Nobelpreis für Entdeckung der Ursache von Magengeschwüren


Es ist sicherlich keine News, die explizit in diesen Blog gehört, aber es ist eine interessante Nachricht, die mich als Arzt dann doch interessiert. Weniger wichtig ist es normalerweise wer den Preis bekommt, sondern für welche akademische Leistung er verliehen wird.

Ich habe gerade versucht, herauszufinden, wie lange es eigentlich her ist, dass der Nobelpreis für Medizin tatsächlich einem Arzt zukam. Das muss Jahrzehnte her sein, denn die bedeutenden medizinischen Errungenschaften der letzten Zeit wurden von Biologen, Physikern und anderen Wissenschaftlern endeckt.

Deswegen ist es um so bemerkenswerter, dass nun mal wieder ein Nobelpreis für Medizin tatsächlich an einen Mediziner ging. Zwar ist sind es ein Pathologe und ein Mikrobiologe, aber immerhin.

Barry Marshall ist Professor für Klinische Mikrobiologie an der University of Western Australia. Er ist bekannt für den Nachweis, dass Helicobacter-pylori-Bakterien die Ursache für die meisten Magengeschwüre sind. Er widerlegte damit die jahrzehntelange Annahme, dass Geschwüre hauptsächlich durch Stress, scharfe Speisen etc. verursacht würden.

Die Helicobacter-pylori-Theorie wurde zunächst von vielen Wissenschaftlern abgelehnt, die der Meinung waren, dass Bakterien im sauren Milieu der Magensäure nicht überleben könnten. Um das Gegenteil zu beweisen, trank Marshall 1984 ein Reagenzglas aus, welches einige Milliarden dieser Bakterien enthielt und entwickelte bald Magengeschwüre, die er mit Antibiotika heilte.

Dieser heroische und nicht ungefährliche Selbstversuch überzeugte die Kritiker. J. Robin Warren ist Professor für Pathologie und entdeckt in Biopsien von Magengeschwüren die Helicobacter-pylori-Bakterien.

Medblog :Die beiden Forscher schienen sich ihrer Sache recht sicher zu sein, schon seit einigen Jahren sind sie zum Zeitpunkt der Verleihung in derselben Bar anzutreffen…

[Edit: 4.10.04]: Als Anhang eine Nachricht, die einen als Deutschen auch ein klein wenig freuen darf:

Erstmals seit vier Jahren erhält wieder ein Deutscher den Nobelpreis für Physik. Der Münchner Forscher Theodor W. Hänsch wurde gemeinsam mit den US-Forschern Roy Glauber und John Hall für Arbeiten im Bereich der laserbasierten Spektroskopie geehrt.

Der US-Amerikaner Glauber, der an der Harvard University lehrt, erhält eine Hälfte des Preises für seinen Beitrag zur Quantentheorie der optischen Kohärenz, so die Akademie. Die andere Hälfte geht an Hänsch und Hall für ihre Arbeiten zur Entwicklung von laserbasierter Präzisionsspektroskopie. Hall ist an der University of Colorado in Boulder tätig.

[Via: Sideffects]
„Glauber erhält den Nobelpreis für seine theoretische Beschreibung des Verhaltens von Lichtpartikeln, Hall und Hänsch für ihre Entwicklung der Laser-basierten Präzisions-Spektroskopie. Mit dieser lässt sich die Farbe des Lichtes von Atomen und Molekülen mit hoher Genauigkeit bestimmen.“
[Via: BlauerBote]


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4 Kommentare
  1. Elmar Breitbach
    Reaba schreibt

    freut mich auch ungemein aus verschiedenen Gründen – nicht zuletzt weil ich mich damit in letzter Zeit auch eingehend beschäftigt habe;-):

    es sind wirklich Ärzte, die das erforscht haben:-)

    nicht jeder "Selbstversuch" ist schädlich, wenn man genug Wissen angesammelt hat und das Risiko genau abwägen kann 🙂

    hoffentlich werden viele Menschen jetzt besser diagnostiziert und auch geheilt 🙂

    Und zuletzt eine Frage in die Runde: wie fängt man sich diesen blöden Keim eigentlich ein….denke da in Richtung "Mammi-Baby Kontakt" über ggfs. Nahrungsmittel und Eßgeräte…

