breitbach,

    sie dürfen, wenn ich so den letzten absatz ihres artikels lese, nicht verkennen, dass ältere user mit gewissen medizinischen kenntnissen durchaus von ihrer damals regelmäßigen präsenz profitiert haben – so sehr profitiert haben, dass man sich als mittlerweile "erfolgreiches" kinderwunschpaar sogar berufen fühlte, da einmal intensiv in die materie eingearbeitet, andere leute mit ähnlich gelagerten fällen (z.b. gerinnung in unseren fall) zu beraten oder hilfreiche praxen zu empfehln, die nicht primär kiwu-hilfsleitungen angeboten haben u.ä. informationen zu teilen.
    dieses wissen und die bereitschaft das wissen zu teilen im forum, wäre aber nie zu stande gekommen ohne ihr feedback gerade in medizinischer hinsicht – welcher, sorry, depp muss man denn sein ohne fundierte ausbildung oder fachkenntnisse wildfremde menschen im internet qualifiziert in so wichtigen und persönlichen belangen beraten zu wollen..?!
    wo ich die studie , auch aus persönlicher erfahrung,nur bestätigen kann: der informationsfluss und die individuelle bereitschaft des behandelnden arztes genau zugeschnitten auf die situation und physis des einzelnen kiwupaares zu beraten und vor allem zu diagnostizieren. da liegt für mich, bei aller wertschätzung von standards und schemata, einiges im argen.

    mir ist es häufiger passiert (als medizinischer halb-laie ;-)) auf kiwuärzte zu treffen, die, freundlich formuliert, keinen informationsvorsprung zu meinem gesammelten wissen hatten. das deprimiert und verunsichert und insofern kann ich die wohl proportional größere zahl der medizinischen "voll-laien" sehr gut verstehen, die sich ohne forum und nur mit kontakt zu einem facharzt alleine gelassen fühlen würden als patient – zumal bei seriellem misserfolg der behandlung.

    folgen sie daher ruhig der stimme des gewissens in voller lautstärke 😉

    glg reaba