    LG Reaba

  2. Elmar Breitbach
    Fassi schreibt

    Hi,

    es gibt bereits Studien, die belegen, dass die Keime von den Eltern ( Meist Mütter) im frühen Kindesalter an die Kids weitergegeben werden.
    Für die Karies-Bakterien ist das schon bewiesen und daher in Bezug auf die heliobacter pylori ein naheliegender Verdacht.

    "Der Übertragungsweg könnte dem des Karies-Erregers Streptococcus mutans ähneln. Dieses Bakterium gelangt überwiegend durch den Speichel der Mutter auf das Kind, beispielsweise über den gemeinsamen Gebrauch des Löffels oder das Ablecken von Schnuller und Nuckelflasche."
    http://www.dgk.de/web/dgk_content/de/ipl-jg-5-3bis4-1999.htm

    Schon seit einigen Jahren gibt es gegen diese Infektionen eine Triple-Therapie ( 3 teils sehr teure Medikamente) die sich bewährt hat,weil sie so schnell u. erfolgreich anschlägt.

    Am Magen befinden sich ähnlich wie im sonstigen Verdauungstrakt Nervenfasern, die natürlich bei Stress auch dafür sorgen können, dass man mehr Säure produziert, genauso wie manche vor Prüfungen stressbedingt dauernd aufs Klo rennen müssen – nur bei den Magengeschwüren hat man 1997 eben die Hauptverursacher, diese Bakterien, gefunden.

    " Dann würden ja Millionen Menschen ohne Diät, Op’s und sehr geschwind heilen." –
    Ja, Andra – viele Menschen, die, welche die recht teuren Medikamente erhalten, sind dann " sehr geschwind" geheilt.

  3. Elmar Breitbach
    reaba schreibt

    danke für die Info, Fassi …hat meinen Verdacht bestätigt.

    Ja, die Möglichkeit auf Heilung ist den Nobelpreis wert…hoffentlich werden viele Menschen dahingehend untersucht und behandelt.

    Meine Mutter hatte den Keim und ist mittlerweile leider verstorben…das waren jahrzehntelange Magenbeschwerden die letztlich in der Magenresektion wegen Ca gipfelten…ihr intrinsic faktor wurde danach nicht substituiert und erst sehr spät Vit B i.m. gegeben…sie hatte wohl auch MTHFR….gestorben ist sie an den Folgen eines Apoplxes. Mein Bruder weist nun auch Symptome auf, die in Richtung perniziöse Anämmie gehen, ist Keimträger und ist auch MTHFR heterozygot – kein Kardiologe/Internist war bisher in der Lage dort den Zusammenhang zu sehen :-(….vielleicht hilft die mediale Information über den Keim und die möglichen Folgeerkrankungen ja nun doch bei einer adäquaten Diagnosefindung und Therapie.

    Ich hoffe es sehr ;-)…der nächste NP sollte an die Entdecker und Behandler der MTHFR-Störung gehen…besonders im Hinblick auf die Relevanz bei KiWu und die doch hohe Verbreitungsdichte der Enzymstörung.

    LG Reaba

  4. Elmar Breitbach
    Lectorix schreibt

    Ich war völlig verwundert, als ich von dieser Entscheidung gehört habe, denn ich dachte, die hätten längst dafür einen Nobel-Preis erhalten… 🙂 Ist ja wirklich erstaunlich, wie lange man dann doch nach "bewiesener" Sensation auf die Lorbeeren warten muss. Aber vielleicht bin ich da ein wenig zu schnell mit die junge Pferds…

    🙂

    Claudia